LEIXOES / PORTO – VIANA DA CASTELLO – MOANAS / V*** – VILAGARCIA

180 Seemeilen in vier Stationen mit zwei Ländern und ein paar (mit Verlaub) richtig geilen Segeltagen.

Wer hätte das gedacht? Von wegen „vorherrschend Nord“ und „Strom gegen an“. Letzteres ist wirklich zu vernachlässigen: 0,2-0,5 Knoten gegen an, das ist kein Problem. Und im Moment pustet es aus allen Richtungen – jeden Tag anders, oder auch mal gar nicht. Also ideal, um nach Norden zu kommen!

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Von FIGUEIRA DA FOZ nach LEIXOES waren es 66 Seemeilen, die meiste Zeit mit Vollzeug hervorragend gesegelt. LEIXOES ist der Industriehafen von PORTO, gleich neben an. Die Marina keine Schönheit, aber mit 23 € pro Nacht weniger als halb so teuer wie die Marina im Fluß DOURO.

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Irgendwie fangen die Marinapreise an mich zu nerven. Es ist nicht so, das wir uns das nicht mehr leisten könnten oder ich gar geizig geworden wäre. Aber satte 50 € pro Nacht und mehr für einen Liegeplatz, lausige Sanitäreinrichtungen und sonst nichts? Da bekommt man mit Sicherheit schon ein ganzes Pensions- oder Hotelzimmer, womöglich mit Frühstück für.

Am Samstag, den 28. Mai 2016 unternehmen wir unsere PORTO Erkundungstour, mit dem Bus von LEIXOES aus in die Stadt. Es schüttet. Die Straßen stehen tief unter Wasser, es ist düster und kalt. Aber der Wetterbericht meint, der Dauerregen gehe in Schauer über und Nachmittags soll sogar die Sonne mal durch kommen. OK, das ist ein Deal!

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PORTO gefällt uns auf Anhieb viel besser als LISSABON. Das liegt vermutlich daran, das die Stadt nicht so herausgeputzt ist und viel authentischer wirkt durch die alten, teilweise sehr herunter gekommenen Häuser ohne jedem Zeichen von Renovierung. Uns gefällt das ja, dieses „naturbelassene“ und „unbehandelte“.
Die Stadt füllt sich trotz des Wetters schnell mit Touristen und bei jeder Schauer suchen alle schlagartig Schutz vor den Wassermassen. Ich suche die Chance auf ein paar gute Fotos, trotz des dunklen Himmels.

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Dafür erklimmen wir den TORRE DOS CLERIGOS und sind aus zwei Gründen bei Gipfelstürmung völlig fertig: Zum einen fordern die 225 Stufen alle Kraft der müden Segelbeine, zum anderen ist es so brechend voll (klar, im Turm regnet es ja nicht!) das man nur mit artistischen Einlagen weiter kommt. Ausblick genießen ist ob der Menschenfülle im obersten Stockwerk nicht möglich. Eher die Runde drehen, Motive suchen, sein Foto machen und sich an den nicht minder anstrengenden Abstieg wagen. Merkwürdig, das es hier keinen Besucherstrom-Regelung gibt?

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Das Wetter bessert sich tatsächlich, wir landen am Fluß und finden die Kulisse noch besser. Gerne hätten wir eine Portweintour gemacht, aber die Kellereien sind auf der anderen Flußseite und erscheinen uns unerreichbar. In nächster Nähe hingegen finden wir unser Mittagessen in einem Mini-Lokal: Das Geschäft findet normalerweise draußen statt, da kann das Restaurant ruhig klein sein. Normal ist aber heute nicht. Heute schüttet es. Daher sitzen wir quasi in der Küche und schauen dem emsigen Koch auf die Finger. Das stört den aber nicht.

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PORTO scheint uns sehr viele Häuser mit Kachelfassaden zu haben. Neben filegranen Mustern gibt es auch einfach rote, blaue und grüne Häuser mit Kachelkleid.

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Für die Rückfahrt wählen wir die METRO, steigen falsch aus und latschen kilometerweit durch den Hafen, um zum STORMVOGEL zurück zu kommen. Interessant, aber völlig überflüssig.

Tags darauf segeln wir 36 Seemeilen nach VIANA DO CASTELO, unserem letzten Hafen in PORTUGAL. Wir sind selbst sehr erstaunt, das wir knapp zwei Monate in PORTUGAL waren. Klar, wenn man nachrechnet stellt man fest, wo die Zeit geblieben ist. Auf dem Fluß RIO DUARDIANA, vor ALVOR und schließlich in LISSABON.

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DerTagestörn ist super-segeln. Wir sind mit 5 anderen Booten auf der Strecke und logisch, wenn alle das gleiche Ziel haben will keiner der Letzte sein. STORMVOGEL hängt super hart am Wind, dank Schwenkkiel laufen wir sehr ordentlich Höhe und öfter auch mal 7 Knoten – auf See echt nicht schlecht!
Der Himmel, zum Abgewöhnen. Der Liegeplatz am Flußponton mit 37 € völlig überteuert. Dennoch liegen wir im Päckchen und genießen unsere auf mit Gold aufgewogene Nachtruhe.

Am Montag, den 30, Mai 2016 starten wir nach SPANIEN, in die Stadt deren Namen wir seit 2012 nicht mehr aussprechen. Und weil auch in dieser Stadt die Marina Preise deutlich angezogen haben, gehen wir nach vorheriger Internetrecherche einfach auf die andere Seite der RIA, nach MOANA. Das hat drei Vorteile:

1) Wir können den Namen unseres Liegeplatzes ohne Sorge aussprechen
2) Wir können mit der Personenfähre für 2,20 € pro Fahrt in die Stadt übersetzten, deren Namen wir nicht nicht mehr aussprechen
3) Und, jetzt kommt der Hammer – wir liegen hier für 18 € die Nacht. Das finden wir doch mal sehr OK!

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Und etwas anderes Denkwürdiges passiert hier. Wir schließen Freundschaft mit dem französischen Boot MARIE-LOUISE. Patrik und Kati. Seit vier Jahren sind wir unterwegs und haben **NOCH NIE** auf einem französichen Dampfer gesessen und den Sonnenuntergang bei ein paar Drinks genossen. Es ist nicht so, das die Beiden was anderes sprechen als französisch, aber mit Händen und Füßen gelingt so was Ähnliches wie eine Unterhaltung.
Patrik auf einer vorangegangenen Etappe mit seinem iPAD ein kleines „STORMVOGEL unter Vollzeug“ Video gemacht und ich verbringe gut zwei Stunden damit, das 65 Megabyte Teil von einem APPLE Produkt (eingestellt auf französische Sprache) auf ein nicht APPLE Produkt zu kopieren. So ein Scheiß! Hallo, im Jahr 2016!!!
Wir revanchieren uns mit ein paar Actionfotos von MARIE-LOUISE…geschossen „von vorne“, was meint, das wir sie überholt haben…;-))) Ahhhhhhh!

Hier passt auch ganz kurz die Geschichte von Shirley aus England. Die Dame ist 70 Jahre alt und unfreiwillig Solo-Sailor auf dem Motorsegler „RORQUAL“ (?). Ihr Mann ist letztes Jahr auf dem Boot gestorben und sie möchte es nun nach Hause bringen. Ist das nicht traurig, beeindruckend, mutig und Mut machend zu gleich?

Oder Jeanne und Dick auf MAR-JOLIE aus den Niederlanden. Beide über 70, seit 40 Jahren Segler mit verschiedenen Booten und wollen nun ihre ELAN 434 nach Hause bringen…und dem Segeln auf Wiedersehen sagen. Das Leben auf einem Boot hält ganz offenbar jung. Und vor allen fit.

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Nun denn, nach zwei Nächten in MOANA geht es weiter nach VILAGARCIA, ganz hinten tief drin in der RIA DE AROUSA. Die lange Fahrt in der RIA ist famos, die Landschaft phänomenal und so völlig anders, als man es von Nord-Spanien erwarten würde. Eher skandinavisch. GALICIEN ist wirklich im Sommer ein Geheimtip.
Das kann man VILAGARCIA wohl nicht so sagen. Eher eine kleine Industriestadt in der Provinz. Aber, und das war der Grund unserers Besuches: Der Ort hat einen Bahnhof in Fußmarschweite von der Marina. Die Bahnstrecke verbindet eigentlich V*** mit LA CORUNA, unterwegs nach Norden hält der Zug aber auch in SANTIAGO DE COMPOSTELA – dem Ort, wo alle Welt angeblich zu Fuß hin pilgert. Nun denn, wir besuchten den Ort heute also mit Boot und Bahn und berichten demnächst über den Tagesausflug.

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Morgen brechen wir wieder auf – bummelig 60 Meilen nach MUXIA (MUGIA). Mit Chance Segelwind. Übermorgen 50 Meilen nach LA CORUNA. Oder Über-Übermorgen.

Schauen wir mal.

Peter.

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