Kurzausflug auf die Insel GAVDOS, mit ohne Wohnmobil, in vier Akten:
1) Anreise
2) Kirchenfest
3) Inseltour
4) Abreise
Teil 4: Eine beschwerliche Abreise
Pünktlich um 1030 steht der weiße klapprige FORD TRANSIT des Kapitäns vor der Heimattaverne (Theofilos Livykon) um die Passagiere für die heutige Rückfahrt nach PALEOCHORA, KRETA einzusammeln. Zwei Fahrradtouristen die auch mit wollen sind mit ihren Fahrrändern schon mal in den Hafen vorgefahren, außer der kleinen Reisegruppe steigen noch zwei weitere Menschen in den Bus.
Der Kapitän sieht müde aus. Das liegt wohl an der Saisonende Party der Taverne der schönsten Bucht von GAVDOS, SARAKINIKO? Am Abend zuvor hatte uns der Kapitän auf der Rückfahrt vom Leuchtturm zur Heimattaverne davon berichtet. Wir können auch gerne kommen, allerdings müssten wir das Motorrad nehmen, denn er wisse nicht, wann er hingehen- und wie lange er dort bleiben werde und er könne uns auch nicht zurück bringen.
Die kleine Reisegruppe überlegt nur sehr kurz. Lieber nicht. Zum einen reicht das heute Erlebte schon wieder für mehr als einen Tag, zum anderen würden wir niemals mit dem Motorrad in der dunklen Nacht über die Insel fahren.

Nun, auf Nachfrage der neugierigen Beifahrerin meint der müde Kapitän, um 0400 sei er dann auch mal ins Bett gegangen. OK, war wohl keine Party, sondern eher eine Orgie. Sein permanenter Begleiter, wohl so was wie ein Bootsmann, sieht auch nicht viel besser aus. Echte Seeleute: Vor dem großen Törn noch mal ordentlich einen bechern.
Das Boot im Hafen KARAVES von GAVDOS ist schon vom Liegeplatz zum Anleger vorholt, diesmal gibt es außer den beiden Fahrrädern nur das Gepäck der wenigen Reisenden sowie einen Seehund zu verladen und nach zehn, zwanzig Minuten geht es auch schon los.
Was dann folgt ist für ehemalige Segler schon fast tragisch. Relativ früh´ machen die beiden Mägen der kleinen Reisegruppe klar, das sie die stampfenden Bootsbewegungen nicht besonders lustig finden und schalten beleidigt auf Seekrank um. Nun, zwei, maximal drei Stunden wird die ja wohl in Schach zu halten sein? Komischer Weise scheint es allen an Bord so zu gehen. Allen Passagieren, dem Seehund, dem Kapitän und dem Bootsmann. Wobei die beiden Letztgenannten natürlich andere Gründe für ihr Unwohlsein vorschieben würden.
Auf der Hinfahrt hat der Kapitän seinen Steuerstand nicht einmal verlassen, jetzt auf der Rückfahrt wechselt er sich alle halbe Stunde mit seinem Bootsmann ab. Schon gut gedacht, solche, wenn auch kurzen, Hochseetörns mit zwei Mann zu absolvieren.

Eines der Kinder der kleinen Reisegruppe meint später, wir wären wohl nur elendig verweichlicht. Das ist natürlich eine Frechheit, aber der Bedarf nach opulenten Seereisen auf kleinen Schnellbooten ist erst mal ganz klar gestillt.
Die Erleichterung bei Erreichen des Hafens von PALEOCHORA ist groß. Eine herzliche Verabschiedung vom Kapitän, einer seiner Landleute bringt die Reisegruppe mit einem klapprigen PickUp in die Stadt, wo der Fahrer im Sinne einer medizinisch dringenden Erstversorgung nach einigen gut gekühlten kleinen metallischen Zylindern verlangt, um Kopf, Geist und Magen in einem Rutsch schnellstmöglich zu beruhigen. Was war das denn bloß für ein beschissener Ritt?
Zurück auf dem nicht ganz so schönen Campingplatz von PALEOCHORA wird noch schnell die Wäsche gewaschen, denn am nächsten Tag soll es denn auch mal weiter gehen.

Zum Abschluss des kurzen, aber ganz hervorragenden GAVODS Ausfluges müssen noch ein paar Worte über den Kapitän geschrieben werden. Der Aufhänger ist, mal wieder, „Schubladendenken“.
Vor vier Tagen, bei der Abreise stehen ein paar Leute im Hafen um das Boot herum. Der Kapitän war zu diesem Zeitpunkt der kleinen Reisegruppe natürlich noch unbekannt und so fragten sich die Touristen, wer denn wohl der Kapitän sein könne? Der eine da etwa, sportlich, Jeansshorts, drei Tage Bart, Sonnenbrille auf der Stirn und immer zu am lächeln? Oder der andere da, ganz in schwarz schick angezogen, ernst drein blickend, George Clooney nicht ganz unähnlich?
Beides falsch. Den tatsächlichen Kapitän hat die kleine Reisegruppe gar nicht wahrgenommen, nicht einmal gesehen, obwohl er selbstverständlich auch an der Pier war. Der Typ mit der Sonnenbrille war der Bootsmann, der Ernste der Tavernenwirt von unserer Heimattaverne.
OK, Aussehen ist nicht alles.

Unzweifelhaft beherrscht der Kapitän sein Seemanshandwerk. Doch er weiß auch mit seinen Touristen umzugehen und kümmert sich ohne Aufforderung um alles, was gerade bei den Touris anliegt. Bringt mal eben ein Motorrad mit auf die Insel, weil wegen Saisonende kein zu mietendes mehr auf der Insel ist. Organisiert im vorbei gehen Schlafmöglichkeiten und kutschiert die Leute mit seinem Bus über die Insel.
Dabei ist er aber auch permanent mit den Einwohnern im Gespräch. Setzt sich zu den Inselleuten an den Tisch, hört denen meistens zu und ist zurückhaltend, niemals laut. Genau so wird er seine Geschäfte machen. Immer gut vernetzt sein, immer den Inselleuten (Gästezimmer, Tavernen) helfen, mit den von ihm auf die Insel gebrachten Touristen Umsatz zu machen. Ganz schön clever.
Ohne Zweifel geht es ihm um die Sache. Er möchte, das Touristen nach GAVODS kommen. Egal ob mit ihm oder in der Saison mit der großen Fähre im eigenen Auto.
Hauptsache GAVDOS stirbt nicht aus.
Guter, beeindruckender Mann, unser Kapitän!
Ganz so wie es sein soll.
Peter.


