Utklippan – für immer!

 

Oh Du mein UTKLIPPAN!
Oh Du einmalige Ansammlung von Felsbrocken inmitten des Meeres!
Oh Du unvergessliche, unvergleichliche und unsterbliche Außenklippe!
Du Süd-Westlichste aller schwedischen Inseln.
Du Eiland in der HANÖ BUGT.
Oh Du mein UTKLIPPAN!

Nur selten besuchen wir Orte noch einmal, an denen wir schon waren. Wiederholung ist Stillstand und Stillstand ist der Tot.
Die drei Tage auf UTKLIPPAN hätten unterschiedlicher nicht sein können. Am Tag der Überfahrt von BORNHOLM, immerhin gut 60 Seemeilen nach irgendwie Nord, blies der Wind ganz ordentlich. Darauf waren wir eingestellt. Doch die Welle war überraschend mies und erwischte den Skipper völlig drogenfrei. In der Folge war dieser nach ein paar Stunden recht seekrank. Doch die Segel waren gut getrimmt, der elektrische Autopilot fand den Weg und die zahlreichen Berufsschiffe bleiben wie durch ein Wunder gut auf Abstand. Am späten Nachmittag liegen wir im Schutzhafen UTKLIPPAN längsseits an der Pier und freuen uns sehr, nach sieben Jahren wieder hier zu sein.

Am Abend tauschen wir uns mit Süd-Fahrern über Anker- und Liegeplätze aus. Dem kommenden Flautentag wird ein echter Starkwindtag folgen – somit stellt sich die Frage, ob wir eine Nacht oder drei Nächte auf UTKLIPPAN bleiben wollen. Der Skipper ist völlig klar in seiner Meinung. Drei, mindestens. Zu einmalig ist dieser Ort in der Welt.

Am Flautentag setzen wir mit dem Ruderboot über zur Süd-„Insel“, auf der der Leuchtturm steht. Damals, 2011, war er noch komplett in Gerüst und Plane eingehüllt, weil er überholt werden musste. Nun sind die Arbeiten längst abgeschlossen und, das ist wirklich der Hammer: Man kann ihn für 40 SEK besteigen und dort oben bleiben, so lange man will. Das machen wir und verbringen den GANZEN in luftiger Höhe. Wir beobachten aus der Vogelperspektive den Boots- und Schiffsverkehr um die Insel herum, das Treiben auf der Insel und todesmutige Eingeborene, die kühn vom kleinen Leuchtfeuer in das Wasser der Hafeneinfahrt springen.

Genau hinsehen – Bildmitte!

Für den Abend haben wir ein Grillbuffet gebucht und finden so Gelegenheit, ausführlich mit dem Hafenmeister zu sprechen. Er und zwei weitere Personen haben erst vor einem Jahr ganz UTKLIPPAN von Land Schweden gemietet. Komplett, mit der ganzen Infrastruktur! Einer kümmert sich um die Gastronomie und die Betten, einer um die Tauchbasis und einer um den Hafen. Sieben Wettbewerber mussten sie im Rennen um den Mietvertrag ausstechen. Nun haben sie eine gute zweite Saison hinter sich, haben aber noch viel Verbesserdungsbedarf.

Ein Problem sind um Beispiel die Toiletten. Das sind Plumpsklos und das „Plumps“ muss aufwendig per Boot aufs Festland zum Entsorgen gebracht werden. So lange nur zahlende Gäste „Plumpsen“ ist das kein Problem, aber alle zwei Tage bringt der öffentliche Nahverkehr Tagestouristen aus KARLSKRONA auf die Insel, die selbst Proviant mit bringen, kein Geld auf der Insel lassen, aber eben „Plumpsen“. Das schwedische Jedermans-Gesetzt, wonach das Land im Prinzip allen gehört und von allen betreten werden darf, macht es möglich. Hey, das sind Probleme!

Der Skipper ist schnell traurig, denn das wäre mal ein Projekt so ganz nach seinem Geschmack. Der Hafenmeister bremst: Man muss schon Schwede sein und am Besten aus der Region kommen, sonst zahlt man für alles und jedes den vollen, maximalen Preis und dann funktioniert das alles nicht mehr.

Wie auch immer: Wer den ganz besonderen Ort in Europa sucht, der sollte über www.utklippan.eu seinen Aufenthalt auf der Insel buchen. Die Preise sind mehr als angemessen, die Leute super freundlich, die Felsen einmalig und wenn man schlauer ist als wir, nimmt man per Rucksack ein paar Drinks mit auf den Leuchttrum und verbringt dort den Spätnachmittag…vielleicht bis zum Sonnenuntergang?

Leider, leider, wird die Insel im Herbst für den Winter geschlossen. Das Problem ist die Wasserversorgung. Die friert ein weil alles oberirdisch verlegt werden muss – in den Fels lässt sich nichts verlegen. Wie bei uns an Bord wird das Wasser per Seewasser-Entsalzungsanlage erzeugt. Strom gibt es vom Festland.
Die Betreibercrew würde wohl auch gerne im Winter für spezielle Events anrücken – aber vermutlich wird schon die Überfahrt zu Insel im Winter die meisten Gäste abschrecken (?).

Nach dem wunderschönen, unvergesslichen Flautentag folgt wie angekündigt der Sturmtag. Alle anderen Boote haben am Vorabend die Insel verlassen, nur der STORMVOGEL liegt einsam im Schutzhafen. Der durch die Süd-Westliche Einfahrt eintretende Schwell bewegt zwar das Boot merklich, aber das ist voll OK. Ein paar mal wird die Leine vom Fenderbrett durchgescheuert, aber mit ein paar alten Opferleinen wird auch das vermieden. Ganz früher funktionierten noch die Schutztore, mit denen der Hafen komplett abgeriegelt werden konnte – aber die sind Geschichte.

Wir nutzen den Sturmtag für Boot-Jobs und überprüfen z.B. den Generator. Mit dem Ruderboot trauen wir uns nicht auf die Süd-Insel, der Wind fegt schon mächtig über die flachen Felsen. Aber auch dieser Tag wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Oh, Du mein Utklippan!

Peter.

P.S. I:
Ach ja, fast schon vergessen: Der Skipper hat die Drohne im Hafenbecken versenkt. Durch mutigen Taucheinsatz konnte sie zwar physisch geborgen werden, aber bisher scheiterten alle Re-Animationsversuche. Damit ist (bisher) die Drohne das teuerste Spielzeug, das am wenigsten Genutzt, zu Bruch gegangen ist. Besonders ärgerlich: Der Absturzfilm ist nicht zu retten. Die Datei existiert zwar auf der SD-Karte, aber kein vorhandenes Tool ist der Ansicht, das es sich um eine Videodatei handeln könnte. Ähm, äh, falls da jemand Ideen hat?

P.S. II:
Der Beitragstitel ist ein wenig vom Titel „Für Immer“ von DORO PESCH beeinflusst. Wir haben neulich aus der Mediathek ihren Auftritt bei INAS NACHT gesehen und dieses fast verloren gegangene Lied auf YOUTUBE wieder entdeckt. Tolle Künstlerin!

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