MA26: Zag, ein kleines Wüstenabenteuer

Wenn ein Tag schon merkwürdig anfängt und man das sogar auch noch bemerkt, ja dann, dann sollte man auf der Hut sein!

Eine sehr gute Nacht bei Ali auf dem Platz CAMPING TOURISTIQUE LA SAGUIA an der N14 nördlich von SMARA verbracht. 

Morgenroutine:
Die fängt hier im Süden im Moment immer recht spät an. So gegen 0830 geht es mit dem Aufstehen mal los. Wer will schon im dunklen aufstehen? Die beifahrende Strickliesel bereitet wie immer den Morgenkaffee. Der aktuelle Fahrer kümmert sich derweil um die Tagesnavigation. 

Auf der N14 von SMARA in Richtung ZAG

Merkwürdig: 
Die GIZIMAP Landkarte hat eine dicke fette gelbe Straße nach ZAG mit Namen N14 eingezeichnet. Startet nördlich von SMARA. Diese Karte war in den vergangenen Tagen auch immer die erste, verlässliche Orientierung. 
Nur, gefahren wird mit TOMTOM und das Teil kennt die Straße zwar, wenn man weit genug hineinzoomt, kann aber keinen Weg darüber nach ZAG finden. Nur außen herum über TAN TAN gelangt man nach ZAG. Auch über alle Arten von Straßen, inklusive Pisten kommt TOMTOM nicht über die N14 zum Ziel. Das ist schon sehr merkwürdig. Bisher hat TOMTOM immer die gewünschte Route gefunden. Selbstverständlich wurde die aktuellste MAROKKO Karte ins TOMTOM geladen.
OK, dann eben heute Ausnahmeweise mal mit GOOGLE MAPS fahren. Das Teil findet einen Weg, aber GOOGLE MAPS behauptet die Straße starte in SMARA und nicht nördlich davon. Nun, es macht wenig Sinn verschiedene Navigationsarten miteinander zu vermischen, also glauben wir mal dem allwissenden GOOGLE.
Zurück nach SMARA. Der Polizist am Ortseingang fragt nach den Pässen und lässt uns schnell weiterfahren. Gut eine wertvolle Stunde kurven wir morgens in SMARA herum um die Straße nach ZAG zu finden. Die GOOGLE MAPS Straßenkarte passt absolut nicht zur Realität. Und was wohl viel entscheidender ist: Am Ortsausgang von SMARA in Himmelsrichtung ZAG finden sich auch keinerlei Straßenschilder die auf eine Straße Richtung Osten hindeuten.
Weder zum Fernziel ZAG, noch nach HAWZA, JDIRIYA, AL FARCIYA oder AL MAHBAS. Alles Orte, die laut GIZIMAP auf dem Weg liegen sollen. Nichts, nur hier und da eine unbeschilderte Piste am Ortsrand ins nichts. 

Auch das ist sehr merkwürdig, denn MAROKKO beschildert seine Straßen an sich sehr gut. 

OK, Zeitverschwendung in SMARA weiter zu suchen.

(Vermutlich) JDIRIYA, zwischen SMARA und ZAG, MAROKKO

Also wieder zurück in Richtung CAMPING TOURISTIQUE LA SAGUIA an der N14. Wenn es wie in GIZIMAP und TOMTOM zu sehen einen Abzweig nach Osten gibt, dann muss dieser nördlich vom Campingplatz liegen. Wenn der Abzweig nicht kommt, fahren wir eben außen herum über TAN TAN. Muss dann wohl so sein.

Am Ortsausgang von SMARA winkt uns der gleiche Polizist wie zuvor durch, doch wir halten (weit und breit kein Verkehr) und fragen ihn nach dem Weg nach ZAG. Den kenne er auch nicht so genau, vieles davon sei „PISTA“. Das Militär vor Ort würde uns schon den Weg weisen. 

OK, schauen wir mal.

Tatsächlich kommt wenige Kilometer nach dem Campingplatz der erhoffte Abzweig nach rechts, also nach Osten. Straßenschilder zeigen die Entfernung nach HAWZA und JDIRIYA. Nicht nach ZAG. Die Straße sieht sehr gut aus. Dann mal los!

Nach gut 100 Kilometern problemloser Fahrt sollte eigentlich der in der Karte eingezeichnete und auch ausgeschilderte Ort HAWZA in Sicht kommen. Nichts, einfach gar nichts. Komisch?

Na ja, erst einmal abseits der so gut wie nicht befahrenen Straße (bisher 3 Autos gesehen) frühstücken. Später kommt eine kleine Baustelle für einen Wasserlauf unter der Straße, die Umfahrung ist gut zu erkennen und auch als Piste eingerichtet. Kein Problem.
Nach ungefähr 250 Kilometern macht die Straße eine scharfe Linkskurve und endet nach knapp einem weiteren Kilometer einfach im Nichts. Schluss. Auch kein Übergang zu einer Piste. Einfach Ende Gelände.

Das hier muss JDIRIYA sein! Kommt kilometermäßig ungefähr hin und immerhin stehen hier zwei Gebäude. Sogar zwei Menschen sind zu sehen. Ein Radlader schürft Kies aus der Wüste und kippt den in einen wartenden LKW.
Da muss man wohl mal fragen gehen! Die beiden Arbeiter unterbrechen ihre Arbeit und geben zu verstehen, dass wir ein Stück zurückmüssen, da gebe es einen Abzweig nach Osten, den sollen wir nehmen, wenn wir nach ZAG wollten. Aber irgendwann würde die Straße zur „PISTA“ werden. 
Ja, ja, das haben wir ja schon gehört. Eine Piste macht uns spätestens nach der SÜDAMERIKAREISE SA2223 keine Bauchschmerzen. Gut 5.000 Kilometer haben wir damals auf unterschiedlichen Untergründen abgefahren. Das wird schon.

Hier wird gebaut, aber eine gute Piste ist gut erkennbar rechts daneben eingerichtet (N14 zwischen SMARA und ZAG, MAROKKO)

Tja, was soll man selbst von dieser immer wieder hochkochenden Selbstüberschätzung, oder sollte man besser von Überheblichkeit sprechen, halten? Das schöne ist ja, man kommt immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann.

OK, vielen Dank! Also ein kurzes Stück zurück und tatsächlich, da geht eine asphaltierte Straße nach Osten. Vorher gar nicht wahrgenommen. Keine Schilder, keine Straßenmarkierungen. Aber solide. Weiter!

Außer den beiden Bauarbeitern haben wir seit Stunden keine Menschen mehr gesehen, auch nicht in Fahrzeugen sitzend. 

Nach vielleicht weiteren 50 Kilometern ist die Straße wieder zu Ende und eine Baustelle für einen Straßenneubau ist voraus gut zu erkennen. Nur keine vorbereitete Piste entlang der Baustelle? Einzelne Reifenspuren sind im Geröll und Sand zu erkennen. Hier soll man fahren? Wie lange? Wie schwierig? 

Na ja, wer will schon nach 300 Kilometern umkehren?

Los geht die wilde Wüstenfahrt:
Im 2 Gang (manuell) mit max. 20 km/h. Oh Mann, wie das scheppert und rappelt! Alle paar hundert Meter eine Art Sandfluss quer zur Fahrtrichtung der die ansonsten feste Geröllfläche unterbricht. In den Sandabschnitten kann man, je nach Größe, viele, manchmal sehr viele parallele Fahrspuren erkennen. Offenbar versuchte bisher jeder Fahrer nicht in bereits aufgewühlten Sand zu fahren. 
Wir auch nicht, mit Schwung hinein! Bloß nicht stecken bleiben! Manchmal schnell noch die Traktionskontrolle für die Vorderräder zugeschaltet. 

OK, „PISTA“ ohne Piste. Freifahrt in der Wüste zwischen SMARA und ZAG auf/an der N14. Marokko.

Das eigentliche Ding mit diesen merkwürdigen Sandflüssen: 
KNAUSi samt Anhänger wirbelt darin so unglaublich viel Sand auf das der starke Rückenwind die aufgewirbelte Sandwolke über das Auto nach vorne bläst und jegliche Sicht voraus genommen wird. Das führt manchmal zu einer Vollbremsung. Zu gefährlich ohne Sicht weiter zu fahren. Wer weiß schon was als Nächstes kommt. Mäßig dicke Steine hat der Unterfahrschutz aus Aluminium schon genug weggedrückt. Irgendwann ist womöglich ein Stein zu groß?
Instinktiv im roten Sandstaub den Scheibenwischer angemacht. Schon klar. Tödlich für die Gummis, aber besser die sterben als das wir uns festfahren oder mit irgendetwas kollidieren. 

Das wird ein sehr hartes Stück Arbeit und eine sehr große Belastung für Auto und Anhänger. 

Aber, sicherlich purer Zweckoptimismus: So lang kann die nicht befahrbare Neubaustrecke (hier noch ohne Belag) ja wohl nicht sein? 

Wie aus dem Nichts tauchen auf einmal drei Männer auf. Die arbeiten an einem quer zur Straße laufenden Kanalrohr aus Beton und brauchen Trinkwasser um einen Tee aufzusetzen. Einen angebrochenen 5 Liter Eumel können wir erübrigen, ein Baguette auch. Die drei freuen sich einen Wolf. Leider gelingt es nicht von ihnen zu erfahren, wie weit die Neubaustrecke nicht zu befahren ist. Egal. Drei zahnlose Lächeln eingesackt. Oh, was für eine herrlich einfache Welt das hier ist. 

Etwas mehr Übung als zu Anfang ermöglicht nun auch mal den dritten Gang, aber das wilde hin und her kurbeln am Lenkrad bleibt. Auch die super schnell notwendigen Entscheidungen, wo und wie man am besten die immer wieder aus dem Nichts auftauchenden Sandflüsse quert fordern permanente Aufmerksamkeit. 

Es geht unglaublich langsam voran. Wenn diese wirklich schlechte Wegstrecke bis ZAG mit geschätzten 150 Restkilometern so bleibt kommen wir heute auf keinen Fall mehr an. Die Sonne geht um 1917 unter, nun ist es bereits nach 1600. Da wir tatsächlich immer noch niemanden sehen, auch kein Militär, dürfte eine Übernachtung in der Wüste wohl sicher sein?

Reifenwechsel mit Hinternissen auf der N14 zwischen SMARA und ZAG (MAROKKO)

Auf einmal tauchen links Bagger und LKW´s auf. Und Menschen! Offenbar eine Art Mischstation in der das Material für den Fahrbahndamm zusammengeschüttet wird. Das passt uns ja mal so was von sehr gut!
Heranfahren, aussteigen, auf die arbeitenden Leute zugehen und auf sich aufmerksam machen, damit die mal kurz mit ihren Baggern aufhören zu baggern. Das machen die freundlicher Weise auch. Der Fahrer, im halbwegs schicken Freizeitdress, kurzer Hose und Landkarte in der Hand trifft auf völlig verdreckte Arbeiter deren Gesichter mit einer dicken Staubschicht überzogen sind. Kaum Zähne im Mund, aber ein freundliches Lächeln, das Hoffnung macht. 
Eine Verständigung ist kaum möglich, aber der zunehmend eingestaubte aktuelle KNAUSi Fahrer meint zur verstehen, dass wir uns weiter entlang der Neubaustrecke halten sollen und die „PISTA“ bis ZAG gehen würde. Oh je! Prost Mahlzeit!

Wieder mal Danke und weiter. Kurz nach Verlassen des Mischplatzes verliert der aktuelle KNAUSi Fahrer doch glatt kurz mal die Orientierung. Auch die Neubaustrecke ist auf den ersten Blick nicht mehr sichtbar. Mist. Nicht aufgepasst!
Nein, so geht das gar nicht! Hier im absoluten Nichts muss man schon eine starke Meinung davon haben, in welche Richtung man fährt. Wieder anhalten, durchatmen und in Ruhe die Umgebung sondieren. Weit, weit links ist der Damm der Neubaustrecke doch zu erkennen, da müssen wir also erst mal wieder hin. OK, Glück gehabt.

Aber der Fahruntergrund wird und wird nicht besser. Gefühlt nehmen die Sandflüsse und deren Breite eindeutig zu. Immer wieder die Befürchtung: Bloß nicht stecken bleiben. Natürlich sind alle Fenster im Auto geschlossen und die Klimaanlage läuft auf Vollgas. Der aktuelle KNAUSi Fahrer hat auch die Tanknadel im Blick: Den Tag mit gut 100 Litern gestartet, ist man nur noch im zweiten Viertel. 50 Liter sind locker schon weg. Der DUCATO Motor braucht im zweiten Gang auf diesem Untergrund unglaublich viel Diesel. Aber eigentlich lohnt sich ein Nachdenken darüber nicht. Außer, eventuell, im absoluten Notfall, man könnte vermutlich Diesel bei den Bauarbeitern bekommen. Aber die liegen ja schon wieder weit hinter uns. „Weit“ eher im Zeit- als im Kilometersinne.

Mittlerweile können wir erkennen, dass hier der Damm der Neubaustrecke sogar schon asphaltiert wurde. Allerdings findet sich zum einen keine Auffahrt auf den Damm und zum anderen liegen alle paar hundert Meter große Steine quer auf dem nagelneuen Belag um das Befahren zu verhindern. Fast schon wie ein verdurstender: Wasser neben an aber man kommt einfach nicht ran. 

An einer Stelle wurden die Steine längs zur Fahrbahn gelegt und man kann so was wie eine passierbare Auffahrt auf die Neubaustrecke erkennen. 

Hurra! Geschafft!

Zurück auf einer richtigen Straße: N14 100 Kilometer vor ZAG

Denkt wohl ein jeder in der Wüste, der eine schnöde Fata Morgana für die Rettung hält. 

Mit etwas zu viel Schwung die improvisierte Auffahrt rauf, irgendwo hat KNAUSi dabei mal wieder aufgesetzt und schon rollt das Auto in völliger Ruhe auf einer nagelneuen Straße! Die Freude darüber hält sich leider nur sehr, sehr kurz denn voraus taucht schon wieder eine quer liegende Steinbarriere auf. 

Was für eine Scheiße!
Aber nein, davon lassen sich doch weiße Besserwisser Touristen nicht abhalten? An dieser Stelle käme man von der neuen Straße sowieso nicht wieder herunter, weil der Damm hier höher ist. Wirklich Nein! Wir räumen die Steine einfach kurz zur Seite, passieren diese und legen sie wieder da hin wo sie waren. 

Gesagt, getan. 

Nun, es ist wohl unklar ob es einen „lieben Gott“ tatsächlich gibt und ob der auch für MAROKKO zuständig ist? Aber der Spruch „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“ dürfte weltweit, religionsübergreifend Gültigkeit haben. 

Des KNAUSi´s aktueller Fahrer startet den Motor, die heute nicht strickende aktuelle Beifahrerin überwacht das Passieren der Steine und es macht nach einem Meter einfach nur sehr, sehr laut „PPPPPSSSSSSSSSCCCCCCCCHHHHHHHHHHHHH“

Hä? Wat War Dat Denn?

Nun ja, in erster Linie war das der Reifen vom rechten Hinterrad. Die Beifahrerin ordnet sofortigen und absoluten Stopp an! Unter KNAUSi befinden sich gut 30 Nägel und Moniereisen, ganz offenbar um jegliche illegal passierenden Fahrzeuge sämtliche Reifen zu zerstören. 

Und damit wäre das mit Gott wohl auch geklärt. Natürlich hat nicht Gott die Nägel in den noch weichen Asphalt gekloppt, sondern fleißige marokkanische Straßenbauarbeiter die verhindern wollen das ihre schicke und gut gebaute Neubaustrecke von doofen Touristen gleich wieder zerstört wird. Denn so viel ist sicher: Die Eingeborenen, die es hier ja sowieso nicht gibt, werden diese kreative Selbstschutzmaßnahme durchaus kennen.

Tja. Glück gehabt!

Ja wirklich! Pures Glück!

Unser Gespann hat 6 rollende Reifen, die hätten hier alle auf einen Streich zerlegt werden können und dann, tja dann, gäbe es wirklich ein unlösbares Problem. Ganz zu schweigen von dem grandiosen Ärger sollten offizielle von dieser selbstsüchtigen Attacke auf nagelneue marokkanische Straßen erfahren. 

Also Glück! Hurra!

In TENDER TO KNAUSi (dem Anhänger) befindet sich ein vollwertiges Reserverad in korrekter Größe. Aufwendig und teuer in CHILE 2023 gebaut, zuletzt 2025 in TUNESIEN im Einsatz.

Werkzeugkisten heraus kramen, Reserverad bereitlegen, Wagenheber in Stellung bringen und Radmuttern anlösen. Doch was ist denn nun das schon wieder? Wo zur Hölle steckt die Spezialnuss samt Verlängerung für die großen Alufelgen? Nicht in der dafür vorgesehenen Werkzeugkiste jedenfalls. Null Erinnerung was damit geschehen sein könnte. So ein Scheiß, also wirklich!
Der LIDL Werkzeugkoffer hat ja schon in ARGENTINIEN bei dieser Aufgabe kapituliert, aber das erscheint im hier & jetzt die einzige Möglichkeit. Die erste Radmutter lässt sich tatsächlich lösen, bei der zweiten bricht wieder die Nussverlängerung. Wie damals.

Tja, Ende Gelände. 

Ganz klar: Es gibt eine gute Straße zwischen SMARA und ZAG. GIZIMAP für MAROKKO

Wenn man die Radmuttern nicht abbekommt, kann man bekanntlich auch kein Rad wechseln. 

Kann ja wohl nicht sein das das extra für solche Fälle angeschaffte Werkzeug nicht vollzählig an Bord ist? Schlamperei?! Noch mal ganz genau unter dem Beifahrersitz nachsehen, da wo das Original DUCATO Bordwerkzeug gefahren wird. Und siehe da, ganz hinten, in einer Mulde findet sich die richtige Nuss samt massiver Verlängerung. Wie die da wohl hingeraten ist?

Hurra, Hurra!

Alle fünf Radmuttern sind geschwind angelöst, das Auto aufgebockt, die Randmuttern vollständig entfernt und nun sollte das schwere Rad eigentlich einfach mal so von der Achsnabe abfallen. Tut es aber nicht. Nicht mit gutem Zureden, nicht mit massiver Gewalt in Form von brutalen Hammerschlägen. Völlig fest gegammelt. Das kommt von diesen elendigen Ganzjahresreifen. Die Räder bleiben ewig auf der Nabe und gammeln daran fest. Allerdings helfen jegliche Erklärungsversuche nun auch nicht weiter. 

Ein weiterer Versuch:
Radmuttern locker wieder einschrauben, Wagenheber absenken und das Auto ein, zwei Meter auf der Felge zurückrollen lassen. Selbstverständlich nicht ohne zuvor die Straße unter KNAUSi auf noch eventuell vorhandene Nägel zu untersuchen. Doch die heute nicht mehr strickende Beifahrerin hat bereits erstklassige Arbeit geleistet und alle Nägel und Moniereisen aus der Straße gezogen. Nimmt man es genau, kommt zum unerlaubten befahren der Straße noch der Diebstahl von gut 30 Nägeln und 4 Moniereisen hinzu, denn die Teile haben wir später selbstverständlich mitgenommen.

Auto wieder aufgebockt. Auf den ersten Blick ist das Rad immer noch fest verwachsen mit der Radnabe. Nochmaliges bearbeiten mit dem Hammer und Schlagholz und auf einmal bewegt sich das scheiß Teil und fällt einfach so ab. Endlich!

Oh Mann, wenn das heute so weiter mit den Erfolgen in Serie geht, dann wird das doch ein verdammt guter Tag!

Das neue Rad ist nun schnell montiert, das alte sicher und vor allem fest im Anhänger verstaut. Das Werkzeug eher rudimentär weggepackt und schon, ca. 1,5 Stunden nach Begehung der Straftat, wird der Tatort auf dem gleichen Weg verlassen, über den er befahren wurde.

OK, wieder was gelernt. 

Weiter nach Osten, wie bisher neben der Neubaustrecke. Die heute garantiert nicht mehr strickende Beifahrerin ist sehr froh´ dass kein Militär und auch keine Polizei vorbei gekommen ist um der Aktion eine ungewollte Krone aufzusetzen.
Der aktuelle Fahrer ist hingegen sicher, dass wir sehr froh´ gewesen wären, wenn überhaupt jemand vorbei gekommen wäre, hätten wir unsere Probleme nicht selber lösen können. Wichtig: In echter Gefahr waren wir zu keinem Zeitpunkt. Wasser und Proviant für Tage an Bord. Und auch Internet. Also irgendwie wäre es schon weiter gegangen.

Aus eigener Kraft weiter über Schotter, Geröll und Sand. Auf einmal alles gar nicht mehr so schlimm! Die Neubaustrecke zur linken fest im Blick.

Noch weiter links taucht auf einmal wieder ein Straßenbauarbeitercamp auf. Man sieht LKW´s und auch einen alten Mercedes PKW. Aber keine Menschen. Was dem scharfen Blick des aktuellen Fahrers aber ebenfalls auffällt ist eine weitere Rampe auf die neue Straße und ein darauf befindlicher Straßenbelag der nicht so ganz nagelneu aussieht. Ab hier muss es möglich sein, wieder darauf zu fahren!

Sicher?
Ja klar, so was von sicher!

Aber, na ja, man kann ja mal zu Fuß nachsehen gehen. Sieht alles super aus, nur die Rampe ist verdammt steil. Für LKW´s überhaupt kein Problem. Mit etwas Anlauf holpert auch KNAUSi, wieder irgendwo aufsitzend, auf die Straße und als nach einem Kilometer keine neue Baustelle auftaucht und auch keine Steine quer über die Straße liegen macht sich große Erleichterung im Auto breit.

Das dürften wir ja wohl geschafft haben! 

Jetzt haben wir nur noch das schwindende Tageslicht und potentiellen Dieselmangel im kleiner gewordenen Sorgenrucksack. 

Stellplatz in ZAG am Morgen danach

Die Straße ist super. Keine Hubbel, Buckel oder sonstige Unebenheiten. KNAUSi schwebt wie auf einem fliegenden Teppich dahin. Der aktuelle Fahrer muss schwer aufpassen nicht zu schnell zu fahren. 92 km/h. Nicht mehr. Man weiß ja nie. Ein Krankenwagen kommt entgegen. Wie schön, Menschen! Wild die Lichthupe betätigend. Offenbar um auf sich aufmerksam zu machen und des KNAUSi´s aktuellen Fahrer dazu zu veranlassen, die Mitte der Straße zu räumen und nach rechts auszuweichen. Nichts leichter als das!

Kurz vor AL MAHBAS steht ein Soldat auf der Straße und bringt uns zum Stoppen. Wir hätten gerade am ersten Kontrollpunkt nicht gehalten. Das wäre aber kein Problem. Er bräuchte bitte die Pässe. Die werden wie auch das Nummernschild fotografiert. Der tadellos uniformierte Kämpfer ruft über sein Handy jemanden an. Uns zugewandt gibt er zu verstehen, dass das alles hier nur ein paar Minuten dauern würde. 
Wie aus dem nichts erscheint ein in Zivil gekleideter Mann, offenbar im Rang höher. Die beiden diskutieren und rufen den Soldaten des ersten Kontrollpunktes herbei. Der uniformierte und mit einem Schnellfeuergewehr bewaffnete Soldat bekommt so was wie einen Anschiss dafür das er uns nicht gestoppt hat. Wie peinlich! Wir versuchen uns zu entschuldigen, doch das wird nicht akzeptiert. Der Soldat sei verantwortlich. 
Nun wird eine weitere Zivilperson herbeigerufen und unsere Passnummern werden auf ein Stück Papier notiert. Der zuletzt erschienene Mann ist nun offenbar der Ranghöchste und erklärt, dass er die Passnummern an einen 9 Kilometer entfernten Kontrollposten weitergebe und wir dort auf jeden Fall anzuhalten hätten! Das bekommen wir hin!
Nach gefühlten 15 Minuten dürfen wir weiterfahren. Zu uns waren alle Personen sehr freundlich, zuvorkommend und wir hatten nicht eine Sekunde ein schlechtes Gefühl. Na ja, von dem miterlebten Anschiss mal abgesehen.

Die 15 Minuten fehlen jetzt natürlich auch noch im Kampf gegen die Dunkelheit. 

Am angekündigten Kontrollposten wäre man so oder so nicht vorbeigekommen. Gleich zwei Soldaten stehen auf der Straße und bringen KNAUSi zum Stehen. Die Passnummern werden geprüft und bereits nach ein paar Minuten dürfen wir weiterfahren.

Erklärungsversuch:
Wir sind mittlerweile sehr nahe der Grenze zu ALGERIEN und sehen unzählig viele offenbar militärisch genutzte Gebäude. Man will vermutlich sicher stellen das durchreisende Touristen die Gegend auch sofort wieder verlassen?

Nun ist die Sonne doch vom Himmel gefallen und es wird schnell dunkel. Die Straße R103 ist zwar schmal, aber auch sehr gut in Schuss. Mit des KNAUSi´s Flutlicht kann man ganz gut darauf fahren, zwingt man sich denn, nicht schneller als 80 km/h vorwärts zu kommen.

Unmittelbar vor ZAG macht die Straße einige wilde Schlenker und es geht in großzügigen Serpentinen auf und ab. Offenbar gibt hier eine sehenswerte Landschaft, wenn denn Tageslicht wäre.

Endlich erscheint der Ortseingang von ZAG, ohne Stadttor aber mit zwei Polizisten in verschiedenen Uniformen und einem Soldaten. Erneut Passkontrolle, fotografieren eben jener, Nummernschild auch. Alle drei super freundlich. Wo wir denn hinwollen? Na, hier in ZAG wollen wir schlafen. OK, kein Problem.
Mit einem coolen Polizeijeep und eingeschaltetem Blaulicht werden wir zum in PARK4NIGHT bekannten Stellplatz am nördlichen Ortseingang gebracht. Die Polizisten wollen noch wissen ob sie sonst noch was für uns tun können und empfehlen die Geschäfte entlang der Hauptstraße. Der Platz hier sei absolut sicher und wir bräuchten uns wirklich keine Sorgen zu machen. 
Vielleicht liegt es an diesem verdammt langen und ereignisreichen Tag, aber die echte Gastfreundlichkeit der Offiziellen ist schon ein bisschen überwältigend.

Da wir ja sonst nie im dunklen mit dem Auto unterwegs sind stellt die heute nicht strickende Beifahrerin fest, was für eine besondere, ruhige Atmosphäre in der kleinen Stadt herrscht. Bei der langsam eskortierten Durchfahrt konnte man das bunte Treiben auf der Straße, die hell bis grell ausgeleuchtete zahlreiche Geschäfte und deren Kundschaft wunderbar als besonderes Erlebnis in sich aufnehmen. 

Doch es ist mittlerweile nach 2100 und des KNAUSi´s Besatzung ist so was von platt wie schon lange nicht mehr. Da macht man kein Sightseeing mehr. Da sieht man nur noch zu das schnell was zu Essen auf den Tisch und die Dusche im Auto auf Temperatur kommt. 

Was für ein unerwartetes Wüstenabenteuer!

Was für eine Dummheit!

Was für ein Glück!

Glück, nur darauf kommt es an.

Peter.

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