Schon ein kleiner Wahnwitz, dieser Sparwahn beim Neubau eines ordinären Wohnmobils.
Stichworte: Wintercamping, Truma, Frost Control, Frostwächter. Frosttemperaturen, gerne auch ordentlich unter Null Grad Celsius.

Vermutlich jedes Wohnmobil in Nordeuropa ist mit einer Heizung und einem Warmwasserboiler, betrieben mit Gas oder Diesel, ausgerüstet. Damit im Winter, bei Frost, das Wasser im Boiler und in den Leitungen nicht einfrieren kann, verfügen die rollenden Wohnhütten in der Regel über einen mechanischen Frostwächter, der automatisch und ohne jede Elektrik oder Intelligenz das Wasser automatisch ablässt, wenn die Umgebungstemperatur unter 6°C fällt. Ein völlig dumpfes Stück Metall regelt das.
Natürlich öffnet dieser Frostwächter immer wenn die Temperatur erreicht wird. Egal ob Wasser im System ist oder nicht. Egal, ob man vergessen hat, im Winter das Wasser abzulassen oder ob man das Auto gerade bewohnt und sehr genau darauf achtet, das es im Auto nicht frieren kann. Dem Frostwächter sind die Umstände völlig egal. Er löst emotionslos aus, wenn die Temperaturschwelle erreicht wird.

Weit verbreitet ist der Frostwächter von TRUMA mit dem Namen FROST CONTROL.
Nun, fährt man einen Kastenwagen wie den FIAT DUCATO, wird der jeweilige Ausbauer (in diesem Fall KNAUS) das relativ große Heizungs- bzw. Boilerelement einfach unter die hintere Sitzbank verbaut haben. Passt ja auch super da hin. Und den Frostwächter gleich davor, zu erreichen durch eine kleine Serviceklappe. Elegant.
Jahrelang damit umgegangen, jahrelang nicht weiter darüber nachgedacht.

Bis zum Ausflug auf den Weihnachtsmarkt von LEER 2023. Außentemperatur bei Ankunft: -5°C. WoMo Heizung noch aus, da ordentlich warm durch den Motor von der langen Fahrt. Kurz mal die große Schiebetür auf, Distanz zum Frostwächter vielleicht 80 cm und schwups, löst das dumme Biest doch glatt aus und entlässt das mühsam nach LEER transportierte Wasser auf den frostigen Boden.
Alarm! Tauchen! (anderer Film)
Klar, die Schiebetür war sowieso schnell wieder zu, mit den Fingern den Frostschutzschalter fest gehalten, bis es wieder etwas wärmer im Auto wurde nach dem dann endlich die TRUMA Heizung gestartet wurde.
So was blödes!

Nie im Leben hätte es in dieser kontrollierten Anwendungssituation zu einem Frostschaden kommen können.
Aber doof wie dieser mechanische Frostwächter nun mal ist, kann der es ja nicht besser wissen.
Doch die Ingenieure von TRUMA, die wissen es besser!
Die sind ja nicht völlig doof. Sonst wäre der Laden ja auch nicht so erfolgreich.
Während einige selbsternannte Cleverle ihren Frostwächter mit Kabelbindern, Klebeband oder Holzklötzchen so blockieren, das er niemals mehr auslösen wird, haben die Herrn TRUMA Ingenieure ein kostenpflichtiges Zubehörteil entwickelt: Eine kleine elektrische Heizung für den Frostwächter! Das kleine Heizelement wärmt den kleinen mechanischen Frostwächter immer dann, wenn die große Heizung, unabhängig von der gewählten Raumtemperatur, in Betrieb ist.

Nach dem Motto: Wenn die große Heizung in Betrieb ist, kann es im Auto nicht frieren und der Frostwächter soll nicht auslösen.
Leuchtet selbst dem unbedarften Schreiberling ein.
Wirklich toll, das die Kollegen von TRUMA so was erfunden haben!
Und wirklich bescheuert, das die Kollegen von KNAUS dieses 50 Euro Teil nicht standardmäßig in den Kastenwagen einbauen. Denn nur da gibt es diese mördergroße Tür und in deren unmittelbaren Nähe den Frostwächter. Bei Teil- oder Voll-Integrierten Wohnmobilen wird der Frostwächter eher irgendwo im Fahrzeug verbaut sein, wo es nicht zu so sehr schnellen, sehr extremen Temperaturschwankungen kommen kann.

Schon klar:
Im konkreten Fall, unmittelbar nach Ankunft hätte die kleine Frostwächterheizung auch nicht geholfen, denn die TRUMA Heizung war ja tatsächlich komplett aus. Aber selbst wenn die TRUMA Heizung eingeschaltet gewesen wäre, hätte der Frostwächter ohne Heizelement einfach ausgelöst, weil in Sekunden schockgefroren.
Nun, das Teil kann wirklich jeder in weniger als 10 Minuten einbauen. Einbauanleitung gehört, wie bei ordentlichen Unternehmen wie TRUMA eigentlich immer, mit zum Lieferumfang. Eine Schraube lösen, Winkel und Heizelement einsetzten und Schraube wieder fest ziehen, einen Stecker anstecken. Das war es.
Dieser Build-To-Budget Irrsinn muss mal aufhören!
Wenn ein Wohnmobil wie der KNAUS BOX STAR 630 als winterfest (Aufbau isoliert, Grauwassertank isoliert, Heizung, Boiler, Frostwächter) verkauft wird, dann muss so ein Peanutsteil ja wohl mit an Bord sein?
Nun denn, wieder was gelernt.
Und wieder was eingebaut.
Heiter weiter, wie immer!
Peter.
Hallo, ich sehe es genauso wie Sie, ich habe einen Knaus 630 ME aus 2023, „Winterfest“ und genau das fehlt. Vor abfahrt habe ich bei ca. -3 Wasser aufgefüllt und dann bemerkt dass es wieder rausläuft. Also hab ich den Heißluftfön dran gehalten bis es hielt und Wasser eingefüllt und schnell die Heizung an. Das Teil hatte ich früher schon mal in einem Pössl 2012 eingebaut. Dann werde ich mal wieder nachrüste. Viel Spaß, viele Grüße.
Andreas
Hallo Andreas,
vielen Dank fü die Rückmeldung die und Zustimmung. Das freut ja einen immer 😉
Peter.