Peter Gabriel, Hamburg, 12. Juni 2023

Ein neuer Vorsatz!

Sicherlich ein unerfreulicher, weil negativ behafteter Vorsatz.

Nie wieder ein PETER GABRIEL Konzert besuchen!

Mag sein, das die äußeren Umstände in ihrer Grundgesamtheit dafür verantwortlich sind: Gebucht noch in SÜDAMERIKA, ungehört, die neuen Lieder noch nicht auf CD veröffentlicht, sondern eher mystisch bekloppt einzeln zu jedem Vollmond, Stress bei der Anreise, scheiß Plätze für scheiß viel Geld, Verbot eigene Fotos zu machen, Kommerz zum Kotzen (Tour T-Shirt ab 45 €(!)).

Mag sein.

Aber normalerweise nimmt einen gute Musik mit auf dem Weg zum positiven, zum optimistischen, zur GUTEN LAUNE!

Diesmal nicht.

Weil, kaum gute Musik wird an diesem Abend geboten.

Sämtliche „neuen“, noch nie zuvor gehörten PETER GABRIEL Lieder des immer noch nicht veröffentlichten Albums „I/O“ perlen am Schreiberling ab wie Sau blöde Radiomusik auf NDR2. Oft wehleidig, immer belanglos, müde vorgetragen. Kann gut sein, das die CD nicht das Licht der Welt erblickt, weil ansonsten dokumentiert würde, wie schlecht das neue PETER GABRIEL Album tatsächlich ist.
Zeitweise scheint Herr Gabriel ein altes Mixtape von MODERN TALKING (oder so) gefunden und verwendet zu haben. Auf so eine blöde Musik muss man erst mal kommen! Oh Mein Gott!
Das ist echt tragisch. Schon klar, das der Schreiberling mit dieser seiner Meinung relativ alleine dasteht, denn die volle BARCLAYS ARENA in HAMBURG tobte selbst beim schlechtesten Song. Die erste Konzertstunde war voll zum abgewöhnen. Könnte allerdings auch sein, das das kritiklose Mitpublikum sich einfach dachte, Mensch, jetzt haben wir so viel Geld für die Eintrittskarten bezahlt, dann muss das doch auch gut sein? Nur wenige der Anwesenden werden wahre Lifetime zugewandte gewesen sein.

Nun ist es nicht so, das in der Vergangenheit PETER GABRIEL Konzerte immer durchweg die absoluten Burner waren. Jedenfalls musikalisch nicht. Aber man hatte zumindest gut 50% echte musikalische Highlights im Programm, die einen weg gefegt haben. Optisch hat Herr Gabriel sicher mit der GROWING UP Tour seinen Zenit überschritten. Die I/O Show verdient nur noch eine fünf auf der von Gabriel selbst faktisch definierten Skala von 1-10. 

Wirklich nur ein einziges Stück hat tiefe Begeisterung in Form von hemmungslosen Stuhlappeln hervorgerufen: RED RAIN mit einem phantastisch aufspielenden MANU KATCHE am Schlagzeug. Das war echt Weltklasse, aber sicher nicht 135 Euro wert.
Ob die übrigen Musiker wirklich bei der Sache waren? Wenn TONY LEVIN viel Zeit mit seinem Fotoapparat verbringt, um „besondere“ Fotos, vermutlich für sein nächstes Buch, zu machen und dafür seinen Bass schon vor Ende des Songs zur Seite legt, dann fragt man sich ja ohnehin, was da eigentlich noch wirklich live gespielt wird?

Nein, dieses Konzert war voll für den Arsch!

Das schreibt im übrigen einer, der seit über vierzig Jahren als Anhänger dieses eines Mannes zu zählen war. Damit ist jetzt Schluss. Sollte I/O jemals auf CD erhältlich sein, wird sie nicht gekauft. Ein weiteres PETER GABRIEL Konzert wird aus Altersgründen wohl sowieso nicht mehr statt finden, aber selbst wenn, es wird nicht mehr besucht.

Wirklich alles, alles hat Herr Gabriel mittlerweile offensichtlich dem Kommerz untergeordnet. Verzweifelte Versuche, radiotaugliche Hits wie seinerzeit SLEDGEHAMMER nachzulegen, bedeutungsschwanger Lebensweisheiten auf sehr schwacher Musik transportieren und mangels Alternativen wie schon seit Jahrzehnten ein gähnend langweiliges Finale mit IN YOUR EYES und BIKO zu absolvieren. Das war alles Käse.
OK, bei BIKO, zumal mit MANU KATCHE am Schlagzeug, stand der Schreiberling selbstverständlich auch und hat vom ersten bis zum letzten Wort mitgesungen. Aber eher aus Tradition denn aus echter Begeisterung. 

Ein sehr enttäuschter, jetzt bis auf weiteres ehemaliger Fan,

Peter.

P.S:
Zur bescheuerten Grundgesamtheit gehört dann auch noch die Heimreise: Mit Erwerb der Konzertkarten hat man das Recht, alle Züge und Busse des HVV und der NORDBAHN zu nutzen. Das hat auf dem Hinweg auch gut geklappt. Zurück, so gegen 2245 sind wir dann in PINNEBERG gestrandet. Für eine gute Stunde. Scheiß DEUTSCHE BAHN!
Statt sich ewig und drei Tage in endlose Tarifverhandlungen zu verlieren, sich zu tode zu streiken, sollte dieses „Unternehmen“ endlich mal seine Kernprozesse in den Griff bekommen. Und das gilt wohlgemerkt nicht nur für das „Unternehmen“, sondern auch für die „Mitarbeiter“, die statt sich hinter zweifelhaften Gewerkschaftsbonzen zu verstecken vielleicht auch mal einfach nur Leistung zeigen sollten, bevor sie mehr Geld verlangen.

P.S.2:
Keine Fotos. Weil verboten. VERBOTEN! Hallo?

Ein Kommentar

  1. Einfach nur traurig dieser Beitrag.
    Ich war in Hamburg, vorher in der Waldbühne Berlin.
    Ohne Abstriche war das Konzert in HH einfach genial und äußerst stimmungsvoll!
    Ich habe keinen Grund irgendetwas oder -wen zu rechtfertigen, mir gehen nur solche Beiträge auf den Geist.
    Ich saß in Reihe 18 direkt vor der Bühne, der Sound war sensationell, alles pefekt zu sehen.
    Peter hatte einen Patzer, weil er „washing of the water“, wie in Polen mit Keyboard anspielte, aber bei den Deutschland-Konzerten, „here comes the flood“ auf deutsch (leider) im line-up war.
    Sehr symphatisch reagiert.
    Peters Musik hat sich halt über die Jahre auch verändert, dass mag jeder für sich entscheiden, ob es noch passt.
    Wenn das bei dir nicht der Fall ist, bleib doch einfach zu Hause, dass du die „furchtbare Musik“ aus i/o zu hören bekommst, war doch bekannt!
    Die Leute vor Ort, Ordner, Bedienung waren äußerst nett, keine Hektik, alles sehr entspannt.
    So wie es sein soll.
    Die Aussage von Peter, dass es ein ganz besonderer Abend in Hamburg sei, habe ich ihm absolut abgenommen!
    Das Konzept mit den Vollmond-Erscheinungen von Songs fand ich sehr interessant und wie angekündigt, kann er ruhig nach einer verdienten Pause weitermachen!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert