Von den ganzen Fährfahrten nicht genug bekommend, beschließt die interkontinentale Reisegruppe die Wohnmobile E.T. und KNAUSi auf dem bewachten Parkplatz im Hafen von SAN SEBASTIAN DE LA GOMERA zurück zu lassen und am ersten Tag auf LA GOMERA mit einer kleine Personenfähre die Südküste von LA GOMERA vom Wasser aus zu erkunden.
Die Fährlinie SAN SEBASTIAN DE LA GOMERA – PLAYA DE SANTIAGO – VALLE GRAN REY wird ebenfalls von der Reederei FRED.OLSEN betrieben, allerdings ist die BENCHI EXPRESS im Vergleich zu den Autofähren wirklich klein. Um genau zu sein: Klein und hässlich. Aber vermutlich ging es bei diesem Dampfer eher um Seefestigkeit und Effizienz als denn um Schönheit. Zumal Schönheit ja sowieso immer im Auge des Betrachters liegt.

Weil die BENCHI EXPRESS erst um 1045 ablegt (sie wartet planmäßig auf die die Ankunft der TENERIFFA Verbindung) soll mit einer erneuten Markthallen Attacke die Enttäuschung von LA LLANOS (LA PALMA) wieder wett gemacht werden.
Doch die öffentliche Markthalle von SAN SEBASTIAN DE LA GOMERA ist morgens um 0900 genau so tot wie deren Artgenosse auf LA PALMA um 1100. Dabei ist die hiesige Markthalle ein echt schönes, großes Gebäude. Wer auch immer auf den glorreichen Gedanken kam, direkt im Untergeschoss einen Supermarkt anzubinden hat wohl nie ernsthaft über Wettbewerbssituationen im Lebensmittel Einzelhandel nachgedacht.
Nun denn, für ein Frühstück im Imbiss der Markthalle reicht es dann doch und der Tag möge beginnen.
Zurück im Hafen dürfen wir auch schon bald in die BENCHI EXPRESS einsteigen. Die Sorge, das die ebenfalls hier angekommenen Kreuzfahrer der AIDA STELLA auch auf die Idee mit der kleinen Fähre kommen könnten ist völlig unbegründet.
Zunächst nur vier, fünf andere Gäste. Erst als die TENERIFFA Fähre ankommt, steigen noch vielleicht 10 Menschen zu. Bei weitem, bei sehr viel weitem nicht ausgelastet. Von 2012 bis 2017 ruhte denn auch dieser örtliche Linienverkehr an der Südküste wegen mangelnder Auslastung.

Der Kurs der BENCHI EXPRESS führt dicht an der hohen Felsküste entlang. Das erste grüne Tal auf dem nun folgenden Südwestkurs heißt EL CABRITO und wurde in einem der sehr seltenen Alleinurlaube der aktuellen Beifahrerin schon mal vor ein paar Jahren besucht. Die ehemalige Bananenplantage wird jetzt als alternatives Hotel geführt, versorgt sich im wesentlichen selbst und ist nur über den Wasserweg zu erreichen. Dafür wird sogar ein eigenes Schnellboot betrieben. Es gibt wohl auch einen (langen) Wanderweg, aber den muss man sich erst mal zutrauen. Tagesgäste gibt es in EL CABRITO entsprechend nicht.
Nach schon dreißig Minuten wird PLAYA DE SANTIAGO erreicht, kurzer Zwischenstopp, wenig Passagierwechsel, und weiter geht es. Nach weiteren dreißig Minuten, in der Ansteuerung von VALLE GRAN REY wird die See recht kabbelig und der Wind frischt deutlich auf. Die BENCHI EXPRESS stampft mühevoll, nützt aber nix, erst muss der Kapitän noch so einen sehr einsamen Felsklotz vor der Küste umschiffen, erst dann kann er wieder dichter unter Land und dem wässrigen Ungemach entkommen. Mit reduzierter Fahrt, selbstverständlich.
Nach insgesamt 80 Minuten macht die BENCHI EXPRESS in VALLE GRAN REY fest und dort bleibt sie auch bis zur planmäßigen Rückfahrt um 1600. Was direkt mal auffällt ist die gigantische Betonhafenmauer, die man hier in die Landschaft gesetzt hat. Wird wohl seinen Grund haben?
Außer dumm in der Gegend herumstrolchen steht nichts auf dem Programm, also wird der Ort VALLE GRAN REY und die Promenade bis PLAYA DE LA CALERA erkundet. VALLE GRAN REY geht ein wenig der Ruf voraus, ganz besonders toll zu sein, viele alternativ lebende Menschen, Althippies lebten hier. Nun denn, ja, es ist anders, aber es ist auch nur ein voll auf Touristen abgestelltes Nest in dem unnützes Zeug, Essen und Getränke verkauft wird. Jedenfalls aus Sicht des aktuellen Fahrers, obwohl diese Art von Einschätzung wohl eher vom Geschlecht des jeweils urteilenden abhängig sein dürfte?

An der Uferpromenade hängen zahlreiche Verkehrsschilder die besagen, das hier Wohnmobile absolut unerwünscht seien. Trotzdem stehen stehen in erster Reihe gleich zwei weiße Ungetüme. Auf den wenigen Straßen weiter im Hinterland erkennt man eine ganze Reihe weißer großer Kisten.
Nicht sicher, das diese Gegend wirklich ihren Ruf verdient? Der endlose grobe Steinstrand ist sicher Geschmackssache, Fakire würden sich hier sehr wohl fühlen? Ein Argument einfach mal mit dem Boot hier her zu kommen war die von Faulheit getriebene Überlegung, vielleicht später auch mit den Wohnmobilen herzukommen, wenn es sich denn lohnen würde. Denn so besonders viele gute Plätze für große Autos hat LA GOMERA gar nicht anzubieten.
Einstimmige Meinung der interkontinentalen Reisegruppe zu VALLE GRAN REY: Nö, zweitbesuch unnötig. Genug gesehen.
Auf der Rückfahrt nach SAN SEBASTIAN DE LA GOMERA ist die BENCHI EXPRESS deutlich besser ausgelastet, viele Passagiere haben großes Gepäck dabei, offenbar ist der Urlaub zu Ende? Die Nachmittagssonne taucht die am Morgen noch eintönig daher kommende Felslandschaft in faszinierendes Licht, also noch mal alles fotografieren.
Und auch wenn man den ganzen Tag eigentlich gar nichts gemacht hat sind die Abende nach solchen Ausflügen irgendwie immer ganz kurz und die Nacht fängt früh an und hört spät auf.
Zu Hause!
In KNAUSi!
Auf dem immer noch bezahlten Parkplatz im Hafen von SAN SEBASTIAN DE LA GOMERA.
Peter.