Zur Lage XXXI

Wir schrauben uns weiter um die Welt.

Nichts aufwendiges. Mit der Gelassenheit derer, denen schon viel passiert ist, werkeln wir derzeit entspannt auf drei Baustellen herum.

a) Aussenborder
Wirklich blöd. Weil der Mechaniker in AGUADULCE ja so schnell das Problem mit dem TURBO LADER der Hauptmaschine gefunden und behoben hatte, dachten wir, er hätte auch eine Astreine Arbeit bei der Wartung des YAMAHA F6 CMHS (letzter Buchstabe: S = short; L = long shaft, Baujahr 2011) Außenborders abgeliefert.
Immerhin hatte er ja bei Rückgabe des Motors auch alle ersetzten Teile dabei…
…tja, wir haben die Maschine bisher nicht gebraucht und entsprechend nicht ausprobiert. Jetzt, hier vor ALVOR vor Anker liegend, sollte er endlich mal wieder zum Einsatz kommen.

Allein, das frisch gewartete Teil sprang nicht an.

Demontierter Shaft; Pumpengehäuse aus Plastik in Bildmitte
Demontierter Shaft; Pumpengehäuse aus Plastik in Bildmitte

Keine Chance. Also an Deck damit und auf die nagelneue Zündkerze konzentriert. Denn Benzin war da, nur keine Zündung. Nach Stunden des erfolglosen Schraubens setzten wir auf Verdacht eine andere Zündkerze ein und siehe da, das Teil startet sofort!

Hero of the day – für 15 Minuten.

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Denn nach erfolgreicher Voll-Gas Probefahrt um den STORMVOGEL herum stellen wir entsetzt fest, das der Aussenborder komplett überhitzt ist, dampft und stinkt und kein Kühlwasser  mehr zu sehen ist. Das war vor Ablegen aber noch da.

Weil wir den Aussenborder bisher nie selbst gewartet hatten (einmal im Jahr immer durch den örtlichen YAMAHA SERVICE) haben wir auch keine Ersatzteile dafür an Bord. Und auch keine Ahnung, wo da eigentlich was verbaut ist. GOOGLE sei Dank finden wir bei YOUTUBE ein gutes Anleitungsvideo und lernen, das der Impeller ganz unten im Schaft verbaut ist. Denn der Impeller muss es ja wohl sein, wenn kein Kühlwasser mehr kommt.

Montierte Impellerpumpe mit Dichtung direkt unter dem Kunststoffhehäuse.
Montierte Impellerpumpe mit Dichtung direkt unter dem Kunststoffhehäuse.

Obwohl hier in ALVOR ca. 1.000.000 Fischer mit kleinen Booten und Aussenbordern herum heizen gibt es hier (natürlich) keine Teile. Also per Taxi am regnerischen Samstag Vormittag ins benachbarte PORTIMAO – zwei Geschäfte, kein Impeller.
Was solls? Also weiter nach LAGOS. Dort kaufen wir natürlich direkt zwei um die Kosten für die kleine Taxirundreise zu rechtfertigen, kehren zurück zum STORMVOGEL und weil es aufgehört hat zu regnen machen wir uns ans Schrauben.

YAMAHA Teilenummer für den Impeller des YAMAHA F6 CMHS 6E0-44352-00
YAMAHA Teilenummer für den Impeller des YAMAHA F6 CMHS 6E0-44352-00

 

Und stellen fest, das der alte Impeller in AGUADULCE nicht getauscht wurde (…volle Wartung?), die Lamellen etwas labbelig sind und zur Krönung eine Dichtung auf der falschen Seite montiert wurde. Im o.g. Video kann man klar erkennen, das eine grüne Dichtung zwischen Pumpengehäuse und Metallplatte ist – jedenfalls bei der Demontage. Bei der Montage kann man das im Video leider nicht mehr richtig erkennen, aber da gehört natürlich eine Dichtung hin. Denn das Teil soll ja keine Luft saugen….obwohl es im Betrieb vermutlich sowieso unter Wasser liegt?
Egal: Neuen Impeller eingebaut, die Dichtung auf die vermeintlich richtige Seite gesetzt und in einem kleinen Gedulds-Puzzel den Schaft wieder zusammen gesetzt.

Den Aussenborder wieder ans Dingi montiert, Spannung, Adrenalin auf Maximum: Starten!

Läuft! Läuft wie geschmiert. Es kommt ordentlich Kühlwasser und das Teil läuft wie eine eins.

Nach dem obligatorischen Schulterklopfen zwischen Skipper und Chef-Mechanikerin Probefahrt. Zunächst super, auch bei Max-Speed voller Kühlwasserstrahl. Aber auf einmal geht das Teil schlagartig aus.

Ganz offensichtlich kein Benzin mehr. Also wieder mit der Balgenpumpe aus dem externen Tank angesaugt, gestartet, läuft. Um es kurz zu machen: Wir haben den Tank gereinigt, das Benzin zweimal gefiltert und das Problem besteht immer noch.
Bei Gelegenheit (Morgen?) müssen wir am Motor zwei Sachen überprüfen: Meiner Meinung nach ist der neue Benzin-Feinfilter falsch herum eingebaut. Den drehen wir mal rum. Außerdem schauen wir uns mal die Benzinpumpe an. Die hatte ich letztes Jahr mit ROBBIE von SOUTHERN STAR einmal zerlegt. Soweit ich mich erinnere, waren da nur Metallteile verbaut. Aber wer weiß, vielleicht ist durch die Überhitzung was kaputt gegangen?

Denn die Maschine läuft, auch hochtourig, so lange ich ab und zu mit der Balgenpumpe Benzin aus dem externen Tank zuführe – oder den kleinen internen Tank verwende, der höher liegt als Benzinpumpe und Vergaser.

Für uns beide ist klar: Der YAMAHA war das letzte Mal bei einem „Mechaniker“ zur Wartung. Die „Qualität“ bekommen wir auch selbst hin.

 

b) Gelenkwelle
Der STORMVOGEL verfügt im Prinzip über einen klassischen Antriebsstrang für Segelboote. Von Vorn nach Hinten:

1) Hauptmaschine
2) Getriebe
3) Welle im Stevenrohr
4) Propeller

Nun wäre der STORMVOGEL ja nicht der STORMVOGEL, wenn er auch hier nicht ein paar technische Schmankerl zu bieten hätte. Denn genau betrachtet sieht der Antriebsstrang wie folgt aus:

1) Hauptmaschine
2) Getriebe
3) Gelenkwelle
4) Drucklager
5) Welle im Stevenrohr
6) Propeller

Alte Gelenkwelle
Alte Gelenkwelle

Mit der Gelenkwelle werden Niveauunterschiede von Motor/Getriebe zur Welle ausgeglichen und beides voneinander entkoppelt, was Vibrationen und Geräusche reduzieren soll. Das Drucklager ist auf einem Spant des Rumpfes montiert und nimmt so den Schub des Propellers besser im Bootsrumpf auf – ansonsten würde er Schub ja direkt aufs Getriebe und den Motor und dessen Montagefüße wirken.

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Demontierte Welle ohne Distanzstück

Nun beobachten wir seit einigen Tagen einige kleine Ölspritzer in der Bilge, in der die Gelenkwelle läuft. Ganz klar Spritzer von einer rotierenden Bewegung. Nur, die Gelenkwelle ist 100% wartungsfrei und führt definitiv kein Öl.

Zur Ursachenforschung die Verbindung zum Drucklager geöffnet und dabei fest gestellt, das einer der 8 Bolzen nicht mehr richtig fest war. Das Problem „Schraube Locker“ haben wir seit AGUADUCLE auf dem Zettel.
Nach Demontage festgestellt, das an einer Metallkappe eindeutig etwas Öl ist. Merkwürdig!

Drucklager; Gelenkwellenseite
Drucklager; Gelenkwellenseite

Das ganze System aus Gelenkwelle und Drucklager nennt sich AQUADRIVE und ist von GKN Driveline Service Scandinavia AB in SCHWEDEN. Weltweites Servicenetz, Deutsches Hauptquatier in HAMBURG.
Anruf dort. Wir werden mit einem sehr hilfsbereiten und kompetenten Menschen verbunden. Stimmt: Öl ist da nicht drin, aber Fett. Wenn das mal zu warm werde (mehr als 80°C), könne es durchaus sein, das sich das verflüssigt und ein bisschen Öl austritt.

Hmmmm…..

Das Teil ist seit TAHITI neu. Unterwegs war es viel wärmer als jetzt. Wieso also jetzt?

Diese Gelenkwelle funktioniert wie beim Auto – und natürlich wird sie selbst Betriebswarm, denn es entsteht Reibung. Aber auch das Getriebe und das Drucklager wird warm und diese Wärme wird durch das Metall auf die Gelenkwelle übertragen.

An der Kappe ganz klar Ölspuren
An der Kappe ganz klar Ölspuren

Seit Weihnachten fahren wir an Bord so einen BOSCH THERMODETEKTOR mit dem man wunderbar Oberflächentemperaturen messen kann.

Also alles gereinigt, die Bolzen super fest angezogen und auf der kurzen Fahrt von ALBUFEIRA nach ALVOR hübsch die Temperatur gemessen. Lässige 42°C als Höchsttemperatur bei 1650 Umdrehungen Marschgeschwindigkeit.
Keine neuen Spritzer, keine Auffälligkeiten.

Also müssen wir weiter messen und beobachten und wohl auch mal auf 2.000 Touren gehen.

Auf Verdacht austauschen möchten wir nicht. Denn zum einen kostet das Teil echtes Geld und wir haben das alte(„vor TAHITI“) als Reserve ja auch noch an Bord. Aber die Ursache finden wäre schon mal nicht schlecht.
Vielleicht ist ja nur etwas geschmolzenes Fett (=Öl) durch den einen lockeren Bolzen nach außen gelangt?

 

c) Impellerpumpe Hauptmaschine
Ähnliches Phänomen. Ab und zu beobachte ich eine Salzablagerung gleich unter der Pumpe. Hier tropft also ganz klar ab und zu Salzwasser. Nicht viel, aber man sieht es. Die Pumpe im laufenden Betrieb schon öfters kontrolliert, keine Spur von Tropfwasser. Auch auf dem letzten Törn nicht. Merkwürdig.
Und ich war schon kurz davor, eine neue Impellerpumpe als Reserve zu organisieren…da finden wir eine in der Backskiste der Achterkajüte als wir nach der alten Gelenkwelle gesucht haben…und mir fällt ein, das ich die ja schon in SETE / SÜDFRANKREICH besorgt hatte. Erste Anzeichen von Alzheimer? Wie kann man (ich!) so was vergessen?

Vor Neukauf prüfen, ob man nicht schon Reserve hat...irgendwo....im Boot ;-)
Vor Neukauf prüfen, ob man nicht schon Reserve hat…irgendwo….im Boot 😉

Allerdings traue ich mir einen eventuell notwendigen Wechsel der Pumpe nicht selbst zu. Sehr eng, sehr viele Schläuche, sehr schwierig. Also auch hier erst mal abwarten und weiter beobachten.

Das ist ja sowieso seit einiger Zeit unsere Masche: Den STORMVOGEL beobachten und Veränderungen, auch kleine, fest stellen. Wenn man sich 10 oder 20 mal was angesehen hat dann prägt sich das Bild ein und wenn beim 25. mal was anders aussieht, dann bemerkt man das und kann seine Spekulationen (s.o.) anstellen.

Diese Seemansweisheit hat uns allerdings schon 2012 ein Rigger (Mast-Spezialist) auf GRAN CANARIA mit auf den Weg gegeben. So richtig gehalten haben wir uns daran (damals) nicht….und wenn ich heute so darüber nachdenke: Ich möchte Heidi gar nicht jeden Tag in den Mast ziehen und sie würde sich nicht ziehen lassen  ;-)))

(Kleine Übertreibung: Mast würde bestimme alle 2-3 Wochen reichen – Maschine jeden Tag, wenn sie läuft).

Peter.

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