Archiv der Kategorie: Projekt: Lange Reise

Video vom kleinen Schiffsfriedhof

Die Video-Schnittsoftware SHOTCUT habe ich nach wenigen Stunden der Einarbeitung in die Tonne getreten. Crasht unvermittelt, immerhin funktioniert das Recovery. Aber es ist wirklich umständlich in der Handhabung und soweit ich das sehe fehlen einfach Funktionen.

ADOBE verkauft offenbar PREMIERE nicht mehr, sondern bietet das nur noch als Cloud-Mietmodell an – das mag ja für ADOBE gut sein, für Anwender wie ich es einer bin ist das natürlich Nonsens.

Also nach Recherche PINNACLE gekauft und nach einigen Stunden der Einarbeitung ist dieses Video aus CAMARET SUR MER heraus gekommen. Ich nenne das mal Version 0.9, denn so richtig perfekt ist es noch nicht. Neben Dramaturgie finde ich die (mit der Drohne gefilmten) Schwenks zu schnell und die „Geschwindigkeit-Anpassen“ Funktion in PINNACLE erzeugt ein Ruckeln…

Egal, hier die Premiere eines Neben-Videos:

Peter.

Zur Lage XXXIII

Wir sind auf GUERNSEY und zum ersten Mal seit Tagen kommt  jetzt am Nachmittag so richtig die Sonne raus.

Man kann im Cockpit sitzen, vor sich hin drömeln, die Zeit bis zum Fußballspiel DEUTSCHLAND – NORD-IRLAND totschlagen, einen Mittags-Snack vorbereiten (Heidi!) und, natürlich, mal wieder einen Lagebericht schreiben. Denn da gibt es einiges zu berichten. Als da wären:

a) Reiseplanung mit Rückkehrdatum (man höre und staune!)

b) Bootstechnik mit UV-Strahlung, gebrochenen Schooten, verrosteten Gasflaschen und Computern, Schmodder

Los geht’s mit der Meta-Ebene „Reiseplanung“ – die ist mitunter ja schwieriger als das eigentliche segeln.

a) Reiseplanung
Ein Blick auf die Karte zeigt: Wir kommen der Heimat unaufhaltsam näher und näher! Nach jahrelangem WEST-Kurs gefolgt von einem wenige Wochen dauernden NORD-Kurs sind wir nun auf dem finalen OST-Kurs. Wie bekannt gibt es an Bord zwei Meinungen bezüglich der Rückreisegeschwindigkeit. Zuerst haben wir überlegt, was wir noch alles sehen wollen. Dann haben wir auf den Kalender geschaut und dann hat jemand (weiblich, meinungsbildend) gesagt: „Ich will aber unbedingt im Juli zu Hause ankommen!“. Es folgten reifliche Überlegungen, die Kalkulation zweier Puffer für „schlechtes Wetter abwarten“ und „technische Überraschungen“ und herausgekommen sind wir nun (und hiermit offiziell) mit

Samstag, den 30. Juli 2016 13:00 Uhr

als Einlauftermin in den HAMBURG City Sportboothafen an den Landungsbrücken.

Wir haben beim Wettergott schon mal für leichten Nieselregen und heftigem Nord-West Wind nach gefragt – ganz so, wie wir es bei der Abreise am 14. Juli 2012 an gleicher Stelle hatten. Alles soll ja so sein, das man uns auch wirklich wieder erkennt 😉

Auf dem verbleibenden Weg haben wir uns die folgenden Highlights heraus gesucht:

* GUERNSEY
Ups, da sind wir ja schon 😉

* AMSTERDAM
Wir wollen auf jeden Fall einen vollen Tag in dieser Multi-Kulti-Metropole verbringen

* VLIELAND und SCHIERMONNIKOOG
Kurz in jedem Fall, etwas länger, falls tatsächlich der Sommer ausgebrochen sein sollte!

* NORDERNEY
…endlich mal!  In Würdigung der schönsten Segel-Mini-Fernsehserie des deutschen Fernsehens: DAS RÄTSEL DER SANDBANK nach dem gleichnamigen Buch von ERSKINE CHILDERS mit den damals noch und sehr jungen PETER SATTMANN und dem deutschen weltklasse Schauspieler BURGHART KLAUßNER als kühne Skipper im deutschen Wattenmeere.

* HELGOLAND
Dieser Schlag über Bande spart einen langen nach CUXHAVEN und wir haben beide große Lust, diese Insel ein zweites Mal zu besuchen. Liegt ja quasi auf dem Weg.

Anfang August vorholen wir dann unverzüglich nach GLÜCKSTADT in die dortige Yachtwerft, ziehen aus dem STORMVOGEL aus (…bei dem Gedanken daran habe ich jetzt schon Tränen in den Augen!) und bereiten unseren Dampfer auf den dann anstehenden BEAUTY FARM Aufenthalt vor.
Denn so viel ist klar: Dieses Boot verdient es, wieder ordentlich und hübsch hergerichtet zu werden! Der STORMVOGEL wird wieder glänzen – oh ja!

Die Segelsaison 2017 werden wir dann voraussichtlich in unserem Heimatrevier, der OSTSEE verbringen.

b)  Bootstechnik

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b.1) UV Strahlung
Diese unsichtbare Strahlung zerstört im Laufe der Zeit alles, was aus Kunststoff ist. Vermutlich auch alles andere, aber das dauert dann wohl noch länger. Unklar ist, ob die UV-Strahlung auch das Hirn des Skippers zerstört hat, oder ob das auf andere, in der Regel flüssige Stoffe, zurück zu führen ist.
Richtig ist hingegen, das wir im vierten Jahr merkwürdige Verschleißerscheinungen an Bord registrieren. Am deutlichsten wird dies bei unseren dauerhaft angebrachten Rettungsmitteln. Die Halterungen von beiden Rettungskragen sind einfach zerbröselt. Die Klett-Verschlüsse auf PVC-Folie konnte man einfach mit den Fingern zerreiben. Gut, das das aufgefallen ist und Heidi mit Nadel und Garn umgehen kann – so konnte sie neues Klettband aufnähen und die Halterungen vor der Entsorgung bewahren – obwohl die auch (natürlich) ziemlich ranzig aussehen.

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Am schlimmsten finde ich, das die dazu gehörigen Leinen ebenfalls zerbröselt sind – das ist echt ein übler Scherz des Herstellers. Die  Zerstörung durch UV-Strahlung macht das Material ja einfach nur mürbe und erst bei Belastung geht es dann richtig kaputt. Wenn es darauf ankommt!

b.2) Gebrochene Schoot
Ehrlich gesagt habe ich mich immer im stillen darüber muckiert, wenn ein anderes Boot von einer gebrochenen Schoot (Leine) berichtet hat. Ich ging immer davon aus, das man durch regelmäßige Kontrollen und auch Pflege der Schooten ein Reißen (brechen) der Leine vermeiden kann – in dem man das Problem frühzeitig erkennt und die Leine einfach austauscht.

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Diese meine ehemalige Annahme ist KÄSE. NONSENS. BULLSHIT!

Denn uns ist nun selbst auf einer Passage die Unterliek-Schoot ohne Voranmeldung gebrochen. Es war kein doller Wind, der Bruch an sich und das flatternde Segel also kein Problem. Nur die Erkenntnis, das die vor höchstens 8 Wochen überprüfte Leine einfach zerrissen ist. Da hat garantiert nichts gescheuert. Das einzige, das ich mir vorstellen kann: Wir haben das komplette laufende Gut (also alle Leinen an Bord) im Winterlager 2015/2016 demontiert, untersucht und mit Frischwasser gewaschen. Alle Leinen wurden dann genau so wieder eingebaut, wie wir sie ausgebaut haben – bis auf diese eine Schoot.
Die habe ich bewusst anders herum eingebaut, nach dem Motto: Lass´ mal das ungebrauchte Endstück der anderen Seite zum Einsatz kommen. Tja, und das ist das Stück, was immer in der Sonne hängt. Ahne ich da einen Zusammenhang mit (b.1) ?

b.3) Verrosteter Steuercomputer
Die gesamte Bordelektronik für Navigation und Steuerung stammt vom Hersteller FURUNO.Über drei Jahre hatten wir im wesentlichen keine Probleme damit. Seit einiger Zeit (beginnend irgendwann in 2015) gab es jedoch ab und zu folgenden, unschönen Effekt:

* Das Boot wird vom elektrischen FURUNO Autopiloten gesteuert
* Man möchte auf Handsteuerung umschalten, weil man schnell ausweichen muss oder sich einem Hafen nähert
* Die Umschaltung von AUTO auf STANDBY funktioniert nicht, keine Handsteuerung möglich!
* Erst wenn man alles komplett abschaltet, bekommt man die vollständige manuelle Kontrolle wieder

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Diesen Effekt habe ich im sehr guten amerikanischen FURUNO Forum beschrieben und (leider) keinen konkreten Ansatzpunkt für eine Problemlösung bekommen. Klar, Kabelverbindungen auf Korrosion prüfen, Leitungswege checken etc. Aber kein Erfolg.

Der Fehler trat nur in einem von zehn Fällen auf…als er bei der Ansteuerung im Fluss von VIANNA DE CASTELLO wieder auftrat gab es so große Hektik an Bord, das ich die Problemlösung als „sehr dringend“ hoch gestuft habe.
Also FURUNO Spanien kontaktiert und einen Termin für LA CORUNA ausgemacht. Die Techniker erscheinen auch an Bord und überprüfen die Anlage. Keine Fehler, keine Probleme, alles gut.

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Logisch. Wie sollte es auch anders sein? Klarer Fall von Vorführeffekt!

Der Moderator von des FURUNO USA Forums hatte angeregt, die Software des Steuercomputers auf den aktuellen Stand zu bringen – dabei betonend, das das nichts mit unserem Problem zu tun haben wird, aber man könnte das ja mal machen.
Also wollte ich das auch von den FURUNO Leuten in LA CORUNA haben.

Dazu muss man den Steuercomputer (FURUNO FAP-7002) auseinander bauen um an eine USB-1 Schnittstelle zu kommen, über die das Softwareupdate von einem Laptop aus eingespielt werden kann.

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Also kriechen die beiden Techniker ganz nach hinten in die Achterkajüte (denn dort ist der Steuercomputer verbaut um möglichst kurze Kabelwege zur Hydraulikpumpe zu haben) und nehmen das Teil auseinander…

…und kommen wieder zum Vorschein mit den Worten:

„Wie sieht der denn aus?“
„War da mal Wasser dran?“
„Ein Wunder, das da überhaupt was funktioniert!“

Tja, die bauen das ganze Teil aus und bei Tageslicht betrachtet erkennt man ganz klar an verschiedenen Stellen Spuren von Korrosion auf den Platinen. Einige, ganz wenige Bauteile scheinen bereits in Auflösung befindlich…
…nein nein, hier gibt es bestimmt keine UV-Strahlung 😉

Aber Seewasser gab es hier in der Tat einmal. Durchaus. Im Jahr 2012. Während unseres „ATLANTIK-Zwischenfalls“ drang Spritzwasser durch den abgerissenen Kopf der Steuersäule ein und landete auf dem Steuercomputer. Das haben wir damals gesehen und nach meiner Erinnerung auch beseitigt. Vermutlich nicht unmittelbar, aber auf jeden Fall später in ST. LUCIA. Ich glaube, ich hatte den Computer sogar geöffnet und abgetupft und vorsichtig gereinigt…aber wohl nicht gut genug – oder der Korrosionsprozess war in gang gekommen und nicht mehr zu stoppen.

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So oder so, die FURUNO´s meinten jede weitere Arbeit daran hätte keinen Zweck mehr.

Also Ersatzteile.

Tja, nun ist FURUNO Spanien nicht so groß, wie man meinen könnte und als das die immer alles am Lager hätten. Die kleine, am meisten betroffene Platine ist in MADRID auf Lager…und kostet schlappe 720 Euro. Die größere, ebenfalls, aber weniger „infizierte“ Platine kostet 1.500 Euro und ist Ende Juli 2016 lieferbar.

Ähm, nur mal so: Was kostet denn ein neuer FAP-7002?

Ja, nun, der wird leider gar nicht einzeln verkauft. Jedenfalls nicht in EUROPA. Der ist immer im Paket mit einem Display (NAVPILOT 700 oder 711 oder 711C) und einem Ruderlagensensor.

Und das Paket kostet (Sonderpreis, weil wir es sind und nicht alle Ersatzteile auf Lager sind), BINGO, 2.400 €.

Also irgendwie bekommt man für ein wenig mehr Geld viel mehr Material – so ein Display kostet auch mal eben um die 800 €. Auch wenn man es (im Moment) gar nicht braucht…also damals, in 2012 haben wir ja ein neues NAVPILOT 711 Display kaufen müssen, weil das andere im o.g. Vorfall zerstört wurde.

Und so wird mal wieder in den virtuellen sauren Apfel gebissen und gekauft, was gekauft werden muss.

Die FURUNO Leute haben nach Einbau dann noch so ihre kleinen Probleme die Software aller Komponenten auf einen gemeinsamen Stand zu bringen, aber auch das gelingt und nach zwei Tagen schrauben haben wir mal wieder ein Problem weniger auf der Liste.

Schwups.

Und hier kommt das echt mystische an der Sache:
Etwa zu gleichen Zeit ereignete sich ein ähnliches Phänomen bei unserem Schwesterschiff im Geiste (MAUNIE OF ARDWALL) auf der anderen Seite der Erde. Auch hier, im Ergebnis, ein neuer Steuercomputer.

Segelfreund Wolfgang macht uns indess auf ein Produkt mit magischer Anti-Wasser-Wirkung aufmerksam. Ich bin drauf und dran, alle Geräte nach Rückkehr damit zu behandeln…(?)

b.4) Verrostete Gasflaschen
Wir haben nun auch die letzte „original-“ Gasflasche außer Betrieb genommen und entsorgt. Nicht nur, das man diese Teile kaum füllen (lassen) kann, nein, sie rosten wie doof und kommen einem irgendwann nicht mehr ganz geheuer vor.

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Jetzt sind wir auf den kleinen blauen sau-teuren CAMPINGAZ Flaschen und stellen die erst außer Dienst, wenn wir wieder zu Hause sind. Dann kommen wieder die „richtigen“ an Bord. Zwei davon werden ja in einer Norddeutschen Saison wohl reichen?

b.5) Schmodder im Tank
Wir haben mal wieder Schmodder im Steuerbord-Dieseltank. Geübt, wie wir sind, tauschen wir den Dieselvorfilter nun wieder einfach öfters und haben beim letzten Volltanken auch mal wieder so eine Flasche „Unkrautvernichter“ (…na also das Zeug, das alles abtötet was nicht Diesel ist und zu Schmodder werden lässt) hinein geschüttet.

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Und durch das häufige Motoren und Filter wechseln werden wir wohl den Schmodder aus dem Tank bekommen. So der Plan.

Soweit das neueste von Reiseplanung und Technik.

Peter.

CAMARET SUR MER

Wir verlassen LOCTUDY am 15. Juni 2016 ohne ein einziges Foto gemacht zu haben und vorholen uns nach CAMARET SUR MER.

Warum sollte man auch in einem verschlafenen Fischernest alle Schattierungen von Grau fotografieren? Wenn man in Wirklichkeit Blau doch so liebt?

Die 57 Seemeilen gen Norden beinhalten die Passage von RAZ DE SEINE, die wohl geplant werden will. Dort sollte man, egal bei welchem Wetter, nur zur Stauwasserzeit erscheinen. Also die kurze Zeit zwischen Ebbe und Flut.

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Ich dachte zunächst, na so genau musst Du das wohl nicht nehmen und recherchiere mal dazu im Internet. Ich finde einen ausführlichen Reisebericht (klickst Du hier) von einem Skipper, der die Passage schon mehrmals gemacht hat und dieses Video (klickst Du hier) von einem Hubschrauber aus gemacht, in einem Wintersturm 2007. OK, jetzt ist nicht Winter, es ist kein Sturm angesagt und schließlich haben wir die Passage 2012 süd gehend ja auch schon selbst einmal gemacht (klickts Du hier).

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Und wie zur Bestätigung aller Planungen erscheinen aus dem Nichts so 20 oder 30 andere Segel, die munter um den Leuchtturm herum dampfen.

Merke: Wenn hier zur gleichen Zeit so viele Boote aufschlagen, muss die eigene Planung ja wohl richtig gewesen sein?

Sehr schön, so eine non-verbale Bestätigung unter Skippern.

Weniger schön ist, das wir mal wieder Motorsegeln. Irgendwie reicht der Wind zum Meilenmachen nicht. Bereits seit einiger Zeit reift der Gedanke, nach Möglichkeit kürzere Etappen zu planen und eine geringere Geschwindigkeit in Kauf zu nehmen – demnächst, denn noch sind die notwendigen Schläge lang.

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Wir erreichen das sehr versteckt gelegene CAMARET SUR MER am späten Nachmittag und erfreuen uns mal wieder an Felsen an Land, Felsen im Wasser und Felsen so gerade eben an der Wasseroberfläche, hier, in Frankreich, selbstverständlich gut markiert. Der kleine Ort hat gleich zwei Yachthäfen, laut Handbuch ist der erste, äußere für die großen Boote (>10 Meter) und der innere, besser gelegene entsprechend für die kleinen. Ein Funkanruf beim Hafenmeister ermöglichst uns in den inneren Yachthafen einzulaufen. Die Box ist zwar wie üblich etwas kurz, aber wir liegen sehr gut.

Wenn man (ich!) ehrlich ist, sehe ich vom Ort außer dem Supermarkt, einer Kneipe und einem Restaurant nicht viel.

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Aber den hier vorhandenen Friedhof der Fischkutter, den habe ich gleich zweimal besucht! Einmal direkt am ersten Abend – denn, wer weiß schon, wie grau der nächste Tag wird? Da habe ich Fotos der Fischkutterwracks gemacht…und mich gefragt, ob sich eine Videoerkundung via Drohne wohl lohnen würde?

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Also am nächsten Tag die Drohne aufgetankt (äh, aufgeladen), getestet und wieder am Abend auf die andere Seite des Hafens gepilgert. Nun bin ich als Drohnenpilot nach wie vor unsicher, erst Recht wenn ein wenig Wind weht, Zuschauer herumstehen, Zuschauer ablenkende Fragen stellen oder auch Zuschauer sau-blöde Kommentare wie „…wenn der über mein Boot fliegt, schieße ich ihn ab…“ abgeben.
Also einfach fix meine Aufnahmen gemacht. Eigentlich braucht man ja für so was einen Piloten und einen Kameramann, in einer Person vereint wird das nichts. Daher stelle ich die Drohne jetzt einfach vor Abflug immer auf Aufnahme und stoppe die erst, wenn sie wieder gelandet ist.
Heraus kommen minutenlange Videos die auf ein erträgliches Maß geschnitten werden müssen. Der Sohn ist fern, die eben erst erlernte GOPRO Schnittsoftware (…ich sage nur: Delfine, Delfine!) unterstützt natülich nur GOPRO Material und so muss sich der Hobby-Pilot mühevoll in eine neue Videoschnitt-Software namens „SHOTCUT“ einarbeiten…und entsprechend der Lerngeschwindigkeit des überforderten Skippers gibt es natürlich noch kein Ergebnis. Später, irgendwann also auch mal Luftfilme von diesem herrlichen Ort.

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Heidi beobachtet tagsüber ganze Schulklassen, die in kleinen Jollen gemeinsam das Segeln erlernen. Das erklärt, wieso hier an der Nordküste hunderte Boote mit französischer Flagge unterwegs sind. Keine großen Dampfer, so zwischen 7 und 10 Metern. Meist Paare, selten nur Männers und ganz selten auch mal eine Frauencrew.

In einer auf Irisch gemachten Kneipe können wir das DEUTSCHLAND – POLEN Spiel sehen. Tags zuvor haben wir bereits FRANKREICH – ALBANIEN verfolgt. Da war die Kneipe wirklich voll, bei dem Deutschlandspiel dann immerhin noch halb voll…aber nur wir haben auf den Fernseher gestarrt ;-))

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Keine Ahnung, ob der Ort noch mehr Sehenswürdigkeiten bietet – der Kutterfriedhof alleine ist schon eine Attraktion. Ob die nahe gelegene Großstadt BREST da mit halten kann?

Peter.

Rückblende LA CORUNA, BISKAYA und Gegenwart: LOCTUDY

Seit vier Tagen liegen wir in der Marina von LOCTUDY, ungefähr 60 Seemeilen südlich von BREST.

Mittlerweile ein wenig gefangen vom Wetter. Neben Windrichtung und Stärke interessiert uns ja sehr die Wellenrichtung und deren Höhe, die Gezeitenströmung und die Anzahl der Sonnenstunden.

Tja, und wenn wir hier noch rum liegen, dann stimmt was nicht – also eigentlich stimmt alles nicht. Klarer Fall von bleiben. Erst am Mittwoch könnte es weiter gehen, mal sehen. Denn Donnerstag und Freitag sieht wieder besch… aus.

Was macht man also bei feinstem Nieselregen, fiesen Windböen, nassfeuchter Kälte und herrlich provinziellen Umfeld, wenn man Komfortsegler auf Heimreise ist?

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Richtig:
Man leiht sich ein Fahrrad und fährt durch Regen und Wind 6 Kilometer zur nächst größeren Stadt (PONT L’ABBE)  um eine neue SIM Karte fürs mobile Internet zu kaufen. Obwohl das Marina Wifi hier echt nicht schlecht ist. Wir bleiben aber noch ein paar Wochen in Frankreich, da macht die eigene Internetlösung schon Sinn. Dazu mehr, vielleicht, in einem eigenen Beitrag.

Nun, wenn man also gutes Internet hat, kann man mit Text, Fotos und Videos einen neuen Blog-Eintrag verfassen.

Ahhhhrrrrrrggggggg, thats it, here we go:

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Die vier Tage in LA CORUNA in Nord-Spanien sind wie im Fluge vergangen. Die Tage waren ausgefüllt mit Bootsvorbereitungen, kleinen Reparaturen, Verproviantieren und Törnplanung. Bereits recht früh´ im Jahr haben wir die Regel:

„wir fahren weiter, wenn wir so weit sind UND der Wind nicht gegen an kommt UND die Welle kleiner zwei Meter ist“.

Ich glaube,nur deshalb sind wir „schon“ hier.
Denn „…Wind nicht gegen an…“ beinhaltet auch „kein Wind“. Dann wird eben motort. Nicht schön, aber man will ja schließlich auch irgendwo hin.

Die Wettervorhersage für die 2,5 Tage dauernde BISKAYA Überquerung  von LA CORUNA nach LOCTUDY (320 Seemeilen) war nie stabil. Täglich Änderungen selbst im sonst sicheren drei-Tages Bereich. So hatten wir uns am Dienstag, den 7. Juni 2016 darauf fest gelegt, am nächsten Morgen gen Nord-Ost zu starten. Für den ganzen Mittwoch, bis hin zum Donnerstag Morgen war guter Segelwind angesagt, danach Schwachwind aus allen Richtungen.
Tja, das war nix:  Als wir um 6:00 Uhr aufstehen weht kein Lüftchen, also wir um 7:00 Uhr beim ersten Sonnenlicht aus der Marina tuckern, weht kein Lüftchen und als wir fünf Stunden später die Landabdeckung verlieren, weht immer noch kein Wind.
OK, Diesel genug an Bord und noch länger warten wollen wir nicht. Kein Weg zurück. Also „GO“.

Anfangs stampft der STORMVOGEL noch im aus Nord-Ost kommenden Schwell, später am Tag legt sich die Welle und die sonst so gefürchtete BISKAYA wird zum Ententeich. Aber Gemütlichkeit will nicht aufkommen. Der Himmel bedeckt sich zusehends und es ist kühl.

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Am zweiten Tag bekommen wir Besuch von Delfinen, die mit erstaunlicher Präzision in 2er, 3er oder gar 4er Formation vor unserem Bug herjagen. Wir vermuten, das sie der Schatten unserers Bugspriets interessiert, denn sie luschern immer mit einem Auge nach oben.

Neben ein paar Fotos entsteht auch dieses Video, für das ich mal wieder von Ole Musik (aus 2013!) gestohlen habe 😉

Die beiden Nächte verlaufen erstaunlich ruhig. Der Dritte Tag wird etwas doof, weil wir nun auch noch den Regen haben. Aber aus dem Deckshaus des STORMVOGELS lässt sich gut Wache gehen und wir werden erst mal nicht nass. In der Ansteuerung von LOCTUDY treffen wir im „Flachwasser“ der 100 Metertiefelnlinie jede Menge Schleppnetzfischer. Ich glaube zu wissen, das das die schlimmste Methode ist, um Fisch aus dem Meer zu holen. (?). Der Meeresboden hier einmalig geformt: Innerhalb kürzester Strecke steigt er von mehr als 4.000 Metern auf nur 100 an. Das sorgt bei Sturm für eine Monsterwelle, bei Flaute offenbar für jede Menge Fisch.

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Wir erreichen LOCTUDY im trostlosen dunkelgrau, der Nieselregen macht nun doch den Skipper ordentlich nass – sein Regenzeug der AWN Hausmarke taugt gar nicht mehr. Alleine anlegen kann der STORMVOGEL trotz massiver Technik nicht. Alle Mann an Deck!
Heidis MUSTO Anzug sieht im übrigen zwar etwas schäbig aus, ist aber noch Regendicht. Unklar, warum. Bessere Qualität oder(deutlich) weniger benutzt?
In PORTUGAL hatte ich in einem Laden professionelle Regensachen für Fischer von GRUNDENS in der Hand. Deren Anorak fand ich super…und hätte gekauft, wenn mein Bauch kleiner wäre oder die eine größere Größe gehabt hätten. Ich glaube, so was wäre das Richtige. Denn wenn es regnet, dann regnet es und all dieser „atmungsaktive outdoor“ Quatsch ist am Ende doch nicht dicht und nur teuer.

Die Tankstelle der Marina ist frei und so tanken wir erst mal unseren Steuerbordtank wieder voll. Nass bin ich sowieso. Tanken mit Regenschirm, damit kein Wasser in den Tank läuft. Dann an einen Kopfsteg und überraschender Weise keine ausgedehnte Ausruhphase, sondern duschen und ab ins Dorf. Das spricht für sich. Wir kommen erholt an. Das gab es noch nie ;-))

Wir mögen den Fischerei Charme von LOCTUDY sehr. Das Dorf hat fünf Bars,  drei oder vier Restaurants und zwei Supermärkte.

Was will man mehr?

Also gestern hätten wir uns noch 20 oder 30 andere Deutsche gewünscht und eine Bar, die das Deutschlandspiel überträgt. Aber bei nur vier Deutschen in LOCTUDY und einem regnerischen Sonntag macht es für keinen Barbesitzer Sinn, auf zu machen bzw. auf zu halten.
Tja und so verbringt der Skipper wieder ´ne knappe Stunde mit der Internet-Recherche, wie man das Deutschlandspiel per Internet auch im Ausland sehen kann. Keine Einzelheiten hier, ich bin mir nicht sicher, was Legal oder Illegal ist.
Aber wirklich Scheißegal hingegen ist mir diese völlig hohle Formulierung „…aus Rechtlichen Gründen ist diese Sendung nur in Deutschland verfügbar…“. Ich wüsste wirklich nicht, was das mit unseren Gesetzen zu tun haben soll. Hier geht es doch schlicht um private Verträge die zwischen Sender und UEFA. Und nur um Geld. Dann sollen die Damen und Herren das auch bitte so nennen „…aus vertraglichen Gründen…“. Dieser Volksverdummung durch penetrantes Verwenden von falschen und irreführenden Wörtern muss Einhalt geboten werden! Ja wohl, ja!!!
Nun denn, das 2:0 für Deutschland war schön anzusehen und wir wissen nun, das wir für Donnerstag einen Notfallplan haben…aber lieber wäre uns eine  Bar.

In welcher Stadt auch immer, Hauptsache, sie liegt auf dem Weg nach Hause.

Bis hier hin hat der ehemalige Kommunikationsoffizier Korrektur gelesen, denn ich war in der Zwischenzeit mit dem Fahrrad im Dorf einkaufen:

1) 2 Baguettes, eines für heute Abend, eines für das Frühstück

2) 2 Kilo Muscheln, 4,50 Euro das Kilo direkt aus der Fischauktionshalle – aber, so der kurze Gedanke: Wo kommen die eigentlich her? Denn Muschelfarmen a la BALEEIRA  haben wir bisher nicht gesehen – egal, die werden hier schon keinen Mist verkaufen

Dann noch einen netten Schnack am Steg und später die Muscheln in einem Sud von Koblauch, Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Wasser gekocht. Ungefähr 10 Minuten – nach dem das Wasser kocht.  Dazu Rose, denn im Kanister ist nicht, wie ursprünglich angenommen, Weißwein, sondern Rose.

Hey Mann, auch egal.

Hauptsache schmeckt. Oder was?

Peter.

Tag 3

(äääähhhh, vergessen zu schreiben….)

Wir sind am 10.Juni 2016 gegen 15:00 Uhr wohlbehalten, aber nass und
kalt in LOCTUDY angekommen. Manschaft und Boot wohlauf, Manschaft froh´
den Törn recht entspannt überstanden zu haben…

…auf einem Motorboot mit Mast.

Peter.

BISKAYA Tag 1 und2

Seit gestern Morgen um 7:00 Uhr läuft der Motor.

Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Für gestern wurde im spanischen
und amerikanischen Wettermodell astreiner Segelwind versprochen. Nix,
Pustekuchen, Flaute. Anfangs war der Schwell etwas unangenehm, aber wenn
es keinen Wind mehr gibt, gibt es ja auch (später) keinen Schwell mehr.

So tuckern wir also nun durch Lummerland-Wasser bei heftig bedecktem
Himmel. Regen gab es bisher noch keinen, aber der ist für Morgen
angesagt. Wir haben Neumond, also nix mit Mondlicht. Dafür wird es super
spät dunkel, selbst nach 23:00 Uhr hatten wir noch Restlicht. Und weil
die Morgendämmerung gegen 6:30 Uhr einsetzt, haben wir nur ganz kurz
finstere Nacht.

Auf ein offizielles Wachsystem haben wir für die beiden Nächte
verzichtet. Heidi hat mich kurz nach Mitternacht abgelöst und dann, man
lese und staune, bis zum Frühstück durch gemacht. Welch Energiebündel?
Ach was, das Geheimnis ist viel banaler: Man reiche ihr ein spannendes
Buch und eine Taschenlampe und schon kann sie nächtelang Wache gehen 😉

Seit heute Morgen haben wir die Angel draußen, mal sehen, ob einer
beißt. Vorbereitet darauf sind wir – obwohl Heidi auch viele Leckereien
vor gekocht hat, als da wären:

1) Kohleintopf – schon alle
2) Gulasch – fast alle
3) Frikadellen – alle, wenn wir ankommen

Eigentlich sind wir alleine unterwegs. Das Boot aus den NIEDERLANDEN,
mit denen wir einige Tage segelten, ist auf einer anderen, kürzen Etappe
und müsste heute ankommen. Irgendwo hinter uns ist ein anderes DEUTSCHES
Boot, das wir aber kaum kennen – außer Sichtweite, kein AIS und auch auf
dem Radar bekommen wir die nicht zu sehen. Aber mit UKW Funk gelingt der
Kontakt. Drei Süd-gehende Yachten haben wir passiert, in größerem
Abstand natürlich auch große Dampfer.
Ein paar Delfine hatten wir am Morgen zu Besuch.

Tja, und das war es dann auch schon.

Gut 140 Seemeilen zu gehen, an Bord alles wohl.

Peter.

Aufbruch zur Biskaya Überquerung

Morgen früh´ (Mittwoch, 8. Juni 2016, 07:00 Uhr) starten wir gen Nord-Ost – Ziel: Nordwest-Frankreich.

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Also irgendwie die Region BREST oder südlich davon. Wir planen 2,5 Reisetage, zwei Nächte auf See. Das Segelwetter sieht für Morgen gut aus, Donnerstag und Freitag wird es wohl sehr wenig Wind werden.

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Seit vier Tagen sind wir nun schon in LA CORUNA. Zuvor hatten wir noch Station im kleinen MUXIA gemacht – sehr klein, sehr nett, sehr leer. Dann um KAP FINESTERE herum, kein Vergleich zu 2012. Fast platter Ententeich.

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Hier in LA CORUNA haben wir unser Boot überprüft, eine längere Jobliste abgearbeitet und von unserem elektrischen Autopiloten den Steuercomputer erneuert – dazu mehr im nächsten Lagebericht.

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Nun aber erst mal  Kurs Nord-Ost. Wenn alles klar geht, werden wir pünktlich zum Anpfiff der Fußball-EM in Frankreich eintreffen – mal sehen, ob wir es in eine Kneipe schaffen…

Auf See werden wir einmal am Tag einen Blog-Beitrag senden und uns neues Wetter holen – stay tuned!

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Und außerdem gibt es unsere Position alle vier Stunden ja von unserem GPS Tracker.

Also denn,

handbreit,

Peter.

SANTIAGO DE COMPOSTELA

So Typen wie ich  es einer bin wäre dieser Ort gänzlich unbekannt geblieben.

Kulturell höher entwickelten Menschen, wie etwa Heidi, war dieser Ortsname natürlich schon immer ein Begriff. Logisch, keine Frage. Heidi kennt jeden Pilgerort aller Religionen, selbstverständlich  auf allen Kontinenten.

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Also jedenfalls fast. Also zumindest diesen! Schließlich hat sie (logisch!) den Bestseller von HAPE KERKELING „ICH BIN DANN MAL WEG
gelesen. Und als während unserem letztem Weihnachtsurlaub dessen Verfilmung mit dem sensationell authentisch aussehenden und spielenden DEVID STRIESOW in die Kinos kam, wurde auch mir dieser Ort sehr unterhaltsam näher gebracht.

Also nicht nur der Ort, sondern auch der übliche Weg dorthin. Was ich aus diesem Film mitgenommen habe ist:

1) Der Weg ist das Ziel (…war mir aber auch schon vorher klar!)

2) Alkohol hilft auch beim Wandern (…jedenfalls am Abend nach der Tagestortour)

3) Wer Frauen auf dem Weg kennen lernen will, muss sich als Schwul outen (…oh, wie doof ist denn das?)

Nun denn, wir sind bekanntlich Segler, keine Wanderer.

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Was liegt also näher, das Boot in die Nähe von SANTIAGO DE COMPOSTELA zu navigieren, sich in einen Zug zu setzten und den Ort ohne Plattfüße zu erreichen?  Gedacht, getan: Von MOANAS gehen wir nach VILAGARCIA, ganz tief hinten drin in der wunderschönen RIA DE AROUSA.

Von da aus in den Zug, der schnelle Durchgänger braucht 20 Minuten, der Regionalzug 40 Minuten, ist aber mit 4 Euro auch einen Euro billiger als der Schnelle. Wir verlassen den Bahnhof und denken, wir sind falsch ausgestiegen. Statt historischen Bauten in einem kleinen Bergdorf eine ganz normale Stadt?

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Aha, so lernt der interessierte Tagesbesucher in der Touristeninformation, wir müssen in die Altstadt. Logisch. Vom Bahnhof aus 10 Minuten zu Fuß, gut bergauf. Das schaffen wir. So gerade.

Es ist kurz vor 10 Uhr und die Stadt, auch die Altstadt, ist angenehm leer.  Die Kathedrale beeindruckend im tiefblauen Morgenhimmel. Viel belesenere Besucher erklären uns beim Eingang, das diese Tür nur alle Jubel-Jahre aufgemacht würde. Nun denn, wir schreiten mutig durch diese selten geöffnete heilige Pforte und der Security-Mann im Eingang wirkt auch gleich würdevoller als der im anderen, normalen Eingang.

Im Inneren – phantasievoller Protz, wie wir ihn schon in so vielen Kirchen dieser Welt, gleich welcher Religion, gesehen haben. Wie kann es sein, das die Gotteshäuser immer die besonderen, die aufwendigen sind? Egal ob auf einem pazifischen Atoll, auf einer Indonesischen Insel oder hier in Nord-Spanien?

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Die Kirche bietet im inneren tausende tolle Motive für Fotos – und zwar nicht nur auf Augenhöhe. Als historisches Bauwerk sehr beeindruckend. Die große Weihrauch-Show bekommen wir nicht geboten, falsches Timing. Kann man sich aber (so meine ich zu erinnern) um o.g. Film ansehen.

Generell scheint unser Timing nicht gut zu sein. Statt der erwarteten tausenden von Wanderern, oder richtiger Pilger, sehen wir weniger als 100. Schlafen die noch alle? Statt dessen Reisebusse voller Tagestouristen, die wie wir den easy way of sightseeing der harten Pilgertour vorziehen.

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Jedem das Seine. In diesem unseren Europa kann schließlich jeder machen was er will. Und dahin pilgern, wo er will. Dieser umfangreiche WIKIPEDIA Beitrag öffnet einem schon mal am Computer die Augen.
Da hätte man ganz schön was zu tun, wollte man die alle besuchen…

Wir strolchen noch ein wenig in der Altstadt herum, besuchen den sehr guten Markt und essen einen gekochten Octopus zum späten Frühstück. Lecker auf galicische Art.

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Und dann, so ist abschließend zu berichten, hält uns nichts mehr an diesem Ort. Mittlerweile ist es voll, geschäftig und laut. Zeit, zum STORMVOGEL zurück zu kehren.

Peter.

LEIXOES / PORTO – VIANA DA CASTELLO – MOANAS / V*** – VILAGARCIA

180 Seemeilen in vier Stationen mit zwei Ländern und ein paar (mit Verlaub) richtig geilen Segeltagen.

Wer hätte das gedacht? Von wegen „vorherrschend Nord“ und „Strom gegen an“. Letzteres ist wirklich zu vernachlässigen: 0,2-0,5 Knoten gegen an, das ist kein Problem. Und im Moment pustet es aus allen Richtungen – jeden Tag anders, oder auch mal gar nicht. Also ideal, um nach Norden zu kommen!

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Von FIGUEIRA DA FOZ nach LEIXOES waren es 66 Seemeilen, die meiste Zeit mit Vollzeug hervorragend gesegelt. LEIXOES ist der Industriehafen von PORTO, gleich neben an. Die Marina keine Schönheit, aber mit 23 € pro Nacht weniger als halb so teuer wie die Marina im Fluß DOURO.

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Irgendwie fangen die Marinapreise an mich zu nerven. Es ist nicht so, das wir uns das nicht mehr leisten könnten oder ich gar geizig geworden wäre. Aber satte 50 € pro Nacht und mehr für einen Liegeplatz, lausige Sanitäreinrichtungen und sonst nichts? Da bekommt man mit Sicherheit schon ein ganzes Pensions- oder Hotelzimmer, womöglich mit Frühstück für.

Am Samstag, den 28. Mai 2016 unternehmen wir unsere PORTO Erkundungstour, mit dem Bus von LEIXOES aus in die Stadt. Es schüttet. Die Straßen stehen tief unter Wasser, es ist düster und kalt. Aber der Wetterbericht meint, der Dauerregen gehe in Schauer über und Nachmittags soll sogar die Sonne mal durch kommen. OK, das ist ein Deal!

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PORTO gefällt uns auf Anhieb viel besser als LISSABON. Das liegt vermutlich daran, das die Stadt nicht so herausgeputzt ist und viel authentischer wirkt durch die alten, teilweise sehr herunter gekommenen Häuser ohne jedem Zeichen von Renovierung. Uns gefällt das ja, dieses „naturbelassene“ und „unbehandelte“.
Die Stadt füllt sich trotz des Wetters schnell mit Touristen und bei jeder Schauer suchen alle schlagartig Schutz vor den Wassermassen. Ich suche die Chance auf ein paar gute Fotos, trotz des dunklen Himmels.

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Dafür erklimmen wir den TORRE DOS CLERIGOS und sind aus zwei Gründen bei Gipfelstürmung völlig fertig: Zum einen fordern die 225 Stufen alle Kraft der müden Segelbeine, zum anderen ist es so brechend voll (klar, im Turm regnet es ja nicht!) das man nur mit artistischen Einlagen weiter kommt. Ausblick genießen ist ob der Menschenfülle im obersten Stockwerk nicht möglich. Eher die Runde drehen, Motive suchen, sein Foto machen und sich an den nicht minder anstrengenden Abstieg wagen. Merkwürdig, das es hier keinen Besucherstrom-Regelung gibt?

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Das Wetter bessert sich tatsächlich, wir landen am Fluß und finden die Kulisse noch besser. Gerne hätten wir eine Portweintour gemacht, aber die Kellereien sind auf der anderen Flußseite und erscheinen uns unerreichbar. In nächster Nähe hingegen finden wir unser Mittagessen in einem Mini-Lokal: Das Geschäft findet normalerweise draußen statt, da kann das Restaurant ruhig klein sein. Normal ist aber heute nicht. Heute schüttet es. Daher sitzen wir quasi in der Küche und schauen dem emsigen Koch auf die Finger. Das stört den aber nicht.

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PORTO scheint uns sehr viele Häuser mit Kachelfassaden zu haben. Neben filegranen Mustern gibt es auch einfach rote, blaue und grüne Häuser mit Kachelkleid.

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Für die Rückfahrt wählen wir die METRO, steigen falsch aus und latschen kilometerweit durch den Hafen, um zum STORMVOGEL zurück zu kommen. Interessant, aber völlig überflüssig.

Tags darauf segeln wir 36 Seemeilen nach VIANA DO CASTELO, unserem letzten Hafen in PORTUGAL. Wir sind selbst sehr erstaunt, das wir knapp zwei Monate in PORTUGAL waren. Klar, wenn man nachrechnet stellt man fest, wo die Zeit geblieben ist. Auf dem Fluß RIO DUARDIANA, vor ALVOR und schließlich in LISSABON.

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DerTagestörn ist super-segeln. Wir sind mit 5 anderen Booten auf der Strecke und logisch, wenn alle das gleiche Ziel haben will keiner der Letzte sein. STORMVOGEL hängt super hart am Wind, dank Schwenkkiel laufen wir sehr ordentlich Höhe und öfter auch mal 7 Knoten – auf See echt nicht schlecht!
Der Himmel, zum Abgewöhnen. Der Liegeplatz am Flußponton mit 37 € völlig überteuert. Dennoch liegen wir im Päckchen und genießen unsere auf mit Gold aufgewogene Nachtruhe.

Am Montag, den 30, Mai 2016 starten wir nach SPANIEN, in die Stadt deren Namen wir seit 2012 nicht mehr aussprechen. Und weil auch in dieser Stadt die Marina Preise deutlich angezogen haben, gehen wir nach vorheriger Internetrecherche einfach auf die andere Seite der RIA, nach MOANA. Das hat drei Vorteile:

1) Wir können den Namen unseres Liegeplatzes ohne Sorge aussprechen
2) Wir können mit der Personenfähre für 2,20 € pro Fahrt in die Stadt übersetzten, deren Namen wir nicht nicht mehr aussprechen
3) Und, jetzt kommt der Hammer – wir liegen hier für 18 € die Nacht. Das finden wir doch mal sehr OK!

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Und etwas anderes Denkwürdiges passiert hier. Wir schließen Freundschaft mit dem französischen Boot MARIE-LOUISE. Patrik und Kati. Seit vier Jahren sind wir unterwegs und haben **NOCH NIE** auf einem französichen Dampfer gesessen und den Sonnenuntergang bei ein paar Drinks genossen. Es ist nicht so, das die Beiden was anderes sprechen als französisch, aber mit Händen und Füßen gelingt so was Ähnliches wie eine Unterhaltung.
Patrik auf einer vorangegangenen Etappe mit seinem iPAD ein kleines „STORMVOGEL unter Vollzeug“ Video gemacht und ich verbringe gut zwei Stunden damit, das 65 Megabyte Teil von einem APPLE Produkt (eingestellt auf französische Sprache) auf ein nicht APPLE Produkt zu kopieren. So ein Scheiß! Hallo, im Jahr 2016!!!
Wir revanchieren uns mit ein paar Actionfotos von MARIE-LOUISE…geschossen „von vorne“, was meint, das wir sie überholt haben…;-))) Ahhhhhhh!

Hier passt auch ganz kurz die Geschichte von Shirley aus England. Die Dame ist 70 Jahre alt und unfreiwillig Solo-Sailor auf dem Motorsegler „RORQUAL“ (?). Ihr Mann ist letztes Jahr auf dem Boot gestorben und sie möchte es nun nach Hause bringen. Ist das nicht traurig, beeindruckend, mutig und Mut machend zu gleich?

Oder Jeanne und Dick auf MAR-JOLIE aus den Niederlanden. Beide über 70, seit 40 Jahren Segler mit verschiedenen Booten und wollen nun ihre ELAN 434 nach Hause bringen…und dem Segeln auf Wiedersehen sagen. Das Leben auf einem Boot hält ganz offenbar jung. Und vor allen fit.

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Nun denn, nach zwei Nächten in MOANA geht es weiter nach VILAGARCIA, ganz hinten tief drin in der RIA DE AROUSA. Die lange Fahrt in der RIA ist famos, die Landschaft phänomenal und so völlig anders, als man es von Nord-Spanien erwarten würde. Eher skandinavisch. GALICIEN ist wirklich im Sommer ein Geheimtip.
Das kann man VILAGARCIA wohl nicht so sagen. Eher eine kleine Industriestadt in der Provinz. Aber, und das war der Grund unserers Besuches: Der Ort hat einen Bahnhof in Fußmarschweite von der Marina. Die Bahnstrecke verbindet eigentlich V*** mit LA CORUNA, unterwegs nach Norden hält der Zug aber auch in SANTIAGO DE COMPOSTELA – dem Ort, wo alle Welt angeblich zu Fuß hin pilgert. Nun denn, wir besuchten den Ort heute also mit Boot und Bahn und berichten demnächst über den Tagesausflug.

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Morgen brechen wir wieder auf – bummelig 60 Meilen nach MUXIA (MUGIA). Mit Chance Segelwind. Übermorgen 50 Meilen nach LA CORUNA. Oder Über-Übermorgen.

Schauen wir mal.

Peter.