Nach der eher theoretischen Betrachtung von überladenen Wohnmobilen im ersten Beitrag folgt nun hier endlich mal die Praxis!
Denn unser Wohnmobil KNAUSi hat endlich mal seinen ersten Strafzettel wegen Überladung kassiert.
Leider hat es die Kinder erwischt als sie auf der Rückreise von SLOWENIEN über ITALIEN nach ÖSTERREICH, genauer KÄRNTEN gelangten. Direkt nach der Grenze wurden alle Fahrzeuge über 2,8 Tonnen auf einen Parkplatz abgeleitet. Dort lauerte eine mobile Waage auf frisches Wohnmobilfutter.
Laut deren Anzeige brachte KNAUSi satte 3.800 kg auf die Waage. Mit drei Passagieren, kaum noch Frischwasser und Ausrüstung, aber fast vollem Dieseltank.
Das sind offiziell genau 8,6% zu viel und entspricht nach polizeilichen Maßstäben in KÄRNTEN wunderbaren 140,00 Euro. Oder umgerechnet eine Tankfüllung für knapp 1.000 Kilometer.

Nun, die entzürnten Kinder waren sich selbstverständlich keiner Schuld bewusst. Hat sie doch niemand auf die Gefahr der Überladung oder besser des eventuell dafür fälligen Strafzettels hingewiesen. Das mit dem fehlenden elterlichen Hinweis wird wohl richtig sein, hätte aber nichts an der Tatsache an sich geändert.
Allerdings hätten die verleihenden Eltern das auch wirklich nicht vermutet. Denn das Auto wurde fast leer an die Kinder übergeben, weil die Jungend die elterliche Ausrüstung natürlich nicht mit herum schleppen wollte.
Wie es genau zu den 3.800 Kilo kam bleibt im verborgenen, ob es wirklich genau 3.800 Kilo waren ebenso, denn, man glaub es kaum: Darüber hat die kontrollierende Polizei leider keinen Beleg ausgehändigt. Und noch nicht mal das festgestellte Gewicht auf dem ausgehändigten Strafzettel vermerkt.
Auf der Suche nach dem ewig positiven:
Es gab Rabatt!
Hurra!
Zahlt man die Strafe vor Ort sofort (mit Karte) bleibt es bei 140 €, besteht man auf nachfolgenden Schriftverkehr kommen noch mal 70 € hinzu.
Andere Länder, andere Sitten.
Nun, wie konnte KNAUSi bei der Übergabe an die Kinder bloß so zugelegt haben?
Zurück in ELMSHORN erst mal auf die Waage – genau so, wie das Auto den Kindern übergeben wurde: 3.260 kg mit 40 Liter Diesel, ca. 30 Liter Wasser, ohne Besatzung. Das ist echt zu viel für in gefühlt leeres Wohnmobil und liegt dann offenbar doch am hydraulischen Wagenheber, Abschleppseil, Überspielkabel und den beiden 6in1 Rampen.
In Summe vielleicht 100 kg? Denn mehr war dann wirklich nicht mehr drin.
Nun, ist man schon mal am wiegen, kann man ja weiter mit Gewichten experimentieren:
Mit drei Personen: 3.480 kg, wobei der Schreiberling nicht dabei ist.
Schreiberling mit aktueller Beifahrerin: 3.470 kg.

Also irgendwas müssen die Kinder dann doch noch im Auto gehabt haben um auf 3.800 kg zu kommen. Oder es waren nur 3.700 kg und mobile österreichische Autobahnwaagen runden großzügig auf?
Einen Tag später.
KNAUSi ist fast vollständig für die BALTIC 2024 Reise (im übrigen ist es PLAN B geworden, doch das ist eine andere Geschichte) ausgerüstet. Vollgetankt (120L Diesel), ca. 50 Liter Frischwasser, kein Grau- und Schwarzwasser, zu viel Wein und Bier, Lebensmittel für vier Tage, zwei mal Klamotten für zehn Tage, komplette Camping- und Ersatzteileausrüstung.
Abends wieder auf die Waage, diesmal mit Anhänger, denn die Anhängerstützlast bringt ja auch Gewicht auf das Wohnmobil.
Mit Anhänger, ohne Personen: 3.450 kg. Diese Messung wird aber Nonsens gewesen sein, denn die Achse des Anhängers passte nicht mit auf die Waage und das wird das Ergebnis verfälscht haben.
Ohne Anhänger, ohne Personen 3.490 kg. Alles paletti, würde KNAUSi denn alleine, ohne Besatzung fahren können! Das ist doch die Idee schlecht hin! Lasst KI gesteuerte Wohnmobile durch die Gegend kurven und streamt die Bilder live!
Irgendwas ist ja immer.
Die 3.800 kg werden die Eltern aber nicht reißen.
Nun wird es aber nicht reichen, durch sparsame Fahrweise schon mal 140 € für einen zukünftigen Strafzettel in ÖSTERREICH anzusparen. Denn der Herr Vater wird 210 € brauchen. Würde er doch auf den vollen „Papierkram“ bestehen und insbesondere einen amtlichen Gewichtsbeleg in den Händen halten wollen. So was muss man sich halt leisten wollen.
Die Kinder waren schlau und blieben höflich. Denn im Prinzip hätte die Polizei wohl noch ein größeres Fass wegen Fahrens ohne Führerschein aufmachen können. Und womöglich auch noch die Weiterfahrt verhindert. Haben die Kinder doch nur einen Führerschein für maximal 3,5 Tonnen.
Es wird unmöglich sein, KNAUSi vollständig ausgerüstet, betankt und besetzt auf 3.500 kg zu bekommen. Da er ja technisch sowieso schon immer auf 4.200 kg aufgelastet ist wird man dieses richtigere mögliche Gesamtgewicht wohl doch mal in die Papiere eintragen lassen müssen?
Und die Kinder müssen ihren Führerschein erweitern oder sich ein anderes Leihauto suchen.
Klar. Gesetzte sind dazu da eingehalten zu werden.
Aber diese Nummer mit angeblich überladenen Wohnmobilen könnte man sicher mal aufräumen.
Die gut am Verkauf verdienenden Hersteller solcher Fahrzeuge könnten ja mal los legen und aufhören sich in die Tasche zu lügen?
Peter.