Ob es wirklich gute Idee ist, an einem kalendarisch 13. (DREIZEHNTEN!) eine längere Heimreise anzutreten sei dahin gestellt. Aber wenn man am 18. November 2023 in LEIPZIG sein will, muss man ja wohl irgendwann mal los fahren?
Immerhin, der Abreisetag ist ein Montag und kein Freitag. Es soll ja Segler geben, die an einem Freitag, den 13. tatsächlich keinen Hafen oder Ankerplatz verlassen. Man müsste mal einige Logbücher der Vergangenheit wälzen, um heraus zu finden ob die kleine Reisegruppe jemals einen solchen seemännischen Frevel begangen hat?
Gilt das nicht auch für Wohnmobilreisende?
Die Fähre BLUE GALAXY von HERALKLION (KRETA) nach PIRÄUS (Festland GRIECHENLAND) fährt erst am Abend um 2100 und so bleibt genug Zeit für ein ordentlich aufgeräumtes Auto und den obligatorischen Einkauf von Olivenöl in größeren Mengen.

Eigentlich ist das Auto reiseklar bevor die ersten Regentropfen des Tages in RETHYMNO nieder prasseln. Doch die Abfahrt verzögert ein allein reisender Neuankömmling, der begierig KRETA Tips und Tricks erfragt. Ob man als KRETA Novize da ein guter Gesprächspartner ist? Oder besser den als keinen? Kurz mal die Markise als Regenschutz heraus kurbeln, nicht das hier noch einer nass wird! Der Neuankömmling will den ganzen Winter auf der Insel verbringen. Landschaftsgärtner von Beruf, zu viel gearbeitet und jetzt erst mal ein Jahr Pause machen um wieder herunter zu kommen. Hört man immer öfter, gefühlt jedenfalls.
Noch in Süddeutschland zu Hause, kann er sich nach Rückkehr vorstellen, in den Norden von Deutschland zu ziehen. Gibt es da nicht das größte zusammenhängende Baumschulgebiet Deutschlands? Ja, das gibt es und genau da kommen wir her! Landkreis PINNEBERG. Daher das „PI“ auf dem Nummernschild. Das steht für PINNEBERG und NICHT für etwa für PIRMASENS.
Eigentlich könnte man mit dem sympathetischen jungen Mann noch stundenlang weiter klönen, doch irgendwann mahnt der aktuelle Fahrer zum Aufbruch. Schließlich wollen ja noch wichtige Dinge erledigt werden.
Die Fahrt über die einzige Autobahn von KRETA ist zwar schnell (bedeutet einen Durchschnitt von 90 km/h), aber auch langweilig. Gegen 1400 erreicht die kleine Reisegruppe wie gewünscht den Hafen von HERAKLION, der Fahrer kümmert sich wie üblich um den CheckIn. Denn man bekommt im Vorfeld einer Fährfahrt keine Fahrkarten, sondern eine Art Gutschein. Darauf ist lediglich die Buchungsnummer relevant. Erst beim CheckIn bekommt man die echten Fahrkarten, wenn die Buchungsnummer korrekt ist. Durch dieses Verfahren weiß die Fährgesellschaft zuverlässig, welche Reisenden denn tatsächlich vor Ort sind.
Aber erst gegen 1800 dürfen Autos und Wohnmobile den Sicherheitsbereich des Hafens befahren, das Beladen der drei wartenden Fähren mit LKW´s läuft hingegen den ganzen Tag über. Der außer Dienst befindliche Fahrer nutzt die verbleibende Zeit und verdingt sich als Schreiberling, die ebenfalls außerdienstliche Beifahrerin nutzt die Zeit für einen kurzen Spaziergang in die nahe gelegene Altstadt von HERAKLION.
Ach was, wer hätte das gedacht?

Gegen 1800 werden einfach alle Schranken und Tore in den Hafen geöffnet und die wartenden Autos fahren ohne jede Kontrolle in den nun nur noch in Anführungszeichen zu setzenden „Sicherheitsbereich.“ Dann warten alle direkt vor der völlig in weiß gestrichenen Fähre BLUE GALAXY auf die Anordnungen des Ladeoffiziers. Nach welchen System das Laden erfolgt bleibt auch hier völlig unklar.
Jede Wette:
Eine so genannte künstliche Intelligenz wird niemals den Job des Lademeisters übernehmen können. Na, vielleicht nicht niemals, aber nicht in den nächsten 100 Jahren. Vermutlich wird vorher das Beamen erfunden. Denn wenn eines ein NULL und EINS zählender Computer nicht kann, dann ist es die Beherrschung von Chaos.
Ätsch!
Irgendwann jedenfalls ist auch KNAUSi im riesigen, vielleicht nur zu einem viertel gefüllten Schiffsbauch gut geparkt und die sehr ordentliche Kabine bezogen. Pünktlich um 2100 legt das große Parkhaus ab und schippert durch die Nacht gen Norden. Der Dampfer ist vierzig Jahre alt, muss aber vor nicht allzu langer Zeit einem gründlichen Refit unterzogen worden sein, so frisch und ordentlich das hier aussieht. Das sich so was rechnet?
In PIRÄUS wird pünktlich gegen 0600 im ersten Morgengrauen der Dampfer wieder angebunden. Linienbusverkehr zur See, nur mit riesigen Bussen.
Vornehmste Aufgabe ist es nun, eine dieser ruchigen Billigtankstellen zu finden, die es in PIRÄUS (nicht umzu!) gibt. Der Fahrer schätzt, das noch gut 10 Liter Diesel im Tank sein müssten, große Sprünge sind damit nicht drin. Tatsächlich werden kurz darauf 105 Liter zu 154,8 Eurocent getankt. Was für eine Genugtuung! Diese elende Ölmafia hat ja sowieso bald ausgedient? Was das wohl genau für ein Diesel ist? Wo der wohl her kommt?

Auf geht es nach Westen, zum nächsten Fährhafen, nach PATRAS. Den Kanal von KORINTH mit 95km/h auf der hier mautpflichtigen Autobahn überquert und nach gut 130 Kilometern einen guten, menschenleeren Standplatz am Wasser angesteuert. Denn schließlich muss noch gefrühstückt werden und, erstmalig auf dieser Reise, eine kurze Handwäsche von wichtigen Kleidungsstücken absolviert werden. Denn die Nummer mit der fehlenden Waschmaschine und dem geschlossen Waschsalon in RETHYMNO bleibt natürlich nicht ohne Folgen.
Kaum ist die Wäsche trocken geht es auf die letzten 80 Kilometer in GRIECHENLAND in diesem Jahr. Aber diesmal auf der kleinen Küstenstraße, durch die engen Hauptstraßen der Küstendörfer. Zeit genug und die gesparte Maut lässt sich wohl besser in RETSINA investieren? Den gibt es hier in spaßigen 0,5 Liter Flaschen und gut gekühlt lässt sich der Stoff tatsächlich trinken. Mal sehen, ob das zu Hause „mit ohne“ Sonne auch funktioniert? Bei dem „the vegitarian experiance“ Kochduell am Strand von TRIOPETRA war RETSINA jedenfalls erste Wahl und die Sonne war da auch schon längst in das Meer gefallen.
Auch in PATRAS:
Tausche Buchungsnummer gegen Fahrkarten und ab zur Sicherheitskontrolle. Die wird in diesem Hafen immer noch sehr ernst genommen. Der Grenzer lässt sich alle (Hohl)Räume im Auto zeigen und kombiniert auch, wo ein noch nicht gesehener Raum sein könnte. Sehr freundlich, aber eben auch so bestimmt, wie man in diesem Job wohl sein muss.
Danach beginnt wieder das Warten auf das Verladen. Viel los ist auch hier wirklich nicht. Die HELENIC SPIRIT der Reederei ANEK wird höchstens halbvoll, wenn überhaupt. Absurd erscheint es da, das die etwas kleinere SUPERFAST I der Reederei SUPERFAST zur gleichen Zeit ablegt, soweit man erkennen kann auch bei weitem nicht voll abgeladen.
Auf der einen Seite kooperieren die beiden Reedereien zwar, auf der anderen Seite sind sie aber doch Wettbewerber. Und genau wie bei Flugzeugen, Straßenbahnen und Zügen: Im Linienverkehr müssen die Fahrzeuge eben auch wieder an den anderen Ort einer Linie, sonst kommt eben jene nicht zu Stande. Lustig: Während die HELENIC SPIRIT mit 26 Knoten in die Nacht brettert, hinkt SUPERFAST I mit 22 Knoten hinterher. Merke: Nur ein guter Name ist nicht alles.

Die schöne ADRIA Passage markiert für die kleine Reisegruppe denn auch deutlich Sicht- und erlebbar das Ende der KRETA 2023 Reise.
Ab jetzt werden nur noch Straßenkilometer gefressen und Diesel verbrannt.
Damit endet die Berichterstattung KRETA 2023. Ein halbwegs sinnvolles Fazit wird es sicherlich noch geben, wenn diese sehr schöne Reise sich gedanklich etwas gesetzt hat.
Jetzt steht erst mal MARILLION an!
Peter.