ALVOR

Am Freitag, den 22. April 2016 vorholen wir die 20 Seemeilen von ALBUFEIRA nach ALVOR.

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Richtigen Segelwind erwischen wir leider nicht, dafür aber sehr viele Delphine. Die sind anders als sonst vom STORMVOGEL recht gelangweilt. Vermutlich bekommen die von so vielen Ausflugsbooten und Fischern Besuch, das sie uns als Delphine-Liebenden-Segler gar nicht mehr unterscheiden können. Ein Video hier, ein Bildchen da und wie immer sind die Tiere schneller als wir 😉

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Ein paar Buchseiten weiter sind denn auch schon an der Einfahrt zur Bucht von ALVOR. Anfangs habe ich den Ratschlag, zu Beginn des auflaufendes Wasser (Flut) hier zu sein nicht verstanden – jetzt wird es klar: Das Wasser ist zwar auf dem tiefsten Stand, man kann aber sehr gut die Sandbänke erkennen und sich von denen fern halten. Ein bisschen später und die sind überflutet – aber nicht hoch genug, um sie mit dem Boot passieren zu können.

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Sehr, sehr vorsichtig tasten wir uns voran – das Wasser ist trübe, den Grund kann man selbst bei 2 Meter Wasser nicht erkennen. Hat man den Einfahrtkanal passiert, gibt es genau zwei Fahrwassertonnen, die irgendetwas anzeigen, aber auf keinem Fall das Fahrwasser. So brauchen wir für 1 Seemeile = 1.852 Meter ungefähr 50 Minuten um zum Ankerplatz zu kommen.

Erster Eindruck: Toll hier!

Super geschützt, vielleicht etwas eng auf dem Wasser aber tolle Kulisse – die paar Hochhäuser in Strand-nähe kann man geschickt ausblenden, wenn man nicht zu doll nach Osten schaut 😉

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Unsere Aussenborder-Basteleien beschäftigen uns am Samstag, Sonntags vorholen wir uns ins innere Bassin, weil ein Engländer den Anker verlässt und so Platz entsteht. So meinen wir jedenfalls. Wir brauchen drei Ankerversuche, denn hier ist eher Lehm als Sand der Grund, aber dann sitzen wir sicher und fest schön mitten drin. Dienstags geht die Maulerei eines Fischers los – wir lägen mitten in seinem Fahrwasser. Wir nehmen ihn nicht ernst, denn zum einen ist das hier offizielles Ankergebiet, zum anderen werden wir täglich von mindestens 100 Fischern passiert und keiner meckert. Nun, die „Kritik“ des einen mag damit zu tun haben, das er das größte Boot samt geschleppten Beiboot betreibt?
Beim zweiten Meckern beschließen wir, wieder auf unseren alten Platz zurück zu gehen – etwas weiter weg vom Ponton und somit längerer Dingi-Weg, aber auch geschützter gegen den Nachmittags auftretenden Nordwind.
Alles wird gut und der Fischer bedankt sich sogar am nächsten Tag für unsere nette, freiwillige Geste.

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Durch Zufall treffen wir Urlauber aus NEUSS wieder, die wir zuvor in ALCOTIM getroffen hatten. Wir verbringen einige sehr nette Stunden zusammen und freuen uns über die Gesellschaft aus der Heimat. Die beiden erkunden die Gegend mit Fahrrädern und wenn wir (ich?) nicht so perfekte Sportmuffel wären, könnte man glatt auf die Idee kommen, ausgedehnte Fahrradtouren in die Umgebung zu unternehmen.

Dafür verbringen wir einen anderen Tag am herrlich breiten, leeren Strand von ALVOR mit der Option auf Schwimmen im Meer. Allein, wir ziehen die Schwimm-Option nicht ob des kalten, vielleicht auch nur frischen Wassers. Klarer Fall von Warmduscher.

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Das Revier ist ein Paradies für Kite- und Windsurfer. Durch die vielen großen, flachen Sandbänke ändert sich die Wasserfläche permanent im Laufe der Gezeiten und Wind ist am Nachmittag wohl immer genug. Ein paar Fotos von unbekannten Sportlern entstehen so…

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…und wir lernen einen jungen (im Prinzip ->) Einhandselger aus HAMBURG kennen, der zufällig auch Kiter ist. Eigentlich ist er auf dem Weg in die KARIBIK, aber im letzten Jahr wegen Mastbruch hier hängen geblieben. Nun ist alles (fast) repariert und in diesem Jahr soll ein neuer Anlauf genommen werden. Sehr erfrischend, diese tatendurstige Jugend!
Heidi ist besonders fasziniert von dem Namen und Logo von einem der drei Sponsoren: KERNENERGIE (im Logo mit Eichhörnchen). Aber auch SCHWERELOSIGKITE und KITEWORDWIDE sind clever gemacht. Neben anderen gibt es auf KITEWORLDWIDE auch einen unregelmäßigen Segelblog…also noch unregelmäßiger als bei uns 😉

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Während unserer Ersatzteil-Taxifahrt vergangenen Samstag lernen wir etwas über die Situation im Land. Sitzt man nur lange genug in einem Taxi lernt man mehr, als in jedem Buch. Zumindest subjektiv.
Unser Fahrer ist sehr ärgerlich über die Enthüllungen der PANAMA PAPERS. Erst habe es geheißen, kein PORTUGIESISCHER Politiker habe was damit zu tun und nun kommen Scheibenweise die Zusammenhänge an das Tageslicht. Ist das nicht schön? Überall das Gleiche. Alle sind gleich. Also etwa so:

1) Überall gibt es Gute – und die sind alle gleich
2) Überall gibt es Trickser und Gauner (=Böse) – und die sind alle gleich

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Die (nach seinen Worten) Korruption laufe aber auch auf unterster Ebene ab. Da werde eine Farm überraschend zu Bauland, bereits gekaufte Parzellen werden über Nacht größer oder kleiner und wer nicht gut mit dem Bürgermeister kann, hat schon verloren.
Aber so verstehen wir nun endlich auch die extrem großen Unterschiede in den Immobilien hier:

a) Eine alte Farm im Nirgendwo (aber immerhin ALGARVE) mit 100.000 m² und zwei Hausruinen kostet 85.000,- €
b) Ein 100 m² Haus auf 500 m² Grundstück am Ortsrand eines kleinen Dorfes kostet 300.000,- €

Letzteres war also auch mal Farmland und wurde irgendwie zu Bauland, parzelliert und teuer.

Zum Beispiel mal bei diesem Makler surfen.

Auch das ist wohl überall gleich…vielleicht aber nicht das: Auf dem Farmland darf man hier ohne neue Genehmigung an gleicher Stelle ein Haus in gleicher Größe errichten. Nicht schlecht, oder? Na ja, man muss wohl noch darauf achten, das es Strom und Wasser wenigstens an der Grundstücksgrenze gibt, sonst ist man auf einem anderen Planeten. Telefon und Internet kein Problem, denn das Mobile Netz ist wie auch in SPANIEN sehr gut ausgebaut. Und, wie schon geschrieben, sehr viel billiger.

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Es gibt ungefähr 30 Golfplätze im Umfeld von ALVOR – aber kaum ein PORTUGIESE spielt Golf. Die Plätze seien alle auf Touristen ausgelegt und würden clever, clever „Kooperationen“ mit Schulen eingehen, um die Jugend zum Golfen zu bewegen. Das klappe aber nicht so richtig, Fussball, und man höre und staune, Karate, stünden hoch im Kurs. Golf-Touristen seien keine guten Taxikunden – die würden kaum die Anlage verlassen 😉

Tja, so geht es hier zu.

Heute Abend gehen wir in ALVOR zum FADO – und sind sehr gespannt, ob uns diese Musik gefällt. Zeitlich etwas doof wollen wir Morgen früh´ den STORMVOGEL nach LAGOS vorholen um am Sonntag dann mit dem Zug nach LISSABON zu fahren. Da sind gerade Freunde auf kurzer Städtetour und eine einzelne Person hat sich in den Kopf gesetzt, da mal eben hin zu fahren. Mal eben bedeutet 4 Stunden Zugfahrt – one way.
Aber OK, diese einzelne Person hat ja Recht. Wir sehen uns viel zu selten…

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Wenn sich das Wetter dann so entwickelt, wie es seit zwei Tagen den Anschein hat, können wir am 3., 4. oder 5. Mai 2016 Nordwärts das CABO DE SAO VICENTE passieren. Dazu legen wir uns vorher in BALEEIRA (15 Seemeilen westlich von LAGOS) vor Anker auf die Lauer – um dann den langen Schlag nach SINES (65 Seemeilen) bei Tageslicht zu schaffen. Ich bin sehr gespannt, wie und vor allem wann das wirklich klappt. Denn ab dieser Etappe werden wir mit Nord-Strom und Nord-Wind zu tun haben. Nix gut für easy sailing.

Aber: Das ist Zukunft. Kommt also zeitlich später, nicht jetzt. Jetzt kommt erst mal FADO.

Peter.

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