Archiv der Kategorie: Atlantik 2016

Reiseberichte unserer Atlantiküberquerung mit dem Motorboot SOUTHERN STAR im Januar 2016.

Tag 8

Zur Orientierung:
Samstag, der 23. Januar 2016, Mitte ATLANTIK, jedenfalls die Mitte, die
man erreicht wenn man von CAPE VERDE nach BARBADOS segelt…hätte ich
fast geschrieben. Richtig ist hier natürlich: Dampft.

Der Tag war vom Skipper lange vorherbestimmt und somit keine echte
Überraschung. Dennoch gibt es einiges unvorhergesehenes zu berichten:

1) Wetter
Im Moment sehr annehmbar obwohl wir merken, das sich was ändert. Große
Wolken, stundenweise komplett geschlossene Wolkendecke, in der Sonne
Hitze. Aber die Vorhersage spricht von 25 Knoten aus NORD-OST, das wird
rappeln im SOUTHERN STAR Karton. Die Segler um uns herum aber freuen,
denn mit den momentanen 12 Knoten Wind werden sie nicht zufrieden sein.

2) Fischerei
Der Skipper lies sich mal wieder nicht beirren und hat beide
Monsterleinen im Wasser. Gerade als der Lunch auf dem Tisch steht und
sich alle in der Messe versammelt haben, gehen, mal wieder, zeitgleich
beide Leinen los. Im Affentempo. Der geneigte Leser kennt es schon:
„AAAALLLLLLAAAAARRRRRMMMMM“ und so weiter, und so fort.
Diesmal jedoch konnten wir an der Biegung der Routen ablesen, das ganz
schöne Brocken an der Leine hängen müssen. Die ganze Aktion des an
Anlanden an Bord, des tötens und des filetieren endet in einem blutigen
Massakar das weitgehend in Foto und Film, beides in Farbe, hier
überwiegend rot, festgehalten werden konnte. Unklar ist im Moment aber
noch, ob wir dieses brisante Material überhaupt jemals veröffentlichen
können – gibt es eigentlich schon GOPRO Videos von blutrünstigem Fischfang?
Beide MAHI MAHI sind im übrigen filetiert und vakuumisiert auf Eis
gelegt worden. Die Gefrierkapazitäten auf SOUTHERN STAR sind mit den gut
10 Kilo Fisch nun erst mal erschöpft. Was für ein Glück!

3) Weitere Meeresbewohner
Wir haben gerade die obligatorische 500 Kartenspiellrunde am Nachmittag
beendet und wollen uns auf das Halbzeitbier vorbereiten, da vermeldet
der Skipper einen Wal an Steuerbord vorraus. Ja ja, einen Wal.
Wer soll das denn glauben? Mensch Skipper.
Gespannt und angestrengt gehen dennoch alle Ausguck und tatsächlich, es
begleitet uns ein stattlicher Wahl der nach belieben seine
Geschwindigkeit variiert und mal vorraus, mal achtern, mal an
Steuerbord, mal an Backbord auftaucht. Oft kann man seine Siluette
gerade so unter der Wasseroberfläche sehen, ganz selten kommt er mal
teilweise an die Oberfläche. Was für ein riesiges Tier! Wir melden die
Sichtung an die vorrausfahrende STARLET, die dreht um und in enger
Parallelfahrt prosten wir uns zu (denn nun ist tatsächlich Halbzeit) und
erfreuen uns am Spiel des Wales. Oder der Wale. Denn es könnten auch
mehr als einer gewesen sein – so richtig schlüssig sind wir uns da nicht.

4) Halbzeit
Das Bier war OK. Wirklich nur OK. Nicht so, das es einem
(geschmacklichen) Orgasmus nahe gekommen wäre. Nicht so, das man den
Boden unter den Füßen verloren hätte. Vor Begeisterung. Ein Bier ist
eben nur ein Bier.
Ansonsten war es schön die STARLET Crew mal wieder aus nächster Nähe zu
sehen, der Wal hat natürlich allen die Show gestohlen. Von jetzt an
können wir die Tage herunter zählen. Irgendwann am Nachmittag des
Samstags, den 30. Januar 2016 werden wir wohl auf BARBADOS einlaufen.

An Bord soweit alles wohl.

Position: 15°17’N 42°33’W

Peter.

Tag 7

Es gibt nur Wasser, Wasser, Wasser über all und wir haben nichts zu Trinken!

(SANTIANO)

Na ja, Sprudelwasser, alle Sorten von Coca-Cola, Tee und Kaffee sind
schon auch noch im Programm…aber so ein Sundowner wär´ schon nicht
schlecht. Heute sind vier Dosen Bier in den Kühlschrank gewandert, damit
sie Morgen, zum geplanten Bergfest, die richtige Betriebstemperatur
erreicht haben.

Es gibt da nur ein kleines, klitzekleines Problemchen…:

Es sind noch 1.147 Seemeilen zu gehen, da könnte es mit dem
Bergfest-Dinner Morgen Abend durchaus knapp werden. 147 Seemeilen machen
wir nicht in 24 Stunden. Schauen wir mal würd ich sagen. Wir können ja
sonst auch noch mit der Zeitverschiebung spielen. Schließlich liegt
BARBADOS 4 Stunden hinter EUROPA.

In der Nacht hat uns der 340 Meter langen MAERSK SEVILLIA Containerjäger
in 3 Seemeilen vor unserem Bug passiert. Laut dessen AIS ist sein Ziel
SINGAPORE. Bei der Größe ist der SUEZ Kanal zu klein.Ganz schöner
Kracher, der Dampfer.

Wir haben heute nachgetankt. Der Wind ist runter auf 10-15 Knoten, der
Schwell entsprechend auch. Die armen Segelboote – werden wohl keine gute
Fahrt heute machen. 20 Kannister mit je 15-20 Litern Inhalt haben wir
aus dem Bugstauraum weit über der Wasseroberfläche nach achtern zu den
Tankstutzen geschleppt und dann mittels Bohrmaschinenpumpe leer gemacht.
Der Skipper wollte das Gewicht aus dem Bugraum los werden und die
Haupttanks haben ja jetzt schon gut Platz für neuen Brennstoff.
Notwendig wäre das Nachtanken natürlich nicht gewesen, aber zur
Erinnerung: Ursprünglich war die ATLANTIK Überquerung in einem Rutsch
geplant, 19-21 Seetage. Da hätte es mit dem Diesel schon enger werden
können als bei den jetzt 12-13.

Nach dem diese Aktion erfolgreich beendet wurde, wurde unser Skipper
wieder vom Jagdfieber gepackt…und mit einem großen MAHI MAHI belohnt.
Dem größten, den wir bisher an Bord gezogen haben. Also gibt es heute
Abend wieder Fisch. Wie schön!

Während meiner Nachtwache habe ich weiter eMails geschrieben – da werden
sich einige Leute wohl noch wundern, das sie in diesem Leben doch noch
Post von mir bekommen. Hoffentlich bricht nicht das INTERNET auf
BARBADOS zusammen, wenn wir alle auf einmal los schicken. Nur noch 9
Namen stehen auf der Liste, das muss doch zu schaffen sein?

Für „ab Sonntag“ ist wieder mehr Wind angesagt und dann wird es wohl
auch wieder ungemütlicher. Schauen wir mal – ich habe jedenfalls gestern
die Seekrankheitstabletten abgesetzt. Diese STUGERON helfen zwar super,
machen aber wie alle Mittel auch Müde. Jetzt läuft der Körper schon mal
besser.

Peter.

Tag 6

Der 6. Seetag.

Alles verläuft nach Plan. Der Fisch gestern zum Abendessen war super und
Skipper konnte es nicht erwarten, weiter zu fischen. Drei Fische hatten
wir an Bord, drei Fische gingen wieder ins Wasser – zu klein. Als beim
vierten Fisch die Leine reist, weil es sich offenbar um ein besonders
großes Exemplar gehandelt hat, rüstet der Skipper auf. Dickste Leinen,
stabilste Route und größte Rolle sind nun im Wasser…und wehe, wehe,
wenn da 100 Kilo anbeißen…

Bis auf dem Skipper macht uns allen die Müdigkeit zu schaffen. Ich komme
zu dem Schuss das SOUTHERN STAR keine Seekojen hat und das man nur
desshalb nicht in den Tiefschlaf fällt, weil man Angst hat, komplett aus
dem Bett zu fallen. Das haben wir auf STORMVOGEL echt besser gelöst.
Enge Seekoje und Leesegel. Da kann man beruhigt einschlafen. Die letzte
Nacht hier an Bord war jedenfalls für´n Ar…. Hoffentlich kommt der
Schwell etwas runter und wir können besser schlafen!

Wir freuen uns auf das anstehende Bergfest am Samstag. Ich bin davon
überzeugt: Ist erst mal die Hälfte geschafft geht es mit einem mal ganz
schnell.

Sehr schwach konnten wir heute Morgen noch die SSB Funkrunde hören –
blieben selbst aber ungehört. Nach den Positionsangaben der anderen
Boote zu urteilen sind die nun über 200 bis 300 Seemeilen verstreut, nur
ARCHIPELIGO (offenbar aus SCHWEDEN) ist mit 30 oder 40 Seemeilen hinter
uns.

Angesichts der Eintönigkeit der Tage fällt es schwer, etwas sinnvolles
zu berichten. Vielleicht das:

1) Des Skippers Haare wurden heute deutlich gekürzt und ich hatte Mühe,
meine zu behalten. War ich doch in MINDELO gerade erst beim Frisör?
2) Unglaublich aber wahr: Die Damen haben heute den Staubsauger heraus
geholt und bei der Schaukelei den Dampfer etwas her gerichtet. Der
Staubsauger besteht hier an Bord, ähnlich wie in US Amerikanischen
Häusern, aus einer fest installierten Absaugvorrichtung an die man in
jedem Raum den Schlauch und die Düse anschließen kann.

Tja, was man alles so brauchen kann, wenn man über den ATLANTIK schippert…

An Bord alles wohl.

Position 17:45 UTC: 15°38,6’N 37°20,2’W

Peter.

Tag 5

Die Farbe Hellblau macht süchtig. Das Wasser ist strahlend hellblau.
Viel zu unruhig um darin schwimmen gehen zu können. Von Deck aus
betrachtet könnte man sich glatt in dessen Unendlichkeit verlieren. Bloß
nicht nachgeben und springen!

Erstaunlich ist allerdings, das wir viel Seegras sichten. Keine Ahnung,
ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen für die Wasserqualität ist.
Hätten wir hier draußen jedenfalls nicht erwartet.

Die Kurzwellen Funkrunde hat sich auf die Teilnehmer DECHARA, PERRY
GREEN, SWEDE DREAM und SOUTHERN STAR eingependelt. Als wir gefragt
werden, was der Angelwettbewerb zwischen STARLET und SOUTHERN STAR
macht, antworten wir: „Bad question, very bad question. Please ask
something about the sunshine“…

…wir hören noch das Gelächter auf PERRY GREEN und als nächstes dann
das Surren der beiden Angelspulen am Achterdeck. Denn die hat der
Skipper auf seiner Morgenwache wieder aktiviert. Schließlich geht es um
die Ehre. Als Fischer.

Also schon wieder: AAAAAALLLLLLAAAAAAARRRRRRMMMMMMM!

Bootsgeschwindigkeit reduzieren, Skipper und Gehilfe je eine Route.
Kämpfen mit den Fischen. Einkurbeln. Ein Doppel-Fang. Hätten wir mehr
Routen klar gemacht, hätten wir wohl noch mehr Fische am Haken. Und das
Sensationelle ist diesmal: Wir landen beide sicher an, schließen
sorgfältig die Tür des Cockpits (zur Erinnerung: Durch diese Tür ist das
letzte Mal das Opfer entflohen!) und töten beide geschwind.
Beide Fische sind wunderbare MAHI MAHI Exemplare (auch Dolphin-Fish
genannt). Das wirklich besondere an den Fischen ist, das sie solange sie
leben einen strahlend Gelben Körper haben. Im Moment des Sterbens wird
auf dem Gelb schnell Blau und mit Todeseintritt aus Blau tristes Grau.
Faszinierend.

Angesichts dieses kleinen Naturschauspiels fragt man sich unwillkürlich,
was einem das Recht gibt, diese schönen Fische zu fangen und zu töten.
Offensichtlich ist es das zweifelhafte Recht des Stärkeren.
Mit Hunger sollten wir das nicht rechtfertigen. Die Kühl- und
Gefrierschränke sind voll. Wir darben nicht. Einzig das barbarische
Verlangen nach frischen Fisch und neuen Fishburgern können wir
Luxus-Kreuzfahrer zu Felde führen. Denn so viel ist mal sicher: Jeder
Fisch der hier gefangen wird, wird auch verspeist – so er denn nicht
vorher türmt 😉

Von den Segelbooten am Morgen haben wir gelernt, das sie mit 6-7 Knoten
durch den Ozean pflügen. Unsere Geschwindigkeit ist des Nachts klar
unter 6 Knoten, am Nachmittag klar darüber. Das würde sich jetzt nach
Gezeiten anhören, aber hier draußen mögen wir das nicht glauben. Eine
weitere Merkwürdigkeit der Natur.

Wir freuen uns auf das eine Halbzeitbier am Samstag – Vorfreude! Und
dann sind wir ja schon auch fast da.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 4

Das Wetter hat sich gefunden. 20+ Knoten aus ENE und den dazu passenden
Schwell. Viele weiße Schaumkronen auf den Wellen zu sehen. Manchmal
holen wir gewaltig über, da können die Stabilisatoren auch nichts mehr
ausrichten.

Entsprechend schlecht ist der Schlaf. Und die müden Nachtwachen.

Bis auf den Fischwettstreit zwischen den Booten kaum etwas zu berichten.
Nun hat auch STARLET einen sicher geglaubten Fisch wieder verloren. Wir
sind nicht ganz sicher, ob wir richtig verstanden haben was passiert
ist, aber in etwa so:
Fisch auf Achterdeck. Einer hält ihn fest, der andere will ihn mit dem
Messer abmurksen. Eine Welle schüttelt Boot, Fischer 1, Fischer 2 und
Fisch gleichzeitig durch und der Fisch entkommt durch die offene
Heckklappe. Das macht auf STARLET aber nichts, denn die haben schon
einen filetierten Fisch im Kühlschrank liegen. Wir nicht. Leider. Daran
wird sich in den nächsten Tagen auch nichts ändern, weil das Wetter so
bleibt und wir das Fischen eigentlich eingestellt haben…
…eigentlich deshalb, weil immer dann, wenn STARLET über Funk einen
Erfolg vermeldet, unser Skipper zur Route greift und meint, das kann
doch wohl nicht wahr sein? So hatten wir gestern Spätnachmittag auch
einen kleinen Meeresbewohner nach ca. 30 Minuten Leine im Wasser am
Haken. Aber der war nix zu futtern. Unbekannte Art und klein. Also
wieder rein in den Teich.

In der eMail vom Wetterrouter haben wir heute ein neues Wort entdeckt.
„PRECIPITATION 0.0“. Konnten wir uns nicht erklären. Also in der SSB
Funkrunde nachgefragt und PERRY GREEN konnte das mit
„Niederschlagswahrscheinlichkeit“ übersetzten. Könnte passen, denn
Wolken, aus denen es regnen könnte, sind nicht vorhanden. Vollkommen
wolkenlose 26°C im Windschatten.
Entfernungsbedingt wird die Funkrunde kleiner. DECHARA (?), PERRY GREEN
und ARCHIPELIGO konnten wir noch gut verstehen, SWEDE DREAMS nur ahnen.
Die Crew auf ARCHIPELIGO hat gestern frustriert vermeldet, das die
Lichtmaschine im Eimer sei und man keinen Strom mehr produzieren könne –
und heute um so freudiger vermeldet das sie das Teil wieder hin bekommen
haben. Gut gemacht!

Wir sind auf Position 16°08’N 32°11’W, laufen downwind mit 5,7-6,2
Knoten auf Kurs 266° (true).

Alles wohl an Bord.

Der Skipper hat gerade einen Geistesblitz für den heutigen Aufnahmeort
des täglichen Crew-Fotos. Na, das wird ein Spaß. Nicht für uns, aber für
die Kamera – irgendwann bekommen wir die auch noch kaputt. Vermutlich.

Peter.

Tag 3

Das Wetter sucht sich offenbar noch. Der Wind schwankt zwischen 15 und
20 Knoten aus den Richtungen Nord-Ost und Nord-Nord-Ost. Der Schwell ist
eigentlich erträglich, nur alle paar Wellen kommt was größeres vorbei
und schaukelt uns heftig durch.

In der morgendlichen SSB Funkrunde haben sich vier andere Boote
gemeldet. Alles Segler, alle bitten um etwas mehr Wind. Dennoch halten
die Segelboote erstaunlich gut mit. Unsere konstanten 6 Knoten Fahrt
werden jedoch dafür sorgen, das sich der Abstand zwischen uns und den
Seglern über die nächsten Tage schleichend vergrößert. Gehen wir mal von
aus.

Wir alle sind um das finden der Routine bemüht – haben sie noch nicht
gefunden. Insbesondere die Schlafphasen sind noch nicht so erholsam, wie
sie sein sollten. Aber auch das wird sich noch Einpendeln.

Gefischt wird nicht – wenn einer anbeißen würde müsste man ihn ja bei
der Schaukelei erst er- und dann zerlegen. Das lassen wir mal lieber mit
den scharfen Messern an Deck. Nicht das die nachher noch in einem Bein
stecken?

Heidi liest Bücher wie andere Bier trinken (würden). Das merke ich nur
daran, das sie immer nach dem Ladegerät für das Tablett und den Kindle
sucht. Denn ist auf dem einen das Akku alle, wird auf dem anderen weiter
gelesen….

Die Mannschaften auf beiden Booten haben heute eine Wette auf die
Ankunftszeit in BARBADOS abgeschlossen. Der Gewinner braucht am
Ankunftstag keine Drinks zu kaufen – dafür sind die anderen 6 dann
zuständig. Ich habe mich auf Sonntag, den 31. Januar 2016 10:00 Uhr fest
gelegt. Als einziger. Alle anderen für Samstag und bei der Uhrzeit so
dicht zusammen, das es schwierig wird, einen eindeutigen Gewinner zu
ermitteln. Nicht, das es am Ende 6 Gewinner gibt und ich zahle…? 😉
Gewertet wird „Fallen Anker“ oder „Leine fest“ in lokaler Zeit. Wollen
wir doch mal sehen, wann wir wirklich ankommen. Nicht, das ich gerne
später ankomme als nötig, aber wir laufen aller höchstens 6 Knoten im
Durchschnitt. Und wenn dann noch ein DEUTSCH – AUSTRALISCHER
Schwimmvergleich auf dem ATLANTIK statt finden sollte (weather
permitting), dann geht mein Sonntagsplan wohl auf. Wie spannend!

Oder doch nicht. Denn eigentlich ist mir egal, wer mir meine Drinks
bezahlt. Oder besser Rum-Cocktail. So zum Feiern der Ankunft was besonderes.

Das bringt mich dann noch kurz zu den ATLANTIK Ruderern und MARILLION.
Die haben mal ein Stück Namens OCEAN CLOUD gemacht, das von so einem
Extremsportler handelt. Dort heißt es unter anderem:

„In a couple of weeks, I will be in BARBADOS with the rum on the table
by the yards…“

In diesem Sinne. An Bord alles wohl.

Peter.

P.S.: Heidi bat mich darum, irgendwie noch unterzubringen, das im Kölner
Zweig der Familie heute ein Doppelgeburtstag zu begehen ist. Für eine
kurze Zeit gibt es nun 3 mal 50 Jahre. Ohhhh, das ist viel! Sehr viel!
Mal sehen, ob es auch noch

3 mal 60 (sicherlich, oder doch nur wahrscheinlich?),
3 mal 70 (könnte knapp werden),
3 mal 80 (tja, ähm, irgendwie unwahrscheinlich) oder gar
3 mal 90 (völlig ausgeschlossen!)

geben wird.

Wo kommt bloß dieses Filmzitat „Hunde, wollt ihr etwa ewig leben?“ her….?

BARBADOS: Tag 1 +2

Neuer Reiseabschnitt, neue Zeitrechnung!

Etwas überraschend für die Crew haben die Skipper am Morgen des 16.
Januars 2016 nach Rücksprache mit dem Wetter-Router in LONDON
beschlossen, noch am selben Tag aufzubrechen. Aus der ursprünglichen
Abfahrtszeit 12:00 Uhr Mittags wurde 17:00 Uhr am Nachmittag aber so ist
das halt mit überraschenden Planänderungen.

An der MINDELO MARINA Tankstelle wurden beide Boote natürlich noch
(rand-)voll getankt, der Skipper auf SOUTHERN STAR wundert sich etwas,
wieso er knapp 1.600 Liter Diesel in die Tanks bekommt. Gerechnet hat er
mit 1.400. Unter der Voraussetzung, das alle Betriebswerte richtig
dokumentiert wurden und die Pumpe in der Marina auch wirklich immer nur
Diesel gepumpt hat (und nicht etwa „Diesel Parfume“, wie MARK auf
STARLET anmerkt) ergeben sich folgende Verbrauchswerte für unseren
Luxusdampfer:

Distanz PORT MOGAN (GRAN CANARY) nach MINDELO (CAPE VERDE): 837 sm
Zeit: 136 Maschinenstunden
Drehzahl Hauptmaschine: 1.600 u/min
Durchschnittsgeschwindigkeit: 6.15 Knoten

Nachgetankt: 1.600 Liter (beide Tanks wieder bis zum Stehkragen voll)

Verbrauch Liter / Stunde: 11,8
Verbrauch Liter / Seemeile: 1,9

Wie gut, das der Dieselpreis auch auf den CAPE VERDEN derzeit bei 0,73
Euro-Cent liegt. 😉

Kurz nach verlassen der Bucht von MINDELO wurde es recht ruppig. Und
blieb auch so. Immer wieder überraschend was der Wind auf dem Ozean so
anstellen kann. Der Schwell ist mit 1,5 Metern gar nicht mal so hoch,
aber sehr kurz. Rechnerisch folgt die nächste Welle alle 6 Sekunden.
Schön wäre das Doppelte.

Am zweiten Tag passieren die Segelyacht IRIS (auch auf dem Weg nach
BARBADOS) und Heidi und ich können sehr gut nachvollziehen, wie es da an
Bord gerade ab geht. Der Schwell schüttelt das Boot durch, die Segel
flappen wie doof weil die 15 Knoten Wind nicht ausreichen, die Segel
auch bei der Abwärtsbewegung (Beschleunigung) in der Welle prall zu
füllen. Daher wünschen sich alle Segelboote um uns herum mehr Wind. Der
ist auch angesagt. Wird also hoffentlich alle gut, für die Segler.
Für uns bedeutet das dann noch mehr Geschaukle, aber man gewöhnt sich ja
an alles.

Da wir ja nun auf einem Motorboots sind, bot es sich die sogenannte
Großkreisnavigation für den langen Schlag nach BARBADOS anzuwenden.
Merke: Die kürzeste Verbindung auf einer Kugel (hier: Erde!) ist eine
Kurve. Jedenfalls eine leichte. Nun hätte man diesen Zauber natürlich
noch in der Marina einrichten können, wenn man noch Zeit gehabt hätte.
Also unterwegs den alten FURUNO Plotter halb auseinder genommen nur um
heraus zu finden, das er bei seien Routen / Wegepunkten gar keinen
Großkreis kann. Das muss ich noch mal im Handbuch nachvollziehen,
scheint aber so zu sein.
Dann die PC Navigationssoftware COSTAL EXPLORER: Die kann zwar
Großkreis, die Route besteht aber dennoch nur aus Anfang und Ende. Also
zwei Wegpunkten. Hilft uns also erstmal auch nicht weiter.
Mein mit genommerer MAXSEA PC kann natürlich Großkreis. Für die
Anschaffungskosten müsste das Teil ja auch zum Mond fliegen können –
ohne Rakete. Wenn man MAXSEA mit maximalen Etmalen (also maximale
Distanz / Tag) und einer vernünftigen Geschwindigkeit füttert, dann
errechnet er wunderschön 16 Wegepunkte an denen der Kurs alle 137
Seemeilen um 0,8° angepasst werden muss.
Tja, nun ist dieser PC aber nicht mit dem FURUNO Plotter hier an Bord
vernetzt. Denn das Netz wird hier über USB gebildet und wir haben die
Treiber dafür nicht…so hat Robbie auf seiner Frühschicht heute also in
mühevoller Kleinarbeit auf dem COSTAL EXPLORER alle 100 Seemeilen
manuell Wegepunkte auf dem Großkreis eingetragen und die dann oer USB
Netz an den Plotter übertragen. Und siehe da – nun steuert uns also auch
der alte FURUNO Plotter auf dem Großkreis…

…nun, und jetzt kommt die Pointe:

Dann kam die eMail vom Wetterrouter aus LONDON mit einem anderen
Wegepunkt für die nächsten 24 Stunden. Ca. 30 Seemeilen weiter südlich
als unser Großkreis. Warum? Na wegen Wetter!!!
Denn wenn wir nun etwas weiter südlich steuern haben wir auch den Wind
und Welle besser von hinten. Und Morgen, wenn der Wind dann weiter
Richtung E dreht, gehen wir eben wieder ein paar Grad zurück.

Tja, alles für die Katz.

Aber auch wieder was über Systeme gelernt 😉

Irgend jemand auf dem Ponton in MINDELO hat versucht, ein SSB
(Kurzwellen) Radionetz auf die Beine zu stellen. Scheinbar aber ein sehr
„freies“, denn heute Morgen haben sich nur 4 Boote gemeldet und weil es
keinen Moderator gibt, war das eher Nonsens.
Aber auf der Radioliste mit den Booten gibt es ein paar Blog-Links die
ich hier gerne weiter geben möchte:

www-sy-me.de
www.thebrunnersgowest.com
www.juliane.li
www.bluewaterkids.de
www.fairyqueen.nl

Ansonsten alles Wohl an Bord. Alle kämpfen (noch) damit, genug Schlaf zu
finden. Wir haben die Wache etwas umgestellt. Heidi hat mit Robbie
getauscht und geht jetzt 9-12 bzw. 21-24 Uhr. Das soll dabei Helfen, den
Skipper bei bester Laune zu halten. Beste Wache = Beste Laune.

Wir hoffen sehr, das unser GPS Tracker funktioniert und man unseren
Reisefortschritt gut verfolgen kann – falls nicht, hier noch kurz die
aktuelle Position:

16° 47,9′ N
27° 03,5′ W

1.900 Seemeilen to go, ETA BARBADOS 30. Januar 2016 16:00 Uhr

Peter.

CAPE VERDE

Seit ein paar Tagen sind wir in MINDELO auf der KAP VERDEN Insel SAO VICENTE. Die Marina und der Ankerplatz versprühen in jeder Sekunde das Flair der Ozeanüberquerer.

mindelo_0021

Der Langfahrtsegler, der „vielleicht demnächst“ Weltumsegler. Es herscht eine ganz eigenartige, fesselnde Atmosphäre, die wir schon lange nicht mehr verspürt haben. Der ATLANTIK ist doch etwas anderes als das MITTELMEER.

mindelo_0016

Nun denn – wir wollen ja wie immer weiter nach Westen und von daher will hier jede Minute optimal genutzt werden. Frisör, Postkarten, Briefmarken, Essen gehen, Schnacken, dummes Zeug Schnacken und natürlich die obligatorische Inseltour mir dem Auto.

mindelo_0071

Die geht auf SAO VIVENTE relativ schnell – und doch auch langsam zugleich. Das liegt zum einen daran, das die Insel klein ist und man eigentlich schnell durch wäre. Zum anderen sind die meisten Straßen gepflastert und man fährt nicht schneller als 30 oder 40 km/h. Das ist eine ganz schön schlaue Methode der Verkehrsberuhigung.

mindelo_0051

Die Insel ist spektakulär. Steile Felsen, phantastische Strände und eine gnadenlose Trockenheit. Vollkommen irre trocken. Keine Ahnung wieso Menschen auf die Idee kommen konnten, hier leben zu wollen. Viele Menschen sind arm und die permanente Bettelei geht uns schnell auf die Nerven. Aber nur, weil wir daran nicht mehr gewohnt waren. Gute Vorbereitung für die Karibik? Die Menschen auf zum Beispiel VANUATU waren auch arm – konnten aber durch ihre üppigen Gärten und vom Fischfang gut leben. Das mit den Gärten ist hier nicht. Hier wächst nichts – außer in einem Tal in dem durch Brunnen kleine Gärten bewässert werden.

mindelo_0146
Im Törnführer haben wir gelesen, das mehr als 80% der Lebensmittel importiert werden müssen und das das Land abhängig von Entwicklungshilfe und dem Geld vom im Ausland lebenden Familienmitgliedern ist.

mindelo_0081

Eine spezielle Art von Tourismus könnte man hier vielleicht entwickeln, aber die Inseln sind soweit ab vom Schuss…wer kommt hier schon mal eben hin? Große Kreuzfahrer offenbar. Verwunderlich, aber bisher ist jeden Tag mindestens einer gekommen. Für 8-12 Stunden. Dann sind die bleichen Touris wieder weg…und lassen kaum Geld in der Stadt.

Wir sind auch fast schon wieder weg. Die Skipper haben noch nicht entschieden, aber zur Debatte steht die heutige Abreise oder sonst in jedem Fall Morgen. Das machen die beiden vom Wetterbriefung abhängig. Telefonat mit dem Spezialisten in LONDON heute Vormittag.
Ich hoffe innig, das wir bis Morgen bleiben und ganz in Ruhe auf den großen Sprung gehen. Schaukeln wird es sowieso – die Passatwinde sind jetzt sehr konstant. Gestern war auf dem Ponton zu hören, das in diesen Tagen rund 20 Boote gen BARBADOS aufbrechen. Das ist eine ganze Menge!

mindelo_0026

Und wenn wir wieder untwerwegs sind, gibt es zwar Textberichte (so die Technik denn will), aber keine Bilder. Wäre ja auf Dauer auch langweilig. 14 Tage Wasserbilder 😉

Hier also nun unsere letzten Bilder für eine kleine Weile. Ein paar davon finden wir besonders schön.

Peter.

Auf die KAP VERDEN (MINDELO) – Bildernachtrag

Als Ergänzungen zu den vorausgegangen 6 Tagesberichten hier noch ein paar Bilder vom Törn.

Wir haben jeden Tag ein Bild an einem anderen Ort an Bord von der Crew gemacht. Manchmal war das mit dem Selbstauslöser gar nicht so einfach.

Tag 1
Tag 1
Tag 2
Tag 2

 

Tag 3
Tag 3
to_mindelo_0056
Tag 4

 

to_mindelo_0061
Tag 5

 

Ansonsten gibt es Sonnenuntergang, Auslaufparade und platten Atlantik zu sehen.

Peter.

P.S. I: Das mir keiner auf die Idee kommt und sich traut zu schreiben, wie scheiße ich (teilweise) aussehe! Aber ich bin der Künstler! Der Fotograf! Der Autor! Ich muss so aussehen! ;-(
Das Problem ist erkannt, allein, es fehlt die Kraft die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen…
P.S.II: Das Internet hier ist lausig – aber Wetter konnten wir schon mal laden. Sieht für die nächten 20 Tage super aus. Echt klasse…
…für Segelboote: 15-20 Knoten von Steuerbord achtern.  2 Meter Welle, 6 Sekunden. Einmal Segel setzen und trimmen und laufen lassen!
Für Motorboote: Ja, äh, wo war noch mal der Mast mit dem Segel verstaut?