Der Hund, ein Hund (?), meines ehemaligen Geschäftspartners Peter Samuelsen hieß Kara. Ob er wohl wusste das es in MAROKKO einen wunderbaren Ort namens OUED KARAA mit zahllosen (vermutlich) namenlosen Hunden gibt?
Die Fahrt entlang der Nationalstraße Nummer 1 entlang der ATLANTIK Küste Richtung Süden könnte komfortabler nicht sein. Wenig Verkehr, perfekter Straßenbelag, ein Schnitt von 90 km/h mit Tempomat ist überhaupt kein Problem.
Vereinzelt, eigentlich viel zu selten, sieht man entlang der Strecke Windenergieparks mit relativ wenigen Anlagen. Gewartet werden die offenbar von einer polnischen Firma, Name leider versiebt, aber deren Autos eindeutig gesehen. Warum hier nicht viel mehr Windräder stehen? Wind an der Küste ohne Ende, ansonsten ungenutztes, sogar unbewohntes Land mehr als reichlich vorhanden und eingeborene Wartungstechniker gäbe es wohl auch genug, wenn man die denn ausbilden würde.
Überhaupt ist dieser Gedanke, was MAROKKO noch alles so anstellen und leisten könnte, permanent im Kopf. Das Land hat Potential ohne Ende!
Und was machen wir in unserem Land? Wir backen nur noch die kleinsten aller möglichen Brötchen.
Die heutige Station in OUED KARAA ist strategisch so gewählt, das man am Folgetag nur noch knapp 200 km zum Stellplatz bei AD DAKHLA abreißen muss und so entsprechend früh´ ankommt.
Überhaupt ist es so das sich die möglichen Stellplätze entlang des Weges in den tiefen Süden allesamt bei PARK4NIGHT besser lesen als das was für AD DAKHLA beschrieben wird. Etwas merkwürdig, ist die Stadt doch das Zentrum des marokkanischen Südens?
Die abschüssige Zufahrt von der Hauptstraße in die Bucht von OUED KARAA ist klasse, der Stellplatz an einem sagenhaft sauberen Strand sensationell. Fünf andere Autos stehen hier locker gruppiert herum, da geht sich niemand auf den Keks.
In der Nähe soll sich ein Strand mit vielen Fischerbooten befinden, doch nach einem kurzen Rundgang lassen die sich zunächst nicht finden. Leider bläst am Nachmittag ein ordentlicher Nordwind so das man nicht so richtig draußen sitzen kann. KNAUSi ist zwar clever geparkt und bietet Windschutz, aber der Wind fegt munter unter und über dem Auto hinweg und verwirbelt dabei den feinen Strandsand. Nach einer kurzen Pause im Auto macht sich der Schreiberling bei ansonsten prächtigen Wetter noch mal alleine auf dem Weg.
Kann ja wohl nicht sein, das die großen Fischerboote nicht zu finden sind?
Also noch mal Richtung Norden auf der kleinen geteerten Straße. Als die dann endet nicht einfach umdrehen sondern rechts über eine staubige Piste auf einen Hügel hoch. Das Geräusch eines merkwürdigen jaulens und quietschen liegt auf einmal in der Luft. Aber auch das tiefe dröhnen einer schweren Maschine.
Kaum ist der Hügel überwunden, taucht ein großer CATERPILLAR Radlader auf der offenbar versucht eine Rampe von der Piste hinunter zum Strand aufzuschütten. Warum auch immer.
Kurz darauf tauchen tatsächlich eine Reihe von voll ausgerüsteten Fischerbooten am Strand auf. Einzig ein Motor fehlt. Hat man auch den nächsten Hügel auf der gleichen Piste überwunden endet diese in einer großen Bucht, bevölkert von vielen, völlig leeren Fischerbooten, einem Traktor und zwei herrlich alten MERCEDES 1924 Rundhaubern.
Keine Menschen. Einige Bettelhunde hoffen, das der dicke alte Mann was zu fressen dabei hat. Hat er nicht, kann er auch ahnen das die Tiere hier einsam und hungrig auf bessere Zeiten warten? Einmal mehr wird zur Kenntnis genommen, wie harmlos diese Geschöpfe hier sind. Kein aggressives gekläffe, einfach nur die stille Nachfrage ob es was zu fressen gibt und dann wieder abziehen.
Ganz klar:
Irgendwie werden die massiv wirkenden Boote mit dem Traktor über den langen Strand ins Wasser geschoben. Aber wie fahren die dann im Wasser? Bringen die Fischer jedes Mal ihre Außenborder mit und bauen die an? Für alle Boote? Oder bekommen nur wenige dieser Boote einen Außenbordmotor und die anderen werden geschleppt?
Des Nachts kann man an dieser Küste immer eine lange Lichterkette einzelner Laternen im Wasser entlang der Küstenlinie erkennen. Könnte ja sein das die Boote in eine Reihe liegend riesige Stellnetze halten und daher nicht jedes Boot motorisiert sein muss?
Allein: Welcher verrückte würde sich schon in einem nicht motorisierten Boot auf den ATLANTIK hinaus wagen?
Direkt am Wasser befindet sich eine große königliche Polizeistation, eher schon eine Kaserne. Ab und zu kommen oder gehen Einsatzfahrzeuge, aber nie in Hektik. Das einzig andere Gebäude weit und breit ist das der Fischereigenossenschaft. Sieht eher tot und verlassen aus, aber alle Türen und Fenster sind intakt und schlicht verrammelt. Vielleicht wird hier nur zu bestimmten Zeiten gefischt und erst dann kehrt Leben ein?
Fragen über Fragen die hier nicht beantwortet werden können.
Am Abend kommt ein freundlicher Polizist vorbei und fotografiert die Reisepässe sowie des KNAUSi´s Nummernschild. Das erste Mal auf der Reise. Der Staat möchte wissen, wer sich in diesem abgelegenen Landesteil aufhält.
Was für ein herrlich stiller, sauberer und schöner Ort an der Küste! Erweckt auf Schritt und Tritt gute Erinnerungen an CALETA CIFUNCHO (Chile) wieder zum Leben. Und das, gemessen an Kilometern, fast um die Ecke!
Peter
P.S.:
Oh Mann!: Bei der Recherche nach OUED KARAA bin ich auf SAFAR´s REISEBLOG gestoßen. Die Frau ist auch gerade in der Region unterwegs, ihr aktuellster Beitrag ist mindestens etwas merkwürdig, vielleicht sogar beunruhigend?
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Hallo Peter, ich warte schon immer ungeduldig auf Deine nächsten Berichte. Sehr interessant, was Du beschreibst und wie Du es beschreibst. Ob ich es wohl auch noch mal in die Westsahara schaffe? Safars Reiseblog kannte ich schon. Ich musste bei dem letzten Eintrag auch erst einmal überlegen, welchen Weg sie meint. Doch ich denke, sie ist einfach auf einem spirituellen Weg. Ein Abenteuer, das man nur ganz für sich alleine erleben kann. Euch wünsche ich weiterhin inspirierende Erlebnisse!
Liebe Susanne,
oh, wie ich jegliches Lob liebe! Danke! Auch hier kommen die mitreisenden Frauen zu der Überzeugung das man sich um Safar keine Sorgen machen muss. Gut so! glg Peter.