Von Mohammed aus ICH wissen wir, das OUJDA „Uschda“ ausgesprochen wird.
Nach einer etwas aufwendigeren Autowaschaktion BOUAFRA geht es nun also auf Nordkurs. Die N17 ist die erhoffte Hochgeschwindigkeitsstecke durch die Wüste. Die Straße ist zwar schmal aber man fährt ohne Probleme einen Durchschnitt von 90 km/h.
Hätte der aktuelle KNAUSi Fahrer und Reiseleiter mal besser nachgesehen, was OUJDA überhaupt für eine Stadt ist! Für ihn, der rein auf Straßenkilometer und logische Zwischenstopps auf dem Weg zu einem weit entfernten Ziel Wert legt, war OUJDA einfach nur eine gute Möglichkeit zur Übernachtung.
Nur, diese Stadt im Nordosten von MAROKKO hat mal eben 500.000 Einwohner. Ein echter Moloch wenn man gerade, (im Prinzip) vier Stunden zuvor aus einer Bergoase mit 150 Einwohnern kommt.
Es muss unbedingt wieder Trinkwasser (in 5 Liter Eumeln) und Sprudelwasser (6er Packs á 1 Liter) gebunkert werden. Ein MARJANE Supermarkt mit Parkplatz vor der Tür erspart unsägliche Schleppereien. Blöd nur das der erwählte MARJANE inmitten eines Wohngebietes liegt und die Zufahrt nicht enger und dichter befahrener hätte sein könnte. Der Parkplatzwächter verweigert zunächst die Zufahrt, alles voll. Aber da steht KNAUSi schon mitten in seiner Einfahrt und behindert so ziemlich jeden Verkehr. Der Parkplatzwächter will wissen ob der aktuelle KNAUSi Fahrer sein Fahrgerät gut im Griff habe? Das will er wohl meinen. Niemals besser als jetzt!

Also dürfen wir parken, sehr ungünstig für ungefähr 30 andere PKW´s die nun nur noch sehr schwer aus ihren Parkbuchten kommen, wenn überhaupt. Wie versprochen ist der Einkauf in weniger als 30 Minuten erledigt und auch das Ausparken klappt dank des weiterhin griesgrämigen, aber sehr kompetenten Parkwächters tadellos. Ein Blick auf GOOGLE EARTH hätte diese „Herausforderung des Tages“ sicher vermieden. Kann man, muss man besser machen!
Der Stellplatz am Bahnhof im Herzen einer echten Großstadt ist OK. Zum Glück ist RAMADAN und der örtliche Nachtclub (!) hat seinen Betrieb eingestellt. Die Dichte an hochwertigen Mercedes Benz Fahrzeugen in der Bahnhofsgegend ist augenfällig.
Die ursprüngliche Überlegung hier auf dem Markt noch letzte Souvenirs und Mitbringsel einkaufen zu können lässt sich nicht in die Tat umsetzten. Es gibt zwar einen großen Markt, aber da gibt es keine Souvenirs. Überhaupt sehen wir innerhalb von drei Stunden nicht einen anderen Touristen. OK, soll hier & jetzt eben nicht sein, dann kaufen wir doch mal wieder Lebensmittel für den kommenden Tag!
Die ca. 1 Millionen Schuh- und Bekleidungsstände gehen nahtlos über in einen Lebensmittelmarkt. In dessen Zentrum eine große Fischhalle und daneben tote Landtiere aller Art. Drumherum und zwischendurch Obst und Gemüse. Denkt man in Form einer Zwiebel wären die die zweite Schicht, dann halt die anderen Stände mit Klamotten, Schuhe und Haushaltsgegenständen noch drum herum.
Kein einziger Fisch liegt auf Eis, 150 Kilometer vor der Küste sicher herausfordernd. Sardinen sind ganz klar erkennbar der Bestseller. Das mag am sehr günstigen Preis liegen. Aber es gibt auch alle anderen Arten Fisch, eher im Stück als in Scheiben oder Filets zu verkaufen.
Die mindestens 40 kleinen totes Landtierbuden neben an sind an Einzigartigkeit nicht zu überbieten. Denn hier wird nicht nur einfach totes Tier verkauft, hier wird (fast) live geschlachtet. OK, in Wahrheit kommen die Tiere hier schon tot an, aber eher in ganzen Stücken und irgendwie müssen die nun vor aller Augen ja zerlegt werden. Auf dem matschigen Boden fließt Blut ab, auch als Tourist stapft man da tapfer durch. Sonst müsste man ja schweben können.
Offenbar gibt es verschiedene Verwertungsstufen. Während die richtigen Schlachter irgendwann alles brauchbare Fleisch vom Knochen getrennt haben, werden eben jede „Reste“ anderen Leuten übergeben die dann auf Holzklötzen die vor den Ständen stehen versuchen, noch das allerletzte brauchbare aus dem Knochen heraus zu lösen. Besonders aufwendig wohl bei Rindsköpfen, die, live und in Farbe vor aller Augen mit der Axt zerteilt werden. So etwas brachiales hat die weit gereiste Reisegruppe in der Tat noch nie gesehen.
Spezialität scheint eine Art vorgebratene Grützwurst zu sein. Die will probiert werden! Der Schlachter findet den Verzehrmut der weißen Touristen offenbar so beeindruckend das er für die Probierstücke überhaupt kein Geld haben möchte. Auch noch nicht passiert.
Während der eine fasziniert dem tierischen Gewühle zusieht, verdreht sich bei der anderen der Magen.
Und noch etwas ist ganz besonders an diesen wenigen Nachmittagsstunden in OUJDA: Hektik, Bettlerei und Aggression.
Doch jederzeit das Gefühl, als Tourist von der Gemeinschaft und/oder der Polizei beschützt zu werden. Schon bei Betreten des Marktviertels werden die einzigen Weißen weit & breit von einem Eingeborenen angesprochen. Ganz klar die übliche Masche um ein Geschäft anzubahnen. Nach wenigen Minuten des erfolglosen Abweisens vernimmt man einen eindringlichen Pfiff einer Trillerpfeife und der Touristenjäger ist schneller in der Menge verschwunden als der Pfiff dauert. Ein Polizist hat die Situation beobachtet und ist eingeschritten. Danke.
Später auf der Straße umschwärmen vier zunächst freundliche Kinder die Weißen. Klar, sie alle wollen Geld. Geld gibt es nicht. Dann, so die Logik muss man eben energischer werden und die fremden Leute auch noch anfassen. Zwei mal vier, acht Arme abzuwehren ist gar nicht so einfach. Noch wird dabei gelacht. Wenige Sekunden später schreitet ein eingeborener Erwachsener Mann ein und herrscht die Kinder an, uns in Ruhe zu lassen. Die vier nehmen den Mann so lange nicht ernst bis er dazu ansetzt eines der Kinder zu fassen. Erst dann rennen die vier los was das Zeug hält! Der Mann, eine kurze Zeitlang, hinterher. Der Mann ist weg. Kann man sich noch nicht mal bedanken.
Alle paar Minuten kommen alte Frauen vorbei und wollen auch Geld. Selten, wenn man denn denkt die Frau braucht wirklich etwas, wird auch welches gegeben. Auf dem Markt strolchen Kinder und Erwachsene mit Plastiktaschen herum. In der Tat bleibt unklar, ob die die Taschen nur verkaufen wollen oder ob wir ihnen Lebensmittel kaufen sollen die sie dann in den Taschen nach Hause tragen?
Ein offensichtlich geistig behinderter junger Mann wird von einem anderen Mann so gereizt das der junge Mann wie wild um sich schlägt und randaliert. Während die umher stehenden Frauen weg sehen und das Weite suchen johlen und lachen die Männer und ergötzen sich an der ungestümen Wut des jungen Mannes. Irgendwann haben einige ein Einsehen und versuchen ihn zu beruhigen.
Wieder draußen auf der Straße schreien sich lautstark zwei junge Männer an und wollen sich prügeln. Auch hier sind es wieder andere, die Einschreiten und die Streithähne auseinander bringen bevor es wirklich zu spät ist. Und womöglich die überaus präsent Polizei davon Wind bekommt.
All das haben wir in MAROKKO bisher überhaupt nicht gesehen und/oder wahrgenommen. Sicher, in einer Großstadt gibt es überproportional viel mehr Idioten als auf dem Land. Sicher, an einem späten RAMADAN Nachmittag liegen die Nerven bei vielen blank und einige verlieren schlicht die Beherrschung.
Aber sicher ist auch das wir so was nicht noch mal in voller Dröhnung erleben wollen. Egal wie man ein solches Verhalten auch erklären könnte.
Alte Reiseregel: Großstädte sind einfach Scheiße.
Peter.



