Zur Lage XXXV

Fünfundreißig Lageberichte. Genauer: „Segel(boot) Lageberichte“.

Nun, es ist Wintersaison und wir waren bekanntlich in diesem Jahr gar nicht segeln. Also kann der Skipper auch nichts kaputt gemacht haben, denkt der Laie. Die Fachfrau hingegen ist sicher, das der Skipper doch irgendwie Verursacher der aktuellen STORMVOGEL Baustelle sein muss. Und sei es nur der Umstand, das er das Boot mal gekauft hat.

Mobile Schweißerwerkstatt

Der letzte Blogeintrag zu diesem Thema liegt nun schon drei Monate zurück und eigentlich ist in dieser Zeit nicht wirklich viel am Boot selbst passiert. Dafür haben schlaue Köpfe gearbeitet. Doch der Reihe nach:

Alte Rumpfsektion

Nach dem der Ballast komplett entfernt wurde, hat die Werft die beschädigten Stellen mittels Sandstrahl komplett innen und außen gereinigt…danach mussten Heidi und ich den Dampfer vom Sandstrahlen reinigen..trotz Arbeitszelt, Abdeckung und so weiter: Was für ein Dreck! 😉

Großes, für eine Zeit gewolltes Loch im Aluminiumrumpf
Die herausgetrennte Bordwand, Innenseite

Dann schlug die Stunde der Experten: Ein Bootsbau-Gutachter, ein Elektrik-Gutachter und ein Werftchef für die Aluminiumarbeiten. Der Werftchef hatte ja schon im Frühjahr die Steuerbord-Anodentasche als Ursache des Übels ausgemacht. Nun haben die beiden Gutachter sich ebenfalls auf dieses Bauteil als auslösende Ursache fest gelegt. So zerstört wie die sei, könne es gar nicht anders sein. Geht es also demokratisch zu, war es die Anodentasche.

Die alte, herausgetrennte Anodentasche von ihrer Schokolandenseite

Was die beiden Gutachter aber auch sagten:
Teile der Steuerbord-Bordwand müssen erneuert werden. Und ein paar Bodenwrangen auch. Befürchtet hatten wir das ja schon, nun aber quasi amtliche Gewissheit.

Die alte herausgetrennte Anodentasche: Grausame Innenansicht

Jetzt konnten wir die Reparaturpläne also konkretisieren, Aufwände und Kosten ermitteln – und einmal mehr die Entscheidung „Abbruch“ oder „Weitermachen“ treffen. Hilfreich bei dieser schweren Entscheidung waren die Gutachter, aber auch Makler in Deutschland und den Niederlanden. Allgemeiner Tenor: „Ja, das Boot hat nun einen Makel, aber der Schaden kann gut repariert werden und ein möglicher neuer Eigner hat die Gewissheit, das er ordentlich behoben wurde“.

Also: Weitermachen.

Die Mitarbeiter einer auf Aluminium Boots- und Schiffbau spezialisierten Werft aus Hamburg rückten mit schwerem Gerät nach Glückstadt an und schnitten die beschädigten Aluminiumplatten erst mal raus. Feststellung: Rumpfstärke in diesem Bereich 6mm. Das ist echt ein Brett. 6mm Aluminium…

Na prima!

Hatten wir also erst mal für ein paar Tage ein riesiges Loch im Boot.

Aber wirklich nur für ein paar Tage. Denn wenn die Aluminiummenschen erst mal los legen, dann kann man sie kaum halten. Montags angefangen, Freitags fertig geworden. So lieben wir das!

Die neue Bordwand, noch provisorisch angeheftet

Tja, und nun haben wir per heute **KEIN** Loch mehr im Boot. Kein kleines, kein großes. Wie schön!

Obwohl:
Der Beweis der absoluten Dichtigkeit steht noch aus. Durch einen Schwimmtest (gesichert, im Kran) soll im nächsten Schritt physisch überprüft werden, ob der reparierte Rumpf wirklich zu 100% dicht ist. Aktuell herrscht allerdings gerade Hochbetrieb in der Werft – andere Boote wollen ins Winterlager und wir können für den Schwimmtest den Kran nicht mal eben ein paar Stunden blockieren. Also warten wir geduldig, bis die große Welle vorbei ist.

Neben dem aufregenden großen Loch wurde aber auch im Detail geschweißt: Die Materialstärke des Kielkastens beträgt 10mm, die des Kiels 12mm. Eigentlich, so die Experten müsse dort nichts aufgedoppelt werden, aber der Optik wegen sei es auch nicht verkehrt. Also wurden dort kleine Aluminiumplatten flächig aufgesetzt.

Aufdopplungen an Kielkasten (links) und Kiel (rechts)

Ferner haben wir nun an der tiefsten Stelle im Bleiballast ein Aluminiumrohr, das als Peilrohr wirken soll. Zu Wartungszwecken kann in zukünftigen Winterlagern damit überprüft werden, ob der Bleiballast wie erforderlich trocken liegt, oder ob Schwitzwasser o.ä. vorhanden ist.

Peilrohe (unten, links)

Erst nach dem Schwimmtest geht es dann mit dem Wiedereinbau des Bleiballasts weiter. Doch das wird ein neuer Lagebericht.

Für heute noch wichtig zu erwähnen: Es gibt einen Fertigstellungstermin: 20/02/20

Das Datum ist cool, oder?

Peter.

 

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