MA26: Rabat und Mohamedia

Der erste Morgen in MAROKKO 2026 ist genau wie die Nacht zuvor.

Dunkelgrau, stürmisch und verdammt nass!

Hallo? Deswegen hier ganz runter gekurvt? Das hätte man ja wohl auch zu Hause haben können! Aber halt, nein, etwas ist dann doch anders: Die Außentemperatur! Um und bei immer über 10°C, später am Tag eher sogar 12°C! OK, dann liegen wir ja doch auf dem richtigen Kurs.

Los geht die Fahrt auf einer ganz normalen Autobahn. Wären da nicht die Straßenschilder in fremden Schriftzeichen könnte diese vierspurige Schnellstraße auch irgendwo in EUROPA liegen. Recht schnell nach dem Hafen TANGER MED kommt das große DACIA Autowerk in Sicht. Auch hier: Nüchtern gut strukturierte Industrieanlage wie überall auf der Welt.

In den Gassen von RABAT, MAROKKO

Die Ankunft in MAROKKO über TANGER MED könnte nicht unterschiedlicher sein als die über TANGER VILLE 2022. Damals direkt in eine fremde Großstadt mit ihrem abenteuerlichen Verkehrsgewühl geworfen, 2026 völlig entspannt auf einer sehr gut ausgebauten Autobahn mit wenig Autoverkehr langsam eingewöhnend.

Der das Verhalten diktierende Wetterbericht lässt nicht den ursprünglich geplanten Aufenthalt in ASILAH zu. Kalt, Regen, Sturm. Dieser Ortsbesuch ist auch nicht mehr zwingend notwendig, denn zum einen steht wegen der nächtlichen Ankunft der volle Tag für die Weiterreise zur Verfügung, zum anderen konnte die Versorgung mit dem Geld und Telefon der Eingeborenen schon im Hafen vorzüglich erledigt werden. Starten wir mal mit einer SIM Karte von INWI, all-you-can-eat für vier Wochen für 500 DH, also super satte 50 €. Donnerknittel. Aber, in der Tat, all-you-caneat beinhaltet nicht nur unbegrenztes Internet und lokale Telefonie, sondern auch internationale Gespräche. Das ist dann schon ein Batzen Geld und nur OK wenn das Netz denn dem Versprechen stand hält.

Also geht es zunächst zu einem Besuchs-Stop-Over nach RABAT und zum Übernachten in das kurz dahinter liegende MOHAMEDIA. Es bleibt dabei: Süd, schnell und zügig nach Süd! Irgendwann, besser irgendwo muss ja der Regen mal aufhören.

Die klinische Sauberkeit der Straßen in RABAT könnte beeindruckend sein, in Wirklichkeit ist sie bloß deprimierend. Dieser schamlos zur Schau gestellte Reichtum der Hauptstadt im Kontrast zum Rest des Landes zieht einfach nur runter. Aber irgendwie scheint das Land ja so auch zu funktionieren und die Menschen, die Bevölkerung scheint damit leben zu können. Erstaunlich. Am Ende wird eine Demokratie wohl einfach nur maximal überbewertet?

Auf den Märkten von RABAT, MAROKKO

Die Fahrt durch die Stadt auf in der Regel vier- oder sechsspurigen Straßen (one way) im Regen wird zum Hindernislauf. Denn auf der rechten Spur stehen alle 50 Meter große grüne Mülleimer und viele, viele triefnasse Menschen mit Besen und Schaufel in der Hand halten die Straßen und deren Abflüsse sauber. OK, sicher kein Job auf den sich der Schreiberling mal bewerben würde.

Einen richtigen guten, bewachten Parkplatz für den geplanten Stadtbesuch in RABAT findet man vor einen Luxusrestaurant direkt am Meer. Von da aus muss man vielleicht einen knappen Kilometer laufen, um in Altstadt zu kommen. Der riesige, schon von weitem sehr interessant anzusehende Friedhof auf dem Weg dahin darf offenbar von Touristen nicht betreten werden. Gleich an zwei verschiedenen Stellen weisen Eingeborene darauf hin das wir da nicht hinein dürfen. In der Tat sieht man auf dem Gelände auch keine fremden Besucher. OK, dann ist das eben so.

Das Labyrinth der Gassen und Wege in solchen seht alten Altstädten muss man nicht verstehen. Irgendwie einfach immer weiter gehen und irgendwann kommt man da hin, wo es interessant aussieht. Auf dem Weg dahin kaufen Eingeborene in einer Gasse ihre Lebensmittel, wir dann auch. Wer weiß was heute noch so kommen mag?

In der Oberstadt von RABAT, MAROKKO

Im zentralen Markt angekommen fällt als erstes dessen gerade zu protzig aufwendige Überdachung auf. Wer investiert denn so viel Geld in Schnitzereien und Verzierungen einer hoch hängenden Decke? Nur wer sich den Hals verrenkt erkennt das. Klar, das muss der eine mit dem vielen Geld gewesen sein?!.
Niemand, in der Tat niemand quatscht einen an um irgendeinen Nonsens zu verkaufen. Das ist dann doch überraschend. Angenehm überraschend!

Selbst auf dem Rückweg zu dem geparkten Autos bleibt es trocken, trotz der aller Orten vorhanden dunkel bedrohlichen Wolken. Auch das ist gut so.

Weiter auf der Autobahn das kurze Stück nach MOHAMEDIA. Nicht das diese Schlafstadt vor RABAT von besonderem touristischen Interesse sein würde, aber hier gibt es einen Auslieferungsjob zu erledigen. Nach verbrachter Nacht auf einem halb gefluteten Campingplatz am Meer soll ein persönliches Paket aus Bremen einer hier lebenden Familie übergeben werden.
Bremer Ewigkeitsfreunde haben Marokkanische Freunde, die wir allerdings noch nicht kennen. Und als die Bremer hörten, das wir wieder nach MAROKKO gehen baten sie uns, ein Paket mit zu nehmen. Also so was wie ein persönlicher Kurierdienst unter Freunden. Selbstverständlich haben wir nicht gefragt, was wir da so aufwendig verpackt transportieren – sicherlich nichts illegales. Ist es nicht schön, das man immer noch Menschen blind vertrauen kann?

Vor dem Campingplatz in MOHAMEDIA, MAROKKO

Nun, mithilfe von GPS Koordinaten finden wir schon mal die richtige Straße, mithilfe eines freundlichen Eingeborenen und einer parallelen Telefonverbindung zur besuchenden Familie auch das Haus. Typisch für diese modernen marokkanischen Wohnsiedlungen sind Mehrfamilienhäuser mit 6, 8 oder 10 Parteien, dicht an dicht gebaut, nicht besonders hoch. Ohne Fahrstuhl, ohne Heizung.

Was würde wohl passieren, wenn man die marokkanischen Bauvorschriften über die der deutschen legt, sich irgendwo in der Mitte trifft und marokkanische Bauunternehmer mit ihren Leuten bittet, in Deutschland mal eben ein paar solcher Siedlungen hoch zu ziehen? Sagen wir mal so um und bei 100.000 Wohnungen pro Jahr?

Nun, natürlich dürfen wir nicht einfach nur so das Paket abliefern, wir werden sehr einladend auf einen Tee in die richtig schicke Wohnung gebeten. Der Mann ist auf Arbeit, die Frau kümmert sich um zwei bezaubernde Kinder und nun bekommen wir doch noch mit was alles in dem Paket war. Da hat in Bremen aber jemand sehr sorgsam überlegt, wie man den Kindern eine Freude machen kann. Volltreffer!

Später als gedacht geht es weiter, aber auch wertvoll besuchsbereichert.

So macht der Job Paketzusteller durchaus Spaß.

Allein, mit einem zugestellten Paket pro Tag würde man wohl nicht lange im Geschäft bleiben.

Oder gerade doch?

Peter.

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