MA26: Cala Iris

Der Weg über die N16 nach CALA IRIS ist beschwerlich. Nicht etwa weil die Straße in einem schlechten Zustand sei, das Gegenteil ist der Fall. Die Straße ist unglaublich langsam, weil sie viele Kurven, starke Steigungen und ebenso viel starkes Gefälle aufweist.
Die teils massiven Berge direkt an MAROKKOS Mittelmeerküste erfordern diese extrem gewundene Streckenführung. Wenn man das als Straßenbauer nicht wollte müsste man wie an Spaniens südlicher Mittelmeerküste gigantische Brücken und aufwendige Tunnel bauen. Das wird MAROKKO sicherlich auch irgendwann einmal hier machen, denn der Bedarf nach schnellem Individualverkehr wird auch in diesem Land zunehmen.

Rotorblätterfabrik für Windräder in der Nähe von NADOR (MAROKKO)

Hier und da spektakuläre Ausblicke, in der Nähe von NADOR wie aus dem Nichts eine gigantische Fabrikanlage für die Herstellung von Rotorblättern für Windräder. Es liegen bestimmt weit über 100 dieser riesigen Rotorblätter in Gestellen verpackt vor der Fabrik auf Halde. Wo die wohl alle hin sollen?
In einiger Entfernung kann man die große Baustelle für den zweiten großen Mittelmeerhafen nach TANGER MED erkennen. Jeden Tag in MAROKKO kann man nur ehrfürchtig seinen Hut vor diesen enormen Bauvorhaben ziehen. Wäre bestimmt unglaublich spaßig, deren Bedeutung und deren Projekterfolg mit denen von deutschen Bauvorhaben zu vergleichen?

Leuchtturm im Norden MAROKKO´s

Der Stellplatz von CALA IRIS liegt direkt auf einer kleinen Steilküste, zwei starke Steigungen auf Schotter/Lehmpiste gelten als kleine Herausforderung. Aber so lange es trocken ist kommt wohl jedes Auto den Berg rauf. Offiziell gibt es hier Platz für 20 Fahrzeuge, doch hat der Betreiber die Rechnung ohne die großen deutschen und schweizerischen Expedi´s und auch ohne die französischen Apartments auf vier oder gar sechs Rädern gemacht?
Des KNAUSi´s Besatzung hat Glück und ergattert einen 1A Platz. Ein paar Stunden später und des KNAUSi´s Fahrer wäre sehr ärgerlich geworden hätte er doch seine Autotür aufgrund der Enge zum Nachbarfahrzeug kaum noch öffnen können.

Wieso eigentlich darüber nachdenken (schreiben) was hätte schlechtes sein können? Ach ja, um das erfahrene Glück besser zu fassen!

Marokkanische Fischer bei CALA IRIS (MAROKKO)

In der Tat wird kurz erwogen, hier noch eine Dritte Nacht zu bleiben und am Montag in einem Rutsch zur spät Abends ablegenden Fähre ab TANGER MED zu fahren. Doch wird die Straße ähnlich langsam sein wie bisher und auf Krampf deutlich über 200km fahren zu müssen ist auch doof.

Wie sich doch auf dieser Reise unser Campingverhalten geändert hat! Standen wir früher auf einem Campingplatz wurde konsequent dessen Infrastruktur in Form von Campkitchen, Dusche und WC genutzt. Mittlerweile leben wir auch auf Campingplätzen eher im Auto. Das mag auch ein wenig am Wetter liegen. Tagsüber kann man zwar in der Regel gut draußen sitzen, aber so bald die Sonne weg ist wird es viel zu kalt.

Der Fischereihafen von CALA IRIS wurde bereits 1998 mit der Hilfe / in Partnerschaft mit JAPAN gebaut. Diese Kleinsthäfen erleichtern das Leben der Fischer sicher ungemein, müssen die Boote nicht völlig ungeschützt über den Strand in die Brandung geschoben werden. Kann es sein das hier wegen RAMADAN kein großer Betrieb herrscht? Oder gibt es hier wirklich nur eine handvoll aktiver Fischer und der Rest der vielen Boote liegt meistens nur herum?
Bei der ersten Ortserkundung am Vormittag wird gelernt, das man erst ab ca. 1600 frische Fische kaufen könne. Also kommen wir am Nachmittag noch mal wieder. Denn der Ausblick auf fangfrischen Fisch diktiert selbstverständlich den abendlichen Speiseplan.

In der Tat steht da ein Mensch herum der recht wenig Fisch aus einer Kiste heraus verkauft. Schnell zwei „was auch immer“ Tiere ergattern! Kommt ein Militärmann in voller Uniform aber ohne Waffen vorbei und der Fischverkäufer zieht einen Plastikbeutel aus einer einfachen Kühlbox mit einem riesigen Fisch (gemessen an denen, die er in der Kiste hatte) heraus, wiegt ihn und verkauft das (Entschuldigung!) geile Teil geschwind an den Uniformierten der dann auch sofort wieder verschwindet.

Derweil setzt sich ein kleiner Pulk Menschen von einem etwas weiter entfernt liegenden Kutter in Bewegung und kommt auf die Rampe mit den darauf liegenden kleinen Booten zu. Aha, noch ein Fischerverkäufer! Der hat offenbar mehr Fisch dabei, so wie die Männer sich abschleppen. Fix die Waage auf dem Boden aufgebaut und schon geht dessen wilde Verkauferei los.

Steilküste bei CALA IRIS (MAROKKO)

Der Erste Käufer hat die Erste Wahl und so begrapscht er so ziemlich jeden Fisch in der Kiste und stopft jede Menge davon in eine große Plastiktüte. Oh je, da müssen wir uns wohl schon ein wenig zwischen drängeln sonst ist auch diese Kiste schneller ausverkauft als man gucken kann. Ein klarer Fall für des KNAUSi´s Chefeinkäuferin! Im übrigen die einzige Frau im Umkreis von 500 Metern.

Gerade als sie sich umringt von aufgeregten Männern herunter bückt um in der Fischkiste drei rötlich schimmernde „was auch immer“ Fische in die Tüte zu stecken, erscheint von ihr unbemerkt ein älterer, sehr gut angezogener Herr auf einem Motorroller. Stellt den Roller zwar ab, macht aber weder den Motor aus noch setzt er seinen Helm ab.
Der Neuankömmling geht auf den Fischverkäufer zu und sagt in arabisch irgendwas, worauf der Fischverkäufer relativ schnell in Rage gerät, lautstark irgendwelche (vermutlich) Beschimpfungen absetzt und mit hochrotem Kopf schließlich seinen ganzen Fisch packt und 10 Meter weiter zieht.

Die arme Chefeinkäuferin hat von dem Neuankömmling ja aufgrund der gebückten Haltung und der vielen Männerbeine um zu gar nichts mit bekommen und denkt eine kurze Zeitlang, sie habe diesen massiven Fischkisteneklat durch ihr Vordrängeln ausgelöst.

Weder der erste Käufer mit dem großen Beutel voller Fisch noch die Chefeinkäuferin mit ihren drei kleinen Fischen im Beutel haben bisher bezahlt.

Der Fischereihafen von CALA IRIS (MAROKKO)

Es fehlt nicht viel und der Fischverkäufer will auf den gut angezogenen Motorrollermann los gehen. Doch die umstehenden Männer halten ihn zurück. Während der Fischverkäufer außer sich lauthals krakelt wirkt der gut angezogene Motorrollermann völlig ruhig. Helm immer noch auf, der Motor seines Rollers läuft auch immer noch. So richtig entspannt sich die Situation erst als ein weiterer, jüngerer Mann in Spitzkaputzenjacke die Szenerie betritt und laut von beiden Parteien ein Ende der Streiterei fordert. So wie die Leute reagieren respektieren sie den Spitzkaputzenmann, auch der den Streit auslösende gut angezogene Motorrollerfahrer.

OK, die Waage und die Fischkiste wird also wieder am ursprünglichen Ort aufgebaut und die beiden bisher nicht bezahlten Einkäufe werden gewogen und abgerechnet. Der gut angezogene Motorrollerfahrer verlässt mit unbekanntem Ziel unbehelligt auf zwei Rädern den Hafen.

Was war denn hier bloß los?

Vor Neugier platzenden Touristen helfen in der Regel Sprachkenntnisse der Eingeborenen. Dann kann man einfach mal fragen. Arabisch sprechen die Touristen nicht. Doch der des französisch mächtige männliche Teil der aktuell wieder vereinigten Reisegruppe befragt höchst interessiert den Spitzkaputzenmann, dessen französisch allerdings leider sicherlich ausbaufähig wäre.

Nun denn, soweit verstanden:
Der gut angezogene Motorrollermann mit vermutlich fest auf dem Kopf angeklebten Helm ist im eigentlichen Leben Fischereikapitän auf einem der größeren Kutter hier im Hafen. Als solcher hat er, früher am Tag, ein Teil seines Fangs an den aufgebrachten Fischverkäufer in dem Glauben veräußert, dass er den Fisch wo anders weiter verkaufen wird. Das seine Ware nun hier in (seinem?) Hafen zu einem (vermutlich) höheren Preis einfach von seinem morgendlichen Großkunden verkauft wird, hat ihn wohl sehr erzürnt?

Nun, vermutlich haben die beiden schon länger Stress miteinander und/oder es geht im Hintergrund um bedeutsame Revierkämpfe. Wer darf im Hafen von CALA IRIS eigentlich was?

Immerhin sind zahlreiche Fischkäufer mit ihren Autos extra in den Hafen gekommen, einige Menschen sind sogar mit Taxis da. Fangfrischer Fisch, vermutlich nicht nur in fiebrigen RAMADAN Zeiten Objekt einer leidenschaftlichen Begierde. Oh ja!

Dadurch das es hier im Hafen von CALA IRIS nur zwei streitende Männer gab war die Situation für die weißen Reisenden bei weitem nicht so stressig wie die in OUJDA ein paar Tage zuvor.

Aber unschön alle Male!

Worüber sich Menschen (Männer!) so alles streiten können?

Überall auf der Welt.

Wie lächerlich ist denn das!

Peter.

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