KNAUSi: Anhängerkupplung Dauerplus und Ladeleitung

Irgendwie kommt ja immer eines zum anderen und wenn man, nur so zum Beispiel, eine Anhängerkupplung am Wohnmobil hat, einfach nur, weil sie schon da war als man das Teil gekauft hat, ja dann hängt man Jahre später da wohl auch mal einen Anhänger dran. Einfach weil es geht.

Was dann leider nicht einfach geht ist die Montage eine dauerhaft eingeschalteten Rückfahrkamera am Anhänger. Das WIESO, WESHALB und WARUM demnächst in einem weiteren Beitrag dazu.

Hier geht es zunächst einmal „nur“ um die „Kleinigkeit“ der vollständigen Verdrahtung einer 13-poligen Anhängerbuchse bzw Stecker, Dauerplus und Ladeleitung genannt.

13-polige Anhängersteckdose, Zündplus

Als modernes Auto verfügt KNAUSi natürlich über eine modere 13 polige Anhängersteckdose. Abseits der normalen Beleuchtung sind drei Pins (Pole) für die Stromversorgung eines Anhängers abseits der Beleuchtung relevant:

PIN 9: 12V Dauerplus
PIN 10: 12V Plus wenn Zündung an
PIN 13: Masse für Pin 9 und 10

Misst man mit dem Voltmeter die Anhängersteckdose am Wohnmobil durch und stellt fest, das an den besagten Pins gar kein Strom anliegt, fragt man sich:

Was soll das denn?

OK, schrauben wir doch einfach mal die Steckdose auf und sehen nach, wie die verkabelt ist. Dabei lernt der geneigte Fahrer das die Anhängerkupplung und der E-Satz von der Firma WESTFALIA stammt. Bekannte Marke. Das ist ja wohl schon mal gut? Das Auto ist jetzt fünf Jahre alt, eine der drei billig verzinkten Schrauben der Anhängersteckdose lässt sich kaum noch öffnen. Völlig verrostet. Unbedingt bei Gelegenheit mal durch Niroschrauben ersetzten. Wieder fragt man sich:

Was soll denn das?

3-Poliger Stecker des WESTFALIA Standard E-Satzes für eine Anhängerkuppung

Merkwürdig. Alle 13 Pole an der Anhängersteckdose sind ordentlich sauber verkabelt. Aber natürlich weiterhin kein Strom auf Pin 9 und 10.

Ein Fall für GOOGLE.

Dort lernt man, das der WESTFALIA E-Satz für die Anhängerkupplung über eine „optionale Erweiterung“ verfügt. Eben jene zusätzliche Stromversorgung über die Pins 9/10/13. Der Standard WESTFALIA E-Satz liefert einen komplett verdrahteten Kabelbaum von der Steckdose bis hin zu einem Steuerrelais und dort findet man dann einen dreipoligen Stecker, an dem die „optionale Erweiterung“ angeschlossen werden muss. Spaßiger Weise gibt es allerdings zwei Erweiterungsoptionen. Eine, die nur das Dauerplus liefert („300 027 300 113“) und eine wirklich „richtige“, die zusätzlich auch das Zündplus liefert („WESTFALIA Erweiterungssatz für Dauerplus und Ladeleitung 300 025 300 113„).

Barcode WESTFALIA Erweiterungssatz für Dauerplus und Ladeleitung: DP ist klar, aber wofür steht LI?

Logisch, die Richtige kostet mehr, in Deutschland mal eben um die 70 €, über eBAY aus Polen bekommt man das Teil aber auch für 50 €.

WESTFALIA Erweiterungssatz für Dauerplus und Ladeleitung 300 025 300 113

Bevor man sich nun darüber ärgert, das diese zu geringen Mehrkosten erhältliche „optionale Erweiterung“ nicht direkt mit verbaut wurde, folgendes: Es sind nicht die Materialkosten, es ist die aufwendige Montage der „optionalen Erweiterung“ an der gespart wird. Denn längst nicht jeder (Anhänger) braucht (oder will) diese zusätzliche Stromversorgung.

Nur, wo zur Hölle läuft der Anhängerkabelbaum im Auto, wo zur Hölle befindet sich diese Steuereinheit in deren Nähe der dreipolige Stecker herumlungern soll?

Studiert man die bei WESTFALIA online einsehbare Einbauanleitung für den Standard E-Satz lernt man, das man in diesen modernen Autos nicht einfach Licht, Blinker und Bremslicht vom Auto für den Anhänger abzwacken kann. Dann bricht die Autoelektronik zusammen. Schließlich merkt die ja heutzutage ob eine Birne durchgebrannt ist.
Aber mit ein wenig (mehr) Technik und einer Schaltbox gelingt es dann offenbar doch, den Standard E-Satz für die Anhängerkupplung ausschließlich am Fahrzeugheck zu verkabeln, ohne aufwendig Leitungen nach vorne führen zu müssen.
Zum anderen lernt man, das man beim Einbau des E-Satzes links anfangen soll, dort auch die Schaltbox verbaut und dort auch der dreipolige Stecker zu finden sei. Das alles im linken senkrechten Holm des DUCATO Aufbaukastens, da, wo außen die Türscharniere sind.

OK?

FIAT DUCATO 250: Linker Heckholm von innen

In unserem KNAUS Ausbau des FIAT DUCATO ist von innen in dieser Ecke ein großes Plastikteil mit kleinen Ablagemulden und einem kleinen Lautsprecher verbaut. Insgesamt fünf gut sichtbare Schrauben halten das Teil in Position, unten wird es ein wenig durch Möbel verklemmt.

Will man da wirklich ran?

Nützt ja nix, das Teil muss raus, will man den Stecker finden!

Ach je, in dem nun freigelegten Holm laufen (gefühlt) tausende Kabel! Mit etwas fummeln angelt sich der enthusiastische Schrauber doch tatsächlich einen dreipoligen Stecker aus dem Gewirr! Das muss er wohl sein. Den endgültigen Beweis liefert das Durchmessen von diesem Stecker zu den entsprechenden Pins in der Anhängersteckdose. Also gut, kaufen wir den „optionalen Erweiterungssatz“ und verkabeln geschwind das Teil nach vorne.

Erweiterungssatz hinten: Super einfach: Einstecken und neuen Kabelbaum nach vorne verlegen

Der Plan:
Irgendwie in dem hinteren Holm nach unten, dann unter dem Fahrzeug nach vorne und dort über den den Batteriekasten in das Fahrzeuginnere. So wurde ja auch „damals“ das PARK DISTANCE CONTROL (PDC) System verlegt.

Leider findet sich in der Produktbeschreibung kein Wort der Kabellänge des „universellen“ „optionalen Erweiterungssatzes“. Auch bei WESTFALIA nicht. Später, als das Teil geliefert wird, wird die Länge des nach vorne zu verlegenden Kabelbaumes mit knapp 7 Metern Handvermessen. Das wäre ausreichend lang, wenn man nicht im hinteren Holm einen guten Meter nach unten müsste. So wird es verdammt knapp und beim Verlegen um jeden Zentimeter gerungen. Reicht am Ende so gerade eben.

Erweiterungssatz vorne: Schon schwieriger…

Nun, Kabel in einem Auto (oder Boot) zu verlegen ist ja nie einfach, aber mit steifem Draht und ein paar Schnüren findet man in der Regel auf kurzen Abschnitten einen Weg. Und wenn es mal aussichtslos erscheint, einfach mal eine bewusste Pause machen, zur Not einen betäubenden Beruhigungsdrink zu sich nehmen und einen neuen Anlauf starten.

Völlig drogenfrei hingegen sollte man sich der erstaunlich aufwendigen Verdrahtung der „optionalen Erweiterung“ zuwenden. Hinten ist es ganz einfach: Dreipoligen Stecker einstecken und von da aus den 7 Meter langen, drei adrigen Kabelbaum mit Schutzmantel nach vorne bringen.
Will man dann der etwas kühnen „Verkabeln nach Bildern“ Anleitung von WESTFALIA folgen braucht man wahrlich einen ganz klaren Kopf. Also der aktuelle Schrauber jedenfalls! Im Bestreben, nahezu völlig auf Text zu verzichten (vermutlich um an Übersetzungen zu sparen) hat WESTFALIA die ganze Anschlussverkabelung an das Fahrzeug in 17 (in Worten: SIEBZEHN!) textfreien Bildern illustriert.

Das ist gleich doppelt herausfordernd und man tut gut dran, nach Studium des Ganzen mal eine Nacht darüber zu schlafen bevor man schließlich zur Tat schreitet.

Beispielskizze Verdrahtung WESTFALIA AHK Erweiterungssatz (Quelle: WESTFALIA)

Die Verdrahtung des Zündplus ist aber auch schon wieder schwierig, denn wie oder besser wo kann man das vorne auf der Fahrerseite in der Nähe des Batteriekastens abzwacken?

FIATZ DUCATO 250: Belegung Sicherungskasten Fahrerseite, innen, Sicherung F43 gezogen

Die passende WESTFALIA Skizze, hier in eigene Worte gefasst, lapidar:
Finde ein Zündplus Kabel, kneife es durch und schleife einen Anschluss für ein neues Steuerrelais ein. Kabelschuhe, Kabel und Steuerrelais werden von WESTFALIA im „optionalen Erweiterungssatz“ mitgeliefert. Denn ordentlich wie WESTFALIA nun mal ist wird nicht einfach irgendein Zündplus angezapft und nach hinten durchgeschleift, sondern über dieses neue Steuerrelais eigenständig geschaltet und dadurch für die Anhängerversorgung direkt von der Fahrzeugbatterie abgenommen.

Dennoch:
Wie kommt man elegant an ein beliebiges Zündplus?

Der Zufall wollte es so, das bei der ganzen theoretischen Internetrecherche ein total genialer Stromdieb in Auge fiel:
In einem Sicherungskasten identifiziert man eine Sicherung, deren Strom über die Zündung geschaltet wird. Beim FIAT DUCATO 250 also zum Beispiel die Sicherung „F37 Ansteuerung Bremsleuchten, Instrumententafel (+Schlüssel)“ im Innenraum Sicherungskasten auf der linken Fahrerseite.
Der Anschluss dieses Stromdiebes passt genau an die Stelle, an der eigentlich die Sicherung stecken sollte. Darüber hinaus hat der Anschluss zwei Steckplätze für Sicherungen: Einmal für die Originalsicherung und einmal für eine Sicherung der Abzweigung. Das Teil gibt es für normale (breite) Sicherungen und für Minisicherungen (11mm breit). Tolle Erfindung, gell?

Genial einfacher KFZ Stromdieb zum Abzapfen einer Plus-Leitung im Sicherungskasten

Nun, der Rest ist dann tatsächlich nur noch Kabelverlegen. Die Innenraum Plastikabdeckungen des DUCATO sind vorne relativ einfach zu demontieren.

Ohne Sparingspartner, ohne genaue Kenntnis von dem, was man da eigentlich genau macht und verunsichert durch die vielen Verkabelungsskizzen ungefähr 1.000 mal das ganze Werk überprüft, bevor der geniale Stromdieb eingesteckt wird.

Sehr schön schon mal das man das neue Steuerrelais klicken hört, wenn man die Zündung einschaltet.

Siegestaumel dann, als das Nachmessen an der Anhängersteckdose das gewünschte Ergebnis liefert:

a) Unhabhängig vom Zündschlüssel Dauerplus auf Pin 9 mit Pin 13 als Masse.
b) Zündung aus, kein Strom auf Pin 10 mit Pin 13 als Masse.
c) Zündung an, Strom auf Pin 10 mit Pin 13 als Masse.

Vorzüglich!

Schlechts Bild, aber ja, jetzt kommt Strom an der Anhängersteckdose an!

Diese Nummer mit der eigenen Masseversorgung über Pin 13 für Pin 9 & 10 sollte man wohl ernst nehmen. Klaut man die Masse woanders kommt es wohl zu unerwünschten Seiteneffekten, weil man ja faktisch in zwei verschiedenen Stromkreisen unterwegs ist. Dadurch das das eigene Massekabel ja mit im Kabelbaum des „optionalen Erweiterungssatzes“ ist gibt es faktisch ja auch keinen Mehraufwand.

Ja, eigentlich wäre man jetzt mit Stolz erfüllt und könnte sich endlich dem Einbau der Rückfahrkamera in den Anhänger widmen.

Hätte, ja hätte man sich bloß mal den Stecker des Anhängers genauer angesehen! Obwohl es sich dem äußern Anschein nach um ein 13-poliges Exemplar handelt verfügt dieser blöde Stecker der Firma „ASPÖCK SYSTEMS“ doch nur über 8 Pins?

Ach Mann, was soll denn das nun wieder?

Und weil das eher zu dem auslösenden Thema „Rückfahrkamera für einen Anhänger“ passt, kommt das auch in dem anderen Beitrag.

Peter.

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