Archiv der Kategorie: Atlantik 2016

Reiseberichte unserer Atlantiküberquerung mit dem Motorboot SOUTHERN STAR im Januar 2016.

BARBADOS Tour

Mittwoch, 3. Februar 2016. Mal wieder mit dem Mietwagen, ohne Führer, eine Insel erkunden.

Der Autovermieter hat uns eine Karte mit gegeben und darauf notiert, was er für sehenswert hält. Unter anderem eine Bucht, die zu den 10 Besten der Welt gehören soll. Na denn, das wollen wir als ausgewiesene „Schönste-Bucht-Der-Welt“-Experten doch mal sehen!

barbados_0006

Zunächst nehmen wir aber die ruhige Westküste in Angriff um endlich mal wieder vom Strand aus schwimmen zu gehen. Auf BARBADOS sind die Strände frei zugänglich. Selbst wenn sich auf dieser Seite der Insel ein Hotel an das nächste reiht, findet man dazwischen immer kleine Wege und Gassen, um zum Strand zu gelangen. Die Regelung „keine privaten Strände“ haben wir schon öfters erlebt und wir sind nun der Meinung, das die UN das mal weltweit einführen sollte. Notfalls mit Waffengewalt. Oder so.

Wir stoppen in PAYNES BAY. Ganz nett, aber so 30, 40 Meter von der Wasserlinie stehen die Hotels und wir fragen uns, was die vielen anderen Touristen hier so besonders finden. Egal, wir wollen schwimmen und am Strand verweilen – und genau das machen wir.

barbados_0021

Wie immer werden wir um die Mittagszeit hungrig und wir landen durch Zufall in einer besseren Strandbar. Spielen Karten, sehen dem Strandvolk zu und lassen es uns gut gehen. Ein Indiz dafür ist, das einige Apfelstreuselkuchen mit Eis zum Nachtisch wählen. Auf BARBADOS, in der KARIBIK. Wie gesagt, einige, ich nicht!!!

OK, die Seite der Insel wird sich nicht groß ändern, also ab ins Landesinnere und grob in Richtung Ostküste. BARBADOS hat in der Tat keine echten Berge, sondern nur einige Hügel. Entsprechend weit kann man sehen, wenn man auf einem dieser Hügel halt macht. Im Norden der Insel wird Zuckerrohr ohne Ende angebaut – wichtiger Rohstoff für den Exportschlager BARBADOS Rum.
Wir kurven so durch die Gegend und die vielen Orte, da stoppt uns an einer Kreuzung in dem Ort CAVE HILL ein riesiger Inselbewohner mit Namen ANDREW. Und er redet, redet und redet. Wie ein Wasserfall. Und, übrigens, ob er mal kurz in unser Auto einsteigen könne? Er wolle uns seine beiden Lieblingsplätze hier im Ort zeigen.

barbados_0036

Als erfahrene Weltreisende wissen wir natürlich, das diese Ansprache eine ganz besondere Masche der Kundenakquise sein wird, aber wir lassen ihn gewähren. Zum einen redet er immer noch und wir können ihn gar nicht unterbrechen, zum anderen führt er uns tatsächlich zu zwei phantastischen Orten (SAINT LUCY (CUCKOLD POINT)) an der Küste, die wir ohne ihn wohl nicht gefunden, geschweige denn überhaupt gesucht hätten.
ANDREW ist echt cool und sehr erfahren im Umgang mit weißen Touristen: Er schmeichelt den Frauen unentwegt, schmiert dem Australischen Fahrer für dessen souveränen Fahrstil Honig um den Bart, nennt ihn STARBOY und den grummeligen Beifahrer ICEMAN.

barbados_0051

In all dem Redeschwall ermuntert er uns, ihm eine Freundin zu suchen. Das fände er super. Oder wir sollen hier Land kaufen und ein Haus bauen, dann würde er gerne für uns arbeiten…

…derweil kommt STORMVOGEL´s Haus und Hof Fotograf in arge Bedrängnis, als er auf der Jagd nach dem ultimativen Brandungsphoto dem Ozean gefährlich nahe kommt. Bloß nicht noch eine Kamera versenken!

barbados_0136

Das ANDREW wirklich gut ist, merkt man auch daran, das er nach den beiden Attraktionen darum bittet, ihn wieder ins Dorf zurück zu fahren damit wir weiter ziehen können – er weiß, wann es genug ist. Er fragt auch nicht nach einer Bezahlung für seine Dienste – das machen wir von uns aus und er kommt aus dem Bedanken gar nicht mehr heraus.

Mit 1.000 guten Wünschen überhäuft machen wir uns nun also auf zur Besten Bucht auf BARBADOS, zur Top-10 Bucht des Planeten!

barbados_0101

Die FOUL BAY liegt im SÜD-WESTEN der Insel und die Fahrt dorthin ist recht beschwerlich. Die Straßen sind in einem schlechten Zustand, des geht auf&ab, kreuz&quer und nach gut zwei Stunden Fahrt haben wir eigentlich keine Lust mehr. Aber nach BRIDGETOWN ist es auch weit, also durchhalten!

Mit dem Auto kann man direkt an den Strand fahren. Es ist schon später Nachmittag und außer drei einheimischem Fischern und einem Touristenpaar ist kein Mensch zu sehen. Die gewaltige Brandung, die hier an den gleißend weißen Sandstrand donnert sorgt für eine beeindruckende Geräuschkulisse und macht uns in der Tat ein wenig Sorgen. Wir sind so weit (eher lange) gefahren, also rein ins Wasser!

Hat man erst mal die Brandung überwunden, ist das Wasser ruhig und man erkennt schnell, das es sich in der Tat um eine sensationell schöne Bucht handelt. Wenn man doch nur viele Kilo leichter wäre, ein Surfbrett zur Hand hätte und ein durch-trainierter Beachboy oder Surfweltmeister wäre…?
Mit der GOPRO mache ich ein paar spaßige Brandungsclips – und sammle dabei so ca. 10 Kilo Sand in der Badehose ein. Der Sand in der Hose ist Mist, aber diese Wellen sind einfach toll. Hauen einen glatt von den Füßen, besser nicht übertreiben…

…denn am folgenden Tag wollen wir zurück nach HAMBURG fliegen, da kann man sich keinen Beinbruch erlauben!

Die Rückfahrt nach BRIDGETOWN verläuft eher still, wir sind völlig erschöpft von unserem kleinen Badetag.

Am Vormittag des Abreisetags noch geschwind die ortsansässige RUM-Destillerie MOUNT GAY (established 1703, wie zu betonen ist) besucht. Mit RUM Probe natürlich. Die Tour selbst ist nicht gerade der Bringer, denn man sieht nur die Flaschenabfüllanlage von MOUNT GAY. OK, gut zu wissen das nur hier abgefüllt wird und nicht sonst wo auf der Welt, aber wie man RUM herstellt, lernen wir hier nicht…

barbados_0126
…nur wie unterschiedlich er schmecken kann. Schon beeindruckend. Erst Recht beeindruckend ist der energische Hinweis darauf, welchen RUM man in Cola schütten darf, und welchen nicht! Ganz grob: Billigen RUM in Cola, teuren in Cocktails, mit Wasser oder pur.

Wir lernen auch, das MOUNT GAY sehr mit dem Segelsport verbunden ist und so um die 150 Regatten weltweit sponsort. Das Hauptereignis ist das ROUND BARBADOS Rennen. Jeder Teilnehmer bekommt eine rote MOUNT GAY Capi, die man nicht kaufen kann…
…so betrachtet wäre es also durchaus ein neues Ziel, im JANUAR eines späteren Jahres RUND BARBADOS mit zu segeln. Natürlich nicht nur wegen der Capi…

Nun denn, das war BARBADOS.

Am Abend bringen uns ROBBIE und JOJO zum Flughafen und es heißt nun endgültig Abschied nehmen. Für lange Monate, vielleicht sogar für Jahre?

Wer weiß schon heute, wohin die vielen Wege von Weltreisenden einen wirklich verschlagen?

Peter (derzeit mit Heidi in der Nähe von OSLO, mit Schnee!).

Ankunft BARBADOS, erste Bilder und so weiter…

Keine Nachtrichten sind in unserem Falle ja immer gute Nachrichten.

Wir sind also wohlbehalten in BARBADOS angekommen, haben den ersten Rumpunsch intus und, vor allem, wir haben wieder vernünftiges Internet. Diese wesentliche infrastrukturelle Komponente eines Weltenseglers ermöglicht uns, endlich auch mal wieder Bilder hoch zu laden. Weitere mögen folgen, demnächst in diesem Blog. Und noch später dann der „wir fangen einen Fisch Film“…

atlantic_0016
Double Bite – zwei auf einen Streich!

PORT ST CHARCLES in der SIX MEN’S BAY im Norden war ja ganz nett, aber völlig daneben. Die „Marina“ affenteuer, dafür aber null Nettigkeiten. Die Mitarbeitersind nett und hilfsbereit, aber das war es auch schon an Service. Aber immerhin kann man da besser einklarieren als in BRIDGETOWN, weil alle Behörden direkt in der Marina in einem Gebäude sitzen. Man kann sich die Marina auch sparen, davor ankern und mit dem Dingi ins Dingi-Dock des Yachtclubs fahren…

…OK, der Anstand gebietet es, dort einen Drink zu nehmen und dem kostenlosen, langsamen Internet zu fröhnen. Aber Vorsicht: 12 BB$ für einen Kaffee oder (ich meine) 18 BB$ für ein Bier. Das kostet hier in BRIDGETOWN auf der Straße, Eisgekühlt dann mal 3 BB$. (100 BB$ = 45 EURO)

atlantic_0026
Tanken auf See

Überhaupt sind wir entsetzt, wie teuer die Insel ist. Das merkwürdige ist: Die Insel, soweit wir sie bis jetzt kennen, hat nichts außergewöhnliches. Die Hauptstadt BRIDGETOWN kann man ohne Übertreibung hässlich nennen. Aber: Die Menschen haben ihren eigenen Rhythmus. Sind immer freundlich und hilfsbereit. Haben einen groove, der einen neudisch werden lässt.

Kurzum: Hässlich und teuer, aber schön 😉

Verholen wir uns also nach BRIDGETOWN in den Süden der Insel. Dort treffen wir die britische Einhand-Segelyacht GRACE RICHARD wieder. Zuletzt im Mittelmeer, Süd-Spanien getroffen. Damals wusste der Skipper noch nicht, ob er in den Osten des Mittelmeeres oder in die Karibik gehen sollte…wir meinten, wenn man die Wahl habe und länger unterwegs sein wolle, sei Karibik schon mal ein guter Startpunkt. 😉

Heute werden wir die Insel per Auto erkunden. Das haben wir gestern schon gemietet. Bei einem offenbar muslimischen Autoververmieter. Soweit ja kein Problem – dennoch eine Erwähnung wert: Über seinem Schreibtisch hängt eine Karte: „MOSLEM OF THE WORLD“. Darin sind alle muslimischen Länder in grün dargestellt, alle anderen sind rot. Wusste noch gar nicht, das man die Welt in zwei Religionen aufteilen kann?

Soviel als Update für jetzt.

atlantic_0111
Wal, jedenfalls ein Stück davon…

Morgen fliegen wir zurück nach Elmshorn. Nächste Woche fahren wir mit der Fähre für ein paar Tage nach OSLO um unsere Freunde Per und Elisabeth von ODA zu besuchen. Wir wollen die zum einen unbedingt noch mal sehen (so im SOUTHERN STAR / VANUATU Rallye Geiste) und zum anderen erfahren wie sie den Weg von GRIBRALTAR nach OSLO gemeistert haben. Wir biegen ja dann kurz vor OSLO rechts ab – nach HAMBURG! Später in diesem Jahr…

Peter.

Tag 15

Bordzeit 18:20 Uhr, die Sonne ist untergegangen und es wird schnell
dunkel. So gerade können wir im Dunst am Horizont BARBADOS ausmachen.
Endlich!

Höchsten Respekt vor dem Skipper – er hat die Insel im Ozean gefunden!
Hurra, Hurra, Hurra!

Eben dieser Skipper hat am Vormittag eigenmächtig die Geschwindigkeit
erhöht, damit wir deutlich vor Mitternacht am Ankerplatz ankommen. Das
ist soweit eigentlich OK, aber nun sieht es so aus, als ob beide Skipper
ihre „wann kommen wir an Wette“ gewinnen weil es der späte Samstag Abend
wird…und nicht, wie vorher lange absehbar, der frühe Sonntag Morgen –
also mein Tip.

Sauerei!

Also wollte ich folgerichtig Protest anmelden. Aber Skipper meint, wer
Protest anmelden will, muss erst mal allen einen ausgeben. Als
Bearbeitungsgebühr. Sozusagen. Herrje, man kann es drehen und wenden wie
man will, Skipper hat immer Recht und ich bin nicht Skipper! So ein
Mist. Aber die Tage als Crew sind gezählt, handverlesen. Ja, und dann,
dann bin ich wieder Skipper! Dann mache ich die Regeln!

In meiner Badewanne bin ich Kapitän! Jawohl, ja!

Heidi hat heute ihren Pflichtfisch gefangen. War wohl der größte und
schönste auf dem ganzen Törn. Tolles Tier. Die Hälfte wird gleich zu
Abend gegessen, die andere Hälfte liegt schon vakuumverpackt auf Eis.
Generell ist es mit den Video und Foto Dokumenten der verschiedenen
Fischfänge so, das es eine normale Version geben wird und eine FSK18.
Falls denn unser Videoexperte in der Familie überhaupt mental in der
Lage ist, Horrorfilme zu schneiden. Ach ne, nicht Horror, ist ja nur
viel Blut zu sehen. Wie heißen solche Filme noch mal, Splater?

Maaaaaannnnnnn, wie lange können 25 Seemeilen denn noch sein?

Der Wind ist weiter auf OST-SÜD-OST mit um die 15 Knoten. Welle deutlich
entspannt, aber beileibe nicht platt.

An Bord als höcht wohl. Alle freuen sich auf die Ankunft und auf das
erste Bier seit 15 Tagen!

Nur schlafen werden wir nicht können. Es wird so still an Bord sein, das
es uns unheimlich wird. JOHN DEERE darf dann auch mal bald schlafen, der
Gute.

Peter.

Tag 14

Also riechen kann man das Land noch nicht.

165 Seemeilen bis zur Nordansteuerung, dann knapp 7 Seemeilen nach
Süden, in die SIX MEN´S BAY. STARLET hat heute in der Marina angerufen.
Kein 24/7 Service. Und weil wir immer noch unter 6 Knoten laufen wird es
wohl nix mit Saturday-Night-Bar-Adventure-After-Atlantic-Crossing. Statt
dessen Ankerschnaps in Dunkelheit vor der Marina. Auch OK, aber doch
schade, das wir es nicht mehr im Tageslicht schaffen. Nachtansteuerung
ist OK, aber man verpasst so viel erste Eindrücke weil man schlicht
nichts sieht. Der geneigte Segler würde ja nun verlangsamen, der
Motorbootfahrer könnte ein paar Liter Diesel investieren, beides findet
nicht statt. In der Ruhe liegt die Kraft…

…wobei Ruhe hier an Bord seit heute nicht mehr vorhanden ist. Die
Damen des Hauses haben angefangen, die Kombüse zu schrubben, damit sie
das bei Ankunft nicht machen müssen. Das ist ja so eine Sache mit dem
Vorarbeiten. Denn noch schaukelt es uns ganz gut durch. Interessanter
Weise hat der Wind auf OST-SÜD-OST mit 12-18 Knoten gedreht und seit ein
paar Stunden haben wir auch eine südliche Komponente im Schwell. Wo die
wohl her kommt?

In der letzten Nacht konnten wir auf dem Radar einen fetten Squall
beobachten. In 6 Seemeilen an Steuerbord mit einer Mördergeschwindigkeit
(20+ Knoten?) an uns vorbei gerauscht. Steuerbord Überholer, ganz so wie
es die Seeschifffahrtsstraßenordnung verlangt. Den heftigen Regen hätten
wir wohl gerne mit genommen, aber den darin befindlichen Wind eher
nicht. Damit ist nicht zu spaßen. Auch nicht an Bord eines Motobootes.

Es gab gestern noch ein weiteres Opfer gestern: Meine Brille hat sich
zerlegt. Aber kein Problem. Warum nur eine kaufen, wenn man für den
doppelten Preis auch zwei bekommt?

Skipper will unbedingt, das auch Heidi noch einen, besser ihren! Fisch
einkurbelt. Also sind die Leinen wieder im Wasser. Zum Essen klappt das
heute nicht, Spagetti Bolognese wird gerade angerührt.

Jetzt erst mal noch eine Runde Karten. Die Tage sind gezählt.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 13

Es stimmt schon.

Es ist etwas dran an der Sache.

Es ist nicht von der Hand zu weisen.

Es liegt in der Natur der Seefahrer, abergläubisch zu sein.

Und heute ist der 13. Seetag. Der verteufelte 13. Seetag.

Allerdings hat NEPTUN anders zu geschlagen als zu Zeiten der Rahsegler
oder des STORMVOGELS. Auch NEPTUN hat sich angepasst und geht mit der
Zeit. Und je moderner das Boot, um so moderner sind auch NEPTUN´s
Einfälle um die Crew zu vergrämen. Also hat er sich, NEPTUN, der IT
Spezialist der Ozeane, einer SOUTHERN STAR Festplatte bemächtigt und mit
ihr alle Bilder aus dem Mittelmeer vom letzten Jahr mit in den Abgrund
gezogen.
Na ja, Abgrund bezieht sich hier auf ca. 1,20 Meter Fallhöhe von Tisch
im Pilothouse auf dessen Boden. NEPTUN musste nur einmal heftig am
Dampfer wackeln und schon war es passiert. Und wie so häufig – keine
Datensicherung.
Nun denn, die wichtigsten Bilder sind sowieso im SOUTHERN STAR Blog und
mit einer Chance von <25% kann man versuchen, die Platte noch mal zum
Leben zu erwecken, denke ich. Also nehme ich die mit nach Hause, weit
weg von NEPTUN, und sehe, was sich noch machen lässt.

Da dem Meeresgott ja nun Genüge getan wurde, hat er sich überlegt, den
Wind abzustellen. Jedenfalls fast. Nur noch 15 Knoten pusten aus OST und
es wird fast gemütlich. Nur fast, denn die Welle braucht noch ihre Zeit,
herunter zu kommen.
Allerdings, es muss erwähnt werden, könnte es auch sein, das NEPTUN sich
am Unterwasserschiff von SOUTHERN STAR fest gekrallt hat, um noch mal zu
zuschlagen. Denn aus unerfindlichen Gründen laufen wir seit mehr als 24
Stunden gut unter 6 Knoten. In der Nacht habe ich sogar mal 4,9 gesehen.
Das ist schlecht, zumindest für 6 Personen auf den beiden Booten. Die
Ankunftszeit BARBADOS verschiebt sich immer weiter gen Sonntag – und da
habe ich ja drauf gewettet! Mark (Skipper auf STARLET) hat heute
angeregt, das man doch bitte ausrechnen möge, was billiger kommt: Jetzt
mehr Gas geben und mehr Diesel verbrauchen, dafür aber Samstag Abend
ankommen, ODER es so laufen lassen und in Kauf nehmen, das es Sonntag
Morgen wird und mir dann den ganzen Sonntag die Drinks spendieren…

Ja, so ganz spontan hätte ich da auch keine Schätzung 😉

Der Wetterrouter in LONDON behauptet seit Tagen, das wir mindestens 0,5
Knoten Strom mit uns haben müssten. Beibt also nur zur Erklärung ein
gewisser Herr NEPTUN, der im Verbund mit Herrn W. aus E. am Sonntag
arbeitet.

An Bord alles wohl, wenn man mal von IT Frust absieht.

Aber was ist der schon? Gar nix! Das ist gar nix!

Peter.

Tag 12

Stehe eine Stunde auf dem Achterdeck (hier Cockpit genannt) und schaue
den anrauschenden Wellen und unseren Angelleinen zu. Durch die
Entwässerung spült immer wieder Meerwasser um die Füße herum. Angenehm
warm. Macht Lust auf Baden.
Schade, das wir kein Ozean-Schwimmen machen können. Viel zu rau, immer
noch. Wird sich wohl auch bis zur Ankunft nicht mehr ändern.

Bis jetzt kein Fisch, Skipper ist traurig und Küchenchef haut statt
dessen Steaks in die Pfanne. Wir sind sicher: Wenn wir essen wollen,
beißt einer an. Wie immer.

Es wird Zeit das wir ankommen. Die Tage werden zu endlosen Kaugummis,
auch wenn wir die Uhr gerade nicht zurück stellen. Vier Stunden
Zeitunterschied zu GRAN CANARIA. Drei haben wir schon gestellt – Morgen
folgt die letzte Stunde. Das machen wir tagsüber, wenn alle wach sind.

Noch 428 Seemeilen zu gehen. Samstag Abend ein Rumpunsch in einer Bar
auf BARBADOS schlürfen…das sind doch nicht die schlechtesten Aussichten!

Wir sehen heute wieder sehr viel Seegras. Auf unserem STORMVOGEL müssten
wir unter Maschine Sorge haben, das das Seegras unseren Seewasserfiter
verstopft. Aber unmöglich auf SOUTHERN STAR: Die Hauptmaschine wird über
ein Röhrensystem im Kiel gekühlt. Kein Seewasser beteiligt. Das ist
super. Komisch, das der Generator das nicht auch hat. Den lassen wir ab
und zu laufen: Wenn was im großen Backofen gebacken werden soll, wenn
Wäsche gewaschen werden soll. Übrigens mit einer MIELE. Die wird
scheinbar nie Seekrank, egal wie es schaukelt.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 11

Merkwürdig. Die See wird immer rauer, aber die Crew schläft besser.

Der Wind hat noch mal zugelegt und ist jetzt bei 25 Knoten. Alle 10, 15
Minuten kommt ein großer Brecher und versetzt SOUTHERN STAR um 40°-50°,
worauf der Autopilot erst mal einen Alarm auslöst nach dem Motto: Da
habe ich nicht hin gesteuert!
Im Wellental dann legt er entsprechend Ruder und bringt den Bug dahin,
wo er hin soll. Nach Westen, nach BARBADOS!

Wir hatten uns eigentlich noch auf ein paar ruhige Seetage gefreut, aber
nun sieht es nach dem Gegenteil aus. Noch vier Nächte sind zu meistern.
Wird schon klappen.

Würde uns nicht wundern, wenn wir kurz vor BADBADOS wieder ein paar
Segelboote sichten – oder das die Segler ein paar Stunden nach uns
ankommen. Denn jetzt müssten die über das Wasser fliegen – es sei denn,
sie heißen STORMVOGEL: Die hätten natürlich ordentlich gerefft 😉

Ansonsten nichts zu berichten. Wir alle versuchen den Tag zu ruhig und
entspannt wie möglich zu verbringen. Die Kombüsen-Crew hat bei diesen
Bedingungen natürlich einen Nachteil. Gut, das ich nur Esser bin, kein
Kocher.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 10

Hurra, die Seetage sind nun schon zweistellig!

Eindeutiges Zeichen für eine baldige Ankunft. Die Stimmung an Bord würde
ich mal als „ruhig“ bezeichnen da eigentlich alle nur froh´ sind, die
Zeit bei dem geschaukle irgendwie tot zu schlagen.

Ich für meinen Teil habe gerade mein zweites Buch zu Ende gelesen. JO
NESBRO „DER SOHN“. Klasse Krimi von der ersten bis zur letzten Seite.
Vermutlich werden wir von Herrn NESBRO also noch mehr Bücher
kaufen…müssen. Zuvor „TAKEOVER“ von JUSSI ADLER OLSEN gelesen. Als
echter Fan vom „Sonderdezenat Q“ eine herbe Enttäuschung. Das Buch hat
nichts mit der Reihe zu tun und ist einfach nur schlecht. Manchmal habe
ich mich gefragt, ob Herr OLSEN das Buch überhaupt selbst geschrieben
hat. So anders im Tonfall, Glaubwürdigkeit und Erzählstil. Egal. Ist
zwar ein neues Hardcover, landet aber in der nächsten Büchertauschkiste.
„DER SOHN“ nicht. Denn werde ich noch mal lesen.

Wetter wie gestern, hoffentlich bekommen wir noch ein paar ruhigere Tage
vor der Ankunft. Es ist schon sehr warm, eher an der Grenze zu Heiß.

Auch heute kein Fischfang, weil Skipper immer noch ein Einsehen mit der
Crew hat. Aber er droht schon mit Morgen 😉

Tja, soviel zum zehnten Tag auf See.

ETA BADBADOS immer noch Samstag, der 30.

An Bord alles wohl.

Peter.

Tag 9

Nach dem Hochgefühl folgt in der Regel immer die Ernüchterung.

Der Tag heute war endlos. Zunächst hat der Wind über Nacht zugelegt,
dann die Welle dazu und als nächstes stellt der Skipper auch noch die
Borduhren um eine Stunde zurück um den Tag auch noch zu verlängern!

Da hilft kein Jammern. Noch fünf Nächte, dann sind wir da. Der
Wetterbericht ist jetzt sehr stabil und zuverlässig, 20-25 Knoten
NORD-OST Wind. Also bleibt die Schiffsschaukel erhalten.

Heute kein Fischen. Zum Glück!

Im Moment suchen wir noch nach dem Aufnahmeort für das heutige
Crew-Foto. Skipper will uns immer wieder in den Maschinenraum locken,
aber da ist es heiß, eng und gefährlich. Wer will da schon hin? Wir
wollen doch nur nach BARBADOS! Hört sich ja so einfach an: Einmal ein
Tag ein Crew-Foto an unterschiedlichen Stellen auf dem Boot aufnehmen.
Bis jetzt waren wir immer nur kurz davor, die Kamera zu zerdeppern. Fünf
mal müssen wir noch Glück haben.

Hier und da machen sich die ersten sozialen Spannungen an Bord
bemerkbar, aber das ist völlig normal. Wenn keiner genug Schlaf findet
und man alles und jeden festhalten muss, dann ist man eben auch mal
genervt. Bei allem Komfort hier an Bord – wenn mehr als 15 Knoten wehen,
dann ist es eben auch hier ungemütlich. Aber nicht so schlimm, das man
aussteigen möchte. Nein, nein!

Schon gar nicht hier. Sind nur 5 Kilometer bis an Land – senkrecht nach
unten 😉

An Bord alles wohl.

Peter.