MA26: Smara

Die Fahrt gen Norden sollte bewusst andere Zwischenstationen machen als Südgehend. Schließlich will man ja immer etwas Neues sehen. Doch als nach gut 360 Kilometern die angepeilte Stadt BOUJDOUR schon am frühen Nachmittag erreicht wird werden die Karten mal eben neu gemischt und beschlossen, noch weiter zu fahren und am frühen Abend im bereits bekannten FORUM EL QUED zu übernachten.

Die Überlegung:
Lieber wenn es gut läuft weiter fahren und so etwas mehr Zeit für den geplanten Wüstenschlenker gewinnen. Mit dem nördlichen Teil der Reisegruppe ist mittlerweile TAFRAOUTE als Treffpunkt ausgemacht, so um den 5. oder 6. Februar herum.

Wüste, mal wieder anders als man denkt: West Sahara östlich von LAAYOUNE

Da ab hier Neuland befahren werden soll befragt der Fahrer am Abend im FORUM EL QUED die Besatzungen von zwei deutschen Autos, die hier auch schon vor ein paar Tagen standen. Doch bevor die beiden Antwort geben, wollen sie wissen wo wir waren. Etwas ungläubig staunen sie das man so weit nach AD DAKHLA fährt und so schnell wieder zurück ist. Schließlich mache das ein Auto ja um über 1.000 Kilometer älter?

Äh, hallo? Sind Autos nicht zum fahren da?

Nun, die beiden waren noch nicht südlicher und auch nicht im Osten. Keine Hilfe.

Die Kartenlage ist eindeutig:
Von LAAYOUNE aus (gleich neben an) führt die N5 in den Südosten, nach 100 Kilometern zweigt die N14 streng nach Osten ab, 240 Kilometer später liegt dann SMARA oder auch EL-SEMARA). Da dann übernachten und am nächsten Tag weiter über die N14 nach ZAG. Toller Plan, doch es kommt anders als der Fahrer denkt. Wie so unendlich oft schon.

An dieser Stelle erst mal SMARA:
In LAAYOUNE gibt es einen riesigen MARJANE Supermarkt der besucht werden will. Nicht das uns die Straßenmärkte und Stände langweilen oder die Lebensmittel dort nicht gut wären. Nein, es ist einfach die Lust auf großen Supermarkt. Die Lebensmittel der Eingeborenen sind im MARJANE nur unwesentlich teurer als auf der Straße. Das Sortiment ist riesig und bis auf Schweinefleisch und Alkohol gibt es wirklich alles, was man auch in einem INTERMARCHE in FRANKREICH erwarten würde. Nur ist alles, was offenbar importiert wurde unglaublich teuer. 10 Meter Gartenschlauch für 600 DH, einfachste Chinaware.

Ferienhütten von CAMPING TOURISTIQUE LA SAGUIA bei SMARA, MAROKKO

Die reichen Städte hier im Süden haben alle prächtige Stadttore, die man allesamt sehr gerne fotografieren würde. Das Problem dabei ist das an diesen immer individuell gestalteten Stadttoren eine Polizeikontrolle steht und die natürlich nicht fotografiert werden will. Wie kann man als Tourist klar machen das es nicht um ein Foto der Polizisten sondern um eines der Stadttore geht? Gar nicht. Einfach mal verzichten, oder, wo möglich, aus der Distanz zum Foto kommen.

Schnell nach Verlassen der Stadt wird der Verkehr sehr viel weniger, nach 50 Kilometern ist man quasi alleine. Auch diese Straße ist in einem sehr guten Zustand, wenn auch schmaler. Kommt einmal ein LKW entgegen muss man schon mal beidhändig lenken.

Selbstverständlich findet bei SMARA auch wieder eine Polizeikontrolle statt. Doch diesmal wollen sie auch die Pässe sehen und fotografieren. Dabei wollen wir ja gar nicht in SMARA selbst übernachten, sondern auf einem Campingplatz etwas außerhalb der Stadt. Doch die Stadt ist offenbar ein großer Militärstandort mit eigenem Flughafen. Da will man wohl wissen wer fremdes sich hier herum treibt?

Wüstencamp CAMPING TOURISTIQUE LA SAGUIA bei SMARA, MAROKKO

Der Platz CAMPING TOURISTIQUE LA SAGUIA an der P14, nördlich von SMARA ist schnell gefunden und wir werden auch schnell eingelassen. Merkwürdig: Kein anderes Wohnmobil da? Hatten wir anders vermutet. Andererseits auf der ganzen Fahrt auch keine weitere weiße Ware gesehen. Expedis auch nicht. Wir dürfen auf dem kleinen, deutlich besser windgeschützten Parkplatz direkt an den Gebäuden stehen. Ali, unklar ob Besitzer oder Betreiber, ist sehr freundlich und bringt sofort einen Willkommenstee. Ob wir wohl bei ihm zu Abend essen wollen? Ja, das passt uns gut und so wird eine TAJINE für zwei zu 1800 bestellt.
Kurz darauf kommt ein niederländisches Expeditionsmobil, das große Fahrzeug darf auch auf den kleinen Platz. Recht verschlossene Leute, kein Kontakt möglich. Noch später kommt ein britischer Biker der sich über einen Smalltalk unter Reisenden sichtlich freut. Der Mann mittleren Alters reißt jeden Tag (!) gut 500 Kilometer auf seiner großen BMW Enduro ab weil er nicht so viel Zeit hat. Er will unbedingt den Wendekreis des Krebses überqueren. Nun, jeder hat so seine Ziele.
Befragt ob die Straße nach ZAG gut befahrbar sei ist er zunächst unsicher, ob er die heute überhaupt befahren hat, beteuert aber dann diese tatsächlich genommen zu haben und ja, die Straße sei überhaupt kein Problem gewesen. OK.

Die TAJINE für zwei hätte locker für vier gereicht. Köstliches Gemüse, Kartoffeln auf wenig, aber ausreichend Hühnchen und köstlicher Sud. Fladenbrot. Man könnte denken, ganz schön teuer an so einem abgeschiedenen Ort auswärts zu essen. Stimmt aber nicht. 120 DH, für alles.

Bewässerung mit Plastikflaschen: Die sind alle voll!

Bei PARK4NIGHT gibt es nicht wenige Meckerpötte die diesen Platz schlecht schreiben. Klar, wir gehen hier auch nicht duschen oder auf Toilette, aber hallo? Was erwarten denn die Leute in einem Wüstencamp ohne eigenen Brunnen?
Wem auch immer der Platz gehört, er hat eine Idee von Tourismus. Der Brite zum Beispiel schläft in einem schicken kleinen Berberzelt, auf dem Hügel entstehen kleine Hütten unterschiedlicher Bauweise. Sehr clever die Idee, den reichlich vorhandenen Sand zu großen in Plastik eingefassten Wülsten zu pressen und so flexible Wände wie die einer Blockhütte aufzustapeln.
So sehr die sichtbaren Ambitionen hier auch beeindrucken, das Problem des fehlenden Wassers bleibt. Die beiden großen Wasserkissen auf dem Hügel reichen hinten und vorne nicht, wenn hier mal wirklich Betrieb ist. Das es auch keinen Strom gibt kann man verschmerzen und wäre sogar mit Wind- oder Solargewinnung leicht lösbar. Aber nicht vorhandenes Wasser? Unlösbar.

Nach einer sehr ruhigen Nacht geht es wieder weiter.

Weiter in ein echtes, durchaus ungewolltes Abenteuer.

Dieser neue Beitrag muss aber erst noch geschrieben werden.

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Peter.

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