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1979, Turbo-Lader, Corona und Pink Floyd

Anfang der achtziger des vergangenen Jahrhunderts.

Köln.

Als zweiter Spross einer kinderreichen Familie mit wenig Geld jeden Sommer mit der Kinderlandverschickung einer Wohlfahrtsorganisation für drei Wochen irgendwo in Deutschland in die Sommerferien fernab der Familie geschickt. War eigentlich immer gut, glaube ich. Und obwohl die Betreuer durchaus schon Erwachsene waren, waren sie doch junge Erwachsene. Und immer cool, sofern es das Wort schon in meinem Wortschatz gab. Tolle Typen. Locker, aber auch absolut bestimmend, wenn die Horde heranwachsender nahezu unvermeidlich über die Strenge schlug.

Turbo-Lader der Hauptmaschine des STORMVOGELS, eines NANNI N4.85 Vierzylinder-Diesels mit 3 Litern Hubraum

Im letzten erlebten Jahr dieser Kinderlandverschickung, diesmal Plön, immerhin schon im stolzen Alter von 14 Jahren, ergab es sich, das ich noch für eine kurze Zeit nach den Sommerferien Kontakt zu der Betreuergruppe von Plön hatte. Keine Ahnung warum, eigentlich? Zwei von den im Sommer heranwachsende Kinder betreuenden Männern waren in Wirklichkeit echte Autofreaks und machten den Betreuerjob für Ferienkinder wohl nur, weil sie das Geld gut brauchen konnten. Vielleicht nicht nur, vielleicht hatten sie auch ein wenig Freude daran? Auch keine Ahnung.

Ihre echte Leidenschaft hing aber unzweifelhaft am Tuning ihrer Autos, FORD CAPRIs im besonderen. Schon damals, jetzt natürlich erst recht, ein bemerkenswertes Auto. Doch anders als heute bestand das Tuning damals nicht darin mit sauberen Fingern irgendwelche doofen Aufkleber oder Spoiler an einem sowieso schon perfektem Auto anzubringen oder elektronisch irgendwelche Chips zu frisieren, sondern ganz schnöde darin, dem für Normalbürger erschwinglichen Motor eines FORD CAPRI´s ein paar (mehr, viel mehr!) PS mehr zu entlocken. Ganz so wie es zuvor wohl jeder mit seiner Mofa gemacht hatte (Ich sage da nur: Ritzel, Vergaser, Auspuff…).

Im fortschreitenden Alter also vorzugsweise Autos mit einem Turbo-Lader ausrüsten!

Mit meinen zarten 14 Jahren hatte ich natürlich keine Vorstellung davon, was so ein Turbo-Lader eigentlich so sein könnte. Ich wusste nur, das Teil musste einfach cool sein. Absolut. Wenn solch coole Typen so ein Teil cool fanden und das irgendwie mit einigem Aufwand und reichlich schmutzigen Händen in ihre Autos einbauten, musste so ein Turbo-Lader einfach cool sein! (genug des cool…)

Die Werkstatt der beiden befand sich in einem dunklem Hinterhof in der Kölner Südstadt, zu Fuß von der Wohnung meiner Eltern gut erreichbar. Von der Straße aus durch eine enge Toreinfahrt in einen kleinen Hof, umgeben von den fünf- oder sechsstöckigen Wohnhäusern der Nachkriegszeit mit von der Großstadt verschmutzten verputzten grauen Fassaden. Direkt über der kleinen Werkstatt mit Hebebühne, Werkbank und dem obligatorischen Schrauber-Sofa befand sich praktischer Weise eine Wohnung die durch ein ebenso dunkles Treppenhaus erreichbar war. Ab und zu gab es da Bier, laute Musik und viele junge Menschen die so völlig anders waren als meine Eltern, Verwandten oder gar Lehrer. Zigaretten ohne Ende für die, die es mochten. Ich mochte keine.

220 PS durch Turbo-Lader blieben in klarer Erinnerung. Das Wort auch. Initial dauerhaft positiv besetzt. Die wahre Zeit und die wahren Verhältnisse liegen mittlerweile eher im dunklen. Ob ich diesen Turbo-Lader aber überhaupt jemals gesehen habe, weiß ich nicht mehr.

CAP SAN DIEGO, Buenos Aires, Argentinien, 1980

Ein Jahr später war es dann vorbei mit der jährlichen Kinderlandverschickung. Für die Sommerferien heuerte ich in Hamburg auf der CAP SAN DIEGO an, bereiste erstmals Südamerika und entschied mich dafür, Seemann zu werden.
Der Schiffsmotor der heute als seetaugliches Museumsschiff in Hamburg liegenden CAP SAN DIEGO hat in der Tat auch einen Turbo-Lader. Habe ich während meiner Zeit an Bord aber in acht Wochen nicht einmal gesehen. Die dazugehörige Schiffsmaschine übrigens auch nicht. Aber sie war wohl da – jedenfalls hörte man was und der ganze Dampfer vibrierte, wenn der Schiffsmotor lief.

CHRYSLER 300cc, 240 PS, Turbo-Lader

Ungefähr dreißig Jahre später, die Zeit als Seemann schon fast vergessen, zerlegte sich unvermittelt der Turbo-Lader in meinem zu dieser Zeit befahrenen Dienstwagen, einem (Achtung, jetzt kommt es!) coolen CHRYSLER 300cc. Sehr unangenehm: Der Turbo-Lader verlor irgendwo sehr wenig Öl und das tropfte dann munter auf den heißen Abgaskrümmer und verseuchte so den Fahrgastraum mit Öldämpfen. Keine Chance auf Reparatur des Turbo-Laders. Nur auf vorzeitigem Vergiftungstot des Fahrers. Ein neuer Turbo-Lader für 2.000 Euro oder so löste das Problem, ohne das ich das Teil je gesehen hatte.

STORMVOGEL in VIGO (Spanien) während der Motor-Transpalntation: Alter Motor raus, neuer rein…

Fünfundreißig Jahre später, jetzt als in Begleitung zur See fahrender Mann, aber nicht Seemann, lasse ich in unsere Segelyacht STORMVOGEL in aller Eile einen brandneuen Motor mit Turbo-Lader im schönen VIGO (SPANIEN) einbauen. Entgegen dem Rat eines weisen und von mir sehr geachteten Mannes…

Siebenundreißig Jahre später lasse ich eben diesen erst zwei Jahre alten Turbo-Lader in PHUKET (THAILAND) für viel Geld vorsorglich durch einen neuen ersetzten…und packe den alten in eine Aluminiumkiste. Zur späteren Verwendung.

STORMVOGEL vor Anker in Thailand

Erneuter Zeit- und Ortssprung: Elmshorn, März 2021.

Tiefstes aller Corona-Löcher Ever.

Eine paar Milliarden Kleinprojekte bereits erledigt. Unmittelbarer Beschäftigungsleerlauf droht. So was endet schnell in sehr langen und sehr langweiligen Tagen!

Turbo-Lader. Im Vordergrund der Anschluss an den Abgaskanal, hinten links im Bild der Anschluss für den Luftansaugkanal des Motors (rund)

Da steht ja immer noch die Aluminiumkiste mit dem Anlasser und dem jungen Turbo-Lader vom STORMVOGEL  in der Garage. Könnte man ja mal aufmachen, die Kiste zumindest. Und sehen, was man mit dem Inhalt anfangen kann. Ob man überhaupt was damit anfangen kann?

Zunächst ein paar kleine Turbo-Lader Lektionen via YOUTUBE. Nur, damit man ins Thema kommt, natürlich. Obwohl YOUTUBE mit der vielen Werbung langsam wirklich nervt, oder?

So lernt man in Sekunden den Begriff Waste-Gate – was für schönes Wort! Im englischen viel schöner als eine deutsche Müllklappe. Ach, ihr schön klingenden Fremdsprachen, wie ich euch vermisse! Wie ich die Menschen vermisse, die sie sprechen!

Turbo-Lader: Rechts, sehr verrußt und vergammelt das Waste-Gate, ganz rechts der Hebel für das Gestänge zur Druckdose

Nun, das Waste-Gate des STORMVOGEL Turbo-Laders sieht bei Lichte betrachtet doch recht mitgenommen aus. Nach Jahren des vor-sich-hin-gammelns in einer dunklen Aluminiumkiste.

Diagnose: Klarer Fall von Unterlast im damaligen Wirkbetrieb zwischen SPANIEN und THAILAND.

Da predigen doch alle Experten für Bootsmotoren, dass wir Skipper unsere Motoren auch mal eine Zeit lang ordentlich stressen sollten. Mindestens eine Stunde am Tag! Damit die Brüllaffen richtig heiß werden und die ganzen Ablagerungen im Abgaskanal endlich mal wie geplant auch wirklich verbrannt werden. Immer nur Marschumdrehungen (+/- 2.000 U/min) sei absolut tödlich. Dabei lieben unsere Bootsmotoren doch offensichtlich diesen Drehzahlbereich so sehr und schnurren dabei wie die Kätzchen, denkt sich so der im allgemeinen allwissende Skipper.

Nun, die Bilder dieses ersten STORMVOGEL Turbo-Laders sprechen wohl eine eindeutige Sprache?

Erst nach gründlicher Reinigung mit allen Arten von Drahtbürsten und einer mehre Tage andauernden WD40 Kur ließ sich das Waste-Gate wieder bewegen. So ein Turbo-Lader ist ja schon eine tolle Erfindung:

In jedem Verbrennungsmotor wird ein Kraftstoff (also Diesel oder Benzin) verbrannt. Damit überhaupt etwas verbrennen kann, ist bekanntlich Sauerstoff notwendig. Der ist Bestandteil der einfachen Luft, die wir auch so ohne darüber nachzudenken vor uns hin atmen.
Wenn man es schafft, mehr Luft (also auch mehr Sauerstoff) in die Brennkammern (also die Zylinder) zu bekommen, kann man auch munter mehr Kraftstoff explodieren lassen und dadurch bei gleicher Größe der Brennkammern (also dem Hubraum) mehr, sogar viel mehr Leistung (gemessen in PS, KW) aus der Maschine heraus holen.

Bei den Autos war das insofern interessant, als das die KFZ-Steuer nach Hubraum ermittelt wurde, nicht nach der tatsächlichen Leistung.

Daher kam man anfangs auf die Idee, einfach einen Kompressor anstelle der normalen Luftansaugung einzusetzen und dadurch mehr Luft (also Ladeluft) in den Brennraum zu pressen. Das Problem dabei: So ein Kompressor braucht auch wieder Energie. Vorzugsweise aus der Batterie. Wie blöd.

Doch eigentlich gibt es genug ungenutzte Energie im Abgasstrom eines Verbrennungsmotors. Mit einem dicken Lappen um die Hand gewickelt mag man mal versuchen, den Auspuff eines Autos bei laufendem Motor zu zu halten. Das gelingt nicht. Die Abgase wollen mit Wucht in die Umwelt, nach draußen. Ein Teil des allseits diskutierten Klimaproblems.
Also sitzt ein kleines Schaufelrad im Abgaskanal und dreht sich wie wild durch die ohnehin vorhandenen Abgase des Motors. Auf der gleichen Achse wie das Schaufelrad im Abgaskanal sitzt auf der anderen Seite ein weiteres Schaufelrad im Luftansaugkanal und schaufelt durch die Drehung im Abgaskanal so mehr Luft in den Brennraum, als der Verbrennungsmotor ohne dieses Schaufelrad ansaugen würde. 
Je höher die Drehzahl des Motors, desto mehr Abgase, desto höher die Drehzahl des Turbo-Laders, desto mehr Luft (Sauerstoff!) im Brennraum, desto mehr Treibstoff kann verbrannt werden und um so größer wird die Leistung. Einfach grandios!

Doch irgendwann wird es zu viel und der Motor kann die viele Luft so gar nicht mehr gebrauchen.

Und erst dann schlägt die Stunde des Waste-Gates:
Entsteht zu viel Ladedruck, wird das Waste-Gate ein Stück geöffnet, der Abgasstrom entweicht und der Turbo-Lader dreht langsamer. Sehr schön, weil so gewollt. Weniger schön ist, das im unteren Drehzahlbereich der Turbo-Lader eigentlich zu wenig Luft ran schafft. Daher gibt es immer noch Motoren, die mit Kompressoren betrieben werden um auch im unteren Drehzahlbereich ordentlich Wums zu erzeugen. Aber nicht so der Motor an Bord des STORMVOGELS.

Turbo-Lader: Gereinigt und gangbar gemacht: Links das Waste-Gate

Wenn man jetzt noch verinnerlicht, das die Abgastemperaturen in denen das eine Schaufelrad dreht bei um und bei 1.000 °C liegen, wird wohl ein jeder einem Turbo-Lader ordentlich Respekt zollen müssen. Ganz pfiffige sind dann noch darauf gekommen, das kalte Luft ein geringes Volumen hat. Wenn man also noch einen Ladeluftkühler einbaut, bekommt man bei gleichem Volumen noch mehr Sauerstoff in die Brennkammer und somit noch mehr Leistung. Tolle Wurst. Und jetzt bauen sie langweilige elektrische Motoren in die Autos ein, ganz ohne Turbo-Lader, Ladeluftkühler oder Explosionen. Wie traurig.

Nun, die Instandsetzung des ersten STORMVOGEL Turbo-Laders ist mittlerweile abgeschlossen. Schön in WD40 eingelegt und in einen großen Baumwolllappen hat er seinen Platz in der Aluminiumkiste wieder eingenommen und wird frohen Mutes als jederzeit einsatzbereites Ersatzteil wieder an Bord gehen, sollte es noch mal auf Große Fahrt gehen.

Turbo-Lader: Der Lack ist zwar ab, aber als Ersatzteil nach Reinigung und gangbar machen bestimmt noch gut als Ersatzteil zu gebrauchen. Unten links die Druckdose mit dem Überdruckschlauch (ganz links) aus dem Ladeluftkanal

In der Überschrift zu diesem Beitrag kommt das in diesen Monaten unvermeidliche “C” Wort vor. Wieso denn bloß? Das ist einfach zu erklären: Diesen Beitrag gäbe es ohne Corona gar nicht! So einfach ist das. Der Turbo-Lader hätte weiterhin in seiner Alukiste in der Garage vor sich hin vegetiert, wir wären längst wieder auf Reisen und die kleine Geschichte aus Köln wäre nie aus der Erinnerungskiste im Kopf gekrochen.

Mit Sicherheit lief damals in Köln in der Wohnung über der Werkstatt im dort befindlichen TECHNICS High-End Tapedeck ein Band von PINK FLOYD. Mit Sicherheit Laut. Mit absoluter Sicherheit sehr laut.

So wie hier und jetzt.

PINK FLOYD gibt es zwar nicht mehr, weil das Ego von (älteren?) Männern leider viel zu oft wirklich gute Dinge zerstört, aber das derzeit letzte für die Nachwelt erhaltene Konzert von DAVID GILMOUR in POMPEJI 2017 kommt der Sache doch schon recht nahe.

Was für ein Glück.

Peter.

P.S.: Das in zwei aufeinander folgenden Beiträgen am Ende von Glück die Rede ist, liegt daran, das sie ursprünglich am gleichen Tag entstanden. Der eine war kurz und einfach, dieser hier hat dann halt länger gedauert…

Mars 2020

Und kannst Du nicht vollständig in die Ferne schweifen, so lasse wenigstens einen Teil von Dir neue Welten entdecken!

Doch welcher Teil eines Menschen ist entbehrlich?

Was ist alles ein Teil eines Menschen?

Nun, mein Name ist unzweifelhaft ein Teil von mir.

Den eigenen Namen auf Reisen zu schicken ist sicher einfacher los zu lösenden als eine Hand, Arm, Bein oder gar Kopf.

Sicher leichter in einem Reisegefährt, gleich welcher Art, zu verstauen.

Sicher mit viel Schall und Rauch, wie alle Namen.

Die Weltbevölkerung wird auf 7.800.000.000 Menschen geschätzt. Also gibt es wohl 7,8 Milliarden Namen. Denke, jeder Mensch wird einen Namen haben? Sicher wird es Menschen geben, die ihren Namen mit anderen teilen müssen. Weil die Eltern bei der Namensgebung nicht nachgedacht haben. Weil die Ahnen gleiche Berufe hatten. Weil es echt schwer ist, unter 7,8 Milliarden Namen einen einmaligen Namen zu haben.

Soweit ich weiß, gibt es nur einen Peter Wiedekamm. In Dänemark, bei den Ahnen meiner Frau Heidi gibt es wohl einen Per Wiedekamm. Aber Per ist nicht Peter. Fehlen ja mindestens zwei Buchstaben. Schon schwieriger ist es mit Heidi. Da gibt es schon mal zwei. Die eine ist meine lebenslange Begleiterin, die andere, ebenfalls in Dänemark ist jünger. Aber was zählt schon das Alter?

Nun, bleiben wir bei reisenden.

Bleiben wir bei reisenden Namen.

Bleiben wir bei meinem reisenden Namen!

Quelle: NASA – Microchips mit allen Namen (die drei Quadrate zwischen den beiden Schrauben)

Eingepfercht auf drei kleinen Microchips, zusammen mit 10.932.295 (-1) anderen Namen. Fast 11 Millionen andere Menschen. Ob ich davon einige kenne? 113.630 (-1) kommen oder wohnen aus/in Deutschland. Jetzt haben unser aller Namen 415.678.951 Kilometer seit unserem Start von der Erde zurück gelegt. Insgesamt müssen alle 11 Millionen Namen 480 Millionen Kilometer bis zum Ziel zurück legen. Das ist insofern interessant, als das der Mars eigentlich “nur” zwischen 55 und 70 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Doch so ein einfaches Raumschiff kann nicht einfach so gerade aus fliegen. Na toll: Da steht nix im Weg und trotzem muss man Umwege fliegen! Das wird hier von der ESA in einem alten Beitrag für eine andere Mission ganz gut erklärt. Da unsere Namen mit derzeit über 80.000 Kilometer pro Stunde fliegen, sind wir bald da.

Quelle: NASA – Kein Segelboot, kein Wohnmobil. Diesmal per Marsrover Perseverance (zu deutsch: Beharrlichkeit)

Wenn alles klar geht, landen wir am 18. Februar 2021.

Auf dem Mars!

Die NASA hat mir gestern freundlicher Weise meinen Mars Bording Pass geschickt. Muss ja alles seine Ordnung haben. Was für ein Chaos, wenn ohne Mars Bording Pass 11 Millionen Menschennamen auf dem Mars landen wollten?

Quelle: NASA – Mein MARS 2020 BordingPass



Also mache ich mich mal bereit und stelle schon mal eine Flasche kalt.

Wie aufregend!

Peter.

P.S.:
Schon klar. Das Titelbild ist ein Fake. Nix Mars. Blutmond von Deutschland aus am 27. Juli 2018 um 22:57 fotografiert. Hübsch rot…

P.S.2:
Die nächste Reise zum Mars wird schon vorbereitet. Wer will, kann hier seinen Namen mitfliegen lassen!

Tag 52&53: Lyr

Die Insel Lyr (oder Lyrön) befindet sich gut 20 Seemeilen südlich von uns. Wie schon fast üblich packen wir die Segel gar nicht erst aus, sondern laufen unter Maschine im Schärenfahrwasser vorbei an Felsen, passieren offene Seebereiche und kleine Orte.

Wie wir später auf einer Hinweistafel lernen, liegt Lyr inmitten des Naturschutzgebietes Stigfjorden. Doch die meisten Uferzonen sind vom Naturschutzgebiet ausgenommen. Jetzt kurven wir schon ein paar Tage durch die Felsen und gewöhnen uns an deren Anblick, doch als wir das Nord-Süd laufende Hauptfahrwasser verlassen und nach Osten in den Stigfjord einlaufen, wirken die Felsen noch viel mehr nach Mond. Einige auch nach Mars, denn sie sind rötlich. Viel weniger Bootsverkehr hier.

Dank Seekarte und Plotter die Ankerbucht auf Anhieb gefunden, zwei Eingeborene liegen an Mooringbojen. Wir erkunden in einer kurzen Schleife zunächst die Wassertiefen und ankern dann auf 5 Meter Wasser (58° 04,2’N 11° 32,1′ E) ganz komfortabel zwischen den Felsen. Optisch ist die Bucht nach Osten ganz gut offen, was vielleicht schlecht bei Oststurm wäre. Doch wir haben seit Tagen schönes Wetter mit wenig Wind und auch die Vorhersage sieht perfekt aus.

Die Überragende Nachricht des Tages: Die Gegend ist völlig frei von Quallen. Die Badesaison ist eröffnet!

Ebenso wichtig: Vor Abreise aus Fiskebäckskil waren wir Morgens noch kurz in einem “Tempo” einkaufen. Spaßig, diese Namensspielchen. Einem Ankerleben in Saus & Braus steht nichts mehr im Wege!

Der Gast an Bord kommt mit dem Außenborder vom Dingi nicht so richtig klar und paddelt lieber. Auch OK, spart schließlich Benzin und schon die Umwelt. Irgendwo muss man ja anfangen. Während die einen schwimmen, die anderen scouten, wo man wohl ein kleines Campfire anzünden könnte, ist der Skipper schwer mit Büroarbeit beschäftigt. Also früher, da lag man irgendwo auf Anker, hatte kein Handy (oder später wenigstens keinen Handyempfang) und war schlicht unerreichbar.

Doch 2020 ist das anders.

Wirklich kein Schnack:
In Dänemark und Schweden haben wir zu jeder Zeit, an jedem Ort vollen 4G Empfang. Seit der EU Roomingverordnung kaufen wir keine lokalen SIM Karten mehr, sondern reisen mit ALDITALK (also EPLUS) und als Rückfallposition mit PENNY MOBIL (also TELEKOM). Doch die braucht man wirklich nicht, denn die EPLUS Roomingpartner sind in beiden Ländern exzellent.
Also keine Ausreden und übernommene Verpflichtungen werden klaglos erfüllt. Auch vom Skipper.

Nun, zurück nach Lyr.

Der Gast verkündet, wann er abreisen möchte (Genug ist Genug!) und der Skipper rechnet und plant. Auch noch Reisebüro! Doch am Ende ist es auch die Mannschaft, die mal genauer wissen möchte, wann & wie wir wieder zurück nach Hause kommen. Wichtige Termine warten. Oder besser: Wir warten seit Monaten auf Termine, die wir auf keinen Fall verschieben wollen. Klar, es geht um Arzttermine. Routine, Routine.

Am Tage streifen wir über die Insel und sind erstaunt, wie erschlossen sie ist. Vom Wasser aus sah´ sie nahezu unbewohnt aus, doch wir finden eine Straße die zu einer mittelgroßen Fähre führt. Daran ab und zu einen Bauernhof und, natürlich, Ferienhäuser. Aber nur wenige Menschen sehen wir. Dabei sind doch in Schweden noch Sommerferien.

Die Fähre ist drahtgebunden und fährt auch bei Bedarf. Dazu muss man nur klingeln 😉

Es ist heiß, an der Fähre gibt es leider kein Bier und zurück sind es bestimmt drei Kilometer. Dann trotten wir mal los…gehen schwimmen, tanken frische Kräfte auf dem Kühlschrank und bereiten uns auf den Abend vor: Grillen & Lagerfeuer auf der kleinen Insel Bockholmama an der Ostseite des Fahrwassers. Während ANICO ein HighSpeed Dingi sein Eigen nennt, tuckern wir mit unserer Schnecke schon mal los. Der Skipper fragt sich, ob denn auch Dingis tiefgangbehindert sein können. Drei Personen, Grillzeug, Drinks und vor allem jede Menge Wasser im Boot. Das läuft ja auch nicht raus, wenn das Schlauchboot so tief im Wasser liegt. Nun, der Strand ist nahe und dort werden wir das Wasser garantiert los.

Irgend jemand hat eine Feuerstelle eingerichtet, ein Messer und, man glaubt es kaum, eine Spiritusflasche zurück gelassen. Wir sammeln Treibholz und drapieren unsere karge Beute in der Feuerstelle. Feuer = Wichtig. Mücken mögen kein Feuer. Oder wenigstens keinen Qualm.

Unser mobiler Grill muss erst mal jede Menge Gemüse über sich ergehen lassen. Vegetarier bestehen auf fleischfreie Zubereitung. Wenn wir auch noch einen Veganer dabei hätten, würde es wirklich schwierig! Erst als die Gemüseberge alle sind kommt das auf den Grill, weswegen Grills überhaupt erfunden wurden: Totes Tier. Jede Menge totes Tier.

Das Feuer entzündet, jetzt doch etwas unsicher, ob wir innerhalb oder außerhalb des Naturschutzgebietes sind. Später stellt sich heraus: Ganz klar außerhalb der Sperrzone. Alles richtig gemacht.

Mit dem letzten Tageslicht zurück zum Boot.

Was für ein besonderer Abend! Sehr schön und irgendwie so eine Art krönender Abschluss.

Morgen den Gast zum Bus in Marstrand bringen, dann weiter nach Vrängö, Anholt und Samsö, durch den kleinen Belt in die Kieler Förde.

Das ist der Plan…

das ist der RÜCKREISEplan.

Schauen wir mal, was das Wetter dazu sagt.

Peter.

Tag 51, Fiskebäckski

Jetzt wird es romanisch, äh, ramontisch, ach nee, romatisch!

Nach Fiskebäckski gehen wir nur, weil wir dort die Mannschaft von ANICO treffen wollen. Die beiden haben wir auf der großen Reise 2013 auf der Pazifikinsel NIUE kennen gelernt. ANICO ist mittlerweile eine andere, die beiden erkennen wir aber bestimmt wieder. Schließlich haben wir uns seit dem ab und zu mal an Land getroffen.

Fiskebäckski liegt etwas nördlich der großen Insel Orust auf der Insel Skaftö am Ende eines tief in Nord-Süd Richtung einschneidenden Fjords. Der Skipper der ANICO kennt den Ort von früher (15 Jahre?) und möchte mal erkunden, wie es da wohl jetzt aussieht.

Für uns, die wir Fiskebäckski zum ersten mal besuchen, wirkt der Ort wie jeder andere Ort am Wasser in Schweden auch: Rote Bootshäuser säumen das Ufer, an jeder freien Stelle steht auf den Felsen ein Haus mit Blick auf das Wasser. Je neuer die Häuser, um so gewöhnlicher.

Wiedersehen feiern in Coronazeiten und vor lauter Gerede fast vergessen, den Ort wenigstens einmal kurz zu Fuß zu durchstreifen. Das wäre, wie sich wenig später heraus stellt, schade gewesen. Denn auf dem höchsten Felsen der Insel steht eine alte schwarze Windmühle. Von dort aus hat man einen grandiosen Blick nach Westen.

Blick nach Westen…
… Abend…
…Freunde…
…Sonnenuntergang!

Ich sag doch, jetzt wird es ramontisch!

Nun, weil die Marina auch nicht gerade billig ist und uns außer Geld verplempern auch sonst kein Grund einfällt, hier länger bleiben, beschließen wir später am Abend, die Sonne ist da schon längst ins Wasser gefallen, mit beiden Booten am nächsten Tag eine neue Ankerbucht weiter im Süden auszuprobieren. Somit wird dieser Ort, ganz spontan, der nördliche Wendepunkt unserer diesjährigen Sommerreise.

Keine 100 Kilometer von Norwegen entfernt.

Peter.

Zur Lage XXXVIV

Seit mehr als 24 Tagen unterwegs und noch kein Lagebericht?

Kann doch nicht sein. Es ist doch ein Boot! Auf einem Boot passiert immer was! Auf einem Boot geht immer (jedenfalls, wenn es in Fahrt ist) was kaputt!

Aha. Wenn das so ist und jetzt ein Lagebericht kommt, dann ist wohl was kaputt!

Na ja, so platt kann man das nicht sagen. Wie immer muss eine jede Wahrheit differenziert dargestellt werden. Und selbst dann kann man ja mittlerweile bezweifeln, ob eine Darstellung der Wahrheit überhaupt der einen, unzweifelhaft richtigen Wahrheit entsprechen kann.

Wahr oder Falsch?

Schon länger, eigentlich schon seit den ersten Seetagen beobachten wir eine kleine, eine sehr kleine Menge von Seewasser in der Maschinenraumbilge. Vielleicht 100 oder 200 Milliliter. Immer fein aufgewischt, immer fein beobachtet. Keine Ursache erkannt, aber gedanklich über die Tage immer mehr auf eine kleine Leckage im Seewasserkreislauf der Maschine eingeschossen. Die Indizien:

  • Im Hafen kein Wasser
  • Wasser immer nach Maschineneinsatz
  • Mehr Meerwasser, wenn die Maschine mehr Last hatte

Da wir ja nun auf unseren dritten Reiseabschnitt gen Norden ins Kattegatt wollten, kamen Skipper und Mannschaft in Rödvig überein, endlich die genaue Ursache finden zu wollen. Schließlich kann aus einem kleinen Leck immer auch ein größeres werden. Man stelle sich einen seewasserführenden Gummischlauch vor, der an der Schlauchschelle altersbedingt eingerissen ist und im Moment nur leicht tropft…bis der Riss sich unter Last auf einmal weiter öffnet und das Seewasser nicht mehr zirkulieren kann. Zwei Probleme würden folgen: Die Maschine würde überhitzten und wir hätten unkontrollierten Wassereinbuch im Maschinenraum.

Nix gut. Unbedingt vermeiden!

Einmal mehr die Maschine inspiziert. Diesmal als einzigen Tagesordnungspunkt. Mit dem großen Schminkspiegel und Taschenlampe alle seewasserführenden Schläuche in aller Ruhe angesehen. Mit der Hand alle Schlauchschellen ertastet. Letzteres unter Aufgabe einer unversehrten Haut an Hand und Unterarm, denn die Schläuche liegen zwar alle gebündelt an der Backbordseite, doch sämtlich unter dem Wärmetauscher und somit schwer zugänglich.

Nichts, gar nichts. Keine Laufspur, kein getrocknetes Salz, keine Spur.

Maschine an, im Leerlauf auf 2.000 Umdrehungen 30 Minuten laufen lassen. Die Nummer mit dem Schminkspiegel wird nun schwieriger, muss man doch höllisch aufpassen, damit nicht in den rotierenden Keilriemen zu geraten.

Nichts, gar nichts.

Kann ja wohl nicht sein!

Maschine aus. So kommen wir nicht weiter. Kontroverse Diskussion zwischen Mannschaft und Skipper. Externe Hilfe während einer Reise war bisher in der Regel nie so richtig erfolgreich. Doch der Skipper, ganz der erfahrene Projektmanager, besteht darauf.

Zuvor aber noch selbst das Schnüffelventil des Schwanenhalses überprüfen. Vielleicht ist da ja was nicht in Ordnung? Auch (mal wieder) nicht so leicht erreichbar, aber der Skipper bekommt es ab, inspiziert das winzige Jokerventil, findet aber bis auf ganz wenig Ablagerungen nichts. Zusammenbauen. Das war also auch wieder nichts.

Also externe Hilfe suchen.

In Rödvig gibt es eine relativ große Werft, nach kurzem herum fragen findet der Skipper den Motorenmann und der kommt, zum Erstaunen des fragenden, sofort mit an Bord des Stormvogels. Der Herr mittleren Alters spricht leider weder Englisch noch Deutsch, wir (bekanntlich) kein Dänisch. Und so untersucht der die Maschine, versucht den Kühlkreislauf nachzuvollziehen und findet – nichts.
Der Skipper möge bitte die Maschine starten. Gute Idee. Nach ein paar Minuten kommt er strahlend aus der Achterkajüte wieder heraus und meint, Maschine aus, er habe das Leck gefunden!

Klasse! Super, Astrein!

Wo, wo bloß?

Er zeigt mir den Schwanenhals und die Schraubverbindung des Schnüffelventils. Alles nass.

Der Skipper schweigt stille. Deprimiert über diese eigene grandiose (nicht)Leistung. Was für eine Niederlage, was für eine Schmach.

Der Mechaniker schraubt das Schnüffelventil richtig zusammen und ist zufrieden über seine Leistung. Der Skipper signalisiert gespielte Zufriedenheit und ist froh´, als der Mechaniker unter Einstreichung eines angemessenen Lohnes für eine Stunde Arbeit das Boot verlässt.
Das Sprachproblem, der Habitus des Mechanikers und der selbst gebaute Fehler lassen den Skipper erkennen, das er so nicht weiter kommen wird.

Die Fakten:

  • Die Maschine sieht trocken aus
  • Eine Ursache für das Seewasser in der Bilge ist nicht erkennbar
  • Es ist so wenig Wasser, das man daraus wohl kein Drama machen sollte

Die Entscheidung liegt auf der Hand: Weiter fahren und vor allem weiter beobachten!

Die Reise von Rödvig nach Helingör ist rauer, im letzten Drittel sogar viel rauer als gedacht. Die Maschine brauchen wir nur zum Aus- und Einlaufen, in der schrecklichen Enge des Yachthafens von Helsingör und dem vielen Wind muss die Maschine bei den Wenden in den engen Boxengassen öfters mal auf eine hohe, sehr hohe Drehzahl.

Als wir am nächsten Tag die Bilge untersuchen, sind wir beide frustriert. 8-10 Liter holen wir heraus. Das ist viel. Das ist richtiger Mist!

Die Maschine wieder mit dem Spiegel abgesucht, wieder keine Spur.

Da hilft alles nichts. Spätestens jetzt ist Telefonjoker Wolfgang gefragt. In einem langen Telefongespräch wird die Situation erörtert, Prüf- und Testverfahren besprochen und vor allem die Wichtigkeit der Ursachenfindung fest gestellt.

Entsprechend motiviert geht es wieder in die Motorbilge.

Doch was ist das?
Fragt die Mannschaft.

Ja, was ist denn das?
Wieso steht denn da vorne schon wieder eine kleine Mini-Pfütze?

Wir hatten die Bilge doch gestern trocken gelegt?
Da kann so eine Minipfütze ja nicht einfach vom Himmel fallen?
Schon gar nicht vor der Maschine!
Wenn, dann unter oder (weil der Stormvogel achterlich getrimmt ist) hinter der Maschine. Aber doch nicht davor?

Und nun sind wir wieder bei der Wahr oder Falsch Frage.

Was ist die Wahrheit, was ist Irrglaube, was ist Fehleinschätzung? Was ist eine Verdrehung von (vermeintlichen) Tatsachen?

Ab wann verrennt man (im speziellen der Skipper) sich in eine Idee?

Die Mannschaft will wissen, wieso das Wasser vor der Maschine steht. Der Skipper gibt an, das es da vorne eine von oben nicht sichtbare Verbindung zur Wassermacherbilge gebe, aber der Wassermacher könne es nicht sein, da dessen Seeventil seit Reisebeginn geschlossen sei.

Dennoch:
Wassermacherbilge aufmachen und mit der Taschenlampe in Ruhe genauestens inspizieren. Alle Schläuche sehen gut aus, da tropft nix. Das Boot wird im Hafen von Helsingör durch den Wind ganz gut durchgeschüttelt. Da, die Mannschaft bemerkt es schon wieder zu erst: Eine ganz kleine, eine ganz zarte Laufspur auf der Bordwand! Eher eine Reihe von Tropfen als ein Bächlein.

Trotz intensiver Suche: Die Quelle ist nicht zu identifizieren. Vermutlich irgendwo unterhalb des aus Holz gebauten Fundaments des Wassermachers. Im Skipper baut sich ein innerer Widerstand auf: Das Teil will (muss?) ja wohl nicht ausgebaut werden?

Anruf bei Telefonjoker Wolfgang: Erleichterung, das endliche eine heiße Spur gefunden wurde und das die Maschine wohl gar nicht die Ursache ist. Und die klare Ansage: Kann ja wohl kein Problem sein, den Wassermacher auszubauen, oder?

Na ja, irgendwie ist der ja auch da rein gekommen und irgendwie werden wir wohl an die Montageschrauben kommen und irgendwie bekommen wir auch die umfangreiche Elektrik abgeklemmt. Der innere Widerstand bröckelt, die Mannschaft ist hoch motiviert. Das steckt an!

Mittlerweile sind wir seit gut 8 Stunden auf Fehlersuche. Gegen 15:00 Uhr legen wir los, gegen 16:30 Uhr ist das Monster draußen und das Fundament demontiert. Nun haben wir einen klaren Blick auf die Quelle der Tropfenspur und stellen erleichtert fest: Kein Leck der Bordwand, kein verdeckter Schlauch defekt, keinde diffundierende Schweißnaht. Das Wasser kommt innerhalb eines Spantabschnitts von oben. Von oben, von oben!

Da ist ein Borddurchlass. Genau einer. Gerade so über der Wasserlinie. Das Teil ist der Auslass des Wassermachers. Da kommt die Salzlake heraus, die der Wassermacher im Betrieb übrig lässt, nachdem er das Frischwasser über eine andere Leitung abgeführt hat.
Der Wassermacher wurde 2012 in der Karibik eingebaut. Das Loch für den Auslass wurde dort gebohrt und der Auslass ordentlich verschraubt und verklebt. Wir können das Teil nicht richtig sehen und nur ertasten. Keine Spur von Wasser oder Salz. Nichts wackelig. Angeschlossener Schlauch OK.

Ist dieser Borddurchlass wirklich die Ursache für das Seewasser in der Motorbilge?

Die Fakten:

  • Auf der Reise von Stralsund nach Rödvig lagen wir kaum auf der Backe, bei dem wenigen Wind eher aufrecht gesegelt
  • Auf der Reise von Rödvig nach Helsingör lagen wir ordentlich, in den Böen auch sehr ordentlich auf der Backe. Die ganze Zeit. Der Borddurchlass war vermutlich über eine Zeit von 8 Stunden gut einen Meter unter Wasser.

Könnte sein, könnte sein!

Der Dampfer sieht innen aus wie eine Kombination aus Lager und Werkstatt. Mittlerweile ist es nach 18:00 Uhr.

Mit einer Armverlängerung stopfen wir ordentlich viel Löschpapier (in Form von Küchenrollenpapier) in die Umgebung des Borddurchlasses. Wir räumen den Dampfer wieder ein und achten dabei darauf, das wir den Borddurchlass einfacher auch während der Fahrt erreichen können.

Über 12 Stunden Arbeit. Zu zweit. Also eher 24 Stunden.

Doch wir werden belohnt. Zwei Tage später. Auf der Reise von Helingör nach Anholt geht es zwar nicht ganz so doll zur Sache, wie auf der Reise zuvor, doch wir liegen wieder gut auf der Steuerbordbacke und unmittelbar nach dem Festmachen auf Anholt stellt der Skipper fast schon freudig fest: Das Löschpapier ist klitsche Nass!

Nun, die Ursache für das Seewasser in der Maschinenraumbilge ist eindeutig gefunden.

Man muss trotz allem auch das positive sehen. Nur so kommt man weiter.

Bereits in Helingör, also vor der Beweisführung, wurden mit Wolfgang Möglichkeiten einer möglichen Notreparatur erörtert. Denn natürlich ist es zu vermeiden, das Boot vor dem Winterlaqger auf der Durchreise aus dem Wasser holen zu müssen.

Die Lösung in Kurzform: Skikkaflex und Klebefolie.

Wäre da nur nicht das aktuelle Schmuddelwetter auf Anholt. Doch es nützt ja nichts.

Dingi aufbauen, ins Wasser längsseits an der Baustelle fixieren. Reinigungsmittel, Sikka, Spachtel, Schere, Klebefolie und Einmalhandschuhe bereit legen und los geht es. Wir haben Glück, das der starke Wind das Boot nach Backbord krängt und so die Unterkante des Borddurchlass ca. 5 Zentimeter oberhalb der Wasseroberfläche liegt. Wellenschlag durch das Dingi ist zu vermeiden.

Die Außenseite des Borddurchlasses ist schnell gereinigt, dick mit Sikka eingestrichen und kurz vor dem einsetzenden Nieselregen gelingt es auch noch, die Baustelle großflächig mit der Klebefolie abzukleben.

Das war Teil 1. Außen.

Innen folgt Teil 2. Mittels Finger der Mannschaft und Spachtel wird über eine halbe Tube Sikkaflex um den Borddurchlass geschmiert – viel besser geht es nicht und es geht hier ja auch nicht um Schönheit, sondern um Dichtigkeit. Und nur darum.
Eine ähnliche Aktion hatten wir ja mal 2012 auf dem Atlantik: Da war ein Borddurchlass eines Tankverschlusses an Deck undicht. Von außen konnte man damals nicht arbeiten, aber von innen haben wir den Durchlass so eingekleistert, das es für den Rest der ganzen Reise dicht blieb (…und erst beim Refit 2016/2017 ordentlich behoben wurde).

Mit dem guten Gefühl, etwas verbessert zu haben machen wir uns einen Tag später auf nach Läsö, wieder mit ordentlich Wind und Steuerbord Lage. Nach Ankunft ist das eingebrachte Löschpapier trocken, die Bilgen auch. Allerdings ist die in Anholt noch bombenfest sitzende Klebefolie verschwunden. Der Sikkapfropf sitzt aber noch.

Also haben wir erst mal zunächst das Problem gelöst. Mit telefonischer Hilfe von Wolfgang. Aber mit ohne Mechaniker, die auf durchreisenden Booten keine Lust haben.

Könnte sein, das wir vor diesjährigem Reiseende da noch mal ran müssen. Kann aber auch sein, das dieser Flicken noch vier bis sechs Wochen hält.

Jetzt wissen wir ja, wo wir suchen müssen.

Peter.

P.S.: Es gibt noch weitere kleine Bootjobs. Mal sehen, ob sich daraus ein weiterer Lagebericht ergibt 😉

KOOPMANS YACHT zu verkaufen / for sale / te koop

(english version below)
(dutch version below)

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[DEUTSCH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium zu verkaufen!

Es ist vollbracht! Wir haben unser Projekt “Lange Reise” am 30. Juli 2016 nach vier Jahren beendet und sind zurück in der Heimat.

Unsere KOOPMANS Segelyacht mit dem schönen Namen “STORMVOGEL” ist gebaut und ausgerüstet für die großen Weltmeere, für lange Seereisen, für einsame Ankerplätze, für neue Freundschaften und für echte Abenteuer auf See. Dort draußen in dieser Wunderbaren Welt fühlt sich der STORMVOGEL wohl – und die Besatzung auch!

In der Wintersaison 2016/2017 wurde  der STORMVOGEL von einer Werft in der Nähe von HAMBURG optisch (Neulackierung, Teak Ausbesserung) wieder her gerichtet – das lohnt sich bei jeder soliden KOOPMANS Yacht.
Technisch ist der STORMVOGEL in einem guten/sehr guten Zustand – außer normaler Wartung sind in diesem Bereich keine Arbeiten notwendig oder geplant. Seit der Saison 2017 sind wir mit unserer Aluminium Segelyacht auf der Ostsee unterwegs.

Der STORMVOGEL ist das ideale Fahrtenboot für lange Segelreisen. Jeder der auf der Suche nach einem schönen und soliden Boot für den großen Blauwasser-Törn ist, sollte sich mit KOOPMANS Yachten aus Aluminium auseinander setzen und sich natürlich auch unseren STORMVOGEL ansehen!

Wir suchen für den STORMVOGEL einen neuen Eigner, eine neue Eignerin. Mit ähnlichen Träumen, Plänen und Ansprüchen für den großen Segeltörn auf den Weltmeeren, wie wir sie Anfang 2012 hatten.

Die Blauwasser Segelyacht STORMVOGEL wird verkauft.

Jetzt oder später.

Eine detaillierte Bootsbeschreibung in Deutsch befindet sich hier:

Auf unserer neuen Verkaufsseite unter www.koopmans48.de befinden sich weitere Beschreibungen und viel mehr Bilder vom Boot.

Kontaktaufnahme jederzeit über peter(at)wiedekamm.com

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[ENGLISH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium for sale!

We did it! We have finished our project “Long journey” on 30 July 2016 after four years of traveling and are back at home now.

Our KOOPMANS yacht with the beautiful name “STORMVOGEL” is constructed and equipped for the great oceans, for long voyages, for lonely anchorages, for new friends and for real adventure at sea. Out there in this marvelous world of STORMVOGEL feels comfortable – and the crew also!

In the winter season 2016/2017 STORMVOGEL was at a shipyard near HAMBURG to do an optical refit (repainting, repairing teak) – this pays off with every solid KOOPMANS yacht.
Technically the STORMVOGEL is in good / very good condition – except normal maintenance no work is required or planned in this area. Since summer season 2017 we sail this beautiful aluminium sailing yacht at the Baltic Sea.

The STORMVOGEL is the ideal tour boat for long sailing trips. Anyone who is looking for a beautiful and solid boat for the big blue water trip, should look for KOOPMANS aluminum yacht and of course for our STORMVOGEL!

We are looking for a new owner for STORMVOGEL. With similar dreams, plans and requirements for the big cruise at the high seas, as we them had early 2012.

The Blue Water Yacht STORMVOGEL is for sale now.

Now or later.

A detailed boat description is located here:

Additional information could be found at our new sales-website at www.koopmans48.com with more text and much more pictures.

Contacting any time peter (at) wiedekamm.com

 

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[DUTCH]

KOOPMANS YACHT 48 Aluminium te koop!

We hebben het gedaan! We hebben ons project “Lange reis” geëindigd op 30 juli 2016 na vier jaar van reizen en zijn weer thuis nu.

Onze KOOPMANS jacht met de mooie naam “STORMVOGEL” is gebouwd en ingericht voor de grote oceanen, voor lange reizen, voor eenzame ankerplaatsen voor nieuwe vrienden en voor de echte avontuur op zee. Daar in deze prachtige wereld van STORMVOGEL voelt comfortabel – en de bemanning zo!

In het winterseizoen 2016/2017 was STORMVOGEL op een scheepswerf in de buurt van HAMBURG voor een optische aanpassing (verversen, repareren van teak) – dit loont bij elk solide KOOPMANS-jacht.
Technisch is het STORMVOGEL in goede / zeer goede staat – behalve normaal onderhoud is er op dit gebied geen werk vereist of gepland. Sinds het zomerseizoen 2017 varen we met dit prachtige aluminium zeiljacht aan de Oostzee.

De STORMVOGEL is de ideale rondvaartboot voor lange zeiltochten. Iedereen die op zoek is naar een mooi en solide boot voor de grote blauwe water reis, shoulderstand zoek naar KOOPMANS aluminium jacht en natuurlijk voor onze STORMVOGEL!

We zijn op zoek naar een nieuwe eigenaar voor STORMVOGEL. Met gelijkaardige dromen, plannen en vereisten voor de grote cruise op de volle zee, zoals wij ze hadden begin 2012 Design.

The Blue Water Yacht STORMVOGEL is te koop nu.

Nu of later.

Een gedetailleerde beschrijving boot is hier te vinden:

Aanvullende informatie kan worden gevonden op onze nieuwe saleswebsite op www.koopmans48.nl    met meer tekst en nog veel meer foto’s.

Contact opnemen met elk moment peter (at) wiedekamm.com