Ein Herzenswunsch des aktuellen KNAUSi Fahrers ist der über 100 Kilometer (one way!) lange Abstecher nach M´HAMID. Wie schön das die kleine Reisegruppe trotz der Entfernungen mit zieht!
Der wie stets eigensüchtige KNAUSi Fahrer möchte noch einmal in jenes Wüstencamp mit dem Namen CAMP BIVOUAC HASSI SAMARA dessen Betreiber SAID uns 2022 einen unvergesslichen Abend im Kreise seiner Familie geschenkt hat.
Doch es läuft wie immer im Leben:
Wenn die eigenen Erwartungen in den Himmel fliegen, kann man nur tief fallen und enttäuscht werden. Wobei das harte Wort „Enttäuschung“ hier wirklich fehl´ am Platze ist denn auch der zweite Besuch in M´HAMID war etwas ganz besonderes. Nur eben anders als gedacht, als erhofft?
Versorgungstop in ZAGORA:
Die örtliche Markthalle wirkt völlig unverändert zu 2022, vielleicht etwas mehr los? Noch ist nicht RAMADAN. Noch nicht. Das hier gekaufte Rindfleisch entpuppt sich später als das zähste Stück Leder, das je in des KNAUSi´s Pfanne landete. Erster Aufschlag auf den Boden der Tatsachen, wurde doch das marokkanische Rindfleisch bisher durchweg als sehr, sehr gutes totes Tier klassifiziert.
Die elend lange Sackgasse nach Süden durchquert zwei kleine Bergketten, die Erinnerung an 2022 wird mit jedem zurück gelegten Kilometer intensiver aufgefrischt. Tolle Landschaft, aber, das ist eben so, beim zweiten Mal und mit einigen ATLAS Strecken im Gepäck, nicht mehr ganz so toll wie beim ersten Mal. Klassiker.
Das Wüstencamp von SAID ist gut besucht. Auf den ersten Blick fallen die gewaltig gewachsenen Bäume und Palmen auf! Offenbar in den letzten vier Jahren extrem gut bewässert? Beeindruckend, was in einer vermeintlich feindlichen Umgebung alles so wachsen kann, wenn genug Wasser ins Spiel kommt.
Wasser!
Kommt bei uns für Geld aus dem Hahn.
Während fast alle bisher besuchen Campingplätze absolut in französischer Hand waren fällt im CAMP BIVOUAC HASSI SAMARA auf das es hier überhaupt keine französischen Gäste gibt, sondern nahezu ausschließlich deutsche! Donnerknittel. Ein, zwei Schweizer, ein Engländer. Dafür hat fast jedes Wohnmobil mindestens einen, wenn nicht sogar zwei WoMo Hunde an Bord.
Als bewusst hundelos Reisender fragt man sich was das wohl soll? In ein Land das sowieso viel zu viele frei laufende Bettelhunde beherbergt auch noch bestens behütete Wohlstands-WoMo Hunde mit zu bringen? Sicherlich muss schon alleine die Fahrt in einem Wohnmobil für einen Hund eine Qual sein. Das würde auch dieses irre gekläffe dieser armen Wichte erklären. Eingeborene Bettelhunde kläffen nicht. Die suchen nur still verzweifelt nach Futter.
Die Spaziergänge in näherer Campumgebung am WADI DRAA verlangen durchaus etwas an Orientierungssinn. Obwohl die Gegend relativ flach ist verliert man schon nach wenigen hundert Metern die Heimat auf Zeit aus dem Blick. Kein Problem. Dann steigt man einfach auf eine der vielen kleinen Dünen und hält Ausschau. Das funktioniert natürlich nur mit Tageslicht, ausgedehnte Abendspaziergänge ähneln da schon eher einer Wattwanderung ohne Kenntnis vom auflaufenden Wasser.
Die Begrüßung im CAMP BIVOUAC HASSI SAMARA durch die jüngeren Geschwister von SAID, durch die Schwester FATIMA und den Bruder JOUNA könnte herzlicher nicht sein. Auch wenn FATIMA müde und erschöpft aussieht. Jeder Neuankömmling bekommt erst mal eine Kanne Tee im Schatten des mehr an Liebe bedürftigen Haupthauses. Der Tee muss gemacht und serviert werden. Ebenso das von anderen bestellte Abendessen. Und wenn sich ein Neuankömmling mit seinem Auto auf der Suche nach dem Besten Stellplatz im Sand fest fährt, dann müssen eben auch Sandbleche quer über das Gelände transportiert werden um das Fahrzeug wieder frei zu bekommen. FATIMA kümmert sich um alles. Mit dem ersten Tageslicht kommt jeden Morgen ein Mopedfahrer und liefert das gerade in M´HAMID frisch gebackenes Brot bei FATIMA ab. Mit dem noch warmen Brot in der Hand dreht FATIMA ihre Runden über den Platz um es kostenlos zu verteilen. Viele machen so früh´ am Morgen die Tür gar nicht auf. Weil sie wohl wissen, das FATIMA später noch mal wieder kommt bis wirklich alle ihr Brot erhalten haben.
Wie weltweit üblich sehen die Frauen die Arbeit, Männer wie JOUNA führen höchstens aus. Wenn sie denn mal aufgefordert werden.
Hat man erst mal seinen eigenen Stellplatz bezogen legt JOUNA einen (selbstverständlich alten) Teppich vor das Auto damit man nicht im Sand laufen muss. Sobald es dunkel ist werden dann rund um jedes Auto Kerzen in Papiertüten entzündet. Strom gibt es auf diesem Platz ohnehin nicht. Nur am Haupthaus brennt des Nachts so eine Art Notlicht zur Orientierung. Die sehr angenehmen Abendtemperaturen, die Stille, die Dunkelheit und die Kerzen sorgen für eine ganz besondere Wüstenstimmung. Und so sind die Abendstunden auch die ganz besonderen, die dieses Camp ausmachen.
Doch SAID sehen wir nicht.
Zunächst heißt es er komme bald wieder, dann ist er wohl in der Nacht vor unserer Abreise im Camp angekommen und darf nicht um 0930 geweckt werden. Klarer Fall von Chef Allüren. Oder?
Als aufmerksamer und sehr interessierterer Besucher fragt man sich wie denn wohl die ganzen Einnahmen aus dem gut besuchten Platzbetrieb verwendet werden? Für die Instandhaltung des Haupthauses sicherlich nicht, auch wurde noch kein Zaun, Mauer oder Hecke als Abgrenzung zur nicht wenig befahrenen staubigen Piste angelegt. Klar, viel von den Einnahmen wird für den Lebensunterhalt der Familie drauf gehen. Und noch viel mehr für die Raten des recht neu aussehenden weißen TOYOTA LAND CRUISER der auf einmal vor dem Haupthaus steht?
Schon klar, das Auto ist ein Betriebsmittel, denn SAID bietet ja auch geführte Touren zur großen ERG CHEGAGA Düne an. Doch hören wir von anderen Campinggästen das er offenbar (auch?) Touren an andere Führer/Fahrer vermittelt und gar nicht mehr selbst unterwegs ist. Als Skalierungsinstrument sicherlich OK, nur müsste er viel mehr Wert auf die Fähigkeiten der durch ihn vermittelten Führer legen. Der Wert einer solchen Wüstentour besteht zu mindestens 50% aus den Erzählungen und Erläuterungen der Führer/Fahrer. Wenn der Mensch, in der Regel ein Mann, außer arabisch gar keine Sprache spricht bleibt leider viel auf der Strecke.
Schade.
So viel hätte man mit dem klugen SAID besprechen können, so viel hätte man von SAID lernen können. Die für die Familie mitgebrachten Geschenke in einem großen Korb geben wir einfach FATIMA, die bei Abfahrt sich überschwänglich dafür bedankt nach dem sie den Korbinhalt durchgesehen hat.
Der seit einer Ewigkeit herum gefahrene rote kostbare Lederfußball mit der marokkanischen Flagge darauf hat nicht wie ursprünglich vorgesehen seinen Weg in den Geschenkkorb gefunden.
Das war auch gut so.
Peter.





