HORNET 33: Hafentrailer & Rungen

Will man sein Boot in der kalten Jahreszeit nicht einer Werft anvertrauen sondern es im trauten Schoße eines ambitionierten Segelvereins in den Winterschlaf schicken stellt sich in der Regel die Frage nach einer geeigneten Lagermöglichkeit an Land.

Über die Anschaffung eines Hafentrailers wurde bereits im Beitrag „STÖRTEBECKER´s HAFENTRAILER“ ausführlich berichtet.

Beispielbild: STÖRTEBECKER´s Hafentrailer mit dem Vorgängerboot (einer HANSE 341) ohne Rungen. Funktioniert durch die gut erkennbaren Rumpfschalen.

Auch wenn das letztendlich angeschaffte Stahlmonster auf vier Rädern sehr massiv aussieht, so ganz perfekt war er beim Kauf noch nicht. Denn es fehlten die so genannten RUNGEN: Vier lange senkrecht aufragende massive Stahlstreben, die das Boot daran hindern, auf dem Hafentrailer stehend umzukippen. Das war bekannt und der auch in solchen Dingen sehr erfahrene neu-Segelfreund Wolfgang 2 bot denn auch dafür pauschal hier seine tatkräftige Hilfe an. Was für ein kaum zu fassendes Glück!

Die Zeit von Oktober bis Weihnachten verrinnt mal wieder wie im Fluge und schwupp´s ist es Anfang Dezember und in Sachen RUNGEN hat sich noch absolut gar nichts getan. OK, faul herum gelegen hat der Wieder-Neu-Skipper sicherlich nicht. Ein paar kleine Hausjobs hier, die Renovierung der Bootspolster da. Durchaus ein größerer Bootsjob der gefühlt dann doch etwas unnötig lange aufgehalten hat.

Hochprofessioneller, ausgefeilter und CAD ähnlicher RUNGEN Bauplan

Schließlich dann doch mit Wolfgang 2 am lebenden Objekt im Hafen einen ausgefuchsten Bauplan für die RUNGEN professionell skizziert und im Anschluss im kuschelig geheizten Vereinsheim bei leckerem Kaffee eine Stückliste für den zu beschaffenden Stahl erstellt.
Werkzeuge dürfen aus der vereinseigenen Metallwerkstatt ausgeliehen werden, ist man denn wie Wolfgang 2 entsprechend autorisiert. Somit sind große Schraubenschlüssel, Standbohrmaschinen und vor allem ein gutes Schweißgerät schon mal kein Problem.

Einen Winkelschleifer, entsprechend viele Trennscheiben und noch viel mehr Schweißelektroden sind natürlich selbst mit zu bringen.

Präzise Stückliste für Stahlbestellung

Nun, gut durchdacht und bewaffnet mit der sauber dokumentierten Stückliste auf zum örtlichen Stahlhändler. Als Privatmensch kauft man wohl nur sehr selten im Leben mal rohen Stahl und kann dabei viele neue Sachen lernen:

  • Fast alles muss bestellt werden, kaum Lagerware vorhanden
  • So ein Stahlfachverkäufer muss unheimlich was auf dem Kasten haben, verstehen worum es geht und das gesamte Stahlsortiment gut kennen
  • Die Stromversorgung des Computer gestützte Auftragserfassungssystems des örtlichen Stahlhändlers wird offenbar durch millionenfache Maus- und Tastaturklick sicher gestellt. Bekanntlich erzeugt jede noch so kleine menschliche Bewegung Energie.
  • Stahl wird in Längen zu 6 Metern verkauft und ist unglaublich teuer. Warum das so auch sein muss stellt sich erst später bei Abholung heraus.
  • Über einen Unterauftragnehmer können einzelne Teile vorgefertigt werden. Also auf Länge gebracht oder große Löcher gebohrt werden.
  • Privatkunden können nur mit Vorkasse kaufen

Nun, der Verkäufer meint in 8 bis 10 Tagen sei alles beisammen und könne abgeholt werden. Das verbindliche Angebot kommt noch am gleichen Tag per eMAIL, die gewünschte Vorkasse wird sofort geleistet, doch die versprochene Auftragsbestätigung bleibt aus.
Wochenende, vier Arbeitstage später die Nachfrage ob alles in Ordnung sei und kurz darauf die Auftragsbestätigung sowie der Hinweis, das die Ware bereits zur Abholung bereit liegt. Na prima!

Um sicherlich auch Transportkosten zu sparen, aber auch um maximal flexibel zu bleiben wird Selbstabholung vereinbart. Bei Bauteilen von max. 5 Metern Länge muss einmal mehr KNAUSi für einen Bootjob herhalten. Hätte das Teil auch nicht gedacht als es mal angeschafft wurde.

RUNGEN Rostschutz in der heimischen Garage

Nach Anmeldung am Tresen wird vom Verkäufer noch mal kontrolliert ob wirklich alles da ist und schon darf man mit seinem Auto in eine riesige Halle einfahren. Da stehen auch LKW´s herum die gerade be- oder entladen werden. Ein riesiger Portalkran hängt unter der Decke und der Lagerarbeiter bringt damit die an vielen Stellen verstreut herum liegende Bestellung in des KNAUSi´s Nähe.

Einladen muss der Abholer alleine und jetzt versteht er recht spontan, wieso er so viel Geld für das bisschen Stahl ausgegeben hat. Das Zeug ist so was von schwer, das könnte vom spezifischen Gewicht her auch glatt Gold sein? War vermutlich nicht besonders clever, alleine zum Abholen zu fahren?

Das bestellte Material hat laut Lieferschein ein Gesamtgewicht von 290 kg das für 3,16 € das Kilo gekauft werden konnte. Hallo? Das ist doch sagenhaft günstig! Wo bitte sonst gibt es etwas vergleichbar massiv, solides und geradliniges für gut 3 Euro das Kilo? Tolle Sache das!

Bau der zweiten Mitschiffsrunge

Auf der heimischen Auffahrt dann mit dem Nachbarn die Stahlteile in die Garage verfrachtet. Der angehende Stahlbauhilfsabeiter hat sich in den Kopf gesetzt, die unbehandelten Teile ordentlich mit Rostschutzfarbe zu beschichten bevor sie verbaut werden. Selbstverständlich weiß er um den Umstand, das die zu schweißenden Stellen blank sein müssen, doch lässt sich die Farbe an diesen wenigen Stellen ja auch wieder abschleifen. Wolfgang 2 findet die ganze Malaktion später schlicht überflüssig. Logisch, hat er doch schon seit vielen Jahren vor seinen eigenen Hafentrailer auch mal anzumalen 😉

Die ersten beiden Farbschichten mit „ALPINA 3in1 Rostschutzfarbe“ werden ganz famos, die dritte Schicht mit „TOOM 3in1 Rostschutzlack“ recht beschissen. Das Zeug ist flüssig wie Wasser und deckt entsprechend nicht. Schrottfarbe. Schade um die Arbeitszeit.

Beim Schweißen nie in die Flamme gucken. Nie, nie, nie!

Einmal mehr meint der Wettergott es gut mit des STÖRTEBECKER´s neuem Skipper: Trocken, Temperaturen von irgendwas über 5°C und manchmal sogar Sonne sind angesagt, nach dem die Farbe in der Garage getrocknet ist.

Also den ganzen Kram wieder in KNAUSi eingeladen und sich mit Wolfgang 2 im Hafen verabredet.

Es folgen drei Arbeitstage mit in Summe ca. 11 mal 2 Arbeitsstunden, na ja, vielleicht auch nur 11 mal 1,5 Arbeitstunden weil der Hilfsarbeiter sicherlich noch an Produktivität zulegen könnte. Was für eine Freude mit einem ruhigen, besonnenen und erfahrenden RUNGEN Bauer zusammen zu arbeiten! Unter seiner Anleitung läuft die Arbeit fast wie geschnitten Brot, lediglich hier und da auftretender Schweißverzug sorgt für vermeidbare Verzögerungen.

Zur Erklärung:
Die RUNGEN werden beweglich in sogenannte Lager mittels einer sehr dicken Schraube montiert. Aus Stabilitätsgründen will man möglichst wenig Spiel zwischen Lagern und RUNGE haben. Aber ein wenig Spiel muss es doch geben, weil sich sonst die RUNGE nicht in das Lager einsetzten lässt und auch nicht beweglich bleibt. Also eine Gratwanderung zwischen „zu viel“ und „zu wenig“. Insbesondere bei kleinen Teilen verzieht sich dann durch die enorme Hitze beim Schweißen das Material und bleibt nicht exakt in der gewünschten Position.
Aber, mal ehrlich: Man braucht ja auch solche Herausforderungen in Form von kleinen Hindernissen, sonst wäre es ja vielleicht auch schlicht zu einfach?

Nun denn, die beiden Mitschiffsrungen sind etwas komplizierter zu bauen da sie im unteren Drittel einen Knick brauchen um vom schmalen Hafentrailer auf maximale Bootsbreite zu kommen. Die vorderen RUNGEN hingegen können nahezu senkrecht nach oben montiert werden.

Unteres Lager der Backbod Mitschiffsrunge mit Stahlsperre

Mittels so genannter Spannschrauben (Gewindestangen) werden die RUNGEN dann in exakter Position fixiert und halten dadurch das Boot wie in einer Art gigantischer Schraubstock. Wie schön das der gekaufte Hafentrailer ein wenig ausgeschlachtet werden kann und so Spannschrauben und fertige Laschen für deren Befestigung liefert nach dem man diese abgebaut hat. Die Laschen zur Befestigung der Spannschrauben müssen natürlich besonders gut verschweißt werden, trifft hier doch maximale Laste auf minimale Fläche.

Alle vier Lager werden noch mit einer massiven Stahlsperre versehen damit die RUNGEN nicht unkontrolliert zur Seite fallen können, dreht man eine Spannschraube versehentlich voll auf.

Ursprünglich hatte der Hilfs-Stahl-Bauer mal die Idee, auch selbst mal das Schweißgerät bedienen zu wollen. Aber im Rahmen dieses Projektes wäre die ohne Zweifel notwendige Ausbildung sicher fehlplatziert, weil viel zu Zeit- und Risikoaufwendig. Wie schön das noch genügend Reststahl in der Garage liegt! Ein altes Schweißgerät steht da auch noch herum, aber vielleicht wird auch einfach noch ein moderneres angeschafft und dann zusammen gebraten, was sich zusammen braten lässt. Mal sehen was dabei heraus kommt! Denn so viel ist Sicher: Neben der zwingenden Notwendigkeit die RUNGEN zu bauen entwickelte sich bei diesem Projekt auch durchaus so was wie Freude an der Arbeit mit Stahl. Massiv, schwer, grob. Genau des Schreiberlings Welt also!

Bau der vorderen Backbod Runge

Selbstverständlich wird am Abend immer alles aufgeräumt, doch nach Abschluss der Arbeiten wird noch mal gründlich aufgeräumt, die Schweißnähte werden mit Rostschutz (selbstverständlich mit dem letzten Rest der ALPINA Farbe!) behandelt und die Plane ordentlich verzurrt. Muss das Boot samt Trailer und Plane doch nun bis April 2026 endgültig den Winter verschlafen.

Körperlich einmal mehr erschöpft, aber um so glücklicher dieses wichtige Projekt auch noch abgeschlossen zu haben.

Ohne Wolfgang 2 unmöglich. Vielen lieben Dank dafür, Wolfgang 2!

Nun kann also das nächste Bootsprojekt begonnen werden: Das Teakholz von Pinne und Kajüttüren muss generalüberholt werden.

Doch das wird eine ganz andere Geschichte.

Peter.

2 Kommentare

  1. Hallo Peter,
    es ist gut zu sehen, dass das Boot vom Bruno in gute Hände übergegangen ist.
    Viel Freude mit dem Störtebecker.
    Mit seglerischen Gruß aus Travemünde
    Bernd

    1. Lieber Bernd,
      Danke für die guten Wünsche! Ja, wir geben uns Mühe, STÖRTEBECKER ist schlicht und einfach ein tolles Boot das jede Mühe verdient! Viele liebe Grüße nach TRAVEMÜNDE an alle die uns kennen! glg Heidi und Peter.

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