Archiv der Kategorie: Allgemein

Bye, bye, Peter. Sankt-Peter.

Na, wie war der Rutsch?

War ja nix mit rutschen. Viel zu warm!

Wintersonne Sankt Peter Ording

Stattdessen böllern, als wenn es kein Morgen gäbe. Also, wir natürlich nicht!

Andere!

Wie immer, andere!

Traditionell zum Jahreswechsel ein Ausflug nach Sankt Peter Ording. Die eine oder andere tote Tante besuchen. Die mit Rum und Sahne drin. Im Eiseskalten Wind. Die Idee hatten viele andere auch. Sogar das Ordnungsamt der Gemeinde. Haben, so kurz vor Jahresende, noch mal ordentlich Kasse gemacht. Da fährt man gut 100 Kilometer, findet keinen freien Parkplatz, parkt wirklich abseits, stört niemanden und doch ein Bon. 15 Euro, also knapp drei tote Tanten.

Wintersonne Sankt Peter Ording

Nun ist es mit solchen Lustkurzreisen ja schon die eine Sache in Zeiten von Umwelt-, Sprach- und Besserwisser-Polizisten. Und dann auch noch falsch parken um eine tote Tante verzehren…

Abendstimmung Sankt Peter Ording

Nehmen wir die 15 Euro Strafe doch als ein nach Veränderung rufendes Zeichen.

Machen wir doch einfach mal Schluss mit der Sankt-Peter-Ording Tradition…

…und fahren nach Wendtorf!

Kieler Förde, Wendtorf / Heidkate

Direkt ausprobiert am ersten Tage des neuen Jahres. Kostenloses Parken, Sandstrand und wenn man nur lang genug läuft immerhin auch ´ne Bude mit irgendwelchen Heißgetränken.
Oder, noch besser: Rucksack mit Thermoskanne packen und los geht’s. Wie früher!

Kieler Förde, Wendtorf / Heidkate

Ach früher!

Da war alles besser.

Bestimmt.

Peter.

Kieler Förde, Wendtorf / Heidkate

Weihnachten 2019

In der dunkelsten Jahreszeit über Licht und Schatten zu schreiben ist natürlich so ein Ding. Schatten lässt ja immerhin ein wenig Restlicht vermuten, nur wenn wirklich gar kein Lichtlein mehr scheint, dann ist es wirklich dunkel. Tiefschwarz. Und das ist ja eher ganz selten der Fall und daher ist dieser Lebenszustand hier und heute zu vernachlässigen. Begründung: Bei Lichte betrachtet ist unsere dunkle Jahreszeit gar nicht so dunkel, erst Recht nie tiefschwarz.

So fangen wir hier mal mit den Schattenseiten an, denn die sind schnell erzählt: Unser Boot STORMVOGEL ist immer noch kaputt und nach jedem kleinen Rückschlag während der Reparatur denken wir, OK, jetzt geht es aufwärts. Doch bisher lagen wir immer falsch. Auf der Suche nach dem Positiven: Kann nur besser werden.

Das war er, der Schatten.

Das Licht, das Licht, jetzt das Licht: Viel und gut gereist in diesem bald abgelaufenen Jahr. Norwegen, Australien und Schottland gemeinsam, zum Jahresende Spanien und Dänemark getrennt. Für uns ungewöhnlich, doch völlig normal.

Das Licht, das Licht, jetzt das wahre Licht: Alle sind gesund und munter.

Wie schön!

Vom Herzen hoffen wir, allen anderen die wir kennen oder kannten geht es genauso. Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Peter.

London 2019

Hey, was machen Wiedekamms, wenn sie in LONDON sind und nicht zu einem MARILLION Konzert (oder zwei) gehen?

London, Themse, Tower Bridge

Sie suchen Wasser.

Unbewusst.
Ungeplant sowieso.

Und wenn sie schließlich Wasser gefunden haben?

Dann fahren sie darauf.

Skyline London

Nun, der gemeine Londonfahrer denkt da sicher unvermittelt an die THEMSE und ja, auf der THEMSE waren wir an Bord einer Fähre natürlich auch, doch nein: London hat noch mehr Wasser. Nicht zu verwechseln mit Meerwasser.

Regents Canal

Da wäre dann zum Beispiel der REGENTS CANAL.

Regents Canal

Typischer englischer Kanal, typisch englische Kanalboote, typisch wirr in die Landschaft gesetzt. Oder hier besser: In die Stadt gesetzt. Straßen, Häuser? Kein Problem. Muss man eben Tunnel bauen. Den MAIDA HILL TUNNEL zum Beispiel. Als Skipper muss man für die Durchfahrt wohl Drogen nehmen. Was für ein Albtraumtunnel! Beruhigend: Das Licht am Ende des Tunnels kann nicht von einem entgegen kommenden Zug stammen. Soviel ist sicher!

Unterwegs gibt es viel zu sehen. Stadt halt. Die Kanaltour geht von CAMDEN MARKET entlang des LONDON ZOO´s und man kann auf diesem Abschnitt vom Boot aus tatsächlich auch mal Tiere sehen.

Regents Canal

Die Hausboote erinnerten mich denn auch mal wieder an lange verschollene Musik. Long ago and far away. 1990 entstand das Weltmusikprojekt ONE WORLD ONE VOICE. Einer der vielen mitwirkenden Künstler war DAVID GILMOUR (PINK FLOYD), der ein kleines aber absolut unverkennbares Gitarrenriff an Deck seines Hausbootes einspielte. Die Szene habe ich nie vergessen und nach unserer Rückkehr nach ELMSHORN denn auch direkt mal wieder reingehört. Starke Sache das. 29 Jahre später. Und, das sind die Zeichen der Zeit, bei YOUTUBE das Video dazu angesehen. Wer Zeit hat…

Regents Canal

Unsere kleine Kanalfahrt endete in LITTLE VENICE, genauer im BRIDGE HOUSE, einer recht netten Kneipe in guter Lage. Von da aus sind wir dann zu Fuß in die Stadt zurück marschiert. Alles nur eine Frage der Einstellung. Auch Entfernungen. Städte erkundet man bekanntermaßen immer am Besten zu Fuß.

Bridge House in Little Vernice, London

Übernachtet haben wir diesmal im Clubhaus von unserem englischen Segelclub CRUISING ASSOCIATION. Die haben im Gebäude für Mitglieder günstige Gästezimmer, CABINS genannt. Nicht größer als eine Kammer an Bord einer kleinen Yacht, aber durchaus funktional. Wie es der Zufall so wollte, hatte der Club an unserem freien Abend gerade Hauptversammlung und so haben wir mal eben, by the way, neue Segelfreunde kennen gelernt.

Eigentlich eine eigene kleine Geschichte, doch hier will ich nur schnell davon berichten, wie die zu ihrem großen Clubhaus in den LONDON DOCKLANDS gekommen sind: In der Bibliothek des traditionsreichen Clubs befanden sich einige sehr alte Segelhandbücher, auf die ein Museum scharf war. Tja, so dachten sich die damaligen Clubmanager, verticken wir doch die Bücher und bauen ein Haus…

Cruising Association Club Haus

…nun bauten sie das Haus aber so groß, das dessen Unterhaltskosten ein paar Jahre später zum Problem wurden. So vermieteten sie seit Jahren ein paar Räume und decken damit die Betriebskosten. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Wie immer.

Wir haben uns von einem Geldautomaten voll abzocken lassen. WIR! Wir REISEEXPERTEN! 13,5% Wechelkursaufschlag wollte ich nicht. Also, ohne den Text GENAU zu lesen auf dem Bildschorm „NO“ gedrückt. Und trotzdem kam das Geld raus.

Schweine-Geldautomat – Moderne Wegelagerer…

Entrüstet, sauer weiter gegangen, doch dann umgekehrt und noch mal Geld geholt. Jeden Bildschirm abfotografiert. Und schließlich die Frage, auf die ich mit „Nein“ geantwortet hatte, vollständig gelesen und endlich auch verstanden. Merke: „Nein“ heißt nicht „Abbruch“. Dazu immer hübsch den Abbruch-Knopf an der Tastatur verwenden. Das völlig sinnlos verschwendete Geld habe ich wieder rein geholt. Ein paar (mehr) Bier weniger…

…Strafe muss sein!

(Mal ganz was neues)

Peter.

TRANS-OCEAN e.V.

Es gäbe da zu berichten, das ich nun auch ein Ehrenamt bekleide.

Wie die Frau, so der Mann. Nach 2,5 Jahren endlich eine sinnvolle Aufgabe.

Mit deutlicher Verzögerung zwar, aber nun, seit dem 2. November 2019 bin also auch ich ein Ehrenamtler. Und soviel kann ich schon sagen: Durchaus mit Leidenschaft.

Ich wurde zum Vorsitzenden von „TRANS-OCEAN Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V.“ mit Sitz in Cuxhaven gewählt. Der Verein hat eine über 50 jährige Tradition, aktuell etwa 4.400 Mitglieder, drei Mitarbeiterinnen und hat sich mit Haut und Haaren dem Blauwassersegeln verschrieben. In allen Facetten. Egal ob Fahrten-, Regatta oder Extremsegler. Bei uns sind sie alle und unser grandioses Motto „Die See im Herzen“ verbindet uns. Wer über die Ozeane segelt, der muss die großen Meere wohl lieben und trotz großem Respekt ein Platz im Herzen dafür haben.

Traditionell veranstalten wir im November unser TRANS-OCEAN Wochenende mit einem Festabend, auf dem wir unsere jährlichen Preisträger würdigen. Jochen Rieker, seines Zeichens Chefredakteur des YACHT Magazin und von YACHT Online, war in diesem Jahr einer der Laudatoren und schrieb später über den Abend:

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es im ganzen Land keinen Clubabend, an dem befahrenere Mitglieder das Saisonende feiern.“

Ich glaube, da fühle ich mich wohl. Unter gleichgesinnten, Rückkehrer oder Lossegler. Auf dem langen Schlag, auf Landurlaub oder auf dem Sprung. Die Welt. Das ist das Fahrgebiet.

Hier auf meinem privaten Blog werde ich nicht viel oder auch gar nichts über TO, so die Kurzform von TRANS-OCEAN e.V., schreiben. Einen Vorstandsblog hat TO noch nicht, steht aber durchaus auf dem Wunschzettel.

Die Vereinsarbeit wird keinen Vorwand für weniger Beiträge auf www.wiedekamm.com liefern. Denn, so viel ist klar: Viel weniger als im Moment kann man auf seinem eigenen Blog eigentlich gar nicht schreiben.

Nun denn: Wer sich für´s Segeln interessiert, der möge in Zukunft nach TRANS-OCEAN Ausschau halten!

fair winds!

Peter.

MARILLION Royal Albert Hall 2019 Tag 2

Warum eigentlich nur ONCE IN A LIFE TIME?

Warum, wenn es geht, nicht zwei mal ONCE IN A LIFE TIME?

Oder, wenn sich schon mal die Gelegenheit ergibt, warum nicht auch drei mal ONCE IN A LIFE TIME?

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tja, und das ist dann wohl das Problem. Diese Unersättlichkeit. Von allem alles. Das ist in wenigen Worten das eigentliche Problem. Das verdrängen wir bitte mal wieder ganz schnell. Denn am gestrigen Dienstag Abend spiele MARILLION zum zweiten Mal in Folge in der wieder ausverkauften ROYAL ALBERT HALL in LONDON. Seit 2017 das Dritte mal.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Und natürlich wäre es nicht MARILLION, wenn sie nicht ein anderes Programm auf die Bühne gestellt hätten. Denn gut die Hälfte des Publikums war wie wir am Tag zuvor auch schon da. Keine halbe Sachen.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Auf den alle zwei Jahre statt findenden Fanwochenenden („MARILLION-WEEKENDS“) auf der ganzen Welt bringt die Band an drei aufeinander folgenden Tagen drei komplett unterschiedliche Programme zu Stande. Logisch, wenn man 30 Jahre zusammen Musik macht, dann hat man genug Material.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Da es sich bei dieser Musik nicht um ONE HIT WONDER, sondern in diesen 30 Jahren eher um KEIN HIT WONDER handelt, warten die Fans auch nicht auf DEN EINEN Song. Und der eine Welthit, den MARILLION 1985 (mithin vor 34 Jahren mit einem anderen Sänger) hatte, hat nichts mit der aktuellen Musik zu tun. Also kommt auch keiner deswegen. Na ja, vielleicht doch einige wenige ewig gestrige.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Etwas weniger als die Hälfte der Songs blieb diesmal aber im Programm. Das war gut so. GAZA als Einstieg ist ja immer richtig und die Lightshow dazu eine eigene Komposition die man sehr gerne sieht. Oder zweimal. Oder dreimal…

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tag 1
Gaza
Power
Beyond You
Seasons End
Estonia
A Collection
The New Kings
Man of a Thousand Faces
The Space
Separated Out
This Strange Engine

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Tag 2
Gaza
Fantastic Place
You’re Gone
Seasons End
Estonia
Hollow Man
Ocean Cloud
The Sky Above the Rain
The Great Escape
Afraid of Sunlight
Separated Out
This Strange Engine

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Diesmal saßen wir bewusst wieder wo anders. Ganz oben, auf den billigeren Plätzen. Sicht war OK, obwohl Heidi durch ein Geländer luschern musste. Die ROYAL ALBERT HALL ist wirklich ein toller Ort für ein Konzert der Lieblingsband. Oder zwei. Oder drei.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Der Innenraum war diesmal nicht bestuhlt – für die etwas fitteren Fans. Beim Bier, vorher in der naheliegenden Kneipe GLOUCESTER ARMS, haben wir auch schon einen Rollator deprimiert zur Kenntnis nehmen müssen. Das Alter der Fans, aber durchaus auch das eigene,nimmt der Herr Sänger dann auch zum Anlass, um zu erklären, warum es eigentlich dieses Zugaben-Ritual gebe: Man müsse ja auch als Rockstar mal auf Klo…

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Nun, denn. Das Konzert war der Abschluss der diesjährigen GROß BRITANNIEN Tour und entsprechend gelöst waren die Damen und Herren auf der Bühne. Und das Publikum sowieso.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Was bleibt?

Eine tolle Erinnerung an ein tolles Konzert mit einer lange nicht mehr gesehenen Lightshow.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

Und darum geht es doch.

Peter.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL, LONDON 19th November 2019

MARILLION Royal Albert Hall 2019 Tag 1

Warum eigentlich nur ONCE IN A LIFE TIME?

Warum, wenn es geht, nicht zwei mal ONCE IN A LIFE TIME?

Ja, ja, schon klar: Weil das Wort ONCE eine  Einzigartigkeit ausdrücken soll. Etwas einmaliges, super besonderes, ganz spezielles. Aber wie verhält es sich, wenn die einmalige, ganz besondere und erst recht spezielle Rockband MARILLION ein zweites Mal in der ebenfalls einmaligen, ganz besonderen und speziellen ROYAL ALBERT HALL in LONDON e zwei Jahre nach dem ONCE IN A LIFE TIME Konzert 2017 noch einmal die Bühne betritt?

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Dann geht man da hin. Da will man da hin. Da muss man da hin.

Und das mit dem ONCE IN A LIFE TIME spielt dann auch keine Rolle mehr.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Natürlich konnte 2017 nicht überboten werden, denn es war schon im Vorfeld klar, das MARILLION nicht nochmals F.E.A.R. in voller Länge spielen würde. So war die Setlist gestern Abend (Montag, 18.11.2019) denn auch sehr durchmischt und nicht jederzeit nach des Autors Geschmack. GAZA als Einstig war schon mal super und zeigte mitgereisten MARILLION Novizen wo der musikalische Hammer hängt.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Eigentlich ist MARILLION ja auf der Europatour „MARILLION WITH FRIENDS FROM THE ORCHESTRA“. Also Streicher, Flöte und Horn mit dabei. Was vor 2017 noch eine nette Idee war, geht jetzt aber zumindest in Teilen nach hinten los. BEYOND YOU war schon immer schwach, aber die „Orchester“ Version war schlecht.
Wirklich zerstört wurde mein so geliebtes ESTONIA. Die Idee, im Mittelteil das kalte, schaurige Gitarrenintermezzo durch Streicher zu ersetzten, deren Geigen ein lustiges Spiel der Wellen zu Gehör bringen sollen, war einfach nur sch…. (Entschuldigung).

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1

Doch es wäre ja nicht MARILLION, wenn nicht auch was für die ganz verwöhnten an diesem ansonsten wunderschönen Abend dabei gewesen wäre. SEASONS END, THIS STRANGE ENGINE, NEW KINGS, MAN WITH A THOUSAND FACES (bei dem am Ende die Halle Kopf stand) und ein sehr grandioses SEPARATED OUT waren echte, einmailige, ONCE IN A LIFE TIME Highlights.

MARILLION, ROYAL ALBERT HALL 2019, Day 1 , Standing Ovations

Das war ein toller Abend, mehr zum London Ausflug später. Eine einzelne Mitreisende drängelt, etwas.

Peter.

Zugspitze

Wenn junge Segelpaare Hochzeit feiern, dann entweder auf hoher See oder auf hohen Bergen.

Blühende Lünebruger Heide

In jedem Fall HOCH muss es sein.

Blühende Lünebruger Heide

Und wenn Familie und Freunde dabei sein sollen, scheidet die hohe See relativ schnell aus. Bleiben also die hohen Berge. Gibt es in Deutschland ja auch nicht so besonders viele. Mit knapp dreitausend Metern ist die ZUGSPITZE schon mal erste Wahl. Fehlt noch ein wenig fremdländischer Charme, eine Alm, ein Traktor, Sonne und die bestimmte Abwesenheit von Schnee.

GAMSALM
Porsche Hochzeitstraktor aus den 1960igern. Einzylinder, irgendwas mit 15 PS oder so. Aber Porsche.
Bestes Hochzeitswetter: Sonne, kein Schnee

Die GAMSALM in EHRWALD in ÖSTERREICH erfüllt all diese Kriterien und so waren wir eingeladen dort dabei zu sein. Was lag also näher als bei bestem Wetter ein paar Tage früher als nötig los zu fahren und endlich mal einen Tag in der blühenden LÜNEBURGER HEIDE zu verbringen, Freunde in MANNHEIM zu besuchen und nach vier Reisetagen in ÖSTERREICH anzukommen? Mal richtig ordentlich Hochzeit feiern, fesch in Dirndl und Lederhose. Von C&A, nur nicht übertreiben.

Blick vom Campingplatz des Zuspitzresort auf eben jene…

Auf dem Rückweg bei Segelfreunden in HEIDELBERG Station gemacht – die sind quasi auch frisch verheiratet. Seit 50 Jahren.

Berg vor Berg

Was mich zum Thema „Ziele muss man haben“ bringt. In jedem Alter, in jedem Ehejahr. Klar, die letzten 18 Jahre wollen Heidi und ich auch noch schaffen. Wäre doch gelacht! Doch da endet die Einigkeit. Denn (so muss ich hier erklären) zu vorgerückter Hochzeitsstunde kam mir der Gedanke, dass wir im Jahre 2025 doch eigentlich eine Zugspitz-Erstbesteigung in Angriff nehmen könnten. Ziele muss man haben! Einige der Hochzeitsgäste bestärken mich spontan in diesem Vorhaben, die Frau, als sie davon hört, hält mich für betrunken.

Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze
Bergwanderer auf dem Weg zum Gipfel der Zugspitze

Na ja, angetrunken vielleicht. Wie es sich für eine Hochzeit gehört. Aber mehr nicht. Betrunken – auf keinen Fall! Wieso müssen Menschen auf eine einmal geäußerte Idee immer als erstes Nein sagen? Hallo? Ich meine, 2025 ist doch echt noch ein kleines Weilchen. Genug Zeit um fit und vor allem Bergerfahren zu werden. Immer mal wieder ein wenig üben und dann im Juli 2025 das Basislager wie jetzt auch im grandiosen ZUGSPITZRESORT aufschlagen und auf Wetter warten. Ah, da haben wir es ja wieder: Auf Wetter warten! Das beherrschen wir als Schönwetter-Segler perfekt. 

Bergwanderer in der Warteschlange kurz vor dem Gipfelkreuz
Gedränge am Gipfelkreuz der Zugspitze

Der Bräutigam, Schelm der er ist, will mir (ganz modern!) einen Deal aufschwatzen: Wenn ich das wirklich schaffen würde, fährt er ein umfangreiches BBQ nach meiner Rückkehr am Fuße des Berges auf. Durchaus sehr verlockend. Aber wieso müssen Menschen immer erst mal Nein sagen, wenn einer eine Idee hat? Ich habe nein gesagt. Kein Druck. Kein Zwang. Und meine designierte Bergwanderpartnerin muss ich ja auch noch erst überzeugen.

Seilbahn
Die deutsche Bergstation

Ich sage es ja: Ziele muss man haben!

Peter.

WC des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Private Badezimmer des Campingplatzes ZUGSPITZRESORT
Kommt ´ne Wolke angeflogen, kannste nix mehr sehen…

DwygyfylchI

Es gibt Namen, die kann man als normaler Deutscher einfach nicht aussprechen. Selbst wenn man sich bemüht. Die hier eingeborenen Waliser bringen natürlich ihre Ortsnamen flüssig über ihre Lippen und lächeln milde, wenn die Touristen vom Kontinent beim Nachsprechen sich die Zunge brechen.

Das ist ja sowieso so ein Ding hier: Alles zweisprachig. Englisch und Walisisch. Wenn das mit dem vorgeblichen Schutz von Minderheiten so weiter geht, dann haben wir wieder prima Zeiten, hier in Europa. So sehr ich auch Tradition und Lokalpatriotismus schätze – im öffentlichen Leben brauchen wir mehr Gemeinsamkeit und erst Recht eine gemeinsame Sprache und nicht unendlich kleinteilige Parzellen.

Nun, eigentlich wollten wir gar nicht nach DWYGYFYLCHI, sondern aufs Land nach ROWEN. Kommen auf dem ehemaligen Landgut am Freitagnachmittag an, alles leer. Aber alles gebucht. Kein Platz für uns. So werden wir zu einem befreundeten FARM CAMPINGPLATZ vermittelt. Eigentlich OK, hätte sich unser Navi nur nicht in den Kopf gesetzt, den kürzesten, vor allem aber auch die kleinsten Straßen dorthin für uns auszuwählen. Oh je, was hier alles als Straße durchgeht!

Endlich angekommen bekommen wir auch einen Platz, auf einer stark abschüssigen nassen Wiese am Berghang. Kein Problem für unsere Riesenreifen (GRABBER AT3, 255 R18 auf ORC Felgen). Aber für unsere Reifenkeile. Die sind zu klein und so stehen wir doch etwas gewöhnungsbedürftig schief.

Der obligatorische Spaziergang am nächsten Tag führt uns über die Berge (…sind das schon Berge oder noch Hügel?) nach CONWY. Wir finden zunächst den Weg nicht und werden freundlicher Weise kurzerhand von einer Gruppe eingeborener Wanderer adoptiert und Anfangs auf den rechten Weg gebracht. Das Wetter ist lausig. Auf den Bergen stürmt es, es ist kalt und doch sind wir begeistert!

Raue Natur, grandioser Ausblick und das Gefühl, mal wieder auf dem Gipfel angekommen zu sein.

CONWY selbst, na ja. Überlaufen von Touristen wie uns. Wir strolchen ein wenig in der Stadt herum und nehmen später den Bus zurück. Denn nochmal schaffen wir die Tour nicht. Nicht an einem Tag.

Peter.

Leserbrief

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

vielen Dank für die verbalen Beruhigungstropfen!

Doch mit zunehmender Lebenserfahrung weiß ein jeder: Wenn lächelnde Amtsinhaber öffentlich versuchen Bürger zu beruhigen, dann ist Gefahr im Verzug. Nun, Panik, wie es die Schlagzeile der Elmshorner Nachrichten am vergangenen Samstag ausdrückte, wird in dieser unserer supernormalen Stadt nicht gleich ausbrechen. Auch nicht, wenn mit Döllinghareico schon wieder ein Unternehmen seine Pforten in Elmshorn schließt.

Supernormal, das bedeutet schließlich in diesen Zeiten ja auch eine gewisse allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber anderen, solange es einem selbst gut geht.

Doch so langsam entwickelt sich bei mir so eine Art Unbehagen gegenüber den Lenkern unserer Stadt, denen Sie seit immerhin schon zehn Jahren in verschiedenen Positionen vorstehen. Jeder Bürger Elmshorns mag in diesem Tagen sicherlich seine eigenen Vorstellungen entwickeln, aber mein persönlicher Eindruck nach täglichem Zeitungsstudium ist folgender: Auf der einen Seite werden einfache (Standort)Konflikte mit Traditionsunternehmen wie zum Beispiel Wiebold oder (abgeschwächter) Nordsport in aller Hässlichkeit öffentlich ausgetragen, auf der anderen Seite werden wichtige Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel der so genannte Stadtumbau zu einer offenkundig unlösbaren Jahrhundertaufgabe stilisiert.

Ich gebe zu, ich bin nur einer von diesen Zugezogenen. Vor erst 29 Jahren zog es mich nach Elmshorn – wegen eines neuen Arbeitsplatzes. Natürlich in Hamburg, nicht in Elmshorn. Doch ist es wirklich supernormal, dass die Elmshorner Bronx seit 29 Jahren (!!!) unverändert die Filmkulisse für einen Endzeitfilm liefert? Im Herzen der sechs größten Stadt Schleswig Holsteins? In einer Stadt mit immer noch reichlich erfolgreichen Unternehmen, deren Erfolg und wirklich nur deren Arbeit Ergebnis die so wichtigen Gewerbesteuereinnahmen dieser unserer Stadt üppig liefern?

Nun war ich einigermaßen über die aktuelle Geschichte des zweiten Stadtrats erstaunt. Ausgerechnet ein zugezogener soll in einer neu geschaffenen Position den sogenannten Stadtumbau erfolgreich vorantreiben, den die alteingesessenen Verantwortlichen so grandios im Zustand des Stillstands halten? Anfangs wirklich ein geschickter Schachzug: Delegierte Unverantwortlichkeit für das Jahrhundertprojekt zur Abdämpfung des eigenen Unvermögens, im Konsens gedacht, nun aber mit einem katastrophalen Wahlergebnis von 20 zu 19 Stimmen. Mit welcher Autorität soll der frisch gewählte gepflegte Konflikte, verkrustete Strukturen oder gar Engstirnigkeit denn nun auflösen? Mit welcher Autorität kann er nun begeistern, motivieren und führen?

Ich würde noch nicht von Panik sprechen, doch aus Unbehagen entwickelt sich Unzufriedenheit und irgendwann vermutlich auch mal Panik. Panik darüber, dass ich meinen Lebensabend in einer Stadt des Stillstands verbringen werde. Denn das weiß doch wirklich jeder: Stillstand ist der Tot.

Viele Grüße aus Hainholz,

Peter Wiedekamm.

P.S.: Dieser Leserbrief entstand vor einer Woche. Unsere Lokalzeitung (ELMSHORNER NACHRICHTEN (EN)) berichtete erneut über die Schließung eines lokalen Unternehmens. Ein paar Tage zuvor über den neuen zweiten Stadtrat. Kann man (wenn man Lust hat) alles mal GOOGELN. Die EN hat den Leserbrief bisher nicht veröffentlicht – die sind generell sehr sparsam mit der Lesermeinung 😉

Da nehme ich ihn halt selbst in meinen Blog – den Text finde ich doch recht gut gelungen…

In Gedenken: UTOYA

Den Massenmord von UTOYA am 22. Juli 2011 haben wir damals bewusst in den Nachrichten zur Kenntnis nehmen müssen. Das weiß ich noch genau. Wir waren ein paar Tage zuvor mit dem Vereinsboot in STOCKHOLM und hatten den Crewechsel in NYKÖPING für diesen Freitag, den 22. Juli 2011 vereinbart. Am Tag darauf sind wir zurück nach Hause geflogen. Radio, Fernsehen und die Zeitung überschlugen sich in der Berichterstattung. Eine Zeit lang. Wie immer. Aber wir hatten keinen Bezug, spürten keine persönliche Betroffenheit. In NORWEGEN waren wir noch nie. NORWEGEN war für uns ein fernes Land. Gedanklich genau so weit weg wie die USA, CHINA oder die MARQUESAS, obwohl wir gerade selbst in SCHWEDEN gleich um die Ecke waren.

Gegenüber die kleine Insel UTOYA

Nun ja, 2011 war vielleicht auch bei uns selbst einfach nur ein sehr schwieriges Jahr und zumindest meine Aufnahmefähigkeit für das Leid anderer war doch recht begrenzt.

Ein Jahr später, im Sommer 2012 trafen wir in CUXHAVEN zu Beginn unseres Projekts Lange Reise die Segelyacht ODA aus NORWEGEN. Ein freundliches Hallo, kurzer Schnack am Steg, Woher, Wohin? Unverbindlich, nicht tiefer gehend. Obwohl wir fast eine Woche am Steg fest lagen, da das Wetter ein Verlassen der ELBE Richtung Westen unmöglich machte.

Elisabeth und Per an Bord der ODA trafen wir gut 10 Monate später in PANAMA wieder – aber auch hier wieder nur eher flüchtig. Erst anderthalb Jahre nach unserem ersten Aufeinandertreffen entwickelte sich in NEUSEELAND eine Freundschaft. Kennenlernen bei Sundownern und gemeinsamen Einkaufstouren für die Anstehende Reise nach VANUATU und später quer durch INDONESIEN.
Wenn man gemeinsame Ziele hat, wenn man viel Zeit miteinander verbringt und sich sogar ein wenig leiden mag, dann lernt man sich kennen. Man lernt sich gut kennen. Und auf einmal werden Ereignisse miteinander verknüpft die sonst nur Lose und einzeln nebeneinander her existierten. Denn während wir im Sommer 2011 dabei waren unser Leben zu verändern, bereiteten sich Elisabeth und Per auf dem OSLO Fjord an Bord der ODA auf ihre eigene Lange Reise vor.

Der Tyrifjord ist der fünftgrößte Binnensee in Norwegen

Dann geschah der Massenmord auf UTOYA und sie kehrten noch am Abend in ihr Haus zurück, wohnen sie doch nur 15 Kilometer von der Insel entfernt und arbeiteten damals in der öffentlichen Verwaltung des Landkreises. Wie viele andere wollten die beiden einfach nur helfen. Schlagartig befand sich NORWEGEN am Abend des 22. Juli 2011 im Ausnahmezustand und die gut 5 Millionen Einwohner in Schockstarre. Eigentlich war die räumliche Nähe gar nicht so relevant – denn im Sommercamp auf UTOYA befanden sich Jugendliche aus dem ganzen Land und jeder kannte jemanden, der irgendwie betroffen war.
Zu ihrem großen Glück waren die Familien von Elisabeth und Per nicht direkt persönlich betroffen, doch dieses Glück konnten sie in diesen Tagen, aber auch jetzt, viele Jahre später, gar nicht fassen. Denn Betroffen war ganz Norwegen. Alle Menschen. Einfach alle.

2013 sprachen wir in NEUSEELAND öfters über den Massenmord. Das Ereignis war trotz der großen räumlichen Distanz den beiden noch sehr nah´. Doch wie es so im Leben läuft: Natürlich rutschte dieses schlimme Ereignis und die Erzählungen von Elisabeth und Per mit der Zeit immer weiter im Kopf nach hinten und schließlich in unsere Vergessenheit.
Erst im Februar 2016, als wir das erste Mal Elisabeth und Per in ihrem Haus in der Nähe von OSLO besuchten und mit ihnen im Auto an UTOYA vorbei fuhren, sprachen wir wieder über das Unfassbare. Und wieder wurde uns bewusst, wie schwer die Norweger damals emotional verletzt wurden. Ein solcher Massenmord passt nicht zu NORWEGEN.

2019. Weitere drei Jahre sind vergangen. Mittlerweile gibt es einige Bücher und auch zwei (Kino)Filme über den Massenmord von UTOYA. Und ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel uns geritten hat, beide Filme nacheinander an einem Abend bei unserem letzten Besuch in NORWEGEN gemeinsam mit Elisabeth und Per anzusehen. Schon aus Selbstschutz hätten wir das nicht tun sollen – und wollen trotzdem jedem empfehlen, es uns nach zu machen. Zumindest jedem, der sich für Zeitgeschichte, Hass und den um sich greifenden Wahnsinn auf der Welt interessiert.
Dabei ist meines Erachtens die Reihenfolge der beiden Filme entscheidend:

Zunächst sollte man sich den extrem genau rekonstruierten Ablauf des Massenmordes von UTOYA in der Norwegischen Kinoproduktion „UTOYA 22. Juli“ von Erik Poppe ansehen. Der Angriff dauerte 72 Minuten – genau so lange zeigt der Film das Sterben der Jugendlichen auf der Insel. Kein Entkommen möglich. Fast unerträglich, weil man weiß, dass es so passiert ist. Auf AMAZON finden sich tatsächlich 6 Rezensionen, die von „Langatmigkeit“ und „Langeweile“ berichten. OK, das gehört wohl zur freien Meinungsäußerung, aber ich würde die Rezensenten doch eindringlich bitten wollen, ihr Leben als Kanonenfutter in AFGHANISTAN zur Verfügung zu stellen. Ist spannend. Garantiert!

Wie auch immer. Erst im Anschluss daran sollte man dann irgendwie auf NETFLIX den Film „22. Juli“ von Paul Greengrass sehen, um den Zusammenhang, aber auch vor allem die sehr schwierige Aufarbeitung des Massenmordes zu verstehen.

Tja. Und dann saßen wir da recht traurig am späten Abend in einem schönen Haus in NORWEGEN am See TYRIFJORDEN, Luftlinie 8 Kilometer von UTOYA entfernt. Und wie Segler nun mal so sind. Wenn schon, denn schon. Ganz oder gar nicht. Erschöpfend nachhaltig…

…wir sind beileibe keine Katastrophen-Touristen und wir wollen uns auch wirklich nicht am Leid von anderen ergötzen, um uns besser zu fühlen. Aber als Per davon berichtete, wie die Insel nun umgestaltet wurde und wie die Norweger es geschafft haben, trotz dieser unfassbaren Tat weiter zu machen, wollten wir mit einem Male auf die Insel!

Auf UTOYA gibt es zwar offizielle Gedenkstätten, aber UTOYA ist nun mal eine Insel und man kommt da gar nicht so einfach hin. Schon gar nicht im Winter, wenn die Insel nicht bewohnt ist und die Fähre nicht in Betrieb ist. Ein paar Telefonate und die ehrliche Versicherung, das es nicht um die Befriedigung von sensationslüsternen Touristen geht und schon haben wir für den folgenden Nachmittag eine Verabredung mit dem Fährmann, der uns mit dem Boot auf die Insel bringen kann und uns die Neuanlage zeigen und erklären will.

Die Fähre MS Thorbjorn

Mit einem gewissen Selbstzweifel ob diese geplante Besichtigung nun moralisch richtig oder falsch ist, stehen wir am Ufer vor dem Fährkahn und warten auf unseren Führer. Doch als Ragnor erscheint und mit seiner freundlichen Begrüßung die gedrückte Stimmung ein wenig löst, verfliegt auch der letzte Zweifel. Denn unser Interesse kommt wirklich von Herzen und nur so lässt sich Andenken und Gedenken an die Opfer bewahren.
Per hat Ragnor sicher schon am Telefon erzählt, wer wir sind und wie wir uns kennen gelernt haben. Segler. Und so dürfen wir erst mal im Maschinenraum die beiden Dieselaggregate begutachten.

Steuerstand und Maschinenraum werden elektrisch mit Landstrom geheizt und so ist es kuschelig warm an Bord. Man weiß ja nie, wann die Fähre mal gebraucht wird.

Kabel einholen, Leinen los und ab gehts!

Ich versuche zu unterscheiden zwischen dem hier und jetzt und der Vergangenheit. Auf dieser Fähre ist tatsächlich der Mörder am Abend des 22. Juli 2011 feige als Polizist verkleidet zur Insel gefahren.  Er kam aus OSLO, wo er gerade mit einer großen Bombe 8 Menschen getötet hatte. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 560 Menschen auf der Insel. Jugendliche und ein paar Erwachsene. Das Alljährliche Sommercamp der Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens (AUF) fand schon seit den 1950iger Jahren dort statt. Das Camp kann man durchaus wie so was wie eine Kaderschmiede verstehen. Dort wurden und werden junge Menschen an die Politik herangeführt, geschult und trainiert. Ganz klar unter der Flagge der Sozialdemokraten.

Ankunft auf UTOYA

Rumpelnd legt die Fähre an und wir gehen über die Rampe an Land. Ungefähr hier hat der Mörder zunächst zwei Erwachsene Betreuer erschossen, als diese ihn nach einer Legitimation fragten. Danach packte er in Ruhe seine mitgebrachten Waffen aus und ging völlig ungehindert auf Menschenjagd. Es dauerte eine ganze Weile, bis die vielen Jugendlichen auf der Insel begriffen, dass da ein völlig bescheuerter, feiger Mörder die Jagd auf sie eröffnet hatte.

Das neue HEGNHUSET genannte Haus

Im Jahr 2011 gab es neben dem alten Hauptgebäude und ein paar Schuppen am Anleger nur eine etwas größere Holzhütte auf dem Hügel, die „Cafe“ genannt wurde. Dort gab es ein paar Schulungsräume und Toiletten – das Leben spielte sich draußen in den vielen Zelten auf der Lichtung ab.

Der Mörder tötete insgesamt 69 Menschen auf der Insel, er verletzte 33 teilweise sehr schwer. Kaltblütig und überaus feige tötete er 13 Jugendliche, die sich in einem Schulungsraum des „Cafe´s“ zu verstecken suchten. 

69 tragende Holzfeiler

Der Architekt Erlend Blakstad Haffner hat (ich denke, in Zusammenarbeit mit anderen) ein emotional sehr berührendes neues Gebäude geschaffen: Das alte „Cafe“ und die Räume darin wurden original so belassen, wie sie am 22. Juli 2011 waren. Um das alte Gebäude herum wurde nun ein komplett neues Gebäude erstellt, dessen Dachkonstruktion von genau 69 mächtigen Holzpfeilern getragen wird. Jeder einzelne Pfeiler steht für einen Ermordeten. Um das ganze neue Gebäude herum wurde eine Art Schutzschild bestehend aus 495 Holzbalken erstellt – 495, exakt einer für jeden Überlebenden. Eine wirklich großartige Symbolik.

495 schützende Überlebende

Wir betreten das neue Gebäude und gehen schweigend in den Schulungsraum des „Cafe´s“. Die Einschusslöcher sind den Wänden gut zu erkennen, Angehörige haben Blumen oder Bilder angebracht. Was für ein feiges Schwein muss der Mörder doch sein?! Mit einem Schnellfeuergewehr auf am Boden liegende Jugendliche zu schießen!

Auf dem Rückweg liest uns Per die im Eingangsbereich des neuen Gebäudes angebrachten Kurznachrichten (SMS) der Jugendlichen an ihre Angehörigen vor, die während des Überfalls gesendet und empfangen wurden. Chronologisch geordnet, quälend authentisch. Stumm und fassungslos stehen wir davor, während Per vom Norwegischen ins Englische Übersetzt.

SMS Nachrichten während es Überfalls

Auf einer anderen Tafel finde ich die (bereits übersetzten) Worte des damaligen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, die er am Abend des 22. Juli 2011 gegen 22 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz sprach:

We must never give up our values.
We must show that our open society can pass this test too.
That the answer to violence is even more democracy.
Even more humanity.
But never naivety.

Oder zu Deutsch:

Wir dürfen niemals unsere Werte aufgeben.
Wir müssen zeigen, dass auch unsere offene Gesellschaft diesen Test bestehen kann.
Dass die Antwort auf Gewalt noch mehr Demokratie ist.
Noch mehr Menschlichkeit.
Aber niemals Naivität.

Echtes NATO Schild am falschen Ort: Zeigt Richtung Toilette…

Jens Stoltenberg muss selbst zutiefst persönlich von diesem Überfall getroffen worden sein, war er doch als Jugendlicher selbst oft auf UTOYA im Sommercamp. In einer anderen Ausstellung über die lange Geschichte der Insel sehen wir ein Foto von ihm, sehr jung, in einem kleinen Motorboot mit Außenborder sitzend, offenbar zur Insel fahrend, zusammen mit der damaligen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Natürlich auch Sozialdemokratin. Kaderschmiede eben. Die Sozialdemokraten verloren die Wahl 2013 und mit ihr Jens Stoltenberg sein Amt. Seit 2014 ist er NATO Generalsekretär.

Bücher bis unter die Decke und eine phantastische Aussicht

Es liegt viel gefrorener Schnee auf der Insel und es ist schwierig genug, von einem Gebäude zum anderen zu kommen. So verzichten wir auf einen kompletten Inselrundgang, aber auch so ist schon klar: Ganz schön klein, diese Insel. Sie wird noch kleiner, wenn man sich hier über 500 Jugendliche in Zelten vorstellt. Ragnor führt uns zur einzigen Stelle, wo der Mörder nicht war. Hier hat man eine große Edelstahltrommel, vielleicht 3 Meter im Durchmesser frei schwebend an Bäumen aufgehängt.

Gedenktafel mit den Namen aller Opfer

Darin wurden die Namen aller Opfer sowie ihr Alter gelasert. Ich gehe um die Trommel herum, stehe davor, lese die Namen der Toten, begreife das Alter und beginne mich zu fragen, wie die Eltern der hier umgebrachten Kinder eigentlich weiter leben können? Fängt man nicht automatisch an, einfach nur alles abgrundtief zu hassen? Den Mörder, das System? Die Verantwortlichen? Irgendjemand muss doch verantwortlich sein?

Diese riesige Trommel musste immer mal wieder abgebaut werden, weil zunächst nicht alle Angehörigen die Namen ihrer Kinder darauf lesen wollten. Der Schmerz verdrängt jeden guten Gedanken. Doch nun, vor kurzem erst, sind die Namen aller Opfer an der Stelle, an der der Mörder nie war, für immer zu lesen.

Es dämmert, wir stapfen vorsichtig den Hügel hinunter zur Fähre. Mir ist kalt, aber ich mag nicht zu den anderen ins schön geheizte Steuerhaus gehen. Natürlich ein Fehler, denn jetzt bin ich an Deck alleine mit meinen Gedanken und mir wird richtig schwer ums Herz. Ich suche das Positive und finde es in der Art, wie hier mit diesem Vorfall umgegangen wurde. In dem großartigen Haus mit den 69 Pfeilern die die Last der Dachkonstruktion tragen und den 495 Balken umfassenden Schutzwall. In der riesigen Edelstahltrommel mit all den Namen der Opfer. In der großartigen neuen Bibliothek, die es ohne den Massenmord wohl nie gegeben hätte. All das zeugt von intensiver, schmerzhafter Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und dem unbedingten Willen, sich durch solche Taten nicht beugen zu lassen.

Wäre ja auch noch schöner.

Die Norweger sind offenbar wie wir Deutschen Weltmeister im sich selbst zerlegen. Natürlich hat man in der Aufarbeitung und in den vielen Untersuchungen nach dem Massenmord und dem vorher gehenden Bombenanschlag in OSLO viele Fehler, falsche Einschätzungen und vermeidbare Verzögerungen entdeckt, deren Vermeidung vielleicht den Massenmord hätten verhindern können. So griff man zum Beispiel zunächst nicht ein, weil man nicht wusste, um wie viele Angreifer es sich handelte, ein Boot sank, weil zu viele Polizisten an Bord waren – überladen! Das Nummernschild des Fahrzeugs, mit dem der Mörder von OSLO nach UTOYA gefahren war (45 Minuten Fahrzeit!), wurde unmittelbar vor der Bombenexplosion in OSLO als verdächtig gemeldet, aber dann nicht gesucht.

Es macht jedoch keinen Sinn, sich selbst zu zerlegen. Verantwortliche zu suchen. Schuldige für ein Behördenversagen.

Denn die Wahrheit ist doch:
Wenn wir so leben wollen, wie wir im Westen nun mal leben, können wir hinterhältige und feige Taten von Einzelnen nicht verhindern. Und wenn wir anfangen paranoid jede noch so unrealistische Eventualität absichern zu wollen, dann haben die Täter ihr Ziel erreicht. Dann haben sie unser aller Leben verändert.

Wir verabschieden uns dankbar von Ragnor, ich leider nur mit gebrochener Stimme.

Macht nichts, meint er.

Bei der Geschichte wären schon ganz andere Kerle weich geworden.

Peter.