TASI 5,6: PORT ARTHUR

PORT ARTHUR liegt im Südosten der Insel TASMANIEN und ist zu Lande nur über den 60 Meter Breiten EAGLEHAWK NECK zu erreichen.

Prima, dachten sich die Engländer, in deren Besitz AUSTRALIEN und TASMANIEN vor über 200 Jahren war! Da richten wir dort doch einfach ein Gefängnis für unsere nach AUSTRALIEN exportieren Straftäter ein und wir müssen nur dieses gut 60 Meter breite Stück Land am EAGLEHAWK NECK ernsthaft bewachen.

PORT ARTHUR

Nun war es bereits damals schon so, das man als Gefangener nicht einfach so in seiner Zelle vor sich hin dösen konnte, nein nein, man musste durchaus 10-12 Stunden am Tag, arbeiten! Die Halbinsel TASMAN PENINSULA war dicht bewaldet – gutes HUON PINE Holz in rauen Mengen! Das Holz ist mit natürlichen Ölen getränkt und ideal für den Schiffbau. Also bauten die Straftäter Schiffe. Große und kleine. Natürlich ohne Bezahlung und daher waren die Schiffe konkurrenzlos günstig. Überhaupt: „Straftäter“. Nach heutigen Maßstäben noch nicht mal Kleinkrimminelle. Leute, die ein Stück Brot geklaut haben, weil sie nichts zu Essen hatten. Oder Kinder, die Spielzeug stahlen. Aber, natürlich, auch echte Übeltäter.

PORT ARTHUR

Woher ich das alles weiß?

Von Robert, dem Introducing Tourguide!

Das haben die in PORT ARTHUR recht klug gemacht. Statt die Besucher stumpf auf die Runde zu schicken, kann jeder, der will, an einem einstündigen Einführungs-Rundgang teilnehmen. Darin erzählt Robert von PORT ARTHUR und den Menschen, die hier lebten. Das macht er ganz famos in freier, klarer und lauter Rede. So plakativ, das man selbst mit mäßigen Englischkenntnissen gut folgen kann. Zu beginn erst mal ein paar Verhaltensregeln, Drohenverbot und so weiter.

Dann die Vorstellung der einzelnen Abschnitte der riesigen Anlage, die wohl die perfekte Kulisse für einen Film abgeben könnte. Und natürlich die Erwähnung des PORT ARTHUR Massenmordes von 1996 und der Hinweis darauf, das es absolut unerwünscht sei, den Namen des Massenmörders auf dem Boden der Anlage stehend, zu erwähnen. Finde ich gut – obwohl ich mich ernsthaft frage, wieso ich diesen Massenmord nicht kenne. 1996. Mist, das ist verdammt lange her. Würde mich wohl auch jetzt nicht besonders berühren, wenn ich mich nicht gerade so intensiv mit UTOYA auseinander gesetzt hätte. Auf den ersten Blick viele Ähnlichkeiten, wenn man sich etwas einliest dann doch nicht. Zum Glück aller. Dennoch. 36 Tote sind viel zu viel.

PORT ARTHUR

Nun, Massenmord soll nicht schon wieder ein Thema dieses Blogs werden und daher blenden wir den auch schnell wieder aus. Fast schon spaßig ist die Schilderung der Lebensumstände: Die Gefangenen bekamen drei Mahlzeiten am Tag und eine Einzelzelle. Die bewachenden Soldaten hingegen bekamen auch drei Mahlzeiten, aber nur halbe Ration! Schließlich mussten sie ja „nur“ bewachen und nicht körperlich arbeiten. Ihre Unterkunft war ähnlich groß wie die Einzelzellen der Gefangenen, aber sie mussten sich den Raum mit einem anderen teilen. Einer im Bett, einer davor auf dem Boden liegend. Na toll!

PORT ARTHUR

Die Dritte Gruppe von Menschen war die kleine Ansammlung der „Manager“: Buchhalter, Ärzte, Priester und die Anstaltsleitung. Die wohnten britisch vornehm auf einem Hügel in schön kuscheligen Häusern. Logisch: Wenn man schon am Ar… der Welt arbeiten muss, dann wenigstens schön. Denn die Meisten waren beim Militär und nicht gerade freiwillig hier. Sehr wenige Frauen und noch weniger Kinder – freie Kinder.

PORT ARTHUR

Robert erzählt aber auch davon, das man durchaus ernsthaft versucht hat, die Sträflinge zu resozialisieren. Bei einigen ist das sogar sehr gut gelungen und sie wurden erfolgreiche Unternehmer in TASMANIEN. Andere wurden ehrliche Arbeiter – und lebten als freie Menschen in der Strafkolonie. Allerdings sind auch viele gestorben, insbesondere die gefangenen Kinder. Die Toten hat man auf einer eigenen Friedhofsinsel in der Bucht von PORT ARTHUR beigesetzt.

Egal wie man dreht oder wendet. Kein Leben und schon gar kein Ort für uns Luxustouristen. Tauschen möchten wir nicht!

Irgendwann ist einer der Kommandanten auf den Gedanken gekommen, das man aufmüpfige Gefangene körperlich mit Schlägen und Peitschenhieben doch gar nicht brechen könne. Im Gegenteil: Sie würden nur immer abgebrühter und die anderen Gefangenen würden bei den öffentlichen Maßregelungen sogar zu ihnen aufschauen. Aufruhr drohte! Also dachte er sich die Isolationshaft in absoluter Stille und Dunkelheit aus. Die Zelle kann man besichtigen. Wir haben auf der Türschwelle kehrt gemacht…

PORT ARTHUR

Schade ist, das die kleine Stadt, die PORT ARTHUR damals durchaus war, kaum noch zu erkennen ist. Denn viele Gebäude wurden aus Holz erbaut und sind längst verrottet oder abgebrannt. Nur die aus Stein errichteten Wohnhäuser des „Managements“ sind gut erhalten. Und Ruinen der massiven Gebäude. Weil damals ja schon die Fotografie erfunden war, gibt es durchaus tolle Schwarz-Weiß Fotos in der Ausstellung, die den Ort aus verschiedenen Perspektiven gut zeigen. Ich habe die zwar abfotografiert, zeige die hier aber nicht – gehören mir ja nicht.

Garten in PORT ARTHUR

Eine Ausnahme möchte ich mit dem folgenden Schaubild machen. Daraus geht hervor, das die Engländer zwar nicht die Einzigen waren, die ihre Gefangenen einfach Exportiert haben, aber sie waren ganz offenkundig die eifrigsten. Eine Zeitlang.

Quelle: PORT ARTHUR Gallerie

Zum Besuch gehört eine kleine Bootstour durch die Bucht. Schiff-fahren ist ja immer gut und so kommen wir an der unheimlichen Friedhofsinsel vorbei und lernen, das hier in der Bucht auch schon mal große Kreuzfahrer vor Anker gehen und die Gäste an Land spülen.

Wie gut, das wir heute fast alleine waren.

Peter.

P.S.: Der Besuch von PORT ARTHUR ist natürlich mindestens ein Ganztagesausflug – die Eintrittskarten gelten sogar für zwei Tage. Wir haben unser Camp gleich in der Nähe, auf dem Campingplatz „White Beach Tourist Park“ im Ort White Beach aufgeschlagen.

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