Tag 13, Haesnes

13 ist nur dann eine Unglückszahl, wenn sie auf einen Freitag fällt. Dann verlässt traditionell kein verantwortungsbewusster Skipper den Hafen. Fällt die 13 hingegen auf einen anderen Wochentag, obliegt es der freien Entscheidung des Skippers, die Leinen zu lösen.

Wetter?

Ach, kein Problem! In diesem Jahr ist es auf der Ostsee wieder einfach da es wieder nur drei Wetterzustände gibt:

1) Sturm
2) (sehr viel) Starkwind
3) Flaute

Also fahren wir immer bei (2). Der Vorteil: Eine schnelle Reise, ganz so wie es James Onedin von seinem ersten Maat Mr. Bains an Bord der Charlotte Rhodes immer gefordert hat. Eine schnelle Reise! Ja, ja, ich weiß: Das war Fiktion. Aber geliebt habe ich diese Fernsehserie immer! Die Onedin Linie vergangener Tage.
Nun, die beiden sind Anfangs England – Portugal Linie gefahren, wir sind als Tramp in der Ostsee unterwegs. Schon ein Unterschied.

Nun also von Lohals (Nordwest Langeland) nach Haesnes (Nordost Falster). Gut 60 Seemeilen, irgendwas zwischen 20 und 25 Knoten Wind angesagt. Wenn man mit dem STORMVOGEL erst mal aus dem Hafen raus ist und die Segel (in einem solchen Fall im 2. Reff) ordentlich gesetzt sind, ist alles gut.

Obwohl viel Schiffsverkehr im Tiefwasserfahrweg des Großen Belts kommen wir ohne Kursänderung über den Verkehrsweg. Wohl auch, weil die Mannschaft ihre Liebe zum Plotter und deren AIS Informationen wieder entdeckt hat. Stolz verkündet sie kleinste Abstände und Zeitpunkt der nächsten Annäherung. Sehr gut!

Danach durch die südlichen Untiefen von Omö. Und während wir da so rumkurven fällt mir ein, warum wir nicht auf Kurslinie sind: Hier herrscht ganz gut Strom herrscht und so können wir nicht wie geplant durch die Flachs brettern. Kurs prüfen, Vorhalten, Aufpassen.

Ein Seemann schaut zwar nie zurück, doch tut er es doch, sieht er womöglich eine viel kleinere Yacht die ihn unter Vollzeug verfolgt. Und, was für ein Ärger: Eine, die näher kommt!

Nun, Vollzeug ist bekloppt. Ganz klar. Böen über 30 Knoten. Was soll denn das?

Da kurven wir doch lieber aufrecht segelnd mit dem 2. Reff im Groß und ausgebaumten Yankee. So geht diese Verfolgungsjagd ein paar Stunden. Für einen zweiten ist es ja immer einfacher: Braucht sich nur am ersten zu orientieren! Obwohl, er fährt auch anders. Eher vor dem Wind kreuzend – hatte unsere Navigationssoftware auch vorgeschlagen. Was für ein Aufwand! Baum raus und gut!

Schließlich passiert, was nicht zu vermeiden war. Der kleine Flitzer “Rosa-Lux” überholt, es gelingen ein paar coole Bilder und zum eigenen erstaunen sitzt in dem Rennboot keine ehrgeizige Altherrenmannschaft, sondern ein junger Kerl mit zwei kleinen Kindern. Na ja. Vielleicht hat ihm auch jemand eine schnelle Reise befohlen?

Wir erreichen das Fahrwasser von Stubbeköbing mit den beiden großen Brücken davor. 26 Meter Durchfahrtshöhe. Kein Problem. Ein Problem hingegen ist aber, das das östliche Fahrwasser der ersten Brücke im Storström gesperrt ist. Mit hübschen kleinen gelben Tonnen, die man bei der Welle dann erkennt, wenn man quasi davor steht.

Ja, ähm, wie kommen wir denn von hier aus in das Ausweichfahrwasser?

Elegant, äußerst elegant durch Auslassen der ersten Tonne ohne Änderung der Segelstellung.

Endlich, die Welle ist weg, der Wind immer mal wieder auch, weil die Wälder den Wind einfach stehlen und ihn in ein großes Rauschen übersetzten. Doch der Strom ist mit uns und so gleiten wir mit 7 Knoten im Fahrwasser. Der Himmel wird immer bedrohlicher. Die Bedrohung äußert sich in Form der Himmelsfarbe SCHWARZ. Tiefschwarz. Was soll das?

Eine heftige kurze Böe lässt uns das Groß einpacken, als wir später die traumhaft schöne Enge von Härbölle Pynt passieren, die die Inseln Mön und Falster trennt, ist es mit dem Segeln ganz vorbei. Im Engen Fahrwasser unter Maschine nach Süden, zunächst wie auf einem windstillen Binnensee, am südlichen Ende so heftig, was wir zwei, drei Brecher über Deck rollen sehen. Aber da führt kein Weg dran vorbei. Außer umkehren. Nachdem die Brecher in den Untiefen der Ansteuerung überstanden sind und wir auf direktem Kurs die letzten zwei Meilen Haesnes ansteuern können ist die Welt fast wieder in Ordnung. Wenn es Nachmittags um vier nicht schon dunkel werden würde, wenn es nicht nieseln würde, wenn es nicht kalt wäre.

Haesnes. Zwei Boote. Jetzt drei. Bei Westwind eine Oase der Ruhe. Fast stilles Wasser. Wie schön. Der Anleger gelingt im zweiten Anlauf, weil ich mich beim Zählen der Pfähle offenbar verzählt habe…nicht schlimm. Schon gar nicht nach so einer schnellen Reise.

Im Regenzeug einen kurzen Ortsrundgang. Den kleinen Kaufmann gibt es nicht mehr. Schade. Aber wovon soll der auch leben?

Und wie die Erinnerung doch einen täuschen kann: Mal eben nachgeprüft. Bereits bei unserem letzten Besuch von Haesnes 2008 (!) gab es den Kaufmann nicht mehr. Wie kann man so was vergessen? Ja, OK es liegt eine größere andere Reise zwischen diesen Besuchen und da kann man schon mal durcheinander kommen.

Die ehemaligen Fischerhäuser sind schön anzusehen, die zurecht gemachte Luxusvilla, vielleicht ist es auch ein mietbares Ferienhaus, auch. Zurück an Bord, die letzten Reste des in Lohals vorgekochten Hühnerfrikassee´s verspeist und mit der Zufriedenheit eines vollen Magens und dem einen oder anderen Anlegerbier eine schwere Entscheidung gefällt:

Morgen direkt weiter nach Stralsund. Denn Donnerstag gibt es keinen Wind mehr, also (3). Also ganz doof für 55 Seemeilen.

Doch wie motiviert man sich, wenn man trotz innerer Zufriedenheit unbedingt mindestens einen Landtag in Haesnes verbringen wollte?

Ganz einfach: Wir kommen wieder!

Bei besserem Wetter, mit leckerm Grillzeug, Wein und Bier!

In diesem Jahr noch!

Das ist ein Plan.

Peter.

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