Die letzten beiden Tage in MAROKKO 2026.
Die kleine Reisegruppe hat sich mal wieder aufgelöst. Was für eine wilde On/Off Beziehung in diesem Frühjahr! Auch die Besatzung des anderen Autos möchte nun MAROKKO verlassen, aber nur eine kleine Fähre nehmen und entspannt über den spanischen Landweg gen Norden kurven.
Wie üblich sind letzte Tage eher der Reiselogistik und dem Abreisefieber denn irgendeiner neuen Entdeckung geschuldet. Wie schon befürchtet ziehen sich die 200 Kilometer von CALA IRIS nach M´DIQ zeitlich länger als optimistisch errechnet in die Länge.
Was für eine elendige Kurverei!
Irgendwo auf der Strecke ist der Neubau kaputt gegangen und die Umgehungsstraße geht mit einem Male so was von steil bergab, das in diesem wirklich ungünstigen Moment des KNAUSi´s Bordelektronik mitzuteilen beliebt das der Pegel im Bremsflüssigkeitsbehälter zu gering sei. Ach, wie unpassend wäre jetzt ein wirkliches Bremsversagen. Wirklich sehr, sehr ungünstig!
Im Umkehrschluss:
Wären wir diesen Abschnitt in Gegenrichtung überhaupt den Berg hinauf gekommen? Die Antwort gibt ein im ersten Gang entgegen kommender uralter FORD TRANSIT. Also wenn die Kiste das schafft, dann schafft das KNAUSi ja wohl auf jeden Fall?!
Während das Einkaufen von Lebensmitteln am späten Nachmittag, kurz vor Fastenbrechen auf MAROKKO´s Straßenmärkten im Süden zu des aktuellen KNAUSi´s Fahrer absoluten Highlights gehört ist diese Beschäftigung in einem großen Supermarkt im Norden des Landes eher eine Strafe. Aber lecker Essen will er ja auch dort. Muss also wohl sein?
Der Stellplatz in M´DIQ (nähe TETOUAN) liegt am Rande der sehr wohlhabend erscheinenden Küstenstadt. Zu einem erstaunlich kleinen Hotel gehört so eine Art Streichelzoo auf sehr viel Land. Ponys, Pferde, Hühner, Schafe, Pfauen. Alles, was man in den modernen Städten MAROKKO´s nicht mehr sehen kann. In einer Ecke des von anderen Gebäuden eingehegten Geländes hat der Betreiber ein paar Terrassen in den Hang gefräst damit sich darauf Wohnmobile stellen können. Ver- und Entsorgung in der hintersten Ecke, unsichtbar, gut erreichbar.
Bei Ankunft am späten Nachmittag ist der Platz schon überraschend gut besucht. Noch überraschender sind die 15 oder 20 deutschen Allradfahrzeuge aller Art. Aha, das muss eine geführte Tour sein?
Später, als der Platzbetreiber seinen Job als Ponyführer erledigt hat stellt er denn auch ein Schild „SEA-BRIDGE“ auf. Bemerkenswert was dieser Veranstalter so alles anbietet. Eine „MAROKKO Allrad Tour Light“ zum Beispiel. Light! Was für ein absurdes Wort im Zusammenhang mit völlig übekandidelten LKW´s.
Nun, für eine Nacht ist der Platz natürlich gut genug.
Es fängt zwar kurz an zu regnen aber bekanntlich kann man auch unter einer Markise kochen. Der Plan ist auf der GNV Fähre so wenig wie möglich aus dem Bordrestaurant zu kaufen. Nicht das man das gesparte Geld in viel zu teurem Bordalkohol umsetzten wollte, nein, es geht eher um das bekanntlich schlechte Angebot auf der GNV FANTASTIC. Wie blöd für die Reederei, das die kleine Reisegruppe genau diesen Dampfer von TUNESIEN 2025 schon kennt und entsprechend gewarnt ist.
Montag, der letzte Tag in MAROKKO 2026:
Noch mal ein Supermarkt, den 120 Liter Dieseltank zu 1,10 € das Stück so voll wie möglich packen, ein letztes Frühstück im Auto mit erhabenen Naturblick und dann die letzten 50 Kilometer zu dem hypermodernen Hafen TANGER MED in Angriff nehmen.
Sehr zur Überraschung des aktuellen KNAUSi Fahrer wird das Gespann aus KNAUSi und TENDER TO KNAUSi per Maßband von Hand vermessen. Erst wenn der Gelbwestenmessbeauftragte der Reederei GNV einen Stempel auf das selbst ausgedruckte Buchungsticket samt Unterschrift gesetzt hat, darf man zum CheckIn. Denn erst damit ist bestätigt das man beim Buchen der Fährtickets bei der Fahrzeuglänge nicht beschissen hat.
KNAUSi fahren wir seit 6 Jahren, das Gespann seit 2 Jahren, nachgemessen hat noch nie jemand. Merke: Irgendwann ist immer, wirklich immer das Erst Mal.
Das gilt auch für Unfälle.
Bisher auf dieser Reise gänzlich verschont geblieben, übersieht die aktuelle Beifahrerin beim Aussteigen an der Röntgenstation im Hafen eine miese Bordsteinkante, stürzt und humpelt seit dem herum. Wie schon damals in TANGER werden auch hier in TANGER MED alle Fahrzeuge geröntgt. Vier bis sechs Fahrzeuge stehen hintereinander und ein Mörder-LKW mit riesiger Apperatur darauf fährt die kleine Autokolonne ab. Alle Personen müssen zuvor die Fahrzeuge verlassen. Wäre nun noch etwas lebendes darin verborgen, würde diese Maschine das finden. Was auch immer das sein könnte.
Blöd nur, das die Anlage in TANGER MED so gebaut ist das sie geradezu zum Stolpern auffordert. Irgendwas ist ja immer. Dem einzigen ausgebildeten Hilfsnotfallmediziner der kleinen Reisegruppe wird eine unmittelbare Behandlung des demolierten Fußes verwehrt, die aktuelle Beifahrerin wird schon sehen was sie davon hat.
Das Warten vor der Fähre! Ganze Bücher mit endlos vielen leeren Seiten könnten man darüber verfassen. Denn im Grunde genommen passiert gar nichts. Kommt der Dampfer denn mal bei Tageslicht pünktlich an, wie heute um 1630 Uhr, kann man dem Entladen eine Weile zusehen, doch auch das ermüdet recht schnell. Warten, Warten, Warten. Bekanntlich nicht des Schreiberlings Stärke.
So weit erkennbar wartet kein Schwerlastverkehr auf Verladung, es wurden auch nur sehr wenige Trailer entladen. Auf den Warentransport zwischen MAROKKO und FRANKREICH scheinen sich unzählige Kleinunternehmer spezialisiert zu haben, die mit ihren weißen Transportern, recht originellen Anhängern und abenteuerlichen Dachgepäckträgern buchstäblich Sack und Pack transportieren.
Bei Einbruch der Dämmerung fangen alle marokkanischen Fahrer dieser Gespanne an zu kochen. Jeder findet einen Essensplatz unter der Überdachung, einige scheinen sich zu kennen und sitzen beim Fastenbrechen, sichtbar glücklich essen zu dürfen, zusammen, andere alleine, auch glücklich. Jeder Tisch ist mit Köstlichkeiten gut gefüllt! Die Szenerie wirkt recht entspannt, an eine Verladung wäre jetzt allerdings nicht zu denken. Doch nicht mal eine Stunde später ist alles aufgeräumt und verpackt und die Fahrer sitzen abfahrbereit wieder in ihren Autos.
Als es endlich gegen 2015 mit der Verladung los geht wundert man sich als weiter hinten in der Schlange stehender wie stockend die Verladung läuft. Hallo? Der Dampfer ist doch noch völlig leer? Da müssen die Autos doch nur so hinein gesogen werden?
Endlich an der Reihe erkennt man den wahren Grund: Genau wie bei der Ausreise aus TUNESIEN 2025 werden hier zunächst nochmal die Ausreisestempel in den Pässen durch Polizisten geprüft und direkt danach sieht die Schiffsbesatzung noch mal nach ob nicht doch ein blinder Passagier im Auto (und/oder Anhänger) seinen Platz gefunden hat.
Aber anders als in TUNESIEN müsste man hier in MAROKKO schon sehr, sehr geschickt für einen Menschenschmuggel vorgehen. Hier strolcht niemand im Hafen herum, der hier nicht hingehört. Hier kommt keiner rein und wenn, würde der Mensch durch das zahlreich vorhandene Sicherheitspersonal umgehend fest gesetzt. Ein weiterer Drogenhund läuft alle Autos noch mal ab. MAROKKO zeigt hier eindrucksvoll wie man seine Außengrenze auch für Ausreisende schützten kann. Und damit EUROPA schützt.
OK, die Fährfahrt im trübgrauen Mittelmeer (beides, Wasser & Himmel) könnte langweiliger nicht sein. Immerhin trägt das Wetter dazu bei das die MAROKKO 2026 Reise in diesem Blog zeitnah ein vorläufiges Ende finden kann.
Unerwartet klart das Wetter bei Ankunft in SETE auf und der Anleger in der hintersten Ecke des engen Hafens von SETE könnte spektakulärer nicht sein. Erstklassig, wie der Kapitän der GNV FANTASTIC diesen großen Haufen Stahl auf engstem Raum ohne Schlepperhilfe in Position manövriert. OK, dafür verdienen solche Typen ja auch eine Menge Geld.
Wir werden jetzt noch ein paar Tage (mehr) in der Nähe von SETE abhängen und dort hoffentlich den ein oder anderen guten Strandtag erleben. Die Wetterprognosen sehen gar nicht mal so schlecht aus!
Und falls jemand den aktuellen KNAUSi Fahrer suchen sollte:
Vorläufe Meldeadresse:
Markthalle SETE, an einem Bistrotisch bei den Austernverkäufern. Ein Glas Weißwein in der Hand, über das schöne Leben sinnierend.
(Frei nach MARILLION, SUGAR MICE (1987): „If you want my address, its number one at the end of the bar“)
Peter.




