MA26: Anreise (Versuch)

Was wäre der perfekte Plan?

Einer, der einfach mal so, funktionieren würde?

Blödsinn!

Jeder, der jemals ernsthaft Pläne gemacht hat weiß, dass ein Plan, so ernsthaft, so gewissenhaft er auch erstellt sein mag, niemals so in der Realität endet. Reisepläne im besonderen nicht.

Erstens kommt es anders als man zweitens denkt!

Wetter, schlichtes, schnödes Wetter kann jeden noch so guten Reiseplan ändern, gar zu Fall bringen.

Zu früher Stunde, an Dämmerung ist noch nicht zu denken, die heimische Auffahrt vor dem Haus in ELMSHORN verlassen. Der nachts einsetzende Regen ist auf dem noch sehr kalten Boden sofort gefroren und des KNAUSi´s Vorderräder haben so ihre Mühe, das voll gepackte Gespann in Fahrt zu setzen. Doch so bald die nächst größere, bereits abgestreute Straße erreicht ist kann die Fahrt auf sicherem Untergrund endlich so richtig starten!

Die fest verabredeten Stationen in KÖLN und TRIER führen einen zwangsläufig nach LUXENBURG wo der Liter Diesel mit 1,42 € gehandelt wird. Erstaunlich, in der Herzkammer Europas?

FRANKREICH ist dann schnell erreicht, doch das Fahrwetter lässt sehr zu wünschen übrig. Es ist zwar nicht mehr klirrend kalt aber so viel Regen auf der Autobahn will ja auch erst mal weg gefahren werden. Jedenfalls so lange noch keine MAUT erhoben wird. Die Entscheidung zunächst auf Nationalstraßen weiter zu kurven mag vordergründig dem Geiz geschuldet sein, hintergründig ist aber sicher fest zu stellen das die Autobahn grottig langweilig ist während die Nationalstraße den Fahrer jederzeit fordert.

Aber eben auch vorschnell ermüdet.

Und so wird relativ spontan der Ort GONCOURT südwestlich von NANCY als Übernachtungsplatz auserkoren. Direkt am kleinen Flüsschen MAAS LE MEUSE, sehr idyllisch gelegen. Im Moment der Ankunft stoppt wie auf Bestellung der Regen und ermöglicht einen zünftigen, überaus dringend notwendigen Spaziergang über die umliegenden Felder.

Stellplatz GONCOURT (Frankreich)

Jetzt leben wir also endlich wieder richtig im Bus.

Vollkommen autark, vollkommen beengt, vollkommen reduziert.

In einem endlos langen Schlag direkt nach SETE an den Strand des tosenden Mittelmeeres. Noch mehr Regen, jetzt aber auch mit Starkwind, in der Nacht durchaus auch als Sturm zu bezeichnen. Ach, wie sind Stürme an Land schön zu erleben.

Auf dem Meer eher nicht.

Die Eile hat einen Grund. Eigentlich ist Samstags immer großer Markt in SETE. Ein wahres Ereignis. Eigentlich. Offenbar nicht im Winter. Lernen wir, als wir am frühen Samstagmorgen die mitgeführten Motorroller entladen und die knapp 10 Kilometer in die Stadt gebraust sind. Trockenen Fußes, wohlgemerkt.

Keine Spur vom Markt, aber die Markthalle mit all ihren Köstlichkeiten hat geöffnet. Alles andere wäre ja wohl auch ein Desaster geworden? Während die lebenslange Begleitung zu Kaffee und Croissants tendiert, zieht des den Schreiberling magisch zu den üppig dargebotenen, hoffentlich toten Meerestieren.

Best of both Worlds.

SETE (Frankreich), einmal mehr

Während die eine süßen Kram mit flüssigem Koffein konsumiert, schlürft der andere völlig dekadent Austern und Weißwein.

Ach, so könnte man wohl den ganzen Tag verbringen?

Der Blick nach draußen offenbart den nächsten Wolkenbruch, aber noch mehr Austern oder gar noch mehr Weißwein kann auf zwei Rädern auch nicht besonders schlau sein. Also einfach mal weiter Köstlichkeiten zum mitnehmen einkaufen. Die erhoffte Regenlücke reicht so gerade um trocken zum Stellplatz am Strand zurück zu kommen, doch beim Einpacken der Roller und der schon wieder notwendigen Ver/Entsorgung der rollenden Behausung erwischt der horizontal fliegende Regen den Weißwein geschwängerten Schreiberling eiskalt.

Na und?

Den grandiosen Vormittag kann kein mieses Wetter der Welt wieder rauben?

Waren in der Nacht noch acht andere Autos auf diesem Strandplatz im Nirgendwo sind wir jetzt alleine. Das Wetter soll noch schlechter werden, das ist vermutlich schon eine besondere Naturkunst? Was ist die Steigerung von beschissen?

Warum auch immer vorholen wir aus auf den Stellplatz in MARSILLIAN PLAGE, zuvor wird im INTERMACHE von AGDE alles das gebunkert, was man in MAROKKO nur sehr schwer bekommt und auch nicht einführen darf.

Der Abend und vor allem die Nacht in dem nahezu völlig verlassen Badeort wird sehr unruhig. Vermutlich hätte man beim Parken auf Bäume achten sollen, die im Sturm umstürzen könnten? Zu Spät, zu dunkel, zu doof.

Eigentlich sollte an diesem Ort und an diesem wettertechnisch völlig missratenem Sonntag die MA26 Reiseguppe zusammen finden, doch die nachfolgende Besatzung aus TRIER kann auch Wetterberichte und SMS Nachrichten lesen.

Über den Kurznachrichtendienst hat die Reederei GNV mittlerweile verschiedene Fahrplanänderungen mitgeteilt. War zunächst nur eine um zwei Stunden vorgezogene Abfahrt der GNV FANTASTIC aus SETE vorgesehen, wurde an diesem Sonntag die Abfahrt aus SETE komplett gestrichen. Der Kapitän der GNV FANTASIC habe entscheiden bei diesem Sturm im GOLF VON LYON nicht auszulaufen. Wer nach TANGER will, soll sich Dienstag Abend in BARCELONA einfinden und auf der GNV MAJESTIC einschiffen.

Oh Mann, wer soll das alles so verarbeiten das der ursprüngliche geniale Plan noch halbwegs passt?

Immer gut, wenn man nur Teil einer Reisegruppe ist und andere eine klar artikulierte Meinung haben.

Mittlerweile zieht ein zweiter Sturm im Mittelmeer auf und die Fahrt von BARCELONA wird, wenn sie denn tatsächlich statt findet, auch kein Zuckerschlecken. Also mal eben den Anreiseplan dramatisch verändert, die GNV Fähre(n) komplett storniert und den langen Landweg nach ALGECIRAS eingeschlagen. Diesel bekommt man in SPANIEN im Moment für bummelig 1,31 €, not that bad.

Die MA26 Reisegruppe formiert sich somit statt in SETE erst im spanischen CAPMANY, der Regen setzt weite Landstriche entlang der Straßen unter Wasser doch der sandige Stellplatz am Ortsrand dieses schönen alten Dorfes bleibt gut befahrbar. Allerdings wirkt das Dorf nach kurzer Begehung leider so gut wie tot, jetzt im Winter.

Am nächsten Morgen Abfahrt im Regen, wie sollte es auch anders sein? Gut 500 Kilometer nach CASABLANCA.

Ja ja, CASABLANCA!

Am Strand von CASABLANCA (Spanien)

Nur eben nicht in MAROKKO sondern etwas nördlich von SAGUNT bzw. VALENCIA. Immerhin schon mal CASABLANCA, könnte man meinen. Am Vormittag ist das Auto ein paar Mal auf der Autobahn kurz ins Schwimmen gekommen, einfach mal noch langsamer fahren und den Scheibenwischer auf noch schneller stellen.

Wie schön, so eine Autofahrt bei miesestem denkbaren Wetter!

Im Zweifel würde man einfach irgendwo halten, ein Beruhigungsbier aus einem kleinen metallischen Zylinder zu sich nehmen und so lange im wohlig warmem mitgeführten Bett schlafen bis das Unwetter abgezogen ist.

Im Zweifel.

In Echt jetzt natürlich nicht!

Gilt es doch einen einmal gefassten Plan in die Tat umzusetzen und MAROKKO zu erreichen!

Obwohl, nach dem was man hört und liest: Da regnet es auch.

Also, wie ebenfalls ursprünglich geplant, so schnell wie möglich in den tiefen, tiefen Süden.

Noch liegen ein paar (mehr) Autobahnkilometer und die STRAßE VON GIBALTAR vor uns.

Und zwei ungeplante Besuche entlang des Weges, wenn man denn schon mal in der Nähe ist?

Wie schön!

Peter.

Ein Kommentar

  1. Sehr launig geschrieben! Ihr lasst Euch die Stimmung trotz widriger Umstände nicht vermiesen – Gut so! Ich wünsche Euch eine tolle Marokkorreise! Liebe Grüße Susanne

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