Archiv der Kategorie: Ostsee 2017

VARBERG – ANHOLT – GRENA – BALLEN – NYBORG – MARSTAL – LABOE

Hier endlich der sechs-Etappen-in-einem Bericht über unsere Heimreise aus dem KATTEGAT mit dem STORMVOGEL:

Zunächst noch ein Nachtrag zu VARBERG:
Die Fähre STENA NAUTICA, von GRENA kommend, legt jeden Abend im Hafenbecken von VARBERG ein beeindruckendes Wendemanöver ohne Fremde (Schlepper-)Hilfe hin.

STENA NAUTICA in VARBERG

Aus der Revierfahrt heraus ein 180° Wendemanöver auf engstem Raum und dann kurz rückwärts an den Liegeplatz. Leider war das Wetter zu grau und ich stand an einer sub-optimaler Position für die richtigen Fotos, aber die hier müssen einfach reichen.

Ganz schön verbeult – von der Ostseewelle?

Nun denn, es geht weiter. Am Mittwoch, den 20. September 2017 gehts 35 Seemeilen rüber nach ANHOLT. Keine echte Überraschung, das laue Lüftchen reicht nicht zum segeln. Mit dem gesetzten Groß zur Stütze laufen wir also SÜD-WEST und überqueren die großen Sandbänke Nördlich von ANHOLT. Das Wasser ist vier bis fünf Meter tief – und glasklar. Wir freuen uns richtig über dieses klare, saubere Wasser. Erstaunlich, hatten wir so noch nicht, in diesem Jahr.

Wenn es jetzt auch noch warm wäre? Das Wasser? So um die 25°C vielleicht? Wie? Geht nicht in der OSTSEE? Ach, wie schade!

Anholt

Der in der Saison oft überfüllte Hafen von ANHOLT – menschenleer. Vielleicht sechs andere Boote sind hier. Uns fällt sofort die neue Hafenanlage auf. Kein Heckanker mehr nötig – Schwimmbojen für die Heckleinen, wie wir aus einem Aushang lernen, mit einer Lanze in den Hafengrund geschossen und bombenfest. Auch die Stege und deren Elektrik sind neu. Also neu für uns, die das letzte Mal vor acht Jahren hier waren. Keine Ahnung, wann umgebaut wurde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Anholt

Ohne große Diskussion beschließen wir, einen Hafentag in dieser Einsamkeit einzulegen. Der Abend klingt mit einem kleinen BBQ am Steg aus, die Manschaft möchte nicht, das der Skipper schon wieder an Bord grillt.

Anholt

Tags darauf geht es mit dem geliehenen Fahrrad gehts zum Kaufmann. Natürlich ist keines der Geschäfte, Kneipen oder Restaurants im Hafen mehr geöffnet und der Kaufmann im Dorf ist gut 4 Kilometer entfernt. Der Fahrradverleih im Hafen ist auch nicht mehr geöffnet – aber der hat einen Aushang: Man habe ein DO-IT-YOUR-SELF System für die Miete und man möge bitte anrufen. Das machen wir gerne, um an die sehr einfachen Fahrräder zu kommen. Fußkranke Segler und so.
Na ja, also das so genannte DO-IT-YOUR-SELF System geht so: Man ruft an, bekommt den Zahlencode für das Zahlenschloss um auf einen Schlag ca. 15 Fahrräder auf zu schließen, sucht sich eines oder zwei aus, schließt die anderen wieder ab und steckt das Geld für die Miete in den Briefkasten. Rent-A-Bike made simple.

Durch den großen Hügel, der fast schon als kleiner Berg durchgeht, bekommt ANHOLT seinen ganz eigenen Charakter und gewinnt an Charme. Wie lieben es, hier mit dem Fahrrad zu fahren. Auch im Dorf ist bis auf den Supermarkt alles geschlossen. Es ist halt spät in der Saison.

Anholt

Hafentag ist auch oft auch mal Waschtag. Jedenfalls wenn wir Waschmaschinen und Trockner finden. Der Waschsalon zu ANHOLT hat geöffnet, die Münzautomaten brauchen ja keine besondere menschliche Aufmerksamkeit. Sollte man meinen. Denn eine Maschine will unsere Wäsche absolut für sich behalten und lässt sich nicht mehr öffnen. Aller Versuche, Wartezeiten und Flüche helfen nichts. Kein Mensch weit und breit. Auf einem Handgeschrieben Zettel an der Tür entdecken wir in extremer Kleinschrift eine Telefonnummer – und rufen an. Der Däne am anderen Ende der Leitung erklärt im gebrochenen Englisch, das könne doch gar nicht sein, wir sollten warten bis sie von alleine aufgehe und er könne sowieso nichts machen, weil er auf dem Festland sei.

Na toll!

Die modernen Industriemaschinen sind rundum geschlossen, keine Schrauben zum öffnen, kein Pumpendeckel, um das Wasser manuell abzulassen. Nur einen Drehknopf und ein Display, das in Dänisch irgendwas von „Fehler“ verkündet. Wir rufen erneut den auf dem Festland befindlichen Waschsalonbetreiber an und drücken vorsichtig so was wie verärgerung aus. Er verspricht, einen befreundeten Fischer gegen 18:00 Uhr vorbei zu schicken. Der könne vielleicht helfen. Das sind noch über zwei Stunden und ob ein Fischer auch Waschmaschinenexperte ist? Mehr aus ärgerlicher Verzweiflung – wir lassen niemanden zurück – auch nicht unsere Wäsche! – drücken wir endlos lange auf den Drehknopf und auf einmal erscheint im Display ein Menü und wir können die Tür öffnen. Oder auch die Menüsprache ändern, oder sonst was einstellen…kein Wunder, das der Festlandmensch uns diesen Trick nicht verraten wollte.
Mit viel Klebeband und einem deutlichen Hinweiszettel nehmen wir die defekte Maschine außer Betrieb, nicht, das andere das gleiche Problem bekommen. 

Anholt

Den Abend verbringen wir auf der Veranda des Hafenbüros im 1. Stock mit einem grandiosen Blick über den Hafen auf die OSTSEE. Ein paar Drinks, Erdnüsse und wir merken schon wieder, wie gut wir es haben. Und das dieses Segeln in der Spätsaison durchaus auch wirklich schöne, sogar sehr schöne Tage mit sich bringt!

Früh´ am nächsten Morgen stehen wir beim Fischladen im Hafen. Der macht nur Morgens kurz auf, wenn die Fischer wieder kommen. Am Vorabend auf der Veranda konnten wir beobachten, wie vier Fischkutter den Hafen verlassen haben. Zwei davon sind schon zurück, die anderen trudeln ein, als wir im Laden stehen. Wir kaufen 2 Kilo Ostsee-Garnelen und drei Schollen. Die Garnelen sind schon kopflos und zwei Kilo sind viel zu viel, aber lecker. Die Schollen sind der Hammer – und die bekommen wir fast geschenkt. Beim Essen dieser Köstlichkeiten denken wir an das glasklare Wasser und an die Boote, die am Vorabend ausgelaufen sind. Scheiß-Job, sicher, aber das Ergebnis ist klasse.

Windpark vor Grena

Für den übernächsten Tag kündigt der Wetterbericht Segelwind an, um nach SÜDEN zu kommen. Wenn man denn schon in GRENA wäre. Also gehen wir am Vormittag erneut unter Maschine bei sehr schwachem Wind weiter nach Westen und durchqueren den Windpark in der Ansteuerung von GRENA. Wir sind noch nie durch einen Windpark gefahren, zu viel Resepkt. Aber jetzt, bei glatter See und unter Maschine natürlich kein Problem. Ansonsten 29 völlig ereignisfreie Seemeilen. Passt zum Ziel GRENA – kein weiteres Wort über diese Relaistation.

Tags darauf geht es im trüben Grau direkt weiter nach SAMSÖ, knapp 40 Seemeilen entfernt. Doch der Wind ist so schwach, das wir nach zwei Stunden den Brüllaffen im Keller anschmeißen. 3 Knoten Fahrt sind für 40 Seemeilen nicht wirklich zielführend. Vielleicht im Hochsommer mit viel Tageslicht. Aber nicht jetzt.

Erstaunlicherweise ist der Hafen von BALLEN auf SAMSÖ recht voll. Ach ja, es ist ja Wochenende! Es sind also doch noch eingeborene Segler unterwegs – und durchaus sportlich, denn nach BALLEN kommt man ja auch nicht einfach mal so zum Kaffee. Wir machen direkt neben einem uralten in Klinkerbauweise gebauten Holzboot fest und wechseln ein paar Worte mit einem Belgier, der genau so aussieht wie sein Boot und erklärt, das er in BALLEN auf dem Boot überwintern werde…na, wenn das mal nicht sehr einsam wird?

Eigentlich wollten wir ja mal einen ganzen Tag auf SAMSÖ verbringen, aber wie so häufig auf unseren Rückreisen. Auf Rückreisen werden wir magisch vom Ziel angezogen! Außerdem macht sich der Skipper Sorgen um das Bugstrahlruder, das seit GRENA merkwürdige Geräusche von sich gibt. Es funktioniert zwar, hört sich aber anders an. Muss überprüft werden.

Behutsam, sehr behutsam und vorsichtig weist die Mannschaft auf eine seit Jahren stehende Verabredung zwischen Skipper und Mannschaft hin:

Alles, was unter Wasser ist, ist des Skippers Job.

Nun ja, die Bugstrahlpropeller sind tatsächlich unter Wasser und allem äußeren Anschein zum Trotz, besitzt der Skipper durchaus so was wie eine Skipper-Ehre. In der Vorahnung von eiskaltem Wasser betäubt sich eben jener Skipper mit alkoholischem Getränk, wohl wissentlich, das man das nicht tun sollte…steigt ins Wasser, bekommt Schnappatmung, schwimmt 14 Meter nach vorne, setzt die Taucherbrille auf, holt Luft, taucht und steckt seine rechte Hand in den Propellertunnel um eventuelle Blockaden oder Hindernisse zu ertasten…und schwups, schneidet er sich drei Fingerkuppen an den scharfkantigen Muscheln auf, flucht, schwimmt die 14 Meter zurück und klettert mit letzter Kraft wieder zurück an Bord.

Dort erwartet ihn die mitfühlende und vorbereitete Mannschaft und überschüttet ihn mit Mengen von warmen Wasser – oh, wie wohlig schön das ist, wenn der Kälteschmerz nach lässt.

So richtig was gefunden hat der Skipper bei seinem Schnelltauchgang nicht, aber eben auch sicher gestellt, das da außer den Muscheln kein Fremdkörper im Tunnel ist.

Sehr früh´ am Morgen des 24.9. machen wir uns auf den Weg durch den großen Belt nach NYBORG. 42 Seemeilen. Anfangs segeln wir mit dem großen WINGAKER, aber der Wind ist für das Leichtwindsegel doch zu stark und wir hängen voll auf der Backe. Also wechseln wir lieber schnell auf die weißen Segel, trimmen diese und schon läuft das Boot wie auf Schienen nach Süden…nur der Gegenstrom von etwas über einen Knoten trübt die Freude. Und der graue, regen verhangene Himmel sowieso.

Großer Belt Brücke

Verdammt viel Schiffsverkehr hier. Die Sicht ist im Zusammenspiel mit dem AIS ausreichend und wir kommen keinem großen Dampfer zu nahe. Als wir in die Nähe der Storebæltsforbindelsen (der Brücke über den Großen Belt) kommen, erscheint blauer Himmel samt Sonne und nimmt uns dafür den schönen Segelwind. Einmal mehr können wir nicht alles auf einmal haben, aber immer einen Anteil an was Gutem.

Weil die Masthöhe des STORMVOGELS 19 Meter ist und die offizielle Brücken-Durchfahrtshöhe der WEST-Passage nur 18 Meter beträgt, fahren wir im Schifffahrtsweg. Hier beträgt die Durchfahrtshöhe 65 Meter und wir müssen dafür einen Umweg von gut 10 Seemeilen dafür in Kauf nehmen. Egal, die Sonne scheint und diese Spätsommer Stimmung auf dem Wasser ist schon einmalig.


Skipper und Mannschaft sind sich sicher, noch nie in NYBORG gewesen zu sein…doch bereits in der Ansteuerung dämmert es dem Skipper, hier schon mal gewesen zu sein. So einen hübsch zurecht gemachten, aber dennoch extrem sterilen Hafen vergisst man nicht. Die Pommes-Bude am Hafen hat noch auf und so lauschen wir bei Curry-Wurst-Pommes und Bier den Übertragungen der heutigen Bundestagswahl im Internetradio. Die Sache ist ja schnell klar und wir trotten zurück an Bord, holen Duschzeug, machen uns nachtfein und schließen früh die Augen.


Die Etappe von NYBORG nach MARSTAL (31 Seemeilen) verspricht sehr angenehm zu werden. Segelwind, gute Landabdeckung zu beiden Seiten und ein Ziel, auf das man sich immer freuen kann. Jedenfalls können wir das. Immer noch.
Das Groß im zweiten Reff und mit der Fock laufen wir prächtig nach SÜDEN und erreichen das enge und flache Fahrwasser der Langelandsbroen (Brücke nach LANGELAND). Dem Skipper wird es nun zu eng, also packen wir an geeigneter Stelle alle Segel weg und motoren im Fahrwasser. Gute Entscheidung, denn kurz vor erreichen der Brücke dreht der Wind komplett und ist auch mal kurz ganz weg.

Aber er kommt wieder und so können wir kurz nach der Brücke das YANKEE setzten und im Fahrwasser die paar Meilen nach MARSTAL laufen…als wir dort ankommen haben wir mal wieder satte 25 Knoten Wind und wir planen den Anleger ganz genau. Nicht, das das Bugstrahlruder bei dem Wind wirklich helfen könnte, auch, wenn es 100% in Ordnung wäre. Nein, bei dem starken OSTWIND muss der Anleger klappen.
Mit viel Fahrt geht der Skipper in die Box, mit großem Geschick und in rasender Geschwindigkeit bekommt die Mannschaft die Luv-Achterleinen auf den Holzpfahl und sogar die Luv-Vorleine am Steg fest, nachdem sie auf eben jenen Steg gesprungen ist und der Skipper voll aufgestoppt hat.

Es ist, so glaube ich, noch nie vorgekommen, das der Skipper für einen Anleger applaudiert. Diesmal tat er es, voller Stolz auf die gemeinsame Leistung. Klar, da war auch Glück dabei, aber ganz klar auch Können. Vielleicht ist das ja auch ein Ergebnis unserer OSTSEE 2017 Touren: An/Ableger unter Starkwind-Bedingungen geübt.

Auf dem Weg ins Dorf und der Suche nach dem Anlegerbier reden wir die ganze Zeit über den sehr gelungenen Anleger, so aufgeregt sind wir noch. Und das, obwohl wir nach den ersten Leinen noch gut 30 Minuten gebraucht haben, um die Leeleinen über zu bringen und das Boot in die richtige Position zu bringen. Unglaublich, dieser völlig ungebremste Winddruck auf den Rumpf. Da hält man gar nichts mehr mit der Hand! Schon gar nicht den STORMVOGEL.

Die Suche nach dem Anlegerbier verläuft erfolglos. Geschlossen, geschlossen und genau, geschlossen. Nur, wie immer, der Supermarkt hat noch auf. Also eine Dose am Wegesrand, nicht besonders ruhmreich.

Der Wetterbericht für die Woche meint, das es täglich schlimmer werden wird. Wind wird zunehmen und auf SÜD drehen, das ist für Kurs LABOE nicht gut. Also gehen wir schon wieder am nächsten Tag weiter. Der Ableger dauert auch fast 30 Minuten, weil wir Hilfsleinen auf Slip legen müssen, um die Knoten überhaupt auf zu bekommen. Aber auch das klappt, wir richten uns wieder auf viel Wind ein – reffen also schon im Hafen und gehen auf Kurs.

Diesmal ist es alleine die Mannschaft, die in einem Anflug von Überheblichkeit auf der 32 Seemeilen langen Reise dummes Zeug anstellt und einen Kohleintopf unter Deck kochen will. Sie war vom Skipper gewarnt. Es wird scheppern, rappeln und klappern. Aber nein, kein Problem, die Mannschaft kocht Kohleintopf!

So durchpflügen wir mit über 7 Knoten Durchschnitts-Geschwindigkeit die Wellen und nach einer guten halben Stunde kommt eine grünlich im Gesicht ausehende Manschaft den Niedergang hoch und klettert ins Cockpit und verkündet: „Ich hätte es fast geschafft – die Suppe ist fast fertig, aber jetzt kann ich nicht mehr!“

Ja ja, drohende Seekrankheit und die Überheblichkeit von Skipper und /oder Crew. Nie eine gute Kombination. Respect The Elements, kann ich da nur sagen.

Wir treffen andere Segler und ich frage mich, wieso man sich auf offener See unter diesen Bedingungen so nahe kommen muss? Obwohl Kurshalter, reffe ich das Yankee etwas aus und gebe Vollgas, um die Situation zu entschärfen. Nähe KIEL LEUCHTRUM herrscht viel Schiffsverkehr und die Sicht könnte besser ein. Voraus gehen Wolkenbrüche über Land nieder und durch die letzte Kursänderung kommt der Wind nun achterlich. Auf einmal schaukeln wir ganz gemütlich nach LABOE, dem letzten OSTSEE-Ziel für dieses Jahr. Ach ja…

15 Minuten nach dem Anleger steht die Kohlsuppe auf dem Tisch – lecker!

Peter.

P.S.:
Tja, das war sie wohl, die Segelsaison OSTSEE 2017. Wir lassen das Boot noch ein paar Tage in LABOE und hoffen, das wir zwischen den ganzen Terminen zu Hause noch mal schönes Wetter haben und ein oder zwei schöne Segeltage ergattern können. Ende Oktober, kurz vor der HANSEBOOT gehen wir dann durch den Kanal ins Winterlager nach GLÜCKSTADT.

P.S.2:
Die Werft in LABOE hat das Bugstrahlruder innenbords überprüft – keine Fehler oder Auffälligkeiten erkennbar. Ein am Steg vorbei kommender Taucher hat unter Wasser noch mal nachgeschaut und auch nichts gefunden…und das Geräusch ist auch weg. Klabautermann, ick hör Dir trabsen…

P.S.3:
Dafür ist die Heizung ausgestiegen…das ist echt großer Mist. Die schöne Heizung! Heizt nicht. Luft im Diesel. Es ist ein Boot. Ein Boot!

GÖTEBURG – VRANGÖ – VARBERG

Wir verlassen MARSTAND durch das innere Schären-Fahrwasser und gehen südlich nach GÖTEBURG. Die Fahrt durch die Schären ist fantastisch und wir wissen es sehr zu schätzten, das der Wettergott zwar sehr wenig Wind, dafür aber jede Menge Sonne zu uns geschickt hat. So laufen wir also am Freitag, den 15. September 2017 mit gemäßigter Geschwindigkeit unter Maschine durch die raue Felsenlandschaft und freuen uns an der Natur.

Auch wenn es trotz Sonne viel zu kühl ist: Die Schärenlandschaft nördlich von GÖTEBURG ist ein echtes Reiseziel. Von zwei NORWEGERN haben wir gelernt, das man innerhalb der Schären bis zum OSLO-Fjord und somit bis nach OSLO kommen kann, wenn man will…könnte ein Plan werden!

Wir gehen wieder in die LILLA BOMMEN Marina im Herzen der Stadt. Der Hafen ist erwartungsgemäß leer, kennt aber keine Off-Season Liegegebühren. 42 € die Nacht ist schon sehr ärgerlich – die einfachen Sanitäranlagen sind OK, aber eben kein Highlight. Das man in der Saison mit hohen Liegegebühren versucht, Dauerlieger fern zu halten und so Platz zu schaffen für Kurzzeitgäste, ist verständlich. Aber wer Mitte September die vollen Hafengebühren verlangt, der will wohl gar keine Gäste.

Wir bleiben zwei Nächte, shoppen ein wenig vom heftigen Regen geschützt in der riesigen NORDSTAN Shopping Mall direkt am Hafen und kaufen dem Skipper neues Ölzeug.

Denn der hat die Schnauze voll von MUSTO, GILL oder sonstigem sogenannten High-Tech Textilien für hunderte von Euro. Er will einfach nur noch Ölzeug der Machart „Ostfriesennerz“, aber eine Spur robuster. Bereits 2016 in PORTUGAL fiel ihm die Marke GRUNDENS auf…Schwedische Marke, die in PORTUGAL produziert wird. Aus unerfindlichen Gründen gab es aber im Herstellungsland nur die „normal-Größen“ in den Läden…
…in GÖTEBORG finden wir beim Kanu-Ausrüster KANOTCENTRUM eine vollständige Größenkollektion und der Skipper kauft sich endlich ein Set „GRUNDENS HERKULES“ – der Name ist Programm! Man muss schon Herkules-Kräfte haben, um das schwere Ölzeug überhaupt tragen zu können. Aber es fühlt sich richtig gut an!

Jetzt bloß keine Kommentare von wegen „Schmoren im eigenen Saft!“.

Erstmals in unserem Leben gehen wir knapp 15 Seemeilen weiter südlich, auf die Insel Vrångö. Der uralte Törnführer spricht von Heckanker, den wollen wir aber auf keinen Fall auspacken und spekulieren in einem leeren Hafen und auf „irgendwo längseits gehen“. Die Fahrt nach VRANGÖ ist noch mal wunderschön. Der Hafen ist Sonntag Nachmittags nur fast leer, aber es gibt Grundgeschirr und so können wir ohne viel Platz zu verschwenden an Heckleine an den Steg gehen. Kurze Zeit später sind wir fast alleine, die Wochenend-Ausflügler aus dem Großraum GÖTEBORG fahren nach Hause.

VRANGÖ ist eine echte Perle und strategisch extrem gut gelesen – auf beiden Kursen: Kommt man von SÜD, kann man hier am Eingang der WEST-Schären gut Station machen, kommt man von NORD, verkürzt die Insel die Etappe nach Süden.


Ganz offensichtlich gibt es auf der Insel so was wie Dauerbewohner, aber die meisten Häuser werden offenbar nur im Sommer genutzt und stehen jetzt, wunderschön zurecht gemacht und komplett eingerichtet, einfach leer. Ein einsamer Rasenmäh-Roboter zieht seine wirren Bahnen, ein anderer hat sich wohl verirrt und hängt leblos an Steinen eines Blumenbeets fest. Wir sehen nur wenige Menschen, meist deutlich jenseits der 60 Jahre. Aber genau diese Menschen gehen todesmutig am Morgen im Meer schwimmen…nur kurz, aber vollständig im (vermutlich) eiskalten Wasser. Hey, das muss man erst mal drauf haben!

Der Sonnenuntergang in den Schären an diesem Abend ist spektakulär. Absolut fantastisch!

Der Wetterbericht diktiert die Weiterfahrt. Für den nächsten Tag ist gar kein Wind angesagt und für den heutigen Dienstag bis zu 20 Knoten aus West, das passt so nicht für den gewünschten Törn nach ANHOLT. Der Schlüssel liegt in der Vorhersage für den Mittwoch: 15 Knoten aus OST – das wäre doch prima! Also verkürzen wir unter Maschine die über 60 Seemeilen von VRANGÖ direkt nach ANHOLT und gehen nach VARBERG, dem bedeutenden Fährhafen an der SCHWEDISCHEN West-Küste. Von hier aus braust STENA in gut vier Stunden nach GREENA, gegenüber in DÄNEMARK.

Am heutigen Tag haben wir die Festung von VARBERG besucht und die erstaunlich große Innenstadt erkundet. Dabei mussten wir fest stellen, das unser altes schwedisches Geld, das seit Jahren zu Hause in der Schublade lag, nicht mehr gültig ist – haben die Eingeborenen doch glatt zum 1. Oktober 2015 neues Geld eingeführt und die alten Scheine und Münzen zum 30. Juni 2017 für ungültig erklärt? Wer kommt denn auf so was?
Na ja, mit etwas Lauferei bekommen wir heraus, das man in der ortsansässigen Wechselstube die alten Scheine gegen EURO tauschen kann…

Und wie das mit dem Wetter so ist – der angesagte OST-Wind wird zurück genommen und nun rechnen wir nur noch mit leichtem, kaum segelbaren Wind. Muss Morgen wohl die Unterwasser-Genua mal wieder ran. Schauen wir mal!

Der OSTSEE 2017:

1) VIEL oder KEIN Wind.
2) Und jede Menge Wasser. Von OBEN!

Peter.

AALBORG – ASAA – LASÖ – MARSTRAND

Nach einer Woche Heimaturlaub wieder zurück nach AALBORG.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir gar nicht, was „Arbeit“, „Urlaub“, „Heimaturlaub“ oder „Bordzeit“ ist. Ganz schön verwirrend mit den beiden Wohnsitzen, von denen einer auch noch andauernd seine Örtlichkeit wechselt.

Aalborg – Aquavit Hersteller

Die Anreise nach AALBORG mit Bahn und Taxi dauert lang, ist aber völlig stressfrei und somit OK. Der STORMVOGEL hat die Einsamkeit mal wieder gut überstanden, ist schnell wieder her gerichtet und selbst einen kurzen Einkauf im Supermarkt bekommen wir noch am gleichen Tage erledigt. Dann kann es also los gehen – wohin auch immer!

Tolle Seger – mehr unten in der Galarie!

Na ja, erst mal müssen wir aus dem LIMFJPRD raus. Uns begegnen unzählige Gaffelsegler, richtige Segelschiffe und auch ein paar Kriegsschiffe. Natürlich wissen wir Bescheid: Die LIMFJORD Rund-Regatta steht an und es sind über 70 Boote gemeldet…selbst aus SCHWEDEN reisen die historischen Boote und Schiffe an. Weil der Wind günstig steht, unter vollen Segeln. Sehr schön anzusehen!
Wäre ja auch mal eine Idee für den Spätsommer, diesem Ereignis beizuwohnen…

Schnellsegler…

Wir passieren HALS im Fahrwasser und werden schnell ordentlich durchgeschaukelt. Ganz optimistisch hatten wir gedacht, eventuell direkt nach LASÖ zu gehen, aber dieser Optimismus verliert sich recht schnell in der konfusen Ostseewelle und mit dem nicht so recht dazu passenden Wind. Als Ausweichhafen hatte sich der Skipper vorher ASAA ausgesucht und so ging es also stramm Nord.

Asaa – Dänemark

Die Ansteuerung von ASAA entpuppt sich als Nervenkitzel. Die Sandbänke reichen weit aufs Meer und wir fahren einen Riesenbogen, um die von Norden her ausgewiesene Ansteuerung zu nehmen. Der Tiefenmesser vermeldet noch weit vor dem Hafen stumm so was wie 3,0 Meter, oder auch spontan mal 2,10 Meter und als wir der Hafeneinfahrt näher kommen auch mal 0,9 Meter. Durch das flache Wasser brechen sich die vom Wind aufgepeitschten Wellen über die Bänke, in der Welle geht es auf und ab und der Skipper, angespannt, aber nach eigener Meinung vollständig Herr der Situation, steuert wie ein Weltmeister (ebenfalls Selbsteinschätzung) den Tonnenstrich entlang. Zweimal setzten wir im weichen Ostseeand auf. Einige lieben Lebensmittel – wir lieben Langkiel! In der engen Fahrrinne ist an eine Umkehr nicht zu denken.

Nicht der STORMVOGEL…aber ein anderer Wahnsinniger 😉

Wie so oft in der Seefahrt: Es kann nur vorwärts gehen!

ASAA ist ein künstlicher Inselhafen, also vor dem Festland aufgeschüttet. Vermutlich, um dieses endlose Flachwasser etwas zu entschärfen. Es wohnen keine Menschen im Hafen, dennoch haben wir das Gefühl, das uns einige Eingeborene haben kommen sehen und mit dem Auto fix aus dem Dorf in den Hafen gebraust sind, um sich das Spektakel anzusehen. Der Skipper wählt den erst Besten Liegeplatz, die Eingeborenen helfen fleißig beim Festmachen und so langsam legt sich das Zittern in den Gliedern des Skippers. Geschafft, ohne Schäden, ohne Hilfe, ohne Drama.

SY STORMVOGEL, eine KOOPMANS 48 Aluminium-Segelyacht

Schnell steigt ein gewisser Ärger im Skipper auf. Müsste der Hafen nicht geschlossen sein, wenn die Fahrrinne so versandet flach ist? Überhaupt: Wie konnte er sich auf die Aussagen in Seekarte und Törnführer verlassen?

Wie immer folgt eine Phase der Abkühlung, Ernüchterung und gar Einsicht!

Ein Eingeborener, der Deutschen Sprache sehr gut mächtig, klärt auf: Die Fahrrinne wird tatsächlich in jedem Frühjahr ordentlich auf 2 Meter gebaggert. Und normalerweise hält das auch bis in den Winter. Aber in diesem Jahr gab es so viele SÜD, OST und NORD Stürme, das die Brandung den Sand wieder in den Rinne geschwemmt hat und deswegen bleiben dort öfters mal Boote stecken…die dann vom ortsansässigen Fischer wieder frei geschleppt werden müssen.

Asaa

Soweit zum Fremdverschulden…aber der Skipper kommt auch zur Einsicht, selbst einen Fehler gemacht zu haben: Im Törnführer wird ein Tidenhub von +/- 0,5 Metern genannt. Klar, wir sind ja schon in der Nähe von SKAGEN und damit der NORDSEE. Bei einer Soll-Wassertiefe von 2,00 Metern (bezieht sich immer auf das Niedrigwasser) dürfte man durchaus vermuten, das jeder Zentimeter zählt. Wer da bei Niedrigwasser einläuft, riskiert was. Logisch, als wir zwei Tage später weiter reisen, warten wir das Hochwasser ab, der Fischer hält ein Auge auf uns und wir kommen sehr gut wieder ins offene Meer. Uff.

Lasö Fähre

LASÖ ist das nächste Ziel. Nur noch 23 Seemeilen entfernt. Der SÜD-Wind hat etwas nachgelassen, es weht „nur noch“ mit 25+ Knoten und wir machen schon wieder eine schnelle Reise. Der Wind diktiert Richtung und Zeit. Denn gegen 20+ Knoten braucht man gar nicht erst anzutreten. Außer man ist Sportler. Vielleicht.

Der Moment zwischen Himmel und Hölle

Von LASÖ sehen wir nur den Hafen, die Pommesbude und den Hafengeld-Automaten. Der sorgt für einen schnellen Pulsschlag beim Skipper – am Abend und am darauf folgenden Morgen: 240 DKK Liegegeld in einem absolut leeren Hafen – klarer Fall von WUCHER! (OK, ok, in ASAA wollten sie gar kein Geld…). Der Knaller war aber dann am nächsten Morgen, das der blöde Automat die Karte nicht zurück nehmen wolle?! Jetzt fahren wir die voll mit Geld aufgeladene Hafenkarte von LASÖ spazieren, na toll!

Alles im allem also nur Gründe, direkt weiter zu segeln. Und, natürlich, da ist ja auch noch der Wind!

Marstrand

An den deutschen Küsten ist der erste Herbststurm mit 45+ Knoten Wind und 7 Meter Welle angesagt – ein solcher Sturm beeinflusst das Wetter in einem großen Gebiet, also auch unser KATEGATT-Wetter im Norden. Wir müssen uns entscheiden: Mit Starkwind rüber nach MARSTRAND in SCHWEDEN fliegen oder im toten LASÖ mit dem tumben Automaten zu bleiben…für Tage! Denn nach dem starken SÜD-Wind kommt ein Tag mit NORD-Wind und danach gar kein Wind mehr. Wie toll.

Wir wissen: Starkwind und Welle kann der STORMVOGEL.
Wir wissen, Starkwind und Welle kann die Crew.
Wir wissen, das wird kein Spaß.
Wir wissen, das wird richtig anstrengend.

Also alles klar. Wie fahren!

Durch die große Landabdeckung von LASÖ läuft es anfangs richtig gut. Das Groß haben wir schon in Hafennähe im Dritten Reff (also so klein wie möglich) gesetzt und arbeiten nur mit Vorsegel und Yankee um maximale Geschwindigkeit zu laufen.

Denn wir wissen auch:
Am späten Nachmittag wird der Wind auf OST drehen und das wäre bei der Ansteuerung von MARSTRAND doch bescheuert gegen an.

Der Skipper beobachtet im Cockpit den Windmesser mit Argusaugen. Nicht, das er das wirklich müsste. Dann er hört die Windstärke. Er hört die Böen kommen, er spürt, wie der STORMVOGEL beschleunigt. Die Mannschaft ist tief in ihr Buch abgetaucht und nur bei Segelmanövern an Deck zu sehen. Die häufen sich. Der Wind steigert sich von 20 auf 25 auf 30 und auch mal auf 35 Knoten. Völlig eingerefft laufen wir in den (Regen) Böen 7 Knoten über Grund in einer absolut konfusen See. Beim passieren des Tiefwasserweges für die großen Schiffe haben wir Glück: Trotz viel Schiffsverkehr kommen wir keinem zu Nahe und müssen auch nicht ausweichen…nur, um dann kurz darauf einem Schleppnetzfischer doch noch ausweichen zu müssen. Fischer! Fischer müsste man sein! Da dürfte man alles! Als Fischer!

AIS und Radar geben uns einen guten elektronischen Überblick über unsere Umgebung und meistens ist die optische Sicht auch OK. Nur bei Ankunft an der WEST-Küste von SCHWEDEN hängen schwere Regenwolken und Gewitter über uns…und die damit verbundene schlechte Sicht macht die Sache für uns nicht gerade einfacher.

Marstrand

Rechtzeitig erkennt der Skipper, das ein unglaublich starker NORD-Strom an der Küste steht. Klar, generell läuft hier sowieso das Wasser nach NORDEN, aber der starke SÜD-Wind pusht das Wasser offenbar noch mal ordentlich. Also satte 30° oder auch mal 40° vorhalten – ganz so wie im ENGLISCHEN KANAL. Kurzer Aufreger um das Finden des richtigen Leuchturms und der Felsen…(sieht ja in Natur immer alles ganz anders aus als auf der Karte!)…und schon sind wir im nördlichen Fahrwasser von MARSTRAND.

Neben der großen Erleichterung, diese raue Passage gut geschafft zu haben, stellt sich bei uns beim Anblick der Scheren-Felsen und der niedlichen SCHWEDEN-Häuser sofort große Freude ein. Richtige Entscheidung, hierher zu kommen.

Es ist der Moment des Ankommens, der diese Art zu Reisen so einmalig macht.

Einmal mehr richtig.

Marstrand

Tja, jetzt sind wir also in SCHWEDEN, stellen etwas ernüchtert fest, das hier bereits die Bürgersteige hoch geklappt sind und genießen heute (14/9/2017) den ersten richtigen Sonnentag seit Wochen.

Herrlich.

Die Sonne wärmt sogar noch!

Habt ihr mal euren Sturm in DEUTSCHLAND.

Wir haben Sonne!

Ätsch!

Peter.

P.S.:
Ergänzung:
Die Sonne hielt sich bis zum Abend, wir saßen im GRAND HOTEL zu MARSTRAND und speisten fürstlich, akustisch untermalt von einem Frauenchor (offenbar auf Chorfahrt) bestehend aus 50 Frauen und EINEM Chorleiter. Ein ordentliches Gewitter schickte Eimerweise Wasser auf die Erde…und in das WC-Luk des STORMVOGELS, denn irgendwer hatte es wohl offen stehen lassen.

Limfjord

Fern der ganzen Umbauprojekte zu Hause und unserer neuen Verlagstätigkeit haben wir wieder einige Zeit am LIMFJORD im hohen Norden DÄNEMARKS verbracht. Der STORMVOGEL eher zum schwimmenden Apartment degradiert, der Sommer bereits als verkappter Herbst unterwegs und der Skipper als Quotenmann bei bis zu vier Frauen und vier Kindern im Gefolge. Was für verworrene Verhältnisse!

LEMVIG

Segeln war nicht viel – viel zu viele Menschen mit eigenen, sagen wir mal, Bedürfnissen. Also eher so was wie LEGOLAND, Spielplatz, Shoppen und rum toben.

So sei es.

Wir verbrachten eine weitere gute Woche in LEMVIG und möchten an dieser Stelle noch mal die Vorzüge dieses gemütlichen Städtchens heraus stellen:

1) Ruhiger Stadthafen mit sensationell niedrigen Liegegebühren für Langzeit-Lieger: 1.600 Kronen für vier Wochen sind doch echt ein Schnapper, oder?

2) Der BESTE Schlachter Dänemarks direkt am Hafen: Hier gibt es z.B. Grillwürstchen, die eben richtig was besonderes sind – und eben nicht dieser Dänemark-Supermarkt-Würstchen-Mist, den man sonst nur bekommt.

3) Direkt neben dem Schlachter der Käseladen: Echter Dänischer Käse, lecker! Man darf vor dem Kauf probieren… 😉

4) Und natürlich im Hafen die große Fischbude mit frischen, geräucherten und eingelegtem Fisch.

Das alles in toller Landschaft, umrahmt von einem kleinen Berg, direkt am Wasser. Oh ja, hier ließe es sich leben! Die Eingeboren treffen sich Dienstag Spätnachmittags zur Abendregatta und kennen natürlich jede Untiefe. Die Flotte mit ihren Spinackern in der Abendsonne liefert die perfekte Kulisse am Fjord. Sehr schön!

Im LEGOLAND zu BILLUND ergab es sich, das sich ein Frosch der bunt gewürfelte Großfamilie anschloss und der Skipper sich schnell verliebte. Nun ist so ein Frosch ohne Kuss ja noch kein Mensch und üblicher Weise verbirgt sich eher ein Prinz denn eine Prinzessin hinter den Glupschaugen.

So wurden denn auch vielfältige Besitzansprüche und Liebeserklärungen abgegeben – sehr zum Nachteil des Skippers, denn ihm blieb außer einer schmachtenden Umarmung nur das Nachsehen. Fröschi wohnt jetzt in Hamburg. Natürlich bei einem jüngeren!

In den letzten Familien-Urlaubstagen haben wir den STORMVOGEL locker nach AALBORG vorholt. Diesmal, von WEST nach OST tatsächlich immer unter Segeln. Mal schnell, mal gaaaannnnzzzz Langsam, aber immer unter Segeln. Das Revier wäre wirklich lohnenswert, wenn das Wetter beständiger und ruhiger wäre. Vielleicht in einem anderen Jahr. Oder Jahrzehnt, oder Jahrhundert?

Im Moment sind wir wieder für ein paar Tage zu Hause, gehen aber nächste Woche wieder an Bord. Wenn das Wetter so schlecht bleibt, gehts wohl relativ schnell wieder in die Kieler Bucht. Falls es doch noch so was wie einen Spätsommer geben sollte, lassen wir uns Zeit und gehen vielleicht erst mal noch nach SCHWEDEN. Schauen wir mal…

Peter.

LEMVIG und umzu

An dieser Stelle möchte ich noch mal auf unseren famosen YELLOW BRICK GPS Tracker hinweisen. Immer, wenn wir an Bord sind wird damit alle drei Stunden unsere Position dokumentiert. Auf DIESER SEITE kann man sich nach dem Standort des STORMVOGELS erkundigen. Oben links auf der Seite ist eine Auswahlbox mit den verschiedenen Reiseabschnitten. Wenn man einen Törn ausgewählt hat, wird dieser angezeigt. Geht man dann mit dem Cursor auf eine Positionsmeldung, kann man mit einem linken Mausklick die genaue Postion, Kurs, Geschwindigkeit und Temperatur erfahren.

Screenshot GPS Tracker

Der Widerstand des Skippers gegen eine schnelle Weiterreise zerbröselt während des täglichen Wetterstudiums. Denn wir wollen ja noch weiter nach Westen und brauchen die (sagen wir mal) wenigen Schwachwindphasen, um da komfortabel hin zu kommen.

Am Montag, den 19. Juni 2017 machen wir uns relativ früh auf, um in einem Rutsch nach LEMVIG zu kommen. Am Nachmittag soll der Wind ordentlich auffrischen und da bietet sich doch eine frühe Abfahrt geradezu an.

Sallingsundbroen

Zunächst im Fahrwasser die großen Sandbänke umschiffen, dann Vollzeug setzten, Schwenkkiel raus und hart am Wind NYKOBING MORS ansteuern. Um die 10 Knoten Wind sind für uns nicht wirklich der Hit und wir müssen immer weiter abfallen. Als wir die Uferzone der kleinen Insel LIVÖ mit ihren sieben (!) Einwohnern schon gut erkennen können, geben wir auf, schmeißen den Brüllaffen an und tuckern mal wieder. Jetzt sind wir eindeutig auf der „landschaftlich schönen Route“. An Land viel zu sehen, NYKOBING MORS passieren wir an Steuerbord, die folgende SALLINGSUNDBROEN Brücke ist hoch genug für unseren 18 Meter Mast und wir haben hier keine Wartezeit.

Sallingsundbroen

Hier ist der LIMFJORD eher eine große (aber flache!) Talsperre. Sehr Idyllisch.

Oddesundbroen

Wir steuern nun die direkt die nächste Klappbrücke mit Namen ODDESUND BROEN an. Bevor einer fragt: Klar, unter Maschine. Der Skipper regt sich darüber auch nicht mehr auf, denn er weiß, wenn wir (irgendwann einmal) wieder zurück fahren, haben wir den richtigen Wind. Bestimmt!

Nach gut 45 Seemeilen erreichen wir LEMVIG, finden einen super-Liegeplatz in fantastischer Umgebung und sind gespannt wie ein Flitzebogen, ob unser Auto noch am Bahnhof steht.

Na klar steht es noch da. In DÄNEMARK kommt so leicht nichts weg – jedenfalls nicht hier auf dem Lande.

Schon komisch: Wir wissen immer sehr schnell, ob es uns am Ankunftsort gefällt oder nicht. Hier in LEMVIG gefällt es uns so gut, das wir nicht ein Foto vom Ort machen. Irgendwie übersehen. Und das ist wirklich ein Kunststück, denn am nächsten Tag unternehmen wir mit dem Auto eine kleine Fotosafari und hätten durchaus auch von LEMVIG Bilder machen können. Die Landschaft ist wirklich spektakulär, ursprünglich wild und entgegen aller Erwartung nicht völlig flach, sondern mit kleinen Hügeln übersät.

Diese kleine Rundfahrt hat sich sehr gelohnt und wer in der Gegend ist, sollte unbedingt die Fährfahrt THYBORON – AGGER auf der Landstraße 181 mit nehmen – und auf etwas Wind hoffen 😉

Aber es hilft alles nichts – Tags darauf bereiten wir den STORMVOGEL auf seine nächste herrenlose Zeit vor, packen unsere Sachen und reisen ab. Eigentlich sollten wir für die 400 Autokilometer vier Stunden brauchen, weil bei KOLDING aber ein LKW Ladung verloren hat, brauchen wir schlappe drei Stunden mehr. So spült das Leben. Who cares?

Jetzt liegt also das schönste Boot der Ostsee weit entfernt einsam im Hafen während der Skipper die Regentropfen in Elmshorn zählt und sich (vermutlich) bei 124.212.341 verzählt hat. Noch mal: Who cares?

Unsere Segelsaison geht erst Mitte August weiter – bis dahin verfolgen wir hier in Elmshorn verschiedene Bau- und Geschäftsprojekte. Und kurven mit dem Flieger ein wenig in der Weltgeschichte herum: England und Italien. Nur kurz.

Ohne GPS Tracker.

Peter.

 

Løgstør

Das Wetter im LIMFJORD lässt sich einfach beschreiben und kennt nur zwei Zustände:

Zustand 1: WEST >20 Knoten
Zustand 2: Irgendwas anderes, aber ganz wenig

Nun würden Spitzensportler mit ihren Super-Sport-Booten sicher im engen Fahrwasser gegen den WEST Wind ankreuzen, wir, die wir einen holländischen Ozeandampfer fahren schmeißen den Brüllaffen an, verkriechen uns hinter der Sprayhood oder im Deckshaus und dampfen gegen an. Denn das geht im LIMFJORD durchaus. Die Welle ist erträglich und 10-15 Knoten auf die Nase sind noch OK…ich weiß, das ist geschönt…

Aggersund Brücke

Am 17. Juni wollen wir das kurze Stück (27 Seemeilen) nach Løgstør dampfen. Der Ort soll ganz schön sein, also genau das, was wir suchen!

Aggersund Brücke

Wir erreichen die AGGERSUND Brücke und warten wieder geduldig auf die Öffnung. Der Wind hat längst aufgefrischt und wenn es noch weit wäre, würden wir hier wohl Station machen. Mit einer Mischung von Bewunderung und Unverständnis beobachten wir einen Eingeborenen, der unter Segeln extrem hart am Wind die Brücke passiert…was eine Deutsche Crew (NATÜRLICH NICHT WIR!) offenbar als Herausforderung versteht und im engen Fahrwasser nach Løgstør mit dem Dänen um die Wette kreuzt.

Aggersund Brücke

Jeder wie er will, sicher.

Aber wie war das noch? Die Freiheit des einzelnen hört genau da auf, wo sie die Freiheit von anderen einschränkt.

Løgstør

Die meisten Boote, mit denen wir die Brücke passiert haben, lassen Løgstør links liegen und gehen weiter. Auch die beiden Racer. Wir wollen nicht weiter. Im engen Kanalhafen finde ich keinen Platz – vermutlich habe ich ob der Anspannung auch nicht richtig gesucht und schon gar nicht auf die Mannschaft gehört. Sehr eng hier, wir vertreiben andauernd und ich habe Mühe, nicht anzuecken.
Also in den kleinen „Stadthafen“ neben an. Komisch: Sah´ von draußen irgendwie größer aus! Durch die super enge Einfahrt, direkt in die (wie üblich bei uns) zu kurze Box. Neben der Länge ist die Breite auch ein kleines Problem und wir bleiben kurz mal hängen. Wie gut, das der STORMVOGEL eine wirklich funktionierende Scheuerleiste hat!

Løgstør

Die Mannschaft verbringt Heldentaten, der Skipper mault (natürlich) wie immer und irgendwann ist unser Boot vernünftig angebunden – äh – fest gemacht.

Das Wetter an Land ist anders. Warm, Sommer, zwar windig, aber OK.

Løgstør

Und so genießen wir den ersten richtigen Sommernachmittag, seit wir in MIDDELFART aufgebrochen sind. Natürlich mit einer kleinen Supermarkt-Attake, Eis und…jetzt kommts: Muschelessen!

Løgstør

Denn im LIMFJORD werden große Muschelfarmen betrieben und die Ernte wird in den Supermärkten vor Ort auch verkauft. Lecker. Einfach Lecker!

Und wir glauben das beurteilen zu können: Die Qualität der LIMFJORD Muscheln ist viel besser, als die in SÜD-FRANKREICH.

Løgstør

Und jetzt, da der Skipper mühevoll diese Zeilen schreibt, fragt er sich, wie die Mannschaft es mal wieder fast hin bekommen hätte, das wir gleich am nächsten Tag weiter fahren. Dieses subversive. Diese Ziel-Gerichtete. Dieses hinterlistige Verfolgen von Zielen, die denen des Skippers diametral entgegen stehen. Dieses unsinnige schnell ankommen wollen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Der Skipper verordnet einen Haftentag in schöner Umgebung. Waschen, Fotos machen, Spazieren. Leben an Bord.

Løgstør

Ach, was wäre das Leben ohne Mannschaft?

Einsam.

Peter.

 

 

BALLEN (SAMSÖ) – AALBORG

Am Mittwoch, den 14. Juni 2017 gehen wir von BALLEN auf SAMSÖ nach GRENA. Strahlend blauer Himmel, immer noch 20+ Knoten WEST Wind und immer noch lausig kalt. Wir brettern sehr sportlich nach NORDEN, passen im flachen Fahrwasser des kleinen VEJRÖ SUND´s besonders auf und fangen an die Meilen nach GRENA herunter zu zählen. Denn nun gehts eigentlich nur noch NNE – immer noch kaum andere Boot zu sehen.

Wer hätte das gedacht: Man fühlt sich auf dem OSTSEE einsam…

Mit gut 7 Knoten Fahrt kommen wir früh´ in GRENA an, der Anleger hätte besser sein können, aber die Mannschaft hat ihr Bestes gegeben. Es ist wirklich sau-schwierig vom Bug des STORMVOGELS auf die sehr flachen Schwimmstege mit der Leine in der Hand zu springen. Statt Seglern wären hier eher Kunstturner gefragt.

Ob des frühen Nachmittags und der Sonne zieht es die Mannschaft in die Stadt und der Skipper lässt sich mit der Aussicht auf ein Bier der Eingeborenen mit schnacken.

Ohhhh, sie wissen nicht was sie tun!

GRENA City ist wirklich weit weg. Der Plan, mit dem Bus zurück zu fahren scheitert daran, das der letzte Bus um 17:00 Uhr fährt. Ja ja, wo Licht im Personenverkehr ist, da muss auch Schatten sein. Obwohl die unfreiwillige Wanderung eigentlich ganz schön ist!

Wir studieren wieder den Wetterbericht für den Folgetag. Anfangs noch leichter SW Segelwind, dann Flaute. Also brechen wir füh´ auf, stellen aber schnell fest, das das hier kein leichter Wind ist, sondern GAR KEIN Wind. Die Maschine läuft und es wird schnell langweilig.

Eigentlich wollen wir nach HALS, ein kleiner Hafen am OST-Ausgang des LIMFJORD´s. Als wir dort ankommen denken wir in stiller Eintracht, tuckern wir doch einfach weiter nach AALBORG. Auf die 17 Meilen mehr unter Motor kommt es nun auch nicht an.

Einen richtigen (und vor allem aktuellen!) LIMFJORD Törn-Führer haben wir im Vorfeld nicht gefunden. Schon immer haben wir von JAN WERNER den Törnführer „DÄNEMARK 1: Jütland, Anholt, Laesö“ in der Bibliothek. Darin wird ein ausführlicher LIMFJORD Törn beschrieben.

Im übrigen: Eigentlich ist HANSENAUTIC immer eine gute Quelle für Literatur – aber dieses (alte) Buch haben sie wohl nicht mehr…

Was frisches gibt es gedruckt offenbar nicht – wohl aber den mit viel Liebe zum Detail gemachten Online-Revierführer von ESYS. Und weil man ja nicht immer online ist, kann man per eMail dort eine Offline-Version kaufen und die HTML Seiten mit Bildern und Übersichtskarten lokal auf seinem Rechner speichern. Etwas altbacken, diese Technik, aber sie erfüllt durchaus ihren Zweck.

Wie immer hat JAN WERNER Recht: Von HALS bis AALBORG ist der LIMFJORD eher ein Fluß, der an mächtigen Industrieanlagen vorbei führt. Nix, was sich wirklich lohnt.

Am frühen Abend erreichen wir AALBORG nach 60 Motor-Seemeilen. Und hier startet die große LIMFJORD BRÜCKEN TOUR.

Aalborg Vesterbro

In der Stadt gibt es gleich zwei, in sehr kurzem Abstand zu passierende Brücken. Also Ruhe bewahren und warten, das die Brücken sich öffnen. Ist halt so, kann man ändern nix. Auch nicht, das die Brücken abgestimmt aufeinander öffnen – tun sie nicht, denn dann müsste man den Auto- und Eisenbahnverkehr der beiden Brücken synchronisieren.

Gleich drei Marinas gibt es hier, die ersten beiden lassen wir direkt aus, denn sie werden als „voll“ und „eng“ beschrieben – beides Attribute, die wir vermeiden wollen. Also gehen wir in die etwas entferntere MARINA FJORDPARKEN und freuen uns über den hohen Steg, das erleichtert das Anlegen doch phänomenal. Die Marina selbst ist fast tot. Ganz schön einsam hier.

Wie schon fast in DÄNEMARK üblich, gibt es auch hier nur einen eisernen  Hafenmeister.  Dabei  finden wir ein richtiges Stück  Mensch als  Hafenmeister  sehr wichtig.  Dieser ganze Mist mit hohen Lohnkosten  in unseren Breiten  wird unser Leben noch ganz gewaltig  verändern.   Besser ein mies gelaunter Hafenmeister als ein stummer Automat.

Tags darauf fahren wir mit dem Bus in die Stadt und erkunden ein wenig die viertgrößte Stadt DÄNEMARKS.

Aalborg

Also „ein wenig“ bedeutet: Einkaufsstraßen rauf und runter, Mittagssnack und Besichtigung der Waterfront. Thats it. Kein großes Programm…

Aalborg

Wir kehren zurück in unsere tote Marina und verdödeln den Rest des Tages…studieren das Wetter und beschließen, am nächsten Morgen weiter zu fahren.

Aalborg

Peter.

MIDDELFART – SAMSÖ

Unsere Segelsaison 2017 ist wirklich ganz schön zerstückelt. Kaum ist man nach der Langfahrt wieder zu Hause gibt es ohne Ende Termine und Projekte und bei der Mannschaft auch immer noch eine gewisse Segelmüdigkeit. Und so sind wir immer mal wieder auf dem Boot und segeln, aber eben auch oft zu Hause.

So lange wir im Großraum DÄNEMARK / JÜTLAND unterwegs sind, ist wenigstens die Reiselogistik einfach. Mit Bus und Bahn kann man sich in DÄNEMARK ganz gut bewegen und die An/Abreise mit dem eigenen Auto ist auch kein Problem…obwohl die Dänen tatsächlich an der Grenze die Pässe kontrollieren – jedenfalls nehmen sie Stichproben.

Also vorholen wir uns am 12. Juni 2017 mit dem Auto nach MIDDELFART – da haben wir den STORMVOGEL ja zurück gelassen. Am frühen Nachmittag sind wir wieder an Bord, sehen uns an und stellen gemeinsam fest, das dieses lausige Wetter so gar keine Lust auf Bordleben macht!

Tief hängende dunkelgraue Wolken, jede Menge Wind pfeift und heult in den Masten, die Temperatur ist zumindest gefühlt nahe dem Gefrierpunkt. Auf der permanenten Suche nach dem positiven stellen wir fest: Es regnet nicht!

Wie schön!
Wie schön!
Wie schön!

(Selbst-Suggestion hilft nur, wenn man es mehrmals wiederholt!)

Klassiker in dieser Situation: Erst mal einkaufen gehen – das beruhigt und lenkt ab. Wie komfortabel: Mit dem Auto!

Nach dem die frischen Sachen verstaut sind, es ist mittlerweile 14:00 Uhr, sitzen wir wieder da. Unglaublich, wie mieses Wetter einem die Stimmung verderben kann. War das früher auch schon so?

Heidi hat die Lösung!

Wir bringen das Auto jetzt schon an den LIMFJORD und fahren mit der Bahn zurück nach MIDDELFART. Dann brauchen wir später das Auto nicht zu holen und wir haben jetzt eine schöne Beschäftigung.
Nun, der Skipper blickt fachmännisch auf die Seekarte und kürt LEMVIG im NORD-WESTEN des LIMFJORD´s als Zielhafen. Sieht gegen alle Windrichtungen gut geschützt aus und die GOOGLE EARTH Bilder sehen wirklich nett aus.

Die Autofahrt nach LEMVIG ist extrem langweilig und wir sind auf einmal tatsächlich etwas knapp mit der Zeit – schließlich wollen wir ja mit Bus und Bahn direkt wieder zurück! Das Auto gut am Bahnhof geparkt, geschwind in den Bus und via STRUER mit dem Zug zurück nach MIDDELFART. Die spontane Reiseplanung mit GOOGLE MAPS ist wirklich eine große Erleichterung und der öffentliche Personenverkehr mit Bus und Bahn ist perfekt organisiert.

Gegen 21:00 Uhr sind wir wieder an Bord und bilden uns wenigstens ein, das das Wetter besser wird.

Am nächsten Morgen stellen wir aber ernüchtert fest: Nö, alles wie gehabt. Kalt, Dunkel, Windig, Ungemütlich.

DEN GAMLE LILLEBEALTSBRÖ (Die alte Brücke über den Kleinen Belt)

Egal, der Wind ist zwar mit 20+ Knoten stark, steht aber mit W günstig und es gibt auf dem Weg nach NORDEN genug Häfen um abzubrechen, wenn wir wirklich keine Lust mehr haben. Also los und zunächst unter Maschine im Fahrwasser nach FREDERICIA. Dort angekommen kommt zumindest teilweise die Sonne hervor und wir beschließen nach SAMSÖ weiter zu gehen. Das Groß im dritten Reff, volle Fock und ausgebaumtes Yankee bringen gute 6 Knoten Fahrt auf dem nun folgenden NORD-OST Kurs. TRUDI, die Windsteueranlage haben wir in dieser Saison nicht montiert, also muss der eiserne GUSTAV ran.

DEN NYE LILLEBEALTSBRÖ (Die neue Brücke über den Kleinen Belt)

Das Boot liegt gut, läuft gut und wir verkriechen uns hinter der Sprayhood oder auch ins Deckshaus. Wir sehen kaum andere Boot. Die Ursache ist wohl eine Kombination aus Vor-Saison und Wetter.
Als wir an der SÜD-OST Spitze von SAMSÖ den dortigen kleinen Windpark umschiffen wird tatsächlich ein Segelmanöver nötig, wir wechseln routiniert von achterlichem Wind auf Halbwind und nun spüren wir die volle Windstärke. Der Windmesser meldet so um die 35 Knoten, durch die Landabdeckung null Welle und nun auch blauer Himmel! Wie auf Schienen rast der STORMVOGEL so vor sich hin…

…da muss doch noch was auszusetzen sein?

Ja klar: Scheiße, ist das kalt hier!

Wir gehen nach BALLEN und obwohl der Hafen eher halb leer ist fühle ich mich ob der Größe des STORMVOGELS nicht wohl. 30 Fuß wären hier besser als unsere 48. Mit Ruhe und Bedacht und jeder Menge Fender gehen wir gegen den Wind längsseits an einem Pontoon und machen nach gut 45 Seemeilen Feierabend.

Und obwohl wir körperlich kaum durch Segelmanöver gefordert wurden, sind wir richtig müde. Ja, ja, die frische Seeluft!

BALLEN verdient es sicherlich, länger zu bleiben, aber der Wetterbericht verspricht für den nächsten Tag noch mal ordentlich Segelwind, um die 40 Seemeilen nach GRENA zu kommen. Also vertagen wir jegliche Erkundungstouren auf der Insel auf einen anderen Törn und gehen zufrieden in die Koje.

Ganz so, wie es sein soll!

Peter.

P.S: Merke: Ist das Wetter KALT und GRAU, macht der Peter keine Fotos!

Probefahrt

Kann man die (oder auch „den“) OSTSEE nach vier Jahren Weltumseglung noch gut oder gar schön finden?


Übernachten (kostenlos!) in GIESELAU SCHLEUSE im NORD-OSTSEE-KANAL. Die Sonne geht gerade unter, der Wind rauscht gewaltig in den Bäumen und die Vögel präsentieren ihr atemberaubendes Sonnen-Untergangs-Konzert. Die Dämmerung setzt langsam ein und mit jedem bisschen mehr Dunkelheit, wird das Vogelkonzert leiser. Alle legen sich zur Ruh´, nur der Wind rauscht weiter in den Bäumen.


Stimmung und Kulisse erinnern uns sehr eindringlich an unsere unvergessliche Urwald-Übernachtung auf BORNEO. Zweieinhalb Jahre zuvor.

Die Antwort ist also ja.

Ganz klar ja! NORDDEUTSCHLAND, die OSTSEE und das nahe DÄNEMARK sind sehr reizvoll – an Bord, auf dem Wasser in der reichlich vorhandenen freien Natur zu leben ist einfach schön!

Wir sind gestern kurz nach Hause gekommen, um ein paar Dinge zu organisieren.


Damit haben wir unsere 10-tägige Probefahrt nach dem großen STORMVOGEL Refit beendet. Wir können es noch, das Segeln! In den Häfen gehen uns die zahlreichen Kommentare zum STORMVOGEL wie Öl herunter und des Skippers-Brust schwillt vor lauter Stolz seit Tagen gar nicht mehr ab!


„Ist das Boot neu? Sieht toll aus!“
(nein, 20 Jahre alt)


„Was für ein schönes Boot!“
(oh, ja!)


„Mensch, mit so einem großen Boot müsstet ihr doch auf große Fahrt!“
(äh, ja, äh, wir sind gerade im letzten Jahr zurück gekommen).

Bild von Peter W. aus B.

Noch viel schöner als die ganzen Kommentare waren die spontanen Treffen mit sehr lieben, lange nicht und sogar auch nie gesehenen Menschen:

Los ging es bereits nach dem NOK, in LABOE. Die wagemutige Crew der NAUSIKAA (unter Segeln = Wahre Sportler!) wollte uns direkt hinter der Schleuse auf der Kieler Förde abfangen…klappte aber nicht, denn des STORMVOGELS Skippers legte den Hebel auf den Tisch um schnellstmöglich in die BALTIC BAY zum Anlegerbier zu kommen. Aber beim Bier, da haben wir uns nach gut vier Jahren wieder getroffen. Herrlich! Einfach nur Herrlich!

In MARSTAL treffen wir die Familien-Crew des Motorkreuzers JULIUS – leider viel zu kurz, aber immerhin: Es gibt jetzt Gesichter zu den Namen!

Später in AEROSKÖPING die bunte Crew der NOVOMIND mit Skipper Knut getroffen und erstmalig so was wie ein Vereinsboot-Treffen arrangiert: Der Verein hat das eigene Boot „novomind“ (eine 34 Fuß HANSE) und wir als Mitglieder im Verein haben unseren STORMVOGEL und tragen seit fünf Jahren das Vereinskürzel „nms“ am Heck. Beachtlich, beachtlich!


Und schließlich auf LYÖ die junge Familie der KAROLINA (ich glaube IV) getroffen, ebenfalls seit Jahre nicht gesehen!  Die Fahrrad-Sternfahrt auf der Insel mit ihrem sagenhaften Gletschertal haben alle gut überstanden. Auch der STORMVOGEL Skipper. Wenn ich das richtig sehe, haben wir ca. 7 Kilometer in 5 Stunden zurück gelegt. Gemach, Gemach!

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah? (sehr frei nach Goehte)

Ein paar Törn-Infos, der Reihe nach:

Quelle: GOOGLE / YELLOWBRICK

 

1) Nord-Ostsee-Kanal
Ein Witz, ein absoluter Witz! Wie kann Deutschland eine bedeutende Bundeswasserstraße so verkommen lassen? Liegt das am Karo-tragenden bayrischen Verkehrsminister oder an sturen Norddeutschen? Von 8 Schleusen sind derzeit nur 3 (in Worten DREI!) funktionsfähig und in Betrieb und diese 3 sind auch noch in einem lausigen Zustand. Wer so was zu verantworten hat, der wird wohl nachts nicht schlafen können. Hoffentlich!

2) LABOE / BALTIC BAY MARINA
Super-Hafenmeister und schöner Liegeplatz…aber neuer Gastro-Pächter mit eher Durchschnitts-Pizza und nix mehr mit Matjes und Bratkartoffel. Ein Highlight an der Förde weniger. Leider.

3) AERÖ / MARSTAL
Wie immer ein Traum – aber auch rappel, pappel, dackel voll. Jedenfalls am Himmelfahrts-Abend. Danach: Leer. War wohl nur der erste große Ansturm der Deutschen Flotte.

4) AERÖ / AEROSKÖPING
In der Stadt wird Fernwärme verlegt und die Straßen gleichen einem großen Sandspielkasten. Essen mit der novomind-Crew königlich zu Abend, einmal auf dem Steg und einmal im Restaurant.

5) LYÖ
Kreuzen wie die Irren gen 20 Knoten Nordwind. Nach der dritten Wende klappt es wie am Schnürchen, allein das mit dem Höhe Gewinnen muss der Skipper noch mal verbessern. Aber herrlich, so hart am Wind bei kleiner Welle zu segeln. Allerdings laufen wir die letzten 6 Seemeilen dann doch unter Motor gegen an – unsere Sportlichkeit hat durchaus ihre Grenzen. Gehen nicht wie geplant auf Anker, sondern in den deutlich vergrößerten Hafen – eng, aber passt!

6) MIDDELFART
Der Wetterbericht verspricht mit SE 15 Knoten besten Segelwind, um nach Norden zu kommen – und so laufen wir statt der geplanten 20 Meilen einfach 40, direkt nach MIDDELFAHRT, wo wir unsere Probefahrt beenden, das Boot liegen lassen und per Zug kurz nach Hause flitzen (…Regionalbahn, max. 60 km/h).

Kommenden Sonntag werden wir Termine aller Art erledigt haben und auch große Teile der Familie gesehen haben…und dann gehts Montag direkt zurück nach MIDDELFART zum STORMVOGEL. Knapp zwei Wochen haben wir dann, um das Boot in den LIMFJORD in den Norden DÄNEMARKS zu bringen.

Eigentlich sollte ich den GPS Tracker besser am Körper tragen – dann wüsste ich durch Blick auf die Karte, wo ich gerade bin… 😉

Peter.