Archiv der Kategorie: Projekt: Lange Reise

LEIXOES / PORTO – VIANA DA CASTELLO – MOANAS / V*** – VILAGARCIA

180 Seemeilen in vier Stationen mit zwei Ländern und ein paar (mit Verlaub) richtig geilen Segeltagen.

Wer hätte das gedacht? Von wegen „vorherrschend Nord“ und „Strom gegen an“. Letzteres ist wirklich zu vernachlässigen: 0,2-0,5 Knoten gegen an, das ist kein Problem. Und im Moment pustet es aus allen Richtungen – jeden Tag anders, oder auch mal gar nicht. Also ideal, um nach Norden zu kommen!

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Von FIGUEIRA DA FOZ nach LEIXOES waren es 66 Seemeilen, die meiste Zeit mit Vollzeug hervorragend gesegelt. LEIXOES ist der Industriehafen von PORTO, gleich neben an. Die Marina keine Schönheit, aber mit 23 € pro Nacht weniger als halb so teuer wie die Marina im Fluß DOURO.

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Irgendwie fangen die Marinapreise an mich zu nerven. Es ist nicht so, das wir uns das nicht mehr leisten könnten oder ich gar geizig geworden wäre. Aber satte 50 € pro Nacht und mehr für einen Liegeplatz, lausige Sanitäreinrichtungen und sonst nichts? Da bekommt man mit Sicherheit schon ein ganzes Pensions- oder Hotelzimmer, womöglich mit Frühstück für.

Am Samstag, den 28. Mai 2016 unternehmen wir unsere PORTO Erkundungstour, mit dem Bus von LEIXOES aus in die Stadt. Es schüttet. Die Straßen stehen tief unter Wasser, es ist düster und kalt. Aber der Wetterbericht meint, der Dauerregen gehe in Schauer über und Nachmittags soll sogar die Sonne mal durch kommen. OK, das ist ein Deal!

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PORTO gefällt uns auf Anhieb viel besser als LISSABON. Das liegt vermutlich daran, das die Stadt nicht so herausgeputzt ist und viel authentischer wirkt durch die alten, teilweise sehr herunter gekommenen Häuser ohne jedem Zeichen von Renovierung. Uns gefällt das ja, dieses „naturbelassene“ und „unbehandelte“.
Die Stadt füllt sich trotz des Wetters schnell mit Touristen und bei jeder Schauer suchen alle schlagartig Schutz vor den Wassermassen. Ich suche die Chance auf ein paar gute Fotos, trotz des dunklen Himmels.

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Dafür erklimmen wir den TORRE DOS CLERIGOS und sind aus zwei Gründen bei Gipfelstürmung völlig fertig: Zum einen fordern die 225 Stufen alle Kraft der müden Segelbeine, zum anderen ist es so brechend voll (klar, im Turm regnet es ja nicht!) das man nur mit artistischen Einlagen weiter kommt. Ausblick genießen ist ob der Menschenfülle im obersten Stockwerk nicht möglich. Eher die Runde drehen, Motive suchen, sein Foto machen und sich an den nicht minder anstrengenden Abstieg wagen. Merkwürdig, das es hier keinen Besucherstrom-Regelung gibt?

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Das Wetter bessert sich tatsächlich, wir landen am Fluß und finden die Kulisse noch besser. Gerne hätten wir eine Portweintour gemacht, aber die Kellereien sind auf der anderen Flußseite und erscheinen uns unerreichbar. In nächster Nähe hingegen finden wir unser Mittagessen in einem Mini-Lokal: Das Geschäft findet normalerweise draußen statt, da kann das Restaurant ruhig klein sein. Normal ist aber heute nicht. Heute schüttet es. Daher sitzen wir quasi in der Küche und schauen dem emsigen Koch auf die Finger. Das stört den aber nicht.

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PORTO scheint uns sehr viele Häuser mit Kachelfassaden zu haben. Neben filegranen Mustern gibt es auch einfach rote, blaue und grüne Häuser mit Kachelkleid.

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Für die Rückfahrt wählen wir die METRO, steigen falsch aus und latschen kilometerweit durch den Hafen, um zum STORMVOGEL zurück zu kommen. Interessant, aber völlig überflüssig.

Tags darauf segeln wir 36 Seemeilen nach VIANA DO CASTELO, unserem letzten Hafen in PORTUGAL. Wir sind selbst sehr erstaunt, das wir knapp zwei Monate in PORTUGAL waren. Klar, wenn man nachrechnet stellt man fest, wo die Zeit geblieben ist. Auf dem Fluß RIO DUARDIANA, vor ALVOR und schließlich in LISSABON.

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DerTagestörn ist super-segeln. Wir sind mit 5 anderen Booten auf der Strecke und logisch, wenn alle das gleiche Ziel haben will keiner der Letzte sein. STORMVOGEL hängt super hart am Wind, dank Schwenkkiel laufen wir sehr ordentlich Höhe und öfter auch mal 7 Knoten – auf See echt nicht schlecht!
Der Himmel, zum Abgewöhnen. Der Liegeplatz am Flußponton mit 37 € völlig überteuert. Dennoch liegen wir im Päckchen und genießen unsere auf mit Gold aufgewogene Nachtruhe.

Am Montag, den 30, Mai 2016 starten wir nach SPANIEN, in die Stadt deren Namen wir seit 2012 nicht mehr aussprechen. Und weil auch in dieser Stadt die Marina Preise deutlich angezogen haben, gehen wir nach vorheriger Internetrecherche einfach auf die andere Seite der RIA, nach MOANA. Das hat drei Vorteile:

1) Wir können den Namen unseres Liegeplatzes ohne Sorge aussprechen
2) Wir können mit der Personenfähre für 2,20 € pro Fahrt in die Stadt übersetzten, deren Namen wir nicht nicht mehr aussprechen
3) Und, jetzt kommt der Hammer – wir liegen hier für 18 € die Nacht. Das finden wir doch mal sehr OK!

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Und etwas anderes Denkwürdiges passiert hier. Wir schließen Freundschaft mit dem französischen Boot MARIE-LOUISE. Patrik und Kati. Seit vier Jahren sind wir unterwegs und haben **NOCH NIE** auf einem französichen Dampfer gesessen und den Sonnenuntergang bei ein paar Drinks genossen. Es ist nicht so, das die Beiden was anderes sprechen als französisch, aber mit Händen und Füßen gelingt so was Ähnliches wie eine Unterhaltung.
Patrik auf einer vorangegangenen Etappe mit seinem iPAD ein kleines „STORMVOGEL unter Vollzeug“ Video gemacht und ich verbringe gut zwei Stunden damit, das 65 Megabyte Teil von einem APPLE Produkt (eingestellt auf französische Sprache) auf ein nicht APPLE Produkt zu kopieren. So ein Scheiß! Hallo, im Jahr 2016!!!
Wir revanchieren uns mit ein paar Actionfotos von MARIE-LOUISE…geschossen „von vorne“, was meint, das wir sie überholt haben…;-))) Ahhhhhhh!

Hier passt auch ganz kurz die Geschichte von Shirley aus England. Die Dame ist 70 Jahre alt und unfreiwillig Solo-Sailor auf dem Motorsegler „RORQUAL“ (?). Ihr Mann ist letztes Jahr auf dem Boot gestorben und sie möchte es nun nach Hause bringen. Ist das nicht traurig, beeindruckend, mutig und Mut machend zu gleich?

Oder Jeanne und Dick auf MAR-JOLIE aus den Niederlanden. Beide über 70, seit 40 Jahren Segler mit verschiedenen Booten und wollen nun ihre ELAN 434 nach Hause bringen…und dem Segeln auf Wiedersehen sagen. Das Leben auf einem Boot hält ganz offenbar jung. Und vor allen fit.

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Nun denn, nach zwei Nächten in MOANA geht es weiter nach VILAGARCIA, ganz hinten tief drin in der RIA DE AROUSA. Die lange Fahrt in der RIA ist famos, die Landschaft phänomenal und so völlig anders, als man es von Nord-Spanien erwarten würde. Eher skandinavisch. GALICIEN ist wirklich im Sommer ein Geheimtip.
Das kann man VILAGARCIA wohl nicht so sagen. Eher eine kleine Industriestadt in der Provinz. Aber, und das war der Grund unserers Besuches: Der Ort hat einen Bahnhof in Fußmarschweite von der Marina. Die Bahnstrecke verbindet eigentlich V*** mit LA CORUNA, unterwegs nach Norden hält der Zug aber auch in SANTIAGO DE COMPOSTELA – dem Ort, wo alle Welt angeblich zu Fuß hin pilgert. Nun denn, wir besuchten den Ort heute also mit Boot und Bahn und berichten demnächst über den Tagesausflug.

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Morgen brechen wir wieder auf – bummelig 60 Meilen nach MUXIA (MUGIA). Mit Chance Segelwind. Übermorgen 50 Meilen nach LA CORUNA. Oder Über-Übermorgen.

Schauen wir mal.

Peter.

Einmal rum und ein bisschen weiter

„rum“ im Sinne von „herum“, nicht im Sinne von „Rum“ – das hätte doch selbst ich trotz chronischer Schreibschwäche mit einem großen „R“ geschrieben…

Bummelig 25.500 Seemeilen haben wir bisher zurück gelegt.

Jetzt, mit Einlaufen in NAZARE (PORTUGAL) am 24. Mai 2016 schließt sich der Kreis. Wir sind einmal rum. Denn am 14. Oktober 2012 haben wir NAZARE mit Kurs MADEIRA verlassen.

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Wir wollen uns nicht an das Drama von damals erinnern und müssen es auch nicht. Und für die, die es ganz genau nehmen möchten, sei darauf hingewiesen, das wir bekanntlich eine Abkürzung im INDISCHEN OZEAN genommen haben und für einige daher nicht „rum“ sind. Aber wir fühlen uns wie „rum“ und nur darauf kommt es an.

Jetzt, vier Jahre später ist sowieso alles irgendwie anders. Das Leben an Bord ist nicht mehr so neu und ungewohnt. Der Umgang mit technischen Fehlern routinierter – und, vor allem – wir sind viel sicherer im Umgang mit unserem STORMVOGEL.

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Heidi sagt: Eigentlich sind wir und das Boot jetzt in der Lage, um die Welt zu segeln.

Tja, allein, sie möchte dieser Erkenntnis keine Taten folgen lassen und dennoch nach Hause. Also keine neue Planänderung. Wir fahren nach Hause.

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Es ist schon erstaunlich, wie wenig sich in vier Jahren ändert. Der Kommunalhafen in NAZARE ist noch etwas mehr herunter gekommen und versprüht so weiterhin seinen rauen Fischereihafen-Charme. Der Hafenmeister findet uns tatsächlich im Computer. Mike und Sally, die beiden Briten die als Dauerlieger im Hafen sich um die Neuankömmlinge gekümmert haben, sind in Rente und leben in der Nähe des Hafens in einem Haus am Strand.
Die Sanitäranlagen sind genauso alt wie damals und immer noch sehr sauber. Ich erinnere mich ganz genau an 2012, als ich dachte, wie altmodisch / rückständig sieht das denn hier aus – in völliger Unkenntnis dessen, was wir dann in den Folgejahren in der Welt alles so gesehen haben. Es ist gut, einen auf die Welt geeichten Maßstab zu haben.

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Wir laufen am immer noch phänomenalen Sandstrand von NAZARE vorbei zur Bergbahn und fahren diesmal auf dem Fels hinauf – schließlich wollen wir trotz Wiederholung auch was neues sehen. 2012 war keine Zeit dazu – der ARC Starttermin drängte.

Das mit dem“was neues sehen“ wird gar nicht so einfach. Denn die logischen Etappen sind die gleiche, wie damals bei der Ausreise. Bis auf den englischen Kanal, da wollen wir auf der französischen Seite bleiben.

Weil wir am Montag (23/5/2016) eine lange Etappe von CASCAIS nach NAZARE auf uns genommen haben (66 Seemeilen), können wir den Dienstag im NAZARE  verbringen. Wer jemals eine perfekte Welle fotografieren möchte, der muss sich hier wohl im Frühjahr oder Herbst auf die Lauer legen. Eine weltweit einmalige Unterwassergeologie sorgt für (angeblich) die höchsten Wellen in der Welt – jedenfalls für Surfer 😉 Von 22 Metern ist hier die Rede. Also zwei mal zehn Meter plus zwei!!!

Das Wetter treibt zur Weiterfahrt und wir gehen am Mittwoch (25/5) eine Etappe weiter, nach FIGUEIRA DA FOZ (36 Seemeilen). Es ist zwar Wind, mit 12 Knoten eigentlich sogar Segelwind, aber ein drei Meter Schwell bewegt das Boot so massiv, das die Segel immer wieder kollabieren. Dieser Schwell wird von einem Sturmtief weit draußen auf dem ATLANTIK verursacht, mit dem unsere Segelfreunde von VOYAGER auf ihrem Weg zu den AZOREN kämpfen.
Man erkennt: Alles ist miteinander verbunden. Alles hängt zusammen. Tatsächlich.

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Bei uns läuft also die Unterwassergenua mit. Nun ist es an der portugiesischen Küste so, das nicht alle Häfen bei jeder Witterung geöffnet sind. Manchmal, z.B. bei starkem auflandigen Wind, werden die Hafeneinfahrten aus Sicherheitsgründen gesperrt. Darüber gibt diese Internetseite Auskunft (nach unten scrollen).
Allerdings läuft der riesige ATLANTIK Schwell nicht aus West oder West-Nord-West, wie vorhergesagt, sondern eher aus Süd-West, also genau in die Hafeneinfahrt hinein. Und so fragen wir uns, ob wir in (Achtung: Nicht in deutscher Aussprache lesen, in portugiesisch ist das Z ein SCH:) FIG DA FOZ (…was für ein Kracher) überhaupt einlaufen können. Unterwegs die Internetseite konsultiert und Erleichterung – die Flagge steht auf GELB was bedeutet, das Boote ab 11 Meter passieren dürfen.

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Die Ansteuerung ist sehr spannend, 10 Meter Wasser unter uns, 3 Meter Wellenberge die sich so lang ziehen, das man im Wellental nichts mehr von Hafeneinfahrt, Molen oder Wellenbrechern sieht. Aber ich beobachte die Situation in der Hafeneinfahrt lange mit dem Fernglas und kann Heidi absolut beruhigen – keine Welle bricht in der Einfahrt, das wird schon klappen.

Es klappt auch. Da wir mit auflaufend Wasser einlaufen, haben wir auch kein Problem mit gegeneinander laufenden Strömungen und Wellen.

Die Marina ist sicherlich kein Muss, aber schauen wir mal, was sich den Tag über hier so ergibt. Wir sind mittlerweile vier Boote, die im Pulk gen Norden ziehen. Alle mit unterschiedlichen Zielen, aber der Weg bis LA CORUNA in Nordspanien ist für alle gleich. Und auch die zur Verfügung stehenden Wetterfenster.
Aus diesem Grund setzten wir schon wieder einen Tag aus. Die Welle soll zwar auf 2 Meter zurück gehen, der Wind aber unter 10 Knoten kommen. Bis nach PORTO sind es 65 Seemeilen und so einen langen Schlag wollen wir nicht bei elender Schaukelei unter Maschine absolvieren. Besser auf Morgen Warten. 1,5 Meter Welle und 15 Knoten Wind.

Hört sich doch gut an, oder?

Und wie es so läuft, wenn man durch Weglassen von Informationen Situationen beschönigen kann sieht man hier: Es wird regnen. Es wird regnen und regnen und regnen.

Kein Problem, denkt sich Heidi: Da packe ich meinen aus Zucker gebauten Skipper hübsch ins Ölzeug, stelle ihn an Deck und sitze derweil im gemütlichen Deckshaus und lese, stricke oder mache ein Nickerchen.

Peter.

P.S: In NAZARE findet Anfang August 2016 das „NAZARE BOATFESTIVAL“ statt – Gastboote sind ausdrücklich willkommen. Hier deren Website dazu.

Zur Lage XXXII

Wir sind immer noch im Großraum LISSABON, genauer gesagt in der Marina CASCAIS. Unser Besuch ist gerade weg, zu spät um noch heute gen Norden aufzubrechen. Aber da bleibt doch glatt die Zeit für einen neuen Lagebericht.

Und was für einer. Multimedial mit eigenem Video und passender Musik von Ole.

Drei Themen heute:

1) EPRIB Seenot-Funkboje
2) FURUNO RD-33 Anzeigegerät
3) Propellerlager

1) EPIRB Seenot-Funkboje
Zu einem Mysterium entwickelt sich die Frage, wieso die KANNAD Safelink 406 Boje auseinander gefallen ist. Sie ist gut und sicher in der Nähe des Niedergangs befestigt und somit „aus dem Weg“. Trotzdem ist ein Gewinde abgebrochen so das die Boje in zwei Teile fällt. Alle Versuche, das zu kleben waren nicht erfolgreich und so habe ich eine lange Holzschraube genommen, den Plastikstutzen vorgebohrt und das Teil dann verschraubt. Hält bis jetzt. Die Boje dann drei mal auf Funktion getestet (mit speziellem Testverfahren und nur in der Zeit „volle Stunde bis +5 Minuten“) und für gut befunden. Wird wohl bis zur Rückkehr halten, 2017 ist sowieso eine neue fällig.

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Und jetzt, da ich die Links recherchiere, stelle ich fest, das der Hersteller eine Weltweite Rückruf-Aktion gestartet hat. Der Grund: Das „gelbe Plastik“ könnte schneller als gewollt altern und kaputt gehen. Tja, da würde ich glatt mal sagen: VOLLTREFFER!
Also geschwind das Anforderungsformular ausgefüllt und Daumen gedrückt, das wir kostenlos eine neue bekommen – sogar fertig programmiert, denn es werden alle Daten abgefragt.

Schauen wir mal.

2) FURUNO RD-33 Anzeigegerät
Das da was im Busch war, war schon länger klar. Manchmal konnte man die Anzeige nicht mehr umschalten. Also mal ausgebaut und siehe da, das Teil ist voller Regenwasser. OK, es hat geschüttet wie doof, aber so ein Gerät darf nicht voll laufen! Es ist nun 3,5 Jahre alt und hat die Sonnen von Karibik, Pazifik und Asiens aushalten müssen. Vermutlich hat das Plastikgehäuse dabei Schaden genommen und irgendwo Raum für Regenwassereintritt geboten. Nicht schön.

Das Teil also mutig auseinander geschraubt, getrocknet und ausprobiert. Siehe da: Funktionierte noch – einwandfrei!
Tja, das Wort „Funktionierte“ besagt ja implizit, das es nun nicht mehr funktioniert ;-(
Und das hat nur mit Skippers beschränkten Fähigkeiten zu tun. Er wollte alles ganz toll sauber machen und setzt an einer vermeintlichen 6-Kant Mutter eine Zange an, die aber gar keine Mutter war – und knack, ab ist der CAN-Bus Anschluß. In Theorie kann man das wohl löten, aber Skipper ist nicht „man“.


Ohhhh, ich höre schon die Worte eines gewissen W. aus HH. – und zitiere Heidi: „Das geht von Deiner Hälfte ab…“.

Nun, ein neues Gerät ist bestellt und wird hoffentlich heute geliefert. Ich tröste mich über diesen unerwarteten Verlust mit dem Gedanken, das ich den Grund für die Undichtigkeit sowieso nicht gefunden habe. Ferner steht bei der starken Korrosion auf den Leiterplatten zu vermuten, das es eh´ bald komplett ausgefallen wäre…

3) Propellerlager
Nach dem wir also endlich einen Krantermin bekommen hatten konnte das Lager untersucht werden. Fazit: Ja, das Lager könnte man nun durchaus mal erneuern. Zuletzt wurde das in NEUSEELAND vor ca. 1.200 Motorstunden erneuert. Jedenfalls laut Rechnung und Stundenzettel. Bilder habe ich davon keine.

So ein Lager soll eigentlich gut über 2.000 Stunden halten. Wenn man die Geschichte mal recherchiert stellt man aber fest, das es viele Gründe für einen früheren Tot gibt. Das ist eben ein Verschleißteil das mit Seewasser geschmiert wird. Hauptbestandteil Gummi. Darin dreht die Propellerwelle, bei uns mit 1.500 bis 2.2000 Umdrehungen pro Minute. Wenn man dann mal auf Revierfahrten im (sehr) flachen Wasser auch noch Sand dabei hat, dann reduziert das eben die Haltbarkeit.
In diesem Forum ist von 500 bis 1.000 Stunden die Rede und in diesem gar von 3.000 bis 4.000 Stunden.

Schließlich verwirrt mich die Firma PROFISEAL völlig mit der Aussage, das ein neues Lager 0,1mm pro 100mm Wellendurchmesser haben dürfe (?). Das wäre dann ja bei uns 0,035mm Spiel – so wenig?

Das Messen des Spiels zwischen Lager und Welle ist m.E. unmöglich, da die Welle ja gut auf 140mm Länge aufliegt (so lang ist das Lager!) und das andere Ende der Welle im Drucklager oder am Getriebe steckt. Der bereits oben zitierte Herr W. hat mir aus einem PALSTEK-Artikel die Info zukommen lassen, das das Spiel so zwischen 0,3-0,6mm bei einer 65mm Welle sein dürfe. Wir haben eine 35mm Welle und alles unter einem Meter kann ich sowieso nicht ordentlich messen. Gefühlt sind wir beim alten Lager aber im Bereich von mehreren Millimetern.
Einzig die manuelle Kontrolle durch hin&her Bewegen des Propellers auf dem Trockenen gibt ein Gefühl für die Abnutzung. Und das kann man am Besten mit einem Bewegtbild-Video dokumentieren.

Vorhang auf, tärä:

Vorhang zu, weiter gehts:

So ein Lager ist ist natürlich keine Lagerware, also anders, als der Name vermuten lässt. Also muss das Teil aus England eingeflogen werden. Außerdem muss die Welle gezogen werden und das bedeutet beim STORMVOGEL, das auch das Ruder ausgebaut werden muss. Mit anderen Worten: Ein verdammt großer Job. In Summe haben wir 17 Arbeitsstunden auf der Uhr, das finden wir gar nicht mal zu viel für den Aufwand und und einen Materialpreis bei VETUS von gut 50 €.
Bei GFK Booten besteht das Lagergehäuse aus Metall. Auf einem Aluminiumboot will man aber kein anderes Metall haben – also besteht unser Lagergehäuse aus einem Kunststoff – daher kann man es beim „Ausbauen“ auch vorsichtig mit Hammer und flachen Schraubenziehr heraus meißeln. Das Stevenrohr dann mit Pressluft sauber gepustet und schon kann das neue Lager eingesetzt werden.


Und weil die Welle ja eh´ schon draußen ist, tauschen wir auch noch die VOLVO Stopfbuchse im Bootsinneren, denn auch die wurde zuletzt in NEUSEELAND getauscht. Das Teil ist schon klasse – kein Tropfen Wasser in der Bilge. Klar, so was tolles kostet so um die 200 €.

Nun denn, die kurze Probefahrt beim Zuwasser-Gehen war sehr erfolgreich, die längere Flussfahrt auf dem Weg nach CASCAIS ebenfalls ohne Befund. Wir werden weiterhin ein Auge darauf haben, sind aber erst mal froh´, das wir diese Baustelle geschlossen haben…

…mal überlegen:

Bis nach Hause sind es gut 1.400 Seemeilen, 6 Meilen pro Stunde macht in etwa 240 Motorstunden, wenn wir von LISSABON nach HAMBURG durchmotoren würden.

Aber halt, da war doch was?

STORMVOGEL ist doch ein Segelboot und seit wir das Mittelmeer verlassen haben, segeln wir ja auch tatsächlich wieder!

Da wollen wir doch mal sehen, wie viele Stunden wir bei Ankunft in HAMBURG tatsächlich auf der Uhr haben. Jetzt sind es 1.632.
Peter.

LISSABON

Man darf sich von der Zeit nicht täuschen lassen. Wir sind zwar schon gut zwei Wochen in LISSABON, hängen aber beileibe nicht jeden Tag in der Stadt ab – schon gar nicht an den überlaufenen Touristennestern.
Vielmehr leben wir hier wie in jeder anderen Stadt auch – an Bord. Das bedeutet Einkaufen, Wäsche waschen, Putzen, Essen kochen. Und manchmal machen wir dann auch Ausflüge und erkunden die Umgebung.

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Von diesen Ausflügen handelt dieser kurze Beitrag – und auch die vielen Bilder stammen davon. Die musste ich digital Nachbearbeiten – im Original waren einige einfach zu trostlos ;-(

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Unser Liegeplatz in der Marina auf dem ehemaligen EXPO Gelände ist gar nicht mal so schlecht. Mit dem Auto waren wir auf der Suche nach Schiffsausrüstern auch mal im DOCA DE ALCANTARA und da war es nur laut und schmutzig. Das ist hier anders und mit dem 728iger Bus ist man in 10 Minuten in der Stadt.

Dafür versandet diese Marina grandios – vielleicht ist das hier ja auch einfach ein großer Wattenmeer-Simulator am majestätisch dahin fließenden TEJO?

Welch Ironie: ADONIS II im Dreck.
Welch Ironie: ADONIS II im Dreck.

In 5 Fußminuten sind wir am weltberühmten Aquarium von LISSABON. Samstag früh, gut besucht, aber noch keine nervigen Schlangen. Das Konzept ist „ONE OCEAN“ – ein großes, sehr tiefes Becken mit allen erdenklichen Fischen in den verschiedenen Wassertiefen. Wie üblich bereuen wir es nicht, keine Taucher zu sein. Sehr schön das alles zu sehen, aber bitte trockenen Fußes und die Haie (auch wenn sie klein sind) schön durch eine dicke Plexiglasscheibe getrennt. Das letzte mal waren wir in TOWNSVILLE (AUSTRALIEN) trockenen Fußes unter Wasser – das ist glatt mal eben zwei Jahre her?

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Sehr positiv überrascht sind wir von der Wanderausstellung von TAKASHI AMANO. Dessen Unterwassergärten / Wälder wirken unglaublich beruhigend und sehr farbenfroh. Da kommt man glatt auf den Gedanken, das eigene Haus um 20 Meter zu verlängern um eine Wand auch so zu gestalten.

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Die obligatorische Seilbahntour muss natürlich auch sein – wenn schon mal eine da ist. Wir haben einen guten Blick über die zweite große TEJO Brücke. Die PONTE VASCO DA GAMA wurde, oh Wunder, ebenfalls zur EXPO 1998 errichtet. Ganz schön clever, im Rahmen von solchen Großprojekten ganze Industriebrachen zu neuem Leben zu erwecken und die Infrastruktur massiv weiter zu treiben. Die Entwicklung des vollen Lebens mag ein oder zwei Generationen dauern, aber das ist wenigstens ein Plan. Schade, das HAMBURG die Olympiabewerbung zurück gezogen hat.

Bahnhof ORIENTE
Bahnhof ORIENTE

Die Innenstadt-Tour findet dann schon bei besserem Wetter statt und Heidi kommt auf die Idee, das wir all die Fliesen an den Häusern fotografieren sollten. Denn das Verfliesen von Hausfassaden ist hier Tradition. Aber nicht irgendwelche einfarbigen Fliesen, nein, regelrechte Kunstwerke werden da an die Wand geklebt. Wenn der Fliesenleger da mal bloß nicht ins tüddeln kommt?

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Es wird Zeit, das ich mir mal wieder die Haare schneiden lasse – meint Heidi. Denn nur die „längeren“ Haare erklären die häufige Ansprache in der Innenstadt ob ich denn nicht Haschisch kaufen wolle. Oder handelt es sich um Marihuana? Was ist denn überhaupt der Unterschied?
Natürlich bleibe ich stark und kaufe nichts von dem Zeug. Bloß keine neuen Laster mehr anfangen – eher vorhandene abbauen. Vielleicht. Eventuell.

Na ja, also, obwohl und überhaupt. Bei der Linkrecherche bin ich auf diese Seite gestoßen – was die wohl rauchen? Echt mal klicken – irre gutes Design!

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Wir erklimmen die LISSABON überragende Burg CASTELO DE SAO JORGE und haben einen fantastischen Ausblick auf den Fluss, die Stadt und die wie Ameisen dahin strömenden Touristen in den Straßen. Die Stadt ist wirklich voll von Menschen und so bleibt ob der langen Schlangen und völligen Überfüllung eine Tour mit den kleinen Straßenbahnen auf der Strecke. Leider.

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Und wie immer auf solchen Erkundungstouren: Irgendwann sind die Füße platt, die Luft ist raus und man will nur noch nach Hause. Der Bus auf der Rückfahrt ist leider brechend voll – irgendwo war so eine Art Volkslauf und die Damen und Herren Sportler wollen nun auch nach Hause.

Wir auch. Mit letzter Kraft krabbeln wir die Leiter zum STORMVOGEL hoch, denn wir stehen immer noch an Land. Der Kühlschrank, das kalte Bier, die Erfüllung.

So viel zu alten Lastern.

Peter.

CASA DA URRA

Heute, am 15. Mai 2016 scheint zum ersten Mal seit unserer Ankunft in LISSABON am 5. Mai 2016 die Sonne. Die vergangenen 10 Tage waren geprägt von Dauerregen mit großen Wassermengen, schweren und leichten Schauern, Kälte und später dann nur noch teilweise Regen, aber keiner Sonne.

Das Tal der (Regen)Tränen scheint endlich durchschritten, das Licht am Ende des Tunnels ist die Sonne. Endlich, die Stimmung steigt im gleichen Maße wie die Temperatur und zum Abschluss der Regensaison in LISSABON wird mal wieder ein Blogupdate fällig.

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Erst mal nur ein kleiner über einen besonderen kleinen Ausflug ins Land.

Die Wettervorhersage für das vergangene Wochenende ( 7/8 Mai) war so katastrophal voller Regen, das wir uns kurzentschlossen in ein kleines Haus auf einem Weingut im Landesinneren zurückziehen wollten. Platz, Heizung, ein Ofen und ein schönes Bad, leider keine Badewanne.

Also ab in den Mietwagen und auf nach CASA DA URRA, in der Nähe von PORTALEGRE. Wie immer auf solchen Überlandfahrten (Maut-Autobahn ist natürlich ein NO-GO) schweigen wir und schauen uns die diesmal regen-verhangene Landschaft an. Es ist schön, ein Ziel zu haben und völlig ohne Plan da irgendwie hin zu kommen. Auch wenn die Schnalle in GOOGLE MAPS hier und da meint, man solle anders abbiegen, irgendwie wuseln wir uns durch.

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Das Wetter fernab der Küste: Immer noch ein Desaster. Ich hatte echt keine Ahnung, das PORTUGAL im MAI so im Regen versinken kann. Heidi nimmt es wie so oft viel gelassener und strickt was das Zeug hält. Ich glaube, wir machen einen Socken-Shop auf, wenn wir zurück kommen?
Vielleicht sollte sie lieber Wasserdichte Socken erfinden?

Das Weingut wirkt bei unserer Ankunft verlassen und wir müssen erst mal die Vermieterin anrufen, damit sie vorbei kommt und den Schlüssel bringt. Im Hochsommer ist hier bestimmt viel mehr los, jetzt scheinen wir die einzigen Gäste zu sein. Und weil wir gerne ein Doppelbett haben möchten (ja, immer noch!) bekommen wir das etwas abseits gelegene Häuslein. Von außen null-acht-fufzehn, von innen sehr gemütlich und großzügig eingerichtet.  Geheizt wird über die Klima-Anlage und den Ofen. Die Holzstücke sind so schwer, so massiv, das sie wie Steine wirken. Und sie brennen stundenlang, nach dem man sie mühevoll in Brand gesetzt hat. Ja, jetzt bei dieser wohligen Gemütlichkeit spielt das das Wetter wirklich keine Rolle mehr!

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Unsere Vermieterin bucht uns einen Platz in einem sehr kleinen Restaurant in URRA – wir haben wohl niemals zuvor so portugiesisch gegessen wie hier. Das Positive ist der Wein – CASA DA URRA Tinto von 2012. So tiefrot, so reif, das es keine Minute dauert bis zum Entschluss, am Folgetag eine Kiste davon auf dem Weingut zu kaufen. Im Restaurant 12 € die Flasche, im Direktverkauf Tags darauf 4,69 €.
Das Negative am Essen war, das ich kaum geschlafen habe. Dieses „etwas“ aus Kartoffelbrei, geräuchertem Brot und viel zu fettigem Schweinefleisch lag so was von quer im Magen, das es fast hoch kam.
Abseits der Küste spielt Fisch eine eher untergeordnete Rolle. In den Supermärkten zwar immer noch viel prominenter als bei uns in Deutschland angeboten, im Restaurant eher normal. Statt dessen Schweinefleisch rauf und runter. Wirklich alles vom Schwein. Backen, Köpfe, Füße und Bauch sowieso.
Wir haben zwar keine Schweinefram gesehen, aber im Land muss hunderte davon geben. Denn auch die Kühltheken in den Supermärkten sind voll mit viel zu billigem Schweinefleisch. Einheimisches Rind hingegen kaum zu finden, viel aus Spanien und sehr viel teurer als dort.

Trotzdem. Das Essen war gut. Nur ein Magen nicht 😉

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Tags darauf fahren wir ins nahe gelegene PORTALEGRE – kurz danach setzt der Regen wieder ein und wir flüchten zurück ins Auto. Die Landschaft auf der Rückfahrt ist schöner, denn manchmal kommt die Sonne durch und taucht die super-grünen Olivenbäume und Blumenwiesen in gleißendes Licht. Herrlich!

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Wir sind sehr froh´, das wir diesen Ausflug unternommen haben und nach Rückkehr auf den STORMVOGEL wird dieser ordentlich mit der Dieselheizung eingeheizt und auch sehr gemütlich.

OUR BOAT IS OUR CASTLE – sozusagen oder so ähnlich.

Peter.

LAGOS – BALEEIRA – SINES – SESIMBRA – LISBON

(…es regnet, es regnet und es regnet!)

5 Etappen in 6 Tagen mit sehr unterschiedlichen Abständen.

ALVOR -> LAGOS: 5 Seemeilen
LAGOS -> BALEEIRA: 15 Seemeilen
BALEEIRA -> SINES: 64 Seemeilen
SINES -> SESIMBRA: 34 Seemeilen
SESIMBRA -> LISSABON: 29 Seemeilen

Nein, wir sind nicht im Reisefieber.

Nein, wir sind nicht vom Heimweh geplagt und rasen nach Hause.
(Heidi says: Nein, überhaupt nicht…!!!!?)

Nein, wir haben es nicht wirklich eilig.

ALVOR am Abend
ALVOR am Abend

Aber ja, wir werden vom Wetter getrieben. Täglich, als erste Tat nach dem Aufstehen wird das Wetter studiert. Für den Tag und die Folgetage. Nicht, das ich dadurch das Wetter wirklich verstehen würde, aber man bekommt ein Gefühl für die Entwicklung, die die Aktivitäten im Himmel und auf See so nehmen werden.

Und so kommt es, das wir unser Wetterfenster für den Marsch nach Norden klar im Voraus sehen und uns danach richten können. Denn nach jahrelangem Westkurs geht es jetzt stramm nach Norden – und dann sogar wieder nach Osten. Was für eine Umstellung für unseren Kompass…

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FADO in einem Restaurant in ALVOR

Am 30. April 2016 (Samstag) verlassen wir gegen auflaufend Wasser unseren schönen Ankerplatz vor ALVOR. Der FADO Abend war recht schön – wir sind nur unsicher, ob das denn auch wirklich FADO „pur“ war. So traurig und sentimental war das doch gar nicht?
Die Sandbänke sind noch gut zu sehen und nur einmal denke ich, verdammt wenig Wasser hier! Die sehr kurze See-Etappe nach LAGOS ist dem Wassermachen vorbehalten. Also dem Trinkwasser-Wassermachen im speziellen. Denn zum einen muss der Wassermacher mal wieder laufen, um nicht zu vergammeln, zum anderen sind unsere 5-Liter Kanister alle leer. Statt Neue zu kaufen, füllen wir die auf See und sparen uns so das Schleppen und den Plastikmüll

In die Marina von LAGOS kommt man nur, wenn eine Personenbrücke hochgeklappt wird – vom Marina-Büro aus. Die kommen aber erst um 09:00 Uhr zur Arbeit und so warten wir geduldig am Empfangsponton vor der Brücke.
Die Marina selbst, na ja, OK so. Auf 400 Meter kommen zweigeschossig 10 Restaurants und Bars für alle Geschmäcker. Auch OK, ebenso die umgebenden Ferienwohnungen. Aber die Besonderheit von LAGOS liegt eher im Stadtkern, den man mit 10 Minuten Fußmarsch gut erreicht – allerdings hat NEPTUN vor dem Vergnügen die Verproviantierung gesetzt und es wird der nächste Supermarkt See-Fachmännisch geentert. Die Einkaufs-Eupohorie beschert einen vollen Einkaufswagen, dessen Inhalt wir unmöglich zum Boot schleppen können. Nach etwas Palaver organisiert der Supermarkt freundlicher Weise ein Taxi und wir werden nach Hause kutschiert. Ein saftiges Trinkgeld kaschiert die kurze Fahrt und macht den Fahrer glücklich.

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Platz in LAGOS – Treffpunkt für Strassenmusiker

Später erkunden wir den Ort, sitzen an einem Marktplatz und lauschen einem jungen Straßenmusiker mit Gitarre und toller Stimme. Unter anderem eine sehr gute Interpretation von NEIL YOUNG´s „HEY HEY, MY MY (INTO THE BLACK)„. Ich bin erstaunt wie textsicher ich noch bin und Heidi meint grinsend „…trau Dich, geh´ doch hin!“. Ähm, lieber doch nicht. Lieber leise vor sich hin murmeln „Rock´n Roll will never die“ oder auch „It´s better to burn out than to fade away“.

Am nächsten Tag (1. Mai 2016) dann mit dem Zug nach LISSABON, um unsere Freunde zu besuchen. Lange Fahrt, viel grüne Landschaft, noch mehr Buchseiten und ein herrlich leckeres Mittagessen in der Hauptstadt .

Am Abend dann zurück. Wirklich ein Glück, das der Bahnhof von LAGOS direkt, also wirklich direkt neben der Marina liegt. Das schaffen selbst Fußkranke Hauptstadt-Touristen am späten Abend. Über LISSABON kommt demnächst noch ein eigener Beitrag – schließlich erkunden wir die Stadt ja noch ausführlich, wenn die Sonne mal wieder scheint!

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BALEEIRA von oben

Montags wie geplant dann 15 Seemeilen nach BALLEIRA. Eigentlich kein Hafen, schon gar nicht für Yachten, sondern eine lange Kaimauer ins Meer, hinter der sich die zahlreichen Fischerboote verkriechen können. Ferner eine kleine Pier zur Anlandung des Fangs. Erstmals sehen wir hier auch Muschelfarmer, die mit flachen Arbeitsplattformen, Katamaran-ähnlich, die Netzte voller Muscheln abbergen und dann im Hafen ab-ernten.
BALLEIRA gefällt uns super. Das ist unserer Welt! Jede Menge Fischer, ganz wenig Touristen und eine tolle Landschaft. Eigentlich soll man außerhalb der Mole ankern, das ist uns aber ob des aus Süd-setzenden Schwells viel zu ungemütlich. Daher nehmen wir mutig eine Fischer-Mooring im Hafen und klären später mit den offiziellen im Fischereigebäude, ob wir das auch dürfen. Für eine Nacht ist das kein Problem und sogar kostenlos. Ich bin so begeistert darüber das meine Spende für die Kaffee/Bierkasse so groß ausfällt, das Heidi leider nicht sprachlos bleibt, sondern viele Worte für mein (angeblich!) „unvernünftiges Handeln“ (ausdrücklich kein O-Ton, sondern stark von Autor geschönt) findet.
Egal – in der ersten Etage des Fischereigebäudes befindet sich eine Art Kantine für die Fischer, die aber auch Gästen offen steht. Hier bekommt man Berge von fangfrischen Sardinen und Makrelen  gegrillt, mit Kartoffeln und Salat. Ganz rustikal. Mit Weißwein. Für so wenig Geld, das jede Diskussion darüber sinnlos wird.

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Hier gibt es denn auch ein Kamel im Logo, das wir im Auftrag einer soeben 50 gewordenen Kölnerin in LAGOS finden sollten. Umgezogen oder Kette? Auf einer Art „Strandwerft“ sehen wir einen beeindruckenden Selbstbau-Katamaren, kommen aber leider nicht näher ran, weil zwei Hunde an einer Kette meinen, das Teil verteidigen zu müssen.

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Am nächsten Morgen ganz früh aufstehen (05:30 Uhr) und Wetter studieren. Heute weiter oder noch einen Tag warten – das ist die große Frage! Eigentlich sieht es segelwind-technisch für Mittwoch besser aus, aber durch das MEHR an Wind ergibt sich auch ein MEHR an Windsee die gegen den alten Schwell läuft und so für chaotische Wellen sorgt. Und das am ohnehin berüchtigten CABO DE SAO VINCENTE.

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CABO DE SAO VINCENTE

Also verlassen wir BALLEIRA bei Sonnenaufgang und laufen anfangs unter Maschine um das Kap herum. Was für ein majestätischer, laaaannnnnnngsaaaaaammm gezogener Schwell. Man fährt bergauf und bergab, nur für eine kurze Zeit kommt diese Wellenbewegung aus unterschiedlichen Richtungen und wird chaotisch. Der Skipper betont gegenüber seiner vollzählig Deck erschienenen Mannschaft: An dieser Stelle der Erde möchte er nicht bei viel Wind (>20 Knoten) sein!
Später können wir bei strahlend blauem Himmel Motorsegeln, die Windvorhersage passt heute nicht so richtig. Statt angesagtem gut segelbaren Ostwind kommt er aus Nord-Nord-Ost und später auch stärker als gedacht. Aber er bläst halt nicht lange genug, um ernsthafte Windsee aufzubauen und so erreichen wir nach einem sehr langen Tag am frühen Abend den Hafen von SINES. Weil fest steht, das wir am nächsten Morgen weiter gehen werden, legen wir uns im inneren Hafenbecken direkt vor der Marina komfortabel auf Anker und verbringen eine sehr ruhige Nacht.

Anker vor SINES
Anker vor SINES

Mittwoch (4/5/2016) weiter nach SESIMBRA.

Die „Eile“ hat ihren Grund. Zum einen zeichnet sich sehr sicher ein Sturmtief für das Wochenende ab. Das bringt zwar ordentlich segelbaren Südwind, aber eben auch Windsee gegen Schwell (der von Norden oder Nord-West kommt). Die nachfolgenden Tabellen vom spanischen Wetterdienst zeigen das recht eindrucksvoll. Nicht notwendig, nicht komfortabel, nix für uns.

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to_lisbon_0270Quelle: MAXSEA Grib-Viewer für Sonntag, den 8. Mai 2016

Quelle: MAXSEA Grib-Viewer für Sonntag, den 8. Mai 2016

 

Zum anderen müssen wir auch nicht jedes Provinznest ausführlich besuchen – wo doch LISSABON lockt?

Auf dem Törn nach SESIMBRA liefern wir uns offenbar ein Rennen mit einer Regenfront. Denn zunächst segeln wir gut, dann ist der Wind recht schnell weg und wir starten den Brüllaffen, laufen eine Weile unter Maschine, der Wind kommt wieder, setzten Segel, stoppen die Maschine und segeln bis, ja, bis der Wind wieder einschläft.
Und dann das ganze wieder von vorne. Ganz unterhaltsam und arbeitsintensiv. Nur keine Langeweile aufkommen lassen.
Der Törnführer behauptet, der örtliche Yachtclub habe keinen Platz für Gastboote – das ist aber um diese Jahreszeit nicht richtig. Locker 20 freie Liegeplätze, aber kein Mensch zu sehen, kein Mensch am Funk. Wie sich heraus stellt ist der 4. Mai 2016 ein lokaler Feiertag.

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In der entfernten Stadt gibt es einen Marsch und Gottesdienst und über der Bucht werden ca. eine Stunde Lang permanent gewaltige Böller in den Abendhimmel geschossen. Kein Feuerwerk, einfach nur sehr viele Bum-Bum´s. Die Vögel verstehen den feierlichen Anlass offenbar nicht und verlassen fluchtartig das Gelände. Ein paar Fischer treiben vor der Zeremonie herum in der Bucht. Recht merkwürdiger Feiertag.

Und wie schon die beiden Tage zuvor. Am nächsten Morgen früh´ Aufstehen, Wetter studieren (kaum Wind, aber dafür Regen) und bei Tageslicht Leinen Los!

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Als wir am Donnerstag, den 5. Mai 2016 am späten Vormittag in den Fluss TEJO einlaufen und LISSABON ansteuern, kann man vor regentrüben Wetter kaum sehen, es ist kalt und abscheulich ungemütlich. Immerhin passt unser Timing und wir haben auflaufend Wasser, was uns locker 8,5 Knoten Fahrt beschert. Wir passieren die „Brücke des 25. April“  und haben diesmal nicht den geringsten Zweifel, das wir darunter passen 😉 (In Flussmitte 70 Meter Durchfahrtshöhe)

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Die kommunalen Marinas sind über Funk nicht erreichbar – merkwürdige Funkstille und unsere eMails vom Tag zuvor können nicht zugestellt werden. Wie im Buch angedeutet – man will hier keine Gastyachten haben. So laufen wir also den Fluss weiter hoch zur Marina auf dem alten EXPO Gelände.
Laut Törnführer soll alles super da sein…
…na ja. Es gibt in der Einfaht ein Schleusensystem, das aber tagsüber immer auf Durchfahrt geschaltet ist. Wir werden von einem Marina-Mitarbeiter im Schlauchboot auf dem Fluss abgeholt und er macht den Führer. Als wir um Haaresbreite fast die Schleusenkammer touchieren verstehen wir, warum: Sehr, sehr fiese Querstömungen in der Einfahrt und im Marina-Becken. Immerhin, so ein kleiner Aufreger verdrängt jeden Gedanken an Nässe, Kälte und Ungemütlichkeit.

Wir sind sehr stolz auf uns, das wir die vergangenen Passagen so gut hinter uns gebracht haben und den großen Meilenstein „LISSABON“ ohne schlechtem Wetter erreicht haben. Jetzt ist erst mal „Boot-schrauben“ und „Urlaub“ angesagt.

Ganz kurz dazu:

„Boot-schrauben“: Wir wollen am Montag mal wieder in den Kran und das hintere Wellenlager (Hartgummi, Wasser-geschmiert) überprüfen (lassen). Nach meiner Meinung macht die Welle deutlich mehr „rumpel-Geräusche“ als früher und ich befürchte, das dieses Lager erneuert werden muss. Das möchte ich vor der BISKAYA Passage zu 100% in Ordnung wissen.

„Urlaub“: Eine Tochter samt Enkel kommt für eine Woche zu Besuch. Wir freuen uns darauf – und geben alles, um „Boot-schrauben“ vorher erledigt zu haben und, noch viel wichtiger, die Sonne zur Rückkehr ermuntern zu können!

Soweit der Törnbericht.

(Einen Tag später: es regnet, es regnet und der Regen macht alles und jeden sehr nass!)

Peter.

ALVOR

Am Freitag, den 22. April 2016 vorholen wir die 20 Seemeilen von ALBUFEIRA nach ALVOR.

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Richtigen Segelwind erwischen wir leider nicht, dafür aber sehr viele Delphine. Die sind anders als sonst vom STORMVOGEL recht gelangweilt. Vermutlich bekommen die von so vielen Ausflugsbooten und Fischern Besuch, das sie uns als Delphine-Liebenden-Segler gar nicht mehr unterscheiden können. Ein Video hier, ein Bildchen da und wie immer sind die Tiere schneller als wir 😉

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Ein paar Buchseiten weiter sind denn auch schon an der Einfahrt zur Bucht von ALVOR. Anfangs habe ich den Ratschlag, zu Beginn des auflaufendes Wasser (Flut) hier zu sein nicht verstanden – jetzt wird es klar: Das Wasser ist zwar auf dem tiefsten Stand, man kann aber sehr gut die Sandbänke erkennen und sich von denen fern halten. Ein bisschen später und die sind überflutet – aber nicht hoch genug, um sie mit dem Boot passieren zu können.

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Sehr, sehr vorsichtig tasten wir uns voran – das Wasser ist trübe, den Grund kann man selbst bei 2 Meter Wasser nicht erkennen. Hat man den Einfahrtkanal passiert, gibt es genau zwei Fahrwassertonnen, die irgendetwas anzeigen, aber auf keinem Fall das Fahrwasser. So brauchen wir für 1 Seemeile = 1.852 Meter ungefähr 50 Minuten um zum Ankerplatz zu kommen.

Erster Eindruck: Toll hier!

Super geschützt, vielleicht etwas eng auf dem Wasser aber tolle Kulisse – die paar Hochhäuser in Strand-nähe kann man geschickt ausblenden, wenn man nicht zu doll nach Osten schaut 😉

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Unsere Aussenborder-Basteleien beschäftigen uns am Samstag, Sonntags vorholen wir uns ins innere Bassin, weil ein Engländer den Anker verlässt und so Platz entsteht. So meinen wir jedenfalls. Wir brauchen drei Ankerversuche, denn hier ist eher Lehm als Sand der Grund, aber dann sitzen wir sicher und fest schön mitten drin. Dienstags geht die Maulerei eines Fischers los – wir lägen mitten in seinem Fahrwasser. Wir nehmen ihn nicht ernst, denn zum einen ist das hier offizielles Ankergebiet, zum anderen werden wir täglich von mindestens 100 Fischern passiert und keiner meckert. Nun, die „Kritik“ des einen mag damit zu tun haben, das er das größte Boot samt geschleppten Beiboot betreibt?
Beim zweiten Meckern beschließen wir, wieder auf unseren alten Platz zurück zu gehen – etwas weiter weg vom Ponton und somit längerer Dingi-Weg, aber auch geschützter gegen den Nachmittags auftretenden Nordwind.
Alles wird gut und der Fischer bedankt sich sogar am nächsten Tag für unsere nette, freiwillige Geste.

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Durch Zufall treffen wir Urlauber aus NEUSS wieder, die wir zuvor in ALCOTIM getroffen hatten. Wir verbringen einige sehr nette Stunden zusammen und freuen uns über die Gesellschaft aus der Heimat. Die beiden erkunden die Gegend mit Fahrrädern und wenn wir (ich?) nicht so perfekte Sportmuffel wären, könnte man glatt auf die Idee kommen, ausgedehnte Fahrradtouren in die Umgebung zu unternehmen.

Dafür verbringen wir einen anderen Tag am herrlich breiten, leeren Strand von ALVOR mit der Option auf Schwimmen im Meer. Allein, wir ziehen die Schwimm-Option nicht ob des kalten, vielleicht auch nur frischen Wassers. Klarer Fall von Warmduscher.

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Das Revier ist ein Paradies für Kite- und Windsurfer. Durch die vielen großen, flachen Sandbänke ändert sich die Wasserfläche permanent im Laufe der Gezeiten und Wind ist am Nachmittag wohl immer genug. Ein paar Fotos von unbekannten Sportlern entstehen so…

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…und wir lernen einen jungen (im Prinzip ->) Einhandselger aus HAMBURG kennen, der zufällig auch Kiter ist. Eigentlich ist er auf dem Weg in die KARIBIK, aber im letzten Jahr wegen Mastbruch hier hängen geblieben. Nun ist alles (fast) repariert und in diesem Jahr soll ein neuer Anlauf genommen werden. Sehr erfrischend, diese tatendurstige Jugend!
Heidi ist besonders fasziniert von dem Namen und Logo von einem der drei Sponsoren: KERNENERGIE (im Logo mit Eichhörnchen). Aber auch SCHWERELOSIGKITE und KITEWORDWIDE sind clever gemacht. Neben anderen gibt es auf KITEWORLDWIDE auch einen unregelmäßigen Segelblog…also noch unregelmäßiger als bei uns 😉

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Während unserer Ersatzteil-Taxifahrt vergangenen Samstag lernen wir etwas über die Situation im Land. Sitzt man nur lange genug in einem Taxi lernt man mehr, als in jedem Buch. Zumindest subjektiv.
Unser Fahrer ist sehr ärgerlich über die Enthüllungen der PANAMA PAPERS. Erst habe es geheißen, kein PORTUGIESISCHER Politiker habe was damit zu tun und nun kommen Scheibenweise die Zusammenhänge an das Tageslicht. Ist das nicht schön? Überall das Gleiche. Alle sind gleich. Also etwa so:

1) Überall gibt es Gute – und die sind alle gleich
2) Überall gibt es Trickser und Gauner (=Böse) – und die sind alle gleich

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Die (nach seinen Worten) Korruption laufe aber auch auf unterster Ebene ab. Da werde eine Farm überraschend zu Bauland, bereits gekaufte Parzellen werden über Nacht größer oder kleiner und wer nicht gut mit dem Bürgermeister kann, hat schon verloren.
Aber so verstehen wir nun endlich auch die extrem großen Unterschiede in den Immobilien hier:

a) Eine alte Farm im Nirgendwo (aber immerhin ALGARVE) mit 100.000 m² und zwei Hausruinen kostet 85.000,- €
b) Ein 100 m² Haus auf 500 m² Grundstück am Ortsrand eines kleinen Dorfes kostet 300.000,- €

Letzteres war also auch mal Farmland und wurde irgendwie zu Bauland, parzelliert und teuer.

Zum Beispiel mal bei diesem Makler surfen.

Auch das ist wohl überall gleich…vielleicht aber nicht das: Auf dem Farmland darf man hier ohne neue Genehmigung an gleicher Stelle ein Haus in gleicher Größe errichten. Nicht schlecht, oder? Na ja, man muss wohl noch darauf achten, das es Strom und Wasser wenigstens an der Grundstücksgrenze gibt, sonst ist man auf einem anderen Planeten. Telefon und Internet kein Problem, denn das Mobile Netz ist wie auch in SPANIEN sehr gut ausgebaut. Und, wie schon geschrieben, sehr viel billiger.

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Es gibt ungefähr 30 Golfplätze im Umfeld von ALVOR – aber kaum ein PORTUGIESE spielt Golf. Die Plätze seien alle auf Touristen ausgelegt und würden clever, clever „Kooperationen“ mit Schulen eingehen, um die Jugend zum Golfen zu bewegen. Das klappe aber nicht so richtig, Fussball, und man höre und staune, Karate, stünden hoch im Kurs. Golf-Touristen seien keine guten Taxikunden – die würden kaum die Anlage verlassen 😉

Tja, so geht es hier zu.

Heute Abend gehen wir in ALVOR zum FADO – und sind sehr gespannt, ob uns diese Musik gefällt. Zeitlich etwas doof wollen wir Morgen früh´ den STORMVOGEL nach LAGOS vorholen um am Sonntag dann mit dem Zug nach LISSABON zu fahren. Da sind gerade Freunde auf kurzer Städtetour und eine einzelne Person hat sich in den Kopf gesetzt, da mal eben hin zu fahren. Mal eben bedeutet 4 Stunden Zugfahrt – one way.
Aber OK, diese einzelne Person hat ja Recht. Wir sehen uns viel zu selten…

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Wenn sich das Wetter dann so entwickelt, wie es seit zwei Tagen den Anschein hat, können wir am 3., 4. oder 5. Mai 2016 Nordwärts das CABO DE SAO VICENTE passieren. Dazu legen wir uns vorher in BALEEIRA (15 Seemeilen westlich von LAGOS) vor Anker auf die Lauer – um dann den langen Schlag nach SINES (65 Seemeilen) bei Tageslicht zu schaffen. Ich bin sehr gespannt, wie und vor allem wann das wirklich klappt. Denn ab dieser Etappe werden wir mit Nord-Strom und Nord-Wind zu tun haben. Nix gut für easy sailing.

Aber: Das ist Zukunft. Kommt also zeitlich später, nicht jetzt. Jetzt kommt erst mal FADO.

Peter.

Zur Lage XXXI

Wir schrauben uns weiter um die Welt.

Nichts aufwendiges. Mit der Gelassenheit derer, denen schon viel passiert ist, werkeln wir derzeit entspannt auf drei Baustellen herum.

a) Aussenborder
Wirklich blöd. Weil der Mechaniker in AGUADULCE ja so schnell das Problem mit dem TURBO LADER der Hauptmaschine gefunden und behoben hatte, dachten wir, er hätte auch eine Astreine Arbeit bei der Wartung des YAMAHA F6 CMHS (letzter Buchstabe: S = short; L = long shaft, Baujahr 2011) Außenborders abgeliefert.
Immerhin hatte er ja bei Rückgabe des Motors auch alle ersetzten Teile dabei…
…tja, wir haben die Maschine bisher nicht gebraucht und entsprechend nicht ausprobiert. Jetzt, hier vor ALVOR vor Anker liegend, sollte er endlich mal wieder zum Einsatz kommen.

Allein, das frisch gewartete Teil sprang nicht an.

Demontierter Shaft; Pumpengehäuse aus Plastik in Bildmitte
Demontierter Shaft; Pumpengehäuse aus Plastik in Bildmitte

Keine Chance. Also an Deck damit und auf die nagelneue Zündkerze konzentriert. Denn Benzin war da, nur keine Zündung. Nach Stunden des erfolglosen Schraubens setzten wir auf Verdacht eine andere Zündkerze ein und siehe da, das Teil startet sofort!

Hero of the day – für 15 Minuten.

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Denn nach erfolgreicher Voll-Gas Probefahrt um den STORMVOGEL herum stellen wir entsetzt fest, das der Aussenborder komplett überhitzt ist, dampft und stinkt und kein Kühlwasser  mehr zu sehen ist. Das war vor Ablegen aber noch da.

Weil wir den Aussenborder bisher nie selbst gewartet hatten (einmal im Jahr immer durch den örtlichen YAMAHA SERVICE) haben wir auch keine Ersatzteile dafür an Bord. Und auch keine Ahnung, wo da eigentlich was verbaut ist. GOOGLE sei Dank finden wir bei YOUTUBE ein gutes Anleitungsvideo und lernen, das der Impeller ganz unten im Schaft verbaut ist. Denn der Impeller muss es ja wohl sein, wenn kein Kühlwasser mehr kommt.

Montierte Impellerpumpe mit Dichtung direkt unter dem Kunststoffhehäuse.
Montierte Impellerpumpe mit Dichtung direkt unter dem Kunststoffhehäuse.

Obwohl hier in ALVOR ca. 1.000.000 Fischer mit kleinen Booten und Aussenbordern herum heizen gibt es hier (natürlich) keine Teile. Also per Taxi am regnerischen Samstag Vormittag ins benachbarte PORTIMAO – zwei Geschäfte, kein Impeller.
Was solls? Also weiter nach LAGOS. Dort kaufen wir natürlich direkt zwei um die Kosten für die kleine Taxirundreise zu rechtfertigen, kehren zurück zum STORMVOGEL und weil es aufgehört hat zu regnen machen wir uns ans Schrauben.

YAMAHA Teilenummer für den Impeller des YAMAHA F6 CMHS 6E0-44352-00
YAMAHA Teilenummer für den Impeller des YAMAHA F6 CMHS 6E0-44352-00

 

Und stellen fest, das der alte Impeller in AGUADULCE nicht getauscht wurde (…volle Wartung?), die Lamellen etwas labbelig sind und zur Krönung eine Dichtung auf der falschen Seite montiert wurde. Im o.g. Video kann man klar erkennen, das eine grüne Dichtung zwischen Pumpengehäuse und Metallplatte ist – jedenfalls bei der Demontage. Bei der Montage kann man das im Video leider nicht mehr richtig erkennen, aber da gehört natürlich eine Dichtung hin. Denn das Teil soll ja keine Luft saugen….obwohl es im Betrieb vermutlich sowieso unter Wasser liegt?
Egal: Neuen Impeller eingebaut, die Dichtung auf die vermeintlich richtige Seite gesetzt und in einem kleinen Gedulds-Puzzel den Schaft wieder zusammen gesetzt.

Den Aussenborder wieder ans Dingi montiert, Spannung, Adrenalin auf Maximum: Starten!

Läuft! Läuft wie geschmiert. Es kommt ordentlich Kühlwasser und das Teil läuft wie eine eins.

Nach dem obligatorischen Schulterklopfen zwischen Skipper und Chef-Mechanikerin Probefahrt. Zunächst super, auch bei Max-Speed voller Kühlwasserstrahl. Aber auf einmal geht das Teil schlagartig aus.

Ganz offensichtlich kein Benzin mehr. Also wieder mit der Balgenpumpe aus dem externen Tank angesaugt, gestartet, läuft. Um es kurz zu machen: Wir haben den Tank gereinigt, das Benzin zweimal gefiltert und das Problem besteht immer noch.
Bei Gelegenheit (Morgen?) müssen wir am Motor zwei Sachen überprüfen: Meiner Meinung nach ist der neue Benzin-Feinfilter falsch herum eingebaut. Den drehen wir mal rum. Außerdem schauen wir uns mal die Benzinpumpe an. Die hatte ich letztes Jahr mit ROBBIE von SOUTHERN STAR einmal zerlegt. Soweit ich mich erinnere, waren da nur Metallteile verbaut. Aber wer weiß, vielleicht ist durch die Überhitzung was kaputt gegangen?

Denn die Maschine läuft, auch hochtourig, so lange ich ab und zu mit der Balgenpumpe Benzin aus dem externen Tank zuführe – oder den kleinen internen Tank verwende, der höher liegt als Benzinpumpe und Vergaser.

Für uns beide ist klar: Der YAMAHA war das letzte Mal bei einem „Mechaniker“ zur Wartung. Die „Qualität“ bekommen wir auch selbst hin.

 

b) Gelenkwelle
Der STORMVOGEL verfügt im Prinzip über einen klassischen Antriebsstrang für Segelboote. Von Vorn nach Hinten:

1) Hauptmaschine
2) Getriebe
3) Welle im Stevenrohr
4) Propeller

Nun wäre der STORMVOGEL ja nicht der STORMVOGEL, wenn er auch hier nicht ein paar technische Schmankerl zu bieten hätte. Denn genau betrachtet sieht der Antriebsstrang wie folgt aus:

1) Hauptmaschine
2) Getriebe
3) Gelenkwelle
4) Drucklager
5) Welle im Stevenrohr
6) Propeller

Alte Gelenkwelle
Alte Gelenkwelle

Mit der Gelenkwelle werden Niveauunterschiede von Motor/Getriebe zur Welle ausgeglichen und beides voneinander entkoppelt, was Vibrationen und Geräusche reduzieren soll. Das Drucklager ist auf einem Spant des Rumpfes montiert und nimmt so den Schub des Propellers besser im Bootsrumpf auf – ansonsten würde er Schub ja direkt aufs Getriebe und den Motor und dessen Montagefüße wirken.

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Demontierte Welle ohne Distanzstück

Nun beobachten wir seit einigen Tagen einige kleine Ölspritzer in der Bilge, in der die Gelenkwelle läuft. Ganz klar Spritzer von einer rotierenden Bewegung. Nur, die Gelenkwelle ist 100% wartungsfrei und führt definitiv kein Öl.

Zur Ursachenforschung die Verbindung zum Drucklager geöffnet und dabei fest gestellt, das einer der 8 Bolzen nicht mehr richtig fest war. Das Problem „Schraube Locker“ haben wir seit AGUADUCLE auf dem Zettel.
Nach Demontage festgestellt, das an einer Metallkappe eindeutig etwas Öl ist. Merkwürdig!

Drucklager; Gelenkwellenseite
Drucklager; Gelenkwellenseite

Das ganze System aus Gelenkwelle und Drucklager nennt sich AQUADRIVE und ist von GKN Driveline Service Scandinavia AB in SCHWEDEN. Weltweites Servicenetz, Deutsches Hauptquatier in HAMBURG.
Anruf dort. Wir werden mit einem sehr hilfsbereiten und kompetenten Menschen verbunden. Stimmt: Öl ist da nicht drin, aber Fett. Wenn das mal zu warm werde (mehr als 80°C), könne es durchaus sein, das sich das verflüssigt und ein bisschen Öl austritt.

Hmmmm…..

Das Teil ist seit TAHITI neu. Unterwegs war es viel wärmer als jetzt. Wieso also jetzt?

Diese Gelenkwelle funktioniert wie beim Auto – und natürlich wird sie selbst Betriebswarm, denn es entsteht Reibung. Aber auch das Getriebe und das Drucklager wird warm und diese Wärme wird durch das Metall auf die Gelenkwelle übertragen.

An der Kappe ganz klar Ölspuren
An der Kappe ganz klar Ölspuren

Seit Weihnachten fahren wir an Bord so einen BOSCH THERMODETEKTOR mit dem man wunderbar Oberflächentemperaturen messen kann.

Also alles gereinigt, die Bolzen super fest angezogen und auf der kurzen Fahrt von ALBUFEIRA nach ALVOR hübsch die Temperatur gemessen. Lässige 42°C als Höchsttemperatur bei 1650 Umdrehungen Marschgeschwindigkeit.
Keine neuen Spritzer, keine Auffälligkeiten.

Also müssen wir weiter messen und beobachten und wohl auch mal auf 2.000 Touren gehen.

Auf Verdacht austauschen möchten wir nicht. Denn zum einen kostet das Teil echtes Geld und wir haben das alte(„vor TAHITI“) als Reserve ja auch noch an Bord. Aber die Ursache finden wäre schon mal nicht schlecht.
Vielleicht ist ja nur etwas geschmolzenes Fett (=Öl) durch den einen lockeren Bolzen nach außen gelangt?

 

c) Impellerpumpe Hauptmaschine
Ähnliches Phänomen. Ab und zu beobachte ich eine Salzablagerung gleich unter der Pumpe. Hier tropft also ganz klar ab und zu Salzwasser. Nicht viel, aber man sieht es. Die Pumpe im laufenden Betrieb schon öfters kontrolliert, keine Spur von Tropfwasser. Auch auf dem letzten Törn nicht. Merkwürdig.
Und ich war schon kurz davor, eine neue Impellerpumpe als Reserve zu organisieren…da finden wir eine in der Backskiste der Achterkajüte als wir nach der alten Gelenkwelle gesucht haben…und mir fällt ein, das ich die ja schon in SETE / SÜDFRANKREICH besorgt hatte. Erste Anzeichen von Alzheimer? Wie kann man (ich!) so was vergessen?

Vor Neukauf prüfen, ob man nicht schon Reserve hat...irgendwo....im Boot ;-)
Vor Neukauf prüfen, ob man nicht schon Reserve hat…irgendwo….im Boot 😉

Allerdings traue ich mir einen eventuell notwendigen Wechsel der Pumpe nicht selbst zu. Sehr eng, sehr viele Schläuche, sehr schwierig. Also auch hier erst mal abwarten und weiter beobachten.

Das ist ja sowieso seit einiger Zeit unsere Masche: Den STORMVOGEL beobachten und Veränderungen, auch kleine, fest stellen. Wenn man sich 10 oder 20 mal was angesehen hat dann prägt sich das Bild ein und wenn beim 25. mal was anders aussieht, dann bemerkt man das und kann seine Spekulationen (s.o.) anstellen.

Diese Seemansweisheit hat uns allerdings schon 2012 ein Rigger (Mast-Spezialist) auf GRAN CANARIA mit auf den Weg gegeben. So richtig gehalten haben wir uns daran (damals) nicht….und wenn ich heute so darüber nachdenke: Ich möchte Heidi gar nicht jeden Tag in den Mast ziehen und sie würde sich nicht ziehen lassen  ;-)))

(Kleine Übertreibung: Mast würde bestimme alle 2-3 Wochen reichen – Maschine jeden Tag, wenn sie läuft).

Peter.

AYAMONTE nach ALBUFEIRA und umzu

Die Hängebrücke des RIO GUADIANA erreichen wir am Samstag, den 16. April 2016 zwar bei ablaufend Wasser, aber viel zu früh. Mit Standgas machen wir immer noch sagenhafte 4,5 Knoten Fahrt und der STORMVOGEL bleibt gerade so steuerfähig. Knapp drei Knoten Strom. Aber was soll die Aufregung? Auch diesmal ist noch genug Platz für die Antenne auf dem Mast und wieder geht alles gut.

Während die Flussfahrt im Oberlauf recht geschützt von den umgebenden Hügeln und Bergen erfolgt, pustet der Wind im Unterlauf ungehemmt über das flache Land. Aktuell steht unser Windalarm bei 30 Knoten und nach der Brückenpassage schlägt er öfters mal an…

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…so auch beim Anleger in der AYAMONTE Marina auf der spanischen Seite des Flusses. Wasserstand wirklich kein Problem (weil im Dezember 2015 gebaggert) und auch die Strömung im Hafenbecken ist durchaus beherrschbar. Allerdings kämpfen wir mit dem drückenden Westwind und erstmals in der Geschichte legen wir mit eingelegtem Rückwärtsgang (Standgas) an und vertäuen das Boot. Ich bin stolz auf uns. Keine neue Macke im Boot 😉

Adlerdings stellen wir später fest, das der liebe alte Fährmann in ALCOUTIM uns zwei Schrammen an Backbord spendiert hat. Sieht man nur, wenn man auf dem Pontoon direkt davor steht.

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Tja, AYAMONTE ist irgendwie ein komischer Ort. Alles irgendwie verwirrt, verteilt, vereinzelt. Wir finden bei unserem Rundgang zwar den Ortskern, aber auch der ist kein Highlight. Immerhin gibt es Tapas und Bier zum Mittag.
Die Marina ist offenbar so was wie eine Niederländische Kolonie. 5 Boote und auch der Tip kam ja von einem Niederländer. Wir sind schwer beeindruckt von einem 82 jährigen Skipper, der auf allen vieren an Deck herum kriecht um seinen Dampfer zu putzen. Will in diesem Jahr auch nach Hause und das Boot verkaufen – seit seine Frau gestorben sei, sei es nicht mehr das selbe und außerdem hätte er nie vermutet, wie viel Arbeit die Bootspflege unter Deck machen würde. Heidi lächelt still, erhebt aber mahnend den Zeigefinger in meine Richtung nach dem Motto: „Höre seine Worte!“

Ob des besseren Segelwetters bleiben wir bis Montag (18/4/2016) und hoffen auf guten Segelwind, um nach ALBUFEIRA zu kommen. Stark bewölkt mit einzelnen Regenschauern, aber auch guten Ostwind soll es geben. Tja, von den 47 Seemeilen segeln wir immerhin 10, 190 Seiten Buchseiten lesender Weise vernichtet und am Ende gab es auch Regentropfen. Irgendwie eine Meilen-Mach-Passage. Mehr nicht.

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In ALBUFEIRA liegen wir in einer besonderen Marina, weil aufwendig in den Fels gesprengt. Und weil die damals beim Bau wohl noch kein Gefühl für zukünftige Bootsgrößen hatten, liegen wir am Ponton für Superyachten mit unseren schlanken 48 Fuß. Neben an liegt eine 55iger BENETAU und sieht echt doppelt so groß aus. Und jetzt kommts: Dieser Riesendampfer wird mit zwei Winschen gesegelt. Zwei! Wir haben acht und sehen echt halb so groß aus. Schon merkwürdig, dieser moderne Bootsbau. Auf der anderen Seite liegt eine riesige HANSE, immerhin vier Winschen. Irgendwann kommt man noch drauf, das man auch mit nur einer klar kommen müsste?

Wir treffen eine Deutsche Crew aus Duisburg wieder und genießen die Gesellschaft sehr. So sehr, das wir uns ohne große Mühe zu einer echten Wanderung im Hinterland der ALGARVE Küste überreden lassen. Segler und wandern. Schließt sich ja eigentlich und in jedem Fall grundsätzlich aus.

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Die Tour ist sehr schön, anfangs sehr nass und später dann auch noch sehr schlammig. Aber kein Problem für unsere ALL WEATHER ALL YEAR ALL PURPOSE Profi-Gummi-Wanderschuhe, die wir seit der TÜRKEI an den Füßen tragen. Bemerkenswert, das wir gefühlt immer nur Bergauf laufen, aber nie die Sonne erreichen. Irgendwie hat unser Wanderführer zwar den vollen Durchblick, aber auch ein Händchen für Berge die er leichtfüßig erklimmt, während andere keuchen wie eine alte Dampflokomotive. So scheint es jedenfalls.

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Wir sehen Zitronen und Orangenbäume, uralte Korkplantagen und so viel grün, wie schon lange nicht mehr. Die extrem gute Beschreibung des Wanderweges steht im Reiseführer „ALGARVE“ vom MICHAEL MÜLLER VERLAG, geschrieben vom Portugal-Fan und Meister himself MICHAEL MÜLLER und steht dort auf Seite 243: „Tour 9 Rundwanderweg NAVE – CALDAS DE MONCHIQUE – NAVE“.

Und jetzt, bei der WEB-Recherche zu diesem Beitrag kommt heraus, das ich unbewusst schon immer eine Beziehung zu MONCHIQUE hatte. Denn hier hatte einer der legendären SPLIFF´er sein Tonstudio. DA FLIEGT MIR DOCH DAS BLECH WEG!
MANFRED PRAEKER ist leider schon vier Jahre tot, wer weiß, vielleicht hätten wir seine Musik in den Gassen gehört?

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Nun denn, wir überstehen die kleine Wanderung erstaunlich gut, sind aber bei Rückkehr zum STORMVOGEL auch wirklich Müde. Tags darauf verabschieden wir uns von den Duisburgern, bedauern die Trennung und sind gewiss, sie irgendwann einmal wieder zu sehen.

Peter.

ALCOUTIM

Wie liegen an einem Ponton in ALCOUTIM. Das Dorf liegt am Grenzfluss RIO GUADIANA, der hier PORTUGAL von SPANIEN trennt. Früher eine echte Grenze – jetzt, EUROPA sei Dank, nur Fluss.

Schon vier Tage sind wir hier und treiben so vor uns hin. Jeden Tag ein kleiner Spaziergang, ein ausgedehntes Mittagessen an Land und kleine, aber dennoch berichtenswerte Erlebnisse.

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Also höchste Zeit für einen neuen Blog-Beitrag.

Nach Ankunft in VILA REAL DE SANTO ANTONIO erst mal wieder verschnaufen. Das geht auf einer Eisenbahnfahrt nach FARO ganz besonders gut. Anfangs ist der Zug noch fast leer, aber je näher wir FARO kommen füllt sich der Zug bis auf den letzten Platz. Viele Touristen, aber durchaus auch Eingeborene.
FARO ist ganz nett, aber kein Ort an dem man mit dem Boot gewesen sein muss. Die Wasserlöcher vor dem Ortskern, die als Ankerplätze ausgewiesen sind, machen uns von Land aus betrachtet nicht an. Nach etwas suchen finden wir einen MEO Shop in dem wir lokales INTERNET fürs Handy kaufen können. Und jetzt kommts: 15 GB für 30 €. 4G Highspeed. Zum Vergleich in SPANIEN (via ORANGE): 2 GB für 15 €. Und das spaßig-merkwürdige ist: In PORTUGAL will keiner einen Ausweis für die PREPAID SIM Karte sehen. Gibt es hier keine Terror-Gefahr?

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Nun denn, wir trödeln ein wenig weiter und planen den nächsten Schlag.

Was habe ich mit alles für Gedanken gemacht – für die Abreise aus VILA REAL DE SANTO ANTONIO. Aus dieser engen, von unkalkulierbaren Strömungen durchsetzten Marina heraus, die Brückenpassage, die Flussfahrt mit ihren lauernden Untiefen, dem möglichen Liegeplätzen in ALCOUTIM?
Viel zu viele Gedanken. Viel zu viel Sorgen. Ein Problem des älter werdens: Alles scheint viel komplizierter als es wirklich ist. Einfach machen ist einfacher als ewig darüber nachzudenken. OK, vielleicht mit ein bisschen Bedacht „einfach machen“….aber dann wirklich MACHEN!

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Über den technischen Ablauf der Flusspassage habe ich ja schon hier geschrieben. Das Wetter lässt uns ein wenig im Stich und die dunklen Wolken und die Kälte lassen den RIO GUADIANA in einem schlechteren Licht erscheinen, als er tatsächlich ist.
Denn wo in der Welt findet man Seeschiff-fähigen Fluss, an dem es keine, absolut keine Industrie gibt? Natur pur. Auf beiden Seiten. Die SPANISCHE Seite ist sogar noch ursprünglicher, noch naturverbundener als die PORTUGIESISCHE Seite. Hier gibt es ab und zu Häuser, aber keine Dörfer.

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Bis ALCOUTIM. Wäre schon interessant zu erfahren, wieso hier auf gleicher Höhe in beiden Ländern Dörfer am Fluss entstanden sind. Und wieso ALCOUTIM auf der PORTUGISICHEN Seite deutlich lebhafter wirkt, als SANLUCAR DE GUADIANA auf der SPANISCHEN Seite.

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Beleuchten wir einmal kurz die Unterschiede, nur knapp 400 Meter durch den Fluss getrennt:

1) Sprache
Alle Portugiesen, die wir treffen, sprechen fließend Englisch. Je jünger die Leute sind, um so besser. Auf der andren Seite, in SPANIEN: Nada, zero, niente, nix. Wer kein SPANISCH spricht ist aufgeschmissen.

2) Zeit
PORTUGAL ist seiner Zeit voraus. Eine Stunde vor SPANIEN – oder DEUTSCHLAND. Kreuzt man den Fluss, reist man in die Zukunft – oder in die Vergangenheit, ganz wie es beliebt.

3) Geld
Ein Bier und ein Kaffee mit Milch. SPANIEN: 3,50 Euro, PORTUGAL: 2,00 €.

4) Aufgeschlossenheit
Die PORTUGIESEN scheinen sich für einen echt zu interessieren, die SPANIER auf der anderen Seite sehen einen als Touristen. Beides ist OK für uns.

Wir erkunden beide Dörfer zu Fuß. In SANLUCAR besichtigen wir die Windmühlen (die uns sehr an die auf MYKONOS erinnern) und die Kirche, in ALCOUTIM erkunden wir die historische Burg, das stillgelegte RIVER HOTEL und die halb verlassene Apartmentanlage neben an.
Sehr schöne Spaziergänge, die trotz der teilweise vorhandenen Regenschauern trocken bleiben.

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Wir entdecken eine Art Seilbahn, die von einem kleinen Berg auf SPANISCHER Seite quer über den Fluss nach PORTUGAL führt. Derzeit nicht in Betrieb – aber im Sommer sitzt man wohl in einer Art Bootsmannsstuhl und jagt quer über den Fluss. Heidi behauptet, das sie sich das trauen würde – und ich würde ihr zu gerne die GOPRO auf den Kopf schnallen um den Ritt filmisch zu dokumentieren – allein, die Anlage ist außer Betrieb und Heidi bleibt den Beweis ihres zweifellos vorhandenen Mutes schuldig. Eine starke Behauptung ist noch lange kein Beweis. Auch nach 30 Jahren nicht.

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Der Fährmann überredet uns mit wenig Aufwand zu einer kleinen Flusstour Stromaufwärts. Wir sehen zunächst viele traurige Boote vor Anker und Mooring. SAD YACHTS nennen die Engländer Boote, die stark herunter gekommen einem ungewissen Ende entgegen gammeln. Dann Natur pur. Keine Häuser mehr, keine Boote. Nur Fluss, Hügel, Grün, Felsen und Bäume.

Ein wirklich beschaulicher Ort und im Sommer bestimmt ultimativ. Jetzt ist es zu kalt, zu windig.

Wir erkunden das seit drei Jahren stillgelegte Hotel. Es hat bestimmt seinen Grund, wieso das hier nicht funktioniert hat. Die Apartmentanlage neben an ist noch in Betrieb. Besseres Konzept? Der Fährmann jedenfalls bedauert es – zu wenig Leute kommen um auch ein Geschäft zu machen. Aber er beteuert, er liebe seinen Job und Geld sei nicht alles.

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Wir genießen die ruhige Zeit hier am Flussponton.

Und blicken kurz zurück auf die Passage von CHIPIONA nach VILA REAL DE SANTO ANTONIO. Eigentlich nur 55 Seemeilen, wir brauchen 68. Anfangs kreuzen wir wir die Weltmeister gegen den NORD-WEST, dann stirbt der, wir motoren eine Weile und dann, für viele Stunden NORD-NORD-WEST und hart am Wind auf direktem Zielkurs zur Flussmündung des RIO GUADIANA. An Bord ist es kalt. Für Stunden gehen beide Wache, denn die extrem vielen Fischerbojen wollen sauber umschifft werden. Erst Recht, wenn man 2,70 Meter Tiefgang hat, weil der Schwenkkiel ausgefahren ist und wir optimal am Wind kleben. Es macht Spaß, zu zweit diesen Slalomkurs durch die Hindernisse zu bestreiten. Es macht Spaß, sich aufeinander verlassen zu können.

Blau: Sollkurs; Rot: Tatsächlicher Kurs
Blau: Sollkurs; Rot: Tatsächlicher Kurs

Das Segelbergen in Sichtweite der Ansteuerungstonnen gelingt zwar ohne Probleme, aber im Manöver merken wir doch, das dies ein sehr langer Segeltag war. Durch das Aufkreuzen haben wir Anfangs viel Zeit verloren, die wir später nicht mehr gut machen konnten. Eine gewisse Gereiztheit liegt auf einmal in der Luft und verfliegt erst, als wir zwei Stunden später im Restaurant unseren Hunger und Durst stillen. Denn eines ist sicher: Das war der genialste Segeltag seit der Ansteuerung von SETE in Südfrankreich im letzten Jahr.

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Nun denn, wir wollen weiter ziehen. Morgen mit ablaufend Wasser den Fluss hinunter, damit wir bei Niedrigwasser wieder an der Brücke sind. Dann nach AYAMONTE auf die spanische Flusseite. Von Stegnachbarn haben wir gelernt, das dort den ganzen Winter über gebaggert wurde und die Versandung in der Einfahrt kein Problem mehr ist und das man zu jeder Tide im Hafen sicher manövieren kann – genau das, was wir suchen!
Am Sonntag dann wieder aufs Meer. Stand Wetter heute. Entweder wir gehen in das Priel-Gewirr von FARO vor Anker, oder direkt durch nach ALBUFEIRA. Das Problemchen ist weiterhin die Wetterlage. Wir haben keine Lust auf einem extrem einsamen Ankerplatz im Regen zu hocken. Dann besser in einer kleinen Stadt. Die Sonne soll erst ab Mitte nächster Woche an die ALGARVE zurück kehren…oh, Winter, wie ich dich nicht liebe 😉

Peter.

P.S.: Auf einem Parkplatz von ALCOUTIM sehen wir ein Wohnmobil, das unserer Vorstellung von eventuell später statt findenden Landreisen sehr nahe kommt. Leider kommen wir mit den Eignern nicht ins Gespräch, aber hier deren Reiseblog.

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