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Tag 14&15: Lyø, Avernakø, Lyø

Ein Motto der diesjährigen Segelreise könnte sein, auf jeden Fall und wann immer möglich, neue Ziele anzulaufen.

Beim finden attraktiver neuer Ziele hilft bekanntlich der allseits beliebte Schnack auf dem Steg oder Segelfreunde, die heimlich still und leise die Mannschaft auf besondere Ideen bringen.

Korshavn auf Avernakø

Letzteres war vermutlich die Ursache dafür, das wir am Montag gegen den schwachen Südwestwind unter Maschine eine sehr kurze Seereise von 6,5 Seemeilen antraten. Für 6,5 Seemeilen würde der Skipper normalerweise nicht mal müde mit der Schulter zucken, doch ordentlich nach Norden kommt er bei dem wenigen umlaufenden Wind auch nicht. Warum denn also nicht?

Das unbekannte Ziel: Die Insel AVERNAKÖ und dort der südliche Minihafen KORSHAVN.

Strasse von Süd nach Nord auf Avernakø

Wassertiefe im Hafen so um und bei 2 Meter, aber bei der Länge des STORMVOGELS wohl nur wenig brauchbare Boxen. Egal. Denn wenn wir dort nichts finden, können wir zurück in den eigentlichen Yachthafen von AVERNAKÖ im Norden oder ein sehr kleines Stück weiter um im Süden der Insel zu ankern. Das Wetter passt.

Liegeplätze an der Außenmole von Korshavn auf Avernakø

KORNSHAVN ist wirklich winzig und sehr verlassen. Ein Dänisches Motorboot liegt noch im Hafen, ein kleines Segelboot an der langen unruhigen Außenpier.

Kein Mensch zu sehen.

An Land wird gerade ein wunderbares Haus wieder her gerichtet, die Leute scheinen Dänen zu sein. Der Gelassenheit nach zu urteilen.

Yachthafen im Norden der Insel Avernakø

Nachdem wir den Dampfer ordentlich angebunden haben und eine ewig lange Stromleitung verlegen kommt, was auf so einer Insel kommen muss. Die allseits beliebte Inselerkundung per Fahrrad! Hurra wäre glatt übertrieben. Fahrräder stehen nicht abgeschlossen am Hafen herum, die kleine Miete steckt man in einen hölzernen Briefkasten. In diesem Jahr scheint die Sattelfrage zu einer existentiellen zu werden. Der Skipper will sich das Recht des Stärkeren heraus nehmen und besteht auf dem einzigen Damenfahrrad mit einem schön komfortablen Sattel. Doch die Mannschaft besteht auf ihr Recht als Herzallerliebste und so geht es für einen der beiden doch recht unkomfortabel gen Norden. Kaufmann und nördlicher Yachthafen als Landziel.

Blick von Avernakø zur nördlichen Nachbarinsel Lyø

Schöne, andere, flacherer Landschaft als bei der Nachbarinsel LYÖ, doch auch hier geht es mitunter AUF und AB und beim AUF kapitulieren beide Reisende zu oft. Doch was will man von bewegungsarmen Seglern auch erwarten?

Wie gut, das wir den nördlichen Hafen von AVERNAKÖ (BADEHAVN) noch nie angesteuert haben. Sehr, sehr langweilig. Keine Ahnung, wieso man hier her kommen sollte? Der Kaufmann im Ort ist da schon interessanter. Etwas wunderbar wuselig dort, doch die alte Frau hinter dem Tresen kann Gedanken lesen! Denkt jedenfalls die Mannschaft, als sie frischen Salat sucht und die Frau aus dem Kühlraum ungefragt einen sehr gut aussehenden Salatkopf auf den Tisch legt. Wie schön! Der Skipper stellt zwei kalte Bier dazu und wie üblich bei diesen kleinen Kaufmannsläden sitzt man gemütlich vor dem Laden und leert die soeben erstandenen Flaschen, stellt das Leergut in die dafür bereit stehende Kiste und zieht seines Weges.

Schon wieder ein Boot an der falschen Stelle

Auf dem Rückweg nach KORSHAVN kauft die Mannschaft noch frische Eier, Marmelade und Petersilie an einem der zahlreichen Hofstände entlang des Weges. Profis zahlen hier mit dem Handy per MOBILE PAY, wir schnöden Deutschen Touristen legen brav Bargeld in die Kassette.

Gauner, Arschlöcher und Gierige hätten ihre wahre Freude. Könnte man hier doch was zu Essen UND Geld auf einmal klauen. Ohne Videoaufnahme. Ohne Polizei. Ohne Konsequenz. Ist ein auf großes Vertrauen aufgebauter Lebensentwurf nicht so grandios, das er für Stadtbewohner unwahrscheinlich klingt? Mag sein, doch hier, im ländlichen Dänemark wird er gelebt und es ist uns eine wahre Freude, ein Teil davon zu sein!

Verkehrstechnik auf Avernakø

Zurück auf dem STORMVOGEL genießen wir die sehr stille Abendstimmung und sind froh´, dem Rat der Segelfreunde gefolgt zu sein.

Am kommenden Morgen erwandern wir die Südspitze von AVERNAKÖ und schaffen so locker unsere vorgenommene mindestens einstündige körperliche Ertüchtigung am Tag. Zum einen sind wir wie immer deutlich länger unterwegs, zum anderen führt die Mannschaft den Rückweg über den von groben Kieselstein übersäten Strand. Ganz schön anstrengend!

Ankerbucht im Süden von Avernakø

Frühstück, Dampfer Seeklar machen und am frühen Nachmittag wieder unter Maschine zurück nach LYÖ, doch diesmal auf Anker. Denn am nächsten Morgen wollen wir mit dem aufkommenden Ostwind in einem Rutsch nach MIDDELFART, da ist eine vorweg genommene Reisestunde durchaus willkommen!

Peter.

Traumhaus im Süden von Avernakø