Schlagwort-Archive: Boris Herrmann

Tag 11,12,13: Lyö

Die zwölf Seemeilen von MOMMARK nach LYÖ reiten wir sozusagen auf einer Arschbacke ab. Gut zwei Stunden Reise. Halbwind. 2. Reff im Groß, um bösen Böen vorzubeugen.

Wir verlassen MOMMARK gegen 0900, viel zu früh. Denn wer will schon vor 1200 im nächsten Hafen einlaufen? Wie peinlich ist denn das? Doch es gibt wirklich nichts zu tun, es ist kalt und ungemütlich und dann kann man ja wohl auch mal los segeln und wenigstens den Anschein von Aktivität liefern?

Klare Ansage: Entdecke!

Auf LYÖ soll nun klappen, was zuvor in MARSTAL am Wetter gescheitert war. Treffen mit Segelfreunden der schnellen Sorte.

Doch während wir an diesem Freitag recht easy den Standort wechseln, haben unsere Freunde es deutlich schwieriger. Der Wind entspricht mal wieder nicht dem, was man im Vertrauen auf die Wetterexperten erwarten sollte. So erreichen die drei erst gegen 2300 LYÖ und wir nehmen sie im allerletzten Restlicht in Empfang. Kein Anlegerbier. Alle sind Müde. Hallo? 2300 Uhr?

Baum auf Lyö

Schon klasse, wenn es in dieser Jahreszeit in der Nacht nur so kurz dunkel ist. 2300 noch Restlicht, gegen 0330 geht es dann mit frischem Licht wieder von vorne los. Eigentlich die ideale Zeit für Übernachter. Doch Segler haben ja immer was, daher: Wenn es nur nicht so kalt wäre, wenn die Sonne fehlt…!

Statt praller Sonne startet der Samstag mit Seenebel der dickeren Art. Erst gegen Mittag hat der Wärmespender von oben den Spuk aufgelöst und dann haben wir tatsächlich mit einem Male Sommer. Sommer!

Hurra. Hurra. Hurra!

Fähre auf Lyö

Die Skipper schrauben ein wenig am anderen Boot, die Frauen vergnügen sich an Land und unvermittelt naht der Abend. Bei so einem fantastischem Wetter steht natürlich Grillen am Hafenhaus von LYÖ auf dem Programm. Ganz so, wie es die Eingeboren an solchen Tagen auch zu zelebrieren pflegen. Da können wir uns wie immer nur was abschauen. Und lernen. Lernen, wie gelassen man die Zeit genießen kann, die man an solch schönen Erdenflecken mit Freunden verbringen darf.

Mehr geht wirklich nicht.

Gemähte Wiese auf Lyö

Wir haben unseren Spaß. Die mitreisende sehr junge Dame im besonderen, als sie den übergewichtigen Skipper des STORMVOGEL mit verschiedenen Gräsern und Blumen in ein zartes, rankes, unschuldig drein schauendes Blumenkind verwandeln darf. Es existieren Fotos davon, doch die sind vertraulich. Schon beeindruckend, wie beschwingt einfach so was geht…

Boot auf Lyö, aber an falscher Stelle

Nun, wir sitzen da also so lachend, feixend und dreist in der prallen Abendsonne herum, kommt da eine junge Familie des Weges und unsere Segelfreunde raunen: „Das ist doch Deutschlands berühmtester aktiver Hochseeregattasegler! Wie toll, was macht der denn hier?“ Persönlich kennen tun sie ihn auch nicht, doch haben sie seine letzte Regatta, die VENDEE GLOBE genauestens verfolgt. Auch und insbesondere die sehr junge Dame, die das frisch drappierte Blumenkind mal kurz beim Anblick des Prominenten Luft holen lässt. Sie hatte damals sogar das Lied „Flieg, Boris, Flieg“ von Frank Schönfeldt während seines Zieleinlaufes in der Biskaya einstudiert. Der stolze Vater hielt diesen akustischen Leckerbissen in einem kleinen Handyvideo für die Familie fest. Nun drängt eben jene sehr junge Dame ihren Vater, mit ihr diesen berühmten jungen Mann auf LYÖ zu begrüßen. Nun, mit dieser kleinen Geschichte und dem Familienvideo sollte es kein Problem sein, einen bekannten Hochleistungssportler auch in seiner sehr privaten Zeit anzusprechen.

Hubschrauber über Mast vom Boot von berühmten Deutschen Hochsee-Regattasegler

Gesagt, getan. Sie bekommt sogar ein Promifoto mit ihm, Jungmädchenträume werden wahr!

Wie schön für alle. Wir albern und lachen weiter doch irgendwann wird es kalt, das Bier ist alle und alle schleichen glückselig zurück an Bord.

Der Wetterbericht für Sonntag verspricht keine einfache Rückreise der Freunde, der Seenebel ergibt sich der Sonne früher als Tags zuvor und schließlich bleiben wir alleine auf der Insel zurück und fangen an, die Lampen unter Deck zu demontieren um sie eine nach dem anderen hübsch säuberlich im Cockpit zu polieren.

Erscheint auf dem Nachbarboot, einer schnittig schicken Carbon-Rennziege aus Hamburg, eine junge Familie samt Hund zu Besuch. Da ist er also wieder, dieser berühmte Deutsche Segler. Bekanntlich ist es ja so, das Sportboote im Hafen eng, also wirklich sehr eng, beieinander liegen und man Mühe hat, nichts vom Nachbarboot mit zu bekommen. Versuchen wir dennoch, räumen aber schließlich auf und gehen auf eine kleine Fahrradtour über die Insel.

Boot auf Lyö, an richtiger Stelle

Große Änderung zu vergangenen Jahren: Nun gibt es unterwegs auch kaltes Bier in der LYÖ OASE, einem kleinen Cafe mit Galerie. Doch selbstverständlich wird wie traditionell schon üblich auch der einzige Kaufmann der Insel mit dem Kauf von ein paar Flaschen kaltem Bier bedacht.

Oder beschenken wir uns eher mal wieder selbst?

Peter.

P.S.:
Als die junge Dame bei Rückkehr in Hamburg von den Eltern gefragt wird, „was war denn das schönste am Wochenende?“, kam wie aus der Pistole geschossen: „Heidi und Peter“ (…und dies weit vor Boris…;-)). So jedenfalls die Überlieferung der Eltern. Und sehr schmeichelhaft für uns alten Leute…

Hafeneinfahrt von Lyö