MA26: Fähre ALGECIRAS -> TANGER MED

Angeblich bekommt man beim Fahrkartenhändler CARLOS in ALGECIRAS die günstigsten Fährtickets weit & breit für eine Überfahrt nach MAROKKO. Dieses Büro genießt unter MAROKKO Reisenden den Ruf einer Legende, also muss man da wohl hin und nicht doof im Internet buchen.

Spaßiger Weise befindet sich das Büro von CARLOS in einem von vorherigen Reisen schon bekannten Industriegebiet. Bei Ankunft gegen 1730 ist noch nichts los, doch kurz danach fallen Horden von französisch sprechenden Reisenden ein die das kleine Büro in einen Ort der schreienden Kakophonie verwandeln.

Unklar, wann man welche Fähre zu welchem Preis nehmen könnte/müsste/sollte. Für den Folgetag empfiehlt der Herr Ticketverkäufer einen Dampfer für 1300, ganz schön spät in der Gesamtbetrachtung. Die Fähre um 1100 habe eine zu kleine Rampe für Fahrzeuge mit Anhänger.

Hä?

Was ist das denn für ein Blödsinn? Das sind doch alles große LKW Fähren und KNAUSi hat bisher nie, noch nie, noch nie, ob mit oder ohne Anhänger, Probleme mit dem Verladen auf Fähren gehabt. Das sowieso nicht vorhandene Vertrauen in den Herrn Ticketverkäufer wird damit schon mal absolut bestätigt.

Mittendrin dann die Nachricht, das alle Abfahrten für den kommenden Tag wegen des Sturmes im ATLANTIK abgesagt wurden. Der Hafen würde geschlossen.

OK, dann eben heute Abend, 1900!

Fährverbindung via YELLOW BRICK GPS Tracker

Erstaunlich der nun angebotene Fahrpreis: Nur Hinfahrt = 270 €, Hin & Zurück für 350 €. Donnerknittel.

Noch besser der Sensationspreis für die andere Hälfte der Reisegruppe, ohne Anhänger, auch mit 2 Personen reisend: 250 € Hin & Zurück.

Nun, später an der Pier von ALGECIRAS auf die Verladung wartend lernen wir von einem älteren Herrn, der verdammt stark in Aussehen und Art an den legendären OTTO WAALKES erinnert, das es im Ticketbüro direkt am Hafen noch günstiger geht: Er reist mit seinem Auto für 116 € Hin & Zurück, ist aber auch nur alleine. Der Schreiberling sieht sich in seinem bereits im Büro gefällten Urteil bestätigt: CARLOS (bzw. sein Büro) ist auch nur ein weiterer windiger Geschäftemacher auf dem Weg nach MAROKKO.

Nun, zuvor dauert es so seine Zeit bis die 11 Kilometer zum Fähranleger durch den abendlichen Berufsverkehr der Großstadt absolviert sind. Würde das Schiff wie geplant um 1900 ablegen, wäre man wohl zu spät. Aber welche Fähre südlich der ELBE legt schon pünktlich ab?

Gegen 2030 geht es dann endlich los, die Überfahrt im dunklen ist doof. Man sieht wirklich gar nichts, kann natürlich auch nichts fotografieren. Durch das lange Rollen des Dampfers ahnt man die große Dünung in der sich der schwimmende Stahlkoloss wiegt.

Wie üblich auf den MAROKKO Fähren findet die Kontrolle der Grenzpolizei bereits auf der Fähre statt. Dazu sitzt ein Grenzpolizist mit Computer und Passscanner an einem abgegrenzten Tisch im Bordrestaurant und man wartet in einer Schlange geduldig auf den Einreisestempel im Pass.
Die Reisepässe der KNAUSi Besatzung tragen ja bereits die MAROKKO Stempel der 2022 Reise, darunter ist handschriftlich eine Nummer vermerkt. Der Grenzpolizist tippt diese eifrig in seinen Computer ein, wozu auch immer?

Nun, nach anderthalb Stunden wird der Dampfer in TANGER MED im Starkwind ohne Schlepperhilfe fest gemacht und die Entladung beginnt. Die Laderampe ist eigentlich so breit wie das Schiff selbst, doch an diesem späten Abend wird sie auf maximal ein Viertel verkleinert. Der hohe Wasserstand im Hafen verhindert ein ordnungsgemäßes Ausfahren der Laderampe und so bleibt diese gut 20 Zentimeter in der Luft hängen statt die betonierte Hafenkante zu berühren. Nur mit einem schmalen, stählernen Verlängerungsteil, an der Laderampe angebaut, wird es überhaupt möglich, das die Fahrzeuge das Schiff verlassen können. Ein perfektes Nadelöhr!

Jedenfalls theoretisch.

Denn trotz dieses Hilfsmittels bleibt mindestens bei jedem zweiten LKW der hintere Teil des Aufliegers auf der Rampenverlängerung hängen. Je nach Fasson des LKW Fahrers reißen dann Bauteile des Anhängers ab oder durch elend langes Rangieren wird versucht eben jenes doch zu verhindern. Selbst die großen Wohnmobile haben schwerste Probleme ohne Schaden vom Dampfer zu kommen. Kein Wunder das das Entladen der eigentlich kleinen Fähre schon mal ewig dauert.

KNAUSi hat samt Anhänger dank guter Einweisung der Fährbesatzung keine Probleme beim Verlassen des Schiffes. Der Fahrer ist froh das er zum einen immer Wert auf größtmögliche Bodenfreiheit von Auto und Anhänger gelegt hat und zum anderen hier keinen 30tonner bewegen muss.

Die Zollkontrolle erfolgt natürlich erst beim Verlassen des Hafens. Die Hafenanlage von TANGER MED ist recht groß und man kurvt, völlig ohne Einweiser bestimmt 10 Minuten im unwirklichen Licht der riesigen Hafenlaternen, die trotz ihrer Größe erfolglos versuchen die Nacht doch zum Tag zu machen.

Dann, endlich, taucht die Zollabfertigung auf.

Ein seriös drein blickender Mann in schicker Uniform zeigt auf einen Halteplatz und bittet um die Papiere. Für Fahrzeug und Anhänger, der im übrigen zu öffnen sei. Als der Uniformierte die darin befindlichen „Motorräder“ erblickt möchte er auch deren Papiere sehen. Des KNAUSi´s Fahrer meint, ein leichtes „auch das noch“ Seufzen in dem Gesicht des tadellosen Beamten zu erkennen?

Wären die beiden popeligen Mofas wenigstens echte Motorräder, dann hätten sie auch einen schönen, schicken grünen deutschen Fahrzeugschein wie KNAUSi oder TENDER TO KNAUSi. Diese Machart von Fahrzeugdokumentation kennen die marokkanischen Zöllner sehr gut und wissen, wie man sie zu verarbeiten hat.

Einen labbeligen weißen Wisch mit schnöden Herstellerangaben und deutscher Versicherungsbestätigung für Mofas hingegen kennt hier keiner.

Und so werden alle vier Dokumente einfach mal zur Seite gelegt und andere, einfacher abzufertigende Fahrzeuge vorgezogen.

Schon klar:
Bloß nichts sagen, bloß nicht meckern oder etwa finster drein blicken! Bloß nicht!

Irgendwann fällt wohl auf das KNAUSi samt geöffnetem Anhänger unverändert immer noch da steht wo er vor über einer Stunde abgestellt wurde während die weiter eintreffenden Fahrzeuge immer spärlicher werden weil keine weitere Fähre mehr kommt.
Ein junger Zollbeamter hat nun offenbar den JackPot gewonnen und darf alle (ca. 20!) anderen Beamten interviewen wie man denn wohl diese doofen Mofas im Computersystem des marokkanischen Zolls erfassen könnte?

Offenbar hat keiner eine Lösung. Erst mal wieder auf den Stapel für unerledigtes.

Dann taucht ein Herr in Zivil auf und gibt sichtbar Anweisungen.

Der längst abgefertigte andere Teil der kleinen Reisegruppe entsendet leicht beunruhigt über KNAUSi´s Ausbleiben den gut französisch sprechenden Mann zu einer etwaigen Rettungsmission in der Tiefe der Mitte der Nacht. Irgendwie gelingt es ihm den zweiten Zollkontrollposten von der falschen Seite her zu Fuß zu überwinden und zum im Zollkontrollpunkt hängen geblieben Teil der Reisegruppe zu stoßen.
Kurzer Smalltalk unter Reisefreunden, bloß nichts unternehmen oder fragen sondern still und ausdauernd auf den positiven Fortgang der Dinge hoffen.

20 Minuten später bekommt des KNAUSi´s erfrorener Fahrer die begehrten Zollkärtchen für die Fahrzeuge, die bei Ausreise unbedingt wieder abgegeben werden müssen, dokumentieren diese doch, das die temporär eingeführten Fahrzeuge das Land auch tatsächlich wieder verlassen und somit nicht versteuert werden müssen.

Zoll MAROKKO: Fahrzeugkarten, die beiden „LM0…“ Karten sind für die Mofas, das Wohnmobil n der Anhänger sind auf einer („ZF…“)

Allein, Fahrgestellnummern aller vier Fahrzeuge oder ähnliches hat niemand überprüft, völlig anders als in TUNESIEN 2025. Doch hier läuft die Zollkontrolle trotz des Mofa Handicaps deutlich seriöser, deutlich vertrauenerweckender ab. Keiner brüllt rum, alle sind freundlich, niemand fühlt sich trotz der Warterei unwohl.

Erfroren ist des KNAUSi´s Fahrer im übrigen nur, weil er natürlich zum Zeichen seines unerledigten Vorganges mit Pullover zwar, aber in kurzer Hose die ganze Zeit im überdachten Zollbereich gut sichtbar herumspazierte. Blöd nur, das der eisige Westwind völlig ungebremst von der Seite und nicht von oben kommt.

Ach, da ist es ja wieder, das Wetter!

Weiterfahrt um 2345.

Um diese Uhrzeit verlässt man natürlich keinen sicheren Hafen in einem fremden Land. Also parkt man direkt nach der Zollabfertigung auf einem Parkplatz im Sicherheitsbereich des Hafens. So denn da noch Platz ist. Als eines der letzten hier eintreffenden Fahrzeuge zwängt sich KNAUSi in einen offenkundigen Personenbereich, aber das spielt vermutlich keine Rolle.

Nicht um diese Uhrzeit, nicht an diesem Ort, nicht in diesem Land.

Feierabend um 0030.

Angekommen!

(mal wieder)

Peter.

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