TASI 12,13: Nach WARATAH

Unser weiterer Weg führt uns nun wieder nach Norden. Gemächlich, natürlich. So wollen wir erst mal am Ufer des Stausee´s LAKE PIEMAN auf einer Freecampsite nächtigen, nachdem wir STAHAN verlassen haben. Recht einsame Gegend hier. Kaum ein Auto – und wenn, dann nur Arbeiter die Stromleitungen oder, Überraschung, Windkraftanlagen bauen. Jedenfalls haben wir Hinweisschilder auf VESTAS gelesen.

HENTY DUNES, TASMANIA

Unterwegs machen wir kurz Stop an der HENTY DUNES. Düne…so steht es jedenfalls in der Karte. Nichtsahnend klettern Paul und ich also sehr mühevoll die Düne hinauf, die Ladies bleiben unten, und wir erwarten zur Belohnung nach dem Aufstieg direkt dahinter liegend das Meer.

Nix da.

Nix MEER.

Nur noch MEHR Sand.

Viel MEHR Sand.

HENTY DUNES, TASMANIA

Und erst ganz hinten, am Horizont dieses Sandmeeres sieht man das Echte Meer. Gigantischer Sandhaufen, könnte man auch dazu sagen. So gigantisch, das dieser offenbar sogar abgebaut wird, jedenfalls sehen wir in einer Ecke Bagger und große Sandabbrüche. Zum Meer schaffen wir es nicht. Viel zu anstrengend. Also zurück zu den Autos und weiter.

Weiter durch die Einsamkeit, auf sehr kurvenreicher Strecke. Der PIEMAN Damm ist spektakulär und wohl auch schon recht alt. Robbie ist schon viel früher da, weil er sich die Düne nicht angesehen hat. Und filmt unsere Staudamm-Passage mit der Drohne. Recht beeindruckende Bilder, später vielleicht einmal für alle zu sehen.
Das obligatorische Campfire am Abend bereitet Sorgen. Nur nasses bis triefend Nasses Holz um uns herum. Kann ja wohl nicht sein! Der Einsatz der ganzen Reisegruppe ist nötig, um halbwegs brennbares Material heran zu schaffen. Der Lehrling aus Deutschland lernt: Amber ist wichtig! Mit genug Amber brennt alles. Amber, damit ist die Glut gemeint und die lässt sich auch mit kleinen Stöcken und Laub erzeugen. Und so brennt irgendwann mal wieder ein richtig gutes Feuer. Ist auch sehr wichtig, denn sobald die Sonne weg ist, wird es sch…. kalt.

Nach CORNINNA

Am nächsten Morgen trennen sich kurz unsere Wege. Die beiden Wohnmobile werden nach CORINNA fahren und dort die Barge (kleine Fähre) über den PIEMAN RIVER nehmen. Das große Wohnmobilgespann von Robbie passt da gar nicht erst drauf, denn der maximale Achsenabstand ist 9 Meter. Zugwagen und Anhänger bringen 15 Meter zusammen – und drei Tonnen Anhänger können wir auch nicht schieben. Also getrennte Wege nach WARATAH.

CORINNA, TASMANIA

Die Fahrt nach CORINNA ist schon gut. Langsam, wegen der vielen Kurven auf kleiner Straße, aber gut, weil so einsam. Die Fähre dann der Abenteuer-Hit schlechthin. Man klingelt und irgendwann setzt sich dann der Fährmann mit der Seilfähre in Bewegung. Das Gefährt ist aus großen Fässern oder ähnlichem gebastelt. Schwimmt aber. Jedenfalls mit einem Wohnmobil. Auf der anderen Seite angekommen, erst mal einen Kaffee im Buschhaus. Eine Campsite, Parkplätze und ein Schuppen für Kanus, mehr ist CORINNA eigentlich nicht. Ach ja, wunderschön gelegen ist es auch!

Fähre in CORINNA, TASMANIA

Das Wetter hält sich noch super gut, doch je weiter wir nun nach Osten vordringen und dabei auch noch Höhenmeter gewinnen, um so schlechter wird es. Bedeckter Himmel, manchmal Schauer und vor allem, ganz widerlich kalt.

So abweisend empfängt uns die historische Industriestadt WARATAH denn auch und ich frage mich, warum wir zur Hölle in dieses verschlafene, trostlose Nest gekommen sind? Von Industrie zeugen nur noch Hinweistafeln und hier und da mal eine alte verrottete Anlage. Aber sonst? Was sollen wir hier?

Kreuzung in WARATAH

Wie wäre es mit dem bekannten THE BISCHOFF HOTEL am Orte? Macht zwar erst um 3 Uhr am Nachmittag auf, aber dann gibt es Bier und ab 6 sogar Abendessen. Einfaches Kneipenessen, aber gut. Dazu ein offener Kamin, Leute die Dart spielen und unsere Reisegruppe, die, mal wieder, Karten spielt. PHASE 10 . Wer hätte das gedacht?

Alte, nicht mehr passierbare Brücke in WARATAH

Nun, und da ist dann diese ältere, völlig übergewichtige Frau, deren alter NISSAN kurz nach dem Hotel auf der Hauptstraße seinen Geist aufgegeben hat. Steht da hilflos und nur im T-Shirt und Hose bekleidet in der Kälte und weiß sich nicht zu helfen. Die beiden Ingenieure unserer Reisegruppe beobachten ihr Treiben, ziehen die Jacken über und gehen schließlich zu ihr hinüber. Und obwohl absolute Experten ihres Faches gelingt es ihnen nicht, den Motor wieder anspringen zu lassen. Die Frau ist zwar dankbar, aber meint auch, sie kümmere sich selbst. Unverrichteter Dinge ziehen Robbie und Paul wieder ab. Machen sich aber Gedanken, denn nun ist es schon fast dunkel und wirklich lausig kalt.
Kurze Zeit später erscheint die Frau im Hotel, bestellt einen Kaffee und fragt, kaum hörbar, nach dem Preis für ein Zimmer für eine Nacht. Offenbar keine Hilfe von Familie oder Freunden in Sicht? Wir Deutsche haben das nicht verstanden (aufgrund der Sprache) aber aus der Antwort der Frau auf die die 20 Dollar Ansage pro Nacht im Backpackerraum der Wirtin schließen die mitreisenden Eingeborenen, das dies der sehr übergewichtigen Frau viel zu teuer (…und vermutlich auch zu unangenehm) sei.
Die Frau verschwindet wieder in ihr Auto, wir spielen weiter Karten, Essen und nach zwei Stunden sind wir müde und wollen wir zurück.

Das Auto der Frau steht immer noch an gleicher Stelle, sie darin.

Die ganze Reisegruppe ist innerlich vom Helfersyndrom beseelt, aber keiner macht den ersten Schritt. Wir alle stehen schon vor der Tür und frieren fürchterlich im eisigen Wind. Da geht Paul zurück, redet mit der Wirtin – und gibt ihr, nicht der Frau im Auto, 70 Dollar für ein Zimmer und ein Essen für die Frau im Auto. Dann geht er zu der Frau im Auto, sagt ihr kurz das alles organisiert sei und sie nun selbst entscheiden könne, was sie mache. Die Frau lehnt weitere Hilfe ab, weiß aber nun, das das Hotel noch ein paar Stunden auf hat und sie dort gut versorgt schlafen kann.

Mit ruhigem Gewissen kehren wir alle zu unseren Autos zurück und gehen ins Bett.

Mehr kann man nicht tun.

Museum in WARATAH

Das Auto der Frau können wir von unserem Platz aus nicht sehen, als wir uns am nächsten Morgen fertig zur Abfahrt machen. Ist ja immer so eine Art Ritual, dieses gemeinsame Abfahren.

Gegen 9:30 kommt die Wirtin des THE BISCHOFF HOTEL vorbei und gibt Paul die 70 Dollar zurück – die Frau im Auto sei nicht gekommen. Was ist mit ihr passiert? Die Wirtin glaubt, sie ist von ihrer Tochter in der Nacht abgeholt worden. Alles sei gut.

Tja, das ist es wohl in der Tat. Nur gute, ehrliche Leute um einen herum. Alles ist gut. Oder wie die ehemals von mir sehr verehrte Band BAP damls in einem anderen Zusammenhang völlig entspannt sang: „Alles im Lot“.

Alles wird gut, alles im Lot.

Peter.

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