Archiv der Kategorie: Projekt: Lange Reise

Zur Lage XXXV

Fünfundreißig Lageberichte. Genauer: „Segel(boot) Lageberichte“.

Nun, es ist Wintersaison und wir waren bekanntlich in diesem Jahr gar nicht segeln. Also kann der Skipper auch nichts kaputt gemacht haben, denkt der Laie. Die Fachfrau hingegen ist sicher, das der Skipper doch irgendwie Verursacher der aktuellen STORMVOGEL Baustelle sein muss. Und sei es nur der Umstand, das er das Boot mal gekauft hat.

Mobile Schweißerwerkstatt

Der letzte Blogeintrag zu diesem Thema liegt nun schon drei Monate zurück und eigentlich ist in dieser Zeit nicht wirklich viel am Boot selbst passiert. Dafür haben schlaue Köpfe gearbeitet. Doch der Reihe nach:

Alte Rumpfsektion

Nach dem der Ballast komplett entfernt wurde, hat die Werft die beschädigten Stellen mittels Sandstrahl komplett innen und außen gereinigt…danach mussten Heidi und ich den Dampfer vom Sandstrahlen reinigen..trotz Arbeitszelt, Abdeckung und so weiter: Was für ein Dreck! 😉

Großes, für eine Zeit gewolltes Loch im Aluminiumrumpf
Die herausgetrennte Bordwand, Innenseite

Dann schlug die Stunde der Experten: Ein Bootsbau-Gutachter, ein Elektrik-Gutachter und ein Werftchef für die Aluminiumarbeiten. Der Werftchef hatte ja schon im Frühjahr die Steuerbord-Anodentasche als Ursache des Übels ausgemacht. Nun haben die beiden Gutachter sich ebenfalls auf dieses Bauteil als auslösende Ursache fest gelegt. So zerstört wie die sei, könne es gar nicht anders sein. Geht es also demokratisch zu, war es die Anodentasche.

Die alte, herausgetrennte Anodentasche von ihrer Schokolandenseite

Was die beiden Gutachter aber auch sagten:
Teile der Steuerbord-Bordwand müssen erneuert werden. Und ein paar Bodenwrangen auch. Befürchtet hatten wir das ja schon, nun aber quasi amtliche Gewissheit.

Die alte herausgetrennte Anodentasche: Grausame Innenansicht

Jetzt konnten wir die Reparaturpläne also konkretisieren, Aufwände und Kosten ermitteln – und einmal mehr die Entscheidung „Abbruch“ oder „Weitermachen“ treffen. Hilfreich bei dieser schweren Entscheidung waren die Gutachter, aber auch Makler in Deutschland und den Niederlanden. Allgemeiner Tenor: „Ja, das Boot hat nun einen Makel, aber der Schaden kann gut repariert werden und ein möglicher neuer Eigner hat die Gewissheit, das er ordentlich behoben wurde“.

Also: Weitermachen.

Die Mitarbeiter einer auf Aluminium Boots- und Schiffbau spezialisierten Werft aus Hamburg rückten mit schwerem Gerät nach Glückstadt an und schnitten die beschädigten Aluminiumplatten erst mal raus. Feststellung: Rumpfstärke in diesem Bereich 6mm. Das ist echt ein Brett. 6mm Aluminium…

Na prima!

Hatten wir also erst mal für ein paar Tage ein riesiges Loch im Boot.

Aber wirklich nur für ein paar Tage. Denn wenn die Aluminiummenschen erst mal los legen, dann kann man sie kaum halten. Montags angefangen, Freitags fertig geworden. So lieben wir das!

Die neue Bordwand, noch provisorisch angeheftet

Tja, und nun haben wir per heute **KEIN** Loch mehr im Boot. Kein kleines, kein großes. Wie schön!

Obwohl:
Der Beweis der absoluten Dichtigkeit steht noch aus. Durch einen Schwimmtest (gesichert, im Kran) soll im nächsten Schritt physisch überprüft werden, ob der reparierte Rumpf wirklich zu 100% dicht ist. Aktuell herrscht allerdings gerade Hochbetrieb in der Werft – andere Boote wollen ins Winterlager und wir können für den Schwimmtest den Kran nicht mal eben ein paar Stunden blockieren. Also warten wir geduldig, bis die große Welle vorbei ist.

Neben dem aufregenden großen Loch wurde aber auch im Detail geschweißt: Die Materialstärke des Kielkastens beträgt 10mm, die des Kiels 12mm. Eigentlich, so die Experten müsse dort nichts aufgedoppelt werden, aber der Optik wegen sei es auch nicht verkehrt. Also wurden dort kleine Aluminiumplatten flächig aufgesetzt.

Aufdopplungen an Kielkasten (links) und Kiel (rechts)

Ferner haben wir nun an der tiefsten Stelle im Bleiballast ein Aluminiumrohr, das als Peilrohr wirken soll. Zu Wartungszwecken kann in zukünftigen Winterlagern damit überprüft werden, ob der Bleiballast wie erforderlich trocken liegt, oder ob Schwitzwasser o.ä. vorhanden ist.

Peilrohe (unten, links)

Erst nach dem Schwimmtest geht es dann mit dem Wiedereinbau des Bleiballasts weiter. Doch das wird ein neuer Lagebericht.

Für heute noch wichtig zu erwähnen: Es gibt einen Fertigstellungstermin: 20/02/20

Das Datum ist cool, oder?

Peter.

 

Zur Lage XXXIV

Tja, eigentlich hatte ich gar nicht vor, einen neuen Lagebericht zu schreiben. Gut drei Jahre nach dem letztem. Damals noch auf der Heimreise. Very long time ago und noch mehr far away…

…jedenfalls im Kopf.

Salonmöbel (Tisch, Sitzbank, Bodenbretter) schon raus…

Doch es ist zweifelsohne notwendig. Denn der STORMVOGEL wird gerade aufwendig repariert. Wir nennen das Projekt „Bleiballast Sanierung“. Gewünscht haben wir es uns dieses Projekt nicht, nein, wir haben noch nicht mal geahnt, das so etwas auf uns zu kommen kann!

Erste Abteilungen an Steuerbord geöffnet, ganz links schon geleert

Was sind wir froh´, das das Boot noch nicht verkauft wurde. Denn dieser Schaden wäre so oder so aufgetreten – und ein neuer Eigner wäre sehr verärgert gewesen – zu Recht. Obwohl, wir wussten wirklich nicht, das es im Ballast ein Problem gibt. Nun wissen wir es und handeln, wie üblich.

Grossbaustelle

Der STORMVOGEL ist ein Langkieler und als solcher fährt er aus Stabilitätsgründen 6 Tonnen Bleiballast im Rumpf. „Stabilität“ meint im Boots- und Schiffsbau die Hebelkraft des aufrichtenden Moments. Also die Kraft, die verhindert, das ein Boot oder Schiff nicht einfach kentert – also umkippt. Moderne Yachten haben üblicher Weise einen tiefen Kiel in der Bootsmitte und unten als Abschluss eine Blei- oder Eisenbombe von +/- 2 Tonnen. Durch den langen Hebelarm ergibt sich genügend aufrichtendes Moment, um trotz des geringeren Ballastanteils ein solches Boot immer wieder aufzurichten.

Kleine, aber komplizierte Abteilung im Bereich des Schwenkkiels

Nun denn, der STORMVOGEL hat keinen tiefen Kiel sondern fährt 6 Tonnen Blei verteilt auf 12 Abteilungen im mittleren Rumpfbereich – 6 Abteilungen an Steuerbord, 6 an Backbord, in der Mitte durch den Kielkasten des Schwenkkiels und davor durch den Kiel getrennt.

Der Ballastplan zeigt die Anordnung. Klickst Du drauf, wird es größer.

Stormvogel Ballastplan

Aus einem noch unbekannten Grund ist Wasser in die Steuerbord-Abteilungen des Ballasts eingedrungen. Die fünf vorderen Abteilungen sind untereinander verbunden. (See)Wasser, Blei und Aluminium führten zu einer elektrochemischen Reaktion und haben zwei Schadstellen verursacht: Eine Schweißnaht der vorderen Anodentasche an Steuerbord sowie ein kleines Loch ca. 80 cm davor.

Das so was passiert ist natürlich schlecht. Aber Dinge passieren und es ist jetzt müßig darüber ein Leid zu klagen.

Kein Bergwerk, sondern die Steuerbordabteilung mit der Anodentasche

Also haben wir zusammen mit der Werft und ein paar anderen bezahlten Ratgebern (andere Werften) nach Lösungsmöglichkeiten gesucht und uns für das Projekt „Bleiballast Sanierung“ entschieden. Denn so viel ist klar: Das (See)Wasser muss da raus. Die Löcher hätte man zwar irgendwie dicht schmieren können, aber das hätte dann vielleicht ein, zwei Jahre gehalten und ein neuer Eigner hätte dann womöglich ein noch größeres Problem bekommen. Wie bekannt sind kleine Gaunereien unsere Sache nicht.

Nochmal die freigelegte Anodentasche

Nun wurde beim Bau des STORMVOGELS das Blei nicht einfach so in die einzelnen Abteilungen gelegt, sondern mit einem Kunststoff vergossen und verklebt. Hört sich erst mal klug an: Isoliert und fixiert. Das Problem dabei ist aber, das sich offenbar kleine Holräume ergeben haben, in die das (See)Wasser gelangen konnte – und über die Zeit chemisch reagieren konnte. Die nächste Problematik liegt darin, die verklebten Bleibarren aus den Abteilungen zu bekommen. Extrem aufwendige, schmutzige und schwierige Arbeit.

Für den Zugang von Innen mussten zunächst die Möbel im Salon entfernt werden und dann die zugeschweißten Deckel der einzelnen Abteilungen geöffnet werden. Darunter befindet sich dann eine Schicht von 4-5 Zentimeter Kunststoff als oberer Abschluss. Darunter dann die lose geschichteten Bleibarren. Die letzte Barrenschicht, direkt an der Bordwand, ist dann wieder vergossen und so mit der Bordwand verklebt.

Vordere Abteilung an Steuerbord und Backbord, in der Mitte der Kiel

Sozusagen als Testlauf hat die Werft bereits eine Abteilung geöffnet, den Ballast entfernt und eine neue Anodentasche eingeschweißt. Aber um sicher zu gehen, das in den anderen Abteilungen an Steuerbord nicht auch noch (See)Wasser steht, muss der Ballast dort auch entfernt werden.

Es existiert zwar der Ballastplan, aber kein genauer Schweißplan aus der Bauzeit des STORMVOGELs. Daher können wir im Moment nur begründet vermuten, das Backbord nicht ernsthaft betroffen ist. Denn über weite Strecken trennt der Kielkasten die beiden Seiten – und ansonsten der ca. 20 cm hohe Kiel. Aber, um wie immer sicher zu gehen, wird auch an Backbord der Ballast ausgebaut.

Tiefer Einblick

Natürlich sammeln wir weiter Informationen und stellen vor allem Überlegungen an, wie wir den Ballast viel wartungsfreundlicher wieder einbauen können. Denn, fragt man unter Aluminium-Bootswerften herum: So selten ist das Problem gar nicht. Viele (wie wir auch!) wissen gar nicht, das ihr Boot im inneren ein ernsthaftes Problem hat. Denn man kann ja ohne großen Aufwand nicht in den Ballast hinein sehen. Im übrigen auch nicht von außen: Es gibt keine Methode der Materialprüfung, um den ganzen Rumpf untersuchen zu können. Punktuell kann man Ultraschall anwenden, aber damit wird nur die Materialstärke an diesem Messpunkt einigermaßen zuverlässig ermittelt – nicht, was sich dahinter befindet. Wasser, Kunststoff oder Blei?

Ballast-Auslagerung auf Paletten, vielen Paletten!

Beim Wiedereinbau werden wir das Blei in keinem Fall wieder mit Kunststoff vergießen, sondern wartungsfreundlich einkeilen. Ferner schwebt uns eine Art Peilrohr für jede Abteilung vor, mit dessen Hilfe man im Winterlager einfach und in Ruhe ermitteln kann, ob Seewasser im Ballast steht.

Bleibt die wesentliche, noch offene Frage nach dem Grund für das (See)Wasser im Bleiballast. Wir haben drei Theorien – keine ist bis jetzt ein echter Favorit. Wir gehen davon aus, das wir bei der Demontage weitere Erkenntnisse gewinnen werden. Denn die Ursache muss natürlich zu 100% geklärt werden – sonst ist der ganze Aufwand vergebenes.

Theorie 1:

Beim Refit 2016/2017 wurden die großen Telleranoden mit Isolierpaste in die Anodentaschen im Rumpf eingeschraubt. Dadurch konnten sie nicht richtig arbeiten und eine Schweißnaht der Anodentasche an Steuerbord wurde so angefressen, das sie porös wurde und Seewasser eindringen konnte, das dann weitere Schäden angerichtet hat.

Theorie 2:

Es handelt sich gar nicht ursprünglich um Seewasser, sondern um Frischwasser! Eine Schweißnaht des angrenzenden Frischwassertanks ist über die Jahre porös geworden und über die Zeit ist Frischwasser in die Abteilungen des Bleiballast eingedrungen, das nun elektrochemisch reagiert.

Theorie 3:

Im Zusammenhang mit dem Pazifik-Zwischenfall 2014 ist Seewasser von innen über die gefluteten Bilgen in den Bleiballast eingedrungen, da die oberen Deckel der Ballastabteilungen nicht durchgehend verschweißt wurden.

Hört sich alles super-plausibel an. Oder?

So lange wir nicht 100% sicher sind, was die Ursache ist, wird nichts wieder zusammen gebaut. Die Saison ist sowieso gelaufen und es macht ja keinen Sinn, mit Vermutungen zu arbeiten. Nun denn – wir reparieren also mal wieder. An einem der schönsten Orte Norddeutschlands.

Es ist ein Boot.

More to come.

Peter.

P.S.: Und sieht der STORMVOGEL gerade aus wie ein ausgeweideter Wal, schaue ich mir zum Troste einfach an, wie er aussieht, wenn alle fertig ist (siehe Titelbild).

P.S.II: Ok, eine Lüge. Zumindest eine grobe Ungenauigkeit. Nimmt man ja in diesen Zeiten eigentlich nicht mehr so genau. Aber ich. Nicht „wir“ (Skipper, Mannschaft) reparieren, sondern: Der Sohn und die Werft. „Wir“ sind noch in Schottland, mit dem Wohnmobil.

T+29 Bilder-Nachtrag

Einen hab´ ich ja dann doch noch…

…einen Beitrag mit weiteren Bildern (Dank an Holger und Elke!!!) von unserer Ankunft sowie einem Zeitraffervideo aus der Sicht der Ankommenden!

hamburg_arrival_2_0101
Einige Begrüßer steckten noch im Stau, andere ließen es sich bereits auf dem Feuerschiff gut gehen und der harte Kern wartete geduldig auf dem Ponton.  So erklären sich denn auch die unterschiedlichen Perspektiven und  Gesichtsausdrücke 😉

hamburg_arrival_2_0061

hamburg_arrival_2_0071

hamburg_arrival_2_0096
Wir sind am 2. August 2016 nach GLÜCKSTADT gedampft und liegen seit dem vor der Werft im Binnenhafen. Jeden Werktag arbeiten wir entspannt zwei bis vier Stunden am STORMVOGEL. Alles, was wir selbst demontieren können, haben wir schon abgeschraubt. Jetzt malen wir noch die Bilgen und dann geht es Anfang September aus dem Wasser und die Werft übernimmt den Dampfer zwecks Neulackierung und Teak-Überholung.
Sicherlich kommt irgendwann in diesem Jahr noch ein kleiner Lagebericht zu diesem neuen, „beauty farm“ genannten Projekt.

Hier also das Video:

 

Auf der Fahrt Elb-Abwärts konnten wir den Super-Containter-Jäger EUGEN MAERSK  beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen beobachten. Was für ein Klopper!

hamburg_arrival_2_0001

hamburg_arrival_2_0011

Das Schwesterschiff (EMMA MAERSK) hatte 2013 tatsächlich ein Leck, der Maschinenraum ist abgesoffen…ja, hatten die denn kein Zement an Bord?

Peter.

T+1 oder der Tag danach

…ohhh diese Kopfschmerzen!

Heidi meint, wie doof denn meine Mixtur aus Bier, Rum (echt BARBADOS – MOUNT GAY) und später denn Wein gewesen wäre…wieso sagt sie das hinterher? Oder hat sie was gesagt und ich habe nicht zugehört? Auch noch Erinnerungslücken…der Anfang vom Ende!

hamburg_arrival_0026
Tja, und Ende ist jetzt.

Pünktlich sind wir am Samstag, den 30. Juli 2016  um 13:00 Uhr im CITY SPORTBOOTHAFEN zu HAMBURG eingelaufen. Mit Sonnenschein. Unglaublich!

hamburg_arrival_0016
Die Crew der VOYAGER hat uns vorher auf der ELBE abgefangen und eskortiert – zwei wirklich weitgereiste Boote wühlen sich routiniert durchs kabbelige HAMBURGER HAFEN Fahrwasser als wäre es das normalste auf der Welt.

Es ist tatsächlich so: In HAMBURG Einlaufen ist was ganz besonderes!

Nach meiner Rechnung sind seit unserer Abreise am 14. Juli 2012 genau 1.478 Tage vergangen – erstaunlich, das nach so langer Zeit noch Menschen zur Begrüßung kommen. Und das wir uns Gegenseitig sogar noch erkennen! Trotz grauer Haare hier und da, Körperfülle und Brillengestelle. Unglaublich, aber wahr.

hamburg_arrival_0036
Liebe Freunde aus Berlin, Bremen, Hamburg, Köln, Hilden, Rheda-Wiedenbrück und, natürlich, Elmshorn (!!!)  haben keine Mühe gescheut, uns zu begrüßen. Wir fühlen uns geehrt! Vielen, vielen lieben Dank fürs kommen!

So verbringen wir einen sehr schönen Nachmittag am Steg und der Alkohol hilft vorzüglich dabei, das Ende der Reise zu verarbeiten.

Tja, und Ende ist eben jetzt.

hamburg_arrival_0001
Dies ist er also. Der letzte Beitrag in unserer Blog-Kategorie „Projekt: Lange Reise“ – denn die Reise ist beendet.

Unser Leben geht natürlich weiter – und selbstverständlich auch das Leben unseres treuen STORMVOGELS! Und darüber werde ich auch weiter berichten – nur eben (erst mal) keine neuen Reiseberichte oder Fotos in schillernden Farben von exotischen Orten.

thats it, stay tuned,

Peter.

T-1 oder schrubben, was das Zeug hält

T-1, oder genauer T-19 Stunden

Man, sieht der STORMVOGEL klasse aus – so ein Teakdeck ist ja so dankbar, wenn es hin und wieder mal ordentlich geschrubbt wird. Gerade noch mal sicherheitshalber den Dieselvorfilter gewechselt…war aber nicht nötig. Weiß man ja immer nur, wenn man ihn sowieso auf hat 😉

Liegeplatztechnisch haben wir uns leicht verbessert. Wir werden direkt am Feuerschiff auf der Innenseite des Pontons liegen. Der Hafenmeister meint, der Hafen ist voll – es findet am Wochende die EXTREME SAILING SERIES statt – na, da werden wir ja unserem „Spaß“ beim Einlaufen und Anlegen haben…

Der Wetterbericht meint, eigentlich regnet es, aber Mittags nicht.

Ich meine: Bringen wir es zu Ende!

Also denn.

Peter.

T-2 oder Ach wie schön ist die Elbe im Sommer

T-2, oder genauer: T-38 Stunden

Nicht an das Ende denken, den Moment genießen. Anfangs auf der Elbe Nähe CUXHAVEN eher Frust. Mit 3,5 Knoten gen HAMBURG ist echt langweilig…später dann 9,2 Knoten. Wer denkt, die ELBE ist ein langweiliger Fluss…falsch: Wildwasser wäre richtiger!

Bis auf die wenigen Industrieanlagen ist der Fluss ja wirklich sehr grün eingesäumt. Teilweise weiße (!!!) Sandstrände. Was will man mehr?

Wir erreichen WEDEL wie geplant gegen 20:30 Uhr, trocken! Erst als wir zur TONNE 122 marschieren um Essen zu fassen fängt es an zu tropfen. Na, wenn der Samstag mal nicht so wird, wie ich es befürchte… 😉

Also denn, die letzte Etappe liegt vor uns. Ich schätze, das wir am Samstag spätestens gegen 11:00 Uhr hier in WEDEL aufbrechen und dann pünktlich um 13:00 Uhr in HAMBURG einlaufen. Hoffentlich regnet es.

Dann sieht man meine Tränen wenigstens nicht!

Peter.

T-3 oder NORDERNEY, HELGOLAND und CUXHAVEN

Schon komisch, dieses bewusst langsame nach Hause kommen…

…man könnte ja auch durchziehen, nach dem Motto: „Das kennen wir schon alles und da kommt auch nichts neues mehr…“.

norderney_helgoland_0001
Dabei sollte man aber die Macht des Zufalls nicht unterschätzen – denn auf beiden Inseln lernen wir noch mal sehr nette Menschen kennen. Leibhafte Theaterschauspieler, Krankenschwestern und Bundeswehrsoldaten. Was vereint: Alles Segler. Per Zufall und nur kurz zwar, aber eine sehr schöne Zeit zusammen verbracht. Schon alleine das ist jeden Zwischenstopp wert!
Die Inseln, OK, aber doch schwierig zu argumentieren. NORDERNEY ist so hässlich verbaut, da kann man wohl nur nach Osten auf die Campingplätze und die Strände flüchten. Wenn es denn keinen Nebel gäbe. HELGOLAND bewahrt sich tapfer den 60iger Jahre Charme. Wie lange das wohl noch für die Besucherströme reicht?

norderney_helgoland_0041
Wetter-technisch durchwachsen – seglerisch eine glatte 6. Kein Wind, dafür Nebel und die engen Fahrwasser von NORDERNEY. Und Schiffsverkehr. Wenigstens wird es nicht langweilig.

Heidi treibt mich auf HELGOLAND und der DÜNE zu einer vollständigen Umrundung derselben Eilände inmitten des Nordsees.

Zu Fuß, OMG (oh mein Gott), zu Fuß!!!!

Dabei ist sie wieder hin und weg von den Seerobben auf der DÜNE. In ihrer absoluten Gemächlichkeit sind sie ober-cool, aber deswegen gleich in Ekstase zu verfallen? Mit Mühe kann ich sie davon abhalten, ein Robbenbaby zu entführen…obwohl, seit einigen Tagen stinkt es so verdächtig fischig an Bord???

norderney_helgoland_0066
Technisch beeindruckend ist die offenbar in Fahrt gekommene Windanlagen-Industrie. Wie schon auf BORKUM viele Spezialschiffe und Boote im Hafen von HELGOLAND, die Techniker per HighTec Katamarane zu den Anlagen auf See bringen. Aus einer Informationsschrift auf HELGOLAND haben wir gelernt, das so ein Windrad 1-2 Tage Wartung pro Jahr benötigt. Ein Windpark besteht aus ein paar hundert Windrädern. Da braucht man Personal und Infrastruktur. Und sportliche Mitarbeiter, die auch bei rauhem Wetter die Nerven behalten.

norderney_helgoland_0126
Auf beiden Inseln liegen wir im Päckchen. Ich schwöre, das ist wirklich kein Problem für mich! Aber ganz hinten, ganz tief im Hirn reift vor dem Hintergrund eines signifikanten Investments in das neue Projekt „STORMVOGEL beauty farm“ der Gedanke, das die über unser Boot kletternden Menschen durchaus die Straßenschuhe ausziehen könnten bevor das Turnen beginnt. OK, unser Teak sieht im Moment nicht wie neu aus, aber jetzt sieht es wirklich aus wie Hulle…

…auf den letzten Meilen…

…wohl auch deshalb hat sich Heidi in den Kopf gesetzt, das Boot zu putzen, bevor wir am Samstag, 13:00 Uhr in HAMBURG einlaufen. Also legen wir uns Morgen Abend (Donnerstag)  in WEDEL auf die Lauer und schrubben am Freitag das Deck wie blöde. Am Freitag soll es ja sowieso regnen, passt also!
Für die neue Saison habe ich schon so eine Persenning-Päcken-Idee: Wir legen und fixieren einfach eine Art Teppich auf der Lauffläche und es gibt keinen Stress mit Straßenschuhen…

norderney_helgoland_0121
Der STORMVOGEL ist schon feierlich über die Toppen geflaggt. Dabei kommt heraus, das die Flagge von THAILAND bei Ankunft in der TÜRKEI wohl so zerfetzt war, das ein einzelnes, nicht namentlich zu erwähnendes Crewmitglied eben jene heimlich entsorgt hat…und das die Vereinsflagge eben so sehr gelitten hat, den diebischen Händen des Ordnung liebenden Crewmitglieds zum Glück aber entkommen ist.
In CUXHAVEN gibt es zwar zwei gute Schiffsausrüster, einer hat sogar THAILAND im Programm, aber ausverkauft. Donnerlüt!

Tja, und so nähern wir uns gut beschäftigt dem unausweichlichen Ende einer langen Reise.

Aaaaaccccccchhhhhh ja….

Peter.

VLIELAND – BORKUM – BREMEN – BORKUM

Ach, wir herrlich sind die im Moment so seltenen Sommertage?

Klar. Es gibt ja hier an Bord Menschen, die meinen „…ich will mich auch mal wieder auf ein Wochenende freuen…“.

Soll meinen: Wenn man immer nur (gefühlt) Wochenende hat, dann gehen die Wochenenden einfach so unter.

Genau so ist das auch mit dem Wetter. Immer nur Sonnenschein und Wärme – darüber kann man doch gar nicht mehr freuen…

Daher brauchen wir den Nordsommer: 6 Tage Schietwetter, 1 Tag Sommer.

Soweit der gescheiterte Versuch des Selbstbetrugs…

vlieland_borkum_bremen_0021
Auf VLIELAND haben wir einen Tag Sommer. Um genau zu sein, am Sonntag, den 17. Juli 2016. Und einen platten Hintern vom Fahrradfahren. Knapp 15 Kilometer radeln wir auf der sehr schönen Insel herum. Gut, wir sind nicht alleine. Ungefähr eine Millionen Urlauber und Stegsegler sind auch hier. Der Hafen mehr als voll – als wir auslaufen ist er sogar wegen Überfüllung gesperrt. Das ist für Fahrtensegler echt schade – die urlaubenden Kollegen mit ihren schwimmenden Ferienwohnungen blockieren wochenlang einfach alles.

vlieland_borkum_bremen_0001
Montags machen wir uns zu Mega-Etappe (74 Seemeilen) nach BORKUM auf. Leider ohne Segelwind. Dafür scheint die Sonne.

Das Fahrwasser des HUBERTGAT wurde tatsächlich verlegt. So folgen wir genau dem Tonnenstrich, irgnorieren die Seekarte und staunen beeindruckt auf das kochende Wasser über den Bänken. Bei Nacht kaum eine Chance, die zu sehen.

vlieland_borkum_bremen_0056
BORKUM – die Liegeplatz-Katastrophe direkt im ersten Deutschen Hafen seit vier Jahren!

Es gibt drei Yachthäfen:

1) PORT HENRY
Privater Yachthafen – ziemlich herunter gekommene Steganlage, man liegt bei Niedrigwasser im Schlick und mit 1.5 Meter Tiefgang kann man nur 2 Stunden vor/nach Hochwasser im Hafen manövrieren.

2) Kommunaler Yachthafen im BURKANA HAFEN
Längsseits an riesigen alten Marinepontoons. Aber nur da, wo die Hafenmeisterin das zulässt – so kommt es, das ca. 50% der Plätze nie belegt sind, weil sie für irgendwelche mysteriösen Spätankömmlinge reserviert (…alleine schon RESERVIERT!!!) sind. Duschen für unbestimmte Zeit defekt, man soll rüber laufen zu PORT HENRY…

3) Wassersportverein BURKANA e.V.
Steganlage im BURRKANA Hafen, immer mit einheimischen Booten voll belegt. Offenbar nicht auf Gäste eingerichtet.

Mit anderen Worten: BORKUM tut alles, um Besucherboote abzuschrecken und fern zu halten. Wir erfahren, das der BURKANA HAFEN ab 2021 für Sportboote ganz geschlossen werden soll, da er zum Offshore-Hauptquartier für die Windanlagenbetreiber umgebaut / genutzt werden soll.

Na prima. Das ist mal eine wunderbar deprimierend selbst erfüllende Prophezeiung.

Und die OST/WEST oder WEST/OST Fahrtensegler müssen sehen, wo sie bleiben – klar. Auf See. Wenn es geht.

Nun, wir (ich!) ärgere mich so über diese schwachsinnigen Reservierungen, das wir nach PORT HENRY gehen und unseren Dampfer erstmals im Schlick sehen. Jede Sorge um eventuell verstopfte Borddurchlässe sind unbegründet. Der Schlick läuft einfach so wieder raus. Halb so wild.

vlieland_borkum_bremen_0101
Von hier aus fahren wir per Schnellfähre (38 Knoten!)  und Mietwagen für zwei Tage nach BREMEN  – Katzensprung von hier aus. Familienangelegenheiten. Auch in BREMEN erleben wir einen Sommertag. Was für eine schöne Stadt – und jetzt, mitten in der Sommerpause angenehm ruhig und entspannt.

vlieland_borkum_bremen_0076
Donnerstag (21/7/2016) weiter nach NORDERNEY (44 sm). Bei dem extrem ruhigen Wetter hätten wir vielleicht eine Abkürzung über BORKUM Riff nehmen können um das elend lange Emsfahrwasser nicht ausfahren zu müssen – aber die Geschichte mit „alten“ Seekarten und veränderlichen Tiefen sitzt fest im Kopf. Also hübsch im tiefen Wasser bleiben. Die NORDERNEY Ansteuerung ist ebenfalls geändert und wir bleiben bei guter Sicht extrem genau auf dem Tonnenstrich.

Der Hafen: Überfüllt, aber die sehr gut organisierten Hafenmeister finden für jeden einen Platz. Wir liegen Abends im 6er Päckchen. Alles gut und entspannt.

Hallo BORKUM!
Einfach mal Urlaub auf NORDERNEY machen?

Am herrlichen Sommerabend grillen wir mal wieder im Cockpit…

…schließlich ist jetzt erst mal der Sommer wieder vorbei: Der nächste Morgen beginnt mit Nebel, Regen und hoher, geschlossener Wolkendecke.

Aber wie eingangs angedeutet: Zu viel Sonne kann ja so eintönig sein…

Peter.

IJSSELMEER

Wie geplant verlassen wir AMSTERDAM am Sonntag den 10. Juli 2016 und gehen durch die ORANJE Schleuse samt dahinter liegender Klappbrücke ins MARKERMEER – oder, wie einige  sagen, ins kleine IJSSLEMEER.

Kurz hinter der Klappbrücke kommt eine wunderschöne, sehr neu aussehende KOOPMANS mit Namen BLUEFIN längsseits und ruft im Wind zu uns rüber:

„…ich kenne euch…“
„…ihr fahrt nach Hause…“
„…ich folge eurem Blog!“

Hey, das ist lustig, oder?

Später finden wir heraus, das BLUEFIN nicht neu ist (stammt aus 2006) und gerade verkauft wurde. Nun ist der neue Heimathafen SHETLAND  also das Segeleldorado für die ganz harten…

Nun denn, wir erreichen unter Segeln MEDEMBLIK und wollen in den Stadthafen – da soll man über UKW Funkkanal 31 anrufen. Das geht aber nicht, denn international gibt es Kanal 31 gar nicht. Wie doof ist das denn?

Und weil ein Charterboot den Meldesteg (gefühlt) stundenlang belegt drehen wir ab und gehen in die Marina – hier „Regatta Centrum“ genannt. Da ist (natürlich) auch UKW Funkkanal 31 angesagt, der Meldesteg ist leer, wir gehen nach zwei Anläufen längsseits nur um dann fest zu stellen, das der Hafenmeister schon Feierabend hat. Also nehmen wir einfach eine der zahlreichen freien Plätze und machen Feierabend.

Die kaputte Hydraulikpumpe trifft am Dienstag ein und wird am Mittwoch in Rekordzeit eingebaut – sehr sauberer, sehr guter Job von CORNELIS JONGKIND. Es stellt sich heraus, das diese Firma bereits beim Bau des STORMVOGELS beteiligt war und auch später bei unserem Refit 2012 als Unterauftragnehmer tätig war. Es ist so einfach: Mach einfach immer einen guten Job und Du hast immer Kunden.

Wir schlagen die Zeit in MEDEMBIK mit allem möglichen tot. Ins Dorf laufen, den Kids der Regattaschule beim Ein- und Auslaufen zusehen und Bilder sortieren. Aus bisher 21.000 gemachten Fotos habe ich in den letzten Wochen ein BestOf von 5.000 und ein VeryBestOf von 900 zusammen gestrichen – was für eine Arbeit!

Donnerstags (14/07/2016) vorholen wir uns 25 Seemeilen rüber nach LEYLESTADT – unsere Segelfreunde von MARJOLIE besuchen. Die haben ihr Haus direkt am Hafen und im Garten zwei Liegeplätze. Man sitzt im Wohnzimmer, schaut aus dem Fenster in den Garten und sieht da das eigene Boot liegen. Das ist echt cool!
Wir verbringen einen schönen Abend zusammen, tags darauf zieht es uns 30 Seemeilen weiter nach HINDELOOPEN. Auch hier steht auf dem Programm: Freunde besuchen. Das sind zwar keine echten Segler, aber Extrem-Surfer. Also fast Segler 😉
Wieder ein sehr schöner Abend und eigentlich könnte man ewig so weiter gondeln. Immer so 20, 30 Meilen am Tag, Leute treffen, gut Essen und trinken und über die Welt philosophieren.

Aber halt – das geht nicht. Wir haben einen Fahrplan – der 30. Juli naht und wir müssen mal wieder in Fahrt kommen. Also auf nach VLIELAND. Die Passage läuft anfangs ganz gut, keine Wartezeit bei der KORNWEDERZAND  Schleuse und raus ins Wattenmeer.
Weil ich unglücklich mit der Uhrzeit und dem Wassessrtand im Wattenmeer bin, frage ich in der Schleuse einen Eingeborenen nach dem besten Weg nach VLIELAND. OST (wie ich dachte) oder WEST (via HARLINGEN)? Klare Sache – die HARLINGEN Route ist die sicherere. Also erst mal mit dem Wind – was später im Fahrwasser den Nachteil mit sich bringt, das wir zeitweise nach WESTEN müssen – satte 20 Knoten Wind auf die Nase. Der Himmel wolkenverhangen, aber immerhin trocken.

Wir erreichen den Hafen von VLIELAND am frühen Nachmittag und gehen ob der Größe es STORMVOGELS und des vollen Hafens in ein Päckchen. Die beiden vorhergegangenen Abende fordern ihren Tribut und so verdödeln wir abgeschlafft den Nachmittag und Abend – um diesmal früh´ ins Bett zu gehen.

Am heutigen Sonntag strahlt uns die Sonne von einem blauen Himmel entgegen!

ENDLICH MAL WIEDER!

Wir werden den Ruhetag entspannt auf der Insel verbringen und dann Morgen die große Etappe nach BORKUM in Angriff nehmen. Von der inzwischen heimgekehrten VOYAGER wissen wir, das wir höchste Vorsicht bei der HUBERTGAT Passage vor BORKUM walten lassen müssen. Auf der Expertenseite für Wattsegler haben wir die aktuellen Positionen der Fahrwassertonnen gefunden und werden uns danach richten.

Es ist immer gut, wenn ein Boot voraus fährt und berichtet 😉

Sowieso. Eigentlich sind alle schon zu Hause oder sooooo weit weg.

Fahren wir doch auch nach Hause.

Peter.

Mühsamer Weg nach AMSTERDAM

Der STORMVOGEL
will nicht nach Hause.

Der STORMVOGEL
sein Skipper will eigentlich auch nicht, beugt sich aber gemachten Plänen und Abmachungen.

Der STORMVOGEL
seine Crew will nach Hause.

Der STORMVOGEL
sitzt am längeren Hebel, insbesondere an den Hebeln der Steueranlage.

Der STROMVOGEL
hat uneingeschränkte technische Macht über sein Skipper und Crew.

Der STORMVOGEL
hat die Hydraulikpumpe des Autopiloten kaputt gemacht – nun muss Skipper selbst steuern.

Der STORMVOGEL
sein Skipper hat das noch nicht verlernt, Crew hingegen schon.

Der STORMVOGEL
sein Skipper will nun noch weniger nach Hause.

Der STORMVOGEL
will zeitaufwendig repariert werden.

Der STORMVOGEL
ahnt aber nicht, das wir noch genug Zeit haben.

Der STORMVOGEL
wird seinen Willen bekommen, wie die Crew auch.

to_amsterdam_0001

Fangen wir aber erst mal mit dem Törn von BOULONGE SUR MER nach OOSTENDE an. Gegen 9:00 Uhr am Sonntag, dem 3. Juli 2016 laufen gleich fünf Boote zeitgleich aus, hissen ihre Segel und setzen an zu einer sehr schönen Brausefahrt gen CALAIS. Logisch, jeder will nicht der Letzte sein und so wird es ein kleines Rennen. Wir laufen ganz gut und sind sehr überrascht, wie schnell VOYAGER ist. Ja ja, diese Hochseeboote. Wenn sie mal genug Wind haben geht´s ab.
Eigentlich wollen wir ja nur nach DÜNKIRCHEN, da sind wir aber schon kurz nach zwei und die Crew treibt zur Weiterfahrt: „…es läuft doch so schön…!“. Stimmt, mal Raumschoots, mal platt von Achtern. Sonne, blauer Himmel, mitlaufender Strom. Es läuft. So düsen wir unter Ausnutzung der allerletzten Strömungen bis nach OOSTENDE, dann entscheidet Skipper: Es ist genug. 72 Seemeilen. Abends dann noch die zweite Halbzeit FRANKREICH – ISLAND gesehen und das gute Gefühl gewonnen, FRANKREICH muss zu schlagen sein. Fussballerisch…

to_amsterdam_0016

Den nächsten Morgen verdödeln wir völlig, denn eigentlich wollen wir bleiben und von hier aus die historische Stadt BRÜGGE erkunden. Dann stelle ich aber fest, das es von hier aus 10 Seemeilen mehr nach SCHEVENINGEN sind. Also über 75 Seemeilen auf einer doofen Etappe. Das wird nichts, also vorholen wir uns kurzerhand Mittags nach ZEEBRÜGGE und fahren am Nachmittag mit Bus und Straßenbahn nach BRÜGGE.
Tja, wir waren noch nie selbst dort, aber einer hat immerhin in grauer Vorzeit die Krimi-Groteske „BRÜGGE SEHEN…UND STERBEN?“ gesehen und so eine ungefähre Vorstellung der Schönheit dieser Stadt im Kopf.  Dennoch sind wir beide überrascht und erfreut, das wir diesen Ausflug unternommen haben. Wir wüssten zu gerne, wie die Belgier diese Stadt durch die beiden großen Kriege gebracht haben. Vermutlich Stadttore abgeschlossen, ein Schild „unbekannt verzogen“ aufgegangen und Schlüssel weg geschmissen?
So viele (auch große) liebevoll hergerichtete Gebäude, Türme und Gassen! Einmalig!
Wirklich, wann immer es jemanden nach Städtetour verlangt, BRÜGGE muss man sehen…und natürlich nicht dort sterben! Vom Film her weiß man, das ein Besuch in der Weihnachtszeit auch sehr reizvoll sein kann…aber natürlich entsprechend kalt.
Am späteren Abend kehren wir zum STORMVOGEL zurück – schließlich wollen wir ja früh´ am nächsten Morgen (5/7/2016) weiter…

…das wird aber nichts. Als wir Abreisefertig um 6:00 Uhr an Deck klettern, pustet es aus vollen Rohren, es ist regnerisch, dunkel und kalt.

Und hier kommt es wieder, das unglaubliche Privileg des ohne Zeitdruck Rückreisenden:

Wir ziehen uns wieder aus, knipsen das Licht aus und gehen zurück in die Koje.

Scheiß auf scheiß Wetter!

to_amsterdam_0011

OK, irgendwann viel später kriechen wir doch aus den Kojen und pilgern zum ortsansässigen Supermarkt in ZEEBRÜGGE . Was für eine Heldentat! Natürlich regnet es auf dem Rückweg…

Also denn, am Mittwoch auf nach Norden, nach SCHEVENINGEN.

Ich weiß nicht, warum mir diese Passage nicht gefällt. Das war schon süd-gehend 2012 der Fall. Das liegt zum einen am Strom – 65 Seemeilen, davon gut 6 Stunden Strom gegen an. Der drückt die Geschwindigkeit auf vier Knötchen. Und macht das Wasser unruhig. Jedenfalls dort, wo die riesigen Seegaten der NIEDERLANDE das Seegebiet unübersichtlich machen. Ganz zu schweigen von der notwendigen Querung der beiden Fahrwasser von ANTWERPEN im Süden und ROTTERDAM im Norden.

Na ja, irgendwie fühlt der STORMVOGEL mit dem Skipper, handelt aber gegen ihn:

Der neue Autopilot-Computer meldet „ALARM – ich kann kein Ruder mehr legen“ und die Schnellanalyse ergibt: Ausfall der Hydraulikpumpe, die vom Computer aus gesteuert wird. Auf See keine Chance der weitergehenden Diagnose oder gar Fehlerbehebung. Die Pumpe ist so tief in der Achter-Backskiste verbaut, da muss man erst mal die Bergmanskluft anlegen und tief einfahren!

Also Handsteuer. Für viele, viele Stunden.

to_amsterdam_0076

Und auf der Suche nach dem Positiven:
Wie schön, das uns das hier passiert! Und nicht auf der BISKAYA, oder auf einem sonst wo wirklich langen Trip.

Also arrangieren wir uns mit der Situation – die Segelmanöver sind jetzt deutlich schwieriger, denn einer ist unabkömmlich am Ruder.

Wir erreichen SCHEVENINGEN, bekommen wie damals eine Box und verbringen den Abend mit der MARLIN Crew, die etwas später eintreffen. Nach ein paar Bier und Rotwein ist die Hydraulikpumpe auch schon fast vergessen…und auch die historisch verbriefte Tatsache, das SCHEVENINGEN 2012 Süd-gehend der erste Ort auf der langen Reise war, wo wir ungewollt einen technisch bedingen Zwischenstopp einlegen mussten: Die Impellerpumpe der alten Hauptmaschine leckte Öl und musste repariert werden.

OK, der kaputte Autopilot hingegen ist kein Grund, hängen zu bleiben. Man (…buchstabiert sich hier wie folgt: S K I P P E R) kann ja Handsteuern. Und in AMSTERDAM ist bestimmt Heilung in Sicht.

Also wieder früh´ am Morgen los, nach IJMUIDEN, dem Eingang zum NORDSEEKANAL, der nach AMSTERDAM führt. Als wir die 25 Seemeilen bis zur Einfahrt hinter uns haben wird es tatsächlich auf dem Kanal warm und trocken. Wie schön!
Anfangs macht das Tuckern auf dem Kanal Spaß, dann nervt das Handsteuern – unglaublich, wie faul der gemeine Seemann ist.

to_amsterdam_0081

Am 7. Juli 2016 erreichen wir Mittags den SIXTHAVEN im Herzen von AMSTERDAM. Bei der Einfahrt in den Hafen überlege ich, abzubrechen. OK, es hieß er sei eng, aber so eng???

Der freundliche Hafenmeister weist uns eine Box zu. Wir haben Schweineglück, denn wir laufen kurz nach 12:00 Uhr ein – bis 12:00 Uhr muss man den Hafen verlassen haben, wenn man ihn verlassen will und vor 12:00 Uhr ist das Einlaufen untersagt. Durch dieses perfekte Timing haben wir also eine Art Boxglück. Wie gut, das kein Wind weht, wie gut das es keine Strömung gibt, wie gut, das der STORMVOGEL so gerade in die Box passt.
Natürlich hat der Skipper dennoch was zu mosern – was den Hafenmeister veranlasst (in lupenreinem Deutsch!) zu sagen: „Nun seien Sie mal ruhig, das hat sie gar nicht so schlecht gemacht! Da habe ich schon ganz anderes gesehen!“.

Heidi hörts, lacht und sagt: „Danke, damit haben Sie sich ein Bier verdient.“

Und tatsächlich, sie sucht das Beste Carlsberg in der Achterkajüte und eine schöne Papiertüte, der Hafenmeister bekommt unverzüglich zwei Dosen Bier und freut sich über die wahr gemachte Ankündigung.

Also, um genau zu sein: Er bekommt zwei MEINER Bierdosen!

Ich weiß genau, das ist alles kurz vor Meuterrei. Je näher wir dem Heimathafen kommen, um so aufmüpfiger wird die Crew…

Nun denn, AMSTERDAM:

Mit der Fähre rüber auf die andere Seite. Wir haben Glück, nicht innerhalb der ersten fünf Minuten auf AMSTERDAMER-Boden vom Fahrrad überrollt zu werden. Kamikaze-Fahrer in Aktion. Wie gut, das die alle kein Auto haben. Aber auch Fahrräder können zur Waffe werden. Erst Recht wenn sie Transportkisten vor sich her schieben, Anhänger hinter sich her ziehen oder auf Abhebegeschwindigkeit beschleunigen.

to_amsterdam_0091

Auf der anderen Seite des Kanals, im AMSTERDAMER Hauptbahnhof: Ein Schock, ein Overload, gar Overkill. So viele, wirklich ganz viele Menschen. Alle in verschiedene Richtungen, alle very busy. Da wird einem ja ganz schwindelig!

Heidi ist auf Postamt-Mission. Ein Päckchen muss unbedingt und unverzüglich auf die Reise nach Deutschland. Nun ist es nicht so, das es in AMSTERDAM an jeder Ecke ein Postamt gibt und so latschen wir uns einen Wolf um dann tatsächlich ein Postamt im Keller eines historischen Gebäudes zu finden.
Ob der vielen Menschen zu Fuß oder auf dem Rade bekommen wir Kopfschmerzen und dackeln zur Fähre zurück.

Der Freitag ist geprägt von Basteln, Mechaniker finden, Auf&Ab´s bei der Problemlösung „Hydraulikpumpe“ sowie einem Einkauf. Mehr zur Pumpe im nächsten Lagebericht.

Am Samstag ein neuer Anlauf in die Stadt, wenn man sich auf den Trubel mental vorbereitet, ist es tatsächlich erträglich. Das Wetter spielt fast die ganze Zeit mit und wir laufen zwar viel, sehen aber auch viel. So viel, das es uns eigentlich schon reicht, mit AMSTERDAM.
Denn so richtig ist das nichts für uns. Zu viel von allem.

to_amsterdam_0106

Der Wetterbericht und die Kurzfristplanung macht es uns einfach. Mit dem Mechaniker haben wir verabredet, das wir zum Standort seiner Firma nach MEDEMBLIK vorholen. Das liegt sowieso auf dem Weg nach Norden. So geht es also am Sonntag (10/07/2016) nach MEDEMBLIK, denn Montags pustet es wohl wie doof.
Dort werden wir auf eine neue Pumpe sowie Mechanikerzeit warten müssen…

…denn entgegen der einzelnen Ansicht eines Crew-Mitglieds beabsichtigt der Skipper nicht, den Dampfer von Hand bis nach HAMBURG zu steuern!

Peter.