MA26: Marakesch

OK, einmal mehr die Wahrheit:

MARAKESCH stand mit Sicherheit nicht auf der Liste mit den Orten, die man in diesem Jahr zuerst besuchen wollte. Zu traumatisch die Erlebnisse und Eindrücke 2022. Aber wenn man bei Schietwetter so schnell wie möglich in den Süden möchte, dann nimmt man die Autobahn durchs Land und die führt, selbstverständlich, direkt an MARAKESCH vorbei.

Nun kann man ja wohl nicht einfach allen Ernstes an dieser Stadt mit dem exotischsten aller Namen MAROKKO´s vorbei brettern? Zumal sich im Umfeld der Stadt der legendäre Wohnmobilstellplatz der Familie SCHATZ befindet, der 2022 nicht besucht werden konnte, weil die Familie wegen Corona noch in Deutschland war.

Also, saurer Apfel hin und her, Station in MARAKESCH!

In den Gassen von MARAKESH, MAROKKO

Die Taxifahrt vom Wohnmobilstellplatz in die Stadt verzögert sich um satte 60 Minuten, da der Fahrer wohl übersehen hat das in der Stadt ein Marathon gelaufen wird und seine vorherigen gebuchten Fahrten viel länger dauerten als sonst.
Nun, wie wartet es sich in einer Einöde im Vorfeld einer Oase? Man labert sich die Tasche voll, den Frust über die Warterei von der Seele und versucht trotz und alledem das Positive zu finden. Und das ist zur Abwechselung mal das Wettter! Donnerknittel, wer hätte das gedacht? Grandios klare Winterluft bei bummelig 12°C, klarer Himmel, einfach herrlich.

Irgendwann kommt das Taxi dann doch und die gut 17 Kilometer zum zentralen Platz JENAA EL FNA werden in gut 30 Minuten routiniert vom Taxifahrer abgespult. Es gibt eine ganz kurze Diskussion darüber ob der Marathon noch läuft und ob der Fahrer uns nicht besser weit vor dem Platz absetzten sollte.
Doch das wollen wir nicht und der französisch sprechende Teil der kleinen Reisegruppe macht dem Fahrer klar, das es keinen Stau gebe und wir gefälligst bis ans Ziel gebracht werden wollen.

JENAA EL FNA wird immer noch renoviert. Vermutlich brauchen die wenigen Bauarbeiter noch weitere 10 Jahre um das Granitpflaster vollständig auszuwechseln? Ab in die Souks, die Märkte, ist ja schließlich schon fast Mittags.

Jüdischer Friedhof in MARAKESH, MAROKKO

Und nun folgt das große AHA Erlebnis des Tages:
Wir treffen auf viel, viel, sogar sehr viel entspannter Verkäufer als 2022. Nicht einen nehmen wir als aufdringlich oder aggressiv wahr, niemand zerrt an einem herum. Was für eine therapeutische Erfahrung. Schon alleine deshalb war es richtig, hier noch mal her zu kommen.

Der kulturell deutlich interessierte Teil der Reisegruppe findet zielsicher den Weg zum jüdischen Friedhof. Was für eine beeindruckende Einrichtung inmitten dieser arabischen Großstadt! Wir lernen, das die Toten der Juden für immer an einem Ort liegen bleiben, während wir anderen nach 25 Jahren einfach wieder untergepflügt werden. Hm, mal kurz überlegen. Was findet man nun wirklich besser?

Der Schrittzähler am Arm der lebenslangen Begleitung kommt kaum mit dem Zählen hinterher, so viele Kilometer werden an diesem Sonntag abgespult. Unmerklich fast werden die Gassen und Gänge immer voller, voller von Typen wie uns. Aber immer noch hat man nicht das Gefühl im Mittelpunkt des Verkaufsinteresses der Händler zu stehen.

Ein R4, ein R4, ein R4 und was für einer! In MARAKESH, MAROKKO

Irgendwo, fast schon im Vorbeigehen ein kleiner Mittagsimbiss in praller Sonne. Herrlich, diese freundlichen und hilfsbereiten Eingeborenen zu erleben, die einem schnöden Touristen den Tag ein wenig besser mit leckerem Essen machen wollen. Und können. Alle sind voll zufrieden, mehr geht wohl nicht.

Danach dann wieder eine wilde Marschiererei, ob der Ausflug in das weit entfernte, stinkende Gerberviertel wirklich nötig war? Egal! Wie immer ist der Weg und das dabei erlebte das Ziel! Wer den Aufwand scheut und auf dem Sofa sitzen bleibt, hat mit Sicherheit schon verloren.

Längst überfällige Nachmittagspause auf der Dachterrasse eines beliebigen der vielen Cafe´s. Der Blick über diesen Teil der Stadt ist vielleicht nicht wirklich spektakulär, aber orientierungstechnisch aufschlussreich. Schließlich gilt es abschließend noch den Platz mit den vielen Korbflechtereien zu finden, den weder die Reiseführer noch befragte Menschen kennen. In der Tat sind wir nur wenige Minuten davon entfernt. Im magischen Licht des Spätnachmittags erstrahlen die hervorragenden Handarbeiten im besonderen Glanz.

Nun reicht es aber auch, zurück am JENAA EL FNA wird erfolglos versucht, über die verabredeten Wege das gebuchte Taxi zu erreichen. So ein Mist, denkt der eine, andere sehen das deutlich entspannter. Also auf eigene Faust ein Taxi für die Rückfahrt organisieren. Gar nicht mal so einfach! Zum einen ist der Zielort relativ unbekannt, zum anderen gibt es deutliche Meinungsverschiedenheiten über den zu zahlenden Fahrpreis.
Aber wie immer, wenn erfahrene Reisende auf vernünftige Geschäftemacher in einer Touristenstadt treffen: Es kommt zu einem für alle Seiten fairen Deal und die kleine Reisegruppe findet zufrieden, sicher und vor allem wohlbehalten ihren Weg zurück.

Mag der Anspruch an diesen Tag auch nahe Null gewesen sein: Der Ausflug hat sich so was von gelohnt, die durchwachsenen Erfahrungen von 2022 wurden so was von positiv korrigiert.

Gut, das wir das gemacht haben!

Peter.

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