Archiv der Kategorie: Ostsee 2017

LEMVIG und umzu

An dieser Stelle möchte ich noch mal auf unseren famosen YELLOW BRICK GPS Tracker hinweisen. Immer, wenn wir an Bord sind wird damit alle drei Stunden unsere Position dokumentiert. Auf DIESER SEITE kann man sich nach dem Standort des STORMVOGELS erkundigen. Oben links auf der Seite ist eine Auswahlbox mit den verschiedenen Reiseabschnitten. Wenn man einen Törn ausgewählt hat, wird dieser angezeigt. Geht man dann mit dem Cursor auf eine Positionsmeldung, kann man mit einem linken Mausklick die genaue Postion, Kurs, Geschwindigkeit und Temperatur erfahren.

Screenshot GPS Tracker

Der Widerstand des Skippers gegen eine schnelle Weiterreise zerbröselt während des täglichen Wetterstudiums. Denn wir wollen ja noch weiter nach Westen und brauchen die (sagen wir mal) wenigen Schwachwindphasen, um da komfortabel hin zu kommen.

Am Montag, den 19. Juni 2017 machen wir uns relativ früh auf, um in einem Rutsch nach LEMVIG zu kommen. Am Nachmittag soll der Wind ordentlich auffrischen und da bietet sich doch eine frühe Abfahrt geradezu an.

Sallingsundbroen

Zunächst im Fahrwasser die großen Sandbänke umschiffen, dann Vollzeug setzten, Schwenkkiel raus und hart am Wind NYKOBING MORS ansteuern. Um die 10 Knoten Wind sind für uns nicht wirklich der Hit und wir müssen immer weiter abfallen. Als wir die Uferzone der kleinen Insel LIVÖ mit ihren sieben (!) Einwohnern schon gut erkennen können, geben wir auf, schmeißen den Brüllaffen an und tuckern mal wieder. Jetzt sind wir eindeutig auf der „landschaftlich schönen Route“. An Land viel zu sehen, NYKOBING MORS passieren wir an Steuerbord, die folgende SALLINGSUNDBROEN Brücke ist hoch genug für unseren 18 Meter Mast und wir haben hier keine Wartezeit.

Sallingsundbroen

Hier ist der LIMFJORD eher eine große (aber flache!) Talsperre. Sehr Idyllisch.

Oddesundbroen

Wir steuern nun die direkt die nächste Klappbrücke mit Namen ODDESUND BROEN an. Bevor einer fragt: Klar, unter Maschine. Der Skipper regt sich darüber auch nicht mehr auf, denn er weiß, wenn wir (irgendwann einmal) wieder zurück fahren, haben wir den richtigen Wind. Bestimmt!

Nach gut 45 Seemeilen erreichen wir LEMVIG, finden einen super-Liegeplatz in fantastischer Umgebung und sind gespannt wie ein Flitzebogen, ob unser Auto noch am Bahnhof steht.

Na klar steht es noch da. In DÄNEMARK kommt so leicht nichts weg – jedenfalls nicht hier auf dem Lande.

Schon komisch: Wir wissen immer sehr schnell, ob es uns am Ankunftsort gefällt oder nicht. Hier in LEMVIG gefällt es uns so gut, das wir nicht ein Foto vom Ort machen. Irgendwie übersehen. Und das ist wirklich ein Kunststück, denn am nächsten Tag unternehmen wir mit dem Auto eine kleine Fotosafari und hätten durchaus auch von LEMVIG Bilder machen können. Die Landschaft ist wirklich spektakulär, ursprünglich wild und entgegen aller Erwartung nicht völlig flach, sondern mit kleinen Hügeln übersät.

Diese kleine Rundfahrt hat sich sehr gelohnt und wer in der Gegend ist, sollte unbedingt die Fährfahrt THYBORON – AGGER auf der Landstraße 181 mit nehmen – und auf etwas Wind hoffen 😉

Aber es hilft alles nichts – Tags darauf bereiten wir den STORMVOGEL auf seine nächste herrenlose Zeit vor, packen unsere Sachen und reisen ab. Eigentlich sollten wir für die 400 Autokilometer vier Stunden brauchen, weil bei KOLDING aber ein LKW Ladung verloren hat, brauchen wir schlappe drei Stunden mehr. So spült das Leben. Who cares?

Jetzt liegt also das schönste Boot der Ostsee weit entfernt einsam im Hafen während der Skipper die Regentropfen in Elmshorn zählt und sich (vermutlich) bei 124.212.341 verzählt hat. Noch mal: Who cares?

Unsere Segelsaison geht erst Mitte August weiter – bis dahin verfolgen wir hier in Elmshorn verschiedene Bau- und Geschäftsprojekte. Und kurven mit dem Flieger ein wenig in der Weltgeschichte herum: England und Italien. Nur kurz.

Ohne GPS Tracker.

Peter.

 

Løgstør

Das Wetter im LIMFJORD lässt sich einfach beschreiben und kennt nur zwei Zustände:

Zustand 1: WEST >20 Knoten
Zustand 2: Irgendwas anderes, aber ganz wenig

Nun würden Spitzensportler mit ihren Super-Sport-Booten sicher im engen Fahrwasser gegen den WEST Wind ankreuzen, wir, die wir einen holländischen Ozeandampfer fahren schmeißen den Brüllaffen an, verkriechen uns hinter der Sprayhood oder im Deckshaus und dampfen gegen an. Denn das geht im LIMFJORD durchaus. Die Welle ist erträglich und 10-15 Knoten auf die Nase sind noch OK…ich weiß, das ist geschönt…

Aggersund Brücke

Am 17. Juni wollen wir das kurze Stück (27 Seemeilen) nach Løgstør dampfen. Der Ort soll ganz schön sein, also genau das, was wir suchen!

Aggersund Brücke

Wir erreichen die AGGERSUND Brücke und warten wieder geduldig auf die Öffnung. Der Wind hat längst aufgefrischt und wenn es noch weit wäre, würden wir hier wohl Station machen. Mit einer Mischung von Bewunderung und Unverständnis beobachten wir einen Eingeborenen, der unter Segeln extrem hart am Wind die Brücke passiert…was eine Deutsche Crew (NATÜRLICH NICHT WIR!) offenbar als Herausforderung versteht und im engen Fahrwasser nach Løgstør mit dem Dänen um die Wette kreuzt.

Aggersund Brücke

Jeder wie er will, sicher.

Aber wie war das noch? Die Freiheit des einzelnen hört genau da auf, wo sie die Freiheit von anderen einschränkt.

Løgstør

Die meisten Boote, mit denen wir die Brücke passiert haben, lassen Løgstør links liegen und gehen weiter. Auch die beiden Racer. Wir wollen nicht weiter. Im engen Kanalhafen finde ich keinen Platz – vermutlich habe ich ob der Anspannung auch nicht richtig gesucht und schon gar nicht auf die Mannschaft gehört. Sehr eng hier, wir vertreiben andauernd und ich habe Mühe, nicht anzuecken.
Also in den kleinen „Stadthafen“ neben an. Komisch: Sah´ von draußen irgendwie größer aus! Durch die super enge Einfahrt, direkt in die (wie üblich bei uns) zu kurze Box. Neben der Länge ist die Breite auch ein kleines Problem und wir bleiben kurz mal hängen. Wie gut, das der STORMVOGEL eine wirklich funktionierende Scheuerleiste hat!

Løgstør

Die Mannschaft verbringt Heldentaten, der Skipper mault (natürlich) wie immer und irgendwann ist unser Boot vernünftig angebunden – äh – fest gemacht.

Das Wetter an Land ist anders. Warm, Sommer, zwar windig, aber OK.

Løgstør

Und so genießen wir den ersten richtigen Sommernachmittag, seit wir in MIDDELFART aufgebrochen sind. Natürlich mit einer kleinen Supermarkt-Attake, Eis und…jetzt kommts: Muschelessen!

Løgstør

Denn im LIMFJORD werden große Muschelfarmen betrieben und die Ernte wird in den Supermärkten vor Ort auch verkauft. Lecker. Einfach Lecker!

Und wir glauben das beurteilen zu können: Die Qualität der LIMFJORD Muscheln ist viel besser, als die in SÜD-FRANKREICH.

Løgstør

Und jetzt, da der Skipper mühevoll diese Zeilen schreibt, fragt er sich, wie die Mannschaft es mal wieder fast hin bekommen hätte, das wir gleich am nächsten Tag weiter fahren. Dieses subversive. Diese Ziel-Gerichtete. Dieses hinterlistige Verfolgen von Zielen, die denen des Skippers diametral entgegen stehen. Dieses unsinnige schnell ankommen wollen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Der Skipper verordnet einen Haftentag in schöner Umgebung. Waschen, Fotos machen, Spazieren. Leben an Bord.

Løgstør

Ach, was wäre das Leben ohne Mannschaft?

Einsam.

Peter.

 

 

BALLEN (SAMSÖ) – AALBORG

Am Mittwoch, den 14. Juni 2017 gehen wir von BALLEN auf SAMSÖ nach GRENA. Strahlend blauer Himmel, immer noch 20+ Knoten WEST Wind und immer noch lausig kalt. Wir brettern sehr sportlich nach NORDEN, passen im flachen Fahrwasser des kleinen VEJRÖ SUND´s besonders auf und fangen an die Meilen nach GRENA herunter zu zählen. Denn nun gehts eigentlich nur noch NNE – immer noch kaum andere Boot zu sehen.

Wer hätte das gedacht: Man fühlt sich auf dem OSTSEE einsam…

Mit gut 7 Knoten Fahrt kommen wir früh´ in GRENA an, der Anleger hätte besser sein können, aber die Mannschaft hat ihr Bestes gegeben. Es ist wirklich sau-schwierig vom Bug des STORMVOGELS auf die sehr flachen Schwimmstege mit der Leine in der Hand zu springen. Statt Seglern wären hier eher Kunstturner gefragt.

Ob des frühen Nachmittags und der Sonne zieht es die Mannschaft in die Stadt und der Skipper lässt sich mit der Aussicht auf ein Bier der Eingeborenen mit schnacken.

Ohhhh, sie wissen nicht was sie tun!

GRENA City ist wirklich weit weg. Der Plan, mit dem Bus zurück zu fahren scheitert daran, das der letzte Bus um 17:00 Uhr fährt. Ja ja, wo Licht im Personenverkehr ist, da muss auch Schatten sein. Obwohl die unfreiwillige Wanderung eigentlich ganz schön ist!

Wir studieren wieder den Wetterbericht für den Folgetag. Anfangs noch leichter SW Segelwind, dann Flaute. Also brechen wir füh´ auf, stellen aber schnell fest, das das hier kein leichter Wind ist, sondern GAR KEIN Wind. Die Maschine läuft und es wird schnell langweilig.

Eigentlich wollen wir nach HALS, ein kleiner Hafen am OST-Ausgang des LIMFJORD´s. Als wir dort ankommen denken wir in stiller Eintracht, tuckern wir doch einfach weiter nach AALBORG. Auf die 17 Meilen mehr unter Motor kommt es nun auch nicht an.

Einen richtigen (und vor allem aktuellen!) LIMFJORD Törn-Führer haben wir im Vorfeld nicht gefunden. Schon immer haben wir von JAN WERNER den Törnführer „DÄNEMARK 1: Jütland, Anholt, Laesö“ in der Bibliothek. Darin wird ein ausführlicher LIMFJORD Törn beschrieben.

Im übrigen: Eigentlich ist HANSENAUTIC immer eine gute Quelle für Literatur – aber dieses (alte) Buch haben sie wohl nicht mehr…

Was frisches gibt es gedruckt offenbar nicht – wohl aber den mit viel Liebe zum Detail gemachten Online-Revierführer von ESYS. Und weil man ja nicht immer online ist, kann man per eMail dort eine Offline-Version kaufen und die HTML Seiten mit Bildern und Übersichtskarten lokal auf seinem Rechner speichern. Etwas altbacken, diese Technik, aber sie erfüllt durchaus ihren Zweck.

Wie immer hat JAN WERNER Recht: Von HALS bis AALBORG ist der LIMFJORD eher ein Fluß, der an mächtigen Industrieanlagen vorbei führt. Nix, was sich wirklich lohnt.

Am frühen Abend erreichen wir AALBORG nach 60 Motor-Seemeilen. Und hier startet die große LIMFJORD BRÜCKEN TOUR.

Aalborg Vesterbro

In der Stadt gibt es gleich zwei, in sehr kurzem Abstand zu passierende Brücken. Also Ruhe bewahren und warten, das die Brücken sich öffnen. Ist halt so, kann man ändern nix. Auch nicht, das die Brücken abgestimmt aufeinander öffnen – tun sie nicht, denn dann müsste man den Auto- und Eisenbahnverkehr der beiden Brücken synchronisieren.

Gleich drei Marinas gibt es hier, die ersten beiden lassen wir direkt aus, denn sie werden als „voll“ und „eng“ beschrieben – beides Attribute, die wir vermeiden wollen. Also gehen wir in die etwas entferntere MARINA FJORDPARKEN und freuen uns über den hohen Steg, das erleichtert das Anlegen doch phänomenal. Die Marina selbst ist fast tot. Ganz schön einsam hier.

Wie schon fast in DÄNEMARK üblich, gibt es auch hier nur einen eisernen  Hafenmeister.  Dabei  finden wir ein richtiges Stück  Mensch als  Hafenmeister  sehr wichtig.  Dieser ganze Mist mit hohen Lohnkosten  in unseren Breiten  wird unser Leben noch ganz gewaltig  verändern.   Besser ein mies gelaunter Hafenmeister als ein stummer Automat.

Tags darauf fahren wir mit dem Bus in die Stadt und erkunden ein wenig die viertgrößte Stadt DÄNEMARKS.

Aalborg

Also „ein wenig“ bedeutet: Einkaufsstraßen rauf und runter, Mittagssnack und Besichtigung der Waterfront. Thats it. Kein großes Programm…

Aalborg

Wir kehren zurück in unsere tote Marina und verdödeln den Rest des Tages…studieren das Wetter und beschließen, am nächsten Morgen weiter zu fahren.

Aalborg

Peter.

MIDDELFART – SAMSÖ

Unsere Segelsaison 2017 ist wirklich ganz schön zerstückelt. Kaum ist man nach der Langfahrt wieder zu Hause gibt es ohne Ende Termine und Projekte und bei der Mannschaft auch immer noch eine gewisse Segelmüdigkeit. Und so sind wir immer mal wieder auf dem Boot und segeln, aber eben auch oft zu Hause.

So lange wir im Großraum DÄNEMARK / JÜTLAND unterwegs sind, ist wenigstens die Reiselogistik einfach. Mit Bus und Bahn kann man sich in DÄNEMARK ganz gut bewegen und die An/Abreise mit dem eigenen Auto ist auch kein Problem…obwohl die Dänen tatsächlich an der Grenze die Pässe kontrollieren – jedenfalls nehmen sie Stichproben.

Also vorholen wir uns am 12. Juni 2017 mit dem Auto nach MIDDELFART – da haben wir den STORMVOGEL ja zurück gelassen. Am frühen Nachmittag sind wir wieder an Bord, sehen uns an und stellen gemeinsam fest, das dieses lausige Wetter so gar keine Lust auf Bordleben macht!

Tief hängende dunkelgraue Wolken, jede Menge Wind pfeift und heult in den Masten, die Temperatur ist zumindest gefühlt nahe dem Gefrierpunkt. Auf der permanenten Suche nach dem positiven stellen wir fest: Es regnet nicht!

Wie schön!
Wie schön!
Wie schön!

(Selbst-Suggestion hilft nur, wenn man es mehrmals wiederholt!)

Klassiker in dieser Situation: Erst mal einkaufen gehen – das beruhigt und lenkt ab. Wie komfortabel: Mit dem Auto!

Nach dem die frischen Sachen verstaut sind, es ist mittlerweile 14:00 Uhr, sitzen wir wieder da. Unglaublich, wie mieses Wetter einem die Stimmung verderben kann. War das früher auch schon so?

Heidi hat die Lösung!

Wir bringen das Auto jetzt schon an den LIMFJORD und fahren mit der Bahn zurück nach MIDDELFART. Dann brauchen wir später das Auto nicht zu holen und wir haben jetzt eine schöne Beschäftigung.
Nun, der Skipper blickt fachmännisch auf die Seekarte und kürt LEMVIG im NORD-WESTEN des LIMFJORD´s als Zielhafen. Sieht gegen alle Windrichtungen gut geschützt aus und die GOOGLE EARTH Bilder sehen wirklich nett aus.

Die Autofahrt nach LEMVIG ist extrem langweilig und wir sind auf einmal tatsächlich etwas knapp mit der Zeit – schließlich wollen wir ja mit Bus und Bahn direkt wieder zurück! Das Auto gut am Bahnhof geparkt, geschwind in den Bus und via STRUER mit dem Zug zurück nach MIDDELFART. Die spontane Reiseplanung mit GOOGLE MAPS ist wirklich eine große Erleichterung und der öffentliche Personenverkehr mit Bus und Bahn ist perfekt organisiert.

Gegen 21:00 Uhr sind wir wieder an Bord und bilden uns wenigstens ein, das das Wetter besser wird.

Am nächsten Morgen stellen wir aber ernüchtert fest: Nö, alles wie gehabt. Kalt, Dunkel, Windig, Ungemütlich.

DEN GAMLE LILLEBEALTSBRÖ (Die alte Brücke über den Kleinen Belt)

Egal, der Wind ist zwar mit 20+ Knoten stark, steht aber mit W günstig und es gibt auf dem Weg nach NORDEN genug Häfen um abzubrechen, wenn wir wirklich keine Lust mehr haben. Also los und zunächst unter Maschine im Fahrwasser nach FREDERICIA. Dort angekommen kommt zumindest teilweise die Sonne hervor und wir beschließen nach SAMSÖ weiter zu gehen. Das Groß im dritten Reff, volle Fock und ausgebaumtes Yankee bringen gute 6 Knoten Fahrt auf dem nun folgenden NORD-OST Kurs. TRUDI, die Windsteueranlage haben wir in dieser Saison nicht montiert, also muss der eiserne GUSTAV ran.

DEN NYE LILLEBEALTSBRÖ (Die neue Brücke über den Kleinen Belt)

Das Boot liegt gut, läuft gut und wir verkriechen uns hinter der Sprayhood oder auch ins Deckshaus. Wir sehen kaum andere Boot. Die Ursache ist wohl eine Kombination aus Vor-Saison und Wetter.
Als wir an der SÜD-OST Spitze von SAMSÖ den dortigen kleinen Windpark umschiffen wird tatsächlich ein Segelmanöver nötig, wir wechseln routiniert von achterlichem Wind auf Halbwind und nun spüren wir die volle Windstärke. Der Windmesser meldet so um die 35 Knoten, durch die Landabdeckung null Welle und nun auch blauer Himmel! Wie auf Schienen rast der STORMVOGEL so vor sich hin…

…da muss doch noch was auszusetzen sein?

Ja klar: Scheiße, ist das kalt hier!

Wir gehen nach BALLEN und obwohl der Hafen eher halb leer ist fühle ich mich ob der Größe des STORMVOGELS nicht wohl. 30 Fuß wären hier besser als unsere 48. Mit Ruhe und Bedacht und jeder Menge Fender gehen wir gegen den Wind längsseits an einem Pontoon und machen nach gut 45 Seemeilen Feierabend.

Und obwohl wir körperlich kaum durch Segelmanöver gefordert wurden, sind wir richtig müde. Ja, ja, die frische Seeluft!

BALLEN verdient es sicherlich, länger zu bleiben, aber der Wetterbericht verspricht für den nächsten Tag noch mal ordentlich Segelwind, um die 40 Seemeilen nach GRENA zu kommen. Also vertagen wir jegliche Erkundungstouren auf der Insel auf einen anderen Törn und gehen zufrieden in die Koje.

Ganz so, wie es sein soll!

Peter.

P.S: Merke: Ist das Wetter KALT und GRAU, macht der Peter keine Fotos!

Probefahrt

Kann man die (oder auch „den“) OSTSEE nach vier Jahren Weltumseglung noch gut oder gar schön finden?


Übernachten (kostenlos!) in GIESELAU SCHLEUSE im NORD-OSTSEE-KANAL. Die Sonne geht gerade unter, der Wind rauscht gewaltig in den Bäumen und die Vögel präsentieren ihr atemberaubendes Sonnen-Untergangs-Konzert. Die Dämmerung setzt langsam ein und mit jedem bisschen mehr Dunkelheit, wird das Vogelkonzert leiser. Alle legen sich zur Ruh´, nur der Wind rauscht weiter in den Bäumen.


Stimmung und Kulisse erinnern uns sehr eindringlich an unsere unvergessliche Urwald-Übernachtung auf BORNEO. Zweieinhalb Jahre zuvor.

Die Antwort ist also ja.

Ganz klar ja! NORDDEUTSCHLAND, die OSTSEE und das nahe DÄNEMARK sind sehr reizvoll – an Bord, auf dem Wasser in der reichlich vorhandenen freien Natur zu leben ist einfach schön!

Wir sind gestern kurz nach Hause gekommen, um ein paar Dinge zu organisieren.


Damit haben wir unsere 10-tägige Probefahrt nach dem großen STORMVOGEL Refit beendet. Wir können es noch, das Segeln! In den Häfen gehen uns die zahlreichen Kommentare zum STORMVOGEL wie Öl herunter und des Skippers-Brust schwillt vor lauter Stolz seit Tagen gar nicht mehr ab!


„Ist das Boot neu? Sieht toll aus!“
(nein, 20 Jahre alt)


„Was für ein schönes Boot!“
(oh, ja!)


„Mensch, mit so einem großen Boot müsstet ihr doch auf große Fahrt!“
(äh, ja, äh, wir sind gerade im letzten Jahr zurück gekommen).

Bild von Peter W. aus B.

Noch viel schöner als die ganzen Kommentare waren die spontanen Treffen mit sehr lieben, lange nicht und sogar auch nie gesehenen Menschen:

Los ging es bereits nach dem NOK, in LABOE. Die wagemutige Crew der NAUSIKAA (unter Segeln = Wahre Sportler!) wollte uns direkt hinter der Schleuse auf der Kieler Förde abfangen…klappte aber nicht, denn des STORMVOGELS Skippers legte den Hebel auf den Tisch um schnellstmöglich in die BALTIC BAY zum Anlegerbier zu kommen. Aber beim Bier, da haben wir uns nach gut vier Jahren wieder getroffen. Herrlich! Einfach nur Herrlich!

In MARSTAL treffen wir die Familien-Crew des Motorkreuzers JULIUS – leider viel zu kurz, aber immerhin: Es gibt jetzt Gesichter zu den Namen!

Später in AEROSKÖPING die bunte Crew der NOVOMIND mit Skipper Knut getroffen und erstmalig so was wie ein Vereinsboot-Treffen arrangiert: Der Verein hat das eigene Boot „novomind“ (eine 34 Fuß HANSE) und wir als Mitglieder im Verein haben unseren STORMVOGEL und tragen seit fünf Jahren das Vereinskürzel „nms“ am Heck. Beachtlich, beachtlich!


Und schließlich auf LYÖ die junge Familie der KAROLINA (ich glaube IV) getroffen, ebenfalls seit Jahre nicht gesehen!  Die Fahrrad-Sternfahrt auf der Insel mit ihrem sagenhaften Gletschertal haben alle gut überstanden. Auch der STORMVOGEL Skipper. Wenn ich das richtig sehe, haben wir ca. 7 Kilometer in 5 Stunden zurück gelegt. Gemach, Gemach!

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah? (sehr frei nach Goehte)

Ein paar Törn-Infos, der Reihe nach:

Quelle: GOOGLE / YELLOWBRICK

 

1) Nord-Ostsee-Kanal
Ein Witz, ein absoluter Witz! Wie kann Deutschland eine bedeutende Bundeswasserstraße so verkommen lassen? Liegt das am Karo-tragenden bayrischen Verkehrsminister oder an sturen Norddeutschen? Von 8 Schleusen sind derzeit nur 3 (in Worten DREI!) funktionsfähig und in Betrieb und diese 3 sind auch noch in einem lausigen Zustand. Wer so was zu verantworten hat, der wird wohl nachts nicht schlafen können. Hoffentlich!

2) LABOE / BALTIC BAY MARINA
Super-Hafenmeister und schöner Liegeplatz…aber neuer Gastro-Pächter mit eher Durchschnitts-Pizza und nix mehr mit Matjes und Bratkartoffel. Ein Highlight an der Förde weniger. Leider.

3) AERÖ / MARSTAL
Wie immer ein Traum – aber auch rappel, pappel, dackel voll. Jedenfalls am Himmelfahrts-Abend. Danach: Leer. War wohl nur der erste große Ansturm der Deutschen Flotte.

4) AERÖ / AEROSKÖPING
In der Stadt wird Fernwärme verlegt und die Straßen gleichen einem großen Sandspielkasten. Essen mit der novomind-Crew königlich zu Abend, einmal auf dem Steg und einmal im Restaurant.

5) LYÖ
Kreuzen wie die Irren gen 20 Knoten Nordwind. Nach der dritten Wende klappt es wie am Schnürchen, allein das mit dem Höhe Gewinnen muss der Skipper noch mal verbessern. Aber herrlich, so hart am Wind bei kleiner Welle zu segeln. Allerdings laufen wir die letzten 6 Seemeilen dann doch unter Motor gegen an – unsere Sportlichkeit hat durchaus ihre Grenzen. Gehen nicht wie geplant auf Anker, sondern in den deutlich vergrößerten Hafen – eng, aber passt!

6) MIDDELFART
Der Wetterbericht verspricht mit SE 15 Knoten besten Segelwind, um nach Norden zu kommen – und so laufen wir statt der geplanten 20 Meilen einfach 40, direkt nach MIDDELFAHRT, wo wir unsere Probefahrt beenden, das Boot liegen lassen und per Zug kurz nach Hause flitzen (…Regionalbahn, max. 60 km/h).

Kommenden Sonntag werden wir Termine aller Art erledigt haben und auch große Teile der Familie gesehen haben…und dann gehts Montag direkt zurück nach MIDDELFART zum STORMVOGEL. Knapp zwei Wochen haben wir dann, um das Boot in den LIMFJORD in den Norden DÄNEMARKS zu bringen.

Eigentlich sollte ich den GPS Tracker besser am Körper tragen – dann wüsste ich durch Blick auf die Karte, wo ich gerade bin… 😉

Peter.