Bourke / Kidmans Camp

Die gut 800 Kilometer nach BOURKE, die zwischen uns und der ehemaligen Metropole für Schafswolle liegen, schaffen wir natürlich nicht an einem Tag. Daher machen wir unterwegs nördlich von HILLSTON auf einer Freecampsite am LACHLAN RIVER Station. Das ist wohl das eigentlich tolle an unserer Wohnmobiltour durch AUSTRALIEN: Wir können quasi überall anhalten und übernachten – sehr oft an landschaftlich reizvollen Orten.

LACHALAN RIVER

Letzten Endes geht es aber nun nicht mehr darum, noch viel zu entdecken. Es geht nur noch darum, so angenehm wie möglich Kilometer zu fressen, denn jede Reise geht einmal zu Ende. So auch diese.

Freecamp nähe HILLSTON

Mal wieder per Zufall landen wir im KIDMAN’s CAMP, am Ortsrand von BOURKE gelegen. Recht nett angelegter Campingplatz, mit Fluss in der Nähe, der ist aber gerade nahezu ausgetrocknet. Soweit wäre dieser Beitrag also hier erledigt und wir könnten lesender Weise weiter reisen…

…wenn da nicht die Dame am Empfang des KIDMAN´s CAMP erwähnt hätte, das am Abend ein „Campfire Poetry & Outback Dining“ stattfinden würde. Für 20 AUS$ gäbe es was zu Essen und sehr gute Unterhaltung. Und Lagerfeuer, natürlich.
Kurze Abstimmung: 4:0 – da gehen wir hin. Wie so ungefähr 40 andere Camper auch. Bauen unsere mitgebrachten Stühle in großer Runde um ein Lagerfeuer auf, dunkel ist es sowieso schon und das Feuer spendet eher schummrig gemütliches Leuchten denn Licht. Die Temperatur ist nicht feststellbar. Nicht zu kalt, nicht zu warm.

Musik. Gedichte und was zu Essen am Lagerfeuer: KIDMANS CAMP

Eine Frau stellt sich als GLENY RAE VIRUS kurz vor und beginnt zunächst mit der Geige und Gesang ein Liedchen zum Besten zu geben. Sehr stimmungsvoll, sehr schöne Musik. Gleny Rae ist offenbar Feministen, denn direkt im zweiten Lied, „Lady Bushranger“ geht es darum, das (natürlich) längst nicht alle Helden AUSTRALIEN´s vergangener Tage Männer waren. Natürlich gab es auch Frauen, die im Outback ihr Leben verbrachten. LADY BUSHRANGER kann man sich lustiger Weise auch mal bei YOUTUBE anhören. Lustig, weil irgendjemand dieses Lied gerade erst hoch geladen hat. Also ich war es nicht!
Gleny Rae singt (sehr schön), spielt dazu Geige, Gitarre und Akkordeon, nacheinander. Irgendwann ist Pause und es gibt was zu Essen. Eintopf, lecker. Hat sie wohl nicht selbst gekocht, aber Peter, der Veranstalter. Der Mann ist von fürchterlichem Parkinson geplagt und man wundert sich, das das Essen, das er zusammen mit Gleny Rae auf die mitgebrachten Teller füllt, nicht gleich auf dem Boden landet.
Wer was (…was auch immer) trinken wollte, musste sich seine eigenen Drinks mitbringen. Gabel und Löffel auch. So einfach und rustikal kann man einen wundervollen Abend gestalten!

Gleny Rae Virus mit Akkordeon

Irgendwann nach der Pause dämmert mir allerdings, das Gleny Rae wohl auch eine von diesen GREENIE’s sein muss. Denn ihre Lieder werden politischer, die einleitenden Ansagen auch. Lehrerin war sie auch mal. Richtig in Fahrt kommt sie mit einem Protestsong gegen ein Bergbauunternehmen – spätestens da fühle mich mal wieder in Geiselhaft genommen. Keine Ahnung, ob das Bergbauunternehmen GUT oder BÖSE ist, aber ich möchte nicht mittels Musik eine fremde persönliche Meinung eingetrichtert bekommen. Machen ja viele Künstler. Künstler haben immer eine Botschaft, wenn nicht, sind sie i.d.R. auch nicht wirklich erfolgreich. Botschaft gehört zum Geschäft.
Nun denn, die Eingeborenen sehen es viel toleranter und dann ist der Abend ja auch schon fast gelaufen.

Gleny Rae Virus mit Gitarre

Und obwohl sich meine Freude am Ende etwas legte, habe ich ihr beide CD´s

und eine Dritte, aber nur noch als Download verfügbare Veröffentlichung, abgekauft. Nicht nur aus Anstand. Die Musik war wirklich gut und wenn man vielleicht nicht jedes Wort und nicht jedes Wortspiel versteht, wird ja auch alles gut.

Vielleicht.

Peter.

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