Archiv der Kategorie: Atlantik 2016

Reiseberichte unserer Atlantiküberquerung mit dem Motorboot SOUTHERN STAR im Januar 2016.

Tag 6

Es ist Mittwoch, der 13. Januar 2016 18:30 Uhr und wir haben schon seit
gut 3 Stunden Land in Sicht.

Steuerbord vorraus ist sehr gut die CAPE VERDE Insel SANTO ANTAO zu
sehen. Der Berggipfel weit an Backbord müsste die Insel ILHA DE SAO
NICOLAU sein. Soweit scheint uns also die Bordelektronik richtig hierher
geführt zu haben!

Noch 56 Seemeilen sind es bis zur Bucht von MINDELO auf der Insel SAO
VINCENTE, gegen 3:00 Uhr Morgen früh werden wir dort ankommen. Der
Skipper hat sich für eine Nachtanfahrt entschieden. Wir haben das
Wachsystem für den letzten Tag entsprechend umgestellt.

Seit gestern Nacht beobachten wir Blitze über dem Wasser, Regen, obwohl
auf Radar angezeigt, hat uns noch nicht erwischt. Der Himmel ist aber
vollständig bedeckt und es ist nur eine Frage bis es auch von oben nass
wird.
Der Törnführer spricht davon, das zwischen den Insel der Wind noch mal
gewaltig zunehmen kann…na ja, wird wohl kein Problem für SOUTHERN STAR
werden. Aber man beurteilt solche Aussagen ja immer als Skipper der man ist.

Schwerer Fehler beim Fischfang: Skipper bringt einen Mahi-Mahi an Deck,
alle freuen sich schon, nur der Fisch nicht. Der Kämpft, obwohl schon an
Land liegend, weiter um sein Leben…und springt/schlägt/windet sich aus
des Skippers ansonsten tödlicher Hände und landet durch die offene
Hecktür wieder im Wasser, bevor er den tödlichen Schlag mit der
Holzkeule erfährt.
Ich komme durch diese dramatische Situation einmal mehr zu dem Schluss,
das meine VODKA deutlich zielführender ist. Da will der Fisch einfach
nur noch sterben!

Wir haben wieder ein Segelboot passiert, diesmal ohne AIS. Nach Radar zu
urteilen machte es 3,5 Knoten Fahrt. Bei dem 10 Knoten NE Winden gar
nicht mal so schlecht.

Ansonsten alles wohl an Bord.

Alle freuen sich auf Landgang und das versprochene Bier – dessen Konsum
für exakt einen Tag genehmigt wurde.

Peter.

Tag 5

Die Nacht verlief sehr ruhig, der Tag beginnt mit Problemen aus dem
Bereich der sogenannten Informations-Technologie, kurz IT genannt. Dazu
gleich mehr.

Irgendwann in der Nacht hat sich ein Passagier an Bord eingeschlichen.
Ein kleiner, offenbar Einbeiniger Vogel hat sich an Bord nieder gelassen
und wird von den Frauen herzlich umsorgt. Allerdings macht er auf die
männlichen Besatzungsmitglieder nicht den Eindruck, das er noch lange
überleben wird. Aber wer weiß? In der Nähe der ABC Inseln hatten wir ja
auch mal einen müden Seevogel an Bord, der nach Stunden der Erholung
einfach weiter gezogen ist.

Im Abstand von mehreren 100 Seemeilen haben wir ca. 20 Schiffe um uns
herum. Das vermeldet jedenfalls das AIS. Dieses
Kollisions-Verhütungs-System funktioniert eigentlich nur über UKW
Datenfunk und ich bin sehr verwundert, wieso die Anlage auf SOUTHERN
STAR so viele ferne Signale auffängt. Scheint aber alles korrekt zu
sein. Nach langer Aufholjagd von über 100 Seemeilen hat uns heute der
Vergnügungsdampfer MARCO POLO im Abstand von 5 Seemeilen überholt. Nun
spielen wir: „Rate mal, wer uns Morgen überholen kommt?“

Man könnte IT auch Zeitvernichtungs-, Nonsens- oder
Weltzerstörungs-Technologie nennen. Denn eines ist klar: Wenn die Welt
untergeht, dann wird sie an Software zugrunde gehen. Irgend ein blödes
Stück Software, das den falschen für einen Terroristen hält, das
bescheuert auf fallende Börsenkurse reagiert (…und weil die Software
ja ach so toll ist setzten alle Banken die gleiche Version ein) oder
einfach durch einen Rundungsfehler eine Nuklearkatastrophe auslöst.

Egal. Hier im ganz kleinen. Für die (Software-) technisch Interessierten:

Auf SOUTHERN STAR werden eMails wie folgt gesendet und empfangen:

1) IRIDIUM Satellitentelefon
2) WLAN Router der PC´s mit dem IRIDIUM Handset verbindet
3) xGate Verbindungssoftware zur Anwahl und zur Komprimierung der zu
übertragenen eMail- oder Web Datenpakete
4) iScribe eMail Client (kommt im Bundle mit xGate)

Faktisch ist es so, das die Verbindung über die xGate Software aufgebaut
wird und der Computer dann ganz normal im Internet ist. Zwar sehr, sehr
langsam, aber im Internet. Das ist IRIDIUM Technik. xGate ist nur eine
Vereinfachung für den Verbindungsaufbau, da das IRIDIUM Handset noch mit
dem aus Modem-Zeiten bekannten AT-Befehlssatz gesteuert wird. Das eMail
Protokoll stammt aus dem vorherigen Jahrhundert und die Datenpakete
werden im klartext, nicht komprimiert übertragen. Gerade Textnachrichten
kann man aber gut komprimieren und so die langsame Verbindung etwas
ausgleichen.
Damit das funktioniert, muss die Gegenseite (in unserem Fall der eMail
Server der Landstation) die Datenpakete wieder dekomprimieren. Das ist
kein Standard und daher kommt hier auf beiden Seiten xGate zum Einsatz.

xGate wird von der Firma GLOBAL MARITIME NETWORK entwickelt und
vertrieben. Im Direktvertrieb und auch über Reseller. SOUTERN STAR hat
einen Nutzungsvertrag mit dem Reseller OCENS geschlossen. Die hatten uns
am Abfahrtstag auf GRAN CANARIA eine eMail geschickt mit der Bitte, das
wir die nagelneue Anwendungssoftware bitte installieren mögen. Wir haben
uns wegen der bevorstehenden Abfahrt gegen eine neue Anwendung
entschieden und nichts neues installiert.

Heute kommt nun eine eMail von xGate an Bord an die verkündet, OCENS
habe kein Recht mehr, die xGate Software zu nutzen und infolge dessen
möge man bitte unverzüglich zu xGate wechseln.

Ansonsten kommen keine eMails mehr an – auch keine Wetterberichte oder
Briefings vom Wetterrouter. Wir wissen im Moment auch nicht, ob unsere
eMails abgehen.

Was für ein Dreck! Was für Management-Affen sind bei OCENS (tatsächlich
ohne „A“) und xGate am Ruder? Beide wissen, das ihre Kunden weltweit
unterwegs sind und nicht innerhalb von Tagen oder Stunden ihre IT
Infrastruktur ändern können. So eine Änderung braucht schon einen
Vorlauf von 3 oder 6 Monaten!
Offenbar hat OCENS bis zuletzt mit xGate verhandelt und den kürzeren
gezogen – und mit OCENS auch deren Kunden.

Bei alle dem freut sich IRIDIUM – denn die verdienen an jeder
Verbindungsminute. Egal ob die Daten ihren Empfänger erreichen oder
nicht. Also heute gut 10 € für nichts verbraten.

Wir senden diesen Blog Update auf gut Glück. Wenn er durch kommt ist´s
gut, wenn nicht wird er unverändert in ein paar Tagen chronologisch
eingefügt. Ansonsten haben wir eine Kurznachricht über den YELLOW BRICK
Tracker gesendet. Frei nach dem Motto: Irgendwas wird schon ankommen!
Im Zweifel können wir unseren Wetterrouter ja noch über
Satelliten-Telefon anrufen – und STARLET nebenan empfängt wohl noch. Die
haben ihren Vertrag direkt mit xGate, ohne Reseller.

An Bord ansonsten soweit alles wohl. Na ja, bis auf den Vogel.

213 Seemeilen zu gehen – ETA 14/1/2016 5:00.

Peter.

Tag 4

Montag ist Schontag – wir haben Wind von Nord-Ost, 15 Knoten. Der Wind macht Welle. Gegen den vorhandenen alten Nord-West Schwell. So kennen wir Herrn ATLANTIK schon eher. Es schaukelt entsprechend und bei mir stellt sich ein gewisses Unwohlsein ein.

Also Schontag.

Statt 3.600 Mittelmeerbildern „nur“ 1.200 Thailandbilder eindampfen.

Gesten Abend, gerade noch bei Tageslicht bricht Hektik auf SOUTHERN STAR aus. Stress pur!

Ich stehe in der Kombüse und trockne ab, die Mitschiffsangelroute beginnt laut zu surren und in affenartiger Geschwindigkeit die Leine abzuspulen.

AAAAAAAAAAALARM!

TAUCHEN! TAUCHEN! TAUCHEN!

LI, SCHNELL AUF SEERORHRTIEFE GEHEN, SCHNELL, SCHNEL!

(ach nee, völlig falscher Film…statt dessen, vom gleichen Regisseur)

ICH WEISS HIER DRAUSSEN IST FISCH!

MÄNNER, LASST UNS TONNEN VON FISCH FANGEN!

Hmmm, ist da nun doch, endlich mal, ein Fisch am Köder? Der Skipper behauptet ja täglich, es könne kein Fisch anbeißen, solange wir noch Bananen an Bord hätten. Fische beißen nicht auf Bananenbooten.

Der Skipper ist irgendwo im Maschinenraum versunken und braucht seine Zeit an Deck zu finden. Derweil nimmt Skippers-Frau die Fahrt aus dem Boot – doch der Fisch scheint weg zu sein, denn es surrt nichts mehr. Gespenstische Stille.
Da saust mit einem mal die Steuerbord-Angelroute volle Granate los – Skipper mittlerweile an Deck, packt sie und kämpft eins zu eins mit dem Fisch. Ahhhh, so entstehen Heldensagen! Wir anderen kämpfen mit dem Boot, denn so ganz ohne Fahrt bockt unser kleiner Motordampfer in den Wellen wie eine Seeziege.
Um den Fisch an Bord zu bekommen, muss die Angelroute vom Bootsdeck ein Deck tiefer, ins Cockpit. Männersache. Ich denke mir nur, bloß die Route nicht über Bord gehen lassen, der Skipper bekommt sonst noch einen Tobsuchtsanfall. Schließlich ist das seit Dekaden sein erster Fisch am Haken!

Wo er in AUSTRALIEN doch nur einen Haken ins Wasser halten muss und zehn Fische innerhalb von fünf Minuten anbeißen…natürlich ohne Bananen.

Wir kurbeln abwechselnd, der Skipper sucht den Fischhaken und zusammen landen wir einen prächtigen 5 Kilo Yellow-Tuna an Deck. Das ist **DER** Premium-Fisch! Geschwind mit einem bereit liegenden Holzknüppel abgemurkst, wird der einstmals stolze Fisch filetiert, verpackt und in den Kühlschrank verfrachtet. Kein Vodka, wie auf STORMVOGEl üblich. Schade.

Kühlschrank, denn das ist die Kruxs beim Hochseefischen: Die Fische beißen immer nur dann an, wenn man gerade schon zu Abend gespeist hat. Lasange mit Cesar-Salat, im übrigen.

Ich mache noch schnell das tägliche Crew-Foto und verschwinde in die Koje, Kinder ist das spät geworden!

Aus der Hälfte des Fisches hat Heidi heute Fischburger gemacht. Auf Wunsch eines einzelne AUSTRALISCHEN Herrn an Bord. Die andere Hälfte, so der Plan, wird eben jener AUSTRALIER heute zu Fischcurry verarbeiten – eine Spezialität des Hauses, äh, Bootes, so raunt es durch die Gänge.

Den erfolgreichen Fischfang noch gar nicht richtig verarbeitet, gewinnt der Skipper heute auch Haushoch die 500-Runde.

Schön, wenn sich einer freut.

Peter.

P.S.:
OK, ich denke die KAP VERDEN sind exotisch genug. Wer kommt da im Leben schon mal hin? Geschweige denn, man bekommt Post aus den KAP VERDEN. Unter der Vorraussetzung, das die KAP VERDEN ein funktionierendes Postsystem haben und es Postkarten gibt, folgender Deal:
Jeder, der uns die Titel der beiden oben sehr frei zitierten Filme nennen kann **UND** dazu auch auch noch die Namen des Regisseurs und der beiden Skipper kennt, bekommt die schönste verfügbare Ansichtskarte von den KAP VERDEN. Die Lösung bitte samt gewünschter Postadresse per eMail bis spätestens Donnerstag, 14. Januar 2016, Mitternacht, an meine bekannte Adresse senden. Also sputen, wir wollen da ja eigentlich nur tanken 😉

Tag 3

Der Sonntag beginnt mit einem schon fast festlichen Frühstück:

Pochiertes Ei auf Tomate, Speck, Avokado-Creme und Toast. Na, wenn das mal kein Sonntagsfrühstück ist!

Die Nacht verlief wieder sehr Ereignisarm – auch das ist gut. Auf meiner Wache gab es gegen 1:30 Uhr Delphine. Zuerst hört man ein ungewöhnliches Plätschern und Zischen. Dann steckt man den Kopf aus der Tür vom Brückendeck und sieht im fahlen blauen Schimmer der Unterwasserscheinwerfer die wunderschönen Tiere. Schlafen die denn nie? Oder, Saturday Night, sind wohl auf dem Weg nach Hause?

Der Schwell hat merklich zugenommen und die Stabilisatoren müssen immer heftiger arbeiten – das kann man ganz gut an deren Kontrollinstrument ablesen. Aber die Dünung ist so super lang, so das diese das Boot nur ganz allmählich anhebt und es dann wieder ins Tal befördert. Der Zauber kommt von Steuerbord-Achtern und wir fühlen uns eher wie auf einem Kamel oder Elefanten denn auf dem Ozean. Gemächlich, spürbar aber nicht unangenehm.

Mittlerweile haben wir 25°C und mehr Außentemperatur, im leichten Wind kommt uns das aber kühler vor. Bei Tageslicht haben wir auf parallelem Gegenkurs einen grossen Bulk-Carrier passiert und eine Segelyacht als Mitläufer im Abstand von vier Seemeilen überholt. Die Crew wird sicherlich fluchen – würden wir jedenfalls, wenn wir auf dem STORMVOGEL wären: Bei 8-10 Knoten achterlichen Wind steht bei dem Schwell kein Segel gut – na ja, vielleicht unser Stress-Segel (WINGAKER). Und trotz Stress beim Setzten: Unter diesen Bedingungen hätten wir es setzten müssen! Scheint der Segler aber nicht zu haben – durch das Fernglas können wir nur weiße Segel erkennen.

Der angekündigte Strom hat uns erreicht, wir laufen ohne Veränderung der Motordrehzahl 0,5 bis 0,8 Knoten mehr – der Plotter nimmt das zum Anlass zu vermelden, das wir schon Mittwoch Abend in MINDELO ankommen würden. Ja ja, so sind Computer. Da gibt man ihnen null-komma-irgendwas zu futtern, und schon rechnen sie das neue Weltglück aus.

Heidi hat das Dritte Buch ausgelesen und geht dabei sehr strategisch vor: Auf ihrer Morgenwache, wenn es noch dunkel ist, liest sie auf dem TABLETT via KINDLE App, bei Tageslicht ein gedrucktes Buch.

Dem 500-verrückten Skipper zum Wohlwollen haben wir auch eine Runde Karten „500“ gespielt und dabei echten Mist gebaut. Der Skipper hat die die Erste Runde verloren und sich grummelnd zum Sonnen auf das Vordeck verholt. Wie so häufig: Wie doof kann eine Mannschaft auf einer Ozean Passage nur sein?

Derweil habe ich aus 3.700 Mittelmeer-Bildern eine Auswahl von zunächst 700 gezogen, die ich dann auf 140 „very best of“ verdichtet habe. So als ersten Anlauf für das was da noch kommen mag…wenn wir wieder zu Hause sind. 😉
Auf den Auslöser drücken ist so einfach – auszuwählen so viel aufwendiger, gar schwieriger!

Mit dieser keinen Klage aus dem Ozean beende ich diesen Beitrag…gibt ja schließlich gleich Kapitäns-Dinner, ist ja Sonntag… 😉

Peter.

P.S.: Die große Ähnlichkeit zu einem Kreuzfahrer ist tatsächlich vorhanden. Wir haben sogar einen Meerwasserpool um uns herum.

Tag 2

Das Wetter ist noch ruhiger geworden, nur ein gaaaaannnnzzzzzz langsamer westlicher Schwell bewegt uns trotz Stabilisatoren merklich. Nicht unangenehm, man muss sich halt nur festhalten, wenn der Dampfer gerade gemächlich rollt und man über Deck läuft.

Die Wettervorhersage hat sich auch heute bestätigt und wir sind froh, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Schiffsverkehr gibt es kaum, wir haben nur drei Schiffe in der Nacht passiert. Die drei-Stunden-Wache läuft super, tagsüber sind wir allerdings meistens alle wach 😉

Am Vormittag gab es einen ganzen Schwarm Delphine am Bug zu sehen. Scheinbar mögen die Tiere Motorboote nicht, denn sie waren auch schnell wieder weg. An unserer Geschwindigkeit kann es nicht gelegen haben – wir laufen unter 6 Knoten über Grund, da uns offenbar ein Gegenstrom zusetzt. Sollte eigentlich genau anders herum sein. Helfender Strom kommt bestimmt noch. Nun denn, so oder so werden wir am Donnerstag in MINDELO einlaufen.

An Segeln wäre seit Stunden nicht zu denken – umlaufend, 2-3 Knoten. Das ist nichts, gar nichts außer Motorwetter.

Delphine sind nicht die einzigen Tiere die wir heute sichten: Schildkröten, Quallen und seltsam spiralförmig aussehende Geschöpfe treiben durch das Wasser. Und blau schimmerndes Plankton. Dadurch kann man ein Gefühl dafür entwickeln, wie klar das Wasser hier ist und wie tief man sehen kann. Das Meer ist hier über 3.000 Meter tief. Schwimmen würde ich hier nicht – zu viele Quallen, vor denen ich Angst habe.

Heidi möchte zum gestrigen Beitrag noch anmerken, das sich an Bord von STARLET neben den drei Menschen auch noch ein Hund befindet. Der ist sowas wie Bordinventar und schon immer mit dabei. Ich vermute mal, er ist wachfrei.

Die einen verbringen den Tag mit Lesen, das Kartenspiel 500 am Handy spielen oder einfach dösen.

Der eine andere hat umfänglich unseren STORMVOGEL Bord-Notebook aufgeräumt und dabei auch gleich noch zwei Sachen ausprobiert: Mit dem Programm CAPTURE ONE Schmutzfleken auf Bildern entfernen (…wenn die Objektivlinse mal nicht so sauber war, wie sie sein sollte) und mit COREL FAST FLICK Foto-Videos testweise erstellt. Schon erstaunlich, wie einfach das heutzutage geht. Ganz schön clever. Aber ein bestimmter Jung-Komponist in der Familie muss uns noch andere Musik dafür liefern…später.

Tja, ich denke, das war es für heute.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 1

Wir sind unterwegs!

Schon 20 Seemeilen liegen zwischen unserer aktuellen Position und GRAN CANARIA. Seit 8. Januar 2016, 12:00 Uhr sind wir mit 7 Personen auf den beiden Motorbooten STARLET und SOUTHERN STAR im ATLANTIK unterwegs. Der Start war völlig anders als 2012:

Januar 2016: Blauer Himmel, Sonnenschein, 25°C, kaum Wind und Welle.
November 2012: Regen, kalt, 25+ Knoten Wind und 2-3 Meter Welle.

Das Wetterbriefing vom Experten in LONDON gestern, hat unsere Meinung bestätigt. Direkte Route nach BARBADOS unmöglich, weil ein schweres Sturmtief ungewöhnlich weit südlich über den ATLANTIK brettert. Neben 4 oder 5 Meter Wellen auch tagelang mehr als 30 Knoten auf die Nase. Bei diesen Aussichten suchen wir Segler sofort nach Plan B – die Motorbootskipper machen das natürlich auch. Donnerknittel!
Daher gehen wir jetzt erst mal 830 Seemeilen auf Süd-West Kurs. DIE KAP VERDEN sind eine willkommene Zwischenstation auf dem Weg nach BARBADOS. Der Haupthafen MINDELO verspricht alle denkbaren Annehmlichkeiten. Auf dieser Route werden wir wohl wenig Wind haben. Bisher sind höchstens 15 Knoten von achtern (hinten) angesagt (ach, wie schön wäre der zu segeln!). Aber das angesagte Sturmtief wird wohl einen Schwell aufbauen, der gegen unseren Steuerbord-Bug anläuft. Was soll das arme Wasser im ATLANTIK auch machen, wenn da so ein Sturmmonster unterwegs ist? Genau, da bleibt nur eines – weglaufen!

Eine der oben erwähnten Annehmlichkeit ist bei Motorbooten natürlich von besonderer Begehrlichkeit: DIESEL Kraftstoff.
5672 Liter Diesel befinden sich in den fest verbauten Bootstanks, 340 Liter Diesel sind in Kanistern zur Sicherheit mit dabei. Der Plan war direkt nach BARBADOS zu gehen, nun, mit dem Zwischenstop in MINDELO ist die Treibstoffsituation sehr entspannt. Bei 1.600 Umdrehungen macht das Boot gut 6 Knoten Fahrt und die 173 PS Maschine schluckt 10 Liter Diesel pro Stunde dafür. Wenn wir also in MINDELO ankommen, werden „nur“ 1.400 Liter Diesel fehlen.
Der Dieselpreis in PORT MOGAN (GRAN CANARIA, immerhin SPANIEN!) ist mit 0,72 € sensationell günstig. Beide Skipper haben die Tanks randvoll gemacht – wer weiß schon, was der gute Stoff in MINDELO kosten wird?

Wir haben ein 4-Wachensystem verabredet. Jeder an Bord geht 3 Stunden Wache. Ich mache um Mitternacht den Anfang, dann Skippers-Frau, Skipper und schließlich Heidi. Dann sind 12 Stunden rum und es geht wieder von vorne los. Mal sehen, wie dieser gute Plan in Realität läuft.
Unsere Freunde Graham und Dianne auf MAUNIE OF ARDWALL hatten 2012 mit 4-Personen an Bord auch ein (so meine ich zu erinnern) 3-Stundensystem, bei dem der Skipper aber wachfrei blieb – was ich für sehr schlau halte. So könnte er immer als Joker in brenzligen Situation helfen.
Allein – ich habe keine Erinnerung mehr daran, wie die beiden die drei Personen auf drei Schichten aufgeteilt haben. War wohl eine typisch englische Raketenwissenschaft. Oder jemand musste eine Schicht mehr übernehmen…?

Unser Gast-Dampfer vom Typ NORDHAVN 47 ist 15,5 Meter lang, 5 Meter breit und hat einen Tiefgang von 1,8 Meter. Knapp 40 Tonnen Verdrängung, unser STORMVOGEL hat nur 19. Wie STORMVOGEL hat SOUTHEN STAR einen schönen Langkiel der Propeller und Ruder optimal schützt. Einzig die beiden Ruder der seitlich herausragenden hydraulisch betrieben Stabilisatoren scheinen mir anfällig für eine Kollision mit im Wasser treibenden Gegenständen zu sein. Aber seit dem Aufbruch von SOUTHERN STAR im Jahr 2014 in NEUSEELAND ist nichts passiert.

Das glauben wir blind – wir waren ja die ganze Zeit dabei!

Robbie und JoJo sind die stolzen Eigner von SOUTHERN STAR. Die beiden bewohnen natürlich die auf Wasserlinie, mitschiffs gelegene Eignerkabine. Heidi und ich wohnen in der ähnlich komfortablen Bugkabine. Beide Kabinen haben eigene Sanitärräume mit Dusche, WC und Waschbecken. Unglaublich, wie luxuriös sich das für uns anfühlt!
Schauen wir mal, wie sich das vorne im Bug anfühlt, wenn wir ordentliche Welle haben. Die Stabilisatoren können das Rollen (schaukeln) des Bootes mindern, nicht aber das Stampfen.

Unser Parnterboot STARLET ist auch eine NORDHAVN, aber etwas älter als SOUTHERN STAR. Mark und Jennifer bereisen schon seit Jahren die Welt mit diesem Boot und haben nun für die ATLANTIK Passage Verstärkung durch Freund Mike an Bord. Der Arme ist gestern aus den USA eingeflogen und kämpft mit Sicherheit noch gegen den Jetleg.
STARLET hat keine hydraulischen Stabilisatoren, sondern klassische Ausleger wie ein Fischer zur Stabilisierung der Bootslage. So was sieht natürlich spektakulär aus. Ansonsten sind beide Boote sehr ähnlich, was gemeinsame lange Passagen erst ermöglicht. Wenn Reisegeschwindigkeit und Verbrauch sehr ähnlich sind, muss keiner auf den anderen warten.

Für diejenigen, die mehr über NORDHAVN Motorboote wissen wollen, sei auf deren Internetseite und die beiden Facebook-Seiten von Jennifer und JoJo verwiesen. Die beiden liefern sich ein Rennen um den schnellsten Beitrag…wenn sie denn mal Internet haben.

Heidi und ich werden auf eingehende eMails an unsere Adressen erst in MINDELO reagieren können – also in 6 Tagen. Die IRIDIUM Anlage an Bord von SOUTHERN STAR erlaubt nur ein Konto. Das ist schade, aber nicht änderbar.
Dafür haben wir beide nun genug Zeit, lange eMails zu schreiben, auch an die lieben Menschen, die wir sonst unfreiwillig ([]leicht, []mittel, []schwer) (bitte ankeuzen) vernachlässigen. Aktuelle Hochrechnungen besagen, das wir ca. 1.263 eMails von MINDELO aus versenden werden.

Nun denn, das war in aller Ausführlichkeit der Bericht für den ersten Tag.

An Bord alles wohl.

Peter.

P.S.:
Ach ja: Neben uns führt der Wetterrouter in LONDON gerade Hochsee-Ruderer über den Atlantik. Die drei Boote sind schon auf halber Strecke, allerdings auf direktem Kurs nach ANTIGUA. Eine Kursänderung zur Umgehung des Sturmtiefs ist aussichtslos: Die Boote laufen mit einer Geschindigkeit von 1,5 bis 2 Knoten.
Mit etwas GOOGLE Arbeit müsste man an Land etwas mehr über diese besondere Reise erfahren können. Am Telefon haben wir die Stichworte „TELESKA WHISKEY ATLANTIC CHALLENGE“ verstanden – keine Ahnung was das wohl sein könnte…

Ach ist das heiss hier!

Wir sind gut in GRAN CANARIA angekommen und richten uns auf SOUTHERN STAR ein. Das Wetter ist super! Kurze Hose, Barfuss, blauer Himmerl!
Neben der Kommunikationsverbindung über unseren YELLOW BRICK GPS Tracker richten wir gerade die hier vorhandene IRIDIUM Anlage auch für unseren PC ein – Backup ist immer gut.
Das Wetter hat sich in den letzen zwei Tagen dramatisch verschlechtert – ein direkter Kurs auf BARBADOS ist nicht mehr möglich weil ein rieisiges, massives Sturmtief über den ATLANTIK brettert und uns 30+ Knoten Gegenwind bei 5 Meter Welle bescheren würde…nichts für eine Yacht – egal ob unter Motor oder Segel.
Die Skipper werden am Nachmittag mit dem Wetterrouter telefonieren und zwischen „Warten“ und „Kurs CAP VERDE“ entscheiden. Heidi und ich finden CAP VERDE gar nicht so schlecht. Sieht nach einem ruhigen Törn aus und dort könnte man in Ruhe noch ma auftanken… 😉

Peter.