Zur Lage XXXII

Wir sind immer noch im Großraum LISSABON, genauer gesagt in der Marina CASCAIS. Unser Besuch ist gerade weg, zu spät um noch heute gen Norden aufzubrechen. Aber da bleibt doch glatt die Zeit für einen neuen Lagebericht.

Und was für einer. Multimedial mit eigenem Video und passender Musik von Ole.

Drei Themen heute:

1) EPRIB Seenot-Funkboje
2) FURUNO RD-33 Anzeigegerät
3) Propellerlager

1) EPIRB Seenot-Funkboje
Zu einem Mysterium entwickelt sich die Frage, wieso die KANNAD Safelink 406 Boje auseinander gefallen ist. Sie ist gut und sicher in der Nähe des Niedergangs befestigt und somit „aus dem Weg“. Trotzdem ist ein Gewinde abgebrochen so das die Boje in zwei Teile fällt. Alle Versuche, das zu kleben waren nicht erfolgreich und so habe ich eine lange Holzschraube genommen, den Plastikstutzen vorgebohrt und das Teil dann verschraubt. Hält bis jetzt. Die Boje dann drei mal auf Funktion getestet (mit speziellem Testverfahren und nur in der Zeit „volle Stunde bis +5 Minuten“) und für gut befunden. Wird wohl bis zur Rückkehr halten, 2017 ist sowieso eine neue fällig.

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Und jetzt, da ich die Links recherchiere, stelle ich fest, das der Hersteller eine Weltweite Rückruf-Aktion gestartet hat. Der Grund: Das „gelbe Plastik“ könnte schneller als gewollt altern und kaputt gehen. Tja, da würde ich glatt mal sagen: VOLLTREFFER!
Also geschwind das Anforderungsformular ausgefüllt und Daumen gedrückt, das wir kostenlos eine neue bekommen – sogar fertig programmiert, denn es werden alle Daten abgefragt.

Schauen wir mal.

2) FURUNO RD-33 Anzeigegerät
Das da was im Busch war, war schon länger klar. Manchmal konnte man die Anzeige nicht mehr umschalten. Also mal ausgebaut und siehe da, das Teil ist voller Regenwasser. OK, es hat geschüttet wie doof, aber so ein Gerät darf nicht voll laufen! Es ist nun 3,5 Jahre alt und hat die Sonnen von Karibik, Pazifik und Asiens aushalten müssen. Vermutlich hat das Plastikgehäuse dabei Schaden genommen und irgendwo Raum für Regenwassereintritt geboten. Nicht schön.

Das Teil also mutig auseinander geschraubt, getrocknet und ausprobiert. Siehe da: Funktionierte noch – einwandfrei!
Tja, das Wort „Funktionierte“ besagt ja implizit, das es nun nicht mehr funktioniert ;-(
Und das hat nur mit Skippers beschränkten Fähigkeiten zu tun. Er wollte alles ganz toll sauber machen und setzt an einer vermeintlichen 6-Kant Mutter eine Zange an, die aber gar keine Mutter war – und knack, ab ist der CAN-Bus Anschluß. In Theorie kann man das wohl löten, aber Skipper ist nicht „man“.


Ohhhh, ich höre schon die Worte eines gewissen W. aus HH. – und zitiere Heidi: „Das geht von Deiner Hälfte ab…“.

Nun, ein neues Gerät ist bestellt und wird hoffentlich heute geliefert. Ich tröste mich über diesen unerwarteten Verlust mit dem Gedanken, das ich den Grund für die Undichtigkeit sowieso nicht gefunden habe. Ferner steht bei der starken Korrosion auf den Leiterplatten zu vermuten, das es eh´ bald komplett ausgefallen wäre…

3) Propellerlager
Nach dem wir also endlich einen Krantermin bekommen hatten konnte das Lager untersucht werden. Fazit: Ja, das Lager könnte man nun durchaus mal erneuern. Zuletzt wurde das in NEUSEELAND vor ca. 1.200 Motorstunden erneuert. Jedenfalls laut Rechnung und Stundenzettel. Bilder habe ich davon keine.

So ein Lager soll eigentlich gut über 2.000 Stunden halten. Wenn man die Geschichte mal recherchiert stellt man aber fest, das es viele Gründe für einen früheren Tot gibt. Das ist eben ein Verschleißteil das mit Seewasser geschmiert wird. Hauptbestandteil Gummi. Darin dreht die Propellerwelle, bei uns mit 1.500 bis 2.2000 Umdrehungen pro Minute. Wenn man dann mal auf Revierfahrten im (sehr) flachen Wasser auch noch Sand dabei hat, dann reduziert das eben die Haltbarkeit.
In diesem Forum ist von 500 bis 1.000 Stunden die Rede und in diesem gar von 3.000 bis 4.000 Stunden.

Schließlich verwirrt mich die Firma PROFISEAL völlig mit der Aussage, das ein neues Lager 0,1mm pro 100mm Wellendurchmesser haben dürfe (?). Das wäre dann ja bei uns 0,035mm Spiel – so wenig?

Das Messen des Spiels zwischen Lager und Welle ist m.E. unmöglich, da die Welle ja gut auf 140mm Länge aufliegt (so lang ist das Lager!) und das andere Ende der Welle im Drucklager oder am Getriebe steckt. Der bereits oben zitierte Herr W. hat mir aus einem PALSTEK-Artikel die Info zukommen lassen, das das Spiel so zwischen 0,3-0,6mm bei einer 65mm Welle sein dürfe. Wir haben eine 35mm Welle und alles unter einem Meter kann ich sowieso nicht ordentlich messen. Gefühlt sind wir beim alten Lager aber im Bereich von mehreren Millimetern.
Einzig die manuelle Kontrolle durch hin&her Bewegen des Propellers auf dem Trockenen gibt ein Gefühl für die Abnutzung. Und das kann man am Besten mit einem Bewegtbild-Video dokumentieren.

Vorhang auf, tärä:

Vorhang zu, weiter gehts:

So ein Lager ist ist natürlich keine Lagerware, also anders, als der Name vermuten lässt. Also muss das Teil aus England eingeflogen werden. Außerdem muss die Welle gezogen werden und das bedeutet beim STORMVOGEL, das auch das Ruder ausgebaut werden muss. Mit anderen Worten: Ein verdammt großer Job. In Summe haben wir 17 Arbeitsstunden auf der Uhr, das finden wir gar nicht mal zu viel für den Aufwand und und einen Materialpreis bei VETUS von gut 50 €.
Bei GFK Booten besteht das Lagergehäuse aus Metall. Auf einem Aluminiumboot will man aber kein anderes Metall haben – also besteht unser Lagergehäuse aus einem Kunststoff – daher kann man es beim „Ausbauen“ auch vorsichtig mit Hammer und flachen Schraubenziehr heraus meißeln. Das Stevenrohr dann mit Pressluft sauber gepustet und schon kann das neue Lager eingesetzt werden.


Und weil die Welle ja eh´ schon draußen ist, tauschen wir auch noch die VOLVO Stopfbuchse im Bootsinneren, denn auch die wurde zuletzt in NEUSEELAND getauscht. Das Teil ist schon klasse – kein Tropfen Wasser in der Bilge. Klar, so was tolles kostet so um die 200 €.

Nun denn, die kurze Probefahrt beim Zuwasser-Gehen war sehr erfolgreich, die längere Flussfahrt auf dem Weg nach CASCAIS ebenfalls ohne Befund. Wir werden weiterhin ein Auge darauf haben, sind aber erst mal froh´, das wir diese Baustelle geschlossen haben…

…mal überlegen:

Bis nach Hause sind es gut 1.400 Seemeilen, 6 Meilen pro Stunde macht in etwa 240 Motorstunden, wenn wir von LISSABON nach HAMBURG durchmotoren würden.

Aber halt, da war doch was?

STORMVOGEL ist doch ein Segelboot und seit wir das Mittelmeer verlassen haben, segeln wir ja auch tatsächlich wieder!

Da wollen wir doch mal sehen, wie viele Stunden wir bei Ankunft in HAMBURG tatsächlich auf der Uhr haben. Jetzt sind es 1.632.
Peter.

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