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Der Plan war ein anderer

Es gibt doch so einiges zu nachzuholen, was das Berichtswesen in diesem Blog angeht. Das Problem: Zeit und Ideen. Ich würde gerne zwei Bastelberichte schreiben, einen über eine Toilette, mal wieder, und einen über ein LC-Display, das einfach so ausläuft.

Auf der Elbfähre – huch, wo ist er denn?

Na ja, und dann müsste ich wohl noch einen Lagebericht schreiben. Denn unser STORMVOGEL ist kaputt. So kaputt, das die Reparatur den Sommer über dauern wird und wir unseren Plan, mit dem Boot nach SCHOTTLAND zu fahren, aufgeben mussten.

Große DFDS Fähre bei DÜNKIRCHEN

Die Geschichte mit dem Boot ist wirklich eine eigene und sie hat uns viel (mentale) Kraft, Nerven und Zeit gekostet. Aber jetzt sind wir mit dem Reparaturprojekt auf einem gutem Weg. Glauben wir.

Warten in der Morgenröte…

Nun ist es ja so, das Pläne, auch wenn sie nicht eingehalten werden, in der Regel immer so was wie Orientierung bieten. Eine Richtung vorgeben, Zeit und Raum definieren.

Zeit: Sommer 2019
Raum: Schottland

Das war der Plan. Das IST der Plan!

Große Kanalfähre, nix los…

Auf dem Wasserwege geht das also jetzt nicht – mit Blick auf die Karte bleibt der Landweg. Also haben wir uns ein Wohnmobil besorgt, es „KNAUSi“ getauft und sind los gefahren.

Ein paar Schiffe im Englischen Kanal…

Über Land in die Niederlande (Freunde besucht), Frankreich, bei DÜNKIRCHEN den Englischen Kanal nach DOVER überquert. Im Süd-Westen der Insel, in der Nähe von BRISTOL andere Freunde besucht und sie davon abgehalten, an ihrem eigenen Boot zu schrauben und nun sind wir also seit drei Tagen auf dem Weg nach Norden.

Weizenfeld in Sommerset

Gemächlich, denn Mitte Nächster Woche erwarten wir Verstärkung für unsere kleine Schottlandexpedition. Unerschrockene kleine Germanen.

Küstenlinie Sommerset

Der GPS Tracker ist in Betrieb. Und der Blog soll mit halbwegs sinnvollen und aktuellen Einträgen glänzen.

Also denn, SCHOTTLAND, du kannst uns nicht entkommen: Wir kommen!

Peter.

AUSTRALIEN 2019 Fazit

Zum Abschluss der AUSTRALIEN und TASMANIEN Rundreise im Frühjahr 2019 hier ein kleines Fazit in Form eines Interviews:

War es schlau, nach 2014 nochmal in AUSTRALIEN mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein?
Ja, in jedem Fall. Denn das Land ist so riesig und durch seine Größe regional so unterschiedlich, das man immer was neues, unbekanntes entdecken kann. Wenn man will.

Die Route im Überblick: BRISBANE-MELBOURNE-TASMANIEN und zurück. Quelle: GOOGLE MAPS/YELLOWBRICK

War es schlau, das Auto in BRISBANE zu mieten und mit der Fähre nach TASMANIEN zu fahren?
Kommt darauf an. Wir haben uns ja in der Nähe von BRISBANE mit unseren Eingeborenen Freunden getroffen und die Strecke zum Fährhafen in MELBOURNE in aller Ruhe gemeinsam nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ zurück gelegt. Die Fähre ist nicht ganz billig und vermutlich haben in TASMANIEN vermietete Wohnmobile auch eine Standheizung. Aber für uns war die Route und das Auto genau richtig.

Die ersten und die letzten Tage auf verschiedenen Wegen. Quelle: GOOGLE MAPS/YELLOWBRICK

War es schlau mit Eingeborenen Freunden unterwegs zu sein?
Ja, denn man lernt das Land und die Menschen viel besser kennen! Die Australier sind im allgemeinen ja sehr freundlich und hilfsbereit und als Tourist denkt man leicht, OK, das ist etwas aufgesetzt und nur gegenüber uns Touristen so. Aber wenn man mit Australischen Freunden unterwegs ist, bekommt man mit ,das die im Regelfall auch untereinander freundlich und hilfsbereit sind – jederzeit. Sehr angenehm, zu erleben! Färbt ab, hoffentlich!

Der Mittelteil mit SYDNEY auf dem Hinweg und MUNGO auf dem Rückweg. Quelle: GOOGLE MAPS/YELLOWBRICK

Was waren die Besten Stationen auf dieser Tour?
Sicherlich gleich zu Anfang der Besuch auf der Farm in der Nähe von WARWICK. Später dann der Besuch bei anderen Freunden in der Nähe von SYDNEY, natürlich COLES BAY, BLACK HILL, CRADLE MOUNTAIN und STANLEY auf TASMANIEN und sicherlich ganz zum Schluss die BUNYA MOUNTAINS. Aber, und das ist kein Schnack: Die ganze Reise war super! Wir hatten eine sehr gute Zeit, keine einziges negatives Erlebnis.

Die Fährpassage über die BAAS STRAIT. Quelle: GOOGLE MAPS/YELLOWBRICK

Gibt es für die Zukunft noch weitere Ziele in Australien?
Ja, bestimmt! Mit unseren Freunden hatten wir eines Abends beim Rotwein gesponnen, das man eigentlich mal von OST nach WEST, also zum Beispiel von BRISBANE nach PERTH, gut 4.300 Kilometer, one way, fahren müsste. Und dann oben rum über DARWIN zurück, nochmal 7.500 Kilometer. Vielleicht, irgendwann später einmal.

Die TASMANIEN Rundreise. Quelle: GOOGLE MAPS/YELLOWBRICK

Und im Nahbereich, was liegt 2019 noch an?
Anfang Juli werden wir in Richtung SCHOTTLAND aufbrechen. Leider nicht, wie ursprünglich geplant, mit dem STORMVOGEL. Der ist im Moment kaputt und muss repariert werden. Aber SCHOTTLAND kann man ja auch gut mit den Wohnmobil erreichen – der GPS Tracker wird natürlich mit dabei sein und Reiseberichte und Bilder wird es hier im Blog auch dazu geben.
Und später im Jahr: Schauen wir mal ;-))

Dieses Interview führte Peter mit Peter. Vielen Dank dafür!

Peter.

MAUI Rentals Wohnmobil

Noch nicht als Fazit, aber doch als kleinen Erfahrungsbericht mit unserem Wohnmobil auf unserer AUSTRALIEN 2019 Tour ist folgender Beitrag gedacht.

MAUI Rental ULTIMA auf Mercedes Sprinter

Wir haben diesmal ein Auto bei MAUI RENTALS gemietet. Wieder über den Deutschen Anbieter BESTCAMPER. Das hat den Vorteil, das man in EURO abrechnet und Deutsches Reiserecht abschließt. Außerdem sind die bei BESTCAMPER recht gut in Beratung und Abwicklung.

MAUI ULTIMA auf Mercedes Sprinter

Das Wohnmobil ULTIMA (bzw. ULTIMA PLUS, bzw. ULTIMA PLUS ELITE) basiert auf einem MERCEDES BENZ SPRINTER 313 cdi mit 7-Gang Automatik Getriebe und wird von der Muttergesellschaft von MAUI, TOURISM HOLDINGS LIMITED (THL) selbst ausgebaut.

Hecktüren, unter dem Bett Stauraum. Knapp, aber reicht.

Das Auto selbst in Spitzenklasse: Fast neu, nur 17.000 KM auf der Uhr, langer Radstand, 7 Meter Aufbaulänge und Superhochdach (aber unter 3 Meter Höhe) zusammen mit dem sehr guten 4-Zylinder Motor und dem wirklich erstklassigen 7-Gang Automatikgetriebe sind schon mal ein starkes Brett. Woran wir das fest machen? Na ja: Im Schnitt nur 9 Liter Diesel (gemessen!) auf 100 Kilometer gebraucht (OK, weil wir ja auch kaum Autobahn gefahren sind und eher so einen Schnitt vom 90 km/h geschafft haben) und nie, wirklich NIE Probleme mit der Automatikschaltung hatten. Auch nicht im steilsten Berg nicht, egal ob rauf oder runter.

Drehbare Sitze, Sitzabnk für 3. Passagier

Also: Auto schon mal Super!

Der Ausbau war durchaus OK. Genug Stauraum, aber eben auch so Nonsens-Einbauten wie Mikrowelle oder TV, das aber nur DVD´s abspielen kann, weil es keine Antenne gibt. Das Auto hat eine zusätzliche Klimaanlage mit der man auch Heizen können soll. Völliger Blödsinn: Zum einen braucht man dafür immer 220 Volt, zum anderen heizt das Teil kaum und macht aber einen Höllen Lärm.

Platzverschwendung: Mikrowelle, TV

Besser wäre es gewesen, den Auto mehr Fenster zum öffnen zu spendieren. Denn außer dem Schiebefenster in der Schiebetür gibt es kein Fenster, das man öffnen kann. Über dem Bett zwar eine Dachluke, aber das war es dann. Liegt vermutlich am gewählten Auto, denn die nicht zu öffnende Rundum-Verglasung stammt offenbar von MERCEDES. Eine Gas- oder Dieselheizung wäre perfekt gewesen. Jedenfalls im Herbst in TASMANIEN.

Genial: Aufbau in 1 Minute und schon wird gekocht/gegrillt!

Wirklich hervorragend ist die Außenkochstelle der Firma SWIFT. Zweiflammig kann man darauf kochen oder mit einer Platte auch Grillen. Hängt an der gleichen Gasflasche wie der Herd. Wir haben (natürlich….) fast täglich gegrillt, immer draußen. Echt klasse!

Außengrll von SWIFT

Aus irgendeinem Grund hatte das Auto keine Markise – ich denke, die lassen die mittlerweile lieber weg weil die bei Wind, Regen oder Anwenderfehler zu schnell kaputt geht.

Zu kleiner WC Raum, jedenfalls wenn man größer als 1,9 Meter ist

Einziger harter Kritikpunkt am Ausbau ist das Bad. Ein Mensch über 1,90 Meter kann nicht halbwegs vernünftig auf Toilette gehen. Geht wegen der Beinlänge nicht. Und der bescheuerten Idee wegen, in die eine Ecke des Bades auch noch ein Waschbecken zu quetschen. OK, gut ist, das alles aus PVC ist und nass werden kann, wenn man duscht. Das geht (auch als großer!) besser, als sich auf den Thron zu hocken. 5, oder besser 10 cm mehr hätten Wunder bewirkt. Nun ja, man kann nicht alles haben.

Hängeschränke auf beiden Seiten mit Rolladen. Einfach aber funktional

Also: Auto seht gut, Ausbau gut.

MAUI als Anbieter wirklich 1A – kein Vergleich zu dem APOLLO Müll vor ein paar Jahren!

Nun noch ein paar Sätze zum Mietvertrag:

Der Mietpreis für so ein Wohnmobil ist durchaus OK. Aber, wie schon seit einiger Zeit überall bei Mietwagen zu beobachten: Die zusätzlich buchbaren Versicherungen steigern den Mietpreis in völlig unsinnige Höhen! Schließlich will man das Auto nur mieten, nicht kaufen.

Gasflasche reicht locker für 6 Wochen

Wenn man das Auto ohne Zusatzversicherung bucht, muss man die sehr hohe Selbstbeteiligung bei Abholung in Echt hinterlegen: Das Geld wird von der Kreditkarte abgezogen, nicht nur reserviert! In unserem Fall war das mehr, als der gesamte Mietpreis! Wir wussten das vorher und haben die Kreditkarte entsprechend aufgefüllt. Und eine Woche nach Rückkehr das ganze Geld auch wieder bekommen. Wegen Währungsschwankungen haben wir ca. 20 € „bezahlt“.

Mini-Solarpanel auf dem Dach, unsinnige Klimaanlage

DENN:
Wir haben ganz bewusst auf diese ganze Zusatzversicherungsorgie verzichtet. OK, das war ein Risiko. Die ganzen wirklich schlimmen Schäden haben wir mal ausgeblendet (Fahrzeugüberschlag o.ä.). Wenn die passieren hat man andere Sorgen. Viel wahrscheinlichere Schäden an Reifen oder Windschutzscheibe haben wir auch ignoriert und da sind wir uns im Nachgang nicht sicher, ob das wirklich schlau war. Denn: Wenn man 6 Wochen unterwegs ist, muss man doch mal mit einem Steinschlag rechnen, wenn man oft auf Nebenstrecken unterwegs ist. Da liegt immer mal was auf der Straße herum und wenn dann so ein ROAD TRAIN entgegen kommt, kann so ein Stein(chen) einem in die Windschutzscheibe fliegen.

2-Flammen Herd und Spüle

Ist uns in TASMANIEN dann auch passiert. Haben wir dann für 90 AUS$ zwar ambulant reparieren lassen, aber man sah immer noch einen kleinen Crack in der Scheibe. Je nach Website hätte der Austausch der ganzen Windschutzscheibe zwischen 500 und 1500 Euro (!) gekostet. Das hätte dann schon weh getan!

ABER:
Unsere Australischen Freunde hatten uns schon beruhigt: Die kleine Macke würde keiner beanstanden. Völlig entspannt. War dann bei Abgabe auch so, obwohl wir das extra gesagt haben. Gehört wohl zum Service dazu.

Chemie-Toilette mit Kasette und separatem Wassertank für Spülung

Also: Auf keinen Fall über-versichern und bei längeren Reisen sich die Gefahr eines Steinschlages genau überlegen. Reifen sind wirklich nicht das Problem: Bekommt man an jeder Ecke und sind billiger, als die Versicherung.

Gerade genug Platz zum Laufen, Stehhöhe dank Hochdach sowieso

Die Wohnmobilanbieter versuchen offenbar, das Fahrtgebiet einzuschränken. So wird das Befahren von Gravel- und Dirtroads verboten, jedenfalls auf dem Festland. Nur die Zuwegung zu Campsites ist erlaubt, auch wenn die Straße dann nicht geteert ist.
In meinen Augen ein Witz: Man mietet das Auto um damit das Land zu erkunden. Da kann der Vermieter ja nicht vorschreiben, welche Straßen man zu nehmen hat. Macht er aber. Keine Ahnung, in wie weit das überprüft wird / überprüft werden kann. Denn die Autos von THL haben ein verborgenes Trackingsystem, mit dem z.B. auch überwacht wird, das man nicht schneller als 110 km/h fährt. Ob die damit auch die Route überprüfen können, wissen wir nicht.

Transporter-Ausstattung

So ein Quatsch wie leeren Dieseltank und/oder Gasflasche abgeben können macht man natürlich auch nicht: Über 70% billiger, wenn man das selber macht. Genau so wie der Nonsens des Buchens von Internetdaten-Volumen über den Wohnmobil-Vermieter: Man geht in irgendein Shoppingcenter zum nächsten TELSTRA Shop und kauft dort (02/2019 aktuell) für 50 AUS$ 40 GB Daten, unbegrenzte Telefonate (auch International!!!) für 40 Tage. Wenn man dann noch ein altes Smartphone mit hat, legt man die SIM Karte ein, aktiviert noch im TELSTRA Shop und schaltet den HotSpot ein. Alle Geräte online!

Also denn. Einfach mal ein Wohnmobil mieten.

Los gehts!

Peter.

BUNYA MOUNTAIN

Oh Mann, Wochen sind vergangen, kein neuer Blog-Beitrag!

Was soll das???

Keine Entschuldigung, keine Erklärung. Kein gar nichts. Eine gewisse Sprachlosigkeit.

Natürlich sind wir längst wieder in DEUTSCHLAND und natürlich ist unser kleiner AUSTRALIEN Ausflug schon längst zu Ende. Unsere Freude fahren weiter. Weiter im OUTBACK des endlosen Landes. Wir, wir sitzen wieder zu Hause und schlagen uns mit Problemen herum, die wir lieber nicht hätten. Eigentlich wären wir ja jetzt mit dem Boot in SCHOTTLAND, sind wir aber nicht. Boot kaputt. Mehr dazu in einem Lagebericht. Demnächst.

Und doch, eine einzige Sache gibt es aus DOWN UNDER noch zu berichten. Nicht, um einfach zur was zu schreiben. Nein, es muss unbedingt noch von dem letzten Highlight unserer AUSTRALIEN 2019 Tour berichtet werden.

BUNYA MOUNTAIN heißt die Gegend, ganz in der Nähe von BRISBANE. Unsere Freunde sind schon mal nach Hause, wir machen noch eine Schleife auf den Berg. Und was für eine Schleife. Kaum sind wir auf uns alleine gestellt, verfahren wir uns auch direkt ordentlich. Aber bei so einer Reise gehört das falsch Fahren doch auch zum Programm, oder? Nur so entdeckt man unvorhergesehenes, nur so wird man überrascht.

So finden wir eine kleine Farm, die zum Verkauf steht. Traumhaft. Im Nirgendwo des Großraumes BRISBANE: Eine kleine Farm. Aber klar, nach der ersten Euphorie: Was sollen wir mit einer kleinen Farm in AUSTRALIEN? Mag der Gedanke daran noch so reizvoll sein…

…weiter zum Berg. Irgendwo auf einer völlig unbefestigten, endet der Weg und wir müssen tatsächlich wenden. Machen wir sonst nie. Aber wenn der Weg nicht weiter führt, bleibt einem wohl nichts übrig. Wie ärgerlich! Aber so ein GPS Navigationssystem kann ja auch nicht alles wissen. Irgendwann finden wir dann die richtige Straße und fahren durch die Ebene. Und dann geht es schlagartig steil, wirklich sehr steil Bergauf. So steil, das wir lieber nicht anhalten – und innig hoffen, das wir keinen Gegenverkehr bekommen.

Auf dem Gipfel erwartet uns ein voll erschlossenes Feriendorf, mit kleinem Laden, Kneipe, Ferienhäusern und einer Campsite ohne Betreiber. Alles virtuell hier. Man muss sein Ticket eigentlich vorher online kaufen, ausdrucken und ins Auto legen.

Eigentlich, vorher. Denn, man glaubt es kaum: Hier oben auf dem Berg haben nur ein sehr schwaches Handynetz und entsprechend kein Internet. Hey, wir hatten in den letzten Wochen vielleicht mal 1 oder 2 Tage ohne Internet. Und jetzt hier, am letzten Tag? Die Frau im kleinen Laden ist hilfsbereit und wir können über ihren PC das Ticket lösen.

Der kurze Spaziergang zum PINE GORGE LOOKOUT führt noch mal durch einen Atemberaubenden Regenwald mit riesigen uralten Bäumen. Wir wissen, das wir in zwei Tagen zurück fliegen und eine solche Natur so bald nicht wieder sehen werden. Na ja, dann sieht man sich halt was anderes an. Oder? Nur nicht still stehen. Immer hübsch in Bewegung bleiben.

Die Fahrt zum Haus unserer Freunde in der Nähe von GOLD COAST am nächsten Tag wird mit zunehmender Dauer immer ätzender. Großstadt halt. Kleine Straße, größere Straße, Schnellstraße, 2-Spurige Autobahn, 4-spurige Autobahn und ungefähr eine Millionen Autos um einen herum.

Sie stehen nicht im Stau, Sie sind der Stau!

Peter.

Bourke / Kidmans Camp

Die gut 800 Kilometer nach BOURKE, die zwischen uns und der ehemaligen Metropole für Schafswolle liegen, schaffen wir natürlich nicht an einem Tag. Daher machen wir unterwegs nördlich von HILLSTON auf einer Freecampsite am LACHLAN RIVER Station. Das ist wohl das eigentlich tolle an unserer Wohnmobiltour durch AUSTRALIEN: Wir können quasi überall anhalten und übernachten – sehr oft an landschaftlich reizvollen Orten.

LACHALAN RIVER

Letzten Endes geht es aber nun nicht mehr darum, noch viel zu entdecken. Es geht nur noch darum, so angenehm wie möglich Kilometer zu fressen, denn jede Reise geht einmal zu Ende. So auch diese.

Freecamp nähe HILLSTON

Mal wieder per Zufall landen wir im KIDMAN’s CAMP, am Ortsrand von BOURKE gelegen. Recht nett angelegter Campingplatz, mit Fluss in der Nähe, der ist aber gerade nahezu ausgetrocknet. Soweit wäre dieser Beitrag also hier erledigt und wir könnten lesender Weise weiter reisen…

…wenn da nicht die Dame am Empfang des KIDMAN´s CAMP erwähnt hätte, das am Abend ein „Campfire Poetry & Outback Dining“ stattfinden würde. Für 20 AUS$ gäbe es was zu Essen und sehr gute Unterhaltung. Und Lagerfeuer, natürlich.
Kurze Abstimmung: 4:0 – da gehen wir hin. Wie so ungefähr 40 andere Camper auch. Bauen unsere mitgebrachten Stühle in großer Runde um ein Lagerfeuer auf, dunkel ist es sowieso schon und das Feuer spendet eher schummrig gemütliches Leuchten denn Licht. Die Temperatur ist nicht feststellbar. Nicht zu kalt, nicht zu warm.

Musik. Gedichte und was zu Essen am Lagerfeuer: KIDMANS CAMP

Eine Frau stellt sich als GLENY RAE VIRUS kurz vor und beginnt zunächst mit der Geige und Gesang ein Liedchen zum Besten zu geben. Sehr stimmungsvoll, sehr schöne Musik. Gleny Rae ist offenbar Feministen, denn direkt im zweiten Lied, „Lady Bushranger“ geht es darum, das (natürlich) längst nicht alle Helden AUSTRALIEN´s vergangener Tage Männer waren. Natürlich gab es auch Frauen, die im Outback ihr Leben verbrachten. LADY BUSHRANGER kann man sich lustiger Weise auch mal bei YOUTUBE anhören. Lustig, weil irgendjemand dieses Lied gerade erst hoch geladen hat. Also ich war es nicht!
Gleny Rae singt (sehr schön), spielt dazu Geige, Gitarre und Akkordeon, nacheinander. Irgendwann ist Pause und es gibt was zu Essen. Eintopf, lecker. Hat sie wohl nicht selbst gekocht, aber Peter, der Veranstalter. Der Mann ist von fürchterlichem Parkinson geplagt und man wundert sich, das das Essen, das er zusammen mit Gleny Rae auf die mitgebrachten Teller füllt, nicht gleich auf dem Boden landet.
Wer was (…was auch immer) trinken wollte, musste sich seine eigenen Drinks mitbringen. Gabel und Löffel auch. So einfach und rustikal kann man einen wundervollen Abend gestalten!

Gleny Rae Virus mit Akkordeon

Irgendwann nach der Pause dämmert mir allerdings, das Gleny Rae wohl auch eine von diesen GREENIE’s sein muss. Denn ihre Lieder werden politischer, die einleitenden Ansagen auch. Lehrerin war sie auch mal. Richtig in Fahrt kommt sie mit einem Protestsong gegen ein Bergbauunternehmen – spätestens da fühle mich mal wieder in Geiselhaft genommen. Keine Ahnung, ob das Bergbauunternehmen GUT oder BÖSE ist, aber ich möchte nicht mittels Musik eine fremde persönliche Meinung eingetrichtert bekommen. Machen ja viele Künstler. Künstler haben immer eine Botschaft, wenn nicht, sind sie i.d.R. auch nicht wirklich erfolgreich. Botschaft gehört zum Geschäft.
Nun denn, die Eingeborenen sehen es viel toleranter und dann ist der Abend ja auch schon fast gelaufen.

Gleny Rae Virus mit Gitarre

Und obwohl sich meine Freude am Ende etwas legte, habe ich ihr beide CD´s

und eine Dritte, aber nur noch als Download verfügbare Veröffentlichung, abgekauft. Nicht nur aus Anstand. Die Musik war wirklich gut und wenn man vielleicht nicht jedes Wort und nicht jedes Wortspiel versteht, wird ja auch alles gut.

Vielleicht.

Peter.

Mungo National Park

Der ungeplante Weg nach MUNGO führt uns über KERANG und YANGA, also in zwei Übernachtungen.

Unterwegs

Die Fähre aus DEVONPORT (TASMANIEN) erreicht MELBOURNE im Sonnenaufgang. Es ist Ostermontag und wir haben großes Glück, dass dies auch in MELBOURNE ein Feiertag ist – denn unser NAVI hat sich in den nicht vorhandenen Kopf gesetzt, uns mitten durch die Stadt zu führen. Im morgendlichen Berufsverkehr wäre das wohl großer Stress, aber so, auf Menschenleeren Straßen und im Sonnenaufgang ein echtes Erlebnis.

Irgendwo unterwegs…

Leider werden wir beim Verlassen der Fähre von unseren Eingeborenen Freunden getrennt und wir brauchen sage und schreibe 200 Kilometer gen Norden, um wieder zusammen zu finden. Es ist natürlich so, das zwei Navigationssysteme unterschiedlicher Hersteller auch mindestens zwei unterschiedliche Routen errechnen und die Fahrer so auf verschiedenen Wegen zum gleichen Ziel führen. Zum Glück gibt es ja Telefon und wir finden auf halber Strecke wieder zusammen.

YANGA Nationalpark

Noch auf der Fähre hatten wir uns als Ziel den YANGA Nationalpark ausgesucht. Etwas über 500 Kilometer von MELBOURNE. Nach gut 400 Kilometern hat keiner mehr Lust, weiter zu fahren und wir übernachten auf einem Campingplatz im Herzen von KERANG, direkt am idyllischen LODDEN RIVER gelegen. Die obligatorische Jagd nach Brennholz, Kartenspiel, BBQ, Lagerfeuer, Schlafen. Was für ein herrlich geordneter Ablauf!

YANGA Nationalpark

Früh´ am Morgen, direkt nach dem Autoservice (Klo leeren, Wasser tanken) weiter. Wir wollen nun endlich im YANGA Nationalpark übernachten. Zuvor informieren wir uns im Information Center von BALRANALD nach freien Campsites und ob wir im Nationalpark Feuer machen dürfen. Diese Information Center findet man eigentlich überall in AUSTRALIEN. Oft sind es nur einfache Informationsstände, aber erstaunlich häufig sitzt dort auch ein überaus hilfsbereiter Mensch, wie in BARANALD.

YANGA Nationalpark

Tja, und jede Menge Prospekte liegen da auch rum. Mit vielen Bildern drin und drauf. Und da sehen wir atemberaubende Bilder vom MUNGO Nationalpark. Hmmm, da müssen wir wohl auch noch da hin? Denn unser Übernachtungsplatz in YANGA ist zwar nett, wieder am Fluss (MURRUMBIDGEE RIVER) und der Eingeborene ist mal wieder fischen, aber trotz Lagerfeuer ist das nichts Besonderes mehr für uns. Ist das nicht traurig? Wie schnell man (wir!) dem Besonderen gegenüber abstumpft?

LAKE MUNGO (See seit 40.000 Jahren ausgetrocknet)

Die Landkarte ist nicht eindeutig. Wie kommt man eigentlich nach MUNGO? Scheint nur über unendlich lange (~ 100 KM) Dirtroads (Schmutzige Straße, also nicht geteert, Sand, Steine und Staub Pisten) zu gehen. Nichts für unser Wohnmobil. Doch als wir am gleichen Tag noch im YANGA Nationalpark telefonisch das Visitor Center in MILDURA anrufen, gibt es erst mal ein ganz anderes Problem: Die Meisten Pisten sind gesperrt! Denn schon bei wenig Regen werden sie nicht passierbar. Der Trost: Das könne aber in ein paar Stunden schon ganz anders sein.

MUNGO Nationalpark

Also denn. Pirschen wir uns am nächsten Tag erst mal näher an MUNGO ran und lassen den Wohnwagen und unser Wohnmobil am späten Vormittag in ROBINVALE auf einem Campingplatz. Dann weiter mit dem Offroad, Allrad und sonst was FORD RANGER von Robbie zum MUNGO Nationalpark.

MUNGO Nationalpark

Die Fahrt über die Piste ist sehr anstrengend für den Fahrer, denn wir brettern mit 90-100 Km/h durch die Wildnis. Zum einen fliegt man so etwas besser über Schlaglöcher und Hubbel, zum anderen haben wir erfahren, das um 14:00 Uhr die letzte Guided Tour durch den Nationalpark an diesem Tag angeboten wird.

Gegen 13:00 Uhr erreichen wir das MUNGO VISITOR CENTRE und werden unsicher. Ganz schön Dröge hier. War es schlau, hier in diese Einöde zu kommen? Und werden sich die 50 AUS$ (ca. 30 Euro!!!) pro Person für den geführten Spaziergang lohnen?
Drei sind unsicher, einer sagt: Wenn wir schon mal hier sind…

Denn: Nur mit der Tour darf man die WALLS OF CHINA genannte riesige Sanddüne betreten. Ohne Tour ist an der Aussichtsplattform Schluss.

MUNGO Nationalpark

Wir fahren mit dem eigenen Auto zur Aussichtsplattform, im Konvoi mit den anderen Menschen, die ebenfalls die Tour gebucht haben. Der Führer schreitet voran, erzählt seine Geschichten und Erklärungen und ich sehe schon am Habitus unseres Fahrers, dass er leicht genervt ist. Dieser Mensch ist NIE genervt. Also ist es ernst:

Auf der Negativ-Seite, vertreten durch drei der vier Reisenden:
Verdammt lange, aufwendige Anfahrt über die Dirtroad
Verdammt viel Eintritt, nur um über eine Sanddüne zu schlendern
Verdammt dünne Geschichte, die der Tourguide da zu erzählen hat
Verdammt lange Rückfahrt über die Dirtroad, die unbedingt vor Dunkelheit beendet werden muss

Auf der Positiv-Seite, vertreten durch einem der vier Reisenden:
Aufregende Fahrt über 100 KM Dirtroad durch das Outback AUSTRALIEN´s
Aufregende (sogar sehr aufregende) tolle Bilder gemacht
Aufregende Geschichten aufgeschnappt

Dazu gehört zum Beispiel die lustige Geschichte, das bei GOOGLE MAPS der LAKE MUNGO als See mit Wasser eingezeichnet ist und daher regelmäßig Touristen mit Kajaks zum See kommen um darauf zu paddeln. Nur, und das ist ein echtes Problem: Der See ist seit über 40.000 Jahren (!!!) ausgetrocknet.

MUNGO Nationalpark

Oder das die WALLS OF CHINA genannte Düne mit 3 Metern pro Jahr nach Westen zieht, weil der Wind sie stetig voran treibt.

Oder das im Nationalpark Überreste von Menschen gefunden wurden, deren Alter auf 40.000 bis 70.000 Jahre geschätzt wird.

Na ja, hätte man vermutlich auch im Internet nachlesen können. Aber eigene Fotos dieser grandiosen Sandlandschaft hätte man nicht bekommen. Da muss man schon seinen Hintern hoch bekommen und los ziehen.

MUNGO Nationalpark

Die Rückfahrt ist genauso aufregend (oder beschwerlich, wie andere meinen) wie die Anfahrt. Wir überfahren erfreulicher Weise trotz Abenddämmerung keine Tiere und beschließen den Abend im Restaurant des EUSTON BOWLING AND RECREATION CLUB´s. Mittlerweile ist es dunkel und niemand hat mehr Lust zu kochen oder den Grill zu bemühen. Das ist insofern Erwähnenswert, als das wir es später bereut haben. Das Essen war zwar OK, aber zu Hause schmeckt es doch am besten…

…auch wenn das „zu Hause“ rollt 😉

Peter.

Nachtrag: Martin und die Harfe

Eigentlich hätte Heidi die folgende Geschichte aufschreiben müssen. Denn es ist ihre Geschichte. Ich war nur dabei, wie die mitreisenden Eingeborenen auch nur dabei waren. Es ist eindeutig Heidis Geschichte.

Sie ereignete sich in der COLES BAY, TASMANIEN auf der freien Campsite SWAN RIVER CAMPING.

Mit unseren drei Fahrzeugen hatten wir uns in eine Ecke des Platzes verkrochen und eine Wagenburg gebaut. Eigentlich alles super, aber wir standen doch ohne echte Not relativ dicht an einem anderem Camper. Schließlich war der Rest des Platzes am frühen Nachmittag noch frei. Auf den ersten Blick etwas Obskur, der Nachbar. Ziemlich herunter gekommener normaler PKW, ein offenbar selbst gebauter, sehr kleiner „Wohnwagen“ und eine Art Vorzelt, das eher ein Dach aus Plastikplane und ein paar Holzstangen war. Als wir ankommen ist der Bewohner gar nicht da, später beim Bier sitzend kommt er zurück, grüßt freundlich und verkrümelt sich in seinen Wohnwagen.

Als er sich später wieder sehen lässt, fragen die Frauen ihn leicht schuldbewusst, ob wir im wohl zu dicht auf den Pelz gerückt seien? Nein, nein. Alles klar! Wie eigentlich immer in AUSTRALIEN.

Der Mann bekommt irgendwann mit, dass wir aus DEUTSCHLAND sind und stellt Heidi eine Frage, die sie nicht beantworten kann…und mich ruft. Also bemühe ich mich aus meinem überaus bequemen Campingstuhl, stelle das Bier zur Seite und geselle mich zu Heidi und dem Mann aus dem kleinen Wohnwagen.

Aus der Nähe betrachtet sieht der Mann genauso herunter gekommen wie sein Auto aus. Sehr schlechte Zähne. Die Hälfte fehlt schon. Aber ein sehr freundliches, gewinnbringendes Lächeln überzieht sein faltiges Gesicht. Also denn, worum geht´s?

Ob es wohl wahr sei, das es demnächst in EUROPA ein bedingungsloses Grundeinkommen gebe – und wann das wohl sei? Er habe neben dem AUSTRALISCHEN auch einen IRISCHEN Pass und überlege, nach EUROPA zurück zu kehren da er hier kein Auskommen mehr habe.

So So. Denke ich. Klassischer Fall von Sozialsystemzuwanderung, die wir wohl alle nicht wollen.

Nach meiner Meinung wird es das über kurz oder lang in ganz Europa geben (müssen), aber wann das sei und ob das dann auch für ihn gelte, kann ich natürlich nicht sagen. Will es auch nicht sagen? Keine Ahnung. Mein ganzer Körper rät zu „Abstand halten“, „Auf Distanz gehen“ und „auf keinen Fall zu einem Bier einladen“.
So endet das Gespräch ohne weitere Annäherung. In der Nacht haben wir eine schwere Gewitterböe mit viel Regen. In unserem Wohnmobil kein Problem, aber das „Vorzelt“ von dem Mann ist halb weg geflogen und liegt am Nächsten Morgen in Trümmern vor seinem selbst gebauten „Wohnwagen“. Wir brechen zu unseren Ausflug zur WINEGLASS BAY auf…

…und als wir am Nachmittag bei bestem Wetter zurückkehren, beginnt nun endlich, nach langer Vorrede, Heidis Geschichte.

Um die letzten Sonnenstrahlen des brillanten Nachmittags vollständig genießen zu können, haben wir unsere Stühle in der Mitte des sandigen Platzes aufgebaut und freuen uns über den Ort, über die Drinks und über unsere Gemeinschaft, natürlich.

Wir plaudern und flachsen in der Abendsonne. Menschen um die 50+ haben immer was zu erzählen. Schließlich haben die ja schon was erlebt, im Leben. Den „Wohnwagen“ von dem Nachbarmann können wir von unserem Standort aus nicht sehen. Der liegt verdeckt nun hinter einem unserer Wohnmobile. Außer unseren eigenen Stimmen ist es still auf dem ganzen Platz.

Auf einmal erklingt Musik. Wo kommt die denn her? Ist das eine Aufnahme oder spielt da tatsächlich jemand…HARFE?

Wie luschern um die Ecke. Sitzt da doch der Nachbarsmann unter seinem wieder aufgebauten Planen Vorzelt und spielt leibhaftig auf einer echten, großen Harfe. Das Teil muss in seinem „Wohnwagen“ gewesen sein. Wie passt die da überhaupt rein?

Die ganze Reisegruppe ist erst mal völlig sprachlos (…was echt noch nicht vorgekommen ist), dann fällt aber auch noch vor Ungläubigkeit der Kinnladen herunter. Sehen vermutlich einen Moment recht dämlich aus, allesamt. Einen Moment nur.

Das erste Stück ist zu Ende und wir spenden fleißig Applaus. Der Mann freut sich. Das sind die Momente im Leben von Reisenden, in denen sich alles positive dieser Erde an einem Ort und zu einer Zeit vereint. Sonnenuntergang, gute Menschen um einen herum und bezaubernde Musik.

Natürlich ist es Heidi, die sich ein Herz nimmt und in der Pause nach dem nächsten Stück zu dem Mann vor seinem „Wohnwagen“ herüber geht und ihn freundlich, aber durchaus auch neugierig befragt.

Sie findet sie heraus, dass er Martin heißt und in seinem früheren Leben tatsächlich Harfen gebaut hat. Mit seinem Sohn. Auch die Harfe auf der er jetzt spiele, sei von ihm selbst gebaut worden. Doch wie es dann manchmal im Leben so läuft. Familie kaputt, Job weg (oder anders herum) und irgendwie in AUSTRALIEN gestrandet.

Während Heidi mit ihm spricht sitze ich im Stuhl und hadere mit mir selbst. Eigentlich müsste ich aufspringen, Stativ und Videokamera holen und ein Stück von ihm aufnehmen. Sollte, müsste ich ihm dafür Geld geben? Könnte er bestimmt gebrauchen. Würde ich auch geben wollen. Wie viel ist angemessen? Aber kann man (er) das auch falsch verstehen? Als Almosen? Nach dem kurzen Gespräch gestern?
Und so sitze ich da, grüble und verpasse die einmalige Chance. Denn nach Heidis Rückkehr spielt er noch ein Stück und verschwindet dann samt Harfe wieder in seinem selbst gebauten „Wohnwagen“.

Wir sehen ihn den Rest des Tages nicht mehr, auch nicht, als wir am nächsten Morgen aufbrechen.

Und so bleibt nur die Erinnerung an diese Begegnung, ein Handyfoto das Heidi mit seiner Erlaubnis gemacht hat und die Erkenntnis, das vermutlich in jedem Menschen eine Fähigkeit steckt, um die ihn andere beneiden würden.

Peter.

P.S.: Meine ehemals viel zu engen Schubladen, in die ich Erstbekanntschaften zu stecken pflegte, haben sich seit Jahren ja schon geweitet. An diesem späten Nachmittag sind sie wieder ein gutes Stück größer geworden und irgendwann, bestimmt noch zu Lebzeiten, werden sie sich vollständig aufgelöst haben und ich kann mir unbekannten Menschen ohne jedes Vorurteil und jeden Vorbehalt begegnen. Bestimmt.

Tasi 18,19: PORT SORELL und Ende!

Wenn das Ende einer Reise oder eines Reiseabschnittes naht, dann erfasst uns immer so etwas wie innere Unruhe. Eigentlich ist diese Reise nun vorbei, jedenfalls der Reiseabschnitt in TASMANIEN.

The Nut, Stanley, Tasmanien am Abreisetag

Mit STANLEY hatten wir noch mal ein echtes Highlight. Schwer zu toppen. Nun wollen wir uns nach PORT SORELL, ganz in der Nähe von DEVONPORT, dem Fährhafen, vorholen. Die Fahrt nach PORT SORELL führt uns entlang der Küste nach PENGUIN. Was für ein Marketing-Tamm-Tamm um Pinguine! Denn die Stadt ist voll davon – voll von Plastikfiguren, die einem Pinguin immerhin ähnlich sehen. Und von Touristen, die Pinguine sehen wollen.
Aber außer denen aus Plastik gibt es hier gar keine. Früher wohl mal, aber jetzt nicht mehr.

Touristin mit Pinguin

Egal.

Der Campingplatz von PORT SORELL ist riesig groß, rappel voll (weil Osterwochenende) und direkt am Wasser. Etwas lustlos besichtigen wir den Strand, hängen aber eigentlich nur schlapp herum.

Den nächsten Vormittag vertrödeln wir mit Aufräumen und sortieren. Dann viel zu früh´ nach DEVONPORT in die Warteschlange vor der Fähre.
Ich hätte ja gedacht, das die SPIRIT OF TASMANIA schon längst da sein müsste, aber falsch gedacht. Zur Hochsaison (also jetzt, OSTERN) fahren beide Fähren und unsere Nachtfähre nach MELBOURNE kommt erst am Abend (18:30) in TASMANIEN an. Um 21:00 Uhr legt sie dann schon wieder ab. Geschwindigkeit ist keine Hexerei.

Warten auf die Fähre

Die Überfahrt nach MELBOURNE ist sehr ruhig, kein Sturm, keine Welle in der BASS STRAIT.

Tja, und das war dann der Ausflug nach TASMANIEN.

Bloß nicht anecken!

Sehr lohnenswert. Vielleicht etwas zu spät im Jahr, denn es war manchmal wirklich lausig kalt. Aber so konnten wir die vielen Lagerfeuer wohl erst richtig genießen. Und die Geselligkeit der mitreisenden Eingeborenen.

Peter.

P.S.: Wer im übrigen mehr über TASMANIEN lesen möchte und einigermaßen des Englischen mächtig ist, der kann sich auch den Blog von Graham (SY MAUNIE OF ARDWALL) mal durchlesen. In jedem Fall wunderschöne Bilder. Auch mit ohne Englisch.

TASI 15,16,17: STANLEY

Wenn man sich STANLEY auf einer Landkarte ansieht, dann ahnt man zwar schon, das dies ein besonderer Ort sein muss, aber, wie immer bei unbekannten Orten: Mann (!, insbesondere) hat ja keine Ahnung!

Wir kommen bei bedecktem Himmel an, manchmal regnet es sogar. Unverschämtheit! Haben wir so nicht gebucht. Den Tag haben zunächst wir mit Fahren und Reparieren (lassen) verbracht: Der FORD RANGER hat eine Reifenpanne (seitlich angeschlitzt) und wir haben einen kleinen Steinschlag in der Windschutzscheibe. Beides auf der Durchfahrt in BURNIE sozusagen im Vorbeiflug erledigt.

The Nut, Stanley, Tasmanien, Australien, (vermutlich) Erde

Das Land im Nord-Westen ist zunächst völlig platt, am Horizont taucht ein großer Felsbrocken auf und wird wie üblich größer, als wir näher kommen. Klarer Fall von wirklich großem Felsbrocken. Umgangssprachlich wird er „THE NUT“ genannt. Der kleine Ort STANLEY schmiegt sich geschickt im Windschatten an den Felsen an. Der Campingplatz liegt dann unterhalb des Ortes am Strand. Klarer Fall von 1A Lage, TOP3 der bisher auf dieser Reise besuchten Orte. Egal, welches Wetter gerade hier herrscht.

Ja, wo isses denn, das Wohnmobil?

Das ändert sich sowieso am nächsten Tag und es wird richtig schön. Nun könnte man zwar in 45 Minuten zu Fuß „THE NUT“ besteigen, aber verlockender Weise gibt es auch einen Sessellift zum Gipfel. Also, ich wäre ja zu Fuß gegangen, aber in einer Demokratie zählen bekanntlich Mehrheiten.

Werft

In Maschinen wie alte Sessellifte muss man einfach Vertrauen haben. Die fahren den ganzen Tag, Tagein, Tagaus. Wieso sollte da gerade jetzt eine Gondel in den Abgrund stürzen? Das wäre ja wie ein negativer Lottogewinn, also so gut wie unmöglich. Mutig rein in den Sessel und schaukelnder Weise nach oben.
Geht einfacher als gedacht, aber bloß nicht bewegen. Sonst fällt man womöglich noch raus?

Der Rundweg auf dem Felsgipfel ist nahezu ebenerdig und nur zwei Kilometer lang – bietet aber in jeder Minute einen neuen grandiosen Ausblick. Also viel zu sehen und viel zu fotografieren!

Die Abfahrt ist mental weniger anstrengend als der Gipfelsturm zuvor, man gewöhnt sich ja an alles.

Den Rest des Tages verbringen wir im Auto mit dem schon beschriebenen Ausflug nach GARDINA POINT.

Mega-Sonenuntergang am Strand

Als wir zur Campsite zurückkommen, ist diese mit einem mal Rappel voll! Unglaublich. Dabei hatten wir gerade beschlossen, einen Tag länger zu bleiben. Die Eingeborenen geben ihr Bestes in der Rezeption, aber es nützt nichts. Wir müssen unseren Platz am nächsten Morgen räumen. Alles fest gebucht. Wochenende vor Ostern. Hochsaison im Winter.

Gehen wir zum Trost also erst mal aus. Das Restaurant heißt „Michael´s Restaurant on the Bay, Stanley“ und liegt direkt an der kleinen Werft. Früher hieß es wohl mal „Stanley´s on the Bay„. Die neuen Betreiber sind im Hauptberuf Farmer und servieren selbstverständlich nur lokale Speisen. Die Wirtin erinnert mich schwer an meine spanische Erscheinung im Jahr 2012. Donnerknittel, so viel positive Energie! (hier sollte eigentlich der Link auf den damaligen Beitrag sein, aber, ich kann es nicht glauben, ich finde ihn nicht wieder…Computer sind doof.)
Die wirkt sich offenbar auch auf das Essen aus. Sehr lecker, sehr gemütlich, sehr schöner Abend.

The Nut im Abendrot

Wir gehen zu Fuß zur Campsite zurück und stolpern fast über einen knallroten, monstermäßig aufgemotzten FORD RANGER auf einem Nachbarplatz. Dazu zwei Typen vor einer Gasheizung. Wie üblich in AUSTRALIEN kommen wir ins Gespräch ob des imposanten Gefährtes. Werden zu einem Drink eingeladen und verschnacken uns mal eben um zwei Stunden später am Abend. Der eine betreibt einen Bottleshop (verkauft also hauptberuflich Alkohol) und der andere exportiert Holz. So 400.000 Tonnen (?) pro Jahr, in der Regel nach China. Leute trifft man…

Nein, dieses wunderbare STANLEY können wir auf keinen Fall verlassen und so vorholen wir uns am nächsten Morgen einfach nebenan auf die Wiese des örtlichen Golfklubs. Ebenfalls direkt am Strand. Kein Klo, kein Strom, aber nur 10 AUS$ pro Nacht. Alles klar! Wir verabreden einen ruhigen Tag, was für mich so viel bedeutet wie:

BLOG SCHREIBEN!

Peter.

Roadkill

Was für ein cooles Wort: „ROADKILL“

Mal platt zerlegt und ins Deutsche übersetzt: „STRASSEN TÖTUNG“.

Ohhh, Tötung!

Ohhhhhhhhh, noch viel schlimmer, Straßen!

Das Straßen an sich töten können vermag ich nicht zu glauben. Es muss sich wohl eher um die Fahrzeuge auf den Straßen handeln, die da töten. Also PKW´s, LKW´s, Road-Trains (sehr lange LKW´s in AUSTRALIEN) oder auch Wohnmobile wie wir gerade eines fahren.

Stellen wir also fest: Fahrzeuge auf Straßen töten. Manchmal jedenfalls.

Eigentlich nicht neu, oder? Unfälle passieren allerorten, jederzeit. Manchmal eben auch tödlich. In Deutschland sind im Jahr 2018 3.265 Menschen tödlich verunglückt. 9 Menschen pro Tag, in ganz Deutschland.
Wusste ich auch nicht – bis ich das für diesen Beitrag recherchiert habe. Obwohl die Zahl deutlich niedriger als 1980 ist (über 15.000!!!), sind das doch immer noch ganz schön viele Menschen, die da ihr Leben auf den Strassen verlieren.

Statistisch (nicht absolut) sind die Zahlen für menschliche Verkehrstote in AUSTRALIEN ähnlich. Hätte ich auch nicht anders erwartet. Westlich industrialisiert. Viele Autos, viele Straßen.

Aber „ROADKILL“ meint nicht die vielen getöteten Menschen, die auf den Straßen dieser Welt sterben.

Abends, vor ein paar Wochen in STANSTHROPE: Wir sitzen gemütlich in großer Runde (ca. 20 Personen) in einer Art Campingstuhlkreis und erzählen uns gegenseitig Geschichten. Steven ist ein stattlicher Mann in den 50igern und betreibt einen kleinen Steinbruch in der Nähe von WARWICK, aus dem er Steine, Sand und Kies fördert und verkauft. Seit vielen Jahren schon. Steven sitzt direkt neben mir, dem großen Deutschen Kerl. Heidi sitzt ein paar Stühle weiter, zwischen den Frauen. So beginnt er also irgendwann seine Erzählung. Sie handelt von seiner ersten Begegnung mit einem Deutschen.
Ein paar Jahre ist es her, irgendwo im Outback AUSTRALIENs. Steven war mit seiner Frau mal wieder auf Wohnwagentour und saß am frühen Abend in einer Kneipe am Straßenrand. Im Outback auch mal ROADHOUSE oder STATION genannt. Soweit alles ruhig und beschaulich, wie eigentlich alles, was im Outback passiert…

…kommt ein Mann zur Tür reingestürmt und ruft: „I need a Doctor, I need a Doctor!“

Schlagartig ändert sich die die Stimmung der Gäste in der Kneipe. Statt ruhiger Beschaulichkeit auf einmal Betroffenheit! Oh Gott, was ist dem Mann wohl passiert? Ein schlimmer Unfall? Herzinfarkt?

Der Wirt nimmt unverzüglich die Sache beherzt in die Hand und fragt den noch in der Tür stehenden Mann ruhig und sachlich: „What happend?“

Der Mann ruft erneut, fast schon verzweifelt: „I need a Doctor!“ Offenbar kein Australier. Akzent und gestelzt. Ein Deutscher?

Der Wirt nochmal, ganz ruhig aber bestimmend, wie gute Kneipenwirte nun mal so sind: „What happend?“

Der Mann: „I need a Doctor, I need a animal Doctor!“

Stille, kurze Verarbeitung der neuen Information. Die halbe Kneipe lacht spontan, Steven auch. Die andere Hälfte der Gäste grinst nur. Denn allen ist sofort klar, was passiert sein wird. Nur der Mann in der Tür ist nun völlig aus dem Häuschen – wieso lachen die Leute ihn aus? Liegt es an seiner Sprache? An seinem Aussehen? Der Wirt versucht es noch einmal mit direkter Ansprache und findet schließlich heraus, das der Mann mit seinem gemieteten Wohnmobil ein Känguru angefahren hat. Das liegt nun verletzt am Straßenrand – sterbend in den Armen seiner Frau, die alleine auf der dunklen Straße zurück geblieben ist. Schuldbewusst will er das Tier retten – mit einem Tierarzt.

Das Problem: Selbst wenn man einen Tierarzt finden würde, er würde nicht mit raus kommen um ein Känguru zu retten.

Durch „ROADKILL“ angefahrene und/oder auch direkt getötete Tiere bleiben einfach an Ort und Stelle liegen. Leben sie noch, verenden sie elendich. Die Meisten sind aber sofort tot, bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 100 KM/h. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung sind die Tiere in der Nähe oder auch auf den Straßen unterwegs. Dadurch das sie so schnell sind und unvorhersehbar die Richtung ändern, können die Autofahrer auf den Straßen nicht bremsen oder ausweichen.
Kängurus werden im allgemeinen als Ungeziefer, als lästige Plage empfunden.

Also bleiben die leblosen Körper an- und auf den Straßen einfach liegen. Bis die Geier, oder hier eher die Raben kommen und das Frischfleisch genüsslich verspeisen. Die Sonne am Tage brutzelt das rohe, blutige Fleisch und irgendwann bleibt nur noch der Kadaver zurück.

Es gibt meines Wissens keine offizielle Statistik darüber, wie viele Kängurus im Jahr auf den Straßen AUSTRALIENS getötet werden. An einigen Tagen haben wir auf einer 300 KM Etappe vielleicht 20 tote Kängurus gezählt. Zählen geht einfach, denn man muss den leblosen Körpern auf der Straße gehörig ausweichen. Wenn Gegenverkehr ist, auch mal scharf bremsen. Denn das sind schon gehörig große Tiere, die man nicht einfach so überrollen kann – auch wenn sie schon tot sind.

„ROADKILL“ erklärt denn auch, warum die Road-Trains oder die vielen PickUps so gewaltige Stoßstangen vor sich her fahren.

Wir oder das Tier.

Peter.

P.S.: Keine Bilder von den toten Tieren.