Anreise Kreta

Juchhu!

Es geht wieder los! Da macht es auch nichts, mal um 0500 aufzustehen, damit man um 0600 im Auto sitzt und vor dem Berufsverkehrschaos den Elbtunnel passiert. Alles ist gepackt, alles ist vorbereitet, schnell noch Kaffee gekocht und schon geht es los!

Jedenfalls bis PINNEBERG NORD.

Schon wieder bleiben wir auf der A23 zwischen ELMSHORN und HAMBURG hängen, eine ganze Stunde wg. Baustelle. Eigentlich geht es nur von zwei Spuren auf eine. Aber das können wir Deutsche nicht. Schon gar nicht um diese Uhrzeit. Für die 450 Kilometer bis KÖLN brauchen wir glatte sechs Stunden. Zur Belohnung finden wir am Rhein keinen halbwegs kostengünstigen Parkplatz, sondern direkt in der Innenstadt vor des Vaters Wohnung. Ein wahres Schnäppchen, 15 Minuten für nur einen Euro! Man muss es sich halt leisten können, die Verwandtschaft zu besuchen, gell?

Modernisieter WoMo Stellplatz in PILL, 24h zugänglich. Nicht mehr den Charme des alten, aber hoch funktional


Die nächste Etappe führt nach PILL in Österreich. Gute Distanz mit der Aussicht auf Schweinebraten, Knödel und Rotkohl am Zielort. Während wir diesmal richtig gut durchkommen, folgt die Tagesenttäuschung erst in der Wirtsstube des Gasthofes KLAUSEN: Die betagte Wirtin erklärt etwas bedröpelt, das die Küche geschlossen sei. Der Koch (vmtl. ihr Mann?) sei gestorben und sie habe noch keinen Ersatz.

Was soll denn jetzt bloß dieses ganze Gesterbe um uns herum?

Nix mit Schweinebraten, nix mit Knödel, nix mit Rotkohl.

Und nix Leckeres im Kühlschrank.

Das ist wirklich ungünstig. Doch halt! Mittlerweile wird der kleine SPAR Supermarkt im Ort wieder bewirtschaftet und er hat, so gerade eben, noch geöffnet! OK, Delikatessen gibt es da natürlich nicht, aber für ein zünftiges Abendessen vom Grill in der grandiosen Tiroler Abendsonne, umgeben von echten Bergen, da reicht es dann doch. Locker!

In der Morgendämmerung des nächsten Tages auf zum Brenner. Ist viel besser, als in Dunkelheit. Denn es gibt ja viel zu sehen. Obwohl, wenn wir ehrlich sind, irgendjemand muss den Brenner geschrumpft haben. Nur mal so, völlig ohne Prahlerei oder so: Was ehedem spektakulär war, verblasst dann doch etwas mit zunehmender Reiseerfahrung.

Das ist wohl der Preis, den man als Reisender zu zahlen hat. Der schönste Stand der Welt? Die spektakulärste Serpentinenfahrt? Die beeindruckendsten Berge? Die Beste Altstadt?

Immerhin hat der Herr Fahrer (jawohl, er hat das Lenkrad wieder, hat er tatsächlich!) diesmal wieder die richtige Maut vorab gebucht und die widerlichen Schranken an den Mautstationen öffnen sich wie von Geisterhand.

Exzellenter WoMo Stellplatz in OFFAGNA, Pizza in der Altstadt

Auch diese Etappe verläuft ohne ärgerlichen Stau und wie erhofft erreichen wir am frühen Nachmittag OFFAGNA in der Nähe vom Fährhafen ANCONA, ITALIEN. Neben der wunderschönen Altstadt lockt am Abend eine original italienische Pizza. Wir lernen, dass der Wirt schon wieder gewechselt hat und die aktuelle Mannschaft den Laden erst seit vier Wochen betreibt. Jetzt heißt die Pizzeria 4 RIONI. Es ist Samstagabend, 1930, der Laden völlig leer. Und auch wir werden wieder weggeschickt, denn jetzt ist DELIVERY TIME.

Hä?

Kurze Aufklärung: Jetzt werden erst mal die ganzen Pizzen für die Telefonbesteller gebacken und abgeholt, wir sollen um 2030 wiederkommen, dann ist SERVICE TIME. Sie halten uns einen Tisch frei. Wie gut das es im Ort noch eine Bar gibt…
…stehen pünktlich um 2030 wieder auf der Matte und der Laden ist jetzt brechend voll. Doch wie versprochen bekommen wir in einer Ecke mit Bestem Blick in die Küche einen Tisch und werden prompt bedient. Die fünf (!) Menschen in der Küche schuften in Höchstleistung. Sichtbar klare Zuständigkeiten, der Gesichtsälteste bedient den Ofen, sonst darf da keiner ran. Schon klar, Pizza auf den Punkt backen muss man können und Können kommt ursprünglich ja von Erfahrung. Oder so.

Der nächste Tag beginnt sehr entspannt mit einer kurzen, aber heftigen Supermarktattacke in ANCONA. Nur das Wichtigste für die kommenden Tage und so. Natürlich.

Nach dem Einchecken im Hafenbüro dürfen wir zwar direkt zum Wartebereich in den Hafen vorfahren, doch, wie sollte es anders sein, der Dampfer hat Verspätung. Statt 1500 Ankunft PATRAS nun 1830. Das kann ja heiter werden – wollen wir doch unsere Anschlussfähre in PIRÄUS am Folgetag um 2100 nach KRETA erreichen. 

Die Erfahrung lehrt. Nur die Ruhe. Ändern kannste hier gar nix. Nada. Null. Bier beruhigt.

Für das Einlaufmanöver dieser großen Schiffe kann sich der wieder erstarkte Fahrer jedes Mal aufs neue begeistern. Mit relativ hoher Geschwindigkeit vorwärts in den Hafen, dann mit Schwung 180° Wende und in der Rückwärtsdrift elegant seitwärts an die Pier. Vielleicht hätte man die Seefahrerkarriere doch nicht so früh´ an den Nagel hängen sollen? 30.000 Tonnen Stahl, ein paar Hundert LKW´s und Menschen über die ADRIA kutschieren und bei jedem Wetter den Dampfer ohne Schlepperhilfe an die Pier bringen. Applaus gibt es dafür nicht, dass der Alte sein Manöver beherrscht wird wohl allseits vorausgesetzt?

Ablegen der SUPERFAST XI vor historischer Kulisse im Hafen von ANCONA

Auf dem Achterdeck sitzend wird das restliche Verladen ungeduldig beobachtet. Mit ohne Bier. Denn niemand hat Lust, eines besorgen. Das ist im Übrigen der Untergang des Abendlandes: Wenn man als ehemaliger Skipper auf einem echten Dampfer eine Order gibt und die ehemalige Mannschaft einfach nicht gehorcht. Wo kommen wir denn da bloß hin?

Nun, jedenfalls nicht aus ANCONA weg. Denn offenbar gibt es weit und breit nur einen Hafenlotsen, der erst noch einen andere GRIMALDI Dampfer hereinbringen musste und dann in aller Seelenruhe zu Fuß über die Pier zu unserem Dampfer herüber geschlendert kommt. Gut zwanzig Minuten nach Ladeschluss. Mittlerweile zeigt die Uhr 1810.

Wir haben alle Zeit der Welt. Was für ein schönes Lied.

Doch, immer wieder: Ändern können wir nix.

Diesmal hat es tatsächlich mal mit CAMPING ON BOARD geklappt und wir haben jederzeit Zugang zu unserem Auto und schlafen später auch darin. Sehr rustikal, das Ganze Unterfangen auf dem offenen Achterdeck der SUPERFAST XI.

Kurzer Halt in IGOUMENITSA

Zwischenstation in IGOUMENITSA. Da gibt es jetzt so was wie eine kleine Behelfspier und das Ankermanöver entfällt. Mit zwei Leinen für zwanzig Minuten fest gemacht, nur Entladen.

Beim Entladen in PATRAS drängeln wir in der Tat ein wenig. Statt um 1500 sind wir um 1650 fest, um 1720 auf der Straße. 230 Kilometer bis PIRÄUS, zu schaffen bis 2000, dann ist CheckIn Schluss für Fahrzeuge, 2100 soll unser Dampfer nach KRETA ablegen.
Also bleibt nur für 29 (!) Euro die Mautpflichtige Autobahn unter Ausnutzung der jeweils gültigen Höchstgeschwindigkeit, in der Regel 130 km/h. Aus unerklärlichen Gründen bereut die Beifahrerin mehrmals, dem Fahrer das Lenkrad und damit die Kontrolle über die Geschwindigkeit überlassen zu haben. Kein Stau, weder durch Baustelle noch durch Unfall.

Beladen einer Fähre in Piräus


Die Häfen von ANCONA oder PATRAS sind ja eher niedlich im Vergleich zu dem Fährhafen von PIRÄUS. Völlig Irre, dort erstmals im Leben in Dunkelheit anzukommen und in dem Gewühl auf den Straßen die richtige Einfahrt in den Hafen zu finden. Aber, und nur das zählt, der tollkühne Fahrer (Eigenbild, die Beifahrerin verwendet derzeit eher den Begriff „Bekloppt“) steht um 1920 am ANEK CheckIn Kiosk und überreicht stolz die Buchungsunterlagen. Geschafft! Klasse Leistung.

Äh, wie bitte?

Der 2100 Dampfer ist gestrichen und wir wurden automatisch auf einen anderen Dampfer um 2359 (!) umgebucht? Statt ANEK jetzt BLUE STAR. Ist eigentlich auch egal, wer genau uns nach KRETA kutschiert, ist sowieso, wie SUPERFAST auch, der gleiche Konzern (ATTICA Group)

Wie erklärt nun bloß der Fahrer der im Auto wartenden Beifahrerin die neue Situation?  

All die Drängelei, die Raserei, das viele Dieselverbrennen: VERGEBENS. Zeit ohne Ende! Klarer Fall von Informationsdefizit. Was hätte man noch schön tanken können? Im Großraum PIRÄUS kostet der Diesel schicke 164 Eurocent. Und jede Menge Platz wäre im Tank auch noch, doch jetzt noch mal raus in das Gewühl der nächtlichen Großstadt, nur um um und bei 8 Euro zu sparen?

Nö, lieber nicht. Stattdessen mit der Kamera ein wenig im Hafen herumstrolchen und dem irrwitzigen Treiben auf den Piers zusehen. Das geht hier jeden Abend so zu. Wahnsinn. Vor lauter Staunen aber trotzdem aufpassen, nicht über den Haufen gefahren zu werden. Gegen 2100 trifft die „BLUE STAR 1“ ein und gefühlt 100 Sattelschlepper stehen bereit, die ankommenden Trailer abzuholen.
Unklar, ob das Verfahren einem Plan folgt? Noch während die Trailer aus dem Schiffsbauch gezogen werden, fahren drei Menschen ungefähr 150 Neuwagen auf den Dampfer. Dabei verwechseln sie die Pier mit einer Formel 1 Rennstrecke und deren Fahrweise lässt vermuten, dass sie nicht nach Zeit, sondern nach getaner Arbeit bezahlt werden.

Kreta Fähre BLUE STAR 1 in Piräus

Endlich, als wir schon halb im Dämmerschlaf vor uns hindösen und jede Hoffnung auf eine Mitfahrt aufgegeben haben, werden wir verladen. Quasi als Lückenbüßer, da wo gerade noch ebenso Platz ist. Raus kommen wir da im Leben nicht mehr. Aber um Mitternacht ist das auch egal. Hier gibt es kein Camping, aber eine schicke Außenkabine mit eigener Dusche. Das wird eine kurze Nacht, für 0700 ist schon die Ankunft in HERAKLION geplant und weil der Dampfer tatsächlich um Mitternacht loskommt, wird das auch so sein.

Wer auf solchen Fähren als Letzter an Bord fährt, kommt auch als Erster wieder heraus. Denn jeglicher Verkehr läuft tatsächlich nur über die beiden Heckrampen. Die Beifahrerin bekommt beim Ausparken kurz eine Panikattacke, nicht etwa wegen eines eventuellen Unvermögens des hundemüden Fahrers. Nein, ein Spezial LKW mit Bohrgestänge droht eben jenes in die Beifahrertür zu rammen.

Ja, ja, Beifahrer leben einfach sehr gefährlich!

Im gerade erwachenden HERAKLION stehen zwei Programmpunkte an: Volltanken (für 184, so ein Mist!) und Supermarkt. Dann gut siebzig Kilometer quer über die Insel an die Südküste, an den Strand von AFRATHIAS in der Nähe der Stadt TYMBAKI.

Zwei, drei Wohnmobile stehen bereits dort. Sieht gut aus! Aber wieso stehen die da bloß alle an dem staubigen Weg, recht weit vom Wasser weg? Ach ja, in PARK4NIGHT wird vor Festfahren im Sand gewarnt.

Mal sehen, kann ja wohl nicht so schlimm sein…

…aussteigen…

….zu Fuß in Gummilatschen, die, wie später jemand zu bedenken gibt, bei der Größe eher als Schneeschuhe zu bezeichnen wären, an den Strand…

…nö, kein Problem. Alles Fest hier, da können wir KNAUSi prima abstellen.

Zurück ins Auto, schwungvoll leichte Linkskurve und schwups, stecken die Vorderräder bis Unterkante Oberlippe (=Radnabe) im Sand fest.

Ach so, das ist also mit „in den Sand gesetzt“ gemeint?

Abschleppmanöver der besonderen Art


Was für ein starker Auftritt. Gerade angekommen und sofort das Gesprächsthema Nummer eins am Strand. Eigentlich gar nicht so unser Ding, sollten wir ab jetzt immer so machen.
Aber gut, es gibt schlimmeres und schließlich fahren wir seit MAROKKO hydraulischen Wagenheber, Schaufel, Holzbretter und 6in1 „Sandbleche“ ungenutzt durch die Gegend. Da wollen wir doch mal sehen wie wir hier wieder herauskommen.

Die Uhr notiert um und bei 1100, die Sonne hat auf Hochofen umgestellt und der feine Kiessand könnte auf Papier gepresst auch glatt als Schleifpapier durchgehen. Höfliche und durchaus freundliche verbale Hilfestellung der umgebenden Menschen spornen an:

1) Ein wenig buddeln, um den Wagenheber auf einem stabilen Holzbrett unter das Auto bekommen.
2) Das Auto mit dem Wagenheber hochpumpen.
3) Das 6in1 Sandblech unter das Vorderrad bekommen.
4) Wagenheber wieder ablassen.
5) Das gleiche auf der anderen Seite wiederholen.

Bohah! Sieht das alles professionell routiniert aus!

An dieser Stelle sollte nun noch erwähnt werden, dass es nur rückwärts heraus gehen kann, denn vor dem Auto steht unverrückbar ein Baum.

Nun, Motor an, Rückwärtsgang rein und volle Kanne los. Holper, Stolper, Klapper, Rappel, Peng, kaum sind die gut 150 cm langen „Sandbleche“ zu Ende stecken beide Vorderräder wieder tief um Sand. Gefühlt noch tiefer als zuvor.

Aber OK, ok, wir sind 150 cm in die richtige Richtung gekommen. Kurzer Überschlag, 10, 15 Meter bis zu sicherem Grund werden es wohl sein. Das kann ja heiter werden. Nun ist es für die Strandbevölkerung an diesem Morgen sicherlich sehr unterhaltsam, die beiden Neuankömmlinge bei ihrem Treiben zu beobachten, doch entwickelt sich schnell aus einem gewissen Mitleid eine echte Hilfsbereitschaft, um die Situation schnellstmöglich zu bereinigen.
Ein eingeborener Polizist in Badehose telefoniert herum um einen Trecker zu finden, alle anderen kramen ihre Abschleppseile heraus und ein deutscher Peugotbus macht sich zum heraus schleppen bereit.

Doch zunächst müssen ja die Vorderräder wieder aus dem Sand heraus. Prozedere siehe oben.

Eigentlich gleicher Plan, mit Schmackes auf den „Sandblechen“ rückwärts aus der Kuhle raus, aber diesmal mit Schleppunterstützung an der Anhängerkupplung. Holper, Stolper, Klapper, Rappel, Peng, die „Sandbleche“ sind auch diesmal viel zu schnell zu Ende, KNAUSi´s Vorderräder sacken direkt wieder weg und die Vorderräder des Peugots drehen auf sicherem Grund einfach so erfolglos durch.

Auf der ewigen Suche nach dem Positiven: Wieder 150 cm geschafft!

Na ja, vielleicht jetzt erst mal eine Pause? Während der Fahrer denkt, Bier beruhigt, meinen andere, wer jetzt Bier trinkt, der hat sich aufgegeben. Von wegen, nach nur einem, im Übrigen dem letzten BECKS´s, geht es weiter. Doch diesmal klappt gar nichts mehr. Selbst der Wagenheber auf Brett sackt unter der Fahrzeuglast einfach so weg und es wird sehr, sehr mühsam, die Vorderräder auch nur annähernd wieder an die Oberfläche zu bekommen. 
Zum Glück haben wir bei KNAUSi gleich bei Kauf unter dem Motor eine Aluplatte als Unterfahrschutz montieren lassen. Die verhindert jetzt, dass die Vorderräder noch tiefer einsacken (…und auch noch Sand in den Motorraum gelangt).

Die Vorderäder sind hier „schon“ ausgegraben! Danke an Anton für die Bilder

So langsam reift der Gedanken, dass die Hilfe eines Traktors nun doch sehr willkommen wäre. Der eingeborene Polizist in Badehose hat viel telefoniert, aber resigniert aufgegeben und geht jetzt doch lieber endlich mal schnorcheln.
Die Peugotbus Besatzung geht derweil zur nahe gelegenen Taverne und überzeugt den als mürrisch geltenden Wirt davon, dem doofen Deutschen zu helfen. Der Wirt telefoniert herum, erscheint kurze Zeit später am Ort des Geschehens und gibt zu verstehen, dass in einer halben Stunde ein Helferfahrzeug hier sein könne, wenn wir denn die geforderten 100 Euro akzeptieren würden.
OK, wir könnten jetzt noch zwei Tage Sandspiele mit stark nachlassender Leidenschaft spielen, oder wir könnten das Portemonnaie der Beifahrerin plündern. Mag sein, dass auch das sehr nahe gelegene türkisblaue Wasser mit einem Bade im Meere statt im Sande lockt, doch ja, sehr gerne bezahlen wir 100 Kracher für eine schnelle Beseitigung dieses irgendwie dann ja doch peinlichen Missstandes. Der angeblich mürrische Wirt verschwindet und kümmert sich.

Kurze Pause im Schatten, mit ohne Bier, denn aufgeben tut hier keiner!

Schließlich muss die so grandios in den Sand gesetzte Karre ja noch mal ausgebuddelt werden. Sonst ist beim heraus schleppen der Auspuff und die Trittstufe wohl futsch. Immer wieder sackt der hydraulische Wagenheber samt Brett ein. Was für ein Mist. Bereits Stunden zuvor brachte ein vorzüglicher Denker den Bordeigenen FIAT Scherenwagenheber als Alternative ins Spiel. Na ja, kann man ja jetzt mal ausprobieren, mit einem noch größeren Brett als Unterlage. Diesmal setzten wir auch nicht mehr die „Sandbleche“ unter die Räder, sondern buddeln nur die Räder wieder aus. Sobald die Räder Frei kommen, schieben wir mit Wasser verdichteten Sand unter eben jene, setzten den Wagenheber ab, erhöht neu an und nochmal ein Stück aufwärts, dann die andere Seite und schließlich steht KNAUSi wunderbar waagerecht auf Treibsand.

Nach zehn Minuten Pause erscheint der „Trecker“. Na ja, ein „Trecker“ ist das wohl nicht gerade, aber dieser Monster Schaufelbagger wird das Problem ja wohl lösen? Der junge Fahrer hat die Rechte Hand im Verband und kann kaum was anfassen, doch mit einem professionellen Blick unter unserem Auto und in die Umgebung steht sein Plan in Sekunden fest: Rückwärts raus, mit Schleppkette an der Baggerschaufel und am KNAUSi Chassi, nicht wie gedacht an der Anhängerkupplung, denn da könnte der Haken sich einfach lösen und durch die Gegend fliegen. Auch der angeblich mürrische Wirt hilft mit. Woher kommt so ein mieses Urteil?

Das Privileg des im Rückwärtsgang geschleppten Lenkrad Lenkers gebührt diesmal nun der Beifahrerin. Nicht das der aktuelle Fahrer zu feige wäre oder er sich der Verantwortung für ein gelungenes Manöver entziehen wollte. Nein, mitnichten!

Mathematik! Simple Addition ist der Grund für dieses Entscheidung. Denn es fällt bei näherer Betrachtung ja schon auf, dass die Hinterräder wunderbar auf dem Sand und nicht darin stehen. OK, die werden ja auch nicht angetrieben. Aber addiert man den vollen 120 Liter Dieseltank und das streng geheime Lebendgewicht des aktuellen Fahrers kommen da doch einige Kilos auf die Vorderachse, die in der Summe der Sache nicht förderlich sein können. Das sieht schließlich auch die Beifahrerin ein und begibt sich mutig auf den Fahrersitz.

Keine Ahnung wie viel PS so ein CATERPILLAR Bagger hat, aber es wird schon eine ganze Menge sein. In KNAUSi ist zwar der Rückwärtsgang eingelegt, aber wie verabredet gibt die Fahrerin kein Gas. Die Räder sollen sich ja nicht wieder sofort eingraben. Das führt kurz dazu, dass die Vorderräder bei dem Rückwärts schleppen blockieren, mit der zärtlichsten aller möglichen Berührungen des Gaspedals, wie sie wohl nur eine Frau vollbringen kann, wird die Blockade aufgelöst und Sekunden später steht KNAUSi wieder auf sicherem Grund. Kette abgebaut, die verabredete Schuld beglichen und schon sind der schweigsame junge Baggerfahrer und der angeblich mürrische Wirt wieder weg. Die ganze Aktion hat vielleicht 15 Minuten gedauert?

Spuren im Sand: Man kann gutda Profil des Alu-Unterfahrschutzes im Sand erkennen 😉


Besser 100 Euro in 15 Minuten als 2 Tage Sandkastenspiele.

Umgeparkt, ausgepackte Klamotten zum Auto geschleppt, Badesachen an und kurz mal zur Selbstbelohnung in dieses berauschende türkisfarbene Meerwasser abgetaucht. Danach, so gegen 1400 auch mal Frühstücken, Werkzeuge vom Sand reinigen und wieder verpacken und den Rest des Tages mit den deutschen Helfern italienischen Wein und ein paar Moretti´s beim Sundowner ausgelassen vernichten.

Was für eine Anreise!

Was für ein Tag!

KRETA, wir sind denn auch mal da!

Peter.

P.S: Natürlich gehen wir gerne in der Taverne des angeblich mürrischen Wirts essen. Als wir ihm für seine Bemühungen noch ein Trinkgeld zustecken wollen, lehnt er so was von entschieden ab, dass wir fast erschrocken sind. Seine Frau kommt hinzu und meint, er wollte nur helfen und kein Geld verdienen. Stolz ist auch eine Tugend.


 

Ein Kommentar

  1. Vor Jahrzehnten konnten wir – meine damalige Freundin und ich – einem endlosen dänischen Strand nicht widerstehen und versanken auch trotz vorheriger „Fußprobe“ mit den Rädern unseres ollen VW nach wenigen Metern im Sand. Jedoch ohne Zuschauer und in scheinbar absoluter Einsamkeit. Wat nu sprach Zeuß…. Und dann geschah ein Wunder: Aus dem Nichts tauchte ein Bauer auf einem Trecker auf, der sich uns jugendlichen Jammergestalten schweigend annahm und fast ohne uns eines Blickes zu würdigen mit einem auch noch mitgebrachten Seil aus dem Schlamassel zog – und schwupp – war er auch schon wieder weggebollert, ehe wir noch ein Danke oder gar einen Teil unserer raren dänischen Kronen loswerden konnten. Sein Feld lag gleich neben dem Zuweg. Das wird er wohl nicht das erste Mal gemacht zu haben. Soweit mein Déjà-vu.
    Den Fehler werdet auch ihr wohl kaum wieder machen, aber da ihr euch auch mal gerne abseits des Asphalts bewegt, könnte auf staubtrockenen griechischen Wegen die eine oder andere Sandkuhle lauern, aber ohne Trecker oder Schaufellader in Rufweite. Möglichkeit: Einige Luft aus den Reifen lassen! Ein platter Reifen hat mehr Fläche am Boden und damit mehr Gripp im Sand. Einige geländegängige (Militär)Fahrzeuge können z.B. den Reifendruck auf Knopfdruck verändern um durch Sumpf und Sand zu kommen. Hilfreich wäre danach dann natürlich eine elektrische Luftpumpe in der Reserve……;-) Dann wären da noch Schneeketten, die ab nächsten Monat sowieso auf den Pässen dabei sein müssen, oder habt ihr Winterreifen unter den Kojen gestapelt? Was in Schnee hilft, sollte eigentlich auch im Sand helfen – oder? Schon dabei?
    Echte Kerle fahren ja fette Seilwinden am Landrover- aber wo sind dann die Bäume oder Findlinge an der richtigen Stelle, wenn man sie braucht. Und eigentlich brauchte man eine Winde hier ja eher am Heck…..Eine schöne Improvisation zeigt auch der Filmklassiker „Lohn der Angst“ – taugt aber wohl nicht für Wohnmobile ohne Zwillingsreifen:-)).

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