KANAREN 2024: Anreise, Fähre MV MARIE CURIE

Vom erwarteten Sturm kann man sicherlich nicht mehr sprechen.

Laut Handy gestützter GPS Messung läuft die MV MARIE CURIE 42 km/h. Diese Maßeinheit für Geschwindigkeit ist auf See natürlich verpönt. Da wird kernig in Knoten gerechnet. Bummelig km/h durch zwei gibt Knoten. Also brettert unsere Fähre mit 20 Knoten gen Süden. In etwa so schnell wie unsere neuen Motorroller. Oder drei mal schneller als es der STORMVOGEL jemals tun würde.

Fährhafen HUELVA: Von hier aus geht es auf die KANAREN

Nun, da sich auf dem kleinen Sonnendeck mittschiffs kaum ein Lüftchen regt, dürfte der Wind auch nur mit um und bei 20 Knoten aus irgendwas mit Nord wehen. Reisegeschwindigkeit hebt Windgeschwindigkeit auf. Ganz schön komfortabel, denn die Sonne schafft es bei dieser relativen Windstille trotz der merkwürdigen Bewölkung irgendetwas wie Wärme zu vermitteln. Fühlt sich richtig gut an.

Der Dampfer ist mit knapp 190 Metern Länge ganz schön klein für seine Aufgabe. Müsste man mal recherchieren, aber die MV MARIE CURIE sieht bei genauerer Betrachtung älter aus, als sie auf den ersten Eindruck wirkt. Vermutlich vor kurzem mal ein Refit durchlaufen? Und dabei gleich die Maschinenanlage LNG fähig gemacht? Zwei große ovale Flüssiggastanks auf dem Achterdeck, irgendwas in spanisch mit Nachhaltigkeit auf die Bordwand gepinselt und jede Menge weißer Rauch, als unmittelbar nach dem Auslaufen die Maschine von Diesel auf Gas umgestellt wird. Geht doch.

MV MARIE CURIE: Interessanter Schornstein

Alles, was Passagiere angeht reicht auf der MARIE CURIE nur vom Bug bis Mittschiffs, dann ist Schluss mit neugierigen Passagieren. Verglichen mit der ADRIA Fähre ab ANCONA geht es schon beim verladen militärisch seriös zu. Keine Spur vom herrlichen Chaos in ITALIEN oder GRIECHENLAND. Keine Schiffsphotos von der Pier aus nächster Nähe. Alle in Reih- und Glied. Der Reisepass (bzw. dessen Nummer) als Ticket. Ganz schön dreist, dieses hoheitliche Dokument für private kommerzielle Zwecke zu missbrauchen. Aber, wir sind immerhin in Westeuropa, super effizient.

Angeblich sollen über 600 Passagiere auf dem Dampfer Platz finden. Dann möchte man sicher nicht an Bord sein. Denn alles wirkt (wieder im Vergleich zu der ADRIA Fähre) unglaublich klein für einen Dampfer, der 36 Stunden den offenen ATLANTIK bereist.

Durch die achterliche See, Welle vielleicht vier Meter, rollt die MV MARIE CURIE munter von einer auf die andere Seite. Manchmal auch etwas heftiger, dann geht halt im Self-Service-Restaurant was kaputt, wenn ein ganzes Tablett mit ordentlichem Essen darauf sauber vom Tisch rutscht. Ungewohnt, aber nicht unangenehm. Vermutlich wären die Schiffsbewegungen bei Gegenkurs und gleichem Wetter zum kotzen. (Kein Wortspiel).

Die vielen jungen Passagiere mit ihren Hunden fallen auf. Die haben ein Deck tiefer ihr eigenes, noch kleineres Sonnendeck. An beiden Seiten stehen Eimer mit Feudeln, offenbar um tierische Hinterlassenschaften zu beseitigen. Natürlich auch Self-Service.

MV MARIE CURIE: Downwind auf See

Drei Decks tiefer, wo KNAUSi samt Anhänger allein in Dunkelheit sein trauriges Dasein fristet, stehen gleich nebenan noch zwölf Pferde in einem Spezialtransporter herum. Hoffentlich haben die Tiere neben Wasser und Stroh auch ordentliche Beruhigungsmittel bekommen.

Von der Schiffsbesatzung sieht man kaum jemanden. Die paar Leute im Restaurant, manchmal ein paar jüngere Seemänner die mehr oder weniger elegant das Salz vom Sonnendeck feudeln. Sonst niemanden. Einen Uniformträger scheint es nicht zu geben, doch irgendjemand wird das Schiff ja wohl führen?

Aus irgendeinem Grund ist es viermal am Tag zu festgelegten Zeiten erlaubt, sein Auto für fünfzehn Minuten zu besuchen. Dann steht Bordpersonal an den Eingängen zu den Autodecks und passt auf, das auch ein jeder Autobesucher zurück kommt. Dieser ungewohnte Brauch erschließt die einmalige Gelegenheit, an kostengünstige kleine metallische Zylinder aus eigenen Vorräten zu kommen, statt die fünf mal teuren Geschwister aus dem Bordrestaurant zu erstehen. Aber ob die Reederei diesen Service sich tatsächlich nur für diesen Zweck ausgedacht hat?

Der Reisegruppe geht es gut, wenn auch ein einzelner Australier wahnsinnige Bauchschmerzen wegen seines Kühlschrankes hat. Denn auch dieses nagelneue Teil hat seinen Dienst überraschend am Abreisetag zur Fähre eingestellt. Über die Gründe der nicht kühlenden Arbeitsverweigerung wird noch wild spekuliert, noch wilder wird vermutlich die Reparatur, wenn diese denn überhaupt möglich ist. Im Vertrauen auf den einzigen THETFORD Händler auf den ganzen Kanaren wurde die Fährfahrt dann doch angetreten. Zum Glück.

Irgendwie ist es bei Wohnmobilen ja dann doch wie bei Booten: Man repariert sich durch die Welt.

Doch wie schön, das die Reisegruppe mit zwei Autos unterwegs ist! Denn neben der Möglichkeit, gleich an zwei Autos Reparaturen durchführen zu müssen, äh, dürfen (!) ergibt sich auch die Möglichkeit der Kühlschrank Untermiete für wertvolle Lebensmittel.

MV MARIE CURIE: Pferde an Bord

Die zu zahlende Miete wird wie ortsüblich in kleinen metallischen Zylindern je Packstück berechnet.

Zu blöd nur, das dem Vermieter erst hinterher auffällt, das im eigenen funktionierenden Kühlschrank bei den vielen Untermietern gar kein Platz mehr zur Kühlung eben jener kleinen metallischen Zylinder bleibt.

Ach je.

Aber irgendwas ist ja immer.

Peter.

P.S.: 14 Stunden ToGo. Irgendwann am sehr frühen Morgen Zwischenstopp auf TENERIFFA, etwa ein Drittel der Autos gehen dort hin. Auf das unmittelbar bevorstehende Wiedersehen mit der BELLA Crew wird sich so was von gefreut!

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