Nun hängen wir schon eine Woche im wunderbaren TAFRAOUTE (MAROKKO) herum und entdecken dennoch jeden Tag etwas Neues.
Zum Beispiel Menschen die an einem großen Felsen in luftiger Höhe hängen. Nennt man wohl Bergsteiger, oder hier international eher Rock Climber. Die Gegend um TAFRAOUTE soll für Menschen mit diesem gefährlichen Hobby ein beliebtes Reiseziel sein denn in TAFRAOUTE und um zu, kann man viele Felsen, jede Mengen Felsen besteigen!
Nun, die hier zu zu sehenden Fotos entstanden sehr spontan an einem Nachmittag. Eine Mitreisende die nicht die Strickende ist, erwähnte in der Trägheit eines sonnigen späten Nachmittags „Ach, guck mal, da klettern welche im Fels“. Donnerknittel! Auf die Entfernung eher Ameisen denn Menschen, aber geschwind das große Objektiv samt Stativ aus dem Kofferraum gekramt und ein paar, so könnte man wohlwollend meinen, gute Fotos gemacht.
Später, die Luft hat sich merklich abgekühlt, die Sonne ist längst hinter dem Berg verschwunden und des KNAUSi´s Besatzung sitzt bereits im kuscheligen Bus, erkennt die derzeit nicht strickende Mitreisende, die ja bekanntlich hauptamtlich die lebenslange Begleitung des Schreiberlings ist, das hier gerade die beiden Kletterer vorbei gelaufen seien. Die markante Hose, die man auf die große Entfernung auch schlicht für keine Hose hätte halten können, fiel ihr sofort ins Auge.
Der Fotograf springt auf, läuft den beiden Menschen hinterher bis diese endlich ihren Marsch nach Hause unterbrechen und sich umdrehen. Etwas erstaunt blickt der Fotograf in die Gesichter von zwei jungen Frauen und fragt etwas verdaddert ob die beiden wohl vorhin den Fels bestiegen hätten? Ja, das waren wir, so die Antwort. OK, wollt ihr die Fotos haben? Aber heute nicht mehr. Morgen? Ja, klar wir kommen vorbei!
OK.
Am nächsten Tag kommt natürlich niemand vorbei und der Fotograf vom Tage zuvor fragt laut ob die beiden ihn wohl für einen üblen Lustmolch halten könnten der darauf spezialisiert ist junge Bergsteigerinnen mit aufregenden Fotos in seinen Bus zu locken? Na ja, klassischer Fall von Eigenbild vs. Fremdbild.
Doch die beiden jungen Frauen erscheinen am nächsten Tag mit ihrem VW Bus. Sie wollen weiter ziehen und sich vorher gerne die Bilder ansehen. Zum Glück freuen sie sich sehr über die unerwarteten Fernaufnahmen und es kommt eine kleine Unterhaltung zu Stande. Der Lustmolch Verdacht konnte nun auch gar nicht mehr aufkommen, war die lebenslange Begleitung zum Glück ebenfalls anwesend.

So lernen wir also Brigitta aus Litauen und Pia aus den Niederlanden kennen. Ja, klettern sei gefährlich aber ganz so schlimm sei das nun auch wieder nicht. In diesem Fels sind ungefähr alle zwei Meter bereits Metallhaken eingeschlagen. Man klettert zwar freihändig von Haken zu Haken, ist aber jederzeit über ein eingeklinktes Seil im unteren Haken gesichert. Wenn man also abrutsche, dann falle man maximal „nur“ 4 Meter tief. Ja, ja, „Nur“!.
Daher auch der stets zu tragende Helm. Würde man fallen soll dieser schwere Kopfverletzungen verhindern. Schon klar. Alle Extremsportler weltweit sagen das Gleiche. Halb so wild, wenn man vorbereitet ist und aufpasst. Bis dann mal wieder einer oder eine tödlich verunglückt und alle, eine Zeitlang wenigstens, betroffen reagieren und dann weiter machen wie zuvor.
Aber genau das macht ja unseren Lebensstil aus: Wir können machen was wir wollen. Uns zu Tode saufen, uns zu Tode arbeiten, uns zu Tode streiten und uns auch sportlich zu Grunde richten. Wenn wir wollen. Oder besser, das wollen wir ja genau nicht, nehmen aber gerne mal tödliche Risiken in Kauf. Das ist OK, so lange jeder für sich selbst entscheidet.
Je länger das Gespräch mit Brigitta und Pia dauert um so beeindruckter ist des KNAUSi´s Besatzung. Echt starke Frauen. Sicherlich: Diese beiden Frauen leben genau nicht das Leben das sich Herr Merz von uns deutschen wünscht. Vielleicht, eventuell sind die beiden die Prototypen von Life-Style-Work-Life-Balance Protagonisten? Aber das hat niemand, gar niemand zu kritisieren, auch Herr Merz und seine Gefolgsleute nicht.
Wenn Menschen das tun was sie lieben und ihr Leben ohne öffentliche Zuwendungen finanzieren können, dann kann ein jeder machen was er bzw. sie will.
Gerade die weit gereisten, die viel von der Welt und von anderen Kulturen und Lebensformen gesehen haben sind die, die unsere in der Sackgasse steckende Gesellschaft weiter bringen können.
Könnten.
Würden sie denn an der richtigen Stelle, irgendwann einmal, endlich mehr arbeiten 😉
Peter.



