Wenn man viele, am Ende werden es 10, Tage in TAFRAOUTE (MAROKKO) auf dem gleichen Wohnmobilstellplatz verbringt, dann könnte man entweder vor Langeweile platzten.
Oder man unternimmt Ausflüge in die Umgebung!
Für einen ausgedehnten Spaziergang reicht es schon einmal „die Platte“ an ihren Außengrenzen zu umrunden. Wilde, wild schöne Natur, Felsen begrenzen den Horizont in alle Richtungen.
Oder man fährt mit den Motorrollern in die nähere Umgebung. Betonung auf nähere Umgebung. 50 oder mehr Kilometer wollen wir mit den kleinen, in Wirklichkeit doch untermotorisierten Rollern, nicht mehr unbedingt fahren. Erst recht nicht in den Bergen.
Das AMMELNE Tal liegt nur gut 6 Kilometer von TAFRAOUTE entfernt, je nach dem, wie weit man da hinein fährt. Entlang der alten Straße gibt es gleich eine ganze Reihe von alten Bergdörfern mit verlassenen und verfallenen Häusern, aber auch einige regelrechte Villen mit üppig grünen Gärten. Wasser kann in dieser Gegend offenbar kein Problem sein?
Während einer dieser Ruinendorfbesichtigung fällt dem aktuellen Mofafahrer auf das er sein Handy an der entsprechenden Halterung am Mofa vergessen hat. Das Mofa steht unsichtbar wenige hundert Meter unten am Berg auf der Dorfstraße. So ein Mist. Bisher zwar keinen einzigen Menschen gesehen, aber es wäre wirklich zu doof wenn das Teil verloren ginge!
Also Abbruch der Bergziegentour durch verfallene Häuser und schnellstmöglich zurück. Siehe da, eigentlich wie erwartet, das Handy steckt noch genau da wo es sein sollte. Nicht das die aktuelle Mofafahrerin große Lust gehabt hätte, weiter in den Ruinen herum zu strolchen, aber der abrupte, zwingend notwendige Abstieg passte dann auch wieder nicht so richtig. Sie erkennt eine gewisse Mangellage an Aufmerksamkeit beim aktuellen Mofafahrer und ist der Ansicht das das Alter eventuell eine Rolle spielen könnte?
Was soll, was kann man dazu sagen?
Auf der Rückfahrt wird noch ein richtig hübsch zurecht gemachtes Dorf besichtigt, hier kann man wohl sogar in einer Pension übernachten. Klar. Kann man. Aber was zur Hölle kann man hier in der Abgeschiedenheit machen? Bücher in großer Einsamkeit schreiben, vielleicht.
Der Wochenmarkt in TAFRAOUTE fällt deutlich kleiner als erwartet aus, aber nicht weniger Bunt. Im Prinzip kann man mal wieder alles kaufen was das Herz begehen könnte. Von Plastikschüsseln und Klamotten über Drogerieartikel bis zu lebenden Ziegen ist alles im Angebot. Aber merkwürdigerweise kein totes Fleisch oder Obst und Gemüse. Das gibt es weiterhin nur in den beiden Markthallen von TAFRAOUTE. Da befindet sich im übrigen auch BLADI´s Fischladen. Der Kerl hinter dem Tresen mit dem vielen Fisch hat in den TAFRAOUTE Tagen einen Mörderumsatz mit dem großen alten Mann gemacht. Zu lecker.
Aber auch so kann man ein paar nicht essbare Kleinigkeiten kaufen, die sich als Mitbringsel für weitere Stationen auf der Reise eignen. Die aktuelle Chefeinkäuferin entfaltet mal wieder ihr volles Verhandlungstalent, sehr zur Verzweiflung der jeweiligen Verkäufer. Aber nach ernsten Verhandlungen wird immer gelacht. Ein gutes Geschäft ist es halt nur, wenn beide zufrieden sind.
Die „blauen Felsen“ in der Nähe von TAFRAOUTE sind sogar aus dem Weltraum zu sehen, wie man auf GOOGLE EARTH erkennen kann. Das ist dann aber vielleicht auch schon das einzige Argument für diesen Ausflug? Klar, die Idee riesige Felsen in Blau, Rosa und Weiß zu tünchen ist erst mal ganz spaßig, aber so ganz ohne erkennbares künstlerisches Konzept? Was soll das bitte schön?
Die „blauen Felsen“ stehen so ziemlich in jedem Reiseführer, daher versuchen auch einige Flugtouristen in ihren kleinen Mietwagen die angemalten Felsen ohne körperlichen Einsatz zu erreichen. Allerdings ist das nur über eine Zufahrt möglich, die andere eignet sich maximal für die eigenen Füße. Einige fragen und kehren sofort um, andere fragen nicht und kehren nach wenigen Minuten wieder um.
In dieser Hochebene wird es gegen Mittag schnell unerträglich heiß, zu blöd, die Sonnenhüte nicht eingepackt zu haben. Trinkwasser hingegen ist diesmal ausreichend dabei, nicht das jemand denkt das die Reisegruppe mittlerweile völlig verblödet.
Die Rückfahrt mit den Motorrollern wird dann entsprechend auch so was von erfrischend wahr genommen, fast schon wie ein Bad im Meer. Logisch, Bergab, vermutlich sogar mit Rückenwind lassen sich ungeahnte Höchstgeschwindigkeiten mit diesen für Reisen völlig ungeeigneten fahrbaren Untersätzen erreichen. Höchstgeschwindigkeit ist selbstverständlich, wie immer im Leben, nicht schlau. Aber was nützt die Erkenntnis im geschmolzenen Hirn wenn das wohlige Gefühl der Abkühlung den ganzen Körper erfasst?
Nun denn, es gibt in TAFRAOUTE und umzu sicher noch viel, viel mehr zu entdecken. Doch das muss warten bis MAROKKO, irgendwann einmal, wieder auf dem Reiseplan steht.
Denn jetzt geht es, eigentlich endlich mal wieder, weiter!
In ein paar Tagen wollen wir M´HAMID in der Wüste erreichen und nachsehen, wie sich der Platz von SAID entwickelt hat.
Ob er sich wohl an uns erinnert?
Wir werden sehen und berichten.
Peter.



