Irgendwann fängt man an, seine vielen Klamotten nicht nur im Wohnmobil, sondern auch in einem Anhänger durch die Gegend zu kutschieren. Seit diesem Jahr transportieren wir in unserem Anhänger mit dem Namen „Tender to KNAUSi“ zwei Motorroller. Blöder Weise konnten wir uns nicht darauf einigen, nur einen Motorroller mit auf Reisen zu nehmen.
Nun, es ist wie es ist. Keine Notwendigkeit diese Uneinigkeit zu vertiefen.
Insgesamt haben wir bisher ca. 6.000 KM mit dem Gespann zurück gelegt. Mehr oder weniger problemlos, denn eigentlich geht es ja immer nur nach vorne und der relativ kleine Anhänger läuft einfach wunderbar hinterher.
OK, die eigene Fähigkeit, das knapp 11 Meter Gespann auch souverän rückwärts zu fahren könnte noch ausgebaut werden. Doch rückwärts blickende Augen, die werden dem aktuellen Fahrer wohl hoffentlich nie wachsen. Wie sähe das auch bloß aus?
Tja, also, eigentlich müsste man doch recht einfach eine von diesen modernen drahtlosen Rückfahrkameras am Heck des Motorroller-Anhängers montieren und schon weiß man, was hinter dem Gespann vor sich geht?
Ganz zufällig gibt es da bei AMAZON ein schickes Sonderangebot: „URVOLAX Rückfahrkamera Kabellos mit KI„. Hui, was ganz modernes! Mit „KI“: Das Kamerasystem kann Personen und Autos erkennen und liefert neben dem Bild im Falle der Erkenntnis auch noch einen akustisches Signal. Tolle Wurst. Ein solches Erkennungssystem kann man wohl auch in tödlichen Kampfdrohnen einsetzten. Nur das die nicht bimmeln bevor es knallt.
Also ja, das geht bestimmt ganz einfach!
Und immer, wenn man „ganz einfach“ selbst im fortgeschrittenen Alter tatsächlich denkt, dann liegt man natürlich grandios falsch! Denn in dieser unseren von Effizienz getriebenen Welt ist nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr einfach.
Nur merkt man das immer erst hinterher.
Statt einer günstigen KI Kamera und vielleicht einem Tag Arbeit kommt am Ende ein wirklich großes Projekt von bummelig acht Wochentagen und mehr als dem doppelten Budget heraus. Wenn das die aktuelle Beifahrerin wüsste.
Wollte man die Rückfahrkamera nur benutzen, wenn man in den Rückwärtsgang schaltet, bräuchte man nur die Stromversorgung des auch am Anhänger befindlichen Rückfahrscheinwerfers anzuzapfen.
Aber zwei Dinge sprechen gegen diese „einfache“ Lösung:
Zum einen will man wie in einer Art Rückspiegel ja auch beim vorwärts fahren wissen, was hinter dem Anhänger los ist und zum anderen dauert es immer einen kurzen Augenblick bis die Funkverbindung zwischen Kamera und Bildschirm aufgebaut wird wenn die Rückfahrkamera mit Strom versorgt wird. Das ist beim Rangieren eher hinderlich.
Also muss eine permanente Stromversorgung für die Rückfahrkamera her!
Als modernes Auto verfügt KNAUSi natürlich über eine modere 13 polige Anhängersteckdose die aber leider in der Standardausführung nicht vollständig verkabelt ist. Wie man dieses gar nicht mal so kleine Problem „Dauerplus und Ladeleitung“ an der Steckdose des Zugfahrzeuges lösen kann, wird in diesem anderen Beitrag beschrieben.
Eigentlich hätte man sich mit diesem kleinen ersten Bastelerfolg mit Stolz erfüllt aufs Sofa setzten können und irgendwann demnächst an einem Nachmittag nur noch mal eben schnell die Rückfahrkamera auf den Anhänger montieren können.
Eigentlich, hätte, hätte, Fahrradkette.
Hätte, ja hätte man sich bloß mal den Stecker des Anhängers genauer angesehen! Obwohl es sich dem äußern Anschein nach um ein 13-poliges Exemplar handelt verfügt dieser blöde Stecker der Firma „ASPÖCK SYSTEMS“ doch nur über 8 Pins?
Ach Mann, was soll denn das nun wieder?
Schon klar, als unbedarfter in den Tag Schrauber wächst man täglich durch abgrundtiefe Ahnungslosigkeit an selbst gestellten Herausforderungen.
Das geht denn schon mal damit los, das dieser „ASPÖCK SYSTEMS“ Fakestecker gar nicht so einfach zu öffnen ist. Kann ja wohl nicht sein? Ein YOUTUBEer verbrät dafür das Sieb einer Gießkanne, der hier schreibende Schrauber wäre des Todes, würde er ein solches Sieb aus dem heimischen Garten für diesen Zweck missbrauchen.
Ein flacher Alustreifen, fest gegen die Pins gepresst und eine knackige Linksdrehung (oder war es rechts?) öffnet endlich den doofen Stecker. Schon klar, die Kabel darin sind natürlich nicht verschraubt, sondern alle gequetscht. Es muss ja immer noch effizienter, in diesem Fall noch billiger gehen!
Am Ende also doch alle Adern abschneiden. Aber so, das man die Farbe für die nun anstehende Transplantation noch erkennen kann.
Jetzt also auch noch einen echten 13 poligen Anhängerstecker besorgen. Das Teil aus dem Baumarkt von LAS macht erstaunlicher Weise einen recht ordentlich Eindruck. Die anstehende Kabeltransplantation soll natürlich dauerhaft haltbar sein. Das Schrauberherz möchte die abisolierten Adern mit Lötzinn verzinnen bevor sie verschraubt werden, doch das ist, wie eine erneute GOOGLE Recherche bestätigt, nicht richtig.
Und richtig soll es ja werden. Weitestgehend wenigstens.
Also werden nun auch noch so genannte ADERENDHÜLSEN ebenfalls aus dem Baumarkt besorgt und auf die einzelnen Adern verpresst und diese dann erst verschraubt.
„Tender to KNAUSi“ wurde im Übrigen von der Firma STEMA gebaut und die haben einfach für jede Anhängerseite je ein Kabel verlegt. Natürlich ohne Reserveadern. Also muss nun noch ein drittes Kabel in den Stecker verbaut werden, um endlich Pin 10 und Pin 13 am Heck des Anhängers verfügbar zu machen. Was für eine unglaublich kleinteilige Friemelei!
Wie gut das der aktuelle Schrauber kein Chirurg war und auch nicht mehr werden wird. Doch eines weiß er ganz genau: Bei jeder Transplantation sollte man sich nach eben jener als erstes durch ausprobieren vom Erfolg der gerade erfolgten Verpflanzung überzeugen. Funktionieren Licht, Blinker und Bremslicht noch?
Das dann das nun folgende Verlegen des neuen Kabels zum Anhängerheck natürlich auch noch viel aufwendiger als gedacht wurde ist an dieser Stelle wohl eher selbstredend:
Unter dem Anhänger bei den anderen Kabeln ist es ja noch einfach. Doch die Rückfahrkamera soll ja nach oben auf das Dach des Anhängers, Beste Aussicht ist absolut erwünscht! Also muss in dem senkrechten Stahlholm ganz unten an einer wirklich bescheuerten Stelle für das neue Kabel ein neues Loch gebohrt werden. Oben auf dem Dach in einen Aluwinkel und dann mit viel Fingerspitz, Geduld und Draht als Durchziehhilfe das Kabel nach oben verlegt werden.
Als das neue Kabel dann endlich auf dem Dach liegt sind gefühlt seit Projektbeginn (inklusive der AHK Steckdose am Bus) glatt zwei Wochen vergangen und die innig heiße Lust an einer drahtlosen Rückfahrkamera hat sich deutlich abgeschwächt. Irgendwann ist denn auch die Rückfahrkamera auf dem Dach verschraubt und der Stromanschluss wasserdicht hergestellt. Optisch durchaus unbefriedigend, da gibt es wohl noch Verbesserungspotential. Bloß wie?
Nun, der finale Test ist erstaunlicher Weise direkt im ersten Anlauf absolut erfolgreich:
Die Kamera erfasst den in der Garage stehenden Daimler als bedrohlich nahe kommendes Fahrzeug und das Display schlägt lauthals Alarm!
Äh, Moment mal!
Da stellt sich doch glatt die Frage, wann genau dieser Alarm ausgelöst wird?
Wenn etwa auf der Autobahn jemand zu dicht auffährt?
Wie dicht ist dicht?
Gibt es jetzt etwa tausende von nervtötenden Fehlalarmen?
Herrje!
Aber irgendwas ist ja immer!
Wer kam eigentlich auf die doofe Idee einer permanenten Rückfahrkamera für den Anhänger?
Peter.
P.S.: Die Anstehende KRETA 2024 wird unzählige Praxiserfahrungen liefern. Zurückgebaut wird nix! Die auf den Bildern zu sehenden Motorroller hat die KI nicht als Feind erkannt und keinen Alarm ausgelöst. Gut so.







