TASI 10,11: STRAHAN und GORDON RIVER TOUR

Fragt man Eingeborene nach dem Besten Ort auf TASMANIEN, wird sehr oft STRAHAN genannt. Denn hier, ganz im Westen der Insel kann man mit dem Schiff zur GORDON RIVER TOUR starten – und die sei nun mal sensationell. Wirklich!

Menschen, Tiere, Sensationen!

Da wollen wir hin!

Unser frostiges Nachtlager am RIVER DERWENT ist schnell abgebrochen und wir gehen früh´ am Morgen, also so gegen 9:00 Uhr, zurück auf die Piste. Die Anreise nach STRAHAN ist an sich schon ein Highlight. Sehr gut in Erinnerung bleibt die spektakuläre Abfahrt zum LAKE BURBURY. Nach langer kurvenreicher Waldfahrt mit eingeschränktem Sichtfeld auf den Horizont unvermittelt endlose Weite, Berge am Horizont und strahlend blaues Wasser!

LAKE BURBURY
IRON BLOW

Kaum haben wir dieses vermeintliche Tal passiert, geht es schon wieder bergauf. In der Nähe des Ortes GORMANSTON liegt eine alte Eisen- und Kupfermiene. Der IRON BLOW Aussichtspunkt ist atemraubend, denn man steht wie auf einem 10 Meter Sprungturm im Schwimmbad und schaut in die Tiefe – reinfallen möchte man in das smaragdgrüne Wasser allerdings nicht. Kommt man wohl nicht so leicht wieder raus. Keine Badeleiter erkennbar. Die Miene sieht aus, als ob sie gerade erst gestern verlassen wurde. Tatsächlich wurde aber der Betrieb schon vor gut 90 Jahren eingestellt. Auf der anderen Seite des Berges, in der Region QUEENSTOWN, wird noch Erz gefördert.

Sprungturm

Nach dieser spektakulären Anreise sind wir bei Ankunft auf dem Campingplatz von STRAHAN etwas enttäuscht. Komische Anlage, mehr Cabins (feste Hütten) als Stellplätze, bei der Platzvergabe ist kein System zu erkennen und die Dame an der Rezeption hat alles durcheinander gebracht und uns schon gestern erwartet. Daher will sie drei statt zwei Übernachtungen abrechnen. Eigentlich ist das ja alles auch egal, denn wir sind ja hier zur GORDON RIVER TOUR und nicht „zum auf dem Campingplatz herum sitzen“.

GORDON RIVER

Die Schiffsreise von STRAHAN aus dauert gut sechs Stunden und startet bereits um 9:30 Uhr. Wir haben, im stillen Einverständnis aller Reisenden, die Luxusvariante mit vollem Catering gebucht. Entsprechend teuer die Nummer – die vielen Familien mit Kindern können oder wollen sich das nicht leisten und sitzen unten. Auch in dieser Hinsicht hat alles seine Zeit.

Das Schiff SPIRIT OF THE WILD der Reederei GORDON RIVER CRUISES ist fast nagelneu und entsprechend ultramodern. Der Kapitän erzählt gleich zu Beginn stolz, das das Schiff mit DEUTSCHER Antriebstechnologie ausgerüstet sei – es hat einen komplexen Dieselelektrischen Antrieb!
Wir werden schließlich den WEST COAST Nationalpark befahren, da will man als Reederei offenbar seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Oder muss es sogar. Erst Recht wenn überall steht: „100% locally owned and operated“. Das ist die gleiche allgegenwärtige Nummer wie „100% Australia“ – ganz klare Abgrenzung zu internationalen Konzernen und Produkten.

Die Strecken über die MACQUAIRE HARBOUR genannte riesige Lagune sind recht lang, da braucht man schon eine Geschwindigkeit von über 20 Knoten um uns Gäste in vertretbarer Zeit herum zu kutschieren.

HELLS GATES (eigentlich sind es zwei Einfahrten), Seewärts
HELLS GATES (Landwärts)

Zunächst geht es mit Vollgas zum HELLS GATES, der schmalen Durchfahrt, die den MACQUAIRE HARBOUR vom INDISCHEN OZEAN trennt. Die Ebbe läuft und die Strömung ist wirklich gigantisch. Vorsichtig, mit langsamer Fahrt lässt der Kapitän sein Schiff von der Strömung durch die Einfahrt ziehen und schwups, sind wir auf dem offenen Meer! Wir sind auf dem INDISCHEN OZEAN! Wie bestellt taucht ein Segelboot auf – falls es einlaufen will, wird es wohl noch etwas warten müssen: Gegen die Strömung kommen solch kleine Boote nicht an. Unser großer Dampfer schon.

Fischfarm im MACQUAIRE HARBOUR

Wir lernen:
Eigentlich hätte MACQUAIRE HARBOUR der wichtigste Hafen von TASMANIEN werden können/sollen. Doch als die mit Eisenerz beladenen Schiffe immer größer wurden und 3.000 Tonnen Kapazität je Schiff erreicht waren, konnten die Schiffe nicht mehr sicher das HELLS GATE passieren (was ohnehin nur bei gutem Wetter möglich war & ist). Es gab Überlegungen, die Felsen der Einfahrt weg zu sprengen und die Fahrrinne zu verbreitern – wollte aber keiner bezahlen. Also schlief die Schifffahrt im MACQUAIRE HARBOUR wieder ein. Fast jedenfalls. Schließlich gibt es noch die Touristenschiffe und riesige Fischfarmen. Denn das extrem geschützte Revier ist ideal für die kommerzielle Fischzucht geeignet. Offen bleibt, ob hier nicht schon wieder übertrieben wird. Gerade noch OK oder schon zu viel Fischfarmen? Wie viel Zucht verträgt das Wasser? Betreiber und GREENIES streiten…

GORDON RIVER Mündung

Mit sehr schneller Fahrt zur Flussmündung. Auf dem GORDON RIVER selbst wird dann tatsächlich mit Batterie gefahren. Langsam. Völlig still ist es aber nicht an Bord, denn ein kleiner Hilfsdiesel betreibt die Lüftung für den Maschinenraum. Dennoch: Was für ein großer Unterschied im Fahrverhalten, fast schon wie auf unserem STORMVOGEL, wenn wir die Segel setzten und den Brüllaffen abstellen…

GORDON RIVER

Die Flussfahrt ist eine Reise durch einen Urwald, der nie durch Straßen, nie durch Ortschaften erschlossen wurde. Völlig unberührt. Im unbewegt vor uns liegenden Flusswasser spiegeln sich die Wolken. Extra für uns Touristen hat man mitten im Urwald einen Anleger und einen kurzen Rundgang durch den Urwald gebaut. Immerhin sind heute gut 100 Passagiere unterwegs und die beiden Tourguides erläutern brillant die Umgebung. OK, der Rundgang hat was, aber es ist so schrecklich beklemmend still! Gespensterhaft ruhig. Ist das nicht komisch, in einem Urwald?
Also den Tourguide fragen: Diese erklärt, das es hier unten am Boden viel zu feucht und zu dunkel sei, um eine Geräusche machende Tierwelt zu beherbergen. Hmmm, kann das wirklich so sein?

Flussaufwärts geht es für uns nicht weiter und wir düsen nach passieren der Mündung wieder mit Höchstgeschwindigkeit durch den MACQUIRE HARBOUR. Nach SARAH ISLAND. Schon wieder ein Gefängnis – oder besser eine Gefängnisinsel.
Schon wieder, könnte man meinen. Doch SARAH ISLAND ist sozusagen die Mutter aller Gefängnisse in AUSTRALIEN und TASMANIEN. Hier wurde das Prinzip des offenen Arbeitslagers erstmals umgesetzt. Angeblich sind irgendwann einmal 10 Gefangene spektakulär mit einem hier offiziell von den Sträflingen gebauten Schiff abgehauen – und tatsächlich bis AMERIKA gekommen! Unglaublich, oder? So unglaublich, das man ein kleines Theaterstück mit dem Titel „THE SHIP THAT NEVER WAS“ daraus gemacht hat. Das wird Abends in STRAHAN aufgeführt und ich wäre wirklich gerne da hin gegangen, denn einer der hervorragenden Tourguides spielt dort mit. Doch es ist eine kleine Open Air Bühne und es ist lausig kalt. Keiner will mit und mir selbst ist ja auch kalt. Echt kalt.

SARAH ISLAND war also sozusagen die kleine Blaupause für PORT ARTHUR – und wurde geschlossen, nach dem man sich für die größere Anlage in PORT ARTHUR entschieden hatte – das haben die uns in PORT ARTHUR nicht erzählt! Billige Kopie oder was? Der Umzug wird natürlich durchaus seinen Sinn gehabt haben. SARAH ISLAND war nicht wirklich geeignet. Zu Felsig, zu uneben, zu klein. Da mussten die Sträflinge erst mal künstlich die Insel vergrößern um ein flaches Gebiet für den Werftbetrieb zu schaffen. Trinkwasser musste täglich in Booten vom Festland geholt werden. Von Sträflingen, natürlich. Zwei Problemchen dabei: Einige hauten einfach ab, andere wurden von wilden Tieren getötet.

Wir haben die GORDEN RIVER TOUR in vollen Zügen genossen, nicht nur wegen der gebuchten Luxusklasse. Einmal mehr haben mich die sehr engagierten Tourguides beeindruckt. OK, es werden einstudierte Texte sein, die sie sprechen. Aber so pointiert, so plakativ, das ist selten. Das geht weit über den normalen Fremdenführer hinaus und ist schon fast ein Schauspiel. Toll gemacht, wirklich sehr gut und jeden Dollar wert!

Zu Fuß kehren wir zum Campingplatz zurück…

…und Zack, schon wieder einen tollen Tag erlebt.

Peter.

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