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LOCH LOMOND

Warum nur ein LOCH, wenn man auch zwei LOCHe haben kann?

CALEDONIA CANAL Schleuse in FORT AUGUSTUS

Auch wenn ich anderes im Schilde führte. LOCH NESS blieb völlig ereignislos. Nun also zum LOCH LOMOND. Da soll da viel schöner sein! Natürlich: Woanders ist es immer schöner. Der Landweg gen Süden auf der A82 führt uns erst mal durch FORT AUGUSTUS und bietet somit die glorreiche Möglichkeit, Sportboote beim Schleusen im CALEDONIAN CANAL zu beobachten ohne selbst schleusen zu müssen. Die hier anzutreffenden Schleusen haben eine sehr große Ähnlichkeit mit denen im GÖTA KANAL – liegt wohl daran, dass Herr Telford beide Kanäle gebaut hat. Erst in Schottland und dann in Schweden. Beiden Kanälen ist ferner gemein, dass sie nie so genutzt wurden, wie ursprünglich erdacht und geplant. Statt Frachtschiffen schippern jede Menge Sportboote darauf. Ist ja auch OK.

Touristen an einer Schleuse in FORT AUGUSTUS

Die Zeit, die wir morgens als lässige Schleusenzuschauer in FORT AUGUSTUS vertrödeln fehlt uns später am Tag. Zum einen bietet die A82 auf dem Streckenabschnitt GLENCOE bis TYNDRUM spektakuläre Ansichten. Wenn man denn einen freien Parkplatz in einer der zahlreich vorhandenen Haltezonen ergattern würde. Brechend voll, die ganzen 50 Kilometer. A82 in den Sommerferien ist wohl nicht so schlau. Kann man machen nix.

Grandiose (Wolken)Berge

Zum anderen ist noch später am Tag, auf Höhe TARBET die Straße auf einmal gesperrt. Nach einer halben Stunde erreichen wir den sperrenden Polizisten und erfahren, dass die Straße kurz vor LUSS, unserem heutigen Zielort, aufgrund eines schweren Verkehrsunfall auf unbestimmte Zeit voll gesperrt sei. Wenn wir wollten, könnten wir da hin fahren und hoffen, dass die Einfahrt zum Campingplatz vor der Unfallstelle liege.

Dann mal los.

Die A82 ist eigentlich die Hauptschlagader aus dem Norden und führt nach GLASGOW. Doch jetzt haben wir die Straße für uns alleine. Keine anderen Autos. Verdächtig. Die Unfallstelle liegt natürlich VOR dem Campingplatz, ungefähr 1,4 Kilometer. Was für ein Drama!

So stand es in meinem Entwurf. „Drama“. Bei der Recherche zum Unfall habe ich fest gestellt, das dort ein Mensch mit einem Motorrad tödlich verunglückt ist. Das ist wohl eher ein Drama. Und traurig auch. Im Stau stehen wohl eher nicht.

Es ist ausgeschlossen, das wir irgendwie passieren können. Keine Aus-/Ansage über die Dauer der Sperrung. Nach einer halben Stunde Wartezeit drehen wir um und planen nach Studium der Karte, das wir einfach auf ein paar kleinen Straßen 40 Kilometer fahren müssen, um zur anderen Seite der Unfallstelle zu gelangen.

Namenloser Berg am LOCH LOMOND, Höhe LUSS

Doch diese naive Idee haben an diesem Sonntagnachmittag ca. 1 Millionen andere Autos auch. Bei Einfahrt in die kleine A814 in ARROCHAR weist ein großes Hinweisschild freundlich darauf hin, dass diese Straße für HGV´s (Heavy Goods Vehicles) nicht geeignet sei. Nur „nicht geeignet“ – nicht gesperrt. Nun, das betrifft uns ja ganz gewiss nicht. Unser Auto gilt mit max. 3,5 Tonnen noch als PKW. Und bisher hatten wir mit der Größe unseres Gefährtes ja auch keine Probleme.
Bereits nach 10 Minuten stehen wir. Absoluter Stillstand. Motor aus. Die Straße ist so eng, an Umdrehen ist gar nicht zu denken.

Nach einer Stunde kommt ein Polizist.

Zu Fuß.

Er grüßt uns freundlich und bittet darum, egal was passiere, das wir hier an Ort und Stelle genau stehen bleiben, bis er wieder komme. Man müsse erst den Gegenverkehr ableiten und brauche auf unserer Spur Stillstand. Im Scherz sage ich noch, OK, nach drei Tagen würde ich aber schon weiter fahren wollen. Auch wenn er nicht wieder komme. Gelächter.

Nun denn, man ahnt es schon. Er kommt nicht wieder.

Namenloser Berg am LOCH LOMOND, Höhe LUSS

Es dämmert. Nieselregen. Absolute Stille am Rande des LOCH LONG. Eigentlich kein See, eher ein riesiger Fjord mit Seewasser drin. Wieso heißt es also LOCH? Ab und an kommen ebenfalls im Stau stehende Eingeborene vorbei und führen ihre Hunde Gassi. An Bord unseres Wohnmobils haben wir alles erdenkliche mit dabei. Auch ein Klo. Es geht einfach nicht weiter. Ab und zu kommen Fahrzeuge in Kolonnen auf der Gegenspur. Aber dann auch mal lange wieder nix. Wir haben beim Campingplatz angerufen und mitgeteilt, dass wir wohl sehr spät kommen – kein Problem, andere Gäste stünden auch im absoluten Stillstand und sie würden auf alle warten. Wie schön!

Im letzten Restlicht geht es vor uns mit einem male weiter. Nach weiteren zwei Stunden. Oh je. Die drei Tage sind noch nicht wirklich vergangen. Jetzt auf die angekündigte Rückkehr des Polizisten warten oder entgegen seiner klaren Anweisung weiter fahren?

Es scheint uns sehr unwahrscheinlich, dass der junge Mann noch mal hier vorbei kommt. Also tuckern wir mit all den anderen Autos im Schritttempo weiter…

…und gelangen endlich zum Kern des Problems: Ein LKW und ein BUS stehen sich unpassierbar gegenüber. Beides ganz klar HGV´s. Klarer geht’s wohl nicht! Beide Fahrer sind offenbar ganz schlaue Eingeborene. Der Sattelschlepper steht schon halb im Graben, da kommen wir noch gut vorbei. Der Reisebus hingegen kann nicht dichter an den Rand, da gibt es Felsüberhänge. Zurücksetzten kann er auch nicht, denn hinter ihm stehen doch DREI weitere Reisebusse. Ganz prima! Die hier reichlich vertretene Polizei meint, wir müssten am Bus vorbei kommen und ich denke das auch. Es wird knapper als gedacht und gelingt schließlich doch.

Im Schritttempo an den anderen Bussen vorbei und dann so schnell es geht auf der kleinen, nun völlig leeren Straße weiter nach Süden. Immerhin hat die Polizei die A814 nun auch Richtung Norden gesperrt und wir haben freie Bahn. Als wir später die Endlos-Schlange von wartenden Autos auf der Gegenfahrbahn passieren sind wir nur froh´, das wir nach jetzt gut vier Stunden des absoluten Stillstandes endlich weiter kommen.

Um 21:30 Uhr kommen wir nach etwas Suchen auf dem Campingplatz an haben wirklich keine Lust mehr.

160 Kilometer in 9 Stunden.

Schneckenrekord.

Campsite direkt am Seeufer

Am nächsten Tag wird gewandert. Auf einen kahlen Berg dessen Namen wir nicht kennen, mal wieder. Aber toll. Das trübe Wetter nehmen wir gar nicht mehr zur Kenntnis, die Regenjacke ist schon länger unser bester Freund. Landschaftlich ist LOCH LOMOND tatsächlich um Längen schöner als LOCH NESS – aber touristisch auch viel ausgelutschter. Im sehr kleinen Ort Schicki-Micki Läden, ein Märchenpfad für die Kleinen, Ausflugsboot und Kneipe. Nun, wir haben den Berg, dessen Namen wir nie erfahren werden und immerhin ein Fast-Gipfel-Gefühl, denn bis ganz oben haben wir es nicht geschafft 😉

Peter.

Loch Ness (Foyers)

Nein, es hat nicht geklappt.

Dabei haben wir keinen Aufwand, keine Mühe gescheut!

Tief, tief, tiefer hängende Regenwolken

Junges, zartes Frischfleisch als Lebendfutter zunächst aus Deutschland eingeflogen und dann schonend über den Landweg an den Zielort transportiert. Dabei jederzeit auf gesunde Ernährung und körperliche Unversehrtheit geachtet. Nicht zu warm. Nicht zu kalt. Keine Aufregung. Kein Stress. Kein Schweiß, schon mal gar kein Angstschweiß. Einfach Wohlbehütet.

Endlich mal wieder ein richtiger Wald

Was hat es genützt?

Nichts!

Wasserfall mit Wasser

Das Lebendfutter bei trüben Nebelwetter mit Signalkleidung am Körper am Strand von LOCH NESS direkt an der Wasserkante auf und ab laufen lassen. Das kann man doch nicht übersehen!? Sind wir auf Höhe FOYERS vielleicht auf der falschen Uferseite?

Nichts!

Kein kräuselndes Wasser, kein Wellenschlag.

Einfach Nichts!

Das lässt einen dann doch zweifeln. Es gibt ja so viele andere, die auch zweifeln. Ein eingeborener Freund hat uns erzählt, dass er mal im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Woche auf einem Floß auf LOCH NESS herumgegondelt sei, um Unterwasser-Sonaraufnahmen zu machen.

Gespenstisches Seeufer

Nichts!

Seit dem zweifelt er auch.

Doch ich weiß es besser. Wie immer, eigentlich.

Schließlich habe ich in jungen Jahren mehrfach die (quasi) Dokumentation von ROBBI, TOBBI und das FLIEWATÜÜT im Fernsehen gesehen! So was bildet (ein) und prägt. Seit Jahren habe ich die DVDs in meiner Sammlung und mehrfach Kindern und Enkeln vorgeführt. Ich weiß es besser!

Ich weiß alles! Ich kenne sogar die Maße: 54,36 Meter hoch, 65,13 Meter lang. Fast quadratisch. Ungewöhnlich zwar, aber fachmännisch von ROBBI und TOBBI vermessen. Ich war ja quasi dabei.

Also hätten wir was auf der Wasseroberfläche sehen müssen. Bei der Größe!

Nichts!

Nach einiger Überlegung habe ich da jetzt so eine Theorie. Alles folgt bekanntlich dem Zeitgeist. Vielleicht war ja gerade Veggieday? Oder, noch schlimmer, die um sich greifende Vegane Seuche ist in Schottland angekommen. Beyond Meat und so.

Nun denn. Wanderungen im Nebel, oder war es Regen, Wasserfälle und jede Menge Bäume haben wir dennoch gesehen.

Und das Lebendfutter halten wir einfach weiter frisch.

Wer weiß, wozu wir das noch gebrauchen können.

Peter.

Eingeborner LAND ROVER, mit OHNE Dachzelt

P.S.: Schon echt spaßig: Die (mit Abstand) meisten (eigentlich alle!) LAND ROVER DEFENDER mit Dachzelt haben ein deutsches Nummernschild…und stehen auf Campingplätzen herum.

Yachthafen am LOCH NESS (FOYERS)

Ullapool

Es ist ja immer so eine Sache im Leben eines Reisenden an Orte zurück zu kommen, die man sehr gut in Erinnerung behalten hat.

Eigentlich kann man nur enttäuscht werden.

ULLAPOOL

Ich will nun nicht von Enttäuschung sprechen, aber wir besuchen tatsächlich ein anderes ULLAPOOL als das, was ich in Erinnerung hatte. Der Ort hat sich natürlich überhaupt nicht verändert. Aber er ist gerade nicht so wunderbar tot und verlassen, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Hier ist der Bär los und das liegt wohl einzig an dem Umstand, dass mittlerweile auch die Eingeborenen Schulferien haben. Ein paar Europäer sind auch hier.

ULLAPOOL Campsite

Klar enttäuscht bin ich von dem Platz, den uns die Dame vom Campingplatz zuweist. Die Wiese ist triefend nass und das Meer kann man nur durch viele Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte hindurch erkennen. Aber, und das ist nun mal eben so: Die vorderen Plätze sind alle belegt. Angeblich werden keine Reservierungen angenommen, dennoch steht an ein paar guten, leeren Plätzen ein Schild „reserved“.

Nicht ULLAPPOL, sondern auf dem Weg dahin: Keine Ahnung, wo.

Ok, es ist wie es ist und ich werde jetzt hier doch nicht den ewig nörgelnden Deutschen geben. Ich doch nicht!

zu Fuß zur Achnahaird Beach

Es geht auch gar nicht um ULLAPOOL, sondern um die Gegend nördlich davon. Sensationell. Einmalig. Wunderschön. Wie doof suche ich eine kleine Straße die ich von damals in Erinnerung habe. Doch so viele Kilometer wie auch abspulen und so viel neues wir auch entdecken – ich finde die Straße nicht wieder! Was für ein Drama! Dabei gibt es hier eigentlich gar nicht so viele. Doch ist man erst mal auf einer, fährt man die ganzen Buchten und Meerengen aus und braucht Stunden, um den nächsten Abzweig zu erreichen.

Achnahaird BeachAchnahaird Beach

Immerhin: Bei herrlichem Wetter gehen wir an einem der seltenen Sandbadestrände in Achnahaird Beach baden. Wirklich! Mit Kopf unter und so! Sehr erfrischend und nur kalt, wenn man sich in tiefere Wasserschichten abgleiten lässt.
Auch hier ist der Bär los. Sollte man nicht denken. So abgelegen wie das hier ist. Sommerferien, schönes Wetter und Sandbadestrand ergeben natürlich für alle anderen auch eine verführerische Kombination.

Achnahaird Beach

In Schottland.

Peter.

Kann man kaufen: Cafe, Buchladen und B&B
Parkplatz von Achnahaird Beach

OBAN

Nach zwei Tagen macht es endlich Klick.

Nach sagenhaften 48 Stunden fällt mir aus heiterem Himmel ein, dass wir schon mal in OBAN waren. Oder wenigstens durchgefahren sind. Auf unserer ersten SCHOTTLAND-Tour 2009. Darf man so was als erfahrener Reisender einfach so vergessen? Nach schon(?) oder erst(?) 10 Jahren? Eigenes Selbstverständnis, klare Antwort: NEIN!

Also, warum nicht erinnert? Schwache Ausrede: Wir sind ja nur mit der Fähre hier angekommen und dann direkt weiter gefahren.

HEIMKEHR HAMBURG

Und eigentlich wären wir ja auch jetzt gar nicht hier her gekommen – doch, wie der Zufall es will, liegen zwei befreundete Segelboote im Hafen der Insel KERRERA, gleich gegenüber der Stadt OBAN.
Zum einen die HEIMKEHR von Marlene und Bert, zum anderen die FREYDIS von Heide und Erich Wilts. Und was liegt da näher als sich auf einen Drink zu treffen? In der Theorie wären wir ja auch mit dem STORMVOGEL hierhergekommen…aber, ganz ehrlich: Wenn wir so das aktuelle Wetter betrachten können wir froh´ sein, an Land unterwegs zu sein. Zeitlich hätte das mit Sicherheit nicht gepasst, aber mit einem Auto ist man ja dann doch viel schneller und bei jedem Wetter unterwegs, da kann man mal eben wo anders hin fahren.

FREYDIS

Der Campingplatz in OBAN liegt ganz famos auf Hügeln mit Blick auf die Meerenge und das Meer selbst, so denken wir bei der Ankunft und beziehen Posten auf einem eben jener Hügel. Des Ausblicks willens. Als uns am nächsten Morgen der heftige Regen horizontal ins Gesicht klatscht wünschen wir uns fürs nächste Mal doch etwas mehr Weitsicht bei der Auswahl des Standplatzes: Windschatten würde Wunder wirken. Doch das Zelt der mitreisenden Jugendlichen hält dem Unwetter Stand – und wir selbstverständlich auch!

Und sei es nicht Schmach genug, sich nicht erinnern zu können, verläuft sich der Skipper an einem trockenen Tage mit seiner kleinen Reisegruppe grandios bei dem Versuch, OBAN über Feld(wege) zu Fuß vom Campingplatz aus zu erreichen. Nach 8 (ACHT!) zu überwindenden massiven Stacheldrahtzäunen, weitläufigen Sumpfgebieten, hüfthohes Gras und endlosen glitschigen Abhängen gibt er entnervt auf und hält schnurstracks auf ein Anwesen zu – in der stillen Hoffnung, dort wieder eine kleine Straße oder zumindest einen Weg zu finden.

Die vier Gestalten, die da planlos durch das hohe Gras auf sumpfigen Boden stapfen erwecken, natürlich, die Aufmerksamkeit der selbstverständlich vorhandenen Wachhunde die den wildesten aller möglichen Alarme schlagen, bis, endlich, ein Mensch in Erscheinung tritt und den Hunden erst mal Ruhe gebietet. Wie sich heraus stellt sind wir auf dem zweiten Campingplatz von OBAN gelandet und die Wirtin, die uns hier nun in Empfang nimmt wirkt doch sehr ernst und ungehalten, das wir da einfach durch die abgezäunten Wiesen stapfen und die Hunde verrückt machen.

Mit vielen Entschuldigungen und noch mehr Lächeln entspannen wir die Situation und machen uns schnell aus dem Staub. Wer weiß, wozu diese Hunde alles fähig sind?

Das Wetter wird zusehends besser, die befreundeten Segelboote ziehen weiter auf ihrem Kurs nach Süden und wir bauen unsere Zelte ab.

Die Karawane zieht weiter.

Peter.

Edinburgh

Basislager Edinburgh.

Am UNION CANAL

Natürlich nicht in der Stadt, sondern eher in Nähe des Flughafens. Denn hier bekommt unsere Reisegruppe Zuwachs und Kurzbesuch. Der LINWATER Campingplatz liegt für dieses Vorhaben gar nicht mal so schlecht: Nach einem 3,5 KM Spaziergang auf der Straße gelangt man zu einer Bushaltestelle, von dort aus geht es in die Stadt nach EDINBURGH. Auf der Straße muss man sich vorsehen: Jede Menge LEWIS HAMILTON´s auf der engen Rennstrecke unterwegs, aber wenn man nicht gerade im Berufsverkehr unterwegs ist, kann man durchaus überleben.

ALMOND AQUÄDUKT

Wie sich später bei genauerer Erkundung des Umlandes heraus stellt, kann man von LINWATER aus aber auch ganz hervorragende Spaziergänge entlang des UNION KANALS unternehmen. Wer hätte das gedacht? Mal wieder ein betriebsfähiger Kanal aus dem vor-vorherigen Jahrhundert.  

ALMOND AQUÄDUKT

Zunächst treibt es uns über das eindrucksvolle Aquädukt von ALMOND in Richtung der Ortschaft BROXBURN. Eigentlich ein sehr schöner Weg im satten Grün Schottlands, wäre da nur nicht unüberhörbar die M8 Autobahn. Absolut irre, wie laut so eine Straße sein kann.

An einem anderen Tag gehen wir in Richtung RATHO und kommen zwar der M8 auch wieder sehr nahe, aber insgesamt ist dieser Weg dann doch schöner und somit besser.

Den obligatorischen Stadtausflug nach EDINBURGH beschränken wir auf einen Tag. Wir hätten noch Zeit für einen weiteren gehabt, doch die erschlagende Menschenmasse auf der Burg hat uns schnell die Freude verdorben. Wieder einmal durchaus klar: Wir sind selbst Teil der Besuchermassen. Ich für meinen Teil habe jedenfalls beschlossen, nicht mehr hier her zu kommen. Da ändert auch die Hochzeitsgesellschaft, die hübsch ausstaffiert und sehr würdevoll zur gleichen Zeit auf dem Gelände herumstolziert, nichts daran. Was für ein Aufwand! Doch auf der ewigen Suche nach dem positiven: Der Dudelsackspieler der Hochzeitsgesellschaft war sicher sehen- und hörenswert!

Nach vier Tagen brechen wir wieder auf, bringen früh´ am Morgen den Besuch zum Flughafen und sind fortan zu viert unterwegs.

Wie, lange Zeit zuvor, geplant.

Ich liebe Pläne.

Peter.

Parkcliffe (Windemere)

Ort: PARK CLIFFE im LAKE DISTRICT NATIONAL PARK südlich der Ortschaft WINDERMERE, WALES, VEREINIGTES KÖNIGREICH (noch), EUROPA (noch), ERDE

Beobachtung: Sonnenanbetende Kühe in luftiger Höhe mit grandioser Aussicht

Frage: Wie zur Hölle bekomme ich ein Stück Fleisch von diesen zweifellos extrem glücklichen Tieren auf meinen Grill?

Peter.


P.S.: Ansonsten: Zum See WINDEMERE kommt man zu Fuß nicht, jedenfalls nicht vom Campingplatz aus. So beschränkt sich unsere Erkundung auf den Hügel mit den Kühen und auf eine sehr spannende Untersuchung der elektrischen Installation von KNAUSi. Kochende Batterien unter der Matratze sind nicht lustig. Andere Geschichte. Schon wieder Technik. Hört das denn nie auf?

DwygyfylchI

Es gibt Namen, die kann man als normaler Deutscher einfach nicht aussprechen. Selbst wenn man sich bemüht. Die hier eingeborenen Waliser bringen natürlich ihre Ortsnamen flüssig über ihre Lippen und lächeln milde, wenn die Touristen vom Kontinent beim Nachsprechen sich die Zunge brechen.

Das ist ja sowieso so ein Ding hier: Alles zweisprachig. Englisch und Walisisch. Wenn das mit dem vorgeblichen Schutz von Minderheiten so weiter geht, dann haben wir wieder prima Zeiten, hier in Europa. So sehr ich auch Tradition und Lokalpatriotismus schätze – im öffentlichen Leben brauchen wir mehr Gemeinsamkeit und erst Recht eine gemeinsame Sprache und nicht unendlich kleinteilige Parzellen.

Nun, eigentlich wollten wir gar nicht nach DWYGYFYLCHI, sondern aufs Land nach ROWEN. Kommen auf dem ehemaligen Landgut am Freitagnachmittag an, alles leer. Aber alles gebucht. Kein Platz für uns. So werden wir zu einem befreundeten FARM CAMPINGPLATZ vermittelt. Eigentlich OK, hätte sich unser Navi nur nicht in den Kopf gesetzt, den kürzesten, vor allem aber auch die kleinsten Straßen dorthin für uns auszuwählen. Oh je, was hier alles als Straße durchgeht!

Endlich angekommen bekommen wir auch einen Platz, auf einer stark abschüssigen nassen Wiese am Berghang. Kein Problem für unsere Riesenreifen (GRABBER AT3, 255 R18 auf ORC Felgen). Aber für unsere Reifenkeile. Die sind zu klein und so stehen wir doch etwas gewöhnungsbedürftig schief.

Der obligatorische Spaziergang am nächsten Tag führt uns über die Berge (…sind das schon Berge oder noch Hügel?) nach CONWY. Wir finden zunächst den Weg nicht und werden freundlicher Weise kurzerhand von einer Gruppe eingeborener Wanderer adoptiert und Anfangs auf den rechten Weg gebracht. Das Wetter ist lausig. Auf den Bergen stürmt es, es ist kalt und doch sind wir begeistert!

Raue Natur, grandioser Ausblick und das Gefühl, mal wieder auf dem Gipfel angekommen zu sein.

CONWY selbst, na ja. Überlaufen von Touristen wie uns. Wir strolchen ein wenig in der Stadt herum und nehmen später den Bus zurück. Denn nochmal schaffen wir die Tour nicht. Nicht an einem Tag.

Peter.

Pencelli

Wer auf den Campingplatz der kleinen Ortschaft PENCELLI am nördlichen Rande des BRECON BEACONS NATIONAL PARK kommt, der kommt hierher um zu wandern. Oder aus Zufall, weil es auf dem Weg nach Norden liegt.

Selbstverständlich stand bei uns Herr Zufall Pate. Obwohl wir sicherlich auch ein wenig wandern, oder besser „ausführlich spazieren gehen“ wollten. An der Rezeption nach einem Weg gefragt, werden wir entlang des BRECON WATER TRAILS zur Stadt BRECON geschickt.

Immer wieder irritierend, welch grandiosen Infrastrukturprojekte in den vergangenen Jahrhunderten so entstanden sind. Und wie nachhaltig sie bis heute sind. Was geht schief? Was verlernen wir gerade?

Der Pfad am Kanal ist leicht zu gehen, die Landschaft sehr abwechslungsreich und im Ort BRECON gibt es Erfrischungen aller Art. Nur einen Bus für die Rückfahrt bekommen wir nicht. Fährt so selten, dass wir zwei Stunden warten müssten…WARTEN!

Alleine das Wort macht einen doch schon Wahnsinnig. Warten worauf? Also leichten Reiseproviant für den Rückmarsch beschafft und mit vielen Pausen zwecks Erholung der Fußsohlen den langen Weg zurück angetreten. Wie immer: Zurück dauert es länger als zuvor hin.

Die kleinen Hausboote auf dem Kanal strahlen eine ursprüngliche Gemütlichkeit aus, in ihrer Langsamkeit liegt eine beneidenswerte Beschaulichkeit. Wenn mal alles den Bach runter geht, dann eben als Hausbootskipper auf dem BEACON WATER TRAIL. Warum nicht?

Echt clever: Geht man nach einer Brücke den falschen Weg, kann man unübersehbar dieses Schild lesen.

Aber kaufen darf ich so ein Boot nicht. Sagt Heidi.

Peter.

Zur Lage XXXIV

Tja, eigentlich hatte ich gar nicht vor, einen neuen Lagebericht zu schreiben. Gut drei Jahre nach dem letztem. Damals noch auf der Heimreise. Very long time ago und noch mehr far away…

…jedenfalls im Kopf.

Salonmöbel (Tisch, Sitzbank, Bodenbretter) schon raus…

Doch es ist zweifelsohne notwendig. Denn der STORMVOGEL wird gerade aufwendig repariert. Wir nennen das Projekt „Bleiballast Sanierung“. Gewünscht haben wir es uns dieses Projekt nicht, nein, wir haben noch nicht mal geahnt, das so etwas auf uns zu kommen kann!

Erste Abteilungen an Steuerbord geöffnet, ganz links schon geleert

Was sind wir froh´, das das Boot noch nicht verkauft wurde. Denn dieser Schaden wäre so oder so aufgetreten – und ein neuer Eigner wäre sehr verärgert gewesen – zu Recht. Obwohl, wir wussten wirklich nicht, das es im Ballast ein Problem gibt. Nun wissen wir es und handeln, wie üblich.

Grossbaustelle

Der STORMVOGEL ist ein Langkieler und als solcher fährt er aus Stabilitätsgründen 6 Tonnen Bleiballast im Rumpf. „Stabilität“ meint im Boots- und Schiffsbau die Hebelkraft des aufrichtenden Moments. Also die Kraft, die verhindert, das ein Boot oder Schiff nicht einfach kentert – also umkippt. Moderne Yachten haben üblicher Weise einen tiefen Kiel in der Bootsmitte und unten als Abschluss eine Blei- oder Eisenbombe von +/- 2 Tonnen. Durch den langen Hebelarm ergibt sich genügend aufrichtendes Moment, um trotz des geringeren Ballastanteils ein solches Boot immer wieder aufzurichten.

Kleine, aber komplizierte Abteilung im Bereich des Schwenkkiels

Nun denn, der STORMVOGEL hat keinen tiefen Kiel sondern fährt 6 Tonnen Blei verteilt auf 12 Abteilungen im mittleren Rumpfbereich – 6 Abteilungen an Steuerbord, 6 an Backbord, in der Mitte durch den Kielkasten des Schwenkkiels und davor durch den Kiel getrennt.

Der Ballastplan zeigt die Anordnung. Klickst Du drauf, wird es größer.

Stormvogel Ballastplan

Aus einem noch unbekannten Grund ist Wasser in die Steuerbord-Abteilungen des Ballasts eingedrungen. Die fünf vorderen Abteilungen sind untereinander verbunden. (See)Wasser, Blei und Aluminium führten zu einer elektrochemischen Reaktion und haben zwei Schadstellen verursacht: Eine Schweißnaht der vorderen Anodentasche an Steuerbord sowie ein kleines Loch ca. 80 cm davor.

Das so was passiert ist natürlich schlecht. Aber Dinge passieren und es ist jetzt müßig darüber ein Leid zu klagen.

Kein Bergwerk, sondern die Steuerbordabteilung mit der Anodentasche

Also haben wir zusammen mit der Werft und ein paar anderen bezahlten Ratgebern (andere Werften) nach Lösungsmöglichkeiten gesucht und uns für das Projekt „Bleiballast Sanierung“ entschieden. Denn so viel ist klar: Das (See)Wasser muss da raus. Die Löcher hätte man zwar irgendwie dicht schmieren können, aber das hätte dann vielleicht ein, zwei Jahre gehalten und ein neuer Eigner hätte dann womöglich ein noch größeres Problem bekommen. Wie bekannt sind kleine Gaunereien unsere Sache nicht.

Nochmal die freigelegte Anodentasche

Nun wurde beim Bau des STORMVOGELS das Blei nicht einfach so in die einzelnen Abteilungen gelegt, sondern mit einem Kunststoff vergossen und verklebt. Hört sich erst mal klug an: Isoliert und fixiert. Das Problem dabei ist aber, das sich offenbar kleine Holräume ergeben haben, in die das (See)Wasser gelangen konnte – und über die Zeit chemisch reagieren konnte. Die nächste Problematik liegt darin, die verklebten Bleibarren aus den Abteilungen zu bekommen. Extrem aufwendige, schmutzige und schwierige Arbeit.

Für den Zugang von Innen mussten zunächst die Möbel im Salon entfernt werden und dann die zugeschweißten Deckel der einzelnen Abteilungen geöffnet werden. Darunter befindet sich dann eine Schicht von 4-5 Zentimeter Kunststoff als oberer Abschluss. Darunter dann die lose geschichteten Bleibarren. Die letzte Barrenschicht, direkt an der Bordwand, ist dann wieder vergossen und so mit der Bordwand verklebt.

Vordere Abteilung an Steuerbord und Backbord, in der Mitte der Kiel

Sozusagen als Testlauf hat die Werft bereits eine Abteilung geöffnet, den Ballast entfernt und eine neue Anodentasche eingeschweißt. Aber um sicher zu gehen, das in den anderen Abteilungen an Steuerbord nicht auch noch (See)Wasser steht, muss der Ballast dort auch entfernt werden.

Es existiert zwar der Ballastplan, aber kein genauer Schweißplan aus der Bauzeit des STORMVOGELs. Daher können wir im Moment nur begründet vermuten, das Backbord nicht ernsthaft betroffen ist. Denn über weite Strecken trennt der Kielkasten die beiden Seiten – und ansonsten der ca. 20 cm hohe Kiel. Aber, um wie immer sicher zu gehen, wird auch an Backbord der Ballast ausgebaut.

Tiefer Einblick

Natürlich sammeln wir weiter Informationen und stellen vor allem Überlegungen an, wie wir den Ballast viel wartungsfreundlicher wieder einbauen können. Denn, fragt man unter Aluminium-Bootswerften herum: So selten ist das Problem gar nicht. Viele (wie wir auch!) wissen gar nicht, das ihr Boot im inneren ein ernsthaftes Problem hat. Denn man kann ja ohne großen Aufwand nicht in den Ballast hinein sehen. Im übrigen auch nicht von außen: Es gibt keine Methode der Materialprüfung, um den ganzen Rumpf untersuchen zu können. Punktuell kann man Ultraschall anwenden, aber damit wird nur die Materialstärke an diesem Messpunkt einigermaßen zuverlässig ermittelt – nicht, was sich dahinter befindet. Wasser, Kunststoff oder Blei?

Ballast-Auslagerung auf Paletten, vielen Paletten!

Beim Wiedereinbau werden wir das Blei in keinem Fall wieder mit Kunststoff vergießen, sondern wartungsfreundlich einkeilen. Ferner schwebt uns eine Art Peilrohr für jede Abteilung vor, mit dessen Hilfe man im Winterlager einfach und in Ruhe ermitteln kann, ob Seewasser im Ballast steht.

Bleibt die wesentliche, noch offene Frage nach dem Grund für das (See)Wasser im Bleiballast. Wir haben drei Theorien – keine ist bis jetzt ein echter Favorit. Wir gehen davon aus, das wir bei der Demontage weitere Erkenntnisse gewinnen werden. Denn die Ursache muss natürlich zu 100% geklärt werden – sonst ist der ganze Aufwand vergebenes.

Theorie 1:

Beim Refit 2016/2017 wurden die großen Telleranoden mit Isolierpaste in die Anodentaschen im Rumpf eingeschraubt. Dadurch konnten sie nicht richtig arbeiten und eine Schweißnaht der Anodentasche an Steuerbord wurde so angefressen, das sie porös wurde und Seewasser eindringen konnte, das dann weitere Schäden angerichtet hat.

Theorie 2:

Es handelt sich gar nicht ursprünglich um Seewasser, sondern um Frischwasser! Eine Schweißnaht des angrenzenden Frischwassertanks ist über die Jahre porös geworden und über die Zeit ist Frischwasser in die Abteilungen des Bleiballast eingedrungen, das nun elektrochemisch reagiert.

Theorie 3:

Im Zusammenhang mit dem Pazifik-Zwischenfall 2014 ist Seewasser von innen über die gefluteten Bilgen in den Bleiballast eingedrungen, da die oberen Deckel der Ballastabteilungen nicht durchgehend verschweißt wurden.

Hört sich alles super-plausibel an. Oder?

So lange wir nicht 100% sicher sind, was die Ursache ist, wird nichts wieder zusammen gebaut. Die Saison ist sowieso gelaufen und es macht ja keinen Sinn, mit Vermutungen zu arbeiten. Nun denn – wir reparieren also mal wieder. An einem der schönsten Orte Norddeutschlands.

Es ist ein Boot.

More to come.

Peter.

P.S.: Und sieht der STORMVOGEL gerade aus wie ein ausgeweideter Wal, schaue ich mir zum Troste einfach an, wie er aussieht, wenn alle fertig ist (siehe Titelbild).

P.S.II: Ok, eine Lüge. Zumindest eine grobe Ungenauigkeit. Nimmt man ja in diesen Zeiten eigentlich nicht mehr so genau. Aber ich. Nicht „wir“ (Skipper, Mannschaft) reparieren, sondern: Der Sohn und die Werft. „Wir“ sind noch in Schottland, mit dem Wohnmobil.

Der Plan war ein anderer

Es gibt doch so einiges zu nachzuholen, was das Berichtswesen in diesem Blog angeht. Das Problem: Zeit und Ideen. Ich würde gerne zwei Bastelberichte schreiben, einen über eine Toilette, mal wieder, und einen über ein LC-Display, das einfach so ausläuft.

Auf der Elbfähre – huch, wo ist er denn?

Na ja, und dann müsste ich wohl noch einen Lagebericht schreiben. Denn unser STORMVOGEL ist kaputt. So kaputt, das die Reparatur den Sommer über dauern wird und wir unseren Plan, mit dem Boot nach SCHOTTLAND zu fahren, aufgeben mussten.

Große DFDS Fähre bei DÜNKIRCHEN

Die Geschichte mit dem Boot ist wirklich eine eigene und sie hat uns viel (mentale) Kraft, Nerven und Zeit gekostet. Aber jetzt sind wir mit dem Reparaturprojekt auf einem gutem Weg. Glauben wir.

Warten in der Morgenröte…

Nun ist es ja so, das Pläne, auch wenn sie nicht eingehalten werden, in der Regel immer so was wie Orientierung bieten. Eine Richtung vorgeben, Zeit und Raum definieren.

Zeit: Sommer 2019
Raum: Schottland

Das war der Plan. Das IST der Plan!

Große Kanalfähre, nix los…

Auf dem Wasserwege geht das also jetzt nicht – mit Blick auf die Karte bleibt der Landweg. Also haben wir uns ein Wohnmobil besorgt, es „KNAUSi“ getauft und sind los gefahren.

Ein paar Schiffe im Englischen Kanal…

Über Land in die Niederlande (Freunde besucht), Frankreich, bei DÜNKIRCHEN den Englischen Kanal nach DOVER überquert. Im Süd-Westen der Insel, in der Nähe von BRISTOL andere Freunde besucht und sie davon abgehalten, an ihrem eigenen Boot zu schrauben und nun sind wir also seit drei Tagen auf dem Weg nach Norden.

Weizenfeld in Sommerset

Gemächlich, denn Mitte Nächster Woche erwarten wir Verstärkung für unsere kleine Schottlandexpedition. Unerschrockene kleine Germanen.

Küstenlinie Sommerset

Der GPS Tracker ist in Betrieb. Und der Blog soll mit halbwegs sinnvollen und aktuellen Einträgen glänzen.

Also denn, SCHOTTLAND, du kannst uns nicht entkommen: Wir kommen!

Peter.