MA26: Tafraoute (Anreise)

Nach einer erholsamen Tiefschlafnacht in ZAG am Morgen zum Aufbruch vorbereitet.

Ähnliche Situation wie am Tag zuvor. Die Navigationssysteme und Papierkarten sind nicht einer Meinung. In der GIZIMAP Karte fehlt einfach die berühmte R107 die von IGHIR durch die Berge nach TAFRAOUTE führt. Wie kann eine der landschaftlich tollsten Straßen in MAROKKO in einer Landkarte fehlen? Das ist schon wieder merkwürdig genug. Aber diesmal gibt einen entscheidenden Unterschied: Der nördlich stehende Teil der Reisegruppe hat diese Straße höchstpersönlich am Tag zuvor befahren. Also wird sie wohl da sein.

Gigantisches Flussbett, entlang der R107

Kilometermäßig wird das wieder ein langer Tag, erst Recht wenn das letzte Drittel der Strecke über Serpentinen durch die Berge geht. Aber, und nur darauf kommt es an, die heute wieder strickende Beifahrerin möchte am Tag vor ihrem kleinen Jubiläum in TAFRAOUTE eintreffen. Da der aktuelle Fahrer sonst nicht viel zu diesem Ehrentag beitragen kann fügt er sich der zügigen Weiterfahrt. Happy Wife, Happy Life.

Doch bevor die Tagesetappe so richtig starten kann muss unbedingt Diesel aufgetrieben werden. Den gibt es in ZAG nicht, erst 70 Kilometer entfernt in ASSA gibt es wieder eine Tankstelle. Des KNAUSi´s Tanknadel ist zwar schon im roten Bereich, aber die Reservelampe ist noch nicht an. Ziemlich sicher sind noch 20 Liter im Tank, das reicht zuverlässig.

Die Tankstelle in ASSA weiß genau um ihr Monopol. Oder besser deren Pächter. Den Preis kann er zwar nicht verändern, aber sich richtig scheiße und überheblich aufführen, das kann er sehr wohl. Sein einziger Mitarbeiter ist damit beschäftigt ungefähr 20 französische Enduros einer Reisegruppe aufzutanken also muss er selber ran. Hat sich bis jetzt jeder, wirklich jeder Tankwart über 10 DH Trinkgeld gefreut, steckt sich der Kerl das Geld zwar ein aber Miene und Gestik lassen pure Verachtung vermuten. OK, auf Reisen trifft man 10 Menschen und wenn einer davon mal ein Arsch ist, dann ist das doch gar nicht mal so schlecht?

Tolles Schild: Zwei Wege, ein Ziel. Die linke Strecke führt über eine Neubaustraße, die rechte über die originale R107 ist etwas rustikaler. (GOOGLE hat auch nicht immer Recht!)

Auf der gleichen Durchgangsstraße befindet sich auch ein Reifenreparierer. Also auch da noch Station machen und den am Tag zuvor erdolchten Hinterreifen reparieren lassen. Schon ist der Blödmann von der Tankstelle vergessen. Die Reifenleute in diesen angeblich einfachen Ländern sind vermutlich die wahren Helden der Straße. Die bekommen die Reifen immer irgendwie so hin das man sie nicht direkt weg schmeißen muss.
Mit der Maschine wird der Reifen von der Felge getrennt. Auf der Innenseite der Decke wird mit einer Fräse das Material angeraut, mit Vulkanisierpaste bestrichen und gleich zwei Flicken übereinander aufgeklebt. Ganz so wie bei einem Fahrradschlauch. Das haben wir schon öfters so gesehen und wir wissen, das das hält.
Allerdings, und das ist vermutlich noch ein ungelöstes Problem: Das durch das Moniereisen entstandene Loch hat sicher einen Durchmesser von 5 mm. Ganz schön groß. Und dadurch ist auch die äußere Decke des Reifen zerbröselt worden und labbert etwas in Fetzen um das Loch herum.
Die Lösung des Reifenmannes in ASSA: Sekundenkleber. Hm, das hält zwar für den Moment aber Sekundenkleber wird hart und bleibt nicht elastisch. Das wird, nach Meinung des ahnungslosen Laien dem der Reifen gehört nicht halten. Nun, der Mann hat sein Bestes gegeben und verlangt nach gut 30 Minuten Arbeit dafür 100 DH. Das Trinkgeld fällt, im Nachhinein betrachtet, zu hoch aus weil es jede Relation zum verlangen Preis vermissen lässt. Nächstes mal etwas besonnener, bitte.

Auf der R107 zwischen IGHIR und TAFRAOUTE: Man möchte gar nicht wissen wie es unter der Straße aussieht 😉

Motoröl hätte der aktuelle KNAUSi Fahrer auch gerne noch. Das ist, verglichen mit allem anderen in MAROKKO einfach nur scheiße Teuer. Das ist dann auch so ein Ding mit unseren modernen hochgezüchteten Motoren: Die Motoren brauchen Spezialzeug und Spezialzeug ist bekanntlich immer teuer.

Nun aber endlich los nach TAFRAOUTE!

Ab ASSA über N17 nach Nordosten, ICHT und IGHIR passieren und dann den Abzweig in die Berge auf die R107. Bis zum Abzweig perfekte Straßen, danach „nur noch“ eine gute Straße. Aber hey, besser eine „nur gute“ Straße als den Mist von gestern!

Frühstück in einem gigantischen Flussbett. Da muss vor gar nicht so langer Zeit eine riesige Menge Wasser aus den Bergen herunter gekommen sein! Bekommen wir in NORD EUROPA höchstens mal am Rande mit wenn die südlichen Länder wegen (kurzfristig) Wetter und (mittelfristig) Klima in die Klemme geraten. Aber offenkundig kann MAROKKO solche Naturereignisse sehr gut managen. Im Verlauf der R107 ist die ursprüngliche Straße immer mal wieder weg gespült, aber an jeder dieser Stellen ist eine adäquate Umfahrungspiste angelegt, über die man problemlos ausweichen kann.

Die teilweise extrem steilen Serpentinen machen dem Fahrer in den Kehren (Kurven) immer mal wieder Sorgen. Um diese vernünftig nehmen zu können muss er auf die Gegenfahrbahn ausweichen ohne zu sehen was auf Talfahrt kommt. Keine Ahnung, woher er das hat, aber ein lautes Schallsignal in Form der aufgerüsteten KNAUSi Autohupe ist immerhin besser als gar nichts. Allein, es kommt gar kein Talfahrer, mit dem es Probleme geben könnte.

Auf der „Platte“ von TAFRAOUTE: Einem riesigen, offiziellen Stellplatz der Gemeinde

Die Fahrt ist in der Tat spektakulär und die im Moment nicht mehr strickende Beifahrerin ist ein wenig ob der vielen Fotostopps genervt. Sie möchte auch mal ankommen. Der Fahrer eigentlich auch.

Ortseinfahrt in TAFRAOUTE in Slow Motion, fast schon wie ein kleiner persönlicher Triumph. Schnell am Wegesrand noch was für den Abend einkaufen, die Freunde auf dem riesigen Stellplatz Plattaeu von TAFRAOUTE finden und schon ist wieder ein ereignisreicher, schöner und in Erinnerung bleibender Fahrtag vorüber.

Viel zu schnell eigentlich.

Hier in TAFRAOUTE wird nun erst mal Quartier von unbekannter Dauer gemacht. Denn hier stimmt einfach alles.

OK, bleiben wir bei der Wahrheit:
Manchmal muss man Abends kurz die Heizung anmachen, weil es doch zu kalt wird.

Ach, irgendwas ist ja immer.

Kleinigkeiten, die wirklich Reisende nicht aufhalten!

Peter.

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