MA26: Forum El Qued (Laayoune)

Der Küstenort der schicken, sauberen und modernen Großstadt LAAYOUNE heißt FORUM EL QUED und gleicht einem Lost Place am Meer. Zufahrtsstraßen durch Strandsand verweht, unzählige unbewohnte Häuser und Bauruinen in ihren verschiedenen Stadien. Jede Menge Militär. Und noch mehr Grenzpolizei. Nicht störend oder unangenehm.

Unklar, ob die verhindern sollen das jemand von See aus in das Land gelangt, oder anders herum?

Nur zwei Kriterien musste der Platz für diese Nacht auf dem langen Weg nach Süden erfüllen: Vernünftige Fahrdistanz und guter Stellplatz. Beides erfüllt EL QUED sehr gut. Doch dazu später mehr.

Alte und neue Brücke der N1, MAROKKO

Ach was könnten wir uns in Deutschland vom Bauwesen in MAROKKO wohl alles abkupfern? Wenn die hier eine neue Straße bauen wollen, dann bauen die eine neue Straße in Rekordzeit, mit allem drum & dran, samt gigantischer neuer Brücken. Wenn die Wohnungen bauen wollen, dann bauen die keine Wohnungen, die bauen gleich ganze Städte.
Mag sein das nicht alles sofort fertig wird und mag sein das die Ansprüche an die Bauqualität andere sind, aber wenigstens steht MAROKKO nicht still.

Gefrühstückt wird am Rande eines Salzsees. Unklar, ob die Salzgewinnung mit Meerwasser von Statten geht. Zunächst sah´ das riesige Gebiet tot und verlassen aus, doch bei genauerer Betrachtung kann man sehr wenige Bagger und LKW´s in der tiefen Ebene erkennen. Etwas Geheimnisvoll kommen die drei Paar Gummistiefel daher die sich hier auf auf dem Hochplateau ohne passende Füße anfinden. Wer lässt in MAROKKO funktionsfähige, 1A ausersehene Gummistiefel zurück, zwei Paar sogar zum trocknen?

1 Paar Gummistiefel in MAROKKO

Dann, gegen 1300 ist es so weit: Endlich wird mal wieder ein neues Land betreten!

Oder doch nicht?

Als „die Spanier“ ihre Kolonie WEST SAHARA räumten war das wohl ein eigenes Stück Land. Dann haben sich MAROKKO und MAURETANIEN sowie die wenigen Eingeborenen darum gekloppt und seit dem gehört die WEST SAHARA zu MAROKKO. Und faktisch ist das auch MAROKKO, denn man überquert keine Landesgrenze. Doch nichts mit Neuland! Schiete sacht Fiete!.

Dabei hört sich das so toll an! Wir waren in der WEST SAHARA!

Na toll.

Für die Eingeborenen ist das vermutlich so was wie THÜRINGEN?

Der Stellplatz von FORUM EL QUED befindet sich am Ende der versandeten Strandstraße, danach kommt nur noch eine Kaserne und zu der ist die Zufahrt natürlich versperrt. Der große Parkplatz wird nachts mit Flutlicht beleuchtet, da muss man schon wirklich alle Schotten dicht machen sonst bleibt es im Auto taghell.

Die vielen super teuer, sehr schön aussehenden Straßenlaternen sind hingegen nicht in Betrieb. Am Abend kommen zwei Typen zu Fuß entlang des wegen Sandverwehungen unpassierbaren Teils der Zufahrtsstraße und bauen alle Wartungsklappen der Laternen ab. Einer öffnet mit einer Zange den Deckel der den Zugang zur Elektrik der Lampe ermöglicht und schmeißt diesen auf den Bürgersteig, ein anderer sammelt die sorgsam stapelnd auf und schleppt so einen immer größeren Berg Deckel vor sich her. Das machen die auch vor dem Militärposten, das machen die auch vor dem Posten der Grenzpolizei. Keiner hindert sie an ihrem Tun. Herrenlose Gummistiefel hier, (vermutlich) Deckelräuber dort. Ein Tag der Merkwürdigkeiten.

Klasse Strand, Baden verboten

Irgendwann hat jemand an diesem Strandparkplatz einen Rohbau für ein Restaurant und/oder Strandbar hin gesetzt und einfach nicht weiter gebaut. Direkt daneben befinden sich ca. 15 Doppelhaus ähnliche zweistöckige Flachdachgebäude, die sich um ein riesiges Betonbecken, offenbar ein geplanter Swimmingpool, gruppieren. Alle diese Gebäude haben Fenster und Türen und sind auch schon angemalt. Aber das war es dann auch schon.

In erster Reihe steht ein anderes Gebäude, zur Seite des Strandparkplatz stehen da immer, wirklich immer, rund um die Uhr zwei Grenzschutzpolizisten vor ihrem Mannschaftsbus. Die freuen sich sichtlich, wenn man sie freundlich grüßt, verziehen aber ansonsten keine Miene.
In diesem blau-weißen Flachdachgebäude befindet sich eine öffentliche Großtoilette, die aber im Regelfall abgesperrt ist. Ferner ein fertig gebautes Apartment dessen einziges Mobiliar aus zwei noch original verpackten Betten besteht. Ein zweiter Raum ist komplett leer, wie der Flur auch. Das Badezimmer hingegen mit Dusche, Klo und nagelneuem, großen BOSCH Boiler hoch an der Decke hängend, ist voll eingerichtet und funktionsfähig.

Zwei Männer kümmern sich um diese Anlage.

Der Ältere hat noch genau zwei Zähne im Mund und versteht scheinbar gar nichts, der jüngere, möglicher Weise sein bummelig 40ig jähriger Sohn, ist da schon viel patenter und heißt MOCHTA, das bedeutet so viel wie „der Auserwählte“.
MOCHTA kümmert sich wirklich rührend um das Wohl der Stellplatzbesucher. Wer hier übernachtet bezahlt bei ihm 20 DH pro Auto, Duschen mit hervorragend viel und heißem Wasser in dem Apartmentbadezimmer kostet pro Person 10 DH, Frischwasser auffüllen 10 DH, Klokassette ausschütten auch noch mal, man ahnt es schon, 10 DH.
Damit alles seine Ordnung hat schließt er das Apartment zum Duschen und die Großtoilette zur Entsorgung immer auf und zu, wenn er danach gefragt wird. Abends läuft er einmal über den Parkplatz und kassiert für die Nacht.
MOCHTA wohnt mit dem alten Mann im Eingangsbereich eines dieser dreiviertel fertigen Ferienhäuser, einfachst auf einer Matratze hausend.

Sonnenuntergang im FORUM EL QUED, MAROKKO, WEST SAHARA

Vermutlich ist MOCHTA so was wie der Hausmeister der Anlage, vermutlich zahlt ihm der Besitzer einen Hungerlohn, vermutlich erlaubt er ihm aber durch Teilnutzung der funktionierenden Infrastruktur ein paar Dirham dazu zu verdienen.

Vermutlich. Man würde so gerne mehr über die Lebensumstände dieser so lebenden Eingeborenen, deren Träume, deren Sorgen erfahren! Scheiß Sprachen. In 100 Jahren, spätestens, gibt es zwar noch immer die eine Millionen Sprachen dieser Welt, aber eben auch einen funktionierenden Universalübersetzer namens BABEL FISH im Hirn, oder auch Ohr. Zu spät.

Weiter vorne im Ort gibt es noch einen anderen Parkplatz, ohne alles, ohne MOCHTA, ohne Geld.

Da stehen mehr Wohnmobile.

Peter.

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